Frauen in der Eventbranche // 3 Frauen. 3 Erfahrungen. 3 Tipps.

Frauen in der Eventbranche – 3 Frauen. 3 Erfahrungen. 3 Tipps // Photo by Brooke Lark

Kürzlich hörte ich in dem Eventrevulotion Podcast wie Katrin Taepke erzählte, dass sie als junge Projektmanagerin bei der Messe Berlin vor allem mit 50-60jährigen männlichen Entscheidern zu tun hatte – und per se nicht ernst genommen wurde. Das hat mich sehr zum nachdenken gebracht (ungefähr so, wie mich vor vier Jahren Priscilla Bucher mit dieser krassen Rollenfrage aus dem Konzept gebracht hat…).

Eine Kollegin pflichtete bei: “Die Wahrheit ist dass du als Projektmanagerin belächelt und als Kreative nicht gehört wirst…. speziell wenn man jung ist. Das hat vor allem was mit dem Gegenüber zu tun:

• Projektmanagerin > männliche Konzernentscheider

• Kreative > Agentur interne männliche Konkurrenz (klassischer Weise werden Creative und Art Director Position in Agenturen immer noch mit bevorzugten männlichen Kreativen besetzt…)

Es wird mit dem Alter etwas besser, aber unterschätzt wird man trotzdem bei jedem KickOff Meeting von neuem. Wenn man den negativen Auslöser bei Seite schieben kann: eventuell auch eine Chance für uns Frauen? Denn wenn die Messlatte niedrig hängt kann man aus so einem Termin nur als Sieger rausgehen…”

Grund genug drei erfahrene Frauen in der Eventbranche nach ihren Erfahrungen und Tipps zu befragen. Danke Swantje Marquart (Geschäftsführerin einer Eventagentur), Nadine Imboden (Choreografin und Regisseurin) und Silja Neumann (Senior Projektleiterin), dass ihr tiefe und ehrliche Einblicke gewährt! 😉

Swantje Marquardt, Geschäftsführerin mindact.com

Swantje, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Eventgestalterin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

Mein erster Termin als Projektleitung liegt 14 Jahre zurück. Ich war damals 26 und zugegebenermaßen: jung und unerfahren.

Mein Pendant auf Kundenseite war weiblich, so alt wie ich heute bin und innerhalb der Kundenstruktur die einzige weibliche Person. Alle anderen Ansprechpartner waren männlich – inkl. der Entscheider. Sie fühlte sich in der Rolle des „Hahn – in dem Falle Huhn – im Korb“ und hat mich leider nicht akzeptiert. Sie war nicht einmal bereit mit mir zu telefonieren und fragte stattdessen meinen damaligen Chef „was bringst du hier für einen Kindergarten mit?“ Bei ihr hatte ich allerdings den Eindruck, dass es nicht um meine Unerfahrenheit geht, sondern dass ich weiblich bin.

Mit ihrem männlichen Nachfolger, bin ich dann von Beginn an sehr gut zurechtgekommen. Er war neu und musste sich ebenfalls einarbeiten, was meine Chance war. Ich hatte bei ihm nie das Gefühl, aufgrund meines Geschlechts, nicht ernst genommen zu werden.

Anders sah es bei seinen Chefs aus. Es hat ca. 4 Jahre gedauert, bis auch ich direkt angesprochen oder nach meiner Meinung gefragt wurde. Die männlichen Verantwortlichen der übrigen Fachbereiche (zwischen 35 und 45 Jahre), haben mich zu Beginn ebenfalls nicht ernst genommen. Ein Kollege und Projektleiter in meinem Team (2 Jahre jünger als ich), wurde direkt akzeptiert und als „Buddy“ auf Vorreisen eingeladen an Abendessen oder Drinks an der Bar teilzunehmen.

Nach anfänglicher Frustration habe ich mir vorgenommen zu beweisen, dass ich mehr als willens bin zu lernen, mich reinzuhängen und arbeiten kann wie ein Tier. Das hat mich nur noch mehr angetrieben. Ich habe immer zuverlässig geliefert und mich selbstbewusst präsentiert.

Obwohl ich das nicht immer war.

Und irgendwann war es soweit; ich hatte mir den Respekt und das Vertrauen erarbeitet. Daraus ist heute eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit geworden.

Und das ist auch meine Conclusio: Arbeite fleißig und zuverlässig. Und verdiene dir darüber den Respekt und das Vertrauen. Glaube an dich und deine Fähigkeiten und konzentriere dich nicht auf Ungerechtigkeiten.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Ich spüre bei den Frauen eine Veränderung. Die heutigen Mittzwanzigerinnen kommen mir deutlich selbstbewusster vor, als wir es früher waren. Das Einfordern von Anerkennung über Beförderungen, damit einhergehenden Gehaltsvorstellungen hat sich bereits verändert.

Früher mussten Kolleginnen fast dahin gedrängt werden. Wie soll man ernst genommen werden, wenn man seinen eigenen Wert nicht erkennt?

Frauen und Männer arbeiten immer noch unterschiedlich. Ich bin in meinem Kollegenkreis, von beiden ein großer Fan. Dennoch erlebe ich, dass sich Männer „besser verkaufen“ können. Frauen machen es häufig über die eigentliche Arbeit wett.

Natürlich hat das auch was mit dem Gegenüber zu tun. In der Branche, in der wir arbeiten, ist das Gegenüber bzw. der Entscheider meist männlich. Wenn du als Frau sehr selbstbewusst auftrittst, wirst du schnell als „arrogant“ verurteilt. Als Mann hingegen wirkst du stark. Obwohl es pauschalisierend klingt, erlebt man es so leider immer noch häufig.

Bezüglich der Agenturstrukturen kann man dazu natürlich nicht einheitlich über alle Agenturen reden. Es kommt auf die Führung und die Unternehmenskultur an. In unserem Unternehmen kann sich jeder, egal ob männlich oder weiblich, in der Hierarchie nach oben arbeiten.

Ich sehe aber auch, dass Frauen in der Agenturwelt – zum Beispiel in Key Account Funktionen – deutlich mehr gestärkt werden müssen. Viele Führungskräfte in Agenturen machen häufig einen Rückzieher bei der Positionsbesetzung, weil das Gegenüber (der Entscheider) vermeintlich eher eine männliche Person akzeptieren würde. Da steht man als Chef/in in der Verantwortung genau dagegen zu arbeiten und solche Vorurteile zu bekämpfen.

Sind Frauen in der Eventbranche zu leise, zu zaghaft oder nur nicht mutig genug?

Es hat vermutlich mit der generellen gesellschaftlichen Entwicklung zu tun – nicht nur in der Eventbranche: Frauen werden mutiger!

Allerdings sind Frauen deutlich selbstkritischer und reflektierter als Männer. Was nicht heißen soll, dass Männer es nicht sind, aber vielleicht gehen sie manche Dinge pragmatischer an: „Wird schon werden. Bekomme ich hin“. In dem Fall wünsche ich mir für Frauen mutiger zu sein.

Dennoch glaube ich, dass in unserer Branche in den nächsten Jahren mehr Frauen in Führungsrollen kommen werden. Zumindest auf Agenturseite. Die Kundenseite (je nach Branche) braucht vermutlich etwas länger. Hier herrscht noch viel häufiger veraltetes Strukturdenken.

Dahingehend wünsche ich mir eine faire Behandlung. Frauen sollten nicht anders bewertet werden, wenn es um Beförderungen und Gehälter geht. Es ist nach wie vor ein Unding – beispielsweise dass Frauen in gleichen Positionen noch immer weniger verdienen als Männer.

Da sind uns andere europäische Länder voraus, wenngleich ich keines kenne in dem es keinen Unterscheid gäbe. Aber so groß wie in Deutschland ist er in kaum einem anderen EU Land.

Warum gibt es so viele Erfolgsstories von großen Agenturchefs? Aber kaum von großen Agenturchefinnen?

Es gibt vermutlich mehr Agenturchefs als Agenturchefinnen. Und ich bin überzeugt, dass das weibliche Ego den eigenen Erfolg nicht so sehr nach außen tragen muss, um sich bestätigt zu fühlen.

Welches Vorbild inspiriert dich und warum?

