27. Januar 2021/2: YouTube Stream #NieWieder

27. Januar // Samuel Koch am 9.11.2019 vor der Synagoge in Halle – ein Monat nach dem Anschlag © Andre Wirsig

 

Kassel, Halle, Hanau. Hass und Diskriminierung in Deutschland fordern immer noch Todesopfer.

77 Jahre nach Auschwitz müssen wir dem wiederauflebenden Antisemitismus in Europa entgegenwirken.

 

Es braucht eine neue Form

…des Erinnerns und Versöhnen – für Alte wie Junge.

…des voneinander Lernens & angstfreien Miteinander.

…des aktiven Gestaltens der gemeinsamen Zukunft.

 

77 Jahre später: #NieWieder

 

Rechte wie linke Extremisten wird man nur schwer überzeugen, anders zu denken. Das ist ein mühsamer Weg.

Wir müssen daher langfristig in die Jugend investieren, damit sie versteht, erinnert und gestaltet.

 

Indem der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar Jugendliche betrifft, sie den Holocaust begreifen, sie unsere deutsche Geschichte berührt, wird es sie hoffentlich gemeinsam zu einem neuen Handeln bewegen: Liebe überwindet Hass – gemeinsam statt einsam, Leben statt Tod.

 

Durch persönliche Lernreisen. Wie die von Samuel Koch, der nur einen Monat nach dem Anschlag in Halle an der Synagoge -genau wie Ronald Lauder- zu Recht sagte: Taten statt Worte.

 

 

Gut ein Jahr später ist es soweit: Taten statt Worte. Nachdem wir die 75 Jahr Befreiungsfeier in Auschwitz am 27. Januar 2020 erlebt haben (hier ein Video mit Samuel Koch in Birkenau) wollen wir einen Startschuss setzen: Vom 27. Januar 2021 an planen wir 82 kleine Aktionen, die eine Lernreise nachvollziehbar macht. Veränderung gelingt nicht von Heute auf Morgen. Diese Aktionen sollen in einem 30minütigen Roadmovie münden, welcher zum 27. Januar 2022 Premiere feiern soll. Damit wollen wir das Thema für Schüler*Innen neu erzählen. Nachhaltiger als bisher. Denn es ist dringender, denn je:

 

 

Die Idee: YouTube Stream am 27. Januar 2022

 

In Kooperation mit dem Holocaust Mahnmal Berlin und dem Kölner Festjahrsverein #2021JLID wird jüdisches Er-Leben erlebbar gemacht. Mit Erinnerung aus der Vergangenheit für einen Blick in den Morgen, welches unser heutiges Miteinander prägt. Das wird eine spannende, lebensfrohe Reise. Dazu laden wir YouTuber ein, uns zu unterstützen.

 

Konkret planen wir ein 30minütiges YouTube Format für 9./10. Schulklassen am 27.1.2022 von 9:30-10 Uhr. In diesem erzählen wir zielgruppenaffin, erlebnishaft drei Geschichte(n) zwischen Hanau, Halle und Berlin über Hass, Diskriminierung und Antisemitismus von und mit jungen Protagonisten. So ermöglichen wir Lernreisen und laden zum Dialog im Rahmen der Schulklassen vor Ort ein.

 

Eine Begegnung mit Holocaust-Überlebenden aber auch heutigem jüdischen Leben. Rassismus und Hass vermitteln die nötige Bandbreite, die jede/n Schüler*in vom Pausenhof kennt. Wir stehen erst am Anfang, wollen aber #einfachmalmachen.

27 Januar DANKE

Damit setzen wir ein hoffnungsvolles Zeichen. Und zwar für die nächsten 82 Jahre. Jedes Jahr neu aufs Neue, immer für die 9/10. Klassen. In der Hoffnung, dass sich in den nächsten 82 Jahren etwas verändert.

 

Trotz social-distancing bauen wir reale Brücken und reißen Mauern ein – bei gegenseitigem Respekt und Toleranz. Eine Umsetzung in 2021 ist leider unter den aktuellen Corona Bedingungen nicht möglich – allein schon weil kein Austausch nach dem Film in Schulklassen möglich ist. Da wollen wir nichts übers Knie brechen, sondern über das Jahr verteilt längerfristig arbeiten. Wir haben Zeit. Dafür nehmen wir uns Zeit.

