Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs

Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs // Teil 1 der fünfteiligen Serie Begegnung

 

 

Als Eventgestalter wollen wir unvergessliche Momente erzeugen. Mensch und Marke sollen sich begegnen – am besten mit WOW-Erlebnissen. Wie es zu wirkungsvollen Begegnungen kommt, dem möchte ich in einer fünfteiligen Serie nachspüren. Dabei werden wir uns dem Mysterium einer Begegnung über die fünf Sinne nähern. Fünf Experten bekommen die selben drei Fragen gestellt. Den Anfang macht der Geruchssinn. Dazu habe ich den Parfumeur Uwe L. Manasse befragt:

 

 

1. Was macht eine wirkungsvolle Begegnung aus?

 

Geruch ist der einzige Sinneskanal, den man nicht betrügen kann. Das unbewusste Fühlen des Gegenübers wird wie bei keinem anderen Sinn aktiviert. Daher ist die wirkungsvolle Begegnung auf dieser Ebene geprägt vom Zeigen und Erkennen des Wesens, der Stimmung und der Werte der Kommunizierenden.

 

Duft ist das erste Element der Begegnung. Bevor wir mit jeglichem anderen Sinn das Setting erfassen, hat das Riechen, allein durchs Atmen schon wichtige Weichen gestellt: Bin ich sicher? Ist das echt was ich sehe, höre oder fühle? Und vor allem: Woran erinnert es mich?!

 

Und Duft ist das letzte Element der Begegnung. Denn auch kein anderer Sinn verdrahtet im Kopf Erinnerungen so fest wie das Riechen. Diese beiden Faktoren aktiv bewusst zu leben, wird jede Begegnung verändern.

 

 

2. Worauf ist bei der Gestaltung einer Begegnung zu achten?

 

Riechen gehört fest mit in die Planung. Ist die Eventlocation für den Launch einer Nobel-Uhrenmarke beispielsweise neben einer Bio-Hühnerfarm? Passt nicht. Geht es um Outdoormode, dann ist der ländliche Geruch Teil der Inszenierung.

 

Wenn eine aktive Beduftung vorgesehen ist, muss diese den Werten der Unternehmung entsprechen. Eigenwillig gutes Beispiel: Abercrombie und Fitch. Die kommunizierten Firmenwerte sind laut, unverhohlen, auf Äußerlichkeiten bezogen. Genau so ist die Parfumierung der Geschäftsräume. Da wurde alles „richtig“ gemacht.

 

Weniger gutes Beispiel: Bäckerei, die mit „Frischem Backwerk“-Duft parfumiert wird und man am Abend 16 Stunden alte Brötchen bekommt.

 

Dies gilt auch für Menschenbegegnungen. Beispiel: Der Agenturchef kommt am Nachmittag zum Kunden, mit einer perfekten Präsentation. Gegessen hat er seit heut Morgen nichts. Er ging lieber noch zwei Mal alles durch. Sein Hunger-Mundgeruch wird den versammelten Säugetieren (Kunden) verraten, dass dieses gehetzte Tier da vorn noch nicht einmal in der Lage ist, für sich zu sorgen. Das Rudel (welches den Auftrag dann an einen anderen vergibt) also schwächen wird. Riechen ist hemmungslos ehrlich.

 

Begegnung Riechen Geruchsinn Event

 

 

3. Was können Eventgestalter bei der Planung von Begegnungen davon lernen?

 

Wer die Werte des Kunden, Produkts, Zeitpunkts kennt, wird nichts falsch machen. Also sind diese Werte Tagesordnungspunkt 1. Wer dazu dann auch noch die Trigger seines Publikums kennt, macht alles richtig. Also Tagungsordnungspunkt 2. Dann multiperspektivisch denkende Experten ins Boot holen und zur Interaktion miteinander ermutigen.

 

Perfekt schlechtes Beispiel: Die Waldlandschaft einer Streetware-Modemesse, bestehend aus Großformatdrucken und künstlichen Bäumen. Die Beduftung der Halle stellte „Wald“ authentisch dar. Der Lösungsmittelgeruch aus den Drucken und dem Chinaplastikgeruch der Bäume jedoch nicht. Besucher bekamen Kopfschmerzen. Die Verweildauer war zu kurz, die Umsätze der Aussteller schlecht. Diese blieben im nächsten Jahr aus. Der Veranstalter ging fast pleite. Keiner kam darauf, dass es am Geruch gelegen hat.

 

Perfekt gutes Beispiel: Eine Popcorn Maschine an einem Messestand für elektronische Whiteboards bei der Didakta. Die Whiteboards waren so einfach zu bedienen „wie Popcorn“. Das Image des Herstellers gut gelaunt. Man konnte auch Filme auf die Boards projizieren (Kino). Die Besucher hatten einen Duftleitfaden durch die ganze Messehalle. An dessen Ziel stand eine spannende neue Technologie, deren Kern unsichtbar ist. Sie kauten während der Präsentation (Hirndurchblutung 😉 ) und die Finger dufteten danach nach dem Whiteboard-Erlebnis.

 

 

Parfumeur Uwe L. ManasseParfumeur Manasse erschafft in seinem Duftwerk Atelier in Köln unsichtbare Signaturen für Räume, Situationen und Menschen. Persönlicher Lieblingsduft: Die Haut im Frühjahr, wenn zum ersten mal die Sonne darauf scheint.

 

 

 

Weiter geht es mit dem Sinnesorgan Schmecken – dazu hier das Interview mit Max Chocolatier.

Frauen in der Eventbranche: You have, what it takes. Go for it!

Frauen in der Eventbranche – ein unverstellter Blick auf den Status Quo // Photo: Priscilla Bucher

 

 

In meinem Sabbatical besuchte ich mit obiger liebenswürdig-verrückten Feministin die Pinakothek der Moderne in München. Ein herrlicher Streifzug durch die Epochen mit spannenden Gesprächen. Dabei stellte Priscilla mir eine Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht:

 

„Chris, stell dir vor du wachst morgen auf. Du bist noch genau derselbe Chris, der du bist. Einzig dein Körper ist der einer Frau.“

 

Soweit, so gut. Ehrlich gesagt: Ein aufregender Gedanke. 😉 Warum nicht. Tolles Gedankenspiel. Dann der Haken:

 

„Du sitzt bei deinem Chef zum Jahresgespräch. Es geht um deine Lohnverhandlung.“

 

Mir dämmerte es sofort. Scheiße. Das Äußere verändert sofort alles. Einfach, weil ich im Körper einer Frau stecke, schlagen mir Vorurteile ins Gesicht. Ich werde nicht das gleiche Gehalt bekommen, was meinem Kollegen gewährt wird. Ich werde nicht die Anerkennung durch eine Beförderung erhalten, wie sie mein Kollege erhält.

 

Männer – dranbleiben. Ja, es mag stereotyp klingen. Aber wenn wir ehrlich sind: Das ist so. Als Frau werde ich belächelt, muss mich beweisen. Der Weg als Mann ist vorprogrammiert: Die Beförderung samt Lohnerhöhung steht mir natürlich zu. Als Frau muss ich dafür kämpfen, was es nicht besser macht. Das ist unverkennbar: ungerecht.

 

 

Tragödie des Genders – Mann vs. Frau

 

Die Begegnung mit Priscilla und ihre Frage lässt mich seit einem halben Jahr nicht mehr los. Wenn ich den Gedanken weiterdenke, folgen eine Menge herausfordernder Situationen. Gerade für Frauen ist die Eventbranche kein leichtes Eisen. Natürlich ist bei weitem nicht alles stereotyp. Dennoch einige Erlebnisse aus den letzten Monaten:

 

1. Frauenquote in Unternehmen

 

Neulich erst redete sich wieder ein Chef auf einer Veranstaltung um Kopf und Kragen. Leider kann ich die Worte nicht zitieren, wären sie doch zu treffend gewesen. Aber jeder kann sich diese Situationen vorstellen. Alt-Herren-Mentalität par excellence – peinlich bis körperlich schmerzend. Puh. Wäre es nur ein Satz gewesen, hätte Mann wie Frau es vielleicht ertragen können. Aber mit jedem weiteren Satz verstrickte er sich und offenbarte, wie wenig er den Sinn hinter dieser wichtigen Maßnahme verstanden hat. Das offenbart, wie wenig das Thema im Herzen angekommen ist. So wird ein konstruktives, gleichberechtigtes, unvorbelastetes Miteinander sicher nicht gefördert. Es ist Zeit, dass sich daran etwas ändert!

 

Gleichzeitig stelle ich fest, dass aufgrund der Frauenquote in manchen Konzernen Männer mittlerweile das nachsehen haben. Ohne das Thema statistisch validieren zu können stosse ich in letzter Zeit immer wieder auf Kollegen, die einfach frustriert waren. Das als Wahrnehmung, ohne bewerten zu wollen.

 

2. Arbeit als Regisseurin…

 

In dem Gedankenspiel würde ich konsequenterweise als Regisseurin sowohl Vorstände auf der Bühne, aber auch ein zu 98% männliches Technikteam führen. Da muss Frau erstmal ihren Mann stehen. Welches Alphatier im Vorstand lässt sich schon gerne vor der ganzen Mannschaft von einer Frau korrigieren? Das Thema ist sowieso sensibel und bedarf Fingerspitzengefühl: Klar, solide, ruhig kommunizieren. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber folgendes Beispiel bestätigt die Regel:

 

Kürzlich habe ich ein Projekt konzeptionell beraten. Für die Durchführung habe ich einige Regie-Kolleginnen vorgeschlagen. Die Rückmeldung war, dass es definitiv keine Frau sein soll. „Der CEO lässt sich nicht von einer Frau führen.“ Das ist natürlich höchst pauschal und unfair. Julia Möller, Nadine ImbodenMonika Graf, Andreana Clemenz oder Konstanze Agatz machen einen hervorragenden Job als Regisseurin. Vielleicht sind Männer bei euch gerade wegen der Diskretion und Empathie in besten Händen. Mein Respekt, wie ihr eure Aufgabe täglich mit Bravour meistert (oder ist das eine der leichtesten Übungen? Bei der nächsten Begegnung werden wir drüber sprechen…)! Dieses hinterfragen Kundenseits gilt übrigens nicht nur für Regisseurinnen, sondern auch für ModeratorInnen aber auch ProjektleiterInnen, wie mir kürzlich eine Kollegin bestätigte.

 

3. Selbstbewusstsein

 

Ein anderes Phänomen ist für mich das Thema Selbstbewusstsein. Oder anders: Sich seiner selbst bewußt zu sein. Was kann ich, was nicht. Was davon teile ich mit, was nicht. Verbal wie nonverbal. Allein meine Körperhaltung verrät unfassbar viel darüber, was ich mir selbst zutraue. Eine Vorstandsdame erzählte kürzlich beiläufig diese Geschichte: Eine junge Porjektmanagerin entschuldigte sich vor ihrer Präsentation für ihr unperfektes Englisch. In den Köpfen der Zuhörer war sofort verankert: Jetzt kommt schlechtes Englisch. Dabei brillierte sie auf fachlicher wie sprachlicher Ebene. Nur waren die Zuhörer gedanklich gar nicht dabei… Danach kam ein älterer Mann, der sich hinstellte und im breiten Bayern-Kauderwelsch seine englischsprachige Präsentation hielt. Es lagen Welten dazwischen, aber der Mann hat es einfach gemacht. Die Leute haben zugehört. Die Moral: Einfach machen, nicht entschuldigen.

 

Ein Phänomen, welches mir auch im Gespräch mit meiner Frau aufgefallen ist. Als Mann neige ich bei Jobanfragen dazu einfach JA zu sagen – auch wenn ich das fachlich noch nie gemacht habe. Die Entscheidung ist wenig reflektiert, sie ist instinktiv. Traue ich mir zu, mache ich, klar. Meine Frau wägt die Fallstricke eher kritisch ab. Das ist keine Wertung, sondern nur eine Wahrnehmung: Männer sagen einfach Ja, Frauen denken oft (über)kritisch darüber nach. Da können wir uns durchaus etwas von der jeweils anderen Seite abschauen.

 

Frauen in der Eventbranche

„Gib mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Kraft

Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu trennen.“

 

 

Natürlich geht es dabei nicht darum sich selbst zu überschätzen, sondern zu spüren: Was könnte ich hin bekommen, auch wenn ich davor großen Respekt habe und was ist einfach nicht möglich. Heute weiß ich: Denken hilft. Ich habe gelernt einmal mehr nachzudenken, bevor ich handle. Das bewahrt mich vor mancher Peinlichkeit – ob offensichtlich oder nicht. Aber ohne Mut wäre ich nicht da, wo ich bin. Meine Frau konnte ich genau dazu ermutigen, sich öfter auf das Abenteuer einzulassen. Natürlich hat sie Job-Anfragen immer gekonnt umgesetzt – und war froh, dass sie JA gesagt hat. Manchmal merken wir ja erst beim Tun, was so alles in uns steckt…

 

Mein Punkt: Ich kenne so viele Projektmanagerin im Eventbereich, die einfach unfassbar gut, durchdacht, stringent, souverän und umsichtig agieren. Egal auf welchem Level (und ohne Ranking) – ich bin beeindruckt von Frauen wie Hanna Hasenbank, Alexa Küddelsmann, Weijie Yang, Barbara Zickler, Eva Heid, Stefanie Dieterich, Andrea Bergheim, Sabine Pollmann, Swantje Marquardt, Gabi Garmatz, Claudia Krause, Louise Amelie Leuchtenberger, Eugenie Jung, Julia Arnold, Silja Neumann, Britta Bahlow, Miriam Gundlach, Gaby Bartolomeo, Fran Koetter, Uta Brinksmeier, Antonia Eisert, Vivien Stamm, Stephanie Fottner, Grit Aßmuß, Grit Scholz, Nadja Pohle, Vera Viehöfer, Kerstin Riedmüller, Andela Riedel, Eva Pehle, Anne Reinhardt, Nadja Meister, Yvonne Katz, Kerstin Hoffmann-Wagner, Daniela Seemann, Nadja Bartels, Maren Neumeier und viele mehr, die ich jetzt vergessen habe. You have, what it takes. Go for it!

Update: Katharina Stein vom Eveos Blog reagiert auf diese Gedanken mit diesem Plädoyer zur Haltung.

 

4. Kinderwunsch

 

Als zweifacher Vater erlebe ich die Dramatik, die sich im Körper der Frau abspielt, besser mit. Ich wußte vorher nicht, wie intensiv zum Beispiel die Geburt ist. Viele Freunde hegen seit Jahren einen Kinderwunsch. Nicht die Norm – aber immer öfter bekomme ich mit, wie sich ein Paar auf eine Hormon-Therapien einlässt. Das hat krasse Auswirkungen auf den Körper, aber auch die Seele. Bei vielen anderen Freunden gab es Totgeburten. Ein unvorstellbares Leid. Nicht nur emotional, sondern auch physisch. Das hinterlässt Spuren.

 

Dies ist aber ja nur der erste Schritt. Was ist, wenn dann die Kinder größer werden. Wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt – beziehungsweise eben auch nicht – darüber haben vier Kolleginnen höchst ehrlich geschrieben. Gerade im Eventbereich ist das mit den krassen Arbeitszeiten fast unmöglich. Ok, man könnte meinen egal ob Mann oder Frau: Wer sich für die Eventbranche entscheidet braucht einen toleranten Partner und eine verlässliche Kinderbetreuung. Aber die Frage wer zu Hause bleibt, wenn das Kind krank ist, brauche ich gar nicht zu stellen. Natürlich der Mann. Äh…?

 

 

Frauen in der Eventbranche – ein Segen!

 

Vor einiger Zeit habe ich den grandiosen Dokumentarfilm „Where to invade next“ des US-Oscarpreisträgers Michael Moore gesehen. Am Ende des Films stellt er den Einfluss von Frauen in die Gesellschaft Island’s vor. Island wählte die erste Präsidentin weltweit. Die einzige Bank, die die Wirtschaftskrise überstand war eine von Frauen geführte Bank. Moore’s Aufforderung: Frauen an die Macht – denn sie sorgen sich um durchdachte, langfristige und für alle Seiten faire Entscheidungen. Das führt zu Fairness und Nachhaltigkeit. Ich kann ihm da nur beipflichten. Wir müssen Frauen faire Chancen geben.

 

Mein Frauenbild ist grundsätzlich sehr positiv durch meine Oma geprägt worden (hier ein filmisches Porträt). Meine Mutter ist eine sehr starke, mutmachende, lebensbejahende, stringente, verändernde Frau. Auch aufgrund dieser Prägung halte ich immer wieder Ausschau nach Möglichkeiten, wie ich Frauen bei Events fördern kann. Es macht Spaß zu entdecken, wie konsequent ich positiv überrascht werde. Frauen können es, sie brauchen nur öfters die unvoreingenommene Chance. Geben wir Ihnen, was Ihnen zusteht!

 

 

Mit diesen Gedanken möchte ich dazu inspirieren, das Geschlecht als Kriterium unseres (Vor)Urteils zu verbannen! Ein unverstellten Blick (wie Priscilla Bucher in diesem Video vorlebt) tut uns allen gut. Lasst uns offen und fair miteinander Chancen verwandeln. Für alle Männer, die es bis hierhin durchgehalten haben: Nur Mut, ihr werdet überrascht werden! Das gilt auch für euch Frauen – nur Mut, ihr werdet überrascht werden „was alles möglich ist“! Lasst uns das Gute vom anderen Geschlecht abschauen, voneinander lernen, besser im Umgang miteinander werden.

 

 

Frage: Männer wie Frauen: Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema in der Eventbranche gemacht?

 

 

Wertegemeinschaften: Lasst die Zielgruppen frei!

Zielgruppen vs. Wertegemeinschaften – eine Art Petition von Helge Thomas // Foto: Mercat de la Boqueria auf den Ramblas, Barcelona

 

 

Wenn ich diesen Artikel mit der Behauptung beginne, dass Kommunikation eine der entscheidenden Kompetenzen unserer Zeit ist, wird mir vermutlich niemand widersprechen. Und Bumms. Schon knallen wir gegen die erste Hürde. Niemand lehrt uns Menschen den richtigen Umgang mit Kommunikation. Wir kommunizieren einfach.