Meine Tante. Sie ist mit über 60, beruflich immer noch erfolgreich; hat über 800 Mitarbeiter.

Schon vor 30 Jahren hatte sie eine Führungsposition und war gleichzeitig eine liebevolle Mutter.

Ich selbst bin auch eine arbeitende Mutter und weiß was es heißt, gesellschaftlich deswegen kritisiert zu werden. Sicher war es vor 30 Jahren noch ganz anders. Frauen wie meine Tante, haben den Weg geebnet und es leichter für Frauen meiner Generation gemacht.

Zudem inspirieren mich Frauen wie Barbara Schöneberger. Sie hat sich in einem männerdominierten Umfeld durch Intelligenz, Humor, Durchhaltevermögen, Fleiß und Können bewiesen und ist für mich DIE Showmasterin im deutschen TV. Sie singt, kann schreiben und zieht mit ihrem Mann zwei Kinder groß. Das inspiriert mich.

Welche Lese/Linkempfehlung hast du zu dem Thema?

Ich lese viele verschiedene Zeitschriften und natürlich springen mich als Frau selbst, Artikel zu dem Thema an. Aber das kann der Spiegel, genauso wie das Magazin Barbara sein.

Ergänzend, ein Satz zu dir – was macht dich aus, welcher Wert ist dir wichtig?

Ich bin ein Teammensch. Empathie und das menschliche Miteinander sind mir sehr wichtig. Was nicht heißt, dass ich von meinen Mitarbeitern nicht auch Einiges erwarte.

Ich glaube fest daran, dass du aus deinen Mitarbeitern das Beste herausholst, wenn du sie gut und fair behandelst. Wenn du offen bist und zuhörst. Das war schon immer meine Leitlinie.

Nadine Imboden, Regisseurin und Choreografin bei Entertainment in Motion

Nadine Imboden ist eine preisgekrönte Regisseurin und Choreografin in der internationalen Show- und Unterhaltungsindustrie. Mit ihren innovativen, temporeichen und aussergewöhnlichen Inszenierungen begeistert sie das Publikum und sorgt immer wieder für Aufsehen und grosse Beachtung.

Nadine, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Regisseurin & Choreographin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

An die schwierigen Anfänge erinnere ich mich gut. Die Skepsis der Männer empfand ich als anstrengend, das Klima kühl und alles etwas zu ernst. Ich habe gelernt; in einer Männer Runde muss sich Frau erst mal beweisen. Kann man aber die Männer überzeugen, sind sie meistens offen, charmant und tolle Kollegen.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Natürlich wäre es schön, wenn Männer und Frauen gleiche Chancen hätten. Ich denke aber, dass wir in dieser Beziehung, auf einem guten Weg sind. Es braucht seine Zeit, eine Gesellschaft zu ändern. Früher waren Frauen zu Hause und es gab klare Hausregeln. Heute begegnen sich die meisten Ehepaare auf Augenhöhe und sind ein Team.

Zum Thema Änderungen in den Agenturstrukturen – wie durch die Frauenquote? Eine Balance zwischen Frauen und Männern wirkt sich in einem Team positiv aus und fördert die Kreativität. Männer und Frauen sind sehr unterschiedlich und diese unterschiedlichen Gefühle bereichern jeden Austausch. Die richtigen Menschen zusammen zu bringen macht für mich die Magie aus. Ich bin aber kein Fan von der Geschlechterquoten, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Sind Frauen in der Eventbranche zu leise, zu zaghaft oder nur nicht mutig genug?

Wahrscheinlich ist es von allem ein bisschen. Vieles hängt auch sicher von der Erziehung ab und ist daher schwer abzuschütteln. Die jüngeren Generationen befreien sich gerade von diesen Zwängen. In den letzten Jahren bin ich sehr oft starken Frauenteams in der Eventbranche begegnet.

Warum gibt es so viele Erfolgsstories von großen Agenturchefs? Aber kaum von großen Agenturchefinnen?

Die Leitung einer Agentur ist mit viel Arbeit und Zeit verbunden. Die meisten Frauen bekommen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, Kinder und müssen Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen. Da sind unregelmäßige Arbeitszeiten und ein Vollzeit Job schwierig.

Aber auch hier zeichnet sich ein Wandel ab und junge Eltern teilen sich oft die Kindererziehung. Dazu kommt, dass sich das Homeoffice bewährt und das kann vor allem mit Kleinkindern sehr hilfreich sein.

Welches Vorbild inspiriert dich und warum?

Für mich ist Jennifer Somm ein Vorbild! Sie war CEO bei Rufener, einer der größten Eventagenturen in der Schweiz und anschließend CEO der Bernexpo Group. Jennifer hat Visionen, viel Mut und ist unglaublich kreativ. Dabei führt sie ihr Team charmant und zukunftsorientiert.

Weitere tolle Frauen, die mich in meiner Laufbahn ebenfalls inspiriert haben, sind Ulrike Plesser und Monika Graf. Beides tolle Regisseurinnen! Und nicht zu vergessen: Bala Trachsel, CEO & Managing Partner bei der Republica AG.

Starke und mutige Frauen die Leidenschaft und Kompetenz vereinen.

Ergänzend, ein Satz zu dir – was macht dich aus, welcher Wert ist dir wichtig?

Ehrlichkeit und Respekt sind mir sehr wichtig! Am Ende geht es um die Kreation und nicht um die einzelnen Egos. Letztendlich wirkt sich der Spaß im Team, immer positiv auf das Endergebnis aus.

Frauen in der Eventbranche // Photo by roya ann miller on Unsplash

 

Silja Neumann, Senior Projektmanagerin in München

Silja, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Projektmanagerin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

Bei meinem Berufseinstieg habe ich dieselben Erfahrungen gemacht, wie jede andere Frau die ich kenne auch: männliche Kollegen haben immer etwas lauter auf sich aufmerksam gemacht und waren deutlich überzeugter von ihrem Können. „Laut sein“ wird natürlich eher gesehen und dem entsprechend von männlichen Vorgesetzten mit Gehalt und Beförderung belohnt.

In zahlreichen Meetings saß ich als einzige Frau, ahnungslosen Alphamännchen gegenüber – dass ist als Berufsanfänger schwierig. Aber mit zunehmender Erfahrung, lassen sich da auch viele meiner sehr guten Eventkolleginnen nicht mehr die Butter vom Brot nehmen.

Heute kann ich glücklicher Weise sagen, dass ich durch meine berufliche Erfahrung, damit keine Probleme mehr habe.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Es ist leider flächendeckend so, dass Frauen sehr oft benachteilig werden. Bei den Themen Gehalt und Führungspositionen ist es nicht nur ein agenturspezifisches Phänomen. Das ist etwas Strukturelles und fängt damit an, dass es super schwierig ist einen Krippenplatz zu finden und Frauen mit Kindern, automatisch nicht mehr für Führungspositionen vorgesehen werden.

Wenn wir das Potential von unzähligen, gut ausgebildeten Frauen – die bereit und fähig sind in die Verantwortung zu gehen – voll ausschöpfen wollen, dann muss sich strukturell etwas ändern.

Wir sollten ermöglichen das Arbeitsplätze und Führungspositionen gesplittet werden können. So dass sich zwei gleich qualifizierte Mitarbeiter eine bis eineinhalb Stellen teilen könnten.

Das sollte sowohl für Mütter als auch Väter – ohne Karriereknick – ermöglicht werden. So hätten Frauen wieder eine größere Chance auf den Berufseinstieg inkl. Führungsposition.

Zudem benötigt es dringend eine Steuerreform. Frauen mit Kindern sind nach wie vor steuerlich benachteiligt. Mit einer Reform wäre es für Mütter wieder attraktiver zurück in den Beruf zu gehen. Dazu benötigt es natürlich Krippenplätze und Ganztagsschulen, mit gut ausgebildetem und entsprechend entlohntem Personal.

Solange sich keine Änderung einstellt, finde ich ist die Frauenquote kein schlechtes Instrument. Das bedeutet ja nicht, dass deshalb automatisch unfähige Frauen auf Positionen geschoben werden, die sie nicht erfüllen.