 

Unser Aufruf: Taten statt Worte. Helfen Sie uns zu helfen und werden Sie eine/r von 82 Spender*Innen (aktueller Spendenstand unterhalb). Alle Infos auf Betterplace.org. Ihr/Sie erhalten im Nachgang über MediaVision e.V. eine Spendenbescheinigung sowie obiges Plakat in einer limitierten Sonderauflage als kleines Dankeschön…

 

Wie Sie uns helfen können & wozu es die Revolution des Gebens braucht

 

Hier übrigens der Grund, warum wir eine Revolution des Gebens in Deutschland benötigen.

 

Aktuell suchen wir noch Pädagogen, die uns bei dem Konzept für begleitendes Unterrichtsmaterial unterstützen. Jede weitere Verlinkung oder Empfehlung an Geschichtslehrer der 9/10. Klasse und Schulleiter*Innen hilft!

 

Danke, danke, danke! Werde einer der noch 74 verbleibenden Spender auf Betterplace.org <3.

Samuel Koch + Chris Cuhls für die Initiative 27. Januar

 

PS: Weil das Leben trotz allem weiter geht – MAZEL TOV COACKTAIL (hier der ganze 30min Film auf arte zu finden 😉 ):

 

 

FAQs zu Umsetzung, Verbreitung, Team…

 

01 > Das Format: Was soll das sein? Wie wird es am Ende laufen?

 

Antwort: Der 30min Kurzfilm soll ein Road Movie werden. Samuel Koch wird an drei Orten in deutschland auf jeweils zwei Protagonisten treffen. In dieser Begegnung werden die Themen Hass, Diskriminierung und Antisemitismus thematisiert.

Durch junge Menschen werden die Themen so diskutiert, dass sie von den 9./10. Klässlern verstanden werden. Es soll sie ja betreffen, unsere Zielgruppe soll die Themen begreifen und in den Herzen wie Köpfen etwas bewegen.

Wir planen übrigens in den nächsten Jahren immer eine neue Folge zu realisieren mit neuen Menschen und Geschichten. So lange, bis wir merken es ist obsolet über #NieWieder sprechen zu müssen…

 

02 > Das Timing: Wann findet das ganze statt und wie lange geht es?

 

Antwort: Wir planen am 27.1.2022 um 9:30 Uhr die Premiere des halbstündigen Formats über Youtube. Danach ist der Film jederzeit und überall abrufbar. Also selbst in Lockdown Zeiten von zu Hause aus empfangbar – auch wenn wir uns das alle für 2022 nicht mehr wünschen…

Natürlich wissen wir, dass nicht jede Schulklasse deutschlandweit um 9:30h Zeit hat. Kein Problem, einfach im Tagesverlauf anschauen – oder auch in den Monaten danach… Es soll keiner überfordert werden, so wie es passt!

 

03 > Die Teilnahme: Wie kann ich teilnehmen?

 

Antwort: Einfach einschalten. Wir werden rechtzeitig hier und über Pressearbeit den YouTube Link kommunizieren. Aktuell versuchen wir mit der Bundeszentrale für politische Bildung Kontakt aufzunehmen. Wenn wir eine Antwort erhalten läuft das Projekt bestenfalls über die bpb. Außerdem sprechen wir mit dem Jugendsender der öffentlich-rechtlichen FUNK und hoffen hier ebenso auf eine Kooperation.

 

04 > Kann ich mir die Aufzeichnung im Nachhinein anschauen?

 

Antwort: Ja, das ist möglich. Das Video wird über YouTube verfügbar bleiben. So kann das Video zu einem späteren Zeitpunkt in den 9./10. Schulklassen angeschaut werden. Oder auch für Hausarbeiten im Nachgang nochmals individuell angeschaut werden.

Übrigens haben wir bereits tolle Ideen für 2023. Mit entsprechendem Vorlauf werden wir gute Interaktionsmöglichkeiten entwickeln. Spoiler: Die Stolpersteine von Gunter Demnig in der jeweiligen Stadt vor Ort werden da eine Rolle spielen…

 

05 > Die Macher: Wer steckt dahinter?