 

Alles beginnt mit dem ersten noch unbewussten Schrei, der uns Liebe und im besten Fall Essen beschert. Da hat sich Mutter Natur was tolles ausgedacht. Funktioniert bestens. Bis… – ja bis das mit der Sprache beginnt. „Dutzi dutzi“ hören wir ständig und gurren belustigt zurück. Um es kurz zu machen: Viel ändert sich daran nicht mehr im Verlauf unseres weiteren Lebens. Wir schreien und die Umwelt reagiert. Wir gurren und die Reaktion ist eine andere. Wir bemühen uns ja redlich aber es bleibt kompliziert. Oft genug endet unser Bemühen mit Frust, Streit und Mißverständnissen.

 

Der Oscar prämierte Dramatiker George Bernard Shaw beschrieb dieses Dilemma einst etwas poetischer:

Das größte Problem an der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte statt gefunden“.

 

 

Zielgruppen: „Frauen auf Partnersuche“ & „Männern über 60“

 

Machen wir nach dieser – zugegeben etwas launigen – Einleitung einen mutigen Sprung in die „professionelle“ Kommunikation zwischen Unternehmen und Märkten. Auch hier wird mir niemand widersprechen, wenn ich behaupte, dass Kommunikation ein Schlüsselfaktor wirtschaftlichen Erfolges ist. Das beste Produkt wird in den Lagern verrotten, wenn keiner davon erfährt. Also wird kommuniziert, was das Zeug hält. Doch ganz so einfach ist es nicht. Bestand zwischen dem Säugling und den Eltern noch eine klare Sender-Empfänger-Zuordnung, fehlt diese jetzt völlig. Ein Produkt trifft auf unendlich viele Empfänger.

 

Die Urväter der Werbung erkannten das schnell. Ihre Lösung erschien zunächst logisch. Sie sortierten den riesigen Klumpen „Gesamtbevölkerung“ einfach nach vordergründigen und leicht erkennbaren Merkmalen. Dann sperrten sie diese „Grüppchen“ in kleine Räume und nannten sie „Zielgruppen“. Und so saßen plötzlich alle „Frauen auf Partnersuche“, alle „Männer über 60“ und alle „Kinder aus Großstädten mit höherem Schulabschluss“ zusammen in je einem kleinen Raum und wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Doch es kam noch schlimmer.

 

Kaum hatten sich ihre verängstigten Augen an die flackernde Neonleuchte an der Decke gewöhnt, da ging das Geschrei auch schon los. Es kam aus dem einzigen Fernseher des Raumes. „Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Single über Parship“, „Weniger müssen müssen!“, „Günstige Hotels weltweit buchen, jetzt auf deinem Smartphone“ und immer wieder ultralaut „JETZT KAUFEN! NUR FÜR KURZE ZEIT!“. Den ganzen Tag ging das so. Und die ganze Nacht. Laut, eintönig und penetrant. Es gab kein Entkommen.

 

 

So blöd kann ja nun wirklich niemand sein…

 

Klingt nach Orwell? Stephen King? Dabei ist es nur das, was wir heute immer noch als „Werbung“ bezeichnen. Viel hat sich nicht geändert seit den ersten Anzeigen. Es wurde lediglich immer mehr. Waren es am Anfang nur Bilder, die „geschrien“ haben, kamen mit der Zeit das Radio, das Kino, der Fernseher, der Computer, das Internet und zuletzt noch perfide kleine Mobilgeräte dazu. Die Botschaften blieben immer dieselben. Geklont auf jede erdenkliche Art, auf allen erdenklichen Kanälen. Immer lauter einhämmernd auf die hilflos eingepferchte Zielgruppe.

 

Immer mal wieder wehrten sie sich. Nach Kräften. Doch kaum hatten sie ein Gerät blockiert, kam ein neues dazu. Denn auf seiten der Schreihälse gab es weder Erkenntnis noch Erbarmen. „Wir kennen doch diese verdammten Zielgruppen. Die lieben unsere Produkte. Man muss es ihnen nur oft genug sagen. Sie sehen doch, wie der Umsatz steigt!“ In der Tat geben die Verkaufszahlen und Klickraten den Schreihälsen oft Recht. Auch wenn sie natürlich verschweigen, dass sie an den völlig falschen Stellen messen. Aber das ist eine ganz andere – nicht minder grausame – Geschichte.

 

Schweißgebadet wache ich auf. Gott sei Dank, ich habe nur geträumt. Erleichtert wische ich mir über die Stirn. Wie albern, denke ich. Ich meine, so blöd kann ja nun wirklich niemand sein. Niemand, der die guten Schulen besucht, Kommunikation oder Marketing studiert hat und weiß, dass man Menschen nicht mit eintönigem Geschrei erreicht. Schon gar nicht, wenn man sie vorher eingesperrt hat. Das wäre ja Folter im Sinne der Genfer Konventionen und somit ein Fall für Den Haag. Das wäre ja so, als würden Ärzte den menschlichen Körper in Einzelteile trennen, jedes davon völlig isoliert betrachten und behandeln, wohl wissend, dass der Mensch ein Gesamtorganismus ist. Halt warte… schlechter Vergleich. Das tun die ja auch.

 

Könnt Ihr mir überhaupt folgen? Versteht Ihr, was ich sagen will?

 

OK, nochmal ganz einfach: Menschen sind sehr komplexe und individuell höchst unterschiedliche Wesen, die nur dann (re)agieren, wenn ihnen etwas wirklich wichtig und wertvoll ist. NUR dann. Fangt doch mal bei Euch selbst an. Was ist das wertvollste, dass Ihr besitzt? Lasst mich raten, es ist nicht Euer Auto. Mit welchen Menschen würdet Ihr gerne einen Abend verbringen? Doch wohl am ehesten – abgesehen von irgendwelchen Promis – mit Menschen, die Eure Werte und Interessen teilen. Also Menschen, die auch einen Hund haben, sich ebenfalls vegan ernähren, Ähnliches erlebt haben, dieselbe Musik lieben, dieselben Bücher lesen oder – etwas trauriger – die gleiche Krankheit haben wie Ihr. Richtig?

 

Wir haben vor drei Jahren einen Versuch gemacht und genau solche Fragen, willkürlich zusammegestellt, auf 14fragen.de veröffentlicht. Nach einiger Zeit haben wir die dort anonym gegebenen 804 Antworten in einem kleinen – von unserer Designerin schön gestalteten – Booklet zusammen gestellt. Wenn Ihr Lust habt, da mal rein zu schauen, schreibt mir einfach eine Mail mit Eurer Adresse und ich schicke Euch ein Exemplar zu.

 

Wie auch immer. Solltet Ihr – was ich nicht glaube – noch nie auf die Idee gekommen sein, Eure Kunden nach mehr als ihrer Mailadresse, ihrer Kleidergröße oder ihrer Position im Unternehmen zu befragen. Wenn Ihr sie stattdessen – was ich nicht glaube – jeden Tag auf allen Kanälen mit dumpfen „Wir haben den Längsten“-Botschaften bewerft, weil Ihr glaubt „alle in einen Sack und drauf, es wird schon die richtigen treffen“. Wenn… – aber Freunde, wirklich nur dann schaut Euch diesen Film an. Schaut ihn zuende.

 


Wertegemeinschaften vs. Zielgruppen Ansprache von TV2 Dänemark // (Quelle: TV2 youtube)

 

 

Herzwert kommunizieren!

 

Schaut ihn noch einmal. Schöner kann man nicht erklären, was ich meine. Und wenn ihr auch ein kleines bisschen Gänsehaut habt oder euch zumindest ein heimliches Tränchen aus dem Augenwinkel entweicht, dann ist es noch nicht zu spät. Dann lasst uns endlich anfangen, wieder WERTvoll mit Menschen zu kommunizieren. Lasst uns dabei an sich verändernde WERTEgemeinschaften denken, nicht an eingesperrte Zielgruppen. Und lasst uns vor allem nicht (nur) über Produkte sondern über echte WERTE reden. Zuallererst mal über unsere eigenen. Und dann lasst Euch überraschen, wieviele Herzen uns zufliegen.

 

Das Schönste daran: Ein gewonnenes Herz bleibt viel länger als ein erzwungener „Kunde“. Geld verdienen sollte die Folge dessen sein, was wir tun, niemals das Ziel. Klar soweit?

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas ist Creative Director bei pro event live-communication in Heidelberg und in dieser Rolle ebenso Gründer von SHIFT, einer Initiative für neues Denken und Handeln sowie Herausgeber und Redakteur des Online-Magazins HERZWERT. Aus seiner großen Liebe zum SC Freiburg und den vielen Freudentränen im dortigen Schwarzwaldstadion macht er ebenso wenig ein Geheimnis wie um seine große Leidenschaft für kreative Ideen und mutige Menschen, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen. Helge ist auf vielen sozialen Netzwerken zu finden und freut sich immer über Zuwachs in seiner Wertegemeinschaft.

Event Trend 2017: Experten zur Live-Kommunikation

Event Trend 2017 // Foto: iPhone Kalender © Apple

 

 

In guter Tradition frage ich Eventgestalter zum Jahreswechsel ein und die selbe Frage: Welchen eine/n Trend, Herausforderung oder Möglichkeit siehst du für 2017, der den stärksten Einfluss auf die Live Kommunikation haben wird?

 

Zunächst noch ein kurzer Rückblick auf die Trendschau 2016. In der Essenz wurde der Fokus auf gutes Storytelling, eine stärkere Vernetzung von Digitalem und Realem sowie innovativer Umsetzung der uns bereits bekannten Möglichkeiten vorhergesagt. Inwiefern das eingetroffen ist, kann der Blick auf die Zusammenstellung der FAMAB Gewinner 2016 des Eveosblog liefern. Jetzt zum Event Trend 2017:

 

 

1. Annette Beyer, GF und Studienleitung treibhaus 0.8:

 

Content. Content. Content. Nicht nur bei den Inhalten am PoE (Point of Erlebnis ;), sondern auch in jedem Selfie, das die Teilnehmer in ihr soziales Netzwerk zwitschern. Gleichzeitig wollen die Leute vor Ort WIRKLICH Spaß haben, sonst bleiben sie lieber, wo sie grad sind – im Büro, in Küche und Kinderzimmer, im Park beim Joggen – und infotainen sich schön praktisch im Netz. Ergo: Inszenierung ist alles!

 

 

2. Martin Kloss, Moderator und Coach:

 

2016 war für mich ein Jahr, das vollgestopft war mit High-Tech Präsentationen und dem alles dominierenden Thema „Digitale Transformation“. Die besondere Herausforderung im nächsten Jahr liegt darin den Menschen wieder zu entdecken. Das stetig gesteigerte Schneller, Höher, Weiter erreicht die Menschen nicht mehr, die digitale Desensibilisierung ist in vollem Gang. Was wir brauchen ist ein Zurück zum Menschen, mit Inhalten und Inszenierungen die wieder echte Kommunikation im Fokus haben, von Mensch zu Mensch.

 

 

3. Christoph Bovenkerk, Unternehmenskommunikation Party Rent Group:

 

Die Chancen stehen gut, dass Events ab 2017 nachhaltiger werden. Jetzt alle erstmal so: Nicht das Thema schon wieder. Mit dem FAMAB Sustainability Summit und der Green Meetings Conference gibt’s am Jahresanfang aber zwei wirklich anständige Formate, die die Kraft besitzen, da mal ein bisschen Schwung reinzubringen. Dazu kommt die Berichtspflicht für große Unternehmen und das ohnehin gestiegene Nachhaltigkeitsbewusstsein. Die Nachfrage nach nachhaltigen Konzepten wird steigen – und Anbietern wird gar nichts anderes mehr übrig bleiben, als sich endlich Gedanken dazu zu machen.

 

 

4. Cristián Gálvez, Keynote-Speaker:

 

Die spürbare Dynamik durch disruptive Kräfte wird sich noch stärker auf die Konzeption der Live-Kommunikation auswirken. Die wachsende Agilität innerhalb der Unternehmensstruktur führt noch mehr zu agilen und dezentralen Eventkonzepten mit höherem Interaktionscharakter.

 

 

5. Linus Eidenbenz, GF askjeff Zürich:

 

Mixed Reality oder breiter gesagt „digital“ wird 2017 das Live-Komm-Erlebnis noch stärker beeinflussen und die alten Definitionen von „Events“ und „Live-Kommunikation“ in vielen Bereichen challengen. Hier brechen Grenzen auf, die bisher als starr galten.

 

 

6. Michael Hosang, GF Studieninstitut für Kommunikation:

 

Die Trends also bzw. den Trend? Oder doch die Lottozahlen? Vielleicht das Live Video Streaming – dynamisch wachsender Markt. Hochinteressant für (interaktive) Veranstaltungsformate.

 

 

7. Vincent Rohlfing, Management Strategie & Konzeption EXPLIZIT:

 

In den nächsten Jahren wird die konsequente Implementierung sinnvoller, digitaler Aktivierung von Gästen zu einer der größten Herausforderungen in der Event Branche. Hier geht es vor allem darum, digitale Angebote nutzbringend einzusetzen und nicht nur, weil es sie gibt.

 

 

8. Pat Kalt, GF tisch13:

 

Aus meiner Sicht wird sich die Live-Kommunikation in Zukunft noch stärker mit Virtual und Digital Space verknüpfen. Die Präsentationen von Seat auf der Pariser Motorshow und Jaguar auf der L.A. Autoshow sind da zwei gute Beispiele dafür. Dabei entsteht die Herausforderung, die spezifischen Qualitäten der Live-Kommunikation nicht zu vernachlässigen, sondern das Beste aus den verschiedenen Welten zu verbinden und zu potenzieren.

 

 

9. Jan Kalbfleisch, GF FAMAB:

 

Nach unserer brandaktuellen, repräsentativen Studie „Die Zukunft des Marketings“ werden sich die Budgets in den nächsten Jahren erheblich von der „klassischen Werbung“ in „Digital“ und „Live Kommunikation“ verschieben. Erstmalig sind sogar deutlich Rückgänge in der klassischen Werbung zu verzeichnen.

 

Deshalb muss die Branche sehr klar auf die herausragende Stärke unserer Gattung setzen. Das ist die persönliche Begegnung von Menschen auf Messen, Events und anderen Gelegenheiten. Emotionen und Erlebnisse schlagen „Big Data“.

 

 

10. Konstanze Agatz, Regisseurin:

 

Ich erlebe, dass der Trend bei großen Showproduktionen weltweit für 2017 stark in Richtung „Connectivity/Vernetzung“ geht; Zielgruppe, Markenbotschaften und Showelemente werden geschickt verwoben und verbunden. Das Erlebnis des Individuums tritt in Interaktion mit dem Präsentierten. Auch für kleinere Events und Konferenzen birgt die „Vernetzung der Teilnehmer“ ein großes Potential, insbesondere auch für die Nachnutzung der so gewonnenen Daten (Stichwort Digital Footprint). Zudem bietet ein zunehmend selbstverständlicher Umgang mit ‚Nachhaltigkeit‘ neue Möglichkeiten.

 

 

11. Florian Oberforcher, GF inszemo – Büro für Erlebnisgeschichten:

 

Erlebnisse, wie sie in der Live-Kommunkation geschaffen werden, machen in einem unternehmerischen Kontext keinen Sinn, wenn sie einmal im Jahr wie ein großer Luftballon beliebig und willkürlich losgelassen werden. Erlebnisse erzielen nur dann ihr volle Wirkung, wenn Menschen sie mit gestalten können, sie echt sind und damit Verbundenheit erzeugen. Für mich besteht daher die Herausforderung darin, die gemeinsame Zeit als sinnvolle Erlebnisse zu gestalten, wie viele kleine Luftballons, die im Alltagswind am Handgelenk der Menschen tanzen. Sie erzählen von unseren Erlebnissen und lassen uns gerne an sie zurück erinnern.

 

 

12. René Elberfeld, Idee & Konzept:

 

Weniger Hype mehr Miteinander.

 

 

13. Beke Fahrenbach, Konzeptionerin:

 

Mit Bedacht auf Relevanz, Partizipation und Nachhaltigkeit geht es viel mehr um zielgerichtete integrierte räumliche Kommunikation als um Effekt haschende Events. Unsere Herausforderung wird es sein, Erlebnisse im „HIER & JETZT“ zu schaffen. Erlebnisse, welche neugierig machen, die Menschen mitnehmen und wegziehen von ihren Smartphones – um zu mindestens für einen Moment ihre eigenen digitalen Blasen platzen zu lassen.

 

 

14. Philipp Dorendorf, Creative Director facts and fiction:

 

Ich glaube nicht, dass sich in Bezug auf Live-Komm Formate aktuell so wahnsinnig viel ändert. Live und Digital nähern sich nach wie vor an, probieren aus, experimentieren, erfinden sich neu, also alles gut.

 

Aber was Trends angeht: Wenn ein Trend einmal alle erreicht hat, dann ist ja kein Trend mehr. Was ich tatsächlich und für mich neu beobachte, ist, dass die Kunden selbst stark aufrüsten und Spass an Live bekommen. Die ersten machen richtig mit. Sie konsumieren nicht nur die Konzepte, sie gestalten mit. Alle wollen Partizipation? Die fängt zwischen Agentur und Kunde an. Die ersten haben das verstanden! Ich rede von richtig grossen Unternehmen.

 

 

15. Miriam Wüstefeld, Konzeptionerin:

 

2017 – bloß nicht den Anschluss verpassen! Technologie und Wirtschaft geben klare Signale und eine vierte industrielle Revolution steht ins Haus. Gerade die Live Kommunikation sollte die Augen davor nicht verschließen und klug mit dieser Herausforderung und Chance umgehen. Inhalte werden komplexer, Erlebnisse virtueller – eine tolle Möglichkeit phantastische Welten zu kreieren. Neue Dimensionen des kreativen Denkens und bislang ungewohnte Wege der Umsetzung werden Einzug halten.

 

 

16. David Korte, Director Planning OSK:

 

2017 wird meiner Meinung neben dem WAS auch das WIE immer entscheidender für Kreations- und Operationalisierungsprozesse. Zum einen wird alles leaner, agiler und rapider. Das macht auch Sinn – zumindest häufig. Aber sicher nicht immer. Denn zum anderen muss hierzu auch die Kultur bei allen Beteiligten entsprechend sein – sonst springt man wie ein Tiger und landet wie ein Bettvorleger.

 

 

17. David Delassus, GF a-blok:

 

2017 will confirm that digital is not just a special meal anymore. Our clients have tasted it and now know what the good ingredients are: interaction, contributions, gamification, emotions, storytelling… What is now interesting is to open up the cooking experience to others, online, and invite them to be part of it, before, during and after the event.