Grundsätzlich habe ich einfach ganz viel Hoffnung in die junge Generation! Wenn ich mir meine Neffen anschaue, die zwischen 20 und 14 Jahre alt sind, dann sehe ich tolle junge Erwachsene, die die Welt zum Glück anders sehen, als die „Alten“. Ich hoffe die nachfolgenden Generationen von Frauen, wird es etwas leichter haben. Da freue ich mich über jede tolle Frau in der Öffentlichkeit, wie jetzt Kamala Harris.

Vielen Dank euch für diese Gedanken – ihr Frauen in der Eventbranche rockt den Laden!

Frauen in der Eventbranche – wie geht es weiter?

Übrigens: Beim Podcast hören (siehe Einstieg) viel mir sofort eine gute Frage ein, um das Gegenüber immer (!) zum Denken zu bringen: Was soll nach dem Event anders sein als vorher? Welche Wirkung erhoffen sie sich? Woran merken die Besucher eine Transformation durch das Event? Wie denken, fühlen, handeln sie anders durch das Event? Wer diese Frage stellt hat immer die Aufmerksamkeit des Mannes gegenüber. Denn dann müssen wir denken…

Frage: Gerne würde ich hören wie es euch als Frauen im Eventbereich mit diesem Thema geht? Was muss sich ändern? Wie gelingt das? Welche Tipps habt ihr? Was kann ich als Mann lernen und wie den Umgang mit Frauen besser gestalten? Ich bin gespannt auf die Diskussion über LinkedIn oder Facebook.

Teaser: Diesen Sonntag, den 22.11. starte ich meinen Podcast “Events im Wandel – What’s Next?”. Stay tuned & enjoy 😉

EXPERIENCE DESIGN // ADC Seminar

Experience Design ADC Seminar

 

 

EXPERIENCE DESIGN ist in aller Munde. Nicht ohne Grund gab es im Oktober seitens des ADC ein Seminar dazu in Hamburg: “Wie designen wir Erlebnisse, die Wirkung erzielen? Die nicht nur gut in einem Case Film dokumentiert oder medial verbreitet werden können, sondern die tatsächlich prägenden Einfluss auf diejenigen haben, die sie direkt und unmittelbar erleben?”. Cedric Ebener kuratierte dazu sechs hochkarätige Speaker, die auf Teilnehmer von Senior bis Director Level samt einigen Unternehmensvertretern trafen.

 

Wichtig dabei war den Gestaltern der Gedanke, dass diverse Disziplinen längst nicht mehr nur nebeneinander existieren, sondern immer intensiver miteinander vernetzt auftreten und arbeiten. Marken bauen Hotels, Retail-Stores werden zu Eventflächen, Messeauftritte werden an der Aufenthaltsqualität gemessen etc. Was können also die einzelnen Disziplinen voneinander lernen, wie befruchten und ergänzen sie sich am besten? Ich habe Pat Kalt gebeten seine Eindrücke und Blicke über den Tellerrand für die Event Community zusammenzufassen…

 

 

Experience Design im Eventkontext

 

Durch die Veranstaltung führte Cedric Ebener (CE+Co), der zu Beginn des Seminars auf eine gedankliche Exkursion einlud und das Thema „Experience“ ganz allgemein beleuchtete. Pat Kalt (tisch13) zeigte in seinem Panel ausgewählte Event-Trends der letzten Jahre und hinterfragte das Denken in Formaten und Schubladen. Robin Palleis (Milla&Partner) untersuchte in seinem Beitrag Projekte an der Schnittstelle zwischen räumlicher, analoger und digitaler Gestaltung. Fabian Tank (Going Places) wiederum stellte mit einem Hospitality-Stadtenwicklungsprojekt ein ungewöhnlich großes und komplexes Projektformat vor.

 

Christian Schmachtenberg (Hochschule Kaiserslautern) präsentierte aktuelle digitale Trends aus der Hochschulforschung und berichtete von den Vorbereitungen zum Burning Man Festival 2021. Karen Klessinger (Dan Pearlman) nahm die Teilnehmer mit auf eine Reise durch innovative Retail- und Mixed-Use-Konzepte im Retail-Bereich. Zum Abschluss des zweitägigen Seminars berichtete Joachim Kortlepel (Jung von Matt) wie Brand Experience als Treiber für ganzheitliche Kampagnen funktionieren kann.

 

 

Experience Design ADC Seminar

 

 

Agenturen fehlen die Experience Designer

 

Christian Schmachtenberg ergänzt: “Die Agenturwelt redet von technologischen Revolutionen hat aber keine Mitarbeiter die das umsetzen können. Demnach mein Appell an die Kollegen: stellt „kreative Technologen“ ein – sie sind diejenigen, die im Team dem Erlebnis eine neue Dimension verleihen können.”

 

Die Bühnenshow der Zukunft ist ein schönes Beispiel dessen: hier haben die Studierenden eine Show entworfen und umgesetzt die mit dramaturgischen, inszenatorischen und technologischen Mitteln einen Schritt weitergegangen ist. Der Clue: bekannte Technologie wurde „zweckentfremdet“ und in einem anderen Kontext eingesetzt.

 

 

Fazit: Insgesamt zwei intensive Tage mit vielen Insights und unterschiedlichen Blickwinkeln auf das weite Feld der Erlebnisgestaltung – eine Fortsetzung des Formats im nächsten Jahr ist angedacht.

 

 

Frage: Welches Event hat Dich in den letzten Jahren am meisten beeindruckt, bzw. zählt für Dich zu einem Meilenstein?

 

Lesetipps & Besuchstipp: TechXperience am 3.12. in Ingelheim am Rhein

Interaktive Events: 6 Inspirationen, die Menschen besser einbinden
Experience Design: Wie gestaltet man ein Erlebnis?
Event Experience Design: The New Way to Craft

 

Begegnung durch Hören: Marvin Glöckner

Hören – Marvin Glöckner zum Thema Begegnung // Photo by Mohammad Metri on Unsplash

 

 

Marvin ist ein Naturtalent und musikalisches Genie zugleich. Ich erinnere mich noch gut an eine Produktion für die IAA 2011. Wir arbeiteten mit einem international renommierten Künstler an der Musik für einen Showpart. Aber die Musik passte nicht zu dem Produkt. Mehrere Anläufe führten ins Leere. Erst kurz zuvor lernte ich den damals 25jährigen Musikproduzenten kennen, der schon mit “Wir glauben an euch” zur WM 2010 mit und für Sebastian Hämer einen Hit landete. Was dann innerhalb von weniger als 24 Stunden folgte, schrieb IAA Geschichte:

 


Ein weiteres starkes Projekt aus seiner Feder war die Musik bei dieser Präsentation auf der CES Las Vegas 2015. Deshalb gehen meine drei Fragen der fünfteiligen Sinnesorgan-Serie im Bereich Hören an Marvin:

 

 

1. Was macht eine wirkungsvolle Begegnung aus?

 

Zur Begegnung gehört für mich ein persönlicher Zusammenstoß von zwei Seelen. Es gibt nichts ernüchternderes als mit dem Telefon eine 20-stellige Durchwahlnummer einzutippen, um dann doch am anderen Ende von einem computergenerierten “Willkommen bei der Hotline…” begrüßt zu werden.

 

Richtig wirkungsvolle Begegnungen sind die, wo es tief geht – eine Berührung, die es geschafft hat Schutzhüllen und Abwehrmechanismen zu passieren. Wo jemand sich öffnet und damit verwundbar macht, erlaubt von der Begegnung verändert zu werden.

 

Es gab ein paar wenige Momente in meinem Leben, wo jemand mir direkt ins Herz sprach und eine Wahrheit verbalisierte, für die ich bisher taub war und derer ich mir nun schlagartig bewusst wurde. Diese Begegnungen werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

 

 

2. Worauf ist bei der Gestaltung einer Begegnung zu achten?

 

Wem begegne ich? Für wirkungsvolle Begegnungen gibt es kaum eine wichtigere Frage als die des Kontexts, der Erwartungen beziehungsweise der Situation der zu-Begegnenden. Natürlich kann man eine Reise starten und auf dem Weg alle Teilnehmer der Begegnung Stück für Stück einsammeln. Aber wer den Kontext versteht, wer weiß, was die Anwesenden denken – der kann mit ein paar präzisen Worten den gesamten Großstadthirnverkehr umgehen.