 

Antwort: Unsere Initiative ist eine ganze Gruppe von engagierten, demokratischen Deutschen – jeder bringt seine Expertise ein:

 

Samuel Koch > Moderation & Initiator

Chris Cuhls > Idee, Konzept, Netzwerk

Sophie Campbell > Regie

Björn Kowalewsky > Kamera

Axel Beyer > Autor des Buchs (Ex-Unterhaltungschef ZDF, WDR)

Matthias Müller > Sprecher der Initiative 

Dr. Nicolas Dreyer > inhaltliche Beratung

Jakob Bergmann > Performance Marketing

Magnus Wacinski > Social Media Strategie

Barbara Weber > Organisation

Jürgen Single, Martin Sass, David Wessler, Matthias Boyer > Spendenabwicklung über Media Vision e.V. 

und viele weitere… > die Protagonisten des Films verraten wir erst später 😉

 

06 > … sonstige Fragen? 

 

Antwort: Mail uns einfach, wir ergänzen fortlaufend!

 

 

Übersicht der Spender für den 27. Januar 2021/2:

 

1/82: Reiner Kafitz, Köln

2/82: Carsten Seibt & StreamLive, Leipzig

3/82: Michael Herberger, Mannheim

4/82: Sprecher Thomas Friebe, Köln

5/82: Barbara Stüttgen & William Good, Düsseldorf

6/82: NN, Frankfurt am Main

7/82: Sven & Esther Passig, Lübeck

8/82: A.B., Köln

9/82 …Du/Sie?! > spende JETZT auf Betterplace.org <3

 

Weitere Infos von Samuel Koch hier: #NieWieder 2020

 

Wir brauchen eine REVOLUTION des GEBENS

Revolution des Gebens // Ein Plädoyer für den Sinn des Gebens (Foto: pixabay) 

 

Geben macht glücklich. Dennoch geben die Deutschen immer weniger.

 

Weihnachtszeit ist Spendenzeit. In Deutschland wird in diesen Tagen traditionell wieder gut gespendet, auch mit Corona-Pandemie. Den Rest des Jahres sieht es mit unserer Freude am Geben dann aber wieder Mau aus. Immer weniger Deutsche spenden und überlassen die guten Taten lieber der älteren Generation. Wir brauchen dringend eine Revolution des Gebens. Vielleicht kann gerade die aktuelle Pandemie zu ihrem Startschuss werden.

 

Geben macht glücklich. Das haben Neuro-Wissenschaftler aus Lübeck erforscht. Dafür haben sie zwei Probandengruppen in den Kopf geschaut. Sie wollten herausfinden, wie sich das Geben auf ihr Wohlbefinden und Verhalten auswirkt. Im Test war eine Gruppe angehalten ein anvertrautes Budget ausschließlich für andere Menschen auszugeben, indem sie spenden oder jemanden beschenken. Die andere Gruppe sollte das Geld nur für sich selbst ausgeben. Das Ergebnis: Die großzügige Gruppe gab an glücklicher zu sein und verhielt sich auch in folgenden Tests durchweg großzügiger. Ihr Gehirn verknüpfte Großzügigkeit mit Glücksgefühlen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass man Geben zu einer guten Gewohnheit kultivieren kann.

 
 

In Sachen Geben ist Deutschland Entwicklungsland.

 

Der Trend in Deutschland ist eindeutig. Laut der GfK Studie „Bilanz des Helfens“ spenden seit Jahren immer weniger Menschen. Die Generation 70+ ist Jahr für Jahr die spendenfreudigste. Von ihnen spendet jeder Zweite. Insgesamt machten sie im Jahr 2019 über 40% des Spendenvolumens aus. Bei nachfolgenden Generationen ist die Anzahl der Geber*innen rückläufig, auch wenn die durchschnittliche Spendenhöhe zwischenzeitlich angestiegen ist.

Wenn wir über den großen Teich schauen, spenden die Amerikaner pro Kopf 5-mal so viel wie wir. Weniger Wohlhabende engagieren sich dort stark im Ehrenamt. Wenn, dann sind die Deutschen in der Adventszeit traditionell großzügig. Die Amerikaner hingegen spenden das ganze Jahr über. Während wir uns in Deutschland darauf verlassen, dass der Gesetzgeber unsere Steuern sinnvoll verteilt, wollen die Amerikaner lieber selbst entscheiden, welche gesellschaftlichen Themen sie unterstützen.