 

 

18. Andreas Roos, Regisseur & Konzeptioner:

 

Storytelling, human stories, narrative advertising, alles das Gleiche, nur immer wieder im neuen Gewand? Schon Shakespeare hat richtig gute Geschichten erzählt, authentisch, spannend, nah an der Realität und wenn sie dann noch gut inszeniert werden, wiederum authentisch, spannend und mit perfektionistischem Anspruch, dann wird es am Ende gefallen, ob das jetzt ein Trend ist, weiß ich nicht, ich weiß aber, dass es funktioniert… immer wieder!

 

 

19. Jörg Sellerbeck, Art Director Konzeption:

 

Die Aussicht, dass Menschen wie Helge Thomas (pro event live-communication) zu Beginn des Jahres 2017 auf dem Sustainability Summit in Dortmund zum Mikrofon greifen, um das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich zu betrachten, wird meiner Hoffnung nach die Umsetzung von Live-Kommunikations-Ereignissen bereichern. Mögen die Impulse des Summits so monumental sein, dass auch der Begriff der „Gastrosophie“ die Köpfe der Live-Kommunikateure erreicht.
Zudem wünsche ich mir für 2017 eine stärkere inhaltliche Fokussierung auf das Thema „Ankunft“, anstelle der ständigen Suche nach dem nächsten „Dingsbums der Zukunft“.

 

 

20. Kai Janssen, GF und Kreativdirektor MATT CIRCUS:

 

Die Tendenz setzt sich fort: Je globaler und virtueller die Welt, desto heimeliger der Stil und sinnlicher das Angebot. Selbstverständlich total regional. Im Vintage-Look daherkommender Minimalismus ist sexy. Lieber das selbst Gestaltete statt des austauschbar Eingekauften. Direkte, persönliche Ansprache, mehr Gäste-Einbindung und DIY! Individualität kennt keine Grenzen, Partizipation ist das Ziel. Und die Digitalisierungswelle gibt uns dazu immer neue Tools an die Hand.

 

 

21. Bruno Meissner, GF MEISSNER EXPO:

 

o Digitale Transformation & Face-to-face Bedürfnis nimmt parallel zu
o Einsatz von Kanban-Wand im Büro um das gesamte Team zu befähigen, kritisch zu denken (Thema „Digital Disruption“ – „anstößig“ sein), zu verhandeln und zu moderieren – das werden die gesuchten Fähigkeiten der Zukunft sein!
o Storytelling (authentische Geschichten) bleibt heißes Thema v.a. in den sozialen Medien und damit auch im Marketing
-> Motto: Je üppiger die Pläne blühn, desto verzwickter wird die Tat

 

 

Event Trend 2017: Sowohl DIGITAL als auch ANALOG…

 

Persönlich entnehme ich aus diesen Statements den Kontrast von DIGITAL und ANALOG wahr. Die digitale Revolution nimmt unaufhaltsam auch in der Live Kommunikation ihren Lauf – bei gleichzeitigem Wunsch nach Echtheit, Begegnung, achtsam im Moment zu sein. Bei der Gestaltung dieser Momente geht es nicht um das „entweder – oder“, sondern das geschickte „sowohl – als auch„.

 

Gerade nach meinem halbjährigen Sabbatical (welches am 15.1.2017 endet) bin ich freudig gespannt auf all das, was uns 2017 bringen wird. Bis dahin freue ich mich auf die Geburt meines zweiten Kindes und wünsche frohe Weihnachten und kommt gut rüber ins neue Jahr!

 

 

Frage: Welcher Trend fehlt oder ist unterbelichtet? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unterhalb.

 

 

Wie es sonst um den Event Trend 2017 steht:

A) Eventmanager Blog: Event Industry Trends Report 2017
B) Lesenswerte Analyse der Kunde-Agentur-Beziehung mit drei Empfehlungen: Klare Positionierung, Beratungskompetenz steigern, Prozesse verbessern. Schlechte Kreation wird auch zukünftig für Frustrationen und Probleme sorgen. Aber exzellente Kreation ist morgen kein Garant mehr für eine erfolgreiche Agentur-Kunden-Beziehung.
C) Top Eventblog Posts in 2016 auf meinem Blog

 

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf.“ Axel Beyer

 

 

Wie weckt man Emotionen? Diese Frage treibt mich seit Jahren um. Warum erzeugt die Mona Lisa im Louvre eine magische Anziehung und andere Bilder nicht? Warum nimmt mich der eine Redner erfolgreich mit auf seine Gedanken-Reise und der andere nicht? Warum berühren mich einige Lieder und andere eben nicht?

 

Emotionen zu wecken ist die Kernaufgabe für die Konzeption von Events. Wer Emotionen weckt, bekommt auch eine Reaktion. So werden Beziehungen aufgebaut. Eine gute Währung für die Live-Kommunikation. Daher habe ich sieben Kreativdirektoren gebeten, ihre Gedanken und Erfahrungswerte zu schenken. Wie unmöglich es ist, das in eine paar Sätze zu packen, zeigt der Prolog von Helge Thomas auf…

 

 

Helge Thomas: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen?!

 

 

Diese Frage kann ich definitiv nicht beantworten. Das hat vielerlei Gründe. Lass mich vielleicht zwei davon kurz heraus greifen. Zum einen hat das Wort „Emotionen“ einen so riesigen semantischen Hof, dass man Russland darin parken könnte. Zweimal. Ach was rede ich. Viermal. Von den rein biologischen Partys, die da im limbischen System abgehen, ganz zu schweigen. Und dann dieser Volksmund mit seinem Angerlatein „Das geht zu Herzen“. Ja, eben nicht! „Da schüttet der Hippocampus mal wieder tonnenweise Endorphine in die Blutbahn,“ müsste das korrekt heißen. Egal. Wo war ich? Ach ja. Zum anderen: Gäste sind niemals gleich Gäste. Und meistens sind es nicht einmal meine Gäste, sondern die Gäste meines Kunden oder auch die seines Chefs oder seiner Frau. Im Falle öffentlicher Veranstaltungen sind es gar völlig fremde Menschen, die man der Einfachheit halber dann eben auch Gäste oder besser Besucher nennt. Was die Sache nicht einfacher macht. Was sagst du? Meine Reaktion auf deine Frage erscheint dir etwas zu emotional? Mitnichten, mein Lieber! Ich versuche dir lediglich zu erklären, warum ich dir kein „Rezept“ nennen kann, wie ich Emotionen bei Gästen wecke. Und überhaupt: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen. Vielleicht sind sie auch gerade ganz woanders. In Gedanken. Oder sie haben sich nur versteckt. Unter der Oberfläche. Siehst du. Das meine ich. Schon sind wir mitten drin, im Deutungslabyrinth der menschlichen Gefühle. Und wenn ich jetzt weiter schreibe, kommen wir da beide nicht mehr raus. Weißt du noch, was ich oben schrieb? Eben. Ich auch nicht. 🙂

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas, 1964 in Heidelberg geboren, Schauspieltalent vom Vater geerbt, schon viele künstlerische und wirtschaftliche Bühnen bespielt: Als Darsteller auf und Beleuchter hinter der Bühne von Theaterproduktionen, in Marketing- und Vertriebsverantwortung bei großen Unternehmen sowie neun Jahren als freiberuflicher Start-Up-Coach, SocialMedia-Experte und Filmemacher. Heute ist er Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei pro event.

 

 

 

Kai Janssen: Es ist wie bei einem Rendezvous…

 

 

Wenn man davon ausgeht, dass Emotionen mit dem Ziel erzeugt werden, beim Gast zu punkten und eine Beziehung aufzubauen, dann ist es wie bei einem Rendezvous:

 

Zunächst sorgt man mit dem passenden Ambiente für die gewünschte Stimmung. (Location, Licht, Musik, Essen)

 

Dann stellt man seinem Gegenüber Fragen – das signalisiert Interesse und ist die Basis für einen unterhaltsamen Austausch. (Einbeziehung des Gastes, Interaktion)

 

Ganz wichtig nun – der Überraschungsmoment! Plötzlich tritt etwas ein, womit mein Gegenüber nicht gerechnet hat, was anscheinend nur für ihn bestimmt ist, verbunden mit einer persönlichen Botschaft. (Setzt voraus, dass ich die Zielgruppe verstanden habe). Der Höhepunkt einer perfekt durchdachten Inszenierung. Trifft ins Herz und bleibt im Kopf. Meistens jedenfalls.

 

 

Kai Janssen Matt Circus Event KreativdirektorKai Janssen, seit 2012 Geschäftsführer und Creative Director der MATT CIRCUS GmbH in Köln, davor freier Creative Director und Konzeptioner in diversen Event- und PR-Agenturen, studierte bildende Künste, Fokus Raum und Medien, regelmäßiger Gastdozent zum Thema „Konzeption in der Live-Kommunikation“, 2. Präsident der FICA, Cross-Crocket-Spieler und -Weltmeister, in fester Beziehung.

 

 

 

Petra Lammers: Geschichten, Geschichten, Geschichten

 

 

Mit Geschichten!
… und einem genauen Blick auf alle „Figuren“, Raum/Situation, Handlungsstränge, Plotpoints und Inhalte.

 

(Auf die Bitte nach Beispielen sandte Petra folgendes): Die interaktive Bodenprojektion beim Energiesee oder das Storytelling mit Lampen, die als Figuren das Wiesbadener Kurhaus und die Welt von Fraunhofer erkunden:

 


Creative Director Petra Lammers onlivelinePetra Lammers, inszeniert seit über 15 Jahren Theater-, Public Space- und Eventproduktionen, gemeinsam mit Norwin Kandera Geschäftsführerin von onliveline, einem Büro für Konzeption und Inszenierung. Davor Creative Directorin / Konzeptionerin bei Panroyal in Wuppertal sowie freie Theaterregisseurin, studierte MBA und MFA in Dramaturgie und Regie.

 

 

 

Philipp Dorendorf: Man inszeniert oder inszeniert um

 

 

Heilig Abend im Kreise der Lieben. Deep house statt Last Christmas. Rot ist nicht rot, sondern pink. Der Baum ist aus Draht. Die Lichterketten geben Strobo-Blitze ab.

 

U5-Kindergeburtstag. Nicht Volker Rosin, nein, dafür Rammstein. Rammstein ist auch alt, aber düsterer und dazu schwarzes Konfetti statt bunten Luftballons.

 

Apropos Schwarz: Warum nicht mal für eine Grabrede die Kebekus einsetzen: Pussy Terror.

 

Nein? Okay, denn wir unterliegen Lernstrukturen, assoziativen Mustern und Neuro-Programmen. Und weil das so ist, sind Stimmungen und Emotionen künstlich auslösbar, zu verändern oder zu beeinflussen. Man inszeniert oder inszeniert um. Mit: Musik, Licht, Farben, Tageszeit, Temperatur, unter Umständen Gerüche, Appearance von Akteuren – räumlich und zeitlich verdichtet. Das ist eigentlich gar nicht so schwer.

 

 

Philipp Dorendorf CD facts and fiction EventagenturPhilipp Dorendorf, Ü37, aus Hamburg. Ausbildung zum Grafik Designer und Marketing-Kommunikationswirt, seit 2010 Creative Director bei facts and fiction für Köln und Berlin.
Kreatives auf: www.neopdo.com

 

 

 

Martin Klingler: Content is King

 

 

Am Anfang steht immer die Idee! Daraus wird dann die Storyline entwickelt. Und die muss im funktionalen Eventdesign und in einer multisensorischen zweckorientierten Inszenierung erzählt werden. Nur dann können Botschaften überhaupt ankommen, verstanden werden und gar hängen bleiben – und in anderen Kanälen weiter erzählt werden. Stichwort Storytelling und Wirkungspotenz durch Multisensorik.

 

Was wirklich zählt, ist schlicht das klassische Kommunikationshandwerk, beschrieben mit den bekannten und inflationär gebrauchten Marketingfloskeln… aber wahr bleiben sie trotzdem und genau deshalb: Content is King – und ist das neue Storytelling. Wenn die Story aber nicht spannend erzählt wird, so dass der Zuhörer mit mehreren Sinnen emotional berührt wird, wenn sie nicht auf anderen Kanälen vor und nach dem Event weiter erzählt wird – Stichwort Vernetzung, die wir früher integrierte Kommunikation nannten – dann darf sich keiner wundern, wenn die Botschaft entweder gar nicht ankommt oder schnell verloren geht. Und auf keinen Fall echte Emotionen weckt.

 

Was mache ich also, um Emotionen zu wecken?
Definitiv nichts weltbewegendes Neues: eine gute Story entwickeln, sie anregend, spannend und vielschichtig erzählen. Und dafür verwenden wir gerne neueste Technik und Methoden – immer dann wenn es Sinn macht. Hat!

 

 

Kreativdirektor Martin Klingler Creative DirectorMartin Klingler, Creative Director bei marbet in Künzelsau. (Und mit dieser Bemerkung: „kann mich für unfassbar viel begeistern, immer wenn es mich berührt…“ Ideengeber für diesen Blogpost.)

 

 

 

 

Miriam Wüstefeld: Bedürfnisse erkennen, überraschen, passender Rahmen

 

 

Wir leben heute in einer sehr beschleunigten Welt, in der das Überangebot regiert und in der kaum Zeit zum Innehalten bleibt. Aus meiner Perspektive bedarf es daher vor allem der Fähigkeit individuelle Bedürfnisse zu erkennen, um echte Emotionen wecken zu können.

 

Die Kunst und Herausforderung liegt dann darin zu überraschen und einen sehr persönlichen Nerv zu treffen.

 

Neben den wichtigsten Parametern, die nach meiner Auffassung inhaltlicher Anspruch und Respekt sind, ist der passende Rahmen relevant. Dazu zählt neben einer entsprechenden Räumlichkeit auch das Thema Ergonomie. Der Wohlfühlfaktor ist eng an Emotionen geknüpft – zumindest wenn diese positiv ausfallen sollen.

 

 

Miriam Wuestefeld freiberufliche Kreativdirektorin MünchenMiriam Wüstefeld, München, 32 Jahre, freiberufliche Kreativdirektorin, Schwerpunkt: Kommunikation im Raum, Markenwelten, Zusammenarbeit und Festanstellung in diversen Agenturen unter anderem Zibert + Friends, CE+Co, VOK DAMS, BBDO Live, Uniplan.

 

 

 

Stephan Schäfer-Mehdi: Erprobte Rituale nutzen und intuitiv vorgehen

 

 

Live-Kommunikation nutzt jahretausendealte erprobte Rituale, um Emotionen zu wecken. Religion mit ihren Kulten und das Theater mit seinen inszenatorischen Mitteln sind dafür die Grundlage. Ihr Studium und deren Anwendung ist hilfreich, aber der intuitive Umgang letztlich effektiver.

 

Was rational am Reisbrett entstand ist zwar oft richtig, aber nicht immer erfolgreich. Wer hört die Kammermusik des Computerkollegen Iamus, der nach allen Regeln der Kunst programmiert wurde wie Mozart zu schreiben? Wir gehen immer noch in die Zauberflöte, obwohl der Rechner alles richtig macht. Deshalb bedient sich auch die virtuelle Welt der gleichen Muster, der Überraschungen und Ansprache möglichst vieler Sinne.

 

Das wird vielleicht erst anders, wenn die Künstliche Intelligenz Kommunikation für ihresgleichen konzipiert. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

 

 

Creative Director Stephan Schaefer-Mehdi Eventmarketing CD CCO Live-KommunikationStephan Schäfer-Mehdi, freiberuflicher Creative Director und ¬Consultant, vorher Chief Creative Officer/CD von VOK DAMS und Quasar Communications, mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet, Mitglied im Art Directors Club für Deutschland, Autor des Standardwerkes „Event-Marketing„, 2014 den Kriminalroman „Tod in den Bergen“ veröffentlicht. Wuppertaler.

 

 

 

Creative Director – habt herzlichen Dank für eure Gedanken. Chapeau!

Frage: Wie weckst du Emotionen? Freue mich auf einen Kommentar oder Beispiele unterhalb.

Tipp: Weitere Hinweise darauf, wie Emotionen geweckt werden, geben 7 Inszenierungs-Experten in diesem Buch.

 

 

Was dich noch zum Thema interessieren könnte:

Theaterregisseur Axel Beyer: EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit!

Emotion & Reaktion – das Prinzip von TV-Unterhaltungs-Regisseur Carsten Seibt

18 Things Great Creative Directors Do Every Day

 

Beruf und Familie im Eventbereich: Wie klappt das?

Beruf und Familie im Eventbereich: „Ständige Verfügbarkeit wird mit Leistung gleichgesetzt.“

 

 

Letzte Woche las ich bei EventPartner den Artikel Selbstständigkeit in der Eventbranche. Klasse Gedanken, die ich alle unterschreiben kann. Ein Satz hat mich aber besonders getroffen: „KINDER sind bei Frauen in Agenturen ein RiesenThema.“ Genau das möchte ich zum Thema nehmen: Beruf und Familie im Eventbereich.

 

Meine Tochter Charlotte April ist jetzt zwei Jahre alt. Mit zunehmendem Alter wird die Erziehung immer wichtiger. Meine Frau ist ebenfalls als Kommunikationsberaterin selbstständig. Mein Job ist es als Regisseur unterwegs zu sein. Dabei versuchen wir die Termine so zu legen, dass immer einer von uns beiden zu Hause ist.

 

Der Konflikt ist aber vorprogrammiert. Alles geht nicht: Karriere, Kind, Beziehung. Wie machen das andere Kollegen? Fünf Kollegen/innen aus dem Eventbereich haben geantwortet. Vielen Dank für eure Offenheit!

 

 

1) Carola X. Knoll aus Köln, Architektin:

Architektin Carola Knoll Arbeit und Familie
Steckbrief: Schwerpunkt Messe-und Ausstellungsarchitektur, 6 Jahre Agenturerfahrung, 6 Jahre Selbständigkeit, 2 Jahre Messegesellschaft, Mutter seit 2011

 

 

Wie organisierst du dich, damit Job und Erziehung klappt?

Ich bin im Büro früh am Start und wir profitieren von den kurzen Wegen zwischen Wohnung, Kita und Job. Nach 16.00 Uhr gehört die Zeit unserer Tochter – geschäftliche Mails und Telefonate müssen dann warten. Meist sitze ich Abends wieder am Rechner, bearbeite meine freien Projekte und regle den Familienalltag.

Wichtig: Digitaler Familienkalender, klar geregelte Abläufe – mein Mann und ich teilen uns die Aufgaben, ein gutes Netzwerk aus Großeltern, Babysittern und Kindergarteneltern, die aushelfen, wenn’s brennt. (An dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN! an die Genannten.)