 

Das gilt für die erste Minute eines Films, für die erste Seite eines Buches, genau wie für die ersten Sekunden eines Songs. Ein super Beispiel ist “Chasing Cars” von Snow Patrol. 7 Sekunden davon im richtigen Moment und die Tränen kullern. 😉 Ich liebe diese Momente einer perfekten Antwort auf die unausgesprochene Frage des Kontexts. Nach diesen Antworten suche ich mit meiner Arbeit.

 

 

3. Was können Eventgestalter bei der Planung von Begegnungen davon lernen?

 

Ich meine es hat sogar neurophysiologische Gründe, aber Musik und Ton sind einfach Meister der Kommunikation von Emotion. Insbesondere, wenn die Aufmerksamkeit einem anderen Sinn gehört. Ich kann wärmstens empfehlen einmal den Test zu machen und die spannendste Stelle eines Thrillers oder Horrorfilms ohne Ton zu sehen. Ein ziemlich ernüchterndes Erlebnis. Interessanterweise passiert jedoch ähnliches, wenn man seine Aufmerksamkeit zu 100% dem Gehör widmet und kritisch-analytisch bewusst auf den Ton beziehungsweise die Musik achtet. Sofort verliert die Szene an Magie.

 

Inception Soundtrack von Hans Zimmer zum Hören // Quelle: Youtube

 

Es ist ähnlich wie bei Inception: Wer es versteht Musik und Ton effektiv (unbemerkt) einzusetzen, aktiviert einen Superagenten, der in das Gehirn seiner Opfer schleicht und dort die Türen für verändernde Begegnung öffnet.

 

 

Apropos Hören & Begegnung…

 

Ich habe den Eindruck unsere Gesellschaft sucht mehr und mehr nach individueller Begegnung. Menschen wollen ihr ganz eigenes Erlebnis, statt wie alle anderen regulären Teilnehmer die Standard-Experience mitzumachen. Wir nehmen ein Schulsystem mit 30 Kindern pro Lehrer als absolutes Problem wahr. Eine Veranstaltungen mit 2.000 Teilnehmern pro Redner ist aber normal (Mario Barth’s Weltrekord lässt grüßen…). Wir werden es wohl nicht schaffen für jeden Besucher unserer Events einen persönlichen Soulmate-Begleiter per Knopf im Ohr zu engagieren (vielleicht wird das per AI bald möglich). Mich fasziniert aber der Gedanke, wie viel effektiver unsere Events wären, würden wir sie nur für eine einzige Person kreieren. Absolut alles, was geschieht, dreht sich (zumindest aus der Wahrnehmung des Teilnehmers) einzig und alleine um diesen einen Menschen.

 

 

Hören Marvin Glöckner inteativ musicAbout Marvin Glöckner: I am all about smart creativity.
Learned to play piano at the age of 5, added trumpet, drums and then got lost in producing music on the computer. I studied music production and international music business, recorded bands, choirs, symphony orchestras and ran with binaural microphones through the woods. I played in front of 500.000 live and 3.4 million on TV, ran into a bit of pop music fame but didn’t like the taste of it. I love big productions though – especially live shows, but in general everything where a bunch of talented people join together to create audiovisual art. In my free time I play board games till 05:00am and build space ships in Unity 3d. I am based with wife & two kids in Madrid.

 

 

Andere Beiträge in der fünfteiligen Sinnes-Blogserie zum Thema Begegnung:

Riechen > Parfumeur // Fühlen > StuntWoman // Sehen > Exterieur Designer // Schmecken > Chocolatier

Hier das Inspirationsbuch zum blättern, entdecken und verschenken: Begegnung gestalten – 33 Interviews

 

 

Frage: Welches Hör-Erlebnis kommt dir beim Wort “Begegnung” in den Sinn? Ich freue mich über deine Geschichte:

 

Begegnung durch Bewegung: StuntWoman Cornelia Dworak aus Wien

Fühlen: Begegnung durch Bewegung – StuntWoman Cornelia Dworak aus Wien

 

 

Mich interessiert die Einzigartigkeit einer Begegnung.”

// Cornelia Dworak zum Thema Fühlen

 

Wir verfügen über fünf Sinne. Eins davon ist das Fühlen. Wie dieser Sinnesorgan unsere Begegnungen beeinflusst, das habe ich StuntWoman, Fight Coordinator, Stagecombat Teacher und Dance Instructor Cornelia Dworak gefragt:

 

 

1. Was macht für dich eine wirkungsvolle Begegnung aus?

 

Ich erinnere mich meist an Momente meines Lebens, die mich in irgendeiner Form bewegt haben. Das kann in positivem, aber auch im negativen Sinne sein. Ein Foto kann dieses Gefühl genauso auslösen, wie Musik oder ein Augenblick der Verbundenheit mit einem anderen Menschen.

 

Es geht dabei für mich um die Intensität und die „Echtheit“ des Erlebten.

 

Im Tanz ist Improvisation daher für mich das spannendste Ausdrucksmittel, da ich immer unmittelbar im Jetzt auf Input reagiere und jede Bewegung im Moment entsteht. Ein Tanzpartner löst durch seine Art sich zu bewegen, Beschaffenheit einer Berührung oder unsere Beziehung zueinander im Raum, immer eine Reaktion bei mir aus und verändert dadurch die Natur meiner Bewegung. Interaktionen dieser Art ermöglichen aus eigenen Mustern auszubrechen, sich neu zu entdecken und die Grenzen auszuloten.

 

Wer mit offenen Sinnen durchs Leben geht, kann das im Zusammentreffen mit anderen Menschen auch im Alltag erleben. Oft führt dies zu unglaublich spannenden und ehrlichen Begegnungen.

 

 

2. Fühlen: Worauf achtest du bei der Gestaltung einer Begegnung?

 

Für mich haben Begegnungen einen eigenartigen Beigeschmack, wenn sie nicht echt sind. Ich merke sehr schnell, wenn man versucht mir etwas vorzuspielen, den eigentlichen Grund der Begegnung verbirgt oder sich hinter einer Inszenierung versteckt. Der Körper spricht immer. Die meisten Menschen spüren, dass etwas nicht stimmig ist, können es aber oft nicht erklären. Was übrig bleibt ist ein Partner oder Kunde, der nicht überzeugt ist.

 

Ein Mensch kann mich dann bewegen, wenn ich seine wahre Natur erkenne und spüre wofür er steht, wenn er mir offen entgegenkommt und mir gleichzeitig Raum gibt, ich selbst zu bleiben. Das kann man für mich 1:1 auf ein Produkt umlegen.

 

Cornelia Dworak in Bewegung

 

Hier noch (m)ein Moment der Erinnerung: Dieses Foto entstand in Argentinien in Mar del Plata. Da war ich 2017, um mit einer Kollegin und argentinischen Musikern ein zeitgenössisches Tanzstück an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum zu zeigen. An diesem Tag des Fotos, hatte ich den ersten Nachmittag frei (sonst laufend Proben und choreographisches Arbeiten) und bin mit dem Rad gefahren. Ich habe mich so frei gefühlt und diesen Ort an der Küste entdeckt, an dem ich mich sofort wohl gefühlt und circa 90 Minuten für mich getanzt habe. Das hat mich mit dem Universum connected und mich in völlige Harmonie gebracht. Hinter mir war schon das Meer…

 

 

3. Was können wir bei der Planung von Begegnungen von dir lernen?

 

Als Bewegungsmensch trete ich oft bewusst in Berührung mit anderen Menschen, es ist Teil des Arbeitsprozesses als Stuntfrau, Tänzerin und Coach. Eine Berührung ist die direkteste Art mit jemandem in Kontakt zu treten und löst immer eine körperliche Reaktion aus. Sie definiert innerhalb eines Augenblicks sofort die Beziehung zueinander und kann als achtsam und einladend, aber auch als fordernd, einengend oder zu intim empfunden werden. Dabei ist nicht nur der berührte Körperteil ausschlaggebend, sondern auch, ob ich mit den Fingerspitzen, der Handfläche, dem Unterarm oder mit dem ganzen Körper berühre. Da jeder Mensch eine andere Geschichte und Energie mitbringt, wird keine Begegnung gleichartig ausfallen.