 
 

Was steckt hinter unserer Spendenunlust?

 

Zum Beispiel eine schwache Spendenkultur: Bei uns wird grundsätzlich ungern über Geld gesprochen, öffentlich schon gar nicht. Darunter leidet auch das Spenden. Wer sich mit einer großzügigen Tat doch einmal hervortut, erntet dafür eher Kritik als Wertschätzung. Wir sind es gewohnt, dass das Geld für wichtige Themen in der Regel schon da ist. Warum sollten wir uns also dafür engagieren? Gemeinnützige Organisationen müssen für ihre guten Anliegen immer aufwendiger um Unterstützung werben. Dem Geben fehlt es immer mehr an Vorbildern: Wenn immer weniger Menschen gerne Geben, werden auch immer weniger junge Menschen die Freude daran entdecken können.

 
 

Corona – Unsere Chance für eine Revolution des Gebens?

 

Bei allen Unsicherheiten und Nöten, die die aktuelle Corona-Pandemie mitbringt, zeigt sie ebenso eindrücklich, wie wir zusammenrücken können und müssen. Auf einmal merken wir, was fehlt, wenn kulturelle, gastronomische und soziale Angebote ums Überleben kämpfen oder einfach nicht mehr da sind. Auf einmal starten wir kreative Spendenaktionen für unseren Friseur, kaufen symbolische Tickets unseres Lieblingskünstlers oder spendieren unserem Fußballclub eine virtuelle Bratwurst. Genau dieses Engagement brauchen wir in Deutschland! Auch ohne Pandemie und vor allem nachhaltig. Das wäre eine echte Revolution des Gebens. Die Chance dafür ist jetzt da und jeder von uns ist eingeladen die Freude am Geben neu zu entdecken.

Und nicht vergessen: Geben macht glücklich!

 
 

Lars Flottmann


Lars Flottmann
ist Fundraiser & Kommunikationsberater. Er setzt sich mit seiner Agentur www.fundraising-strategen.de für mehr Freude am Geben ein. Er unterstützt gemeinnützigen Organisationen dabei neue Spender, Freunde und Fans für ihre gute Sache zu finden.

 

Frauen in der Eventbranche // 3 Frauen. 3 Erfahrungen. 3 Tipps.

Frauen in der Eventbranche – 3 Frauen. 3 Erfahrungen. 3 Tipps // Photo by Brooke Lark

Kürzlich hörte ich in dem Eventrevulotion Podcast wie Katrin Taepke erzählte, dass sie als junge Projektmanagerin bei der Messe Berlin vor allem mit 50-60jährigen männlichen Entscheidern zu tun hatte – und per se nicht ernst genommen wurde. Das hat mich sehr zum nachdenken gebracht (ungefähr so, wie mich vor vier Jahren Priscilla Bucher mit dieser krassen Rollenfrage aus dem Konzept gebracht hat…).

Eine Kollegin pflichtete bei: “Die Wahrheit ist dass du als Projektmanagerin belächelt und als Kreative nicht gehört wirst…. speziell wenn man jung ist. Das hat vor allem was mit dem Gegenüber zu tun:

• Projektmanagerin > männliche Konzernentscheider

• Kreative > Agentur interne männliche Konkurrenz (klassischer Weise werden Creative und Art Director Position in Agenturen immer noch mit bevorzugten männlichen Kreativen besetzt…)

Es wird mit dem Alter etwas besser, aber unterschätzt wird man trotzdem bei jedem KickOff Meeting von neuem. Wenn man den negativen Auslöser bei Seite schieben kann: eventuell auch eine Chance für uns Frauen? Denn wenn die Messlatte niedrig hängt kann man aus so einem Termin nur als Sieger rausgehen…”

Grund genug drei erfahrene Frauen in der Eventbranche nach ihren Erfahrungen und Tipps zu befragen. Danke Swantje Marquart (Geschäftsführerin einer Eventagentur), Nadine Imboden (Choreografin und Regisseurin) und Silja Neumann (Senior Projektleiterin), dass ihr tiefe und ehrliche Einblicke gewährt! 😉

Swantje Marquardt, Geschäftsführerin mindact.com

Swantje, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Eventgestalterin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

Mein erster Termin als Projektleitung liegt 14 Jahre zurück. Ich war damals 26 und zugegebenermaßen: jung und unerfahren.