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

Nahezu perfekt: Meine Zeiten kann ich sehr flexibel und eigenverantwortlich planen.

Homeoffice ist ein wichtiges Thema. Ein weiteres Thema sind flexiblere Betreuungszeiten – vor allem in den 2-3 Wochen vor den Messen. Die städtischen Kindergärten können den erweiterten Zeitrahmen nicht abdecken, aber es gibt einige Einrichtungen, die eine Back-up-Betreuung für Ihre Schützlinge anbieten.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann? Was muss sich ändern?

Als Teilzeitkraft mit 35 Wochenstunden habe ich meinen verantwortungsvollen und abwechslungsreichen Job lange suchen müssen. Was sich ändern muss?

Das Vertrauen in die Kompetenz und Belastbarkeit von Müttern im Job fehlt in unserer Branche.

Ständige Verfügbarkeit wird mit Leistung gleichgesetzt.

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Vor 10 Jahren war meine Arbeit Alles für mich.
Seit 5 Jahren ist meine Tochter Alles für mich.

 

 

2) Iliana Jonkova aus Heidelberg, Texterin & Konzeptionerin:

 

Event Beruf und Familie Iliana JonkovaSteckbrief: Ich bin ab August 35 Jahre, single und kinderlos. Aktuell an drei Tagen mit 22,5h bei einer Marketing und PR Firma. So habe ich vier Tage Zeit. Zeit in der ich an der inneren Ruhe arbeite. Zeit um für zwei Familien zu babysitten. Zeit für Projekte des Herzens. Das sind eine Yogalehrer-Ausbildung, Text & Konzept Freelance und ein kleines Comedy Programm.

 

 

Wie organisierst du dich zwischen Arbeit und Babysitter-Kindern?

Wäre ich Mutter, wäre die Selbstständigkeit der einzige Weg für mich, weiter kreativ zu arbeiten. Aktuell mache ich ein Projekt mit einer Frau, die 3-fache Mama ist. Egal wie gut man organisiert ist, am Ende geht es um kleine Menschen, die weinen, wenn die Mutter nicht da ist. Deadlines und cholerische Chefs oder notorisch überarbeitete Kollegen würde ich mir versuchen zu sparen. Interessanter Weise hängen immer noch viele Agenturen an der Präsenzarbeitszeit im Office statt Flexibilität und Homeoffice zu ermöglichen, auch wenn Leistung erbracht wird. In meinen Augen hängt das stark an zähen Prozessen, zeitraubender Meeting-Kultur und wenig Vertrauen in Mitarbeiter.

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

In einer idealen Welt sind Arbeit und Kind nicht zwei Welten. Wenn eine Frau sich nicht entscheiden muss zwischen Kind und Karriere, dann ist das ideal. In der aktuellen Welt versuchen Frauen oft (oder es wird stark von ihnen erwartet) ihren Mann zu stehen. Frauen sind aber Frauen und haben andere Zugänge oder Methoden, die dabei völlig weggedrückt werden. Damit meine ich nicht, dass Frauen die kleinen Hände haben um in den Ecken zu putzen :). Ich meine eher, dass Frauen monatlich an Ihre Gebärfähigkeit erinnert werden und hormonell einem anderen Rhythmus folgen. Eine ideale Arbeitswelt nimmt darauf Rücksicht. Eine ideale Arbeitnehmerin nützte das nicht aus.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

Sich kennen mit seinen Stärken und Schwächen, das kann sehr viel helfen. Jedoch ist das gerade für Berufseinsteiger sehr schwer. Klar kommunizieren, was man braucht, statt auf der Agentur-Toilette zu weinen, weil man sich missverstanden fühlt. Die eigenen Grenzen kennenlernen ist sehr wichtig und dann gegenüber Chefs vertreten. Gerade als Mutter, die beide Seiten „bedienen“ muss ist das schwer. Das schlechte Gewissen begleitet einen täglich. Ich glaube, dass mehr Menschlichkeit am Arbeitsplatz gefragt ist. Statt ein Arbeitsgesicht und ein privates Gesicht zu pflegen (oder eben pflegen zu müssen).

 

Was muss sich ändern?

Oft fehlt es an weiblichen Führungspersönlichkeiten in vielen Agenturen. Der Mensch lernt durch Nachahmung. Für mich war es sehr schwer meine Stärke zu finden und sie zu stehen, weil um mich nur Männer waren, die meine Vorgesetzten waren. Es gab Situationen, in denen mir im Meeting gesagt wurde: „Wenn ich spreche, schweigst Du!“ oder „Wenn Du 10% weniger lachen könntest, wäre das gut!“ Das ist verstörend. Es ist bekannt, dass Kreative oft sehr sensible Menschen sind, die feinfühlig und empfindsam sind. Sobald der Kreative in einer Angst lebt zu scheitern oder ausgelacht zu werden, ist es auch mit der Kreativität nicht gut bestellt. Dann gibt es noch das Arbeitspensum, dass von einem in der Agentur abverlangt wird, das Familie sehr schwer möglich macht. Als Freelancer ist das einfacher zu gestallten – mit Partner. Ist man Alleinerziehend, geht wieder die Schuld-Schere auf: Bin ich genug Mutter, bin ich genug Karriere?!

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Bei vielen Müttern sehe ich den Wunsch nach „Selbstverwirklichung“ wenn das Kind oder das jüngste Kind das 2-te Lebensjahr erreicht. Ich denke, das ist ein Alter in dem das Kind immer mehr: „selber“ und „alleine“ sagt und Frau spürt, dass neben Muttersein auch Frau- und Menschsein eine große Rolle spielen.

Persönlich glaube ich, dass beides, Kinder und Arbeit, Prozesse sind, die das Neue in die Welt bringen. Deshalb lässt sich ja auch oft genug das eine mit dem anderen ersetzen.

Wenn ich meine Zeit mit Kindern verbringe, renne, klettere, fangen spiele, male, baue und zerstöre, dann versuche ich die Welt durch die Augen und Fähigkeiten des Kindes zu erleben. Natürlich bringe ich Ideen und Einflüsse mit, aber im Spiel wird dadurch etwas völlig Neues. So entstehen Beziehungen zwischen zwei Menschen.

Wenn ich arbeite haben wir oft eine Idee davon was richtig ist. Und oft streiten wir dann mit Kunden und Projektleitern um die „Wahrheit“. Ich würde mir mehr Spiel und weniger Ego in Arbeitsprozessen wünschen, dann würden daraus sehr schöne Verbindungen entstehen – zwischen Marke und Mensch.

 

 

Frauen im Beruf und Familie Event

 

 

3) Martin Kloss aus München, Schauspieler und Moderator:

Moderator Job und Kinder Martin Kloss
Steckbrief: Vater zweier Kinder, seit bald 20 Jahren als zweisprachiger Schauspieler (Deutsch / Englisch), Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, Schauspiel- & Business Coach, bietet Workshops zum Thema Selbst- & Fremdwahrnehmung an

 

 

Wie organisierst du dich als Selbstständiger im Eventbereich, damit Job und Erziehung passen?

Für mich war es eine Frage wo ich die Prioritäten setze. Als meine Frau schwanger wurde, wusste ich für mich ganz klar, dass ich die Zeit mit meinem Kind bewusst erleben und da sein will. Ich habe dann einige Zeit vor der Geburt unseres ersten Kindes vor 3 Jahren meine Jobs reduziert und grundsätzlich nichts mehr angenommen bei dem ich länger als 2-3 Tage von Zuhause weg sein würde, so dass ich 70-80% der Tage im Monat zuhause bin. Da meine Frau auch freiberuflich ist, sind wir beide die meiste Zeit zuhause und bei den Kindern. Vor einem Jahr wurde unser zweiter Sohn geboren und so werde ich diese Einteilung auch noch ein paar Jahre weiter machen. Natürlich bedeutet das finanzielle Einschränkungen und auch, dass ich derzeit nicht an meiner Karriere arbeite. Aber dafür sehe ich meine Kinder aufwachsen, muss sie nicht in die Krippe geben und bin bei den ersten Schritten, den ersten Worten und allen anderen ersten Dingen dabei.

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

Ein gerechtes Elterngeld Gesetz bei dem nicht das Datum des Geldeingangs sondern der Leistungserbringung zählt. Elternzeit als Freiberufler ist sehr schwierig, da ich ständig versuchen musste Kunden zu überreden meine Rechnungen früher oder später zu begleichen, weil es Gelder aus Jobs von vor 6 oder 8 Monaten waren (faire Zahlungsfristen würden hier natürlich auch helfen). Und gleichzeitig musste ich in der Elternzeit arbeiten, damit ich Geld für die Zeit nach der Elternzeit habe. Das macht so keinen Sinn.
Aber ich glaube auch nicht, dass das Ziel ist „alles unter einen Hut“ zu bekommen. Der Tag hat nur 24 Std. und entweder will ich mit meinem Kind Zeit verbringen oder arbeiten gehen. Beides geht nicht. Das finde ich falsche Herangehensweise der Diskussion. Ich muss mich entscheiden wie viel Zeit meiner Tage den Kindern gehören und wie viel meiner Arbeit. Und wenn der bedeutet finanzielle Einschränkungen oder eine Karrierepause hinzunehmen, dann sollte man sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden, aber nicht versuchen beides zu schaffen, ich glaube sowas endet im Burn-Out.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

Ich habe Jobs abgesagt, weil ich für die Geburt meiner Kinder da sein oder auch danach einfach Zeit mit ihnen verbringen wollte. Darauf habe ich, auch gerade als Mann, nur positive Rückmeldungen von Kunden bekommen. Ich habe es immer klar kommuniziert, dass ihr Projekt eben gerade nicht so wichtig für mich ist, wie meine Kinder und dafür immer Verständnis bekommen. Ich glaube Klarheit und Ehrlichkeit vor sich selbst und dem Kunden zahlt sich aus.

 

Was muss sich ändern?

Die Diskussion läuft für mich oft in eine falsche Richtung. Ich glaube es geht um das Miteinander von Beruf, Karriere und Familie und darum wie wir für uns diese Lebensinhalte bewerten und uns als Eltern, egal ob Mann oder Frau, damit auseinandersetzen. Was ist mir wie wichtig und wo setze ich Prioritäten bzw. bin ich bereit Kompromisse einzugehen. Wir haben in Deutschland traumhafte Zustände mit Dingen wie Elternzeit, Elterngeld, Mutterschutz usw. die es in kaum einem anderen Land der Welt gibt. Natürlich können Unternehmen mehr für Festangestellte mit Kindern tun, Freiräume schaffen durch flexible Arbeitszeiten, Home Office usw. aber als Selbständiger muss ich zuerst mich selbst in die Pflicht nehmen, zu entscheiden was mir wirklich wichtig ist und das zu leben was mich glücklich macht.

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Ich liebe meine Arbeit, die ich nie als Arbeit gesehen habe, da ich das Privileg habe mit meinen Leidenschaften Schauspiel und Moderation Geld zu verdienen. Ich liebe meine Kinder, die ein Teil von mir sind, wie ein Arm oder Bein, ohne die ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen kann und will. Einen Sinn gibt mir die Arbeit nur für mich selbst in dem Moment der Ausübung insofern als das sie mir viel Spaß macht, aber sie erfüllt keinen höheren Sinn. Meine Kinder hingegen geben meinem ganzen Leben einen Sinn wie ich es nie gedacht hätte, das geht weit über meine egoistische Selbstverwirklichung hinaus und bedeutet mir daher auch viel mehr.

 

 

4) Marissa Franke aus Köln, Projektleiterin:

Projektleiterin Marissa Franke Beruf und Kinder
Steckbrief: Mutter zweier Kinder, aktuell in einer digitalen Performance Agentur tätig

 

 

Wie organisierst du dich im Eventbereich, damit Job und Erziehung funktioniert?

Ob selbstständig oder nicht…eiserne Disziplin, gesunde Ernährung – krank sein können wir uns nicht erlauben.
Man muss den Alltag als eingespieltes Team, vergleichbar mit einem Schweizer Uhrwerk, bestehen.
Von wegen – Leben mit Kindern ist eben auch Event und erfordert neben Organisation auch noch etwas Improvisationstalent.

 

Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

In einer idealen Welt hat man viele Hüte, die alle riesengroß sind, damit alles drunter passt. In einer idealen Welt wüsste unser Schul- und Erziehungssystem, was praktisches Arbeiten, auch zu unkonventionellen Arbeits- und Einsatzzeiten, ist. Die Eventbranche ist da oft besser, denn in der passen Konzeption und Realisation tatsächlich auch mal zusammen.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

Es ist okay Hilfe anzunehmen oder auch mal selbst danach zu fragen. Mal Danke an dieser Stelle; liebe Freunde – ich mach das wieder gut, wenn ich reich und berühmt bin.

 

Was muss sich ändern?

Mein Konflikt ist, dass ich am liebsten so viel Zeit wie möglich mit meinen Kindern verbringen möchte – aber ich arbeite auch sehr gerne. Beides zusammen zu bringen geht erst dann, wenn typische Arbeitsstrukturen der Lebensqualität mit Kindern nicht länger widersprechen. Ich fände es klasse, wenn Kinder mehr im beruflichen Alltag eingebunden werden können und unser gesellschaftliches System das akzeptiert oder sogar befürwortet. Glücklicherweise habe ich da bisher bei meinen Arbeitgebern sehr gute Erfahrungen gemacht, sind aber auch alles selber Eltern.

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Ich finde den Spaß in der Arbeit und mit den Kindern wichtiger als den Sinn. Aber das ändert sich vielleicht im Alter, dann sollte es ja eigentlich neben all dem Spaß auch sinnvoll sein, Kinder zu haben.

 

 

5) Christine Mack aus Köln, Showkonzept + Text:

Beruf und Familie im Eventbereich Konzeptionerin Christine Mack Eventjob und Kids
Steckbrief: 37, 1 Tochter 17 Monate, Freiberufliche Konzeptionerin mit Agenturerfahrung seit 15 Jahren, selbstständige Yogalehrerin, lebe 50% in Deutschland und 50% in Portugal

 

 

Wie organisierst du dich im Eventbereich, damit Beruf und Familie klappen?

_ Strukturiertes Timing (Arbeit vs. Kind vs. Betreuung).
_ Home Office (als Konzeptionerin möglich, sehe ehrlich gesagt keine Möglichkeit als Mutter gleichzeitig in den Agenturen zu arbeiten bzw. mit auf dem Job vor Ort zu sein)
_ Realistische Deadlines für Konzeptabgabe mit den Agenturen im Vorfeld klären
_ ½ Tage + abends und am WE arbeiten, genügend Off Tage einplanen

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

_ Realistische Deadlines
_ Flexible Teamarbeit
_ Rücksicht auf das Dasein und den damit verbundenen ‚Problemen‘ einer Mutter (> Kind krank, etc.)

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

_ Home Office Arbeit top
_ Babysitter Betreuung macht flexibles Arbeiten möglich
_ Kosten für Betreuung auch bei Kalkulation der Tagessätze einbeziehen

 

Was muss sich ändern für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ändern?

_ Eigenverantwortung übernehmen, nicht zu allem JA sagen (> Grundproblem bei Dienstleistungsjobs…)
_ genügend Off Tage zur Regeneration einplanen bzw. realistische Einschätzung Mama vs. arbeitende Mama 😉

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Familie hat für mich die oberste Priorität. Diese Erfahrung habe ich gemacht, seit meine Tochter geboren wurde.
Meine Arbeit ist mir trotzdem sehr wichtig, da ich das große Glück habe, mich in beiden Berufen verwirklichen zu können. Ich versuche aus beidem Kraft zu schöpfen, denn nur so lässt sich Familie und Beruf meiner Ansicht nach vereinen.

 

 

Event Job und Kinder Eventbranche Danke Thank you

 

 

Beruf und Familie im Eventbereich:

Wie gehst du mit dem Spagat von Beruf und Familie um? Welche Lösung oder Kompromiss hast du gefunden?

Über deinen Kommentar unterhalb freue sicher nicht nur ich mich… 😉

 

Event Trend 2016: Experten zur Live-Kommunikation

Event Trend 2016 // Foto: iPhone Kalender © Apple

 

 

In guter Tradition frage ich Eventgestalter zum Jahreswechsel ein und die selbe Frage: Welchen eine/n Trend, Herausforderung oder Möglichkeit siehst du für 2016, der den stärksten Einfluss auf die Live Kommunikation haben wird? Die Trend-Einschätzungen für 2016 in Reihenfolge des Eintreffens unterhalb.

 

Doch zunächst noch ein kurzer Rückblick auf die Trendschau 2015. In der Essenz gab es den Trend zu relevanten Inhaltenüberzeugenden Geschichten und Authentizität. Was davon ist eingetroffen? Wie man auch an der Vergabe des diesjährigen FAMAB Award gesehen hat, sehe ich eindeutig diesen Anspruch. Die wegbahnenden Realisierungen aber noch ausblieben. Um kein verkürzt-pauschales Urteil zu fällen eigentlich Grund genug für einen eigenen Blogpost… Daher jetzt zum Event Trend 2016:

 

 

 

1. Dirk Kielhorn, Leiter Messen und Ausstellungen Mercedes-Benz Cars:

 

Der Trend zur Digitalisierung prägt weiterhin unser aller Alltag und fordert dazu auf, neue Wege zu gehen. Die Premiumhersteller der Automobilindustrie wandeln sich aktuell zu vernetzten Mobilitätsanbietern, die künftig in der Lage sein werden, individueller auf die Anforderungen und Bedürfnisse ihrer Kundschaft zu reagieren. Auch im Bereich der Live-Kommunikation müssen wir diesen Wandel vollziehen: Klassische Live-Formate wie Messen und Events müssen künftig stärker in der Lage sein, maßgeschneiderte Kommunikationsangebote für den Einzelnen zu generieren. Es muss uns gelingen, offline und online Kommunikation sinnvoll und werthaltig zu verknüpfen: Live, authentisch und persönlich.

 

 

2. Christian Schmachtenberg, memories of the future:

 

Trends können nicht erfunden werden! Sie können gehypt, adaptiert, angenommen oder ignoriert werden. Die Herausforderung bleiben herausragende Ideen: Ungesehen, überraschend und herausragend inszeniert. Nach der „hybriden Blase“ werden sich die Macher auf neo-analoge und intelligente Interventionen konzentrieren müssen…

 

 

3. Cristián Gálvez, Keynote-Speaker:

 

Die großen geopolitischen Herausforderungen und die unmittelbare Betroffenheit der Menschen in unserem Land werden auf verschiedenen Ebenen deutlich Einfluss zeigen. Das beginnt bei der Sinnfrage und endet bei den Budgets. Zudem wird die Verschmelzung von Online- und Offline-Welten zum beherrschenden Faktor erfolgreicher Kreation und Eventplanung.