 

In Bezug auf eine Performance ist daher zu überlegen, welche Zielgruppe ich ansprechen möchte, da ich zum Beispiel auf Jugendliche anders zugehe, als auf Erwachsene. Möchte ich starke Reaktionen auslösen, gebe ich viel Spielraum für Interpretation und riskiere dabei sogar Unverständnis? Oder ist es mir ein Anliegen eine klare Botschaft unmissverständlich zu vermitteln? Möchte ich in direkten Kontakt mit dem Publikum treten, es womöglich gar einbeziehen? Oder wähle ich absichtlich eine Distanz zwischen Performer und Zuschauer?

 

Fazit: Wie auch immer das Setting gestaltet ist, es ist immer eine Bereicherung, sich auf Begegnung gerade durch den Sinn Fühlen einzulassen und sich selbst trotzdem treu zu bleiben.

 

 

Cornelia Dworak StuntWoman Cornelia Dvorak ist das Gegenteil von Stillstand. Genaugenommen hält sie Stillstand nicht aus. Sie liebt Herausforderungen und das Ungewisse. Sie vertraut ihrer Intuition und ist offen das Magische mancher Augenblicke zu erkennen und sich davon berühren zu lassen. Durch die vielseitigen Eindrücke und gewonnenen Erfahrungen ist ihr Leben immer in Bewegung. Als Performerin und Coach möchte sie andere Menschen berühren und ein Stück auf ihrer spannenden Reise mitnehmen. Infos rund ums Fühlen auf Website | YouTube | CrewUnited.

 

 

Andere Beiträge in der fünfteiligen Blogserie Fühlen zum Thema Begegnung:

Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs

Begegnung durch Sehen: Mercedes-Benz Exterior Designer Robert Lesnik

Begegnung gestalten – Event-Tipps rund ums Schmecken vom Chocolatier Max

 

Deine Worte haben Macht – oder etwa nicht?

Gedanken beeinflussen Worte und Worte haben Macht // Sei gut zu dir & anderen!

 

 

Zum heutigen Ehrentag erlaube ich mir philosophisch zu werden…:

 

 

1. Wusstest du, dass dein Körper aus bis zu 70% Wasser besteht?

 

Ok, soweit reicht das Schulwissen noch.

 

 

2. Wusstest du, dass Wasser Emotionen speichert?

 

Puh, jetzt wird es esoterisch. Nicht im Ernst, oder? Das ist doch nur Wasser!?

 

 

3. Wusstest du, dass deine Worte Wasser beeinflussen können?

 

Klingt extrem komisch, ist aber so. Ich wollte es zunächst auch nicht glauben. Mein Schwiegervater erzählte mir von diesem Experiment: Ein Japaner hat einen Monat lang drei Gläser gefüllt mit Wasser und Reis “besprochen”. Das rechte mit “Vielen Dank”, das linke mit “Du bist ein Idiot” und das mittlere ignorierte er. Heraus kam dabei das:

 

 

Worte haben Macht Wasser Experiment Reis

 

Ne, nicht im Ernst. Alles Humbug! Das schrie nach Wiederholung: Gesagt getan (zwar nicht ich, aber ein Bekannter, der Physiker ist und es einfach nicht glauben wollte). Unfassbar! Es kam genau dasselbe dabei raus.

 

Nachzusehen ist das Experiment in unten verlinkter Dokumentation “WATER – Die geheime Macht des Wassers” (bei 49:47 Minuten). Auch wenn es Strecken gibt, bei denen ich ausstieg haben mich die Gedankengänge echt überrascht. Wasser – das ist doch eigentlich so stinklangweilig normal… Was lernen wir jedenfalls daraus?

 

Deine Worte haben Macht!

 

Wenn unsere Worte schon “normales” Wasser so krass beeinflussen können, dazu Wasser noch Emotionen speichert (wird in der Dokumentation thematisiert) und wir Menschen aus fast 70% Wasser bestehen… 1+1+1 = Diese Kombination macht für mich ein gedankliches Fass auf!

 

Da kann ich doch gar nicht mehr anders als in Gedanken wie auch in Worten gut mit mir, aber natürlich auch anderen Menschen um mich herum zu sein. Unsere Worte haben Macht. Lasst uns also nett mit uns selbst und zueinander sein! Darauf werde ich im nächsten Jahr definitiv acht geben. Hier die sehenswerte Doku:

 

 

Quelle: Youtube – deine Worte haben Macht // Experiment bei 49:41 min

 

 

Linkempfehlungen zu philosophischen Gedankengängen im Eventbereich:
Warum wir mehr Customer Centricity bei Events benötigen…
Teamkommunikation // Warum anschreien einfach nicht lohnt…
PAUSE: Warum du mehr erreichst, wenn du weniger arbeitest…
Dienende Führung – Führungsmodell für effektive Event-Ergebnisse
BurnOut: Wie schaffe ich es in unser Branche zu arbeiten, OHNE auszubrennen…

 

Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs

Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs // Teil 1 der fünfteiligen Serie Begegnung

 

 

Als Eventgestalter wollen wir unvergessliche Momente erzeugen. Mensch und Marke sollen sich begegnen – am besten mit WOW-Erlebnissen. Wie es zu wirkungsvollen Begegnungen kommt, dem möchte ich in einer fünfteiligen Serie nachspüren. Dabei werden wir uns dem Mysterium einer Begegnung über die fünf Sinne nähern. Fünf Experten bekommen die selben drei Fragen gestellt. Den Anfang macht der Geruchssinn. Dazu habe ich den Parfumeur Uwe L. Manasse befragt:

 

 

1. Was macht eine wirkungsvolle Begegnung aus?

 

Geruch ist der einzige Sinneskanal, den man nicht betrügen kann. Das unbewusste Fühlen des Gegenübers wird wie bei keinem anderen Sinn aktiviert. Daher ist die wirkungsvolle Begegnung auf dieser Ebene geprägt vom Zeigen und Erkennen des Wesens, der Stimmung und der Werte der Kommunizierenden.

 

Duft ist das erste Element der Begegnung. Bevor wir mit jeglichem anderen Sinn das Setting erfassen, hat das Riechen, allein durchs Atmen schon wichtige Weichen gestellt: Bin ich sicher? Ist das echt was ich sehe, höre oder fühle? Und vor allem: Woran erinnert es mich?!

 

Und Duft ist das letzte Element der Begegnung. Denn auch kein anderer Sinn verdrahtet im Kopf Erinnerungen so fest wie das Riechen. Diese beiden Faktoren aktiv bewusst zu leben, wird jede Begegnung verändern.

 

 

2. Worauf ist bei der Gestaltung einer Begegnung zu achten?

 

Riechen gehört fest mit in die Planung. Ist die Eventlocation für den Launch einer Nobel-Uhrenmarke beispielsweise neben einer Bio-Hühnerfarm? Passt nicht. Geht es um Outdoormode, dann ist der ländliche Geruch Teil der Inszenierung.

 

Wenn eine aktive Beduftung vorgesehen ist, muss diese den Werten der Unternehmung entsprechen. Eigenwillig gutes Beispiel: Abercrombie und Fitch. Die kommunizierten Firmenwerte sind laut, unverhohlen, auf Äußerlichkeiten bezogen. Genau so ist die Parfumierung der Geschäftsräume. Da wurde alles „richtig“ gemacht.

 

Weniger gutes Beispiel: Bäckerei, die mit „Frischem Backwerk“-Duft parfumiert wird und man am Abend 16 Stunden alte Brötchen bekommt.

 

Dies gilt auch für Menschenbegegnungen. Beispiel: Der Agenturchef kommt am Nachmittag zum Kunden, mit einer perfekten Präsentation. Gegessen hat er seit heut Morgen nichts. Er ging lieber noch zwei Mal alles durch. Sein Hunger-Mundgeruch wird den versammelten Säugetieren (Kunden) verraten, dass dieses gehetzte Tier da vorn noch nicht einmal in der Lage ist, für sich zu sorgen. Das Rudel (welches den Auftrag dann an einen anderen vergibt) also schwächen wird. Riechen ist hemmungslos ehrlich.