Mein Pendant auf Kundenseite war weiblich, so alt wie ich heute bin und innerhalb der Kundenstruktur die einzige weibliche Person. Alle anderen Ansprechpartner waren männlich – inkl. der Entscheider. Sie fühlte sich in der Rolle des „Hahn – in dem Falle Huhn – im Korb“ und hat mich leider nicht akzeptiert. Sie war nicht einmal bereit mit mir zu telefonieren und fragte stattdessen meinen damaligen Chef „was bringst du hier für einen Kindergarten mit?“ Bei ihr hatte ich allerdings den Eindruck, dass es nicht um meine Unerfahrenheit geht, sondern dass ich weiblich bin.

Mit ihrem männlichen Nachfolger, bin ich dann von Beginn an sehr gut zurechtgekommen. Er war neu und musste sich ebenfalls einarbeiten, was meine Chance war. Ich hatte bei ihm nie das Gefühl, aufgrund meines Geschlechts, nicht ernst genommen zu werden.

Anders sah es bei seinen Chefs aus. Es hat ca. 4 Jahre gedauert, bis auch ich direkt angesprochen oder nach meiner Meinung gefragt wurde. Die männlichen Verantwortlichen der übrigen Fachbereiche (zwischen 35 und 45 Jahre), haben mich zu Beginn ebenfalls nicht ernst genommen. Ein Kollege und Projektleiter in meinem Team (2 Jahre jünger als ich), wurde direkt akzeptiert und als „Buddy“ auf Vorreisen eingeladen an Abendessen oder Drinks an der Bar teilzunehmen.

Nach anfänglicher Frustration habe ich mir vorgenommen zu beweisen, dass ich mehr als willens bin zu lernen, mich reinzuhängen und arbeiten kann wie ein Tier. Das hat mich nur noch mehr angetrieben. Ich habe immer zuverlässig geliefert und mich selbstbewusst präsentiert.

Obwohl ich das nicht immer war.

Und irgendwann war es soweit; ich hatte mir den Respekt und das Vertrauen erarbeitet. Daraus ist heute eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit geworden.

Und das ist auch meine Conclusio: Arbeite fleißig und zuverlässig. Und verdiene dir darüber den Respekt und das Vertrauen. Glaube an dich und deine Fähigkeiten und konzentriere dich nicht auf Ungerechtigkeiten.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Ich spüre bei den Frauen eine Veränderung. Die heutigen Mittzwanzigerinnen kommen mir deutlich selbstbewusster vor, als wir es früher waren. Das Einfordern von Anerkennung über Beförderungen, damit einhergehenden Gehaltsvorstellungen hat sich bereits verändert.

Früher mussten Kolleginnen fast dahin gedrängt werden. Wie soll man ernst genommen werden, wenn man seinen eigenen Wert nicht erkennt?

Frauen und Männer arbeiten immer noch unterschiedlich. Ich bin in meinem Kollegenkreis, von beiden ein großer Fan. Dennoch erlebe ich, dass sich Männer „besser verkaufen“ können. Frauen machen es häufig über die eigentliche Arbeit wett.

Natürlich hat das auch was mit dem Gegenüber zu tun. In der Branche, in der wir arbeiten, ist das Gegenüber bzw. der Entscheider meist männlich. Wenn du als Frau sehr selbstbewusst auftrittst, wirst du schnell als „arrogant“ verurteilt. Als Mann hingegen wirkst du stark. Obwohl es pauschalisierend klingt, erlebt man es so leider immer noch häufig.

Bezüglich der Agenturstrukturen kann man dazu natürlich nicht einheitlich über alle Agenturen reden. Es kommt auf die Führung und die Unternehmenskultur an. In unserem Unternehmen kann sich jeder, egal ob männlich oder weiblich, in der Hierarchie nach oben arbeiten.