 

 

4. Stefan Schulze-Hausmann, Journalist und Initiator Deutscher Nachhaltigkeitspreis:

 

Es verstärken sich die Trends aus dem letzten Jahr: Krisen ringsherum fordern Relevanz, Sensibilität, Abkehr von falscher Opulenz und nachhaltigen Umgang mit allen Ressourcen (einschließlich der Zeit der Kunden/Gäste).

 

 

5. Bruno Meissner, Geschäftsführer MEISSNER EXPO:

 

Neuer Wein in alten Schläuchen – so kommt es mir einmal wieder vor, wenn jetzt über Storytelling und Content-Marketing sinniert wird, als ob es sich um etwas Neues handeln würde. Inhalte in Geschichten zu verpacken, damit sie emotional aufgeladen in Erinnerung bleiben, wurde immer schon gemacht. Und so müssen wir weiterhin und immer wieder die Marken-Geschichten bei Messe-Auftritten und Marketing-Events zielgerichtet inszenieren!

 

 

6. Katharina Falkowski, Geschäftsführung und Redaktion eveosblog:

 

Nachdem Interaktion, Storytelling, Content Marketing & Co. 2015 genügend in der Theorie besprochen und in der Praxis häufig noch recht rudimentär umgesetzt wurden, hoffe ich auf 2016 als ein Jahr der detailverliebten, zielgerichteten, sinnvollen und intelligenten Ideen.

 

 

7. Annette Beyer, GF und Studienleitung treibhaus 0.8:

 

Die Herausforderung: Den Agenturen laufen die guten Leute weg! Besonders die Kreativen. Kein Wunder: Das Gehalts-Leistungsverhältnis der meisten Agenturjobs war schon immer Unterkante. Aber jetzt haben erfahrene Leute die freie Auswahl. Auch die Selbständigkeit lockt. Und beim Nachwuchs entfällt der Coolness-Faktor. Agenturstress, nein danke! Wenn schon krasses Engagement und familienfeindliche Arbeitszeiten, dann lieber ne NGO!

 

 

8. Christoph Bovenkerk, Unternehmenskommunikation Party Rent Group:

 

Die stärksten Impulse bringen für mich auch in 2016 wieder Digitalisierung, Storytelling und Multisensorik. Das ist nicht wirklich was Neues, aber das ist ja auch der Kern von Event. Mich würde es trotzdem freuen, wenn wir Veranstaltungen bei all diesen Möglichkeiten nicht mehr so überladen. Ein einfaches und echtes Erlebnis in einem schlüssig inszenierten Raum. Dann verzichten die Leute vielleicht auch mal darauf, jede Sekunde des Geschehens für eine nicht interessierte Nachwelt festzuhalten und tun das, was man bei Events am Besten tun sollte: Den Moment genießen.

 

 

Event Trend 2015 Foto: André WirsigQuo vadis Live-Kommunikation?! // Foto: André Wirsig

 

 

9. Claudia Krause, Senior Projekt Management VOKDAMS Hamburg:

 

Ich denke, wir müssen uns ab sofort stärker denn je, mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen. Sicherheit von Destinationen, Locations und vor allem auch die Reisewege dorthin. Konzepte und Logistik werden dadurch einer gewissen Freiheit beraubt.

 

 

10. Philipp Dorendorf, Creative Director facts and fiction:

 

Content Marketing und Interaktivität. Trend 2016: Mehr „Gast gleich Gestalter-des-eigenen–Erlebnisses“. Herausforderung: Liebe Kunden, schaut nochmal Fight Club und hört auf, alles kontrollieren zu wollen. Wunsch 2016: Rookie (und nicht Grand Pa) der Kommunikation sein, denn (Vorsicht) selbst Social Media ver-systematisiert sich gerade, ergo: Die Chancen stehen gut für uns. Schöne Weihnachten.

 

 

11. Wolfgang Doll, Geschäftsführer Bureau Doll:

 

Brand Events werden weiter an Bedeutung gewinnen. Die Unternehmen müssen ihre klassischen und neuen Kommunikationskanäle mit immer mehr relevanten, emotionalen, top-aktuellen Inhalten versorgen. Brand Events und verknüpfte Brand Campaigns werden in diesem Zusammenhang zu mächtigen Content Generatoren, die diese Kanäle kontinuierlich befeuern. Von Bureau Doll in diesem Jahr erfolgreich praktiziert mit Toyota LIVE!

 

 

12. David Korte, Director Planning OSK:

 

Auch 2016 gilt es vor allem echt und authentisch zu kommunizieren. Nur weil alle und jeder ein Thema proklamieren, muss es für mich und meine Kunden noch lange nicht relevant sein. Kurzum: Die Filterfunktion aller Branchenpartner wird bei stetig steigendem Angebot an Technologien und Themen immer wichtiger.

 

 

13. Christian Kohlmann, Konzeption und Regie:

 

Storytelling“ bleibt für mich die Nummer 1.
Inhalte statt Oberflächenpolierung.

 

 

14. Andreas Horbelt, Kreativdirektor: The Year of the Robots

 

2016 wird endgültig das Jahr der Roboter. Wir haben in den letzten Jahren ja schon einige Projekte mit Robotern gesehen: Roboterexponate auf Messen, Robotershows mit LEDs im Koreanischen Pavillon auf der Expo und bei Events von Mercedes und VW, Opern mit humanoiden Robotern und allerorten Dronenballette als Feuerwerk 2.0. Das ist erst der Anfang. Die Technologie ist inzwischen so günstig und gut beherrschbar, dass sich Roboter als „Ersatzmänner“ für die unterschiedlichsten Acts und Funktionen anbieten. Meine Wette: Wir werden 2016 ein paar herausragende Projekte mit Robotern sehen. Ich bin gespannt.

 

 

15. Eva Heid, Senior Consultant Konzept pro event:

 

Eine Herausforderung, der ich selbst immer wieder in Projekten begegne, ist das Verständnis dafür, dass Social Media richtig in Kombination mit Live-Kommunikation eingesetzt wird. („Oh ja, da machen wir eine facebook Seite“ *face palm kopfschüttel*). Ob es die größte ist – keine Ahnung. Aber sie hält sich hartnäckig…

 

 

Event Trend 2016 Foto: André Wirsig

 

 

16. Nadine Imboden, Choreographin und Regisseurin:

 

Auch 2016 wird der Trend dazu gehen, in Form von Geschichten Botschaften zu vermitteln und etwas Überraschendes zu erleben. Spannende Möglichkeiten versprechen technologische Entwicklungen, um virtuelle Effekte mit realen Performances zu vermischen. Ich glaube, dass nach wie vor der Performer dafür sorgt, dass Inszenierungen zu emotionalen Momenten werden.

 

17. Thorben Grosser, General Manager Europe Eventmobi:

 

Der größte Trend wird Gamification. Immer mehr Veranstaltungsplaner nutzen Spielemechaniken um Teilnehmer besser in Events einzubinden und Sponsoren weiter mit an Bord zu holen.

 

 

18. Thorsten Herbrand, Geschäftsführer imagepeople:

 

Das neue Jahr lässt grundsätzlich vieles beim Alten: 2016 wird es aber dennoch verstärkter darauf ankommen, die Strategie und die Content-Kompetenz weiter auszubauen. In der Live-Kommunikation nutzen wir heute mehr Kanäle und Kontaktpunkte denn je – deshalb ist die Verantwortung unserer Arbeit auch noch bedeutender als bisher. Da geht es nicht um die Frage „Online oder Offline?“, sondern um die Verschmelzung beider Welten. Durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung sind wir deshalb auf dem besten Weg zum unterbrechungsfreien Markenerlebnis. Wir gehen seit vielen Jahren konsequent diesen Weg und bilden unsere Mitarbeiter weiter aus bzw. recruiten neue Spezialisten – somit sind wir mit unseren interdisziplinär arbeitenden Teams extrem gut aufgestellt.

 

 

19. Jörn Huber, Geschäftsführer pro event live-communication:

 

2016 werden uns sicherlich die Themen Digitalisierung, Content, Vernetzung und ganzheitliches Denken weiter beschäftigen. Aber der wichtigste „Trend“ 2016 wird sein, weniger über Trends zu reden. Vielmehr geht es darum, klare Zeichen zu setzen. In allen Bereichen. Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft. Trends werden die Welt nicht verändern. Es sind immer Menschen. Menschen, die einfach anfangen, mutig Erfolg riskieren und als Beispiel voran gehen. Daher erkläre ich 2016 hiermit zum „Jahr der Macher“.

 

 

20. Stephan Schäfer-Mehdi, Art Director LiveCom:

 

Die Vogue hat eine inspirierende Rubrik „Fragen ohne Antwort“, in der eben keine Antworten gegeben, sondern Fragen gestellt werden. Ich habe mit Ausblick auf 2016 auch mehr Fragen als Antworten:

 

Ist Kreativität wichtiger oder Content?
Ist Emotion wichtiger oder Information?
Macht es weiter Sinn durch Software „gedopte“ Autos zu inszenieren?
Brauchen wir einen Ehrenkodex, und würde der etwas bringen?
Was kommt nach 4D-Mapping und ist das überhaupt bedeutsam?
Glaubst Du, die globale Flüchtlingssituation hat Einfluss auf das, was wir tun?
Was muss die MICE-destination Dresden tun, um wieder aus dem Pegida-Schatten zu treten?
Werden wir den Klimawandel mit Greenmeetings ein wenig eindämmen helfen?
Ist Charity ein Bestandteil des sozialen Kitts?
Und wird der soziale Kitt in unserer Gesellschaft halten?

 

 

21. Torsten Fremer, Geschäftsführer KLUBHAUS. Agentur für intelligente Kommunikation:

 

Bisher musste ich meinen Kunden stets empfehlen: weniger Power Point und Frontalpräsentation, dafür mehr Partizipation wagen. Aktuell kommen aber immer mehr Kunden zu mir, die ihre altgedienten Konferenz- und Präsentationsformate auf den Prüfstand stellen und nach neuen Möglichkeiten suchen. Wenn das jetzt kein Zufall ist, könnte ein echter Trend draus werden. Das stimmt mich hoffnungsvoll.

 

 

22. Anke Langhardt, Director Events TRIAD Berlin:

 

Es wird auch zukünftig darum gehen, mittels echter Partizipation und Interaktion ein Event einmalig werden zu lassen. Immersive Medientechnologien wie Augmented und Virtual Reality unterstützen dabei eine Live-Kommunikation, die zum Garant persönlicher und damit nachwirkender Erlebnisse wird. Die intelligente Vernetzung zwischen digitalem System und „realer“ Welt, Spielarten der Industrie 4.0, erlaubt ein umfassendes, mentales wie physisches Gesamterlebnis – und genau das ist Ziel einer gelungenen Eventgestaltung.

 

 

 

Event Trend 2016: Storytelling, Digitalität, Umsetzung

 

Persönlich entnehme ich aus diesen Statements nach wie vor den Fokus auf gutes Storytelling, eine stärkere Vernetzung von Digitalem und Realem sowie innovativer Umsetzung der uns bereits bekannten Möglichkeiten. „Let’s do it“ um Jörn Huber aufzugreifen…

 

Neben diesen Gedanken erreichte mich ein Statement, welches ich gerne hier am Ende hervorheben möchte:

„Ein beständiger Trend sollte für uns alle sein: Respekt untereinander für die jeweiligen Leistungen! Wir müssen nicht immer „Besser-sein-Als“ wir können jeden Tag voneinander ein bisschen mehr lernen und Erfahrungen, Leidenschaften und Kompetenzen teilen.“ Danke René Elberfeld, gut auf den Punkt gebracht!

 

2016 freue ich mich persönlich wieder auf unvergessliche Momente, in denen Menschen sich begegnen und Neues entdecken, sowie gute Ideen ausgetauscht werden können. Das wie gehabt in gutem Teamwork und mit Spaß an der Arbeit. Für die Konzeption von ebendiesen wirkungsvollen Inszenierungen habe ich kürzlich mein Buch „Events wirkungsvoll inszenieren“ fertig gestellt – eines meiner Highlights in 2015. Ich bin gespannt, was uns 2016 bringen wird!

 

 

Frage: Ist ein Trend vergessen oder unterbelichtet? Ich freue mich auf Deinen Kommentar via FacebookTwitter oder LinkedIn!

 

Wie es sonst um den Event Trend 2016 steht:

Eventmanager Blog: Event Industry Trends Report 2016
Wandel und Trends der Kommunikationsbranche

Wirkungsvoll Präsentieren // Tipps vom Sprechercoach

Wirkungsvoll Präsentieren – damit Inhalte besser ankommen… // Tipps von Sprechercoach Prof. Christoph Hilger

 

 

Immer wieder sitze ich als Regisseur in Vorträgen von Unternehmen und nehme dabei qualitativ sehr unterschiedliche Vorträge wahr. Im Zuge dessen ist mir der Mediencoach Christoph Hilger aufgefallen. Auf einer Veranstaltung erlebte ich wie er einem Topmanager konkret half, seinen Vortrag im Raum zu differenzieren.

 

Die Wirkung und die Pointierung seiner Aussagen nahm schlagartig zu. Deshalb habe ich ihn als Experten gefragt, worauf es bei guten Präsentationen ankommt und wie Redner besser beim Publikum punkten könnten.

 

 

1. Worauf ist beim Präsentieren vor Publikum aus Ihrer Erfahrung zu achten?

 

Viele Präsentatoren denken zu sehr aus ihrer ICH-Perspektive. Viele greifen zusätzlich eher auf geschriebene Vorlagen zurück. Aufgrund meiner Beobachtungen gibt es drei wichtige Grundvoraussetzungen:

 

a) Der Beginn von Rhetorik ist, wenn man für die anderen und nicht aus sich selbst schreibt.
b) Die geschriebene Sprache folgt völlig anderen Gesichtspunkten als der gesprochene Sprache. Manche Präsentationen wirken daher eher wie ‚betreutes Lesen‘ als ein erfrischender Vortrag.
c) Vielen Rednern fehlt das Bewußtsein dafür, dass sie mit einer Präsentation nicht als Mensch oder Führungskraft, sondern als Präsentator gefragt sind.

 

Das Bewußtsein, was ein Präsentator oder Redner darf, wie viel mehr er/sie an Pausen machen darf, wie man ein Publikum ‚in Atem hält‘, veredelt die Funktion des Präsentators erst richtig. Das ist häufig eine Mutfrage.

 

 

2. Sie haben das „Präsentationsdreieck-Modell“ entworfen: Worum geht es?

 

Dieses Modell entstand in der Praxis und aufgrund von etlichen beobachteten ermüdenden Vorträgen, in denen ich mich fragte, wie um alles in der Welt man eigentlich spannende Stoffe hätte spannend halten können…

 

Ein Geheimnis war die Differenzierung des Vortrags in unterschiedliche Haltungen, die sich abwechseln sollten, damit man in seinem Vortrag interessant bleibt. Interessant ist es, dass jeder Punkt in einem Raum auch schon äußerlich eine andere Bedeutungsmöglichkeit gibt. Dieses Wissen findet meist viel zu wenig Aufmerksamkeit.

 

Sobald man einen Raum betritt, um in ihm zu wirken, ist dieser Raum IMMER eine Bühne und sollte mit Bühnengesetzmäßigkeiten behandelt und betrachtet werden. Das bedeutet praktisch, ihn für Präsentationen in 4 Punkte auf 2 Ebenen aufzuteilen (siehe Skizze). Ein Punkt ist reserviert für ein Flipchart oder die Leinwand einer Powerpoint-Präsentation. Drei Punkte bleiben übrig. Jeder Punkt, den man bespielt, steht für eine andere innere und somit auch äußere Haltung.

 

 

Präsentationsdreieck Modell Präsentationscoaching Christoph HilgerWirkungsvoll Präsentieren: Präsentationsdreieck Modell // Quelle: Christoph Hilger

 

 

In der vorderen Ebene ist der direkteste Punkt vor dem Publikum und damit der perfekte PRÄSENTATIONSpunkt für eine ICH-Botschaft, eine Selbstvorstellung oder auch einen Appell, also sehr geeignet für sowohl Einstieg als auch Ausstieg eines Vortrags. Der Punkt hinten neben dem Chart oder der Leinwand, soweit übertragbar, ist der beste Demonstrationspunkt, um gleichberechtigt zum Chart Informationen abzuarbeiten, in denen man selbst etwas hinter den Zahlen oder Fakten zurücktritt. Von dort aus kann man aber schlecht über die Ergebnisse reden. Das kann man am besten vom Moderationspunkt aus. Hier vermittelt der Vortragende zwischen einem Chart und dem Publikum, moderiert die Ergebnisse oder beantwort Fragen.

 

Im guten Zusammenspiel zwischen den 3 Punkten, die sich auf beinahe jeden Raum angepasst übertragen lassen, wird ein Vortrag lebendig und zeigt eine Variabilität und Souveränität des Redners, ohne dass man groß an dem Thema Souveränität arbeiten müßte. Sie ist quasi ein Nebenprodukt, denn: Wer sich überzeugend in einem Raum bewegt, wirkt in diesem Raum souverän mit sich und seinem Thema. Abgesehen davon gibt diese Aufteilung dem Vortragenden die Erlaubnis, sich entschieden und damit frei zu bewegen.

 

 

3. Welche weiteren Tipps können Sie Vortragenden mit auf den Weg geben?

 

Ein weiteres Modell kann ich anbieten: Ich nenne es ein Aufmerksamkeitskreis-Modell. Als Mensch (Kreis 1) in seiner Funktion als Vortragender (Kreis 2) mit einem Publikum (Kreis 3) zu sprechen, heißt, zu wissen, dass man in seiner Funktion komplette Macht über sein Publikum hat. Diese Macht muss ich einsetzen, sonst wirkt mein Auftritt unsicher oder ungenau. Meist ist ein Publikum wohl gesonnen. Fast niemand geht in einen Vortrag, um sich zu langweilen.

 

Machen Sie sich klar, wie Sie sich einen Vortragenden wünschen, damit Sie ihm gerne zuhören – und handeln Sie entsprechend. Lassen Sie sich von allen Stilmitteln anderer Vortragenden inspirieren, die Ihnen selbst am besten gefallen und benutzen Sie sie selbst!