 

Begegnung Riechen Geruchsinn Event

 

 

3. Was können Eventgestalter bei der Planung von Begegnungen davon lernen?

 

Wer die Werte des Kunden, Produkts, Zeitpunkts kennt, wird nichts falsch machen. Also sind diese Werte Tagesordnungspunkt 1. Wer dazu dann auch noch die Trigger seines Publikums kennt, macht alles richtig. Also Tagungsordnungspunkt 2. Dann multiperspektivisch denkende Experten ins Boot holen und zur Interaktion miteinander ermutigen.

 

Perfekt schlechtes Beispiel: Die Waldlandschaft einer Streetware-Modemesse, bestehend aus Großformatdrucken und künstlichen Bäumen. Die Beduftung der Halle stellte „Wald“ authentisch dar. Der Lösungsmittelgeruch aus den Drucken und dem Chinaplastikgeruch der Bäume jedoch nicht. Besucher bekamen Kopfschmerzen. Die Verweildauer war zu kurz, die Umsätze der Aussteller schlecht. Diese blieben im nächsten Jahr aus. Der Veranstalter ging fast pleite. Keiner kam darauf, dass es am Geruch gelegen hat.

 

Perfekt gutes Beispiel: Eine Popcorn Maschine an einem Messestand für elektronische Whiteboards bei der Didakta. Die Whiteboards waren so einfach zu bedienen „wie Popcorn“. Das Image des Herstellers gut gelaunt. Man konnte auch Filme auf die Boards projizieren (Kino). Die Besucher hatten einen Duftleitfaden durch die ganze Messehalle. An dessen Ziel stand eine spannende neue Technologie, deren Kern unsichtbar ist. Sie kauten während der Präsentation (Hirndurchblutung 😉 ) und die Finger dufteten danach nach dem Whiteboard-Erlebnis.

 

 

Parfumeur Uwe L. ManasseParfumeur Manasse erschafft in seinem Duftwerk Atelier in Köln unsichtbare Signaturen für Räume, Situationen und Menschen. Persönlicher Lieblingsduft: Die Haut im Frühjahr, wenn zum ersten mal die Sonne darauf scheint.

 

 

 

Andere Beiträge in der fünfteiligen Blogserie zum Thema Begegnung:

Begegnung durch Bewegung: StuntWoman Cornelia Dworak aus Wien

Begegnung durch Sehen: Mercedes-Benz Exterior Designer Robert Lesnik

Begegnung gestalten – Event-Tipps rund ums Schmecken vom Chocolatier Max

Das Buch: Begegnung gestalten – 33 Interviews

 

Frauen in der Eventbranche: You have, what it takes. Go for it!

Frauen in der Eventbranche – ein unverstellter Blick auf den Status Quo // Photo: Priscilla Bucher

 

 

In meinem Sabbatical besuchte ich mit obiger liebenswürdig-verrückten Feministin die Pinakothek der Moderne in München. Ein herrlicher Streifzug durch die Epochen mit spannenden Gesprächen. Dabei stellte Priscilla mir eine Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht:

 

“Chris, stell dir vor du wachst morgen auf. Du bist noch genau derselbe Chris, der du bist. Einzig dein Körper ist der einer Frau.”

 

Soweit, so gut. Ehrlich gesagt: Ein aufregender Gedanke. 😉 Warum nicht. Tolles Gedankenspiel. Dann der Haken:

 

“Du sitzt bei deinem Chef zum Jahresgespräch. Es geht um deine Lohnverhandlung.”

 

Mir dämmerte es sofort. Scheiße. Das Äußere verändert sofort alles. Einfach, weil ich im Körper einer Frau stecke, schlagen mir Vorurteile ins Gesicht. Ich werde nicht das gleiche Gehalt bekommen, was meinem Kollegen gewährt wird. Ich werde nicht die Anerkennung durch eine Beförderung erhalten, wie sie mein Kollege erhält.

 

Männer – dranbleiben. Ja, es mag stereotyp klingen. Aber wenn wir ehrlich sind: Das ist so. Als Frau werde ich belächelt, muss mich beweisen. Der Weg als Mann ist vorprogrammiert: Die Beförderung samt Lohnerhöhung steht mir natürlich zu. Als Frau muss ich dafür kämpfen, was es nicht besser macht. Das ist unverkennbar: ungerecht.

 

 

Tragödie des Genders – Mann vs. Frau

 

Die Begegnung mit Priscilla und ihre Frage lässt mich seit einem halben Jahr nicht mehr los. Wenn ich den Gedanken weiterdenke, folgen eine Menge herausfordernder Situationen. Gerade für Frauen ist die Eventbranche kein leichtes Eisen. Natürlich ist bei weitem nicht alles stereotyp. Dennoch einige Erlebnisse aus den letzten Monaten:

 

1. Frauenquote in Unternehmen

 

Neulich erst redete sich wieder ein Chef auf einer Veranstaltung um Kopf und Kragen. Leider kann ich die Worte nicht zitieren, wären sie doch zu treffend gewesen. Aber jeder kann sich diese Situationen vorstellen. Alt-Herren-Mentalität par excellence – peinlich bis körperlich schmerzend. Puh. Wäre es nur ein Satz gewesen, hätte Mann wie Frau es vielleicht ertragen können. Aber mit jedem weiteren Satz verstrickte er sich und offenbarte, wie wenig er den Sinn hinter dieser wichtigen Maßnahme verstanden hat. Das offenbart, wie wenig das Thema im Herzen angekommen ist. So wird ein konstruktives, gleichberechtigtes, unvorbelastetes Miteinander sicher nicht gefördert. Es ist Zeit, dass sich daran etwas ändert!

 

Gleichzeitig stelle ich fest, dass aufgrund der Frauenquote in manchen Konzernen Männer mittlerweile das nachsehen haben. Ohne das Thema statistisch validieren zu können stosse ich in letzter Zeit immer wieder auf Kollegen, die einfach frustriert waren. Das als Wahrnehmung, ohne bewerten zu wollen.

 

2. Arbeit als Regisseurin…

 

In dem Gedankenspiel würde ich konsequenterweise als Regisseurin sowohl Vorstände auf der Bühne, aber auch ein zu 98% männliches Technikteam führen. Da muss Frau erstmal ihren Mann stehen. Welches Alphatier im Vorstand lässt sich schon gerne vor der ganzen Mannschaft von einer Frau korrigieren? Das Thema ist sowieso sensibel und bedarf Fingerspitzengefühl: Klar, solide, ruhig kommunizieren. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber folgendes Beispiel bestätigt die Regel:

 

Kürzlich habe ich ein Projekt konzeptionell beraten. Für die Durchführung habe ich einige Regie-Kolleginnen vorgeschlagen. Die Rückmeldung war, dass es definitiv keine Frau sein soll. “Der CEO lässt sich nicht von einer Frau führen.” Das ist natürlich höchst pauschal und unfair. Julia Möller, Nadine ImbodenMonika Graf, Andreana Clemenz oder Konstanze Agatz machen einen hervorragenden Job als Regisseurin. Vielleicht sind Männer bei euch gerade wegen der Diskretion und Empathie in besten Händen. Mein Respekt, wie ihr eure Aufgabe täglich mit Bravour meistert (oder ist das eine der leichtesten Übungen? Bei der nächsten Begegnung werden wir drüber sprechen…)! Dieses hinterfragen Kundenseits gilt übrigens nicht nur für Regisseurinnen, sondern auch für ModeratorInnen aber auch ProjektleiterInnen, wie mir kürzlich eine Kollegin bestätigte.

 

3. Selbstbewusstsein

 

Ein anderes Phänomen ist für mich das Thema Selbstbewusstsein. Oder anders: Sich seiner selbst bewußt zu sein. Was kann ich, was nicht. Was davon teile ich mit, was nicht. Verbal wie nonverbal. Allein meine Körperhaltung verrät unfassbar viel darüber, was ich mir selbst zutraue. Eine Vorstandsdame erzählte kürzlich beiläufig diese Geschichte: Eine junge Porjektmanagerin entschuldigte sich vor ihrer Präsentation für ihr unperfektes Englisch. In den Köpfen der Zuhörer war sofort verankert: Jetzt kommt schlechtes Englisch. Dabei brillierte sie auf fachlicher wie sprachlicher Ebene. Nur waren die Zuhörer gedanklich gar nicht dabei… Danach kam ein älterer Mann, der sich hinstellte und im breiten Bayern-Kauderwelsch seine englischsprachige Präsentation hielt. Es lagen Welten dazwischen, aber der Mann hat es einfach gemacht. Die Leute haben zugehört. Die Moral: Einfach machen, nicht entschuldigen.