Ich sehe aber auch, dass Frauen in der Agenturwelt – zum Beispiel in Key Account Funktionen – deutlich mehr gestärkt werden müssen. Viele Führungskräfte in Agenturen machen häufig einen Rückzieher bei der Positionsbesetzung, weil das Gegenüber (der Entscheider) vermeintlich eher eine männliche Person akzeptieren würde. Da steht man als Chef/in in der Verantwortung genau dagegen zu arbeiten und solche Vorurteile zu bekämpfen.

Sind Frauen in der Eventbranche zu leise, zu zaghaft oder nur nicht mutig genug?

Es hat vermutlich mit der generellen gesellschaftlichen Entwicklung zu tun – nicht nur in der Eventbranche: Frauen werden mutiger!

Allerdings sind Frauen deutlich selbstkritischer und reflektierter als Männer. Was nicht heißen soll, dass Männer es nicht sind, aber vielleicht gehen sie manche Dinge pragmatischer an: „Wird schon werden. Bekomme ich hin“. In dem Fall wünsche ich mir für Frauen mutiger zu sein.

Dennoch glaube ich, dass in unserer Branche in den nächsten Jahren mehr Frauen in Führungsrollen kommen werden. Zumindest auf Agenturseite. Die Kundenseite (je nach Branche) braucht vermutlich etwas länger. Hier herrscht noch viel häufiger veraltetes Strukturdenken.

Dahingehend wünsche ich mir eine faire Behandlung. Frauen sollten nicht anders bewertet werden, wenn es um Beförderungen und Gehälter geht. Es ist nach wie vor ein Unding – beispielsweise dass Frauen in gleichen Positionen noch immer weniger verdienen als Männer.

Da sind uns andere europäische Länder voraus, wenngleich ich keines kenne in dem es keinen Unterscheid gäbe. Aber so groß wie in Deutschland ist er in kaum einem anderen EU Land.

Warum gibt es so viele Erfolgsstories von großen Agenturchefs? Aber kaum von großen Agenturchefinnen?

Es gibt vermutlich mehr Agenturchefs als Agenturchefinnen. Und ich bin überzeugt, dass das weibliche Ego den eigenen Erfolg nicht so sehr nach außen tragen muss, um sich bestätigt zu fühlen.

Welches Vorbild inspiriert dich und warum?

Meine Tante. Sie ist mit über 60, beruflich immer noch erfolgreich; hat über 800 Mitarbeiter.

Schon vor 30 Jahren hatte sie eine Führungsposition und war gleichzeitig eine liebevolle Mutter.

Ich selbst bin auch eine arbeitende Mutter und weiß was es heißt, gesellschaftlich deswegen kritisiert zu werden. Sicher war es vor 30 Jahren noch ganz anders. Frauen wie meine Tante, haben den Weg geebnet und es leichter für Frauen meiner Generation gemacht.

Zudem inspirieren mich Frauen wie Barbara Schöneberger. Sie hat sich in einem männerdominierten Umfeld durch Intelligenz, Humor, Durchhaltevermögen, Fleiß und Können bewiesen und ist für mich DIE Showmasterin im deutschen TV. Sie singt, kann schreiben und zieht mit ihrem Mann zwei Kinder groß. Das inspiriert mich.

Welche Lese/Linkempfehlung hast du zu dem Thema?

Ich lese viele verschiedene Zeitschriften und natürlich springen mich als Frau selbst, Artikel zu dem Thema an. Aber das kann der Spiegel, genauso wie das Magazin Barbara sein.

Ergänzend, ein Satz zu dir – was macht dich aus, welcher Wert ist dir wichtig?

Ich bin ein Teammensch. Empathie und das menschliche Miteinander sind mir sehr wichtig. Was nicht heißt, dass ich von meinen Mitarbeitern nicht auch Einiges erwarte.

Ich glaube fest daran, dass du aus deinen Mitarbeitern das Beste herausholst, wenn du sie gut und fair behandelst. Wenn du offen bist und zuhörst. Das war schon immer meine Leitlinie.

Nadine Imboden, Regisseurin und Choreografin bei Entertainment in Motion

Nadine Imboden ist eine preisgekrönte Regisseurin und Choreografin in der internationalen Show- und Unterhaltungsindustrie. Mit ihren innovativen, temporeichen und aussergewöhnlichen Inszenierungen begeistert sie das Publikum und sorgt immer wieder für Aufsehen und grosse Beachtung.