 

 

4. Wo lassen Sie sich in Sachen innovativer Präsentationstechniken inspirieren?

 

Ein Buch finde ich für viele Vortragenden interessant, es heißt Pitch it! Die Kunst, Filmprojekte erfolgreich zu verkaufen. Da sind Ideen für Regisseure und Drehbuchschreiber zusammengefasst – diese müssen ihre Ideen auch in 1-3 Minuten an den Mann bringen können. Es ist ein völlig anderer Ansatz als übliche Präsentationstechniken – so zu denken, macht viel Spaß und öffnet den Kopf.

 

Spannend finde ich auch so etwas wie das Buch Menschen lesen: Ein Fbi-Agent Erklärt, Wie Man Körpersprache Entschlüsselt von einem FBI-Agenten. Auch wenn es amerikanisch ist, ist sicher eine Quintessenz: Das, was ich am meisten versuche, zu verstecken, wird am meisten sichtbar. Und das gilt nicht nur für die Profis. Wer danach noch versucht, seine Aufgeregtheit zu verbergen, ist selber schuld. Aufregung ist teilweise das Salz in der Suppe des Vortragenden, die muss man nutzen!!!

 

 

5. Wirkungsvoll Präsentieren: Was sind die größten Fehler?

 

Parken an einer Stelle, zu bewusst stehenbleiben, ausformulierte Charts, die man abliest. Zu volle Charts. Es gibt selbstverständlich noch viel mehr mögliche Fehler. Überliefert ist der Spruch eines amerikanischen Generals zu einem Chart über den Afghanistan-Krieg: „Wenn wir dieses Chart verstanden haben, haben wir den Krieg gewonnen.“

 

Afghanistan PPTDeath by PowerPoint – ein Bild und seine Geschichte // Quelle: Wired

 

 

 

WIRKUNGSVOLLER PRÄSENTIEREN Sprechercoach Christoph Hilger Mediencoach Wirkungsvoller Praesentieren Christoph Hilger ist Schauspieler, Sprecherzieher und Mediencoach. Nach dem Start auf der Bühne und mit circa 80 eigenen Drehtagen vor der Kamera, war er ab 1994 bis 2006 als Mediencoach für Serien und Moderationsformate tätig. Im Auftrag verschiedener Sender begleitete er Akteuere von der Vorbereitung von Sendungen bis zur Betreuung vor der Kamera. Zwischen 2006 und 2011 war er berufen zum Professor für medienspezifisches Sprechen an der Filmhochschule Babelsberg, zuständigfür die Ausbildung von Schauspieler in stimmlich-sprachlichen Themen und in rhetorischen Fragen für angehende Regisseure und Produzenten. Seit 2003 coacht Christoph Hilger Firmen wie den VW-Konzern, Ikea und vielen andere mit den Themen Körpersprache, Stimme, Sprache und Rhetorik. Dabei hat er viele darstellerische Prinzipien an die besonderen Anforderungen von Menschen in Führungsaufgaben angepasst. Seit 2011 ist er als Professor freiberuflich aus dem Rheinland bundesweit unterwegs. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Präsentationsunterstützung und ‚Signale von Führung‘ in Einzel- und Gruppenprozessen.

Weitere Infos: www.Hilger-Christoph.de

 

 

Frage: Was hilft dir wirkungsvoller zu präsentieren? // Für alle, die mit ihrer Präsentation wirkungsvoller werden wollen empfehle ich das AuftrittscoachingWirkungsvoll Präsentieren„.

 

 

Was dich noch beim Thema „Wirkungsvoll Präsentieren“ interessieren könnte:
5 Regeln der Business Präsentation // Wie man erfolgreicher präsentiert!
AuftrittsCoaching: 12 Tipps für wirkungsvolle Vorträge
Authentisch Präsentieren // 5-teilige Serie von Moderator Martin Kloss

 

7 Tipps: Wie Dir Dankbarkeit bei Events hilft…

 

 

„Loben zieht nach oben und Danken schützt vor Wanken!“

 

 

Das hat meine Oma so gesagt. Der Spruch begleitet mich seit Kindestagen und ist zu einem tiefen Wert geworden. Auch Untersuchungen zeigen, dass Dankbarkeit zu weniger Stress, besseren Beziehungen und Gesundheit führt. Außerdem impft sie uns gegen negative Emotionen. Allerdings gibt es einen Ort, an dem Dankbarkeit kaum einen Platz findet – nämlich im Job.

 

Dies ist ein Problem. Denn realistisch gesehen verbringen wir in der Live-Kommunikation mehr Lebenszeit auf Events als in jedem anderen Lebensbereich. Und das Ausbleiben von Lob und Dank verhindert nicht nur gute Arbeitsresultate, sondern beschneidet ebenso unser Lebensglück. Wenn wir uns also obige Dankbarkeits-Vorteile zunutze machen wollen, dann ist die Arbeit der beste Ort damit anzufangen.

 

 

Dankbarkeit oder was das mit der Arbeitsmoral machen kann…

 

Vor gut 10 Jahren arbeitete ich noch als Set-Aufnahmeleiter bei TV-Produktionen. Dort musste ich einmal eine Schimpftirade eines Regisseurs auf der Interkom über mich ergehen lassen – für alle hörbar. Allerdings für etwas, was ich gar nicht zu verantworten hatte. Er musste wohl so vor dem Kunden seine Autorität zementieren und brauchte ein Ventil, um von einem eigenen Fehler abzulenken. Was das mit meinem Wohlbefinden getan hat, mann man sich sicher vorstellen… Der Motivation war es zumindest nicht zuträglich – wie es auch im gesamten Team spürbar war. (Warum anschreien übrigens nicht lohnt, hab ich hier geschrieben.)

 

Klar, die Welt hat sich weitergedreht. Aber der Schaden war angerichtet. Denn mit Druck und Negativität werden keine außerordentlichen Ergebnisse erzielt. Vermutlich hatte der Regisseur gar keine Ahnung, wie verheerend sein Verhalten sich auf mich und die Arbeitsmoral des ganzen Teams ausgewirkt hat. Menschen werden ihre Leistung im Job nur bis zu einem gewissen Punkt liefern – oder auf Durchzug schalten. Werden sie unterirdisch wertgeschätzt, dann leisten sie auch nur das Nötigste. Dienst nach Vorschrift eben.

 

 

7 Tipps, um den Erfolg durch ein einfaches DANKE zu stärken

 

Studien belegen, dass Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen, produktiver und loyaler sind. Allerdings scheint diese Botschaft bei Chefs noch nicht angekommen zu sein. Manche denken immer noch, dass nur hochgesteckte Ziele – verbunden mit Zuckerbrot und Peitsche – der Weg sind, um Ergebnisse zu erreichen. Oder auf schwäbisch: „Nix g’schwätzt isch g’nug g’lobt„… Folgend sieben Tipps, um mittels eines DANKE bessere Ergebnisse zu erzielen.

 

 

1. Eine Kultur der Wertschätzung führt zu dem Gefühl willkommen im Team und darin gewollt zu sein. Das führt unweigerlich zu besseren Arbeitsergebnissen. Nur: Fühlt sich jeder im Team wirklich willkommen? Offensichtlich findet diese einfache Wertschätzung viel zu selten statt.

Also: Wertschätze dein Team und sorge für eine einladende Kultur!

 

2. Wir arbeiten nicht nur fürs Geld – das ist nur einer unserer Motivatoren (TED Talk „What motivates us“). Wir arbeiten ebenso an besonderen Live-Momenten, um durch unsere Arbeit respektiert zu werden und für das Gefühl, etwas Sinnvolles zu schaffen. Da wir uns oft leidenschaftlich in Jobs investieren, beeinflusst die Arbeit auch unseren emotionalen Status.

Daher: Respektiere dein Gegenüber und sorge für Sinnhaftigkeit und guten Spirit!

 

3. Jede Mühe lohnt sich, wenn ich weiß, dass mein Einsatz gesehen und gewollt wird. Wird die Leistung jedoch nach der 15h Tag- und Nachtschicht gewürdigt oder als selbstverständlich abgetan? Gibt es nach einer Rettungsaktion zumindest ein Dank dafür oder wird dies gar nicht wahrgenommen? Außerdem hilft es, wenn man sich im Vorfeld konkrete Gedanken macht, wen man wann und wofür loben will. Dann wird man es viel wahrscheinlicher auch tun.

Deshalb: Verpflichte dich, guten Einsatz konsequent und intentionell zu loben!

 

4. Event ist Teamplay. Oft bekommen aber nur die exponierten Persönlichkeiten die positiven Rückmeldungen. Was ist aber mit denen, die genau das erst ermöglichen und nicht im Rampenlicht stehen? Darüber bin ich mir als Regisseur stets bewusst (und ich denke auch jede/r Moderator/in im Rampenlicht weiß, wovon ich spreche). Wenn wir also Erfolg haben, dann vor allem, weil dieser gemeinschaftlich erreicht wurde.

Heißt: Danke gerade den Kollegen, die es sonst sehr unwahrscheinlich gesagt bekommen!

 

5. Aber: Auch nicht immer und überall für alles DANKE sagen – das fängt schnell an zu nerven. Wie immer im Leben muss DANK authentisch und ausbalanciert bleiben. Ein Danke kommt um so besser an, desto spezifischer es formuliert wird. Das zeigt, dass du nicht oberflächlich damit um dich schmeißt sondern dir Gedanken gemacht hast, wofür genau du dich bedankst. Zugleich wirst du dir selbst darüber bewusst, was du an dem anderen beziehungsweise seiner Leistung schätzt.

Sprich: Setze Lob und Anerkennung spezifisch und individuell ein! 

 

6. Jeder Mensch tickt anders (interessant sind dabei die unterschiedlichen Persönlichkeitsprofile). Für den einen mag ein verbales DANKE treffend sein. Ein anderer ist schüchtern und freut sich eher über das geschriebene Wort oder ein Geschenk. Es bedarf Taktgefühl, um auf angemessene Art und Weise Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, ohne Mitarbeiter zu nerven oder bloß zu stellen.

Bedeutet: Finde angemessene Formen um deinen Dank auszudrücken!

 

7. Gerade wenn keiner Danke sagt: Fang damit an. Es wird sich verbreiten! Natürlich hilft es, wenn der Dank von der obersten Stelle ausgeht. Aber gute Führung hat nichts mit der Position zu tun, sondern mit Einfluss. Das heißt, du kannst jederzeit in jeder Position loslegen und damit Einfluss bei Events nehmen.

Ergo: Starte wo du bist – du hast es in der Hand!

 

 

 

Fazit: Dankbarkeit verändert die Atmosphäre und vor allem dich selbst

 

Dankbarkeit ist die effektivste Währung, um Menschen in ein Projekt zu involvieren und dabei zu Höchstleistungen zu motivieren. Außerdem hat dies auch einen weiteren Effekt: Einzelne werden vertrauensvoller miteinander und sind dadurch eher geneigt, sich gegenseitig zu helfen. So kommt der Stein ins Rollen.

 

Wenn wir im Sinne eines guten Events das Beste aus unseren Kollegen und Mitarbeitern herausholen wollen, müssen wir ihr Inneres gewinnen. Das kann man nicht einfordern und schon gar nicht durch Gehälter erkaufen, wie Michael Hyatt treffend schreibt. Aber ein einfaches Danke kann dabei Wunder bewirken – und kostet noch nicht mal was. Nur deine Aufmerksamkeit, etwas Zeit und Mühe… Also, raus aus der Komfortzone!

 

Wie schon das Zitat eingangs sagte: Loben zieht nach oben und Danken schützt vor Wanken. Ich habe es bei Produktionen mit eher mieser Stimmung immer ausprobiert. Ein zielgerichtetes, begründetes Lob hat nicht nur mein Gegenüber emotional nach oben gezogen, sondern auch mich. Es funktioniert. Und sollte es das mal nicht tun, dann dient es einfach deinem eigenen Wohlbefinden… 😉

 

 

Frage: Wie sagst du im Job DANKE? Teile Deine Antwort auf Facebook, Twitter oder LinkedIn.

 

Persönlichkeitsprofil: Grundlage für gutes Teamwork

Persönlichkeitsprofil: Welcher Typ bist du? // Quelle der Informationen: überwiegend zitiert von Wikipedia

 

 

Warum macht das Wissen über ein Persönlichkeitsprofil in der Eventbranche Sinn? Weil unsere Arbeit auf kurzlebiger Projektarbeit basiert und dabei die Chemie zwischen Menschen einer der ausschlaggebendsten Faktoren für den Erfolg eines Events ist. Gerne möchte ich daher vier mir bekannte Tests zur Einschätzung von Persönlichkeiten vorstellen und erklären, wie diese in der Zusammenarbeit mit Teams helfen können.

 

 

1) Big Five – Modell der Persönlichkeitspsychologie

 

Bei dem Fünf-Faktoren-Modell (FFM) handelt es sich um ein Modell der Persönlichkeitspsychologie, das fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit definiert. Demnach lässt sich jeder Mensch auf den folgenden Skalen einordnen: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit.

 

Dem Big Five Modell liegt die Auffassung zugrunde, dass sich Persönlichkeitsmerkmale in der Sprache niederschlagen, also alle wesentlichen Unterschiede zwischen Personen im Wörterbuch durch entsprechende Begriffe repräsentiert werden. Auf der Basis von Listen mit über 18.000 Begriffen wurden durch Faktorenanalyse fünf sehr stabile, unabhängige und weitgehend kulturstabile Faktoren – die Big Five – gefunden, und später durch eine Vielzahl von Studien belegt.

 

Die Big Five gelten heute laut Wikipedia international als das Standardmodell in der Persönlichkeitsforschung. Da sich die Persönlichkeit bis zum 30ten Lebensjahr oft noch verändert, lohnt sich ein erneuter Test zu diesem Zeitpunkt zu wiederholen. An dieser Stelle findet sich der Test (den einzigen der vier, den ich tatsächlich selbst noch nicht gemacht habe… ;).

 

 

2) Enneagram als Tool zur Entwicklung des Persönlichkeitsprofil

 

Das Enneagramm bezeichnet ein neunspitziges Symbol, das als grafisches Strukturmodell neun als grundsätzlich angenommene Qualitäten unterscheiden, ordnen und miteinander in Beziehung setzen soll. Das Enneagramm wird als ein prozessorientiertes Werkzeug zur Selbstentwicklung beschrieben, nicht aber als Symbolisierung verschiedener Persönlichkeitstypen. Im Gegensatz zu den vier antiken Temperamenten cholerisch, sanguinisch, melancholisch und phlegmatisch wird das Persönlichkeitsenneagramm dazu benutzt, die Menschen in neun Persönlichkeitstypen einzuteilen.

 

 

Persönlichkeitsprofil Enneagram

Enneagram-Persönlichkeitsprofil // Grafik: www.newmind.de

 

 

Oft fehlt uns auch das Verständnis für das Handeln anderer Menschen. Nach dem Enneagramm hat jedes Persönlichkeitsmuster eine bestimmte Weltsicht und betrachtet die Welt durch einen entsprechenden Filter. Davon ausgehend wird es möglich zu erklären, warum Menschen sich auf eine bestimmte Weise und nicht anders verhalten. Probleme und Konflikte – im Privaten wie in der Arbeit – resultieren häufig aus Schlussfolgerungen vom eigenen auf fremdes Wahrnehmen. Das Enneagramm trägt dazu bei, die Dynamik zwischen Menschen verschiedenen Musters zu verstehen und damit zwischenmenschliche Probleme zu lösen.

 

Indem die Typologie des Enneagramms beschreibt, wie sich die Grundmuster in positiven wie negativen Situationen verändern, zeigt es zugleich Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung. Nach Einschätzung von Kritikern werden allerdings nur wenige Aspekte eines Menschen beachtet und nur auf Verhalten geschaut, statt das Gesamtbild inklusive seines Wahrnehmungsstils und Wesens zu betrachten.

 

Eine erklärende Übersicht der neun Typen findet sich bei Wikipedia, weitere Infos hier.

 

 

3) Myers-Briggs-Typenindikator nach Carl Jung

 

Der Myers-Briggs-Typenindikator ist ein Instrument, mit dessen Hilfe psychologischen Typen erfasst werden sollen. Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung bemerkte in seinem täglichen Kontakt mit Patienten, dass der Umgang mancher Menschen mit der Welt schlicht anders war als sein eigener. Er notierte diese Beobachtungen und deren charakteristische Merkmale, benannte sie und machte sich die Kenntnis der Persönlichkeitseinschätzung wieder für seine Arbeit zunutze. Grundlegend für das Modell ist die Einschätzung der Typen in vier Funktionen (Denken/Fühlen, Sensorik/Intuition), die jeweils mit den Attributen introvertiert oder extravertiert belegt wurden.

 

Katherine Cook Briggs und ihre Tochter Isabel Myers griffen die Typologie von Jung auf und führten Messreihen durch. Es gibt in der Typologie vier Indikatoren (Motivation/Antrieb, Aufmerksamkeit, Entscheidung, Lebensstil) die in jeweils zwei konträren Präferenzen ausgeprägt sind. Zur weiteren Übersicht empfehle ich diese Tabelle. Der Indikator wird überwiegend im Bereich Coaching und Personalwesen eingesetzt.

 

Von der wissenschaftlichen Psychologie wird der MBTI zwar abgelehnt, weil er den Mindestanforderungen an Gültigkeit und Verlässlichkeit nicht entspricht. Bei Wiederholungen des Tests nach mehreren Wochen oder Monaten schwankt der Typ auch oftmals. Hier geht es zum Test und an folgender Stelle finden sich wirklich gute Charakterisierungen der einzelnen Typen als Auswertung (dort auf das entsprechende Profil klicken).

 

 

4) DISG für dominant, initiativ, stetig, gewissenhaft

 

Das DISG-Modell bezeichnet einen auf Selbstbeschreibung beruhenden Persönlichkeitstest mit den vier Grundtypen Dominanz, Initiative, Stetigkeit und Gewissenhaftigkeit. Das wissenschaftlich nicht bewiesene Modell beschreibt nach dem Prinzip der Selbstbeschreibung bestimmte Ausprägungen von Verhaltenstendenzen von Menschen bei einem bestimmten Typus. Die Auswertung der Ergebnisse spiegelt den Status Quo des Teilnehmerverhaltens (man verteilt Punkte am ehesten bis am wenigsten) und geschieht grafisch in drei Diagrammen: „Äußeres Selbstbild“, „Inneres Selbstbild“, „Integriertes Selbstbild“.