 

Ein Phänomen, welches mir auch im Gespräch mit meiner Frau aufgefallen ist. Als Mann neige ich bei Jobanfragen dazu einfach JA zu sagen – auch wenn ich das fachlich noch nie gemacht habe. Die Entscheidung ist wenig reflektiert, sie ist instinktiv. Traue ich mir zu, mache ich, klar. Meine Frau wägt die Fallstricke eher kritisch ab. Das ist keine Wertung, sondern nur eine Wahrnehmung: Männer sagen einfach Ja, Frauen denken oft (über)kritisch darüber nach. Da können wir uns durchaus etwas von der jeweils anderen Seite abschauen.

 

Frauen in der Eventbranche

„Gib mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Kraft

Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu trennen.”

 

 

Natürlich geht es dabei nicht darum sich selbst zu überschätzen, sondern zu spüren: Was könnte ich hin bekommen, auch wenn ich davor großen Respekt habe und was ist einfach nicht möglich. Heute weiß ich: Denken hilft. Ich habe gelernt einmal mehr nachzudenken, bevor ich handle. Das bewahrt mich vor mancher Peinlichkeit – ob offensichtlich oder nicht. Aber ohne Mut wäre ich nicht da, wo ich bin. Meine Frau konnte ich genau dazu ermutigen, sich öfter auf das Abenteuer einzulassen. Natürlich hat sie Job-Anfragen immer gekonnt umgesetzt – und war froh, dass sie JA gesagt hat. Manchmal merken wir ja erst beim Tun, was so alles in uns steckt…

 

Mein Punkt: Ich kenne so viele Projektmanagerin im Eventbereich, die einfach unfassbar gut, durchdacht, stringent, souverän und umsichtig agieren. Egal auf welchem Level (und ohne Ranking) – ich bin beeindruckt von Frauen wie Hanna Hasenbank, Alexa Küddelsmann, Weijie Yang, Barbara Zickler, Eva Heid, Stefanie Dieterich, Andrea Bergheim, Sabine Pollmann, Swantje Marquardt, Gabi Garmatz, Claudia Krause, Louise Amelie Leuchtenberger, Eugenie Jung, Julia Arnold, Silja Neumann, Britta Bahlow, Miriam Gundlach, Gaby Bartolomeo, Fran Koetter, Uta Brinksmeier, Antonia Eisert, Vivien Stamm, Stephanie Fottner, Grit Aßmuß, Grit Scholz, Nadja Pohle, Vera Viehöfer, Kerstin Riedmüller, Andela Riedel, Eva Pehle, Anne Reinhardt, Nadja Meister, Yvonne Katz, Kerstin Hoffmann-Wagner, Daniela Seemann, Nadja Bartels, Maren Neumeier und viele mehr, die ich jetzt vergessen habe. You have, what it takes. Go for it!

Update: Katharina Stein vom Eveos Blog reagiert auf diese Gedanken mit diesem Plädoyer zur Haltung.

 

4. Kinderwunsch

 

Als zweifacher Vater erlebe ich die Dramatik, die sich im Körper der Frau abspielt, besser mit. Ich wußte vorher nicht, wie intensiv zum Beispiel die Geburt ist. Viele Freunde hegen seit Jahren einen Kinderwunsch. Nicht die Norm – aber immer öfter bekomme ich mit, wie sich ein Paar auf eine Hormon-Therapien einlässt. Das hat krasse Auswirkungen auf den Körper, aber auch die Seele. Bei vielen anderen Freunden gab es Totgeburten. Ein unvorstellbares Leid. Nicht nur emotional, sondern auch physisch. Das hinterlässt Spuren.

 

Dies ist aber ja nur der erste Schritt. Was ist, wenn dann die Kinder größer werden. Wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt – beziehungsweise eben auch nicht – darüber haben vier Kolleginnen höchst ehrlich geschrieben. Gerade im Eventbereich ist das mit den krassen Arbeitszeiten fast unmöglich. Ok, man könnte meinen egal ob Mann oder Frau: Wer sich für die Eventbranche entscheidet braucht einen toleranten Partner und eine verlässliche Kinderbetreuung. Aber die Frage wer zu Hause bleibt, wenn das Kind krank ist, brauche ich gar nicht zu stellen. Natürlich der Mann. Äh…?

 

 

Frauen in der Eventbranche – ein Segen!

 

Vor einiger Zeit habe ich den grandiosen Dokumentarfilm “Where to invade next” des US-Oscarpreisträgers Michael Moore gesehen. Am Ende des Films stellt er den Einfluss von Frauen in die Gesellschaft Island’s vor. Island wählte die erste Präsidentin weltweit. Die einzige Bank, die die Wirtschaftskrise überstand war eine von Frauen geführte Bank. Moore’s Aufforderung: Frauen an die Macht – denn sie sorgen sich um durchdachte, langfristige und für alle Seiten faire Entscheidungen. Das führt zu Fairness und Nachhaltigkeit. Ich kann ihm da nur beipflichten. Wir müssen Frauen faire Chancen geben.

 

Mein Frauenbild ist grundsätzlich sehr positiv durch meine Oma geprägt worden (hier ein filmisches Porträt). Meine Mutter ist eine sehr starke, mutmachende, lebensbejahende, stringente, verändernde Frau. Auch aufgrund dieser Prägung halte ich immer wieder Ausschau nach Möglichkeiten, wie ich Frauen bei Events fördern kann. Es macht Spaß zu entdecken, wie konsequent ich positiv überrascht werde. Frauen können es, sie brauchen nur öfters die unvoreingenommene Chance. Geben wir Ihnen, was Ihnen zusteht!

 

 

Mit diesen Gedanken möchte ich dazu inspirieren, das Geschlecht als Kriterium unseres (Vor)Urteils zu verbannen! Ein unverstellten Blick (wie Priscilla Bucher in diesem Video vorlebt) tut uns allen gut. Lasst uns offen und fair miteinander Chancen verwandeln. Für alle Männer, die es bis hierhin durchgehalten haben: Nur Mut, ihr werdet überrascht werden! Das gilt auch für euch Frauen – nur Mut, ihr werdet überrascht werden “was alles möglich ist”! Lasst uns das Gute vom anderen Geschlecht abschauen, voneinander lernen, besser im Umgang miteinander werden.

 

 

Frage: Männer wie Frauen: Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema in der Eventbranche gemacht?

 

 

Wertegemeinschaften: Lasst die Zielgruppen frei!

Zielgruppen vs. Wertegemeinschaften – eine Art Petition von Helge Thomas // Foto: Mercat de la Boqueria auf den Ramblas, Barcelona

 

 

Wenn ich diesen Artikel mit der Behauptung beginne, dass Kommunikation eine der entscheidenden Kompetenzen unserer Zeit ist, wird mir vermutlich niemand widersprechen. Und Bumms. Schon knallen wir gegen die erste Hürde. Niemand lehrt uns Menschen den richtigen Umgang mit Kommunikation. Wir kommunizieren einfach.

 

Alles beginnt mit dem ersten noch unbewussten Schrei, der uns Liebe und im besten Fall Essen beschert. Da hat sich Mutter Natur was tolles ausgedacht. Funktioniert bestens. Bis… – ja bis das mit der Sprache beginnt. „Dutzi dutzi“ hören wir ständig und gurren belustigt zurück. Um es kurz zu machen: Viel ändert sich daran nicht mehr im Verlauf unseres weiteren Lebens. Wir schreien und die Umwelt reagiert. Wir gurren und die Reaktion ist eine andere. Wir bemühen uns ja redlich aber es bleibt kompliziert. Oft genug endet unser Bemühen mit Frust, Streit und Mißverständnissen.