Nadine, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Regisseurin & Choreographin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

An die schwierigen Anfänge erinnere ich mich gut. Die Skepsis der Männer empfand ich als anstrengend, das Klima kühl und alles etwas zu ernst. Ich habe gelernt; in einer Männer Runde muss sich Frau erst mal beweisen. Kann man aber die Männer überzeugen, sind sie meistens offen, charmant und tolle Kollegen.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Natürlich wäre es schön, wenn Männer und Frauen gleiche Chancen hätten. Ich denke aber, dass wir in dieser Beziehung, auf einem guten Weg sind. Es braucht seine Zeit, eine Gesellschaft zu ändern. Früher waren Frauen zu Hause und es gab klare Hausregeln. Heute begegnen sich die meisten Ehepaare auf Augenhöhe und sind ein Team.

Zum Thema Änderungen in den Agenturstrukturen – wie durch die Frauenquote? Eine Balance zwischen Frauen und Männern wirkt sich in einem Team positiv aus und fördert die Kreativität. Männer und Frauen sind sehr unterschiedlich und diese unterschiedlichen Gefühle bereichern jeden Austausch. Die richtigen Menschen zusammen zu bringen macht für mich die Magie aus. Ich bin aber kein Fan von der Geschlechterquoten, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Sind Frauen in der Eventbranche zu leise, zu zaghaft oder nur nicht mutig genug?

Wahrscheinlich ist es von allem ein bisschen. Vieles hängt auch sicher von der Erziehung ab und ist daher schwer abzuschütteln. Die jüngeren Generationen befreien sich gerade von diesen Zwängen. In den letzten Jahren bin ich sehr oft starken Frauenteams in der Eventbranche begegnet.

Warum gibt es so viele Erfolgsstories von großen Agenturchefs? Aber kaum von großen Agenturchefinnen?

Die Leitung einer Agentur ist mit viel Arbeit und Zeit verbunden. Die meisten Frauen bekommen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, Kinder und müssen Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen. Da sind unregelmäßige Arbeitszeiten und ein Vollzeit Job schwierig.

Aber auch hier zeichnet sich ein Wandel ab und junge Eltern teilen sich oft die Kindererziehung. Dazu kommt, dass sich das Homeoffice bewährt und das kann vor allem mit Kleinkindern sehr hilfreich sein.

Welches Vorbild inspiriert dich und warum?

Für mich ist Jennifer Somm ein Vorbild! Sie war CEO bei Rufener, einer der größten Eventagenturen in der Schweiz und anschließend CEO der Bernexpo Group. Jennifer hat Visionen, viel Mut und ist unglaublich kreativ. Dabei führt sie ihr Team charmant und zukunftsorientiert.

Weitere tolle Frauen, die mich in meiner Laufbahn ebenfalls inspiriert haben, sind Ulrike Plesser und Monika Graf. Beides tolle Regisseurinnen! Und nicht zu vergessen: Bala Trachsel, CEO & Managing Partner bei der Republica AG.

Starke und mutige Frauen die Leidenschaft und Kompetenz vereinen.

Ergänzend, ein Satz zu dir – was macht dich aus, welcher Wert ist dir wichtig?

Ehrlichkeit und Respekt sind mir sehr wichtig! Am Ende geht es um die Kreation und nicht um die einzelnen Egos. Letztendlich wirkt sich der Spaß im Team, immer positiv auf das Endergebnis aus.

Frauen in der Eventbranche // Photo by roya ann miller on Unsplash

 

Silja Neumann, Senior Projektmanagerin in München

Silja, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Projektmanagerin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

Bei meinem Berufseinstieg habe ich dieselben Erfahrungen gemacht, wie jede andere Frau die ich kenne auch: männliche Kollegen haben immer etwas lauter auf sich aufmerksam gemacht und waren deutlich überzeugter von ihrem Können. „Laut sein“ wird natürlich eher gesehen und dem entsprechend von männlichen Vorgesetzten mit Gehalt und Beförderung belohnt.