 

DISG PersönlichkeitsprofilDISG Persönlichkeitsprofil // Bild: Steschke at Wikipedia [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

 

Der Nutzen besteht im konkreten alltäglichen Umgang mit den vier Verhaltensdimensionen. Sie ermöglichen die Einschätzung des Verhaltens des Gegenübers. In einem solchen Training wird dem Teilnehmer vermittelt, Teammitglieder, Kunden, Mitarbeiter, Führungskräfte etc. besser in deren Verhalten kennenzulernen und dadurch das eigene Verhalten an den Verhaltensstil des Gegenübers anpassen zu können. Es besteht dabei -wie bei allen Tests- die Gefahr, dass das äußerst komplexe Phänomen „Persönlichkeit“ auf vier Typen oder Mischtypen reduziert wird und somit das Denken in „Schubladen“ fördert.

 

Weitere Informationen finden sich hier und in dem offiziellen Buch Das neue 1×1 der Persönlichkeit samt Test.

 

 

Persönlichkeitsprofil als Grundlage für gutes Teamwork & erfolgreiche Events

 

Schon als Jugendlicher stieß ich auf die DISG-Methode. Bereits zu der Zeit empfand ich das Wissen über die unterschiedlichen Persönlichkeitsprofile von Menschen als sehr wertvoll. Erst kürzlich bin ich mit dem Myers-Briggs-Typenindikator in Berührung gekommen. Aus meiner persönlichen Wahrnehmung hat diese Einschätzungform mich auf den Punkt genau beschrieben. Dabei haben mich die Genauigkeit der Beschreibung meiner Persönlichkeit sowie mir bisher selbst nicht bewusste Details umgehauen – WOW! Ich empfehle daher einfach mal die 70 Fragen mit JA oder NEIN zu beantworten und unbedingt die verlinkte Auswertung beziehungsweise Deutung des Profils zu machen – mir hat es Welten eröffnet…

 

Fazit: Bei Events ist es natürlich schwierig, in immer wechselnden Teamkonstellationen und kürzester Zeit zu erkennen, welchen Typen Mensch ich vor mir habe. Zumal ich es in meiner Funktion als Regisseur mit sehr unterschiedlichen Typen zu tun habe – vom CEO bis zum Bühnentechniker ist da alles dabei. Mir hilft jedoch das Bewusstsein, wie ich selbst „ticke“ und welche andere Formen von Menschen es da draußen gibt. Ob im Bereich Kommunikation, Entscheidungsfindung oder einfach um für ein gutes Miteinander zu sorgen. Gerade bei der Zusammenarbeit gibt das DISG-Modell und Enneagram wertvolle Hinweise, wie man in der jeweiligen Konstellation zueinander besser agieren kann. Über weitere Elemente guten Teamworks habe ich übrigens in diesem Blogpost geschrieben: Warum anschreiben einfach nicht lohnt…

 

 

Frage: Welche Mittel helfen Dir in der Einschätzung und Zusammenarbeit mit Teamkollegen?

 

Authentisch Präsentieren // Teil 5: Spiegelung

Authentisch präsentieren: Spiegelung der Selbst- und Außenwahrnehmung // Teil 5 von Martin Kloss

 

 

Hier der fünfte Teil der Serie “Besser Präsentieren” mit Analysen, Hintergründen und nützlichen Tipps um die eigene Präsentation vor Publikum zu verbessern (Teil 1: WIE vor WAS // 2: Körpersprache // 3: Atmung & Stimme // Teil 4: Rhetorik).

 

 

Authentisch Präsentieren: Spiegelung der Selbst- und Fremdwahrnehmung

 

In diesem vorerst letztem Teil der Serie, geht es darum einmal hinter die Kulissen der Wahrnehmung zu schauen und zu verstehen, was eigentlich in unserem Kopf und dem unseres Zuschauers passiert während wir präsentieren.

 

1. Selbst- und Fremdwahrnehmung ist immer subjektiv
2. Authentizität ist eine Illusion

 

 

Authentizität ist eine Illusion

 

Eigentlich bin ich ja ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu”, sagte der österreichische Schriftsteller Ödön von Horváth und beschrieb damit sehr pointiert das Gefühl, dass viele während oder nach der Präsentation haben. Warum habe ich dies oder jenes getan oder gesagt, warum war ich nicht einfach ich selbst?

 

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir zunächst einen Schritt zurück machen und uns noch einmal mit dem Thema Wahrnehmung auseinandersetzen. Denn Präsentieren vor Publikum bedeutet immer eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wahrnehmungen:

 

1. der Eigenwahrnehmung als Präsentierender und
2. der Fremdwahrnehmung des Publikums.

 

Wir nehmen uns als individuelle Persönlichkeit erst durch unsere Sinne wahr (siehe auch Teil 1). Diese Eigenwahrnehmung ist ein wichtiger Feedback Mechanismus, eine Art Spiegel.

 

Die Fremdwahrnehmung dagegen entsteht in Relation und Abhängigkeit zur Eigenwahrnehmung, wie attraktiv finde ich beispielsweise meinen Gegenüber, ist er/sie mir sympathisch, habe ich Angst ihm/ihr etc. und ist wie die Eigenwahrnehmung ein rein subjektives Empfinden.

 

 

Spiegelneurone

 

Betrachten wir die Vorgänge im Hirn, die für uns bei der Wahrnehmung im Alltag eine maßgebliche Rolle spielen, dann ist da zunächst das Feuern der Handlungsneurone, der “Intelligenz” in der prämotorischen Hirnrinde. Hier wird das Kommando (bewusst oder unbewusst) gegeben eine Bewegung auszuführen, zum Beispiel über die Bühne zu gehen oder eine Geste bei einer Präsentation zu machen, die das gesagte unterstreichen soll.

 

Dies führt dazu, dass die Bewegungsneurone in der benachbarten motorischen Hirnrinde feuern und die Bewegung vom Muskelapparat ausgeführt wird. Man spricht hier auch vom Asterix & Obelix Prinzip. Der eine ist “schlau” und plant die Bewegung, der andere ist “dumm”, besteht nur aus Muskeln und führt die Befehle aus.

 

Oft wissen wir aber gar nicht warum dieses Asterix & Obelix Paar in Aktion getreten ist, also warum wir beispielsweise eine bestimmte Geste gemacht haben. Der Grund dafür sind sogenannte spontane Resonanzphänomene, wenn wir ganz unbewusst und “automatisch” ein Lächeln erwidern, die Sitzhaltung unseres Gegenüber einnehmen, Gähnen wenn jemand anders gähnt, dem Blick anderer folgen usw. (siehe auch Teil 2 – Körpersprache).

 

Die sogenannten Spiegelneurone nehmen dabei eine besondere Stellung ein, denn dabei handelt es sich um Handlungsneurone die feuern können, ohne dass dabei Bewegungsneurone tätig werden. Also ein Asterix, der auch ohne Obelix aktiv sein kann, wie bei der Vorstellung einer Tätigkeit oder wenn ein anderer Mensch eine Handlung ausführt und wir sie nur beobachten!

 

Untersuchungen haben gezeigt, dass beim reinen Betrachten eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster im Hirn entsteht wie bei dessen eigener Ausführung. Leistungssportler nutzen beispielsweise dieses Phänomen um zusätzlich zum eigentlichen Training auch kognitiv zu trainieren, also ihre Bewegungen nur in der Vorstellung zu trainieren und so nachher im Wettkampf tatsächlich besser zu sein.

 

Aber nicht nur bei eigenen Handlungen werden diese Spiegelneuronen aktiv. Beim Beobachten anderer Menschen nehmen wir oft eine Innenperspektive ein, die uns hilft die Handlungen anderer intuitiv zu verstehen und mitzufühlen.

 

Ein einfaches Beispiel ist ein Film bei dem wir mit der Hauptfigur Freud und Leid erleben und ein emotionales Verstehen der Handlungen der Figur stattfindet. Dieses “Nachempfinden” für andere nennen wir Empathie. Der gleiche Prozess sorgt auch dafür, dass wir Sympathie oder Antipathie für einen anderen Menschen empfinden.

 

 

Was ist Sympathie?

 

Studien zeigen, dass wir Sympathie für die Menschen empfinden, die gut spiegeln können. Also Emotionen und Handlungen so auszudrücken, dass wir sie als angemessen empfinden.

 

Erzählt uns jemand lachend von einem tragischen Unfall, widerspricht diese Wahrnehmung unserer eigenen und der Erwartung davon wie die Wahrnehmung des anderen sein sollte. Die Folge ist, dass wir unser Gegenüber unsympathisch finden. Genauso kann eine schöne Geschichte oder ein guter Witz, den wir selbst auch lustig finden dazu führen, dass uns die Person sympathisch ist.

 

Die Sympathie entsteht aber NUR wenn die Person spontan und authentisch ist, die Emotion und Handlung also Ausdruck ihrer tatsächlichen Stimmung ist. Und dafür haben wir sehr feine Antennen, die hauptsächlich auf die Körpersprache unseres Gegenüber eingestellt sind (siehe Teil 2).

 

 

Wann bin ich “authentisch”?

 

Sei authentisch – ob in den Medien oder auch im persönlichen Gespräch, das ist gerade eine Art gesellschaftlicher Imperativ. Authentizität ist die Währung für das echte, unverfälschte Leben wie wir es uns für uns wünschen und auch gerne bei anderen sehen möchten.

 

Aber Authentizität ist eine Illusion. Wir alle sind Rollenspieler, die je nach Situation eine Rolle einnehmen. Selbst wenn wir nur für uns allein sind, versuchen wir bewusst und unbewusst die Erwartungen an uns selbst zu erfüllen. Anders ausgedrückt, wir sind immer in einer Rolle.

 

Die Hamburger Soziologin Gabriele Klein drückt es folgendermaßen aus: “Authentifizierung findet durch das Publikum statt… das Authentische ist für mich eine Inszenierungskategorie, damit immer theatral und eine Kategorie, die insofern performativ ist, als dass sie über Beglaubigung durch das Publikum, durch den Anderen funktioniert.” (Quelle: DLF, “Authentizität ist nur eine Illusion”)

 

Der Beobachter, ist also derjenige, der das Erlebte als authentisch ratifiziert und beglaubigt. Authentizität gibt es daher nicht an sich, sondern immer nur für den Zuschauer im Moment des Betrachtens.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Zur Wahrnehmung und inneren Abbildung anderer Menschen setzt das Gehirn dieselben Programme ein, mit denen es sich auch ein Bild von sich selbst modelliert.

Das System der Spiegelneurone fungiert dabei als ein soziales Orientierungssystem, das uns hilft die Menschen auszuwählen, mit denen wir gut umgehen können. Freund und Feind zu unterscheiden oder auch den Partner für die Familiengründung zu finden.

 

Wir haben als Menschen den permanenten Wunsch uns zu spiegeln, wir sind süchtig nach anderen Menschen. Wir wollen das gut finden, was andere gut finden. So entstehen Trends und Massenphänomene. Die Medien- und Werbeindustrie macht sich das gezielt zu nutze und steuert so unser Konsumverhalten. Und wir können es nutzen, um in einer Präsentation das Publikum für uns zu gewinnen.

 

 

Fazit: Authentisch präsentieren um Wirkung zu erzielen

 

Wenn ich mich auf der Bühne, in der Situation, mit mir und vor dem Publikum wohl fühle, meine Selbstwahrnehmung, meine Spiegelung mir ein gutes Gefühl gibt, wird die Fremdwahrnehmung des Betrachters dieses als authentisch und sympathisch bewerten. In der Folge werden meine Inhalte besser transportiert und nachhaltig wirken.

 

Um dies zu erreichen, sollte ich mir bewusst sein über die Wirkung von Körpersprache, Atmung, Stimme und Rhetorik und sie gezielt einsetzen um sowohl die Selbst- als auch die Fremdwahrnehmung positiv zu beeinflussen.

 

 

Der Weg dahin geht nur über die Erfahrung. Machen, machen, machen. Trainieren Sie Ihre Körper-, Stimm-, Atmungs- und Rhetorikmuskeln. Arbeiten Sie daran mit einem Coach. Lassen Sie sich von schlechten Erfahrungen bei Präsentationen nicht entmutigen, sondern nehmen Sie jedes Erlebnis als eine positive Erfahrung auf ihrem Weg mit und lernen Sie daraus.

 

Und vor allen anderen Dingen: Haben Sie Spass!

 

 

 

Martin Kloss Besser PräsentierenMartin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zweisprachiger (Deutsch / Englisch) Schauspieler, Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Darüber hinaus hilft er Unternehmen als Schauspiel- und Business Coach, schult Redner und Vortragende und bietet Workshops zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com

 

Besser Präsentieren // Teil 4: Rhetorik

Nicht im Regen stehen, sondern mit Argumenten überzeugen… // Teil 4 von Martin Kloss: Rhetorik

 

 

Heute der vierte Teil der Serie “Besser Präsentieren” mit Analysen, Hintergründen und nützlichen Tipps um die eigene Präsentation vor Publikum zu verbessern (Teil 1: WIE vor WAS // 2: Körpersprache // 3: Atmung & Stimme).

 

 

Rhetorik: Mein Gegenüber durch Argumente überzeugen!

 

Wie kann ich mit rhetorischen Mitteln meine Inhalte besser vermitteln?
Welche Rolle spielt Rhetorik im Gesamtkontext meiner Präsentation?

 

1. Weniger ist mehr
2. Pausen machen den Rhythmus

 

 

Was ist Rhetorik?

 

Als “Kunst der Rede” stellt die Rhetorik die Mittel bereit Ihre Zuhörer verbal von Ihren Aussagen zu überzeugen. Sie wird auch die “Wissenschaft vom wirksamen Reden” genannt und stellt ein Transportmittel für die zu vermittelnden Inhalte dar.

 

Ob dieses Transportmittel ein schicker, schneller und effizienter Sportwagen oder ein alter, rostiger und stinkender Lastwagen ist, liegt an Ihnen und wie Sie die Werkzeuge der Rhetorik sinnvoll einsetzen.

 

Mit dem Thema Rhetorik kann man sich problemlos ein Leben lang beschäftigen, daher geht es in diesem Artikel nur um ein paar einfache grundlegende Dinge, die Ihnen bei Ihrer Präsentation helfen sollen das Transportmittel Rhetorik besser zu nutzen.

 

 

Weniger ist mehr

 

Im Englischen gibt es das sogenannte KISS-Prinzip: “Keep It Simple, Stupid”. Das ist ein einfacher und guter Merksatz, denn er beschreibt das Prinzip, das als oberste Regel für eine Rede oder Präsentation gelten sollte: “halte es so einfach wie möglich”.

 

Einige Menschen meinen, durch die Verwendung möglichst komplizierter Fremdworte oder Anglizismen würden sie ihr Wissen, ihre Kompetenz und ihren Status dem Zuhörer gegenüber deutlich machen. Das Gegenteil ist der Fall. Denn je weniger ich als Zuhörer verstehe, desto weniger höre ich zu. Positiv formuliert: je einfacher das Gesagte ist, desto aufmerksamer ist mein Zuhörer.

 

Selbstverständlich lassen sich nicht immer alle Fremdworte oder Anglizismen vermeiden, teilweise weil es keinen deutschen Ausdruck dafür gibt oder weil es ein feststehender Fachbegriff ist. Aber es reicht schon sich beim Schreiben einer Rede oder auch beim freien Sprechen darauf zu konzentrieren einfache Worte zu wählen.

 

“Unser Forecast setzt eine Benchmark im Segment der Channel Distribution” ist ein beispielsweise Satz über den ein Zuhörer so lange nachdenken muss, dass die darauffolgenden Sätze gar nicht gehört werden.

 

Das gleiche gilt für die Satzlänge. Schriftdeutsch zu sprechen, ist sehr schwierig für den Sprecher und noch schwieriger für den Zuhörer. Versuchen Sie Ihre Sätze mit maximal 12-15 Worten zu bilden, ohne Nebensätze und gesprochene Klammern. Das macht es Ihnen beim Sprechen und Ihren Zuhörern beim Verarbeiten der Inhalte leichter.

 

 

Positiv bleiben


In vielen Fällen verwenden wir unbewusst eine Negation um etwas Positives auszudrücken. Zum Beispiel “meine Präsentation wird nicht lange dauern”, anstatt positiv “meine Präsentation wird kurz sein”.

 

Das Problem dabei ist, unser Hirn kennt keine Negation. Wenn ich das klassische Beispiel nenne “bitte denken Sie jetzt NICHT an einen rosa Elefanten”, können Sie nichts dagegen tun, dass Sie vor Ihrem geistigen Auge einen rosa Elefanten sehen.

 

Das liegt daran wie unser Hirn Sprache verarbeitet. Die Worte werden alle wahrgenommen und erst im Nachhinein in den Gesamtkontext und damit ihre Bedeutung eingeordnet. Dazu kommen Dinge wie Prosodie und Parasprache (vgl. Teil 3: Atmung & Stimme), die dann im Zusammenspiel die Bedeutung des Gehörten ergeben.

 

Eine Aufforderung etwas NICHT zu tun, hat deswegen zur Folge, dass gerade das Bild dessen was NICHT getan werden soll im Kopf entsteht.

 

Dieses Prinzip kann auch umgekehrt werden um schlechte Nachrichten zu schönen. Wenn bei Aktiengesellschaften von einer “Gewinnwarnung” gesprochen wird, bleibt im Hirn der positive Begriff “Gewinn” hängen, während die eigentliche Nachricht einen Verlust meint.

 

Achten Sie mal darauf wie oft Sie im Alltag die Negativ-Form verwenden und versuchen Sie das gleiche noch einmal positiv auszudrücken. Wählen Sie bewusst die Worte und vor allem Bilder, die bei Ihren Zuhörern hängen bleiben sollen.

 

 

Pausen machen den Rhythmus

 

Jeder Musiker weiß, Pausen machen den Rhythmus. Der Rhythmus entsteht nicht durch den Moment in dem eine Saite gezupft oder eine Trommel geschlagen wird, sondern die genau gesetzte Pause zwischen den Tönen macht den Groove.

 

Das liegt daran, dass wir in einer Pause das gerade gehörte erstmal verarbeiten müssen und dann im besten Fall gespannt auf den nächsten Ton bzw. das nächste Wort warten. Einen Witz ohne die akzentuierte Pause vor der Pointe zu erzählen, ruiniert den ganzen Witz.