 

Der Oscar prämierte Dramatiker George Bernard Shaw beschrieb dieses Dilemma einst etwas poetischer:

Das größte Problem an der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte statt gefunden“.

 

 

Zielgruppen: „Frauen auf Partnersuche“ & „Männern über 60“

 

Machen wir nach dieser – zugegeben etwas launigen – Einleitung einen mutigen Sprung in die „professionelle“ Kommunikation zwischen Unternehmen und Märkten. Auch hier wird mir niemand widersprechen, wenn ich behaupte, dass Kommunikation ein Schlüsselfaktor wirtschaftlichen Erfolges ist. Das beste Produkt wird in den Lagern verrotten, wenn keiner davon erfährt. Also wird kommuniziert, was das Zeug hält. Doch ganz so einfach ist es nicht. Bestand zwischen dem Säugling und den Eltern noch eine klare Sender-Empfänger-Zuordnung, fehlt diese jetzt völlig. Ein Produkt trifft auf unendlich viele Empfänger.

 

Die Urväter der Werbung erkannten das schnell. Ihre Lösung erschien zunächst logisch. Sie sortierten den riesigen Klumpen „Gesamtbevölkerung“ einfach nach vordergründigen und leicht erkennbaren Merkmalen. Dann sperrten sie diese „Grüppchen“ in kleine Räume und nannten sie „Zielgruppen“. Und so saßen plötzlich alle „Frauen auf Partnersuche“, alle „Männer über 60“ und alle „Kinder aus Großstädten mit höherem Schulabschluss“ zusammen in je einem kleinen Raum und wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Doch es kam noch schlimmer.

 

Kaum hatten sich ihre verängstigten Augen an die flackernde Neonleuchte an der Decke gewöhnt, da ging das Geschrei auch schon los. Es kam aus dem einzigen Fernseher des Raumes. „Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Single über Parship“, „Weniger müssen müssen!“, „Günstige Hotels weltweit buchen, jetzt auf deinem Smartphone“ und immer wieder ultralaut „JETZT KAUFEN! NUR FÜR KURZE ZEIT!“. Den ganzen Tag ging das so. Und die ganze Nacht. Laut, eintönig und penetrant. Es gab kein Entkommen.

 

 

So blöd kann ja nun wirklich niemand sein…

 

Klingt nach Orwell? Stephen King? Dabei ist es nur das, was wir heute immer noch als „Werbung“ bezeichnen. Viel hat sich nicht geändert seit den ersten Anzeigen. Es wurde lediglich immer mehr. Waren es am Anfang nur Bilder, die „geschrien“ haben, kamen mit der Zeit das Radio, das Kino, der Fernseher, der Computer, das Internet und zuletzt noch perfide kleine Mobilgeräte dazu. Die Botschaften blieben immer dieselben. Geklont auf jede erdenkliche Art, auf allen erdenklichen Kanälen. Immer lauter einhämmernd auf die hilflos eingepferchte Zielgruppe.

 

Immer mal wieder wehrten sie sich. Nach Kräften. Doch kaum hatten sie ein Gerät blockiert, kam ein neues dazu. Denn auf seiten der Schreihälse gab es weder Erkenntnis noch Erbarmen. „Wir kennen doch diese verdammten Zielgruppen. Die lieben unsere Produkte. Man muss es ihnen nur oft genug sagen. Sie sehen doch, wie der Umsatz steigt!“ In der Tat geben die Verkaufszahlen und Klickraten den Schreihälsen oft Recht. Auch wenn sie natürlich verschweigen, dass sie an den völlig falschen Stellen messen. Aber das ist eine ganz andere – nicht minder grausame – Geschichte.

 

Schweißgebadet wache ich auf. Gott sei Dank, ich habe nur geträumt. Erleichtert wische ich mir über die Stirn. Wie albern, denke ich. Ich meine, so blöd kann ja nun wirklich niemand sein. Niemand, der die guten Schulen besucht, Kommunikation oder Marketing studiert hat und weiß, dass man Menschen nicht mit eintönigem Geschrei erreicht. Schon gar nicht, wenn man sie vorher eingesperrt hat. Das wäre ja Folter im Sinne der Genfer Konventionen und somit ein Fall für Den Haag. Das wäre ja so, als würden Ärzte den menschlichen Körper in Einzelteile trennen, jedes davon völlig isoliert betrachten und behandeln, wohl wissend, dass der Mensch ein Gesamtorganismus ist. Halt warte… schlechter Vergleich. Das tun die ja auch.

 

Könnt Ihr mir überhaupt folgen? Versteht Ihr, was ich sagen will?

 

OK, nochmal ganz einfach: Menschen sind sehr komplexe und individuell höchst unterschiedliche Wesen, die nur dann (re)agieren, wenn ihnen etwas wirklich wichtig und wertvoll ist. NUR dann. Fangt doch mal bei Euch selbst an. Was ist das wertvollste, dass Ihr besitzt? Lasst mich raten, es ist nicht Euer Auto. Mit welchen Menschen würdet Ihr gerne einen Abend verbringen? Doch wohl am ehesten – abgesehen von irgendwelchen Promis – mit Menschen, die Eure Werte und Interessen teilen. Also Menschen, die auch einen Hund haben, sich ebenfalls vegan ernähren, Ähnliches erlebt haben, dieselbe Musik lieben, dieselben Bücher lesen oder – etwas trauriger – die gleiche Krankheit haben wie Ihr. Richtig?

 

Wir haben vor drei Jahren einen Versuch gemacht und genau solche Fragen, willkürlich zusammegestellt, auf 14fragen.de veröffentlicht. Nach einiger Zeit haben wir die dort anonym gegebenen 804 Antworten in einem kleinen – von unserer Designerin schön gestalteten – Booklet zusammen gestellt. Wenn Ihr Lust habt, da mal rein zu schauen, schreibt mir einfach eine Mail mit Eurer Adresse und ich schicke Euch ein Exemplar zu.

 

Wie auch immer. Solltet Ihr – was ich nicht glaube – noch nie auf die Idee gekommen sein, Eure Kunden nach mehr als ihrer Mailadresse, ihrer Kleidergröße oder ihrer Position im Unternehmen zu befragen. Wenn Ihr sie stattdessen – was ich nicht glaube – jeden Tag auf allen Kanälen mit dumpfen „Wir haben den Längsten“-Botschaften bewerft, weil Ihr glaubt „alle in einen Sack und drauf, es wird schon die richtigen treffen“. Wenn… – aber Freunde, wirklich nur dann schaut Euch diesen Film an. Schaut ihn zuende.

 


Wertegemeinschaften vs. Zielgruppen Ansprache von TV2 Dänemark // (Quelle: TV2 youtube)

 

 

Herzwert kommunizieren!

 

Schaut ihn noch einmal. Schöner kann man nicht erklären, was ich meine. Und wenn ihr auch ein kleines bisschen Gänsehaut habt oder euch zumindest ein heimliches Tränchen aus dem Augenwinkel entweicht, dann ist es noch nicht zu spät. Dann lasst uns endlich anfangen, wieder WERTvoll mit Menschen zu kommunizieren. Lasst uns dabei an sich verändernde WERTEgemeinschaften denken, nicht an eingesperrte Zielgruppen. Und lasst uns vor allem nicht (nur) über Produkte sondern über echte WERTE reden. Zuallererst mal über unsere eigenen. Und dann lasst Euch überraschen, wieviele Herzen uns zufliegen.

 

Das Schönste daran: Ein gewonnenes Herz bleibt viel länger als ein erzwungener „Kunde“. Geld verdienen sollte die Folge dessen sein, was wir tun, niemals das Ziel. Klar soweit?

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas ist Creative Director bei pro event live-communication in Heidelberg und in dieser Rolle ebenso Gründer von SHIFT, einer Initiative für neues Denken und Handeln sowie Herausgeber und Redakteur des Online-Magazins HERZWERT. Aus seiner großen Liebe zum SC Freiburg und den vielen Freudentränen im dortigen Schwarzwaldstadion macht er ebenso wenig ein Geheimnis wie um seine große Leidenschaft für kreative Ideen und mutige Menschen, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen. Helge ist auf vielen sozialen Netzwerken zu finden und freut sich immer über Zuwachs in seiner Wertegemeinschaft.