 

Machen Sie daher Pausen beim Sprechen, lieber mehrere als wenige. Mit Pausen erhöhen Sie den Spannungsbogen, setzten gezielt einen Punkt oder ein Ausrufezeichen hinter das gerade gesagte und ermöglichen dem Zuhörer darüber nachzudenken.

 

Die gefühlte Länge einer Pause ist dabei immer sehr viel kürzer als die tatsächliche. Probieren Sie es am besten einmal aus, indem Sie sich aufnehmen und die subjektiv wahrgenommene Pausenzeit beim Sprechen mit der beim Hören vergleichen.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Achten Sie schon beim Schreiben bei Ihrer Rede oder Präsentation darauf einfache und positive Formulierungen zu verwenden. Üben Sie Ihre Präsentation langsam, mit bewusst gesetzten Pausen zu sprechen. Nehmen Sie sich gegebenenfalls beim Üben auf Audio oder Video auf, um ein Gespür für das Tempo und die Pausenlänge zu bekommen.

 

 

Fazit: Rhetorik hilft jeder Präsentation

 

Einfache Mittel der Rhetorik können die Vorbereitung und Ausführung Ihrer Präsentation maßgeblich verbessern.
Merken Sie sich: Weniger ist mehr. Einfache und positive Worte, kurze Sätze. Langsames Sprechen und Mut zur Pause. Dann macht es Ihnen und auch Ihren Zuhörern mehr Spaß und die Inhalte kommen an.

 

 

Im fünften und vorerst letzten Teil dieser Serie geht es um das Thema Spiegelung und was Hirnforschung mit dem Thema Präsentieren zu tun hat.

 

 

Martin Kloss Besser PräsentierenMartin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zweisprachiger (Deutsch / Englisch) Schauspieler, Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Darüber hinaus hilft er Unternehmen als Schauspiel- und Business Coach, schult Redner und Vortragende und bietet Workshops zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com

 

Innovatives Veranstaltungsformat: Future Cube vom Klubhaus Köln

Innovatives Veranstaltungsformat – der Future Cube beim DGFP//lab im Ersteinsatz // Fotos: Klubhaus

 

 

Kürzlich habe ich eine Fernreise in die Heimat unternommen. Mit Torsten Fremer sass ich am Zülpicher Platz in Köln beim wohl lustigsten Asiaten, den es im Rheinland gibt. Bei Sushi und Tee in Tokyo traf ich fast beiläufig auf einen Ansatz, den ich für die Arbeit bei Konferenzen und Meetings sehr spannend finde. Den Future Cube will ich euch nicht vorenthalten und habe Torsten nach dem Prinzipen dahinter befragt.

 

 

I. Was ist der „Future Cube“ und was zeichnet ihn aus?

 

Der Future Cube ist ein innovatives Veranstaltungsformat. Es verbindet die digital gestützte Entwicklung von Ideen und Lösungen mit analogen Kreativtechniken. Zwischen 50 und 5.000 Personen können interaktiv zusammenarbeiten, gemeinsam kreativ werden und ihr Wissen teilen.

 

Anders als bei klassischen Konferenz- und Workshop-Formaten entstehen beim Future Cube durch digitale Vernetzung Ergebnisse, die von allen getragen werden und somit höchste Relevanz für das gesamte Unternehmen besitzen. An nur einem Tag erleben die Teilnehmer die Kraft kollektiver Intelligenz mit einem beeindruckenden Output an Ergebnissen, die nachhaltig Wirkung zeigen.

 

Der Future Cube ist ein Veranstaltungsformat, das hilft, der Komplexität unserer Zeit zu begegnen. Dabei eignet es sich genau so für Themen der Unternehmenskultur wie für Innovationsprozesse und konkrete Produktentwicklungen oder die kollektive Erarbeitung von Manifesten und Maßnahmenplänen.

 

 

II. Gibt es ein Best-Practice-Beispiel vom Future Cube?

 

Zum ersten Mal kam das Konzept bei dem DGFP//lab zum Einsatz – einem interaktiven Kongressformat für die Deutsche Gesellschaft für Personalführung. Bei der Veranstaltung mit ca. 300 Teilnehmern ging es darum, ein Manifest für die Zukunft der Arbeit zu entwickeln, wo Partizipation und Mitgestaltung eine wichtige Rolle spielen. Das positive Feedback nahezu aller Teilnehmer und die sehr guten Ergebnisse haben uns dazu motiviert, dass Produkt serienreif zu entwickeln.

 

In die Entwicklung des Formates floss das Know-how verschiedener Spezialisten und Fachrichtungen ein. Neben unseren Eventspezialisten vom KLUBHAUS waren es die Didaktikexperten von braincheck um Dr. Carl Naughton und das Methoden- und Beratungsunternehmen nextpractice, das sich schon seit Jahren mit kollektiver Intelligenz und dem sinnstiftenden Einsatz von digitalen Netzwerken beschäftigt.

 

 

III. Wie funktioniert der Prozess?

 

Grob skizziert besteht der Future Cube aus vier Phasen (siehe Bild unterhalb). Während der ersten Phase werden die Teilnehmer an das Thema herangeführt und erweitern ihren Blickwinkel, indem sie Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. In der zweiten Etappe dreht sich alles um das Sammeln von Ideen; gearbeitet wird im interaktiven Wechsel zwischen Klein- und Großgruppe.

 

Der dritte Schritt gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, ihre Ideen digital zu teilen, sich auszutauschen und von den Ergebnissen der anderen Gruppen zu profitieren. In der abschließenden Phase bewerten die Teilnehmer den generierten Ideenschatz. Die Ergebnisse der Kleingruppen werden jederzeit mit dem kompletten Plenum vernetzt.

 

 

Innovatives Veranstaltungsformat FutureCube 4 PhasenInnovatives Veranstaltungsformat FutureCube 4 Phasen

 

 

IV. Welcher ‚Tools’ bedient sich der Future Cube genau?

 

Der Future Cube ist multidimensional und vereint Elemente digitaler Netzwerktechnologien, Ansätze der Neugier-Forschung, klassische Kreativmethoden und externen Input über Marktplätze oder Inspirationsinseln. Digital arbeitet entweder die Gesamtgruppe vernetzt miteinander oder jeweils eine Gruppe von drei bis vier Personen an einem Laptop. Während der analogen Arbeitssequenzen sind es größere Teilgruppen. Je nach Interessenslage lassen sich über Algorithmen schnell immer wieder neue Teams nach individuellen Stärken und Zielen zusammensetzen. Gearbeitet wird übrigens in einem Raum, Breakouts sind nicht notwendig. Gerade das macht die Kraft des Formates aus.

 

 

V. Stichwort „Partizipation“: Wie kann man diese verbessern – oder muss man das gar nicht?

 

In Veranstaltungen erfolgt die Kommunikation immer noch viel zu oft eindimensional, weil es sich beispielsweise um statische beziehungsweise klassische Vortragssituationen handelt. Wenn in Gruppen gearbeitet wird, erfolgt der Informationsaustausch oft isoliert oder beschränkt innerhalb der einzelnen Gruppen. Digitale Kongress-Tools beschränken sich meist noch auf einfache Abstimmungen oder vorbereitete Multiple-Choice-Fragen, die eher als Gadget zu betrachten sind, als dass sie ansatzweise die Möglichkeiten des digitalen Netzwerkens ausschöpfen. Beim Future Cube hat die eingesetzte Technik keinen spielerischen Selbstzweck. Die Ergebnisse des Future Cubes besitzen dadurch, dass Sie von allen Teilnehmern gemeinsam entwickelt und geteilt werden, echte Relevanz für das gesamte Unternehmen – Inhalt gewinnt!

 

 

VI. Wie kann man das Prinzip des vernetzten Arbeitens sinnvoll schon vor und während eines Events nutzen?

 

Relevante Themen und Schwerpunkte lassen sich schon im Vorfeld der Veranstaltung über kurze digitale Online-Sessions identifizieren. Während der Veranstaltung werden die Ergebnisse und sämtliche Arbeitsschritte dank digitaler Vernetzung im Plenum oder in der Kleingruppe geteilt und gleichzeitig dokumentiert. So liegen jedem Teilnehmer aktuelle Ergebnisse direkt nach der Veranstaltung vor. Das bietet eine hervorragende Ausgangsbasis, um vielversprechende Ansätze weiterzuentwickeln und umzusetzen. Eine langwierige Auswertung ist nicht mehr nötig.

 

 

VII. Eignet sich der Future Cube als Methode im Change-Prozess?

 

Mit dem Future Cube können sich Kultur- und Werteverständnis während einer Veranstaltung in Echtzeit ändern, da jeder Teilnehmer alles mitverfolgen und sich zu jeder Zeit einbringen kann. Das ist für viele Unternehmen schon ein Musterwechsel, der die Teilnehmer zu einem engagierten Austausch und Umdenken animiert. Sämtliche Eingaben erfolgen absenderneutral und auch die Kommentierung und Bewertung ist anonym. Auf diese Weise entsteht eine Inhaltsdynamik, die intelligente Ideen und Maßnahmen hervorbringt, die für das Unternehmen wirklich relevant sind und von der Mehrheit getragen und geteilt werden. Das alleine kann schon zu nachhaltigen Veränderungen führen.

 

 

VIII. Wie werden Veranstaltungen Deiner Meinung nach in Zukunft aussehen (müssen)?

 

Ein Patentrezept wird es natürlich auch weiterhin nicht geben. Vielmehr sollte man noch genauer hinschauen, was wirklich die Ziele einer Veranstaltung sind und für jede einzelne die passende Lösung konzipieren. Das ist meinem Verständnis nach die Kernaufgabe einer Agentur. Tendenziell denke ich aber, dass mehr Interaktion ein wesentlicher Punkt sein wird. Damit sich nicht immer wieder der Allgemeinplatz bestätigt, dass das Beste an einer Veranstaltung mal wieder die Kaffeepause war.

 

Nur: Warum ändert niemand etwas daran? Oder provokant gefragt: Warum sind nicht längst die Kaffeepausen zum Mittelpunkt der Veranstaltungen avanciert? Und warum beschränkt sich die Informationsvermittlung nicht auf die Länge einer Kaffeepause? Informationen können heute auf zahlreichen Wegen vorab und digital zur Verfügung gestellt werden. Die Zeit, in der man sich trifft, sollte man dann auch gezielt zum Austausch verwenden. Mit dem Future Cube steht hierzu ab sofort ein professionelles Format zur Verfügung.

 

 

Torsten Fremer Klubhaus Eventagentur Köln Dr. Torsten Fremer, Jahrgang 1968, seit 2008 geschäftsführender Gesellschafter KLUBHAUS, Agentur für intelligente Kommunikation GmbH, mit dem Verantwortungsbereichen Live-Kommunikation und Innovationskultur. Zuvor: Studium Geschichte und Philosophie, Konzeptioner bei den Agenturen red cell (WPP) und Sponsorpartners (BBDO), Inhaber und Geschäftsführer culturepartners.

 

 

 

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Besser Präsentieren // Teil 3: Atmung & Stimme

Besser Präsentieren // Teil 3 von Moderator Martin Kloss: Atmung & Stimme

 

 

Hier der dritte Teil der Serie “Besser Präsentieren” mit Analysen, Hintergründen und nützlichen Tipps um die eigene Präsentation vor Publikum zu verbessern (Teil 1: WIE vor WAS // Teil 2: Körpersprache).

 

 

Atmung & Stimme

 

Welche Rolle spielt die Stimme beim Präsentieren und welchen Einfluss hat die Atmung auf die Stimme?
Wie werden wir “besser gehört” und wie kann das unsere Präsentation verbessern?

 

1. Atmung kommt vor Stimme
2. Sprache transportiert sich über Emotion

 

 

Die Stimme ist ein “Muskel”

 

Wir alle sprechen jeden Tag. Unterschiedlich lang, unterschiedlich laut, unterschiedlich schnell und in unterschiedlichen Tonlagen. Aber anders als bei einer Präsentation sprechen wir meist ohne dabei auf unsere Stimme zu achten.

 

Aus diesem Grund wird die Stimme oft unterschätzt und zu wenig oder gar nicht trainiert. Das ist verwunderlich, denn kein Mensch würde spontan einen Marathon laufen, nur weil er laufen kann und auch jeden Tag zum Bäcker geht.

 

Und die Stimme ist genau so ein “Muskel”, sinnbildlich gesprochen. Es werden aber in der Tat sehr viele unterschiedliche Muskeln und Muskelgruppen beim Sprechen benötigt, vom Zwerchfell über die Stimmlippen bis zur Kiefermuskulatur. Und genau wie beim Marathonlauf brauchen diese Muskeln Training um bei einem langen oder anspruchsvollen Einsatz entsprechend leistungsfähig zu sein.

 

 

Stimme braucht Atem

 

Wie beim Sport, ist die wichtigste Grundlage beim Sprechen die Atmung. Nur mit der richtigen Atmung werden die “Sprech-Muskeln” optimal mit Sauerstoff versorgt und die Stimme kann das volle Volumen und die richtige Präsenz entfalten. Die Atmung als Grundlage für die Stimme sollte daher ebenso oft und intensiv trainiert werden wie die Stimme selbst.

 

Hier ist eine einfache Übung: Stellen Sie gerade und entspannt hin und pressen Sie mit einem tonlosen “Ffffff” die Luft vollständig aus der Lunge. Verharren sie 1-2 Sekunden mit “entleerter” Lunge und entspannen dann alle Muskeln, damit die Luft wieder in die Lunge strömen kann. Wiederholen Sie diese Übung ein paar Mal und atmen Sie danach langsam, ruhig und tief ein und aus.

 

Das “Fundament” der Stimme ist das Zwerchfell. Die Stimme sollte immer vom Zwerchfell “gestützt” sein. Das führt dann zur sogenannten “Bauchstimme”, im Gegensatz zur “Kopfstimme”. Die Bauchstimme ist in der Regel tiefer, entspannter, voluminöser und damit präsenter als die enge, hohe und oft dünne Kopfstimme.

 

Eine einfache Übung die eigene Bauchstimme zu hören und zu spüren, ist es sich gerade und entspannt hinzustellen, eine Hand auf das Zwerchfell zu legen und ohne Druck ganz entspannt ein wohliges “Mmmmm…” zu summen. Diese Übung eignet sich auch gut um das Zwerchfell zu entspannen, beispielsweise vor einer Präsentation.

 

Das Thema Atmung und Stimme ist sehr umfangreich und komplex. Und in diesem kurzen Artikel ist es unmöglich auf alle Aspekte im Detail einzugehen. Stimme und Atmung brauchen langes und möglichst tägliches Training, ein Coaching kann hier sinnvolle Hilfestellung für dieses Training und die Verbesserung der eigenen Atmung und Stimme bringen.

 

 

Prosodie, die Melodie der Stimme

 

Ein wichtiger Aspekt der Stimme, insbesondere bei Präsentationen, ist der Tonhöhenverlauf beziehungsweise die Intonation, die sogenannte Prosodie. Diese “Melodie der Stimme” beim Sprechen wirkt im Zusammenspiel mit dem Inhalt, also der Bedeutung der Worte.

 

Sie ermöglicht uns das Gesprochene emotional zu bewerten, zum Beispiel Ironie zu verstehen, die erst durch die Prosodie kommuniziert wird, weil die Melodie eine gegenteilige Emotion kommuniziert, als die Bedeutung der Worte suggerieren.

 

Erst durch die Prosodie, also durch die “Emotionalisierung der gesprochenen Worte”, entsteht Kommunikation. Entsprechend entscheiden wir als Zuhörer ob die Bedeutung der Worte bei uns nachhaltig Wirkung erzeugen und gespeichert werden.

 

Im Gegensatz zu vielen Chefs die immer noch dem Irrglauben anhängen Lautstärke wäre das Mittel um den Zuhörer zu erreichen, kann eine gut eingesetzte Prosodie dazu beitragen die eigenen Inhalte der Präsentationen nachhaltig zu verankern.

 

 

Parasprache als Beziehungsaspekt

 

Dazu trägt auch ein weiterer wichtiger Aspekt der Sprache bei, die Parasprache. Auch die Parasprache setzt sich mit dem emotionalen Anteil von Sprache und Stimme auseinander, sie ist der sogenannte “Beziehungsaspekt”.

 

Als Parasprache werden alle die Sprache begleitenden vokalen Mittel bezeichnet, die für die Kommunikation von Bedeutung sind. Dazu gehört der Tonfall, die Lautstärke, gefüllte (äh…) und ungefüllte Pausen, Lachen, Seufzen, Dialekt und so weiter…

 

Eine Diskrepanz zwischen dem Inhalt (gesprochenes Wort) und dem Beziehungsaspekt (Parasprache, aber auch Körpersprache), trägt dazu bei, dass der Zuhörer und Zuschauer sich immer intuitiv für den emotionalen Teil entscheidet. Wir “glauben” also der Körpersprache und der Parasprache & Prosodie mehr als dem reinen Inhalt des Gesagten.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Trainieren Sie Ihre Atmung und Ihre Stimme, am besten mit einem Coach. Ihre Stimme ist Ihr Instrument und das Fundament Ihrer Präsentation. Wenn es die Größe des Raums zulässt, sprechen Sie ohne Mikrophon mit gestützter Stimme.

 

Achten Sie auf Ihre Parasprache und die Prosodie beim Sprechen. Hören Sie beim Üben Ihrer Rede oder Präsentation mit einem Ohr auf die versteckten Laute wie “Äh…”, Seufzen, Schmatzen und so weiter, nehmen Sie sich gegebenenfalls auf Video oder Audio auf. Setzen Sie den Tonhöhenverlauf beim Sprechen bewusst ein, lassen Sie den Zuhörer das Komma, den Punkt und das Ausrufezeichen bewusst hören.

 

 

Fazit: Nutzen Sie die Möglichkeiten Ihre Atmung und Ihre Stimme für eine bessere Präsentation.
 Ein gutes und regelmäßiges Training ist die Voraussetzung für eine gute Performance. Eine trainierte Atmung und Stimme sind die Pflicht, eine bewusst eingesetzte Parasprache und Prosodie die Kür.

 

Mehr zum Sprechen und wie Sprache und Worte bewusster eingesetzt werden können, gibt es im nächsten Teil dieser Serie mit dem Thema Rhetorik.

 

 

Martin Kloss Besser PräsentierenMartin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zweisprachiger (Deutsch / Englisch) Schauspieler, Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Darüber hinaus hilft er Unternehmen als Schauspiel- und Business Coach, schult Redner und Vortragende und bietet Workshops zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com