In zahlreichen Meetings saß ich als einzige Frau, ahnungslosen Alphamännchen gegenüber – dass ist als Berufsanfänger schwierig. Aber mit zunehmender Erfahrung, lassen sich da auch viele meiner sehr guten Eventkolleginnen nicht mehr die Butter vom Brot nehmen.

Heute kann ich glücklicher Weise sagen, dass ich durch meine berufliche Erfahrung, damit keine Probleme mehr habe.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Es ist leider flächendeckend so, dass Frauen sehr oft benachteilig werden. Bei den Themen Gehalt und Führungspositionen ist es nicht nur ein agenturspezifisches Phänomen. Das ist etwas Strukturelles und fängt damit an, dass es super schwierig ist einen Krippenplatz zu finden und Frauen mit Kindern, automatisch nicht mehr für Führungspositionen vorgesehen werden.

Wenn wir das Potential von unzähligen, gut ausgebildeten Frauen – die bereit und fähig sind in die Verantwortung zu gehen – voll ausschöpfen wollen, dann muss sich strukturell etwas ändern.

Wir sollten ermöglichen das Arbeitsplätze und Führungspositionen gesplittet werden können. So dass sich zwei gleich qualifizierte Mitarbeiter eine bis eineinhalb Stellen teilen könnten.

Das sollte sowohl für Mütter als auch Väter – ohne Karriereknick – ermöglicht werden. So hätten Frauen wieder eine größere Chance auf den Berufseinstieg inkl. Führungsposition.

Zudem benötigt es dringend eine Steuerreform. Frauen mit Kindern sind nach wie vor steuerlich benachteiligt. Mit einer Reform wäre es für Mütter wieder attraktiver zurück in den Beruf zu gehen. Dazu benötigt es natürlich Krippenplätze und Ganztagsschulen, mit gut ausgebildetem und entsprechend entlohntem Personal.

Solange sich keine Änderung einstellt, finde ich ist die Frauenquote kein schlechtes Instrument. Das bedeutet ja nicht, dass deshalb automatisch unfähige Frauen auf Positionen geschoben werden, die sie nicht erfüllen.

Grundsätzlich habe ich einfach ganz viel Hoffnung in die junge Generation! Wenn ich mir meine Neffen anschaue, die zwischen 20 und 14 Jahre alt sind, dann sehe ich tolle junge Erwachsene, die die Welt zum Glück anders sehen, als die „Alten“. Ich hoffe die nachfolgenden Generationen von Frauen, wird es etwas leichter haben. Da freue ich mich über jede tolle Frau in der Öffentlichkeit, wie jetzt Kamala Harris.

Vielen Dank euch für diese Gedanken – ihr Frauen in der Eventbranche rockt den Laden!

Frauen in der Eventbranche – wie geht es weiter?

Übrigens: Beim Podcast hören (siehe Einstieg) viel mir sofort eine gute Frage ein, um das Gegenüber immer (!) zum Denken zu bringen: Was soll nach dem Event anders sein als vorher? Welche Wirkung erhoffen sie sich? Woran merken die Besucher eine Transformation durch das Event? Wie denken, fühlen, handeln sie anders durch das Event? Wer diese Frage stellt hat immer die Aufmerksamkeit des Mannes gegenüber. Denn dann müssen wir denken…

Frage: Gerne würde ich hören wie es euch als Frauen im Eventbereich mit diesem Thema geht? Was muss sich ändern? Wie gelingt das? Welche Tipps habt ihr? Was kann ich als Mann lernen und wie den Umgang mit Frauen besser gestalten? Ich bin gespannt auf die Diskussion über LinkedIn oder Facebook.

Teaser: Diesen Sonntag, den 22.11. starte ich meinen Podcast “Events im Wandel – What’s Next?”. Stay tuned & enjoy 😉

Das 1×1 der Bildgestaltung von Livestreams

Bildgestaltung bei Livestreams // Photo by Mick Haupt

 

 

Aktuell transformiert sich die Eventbranche. Sogenannte „Hybride bzw. digitale Events“ sind in aller Munde. Um gleich mit einem Missverständnis aufzuräumen: Das sind eigentlich keine „digitalen Events“. Es gibt nur analoge Ereignisse, die digital übertragen werden. Ein digitales Event ist wenn Avatare sich treffen, wir uns virtuell in einer VR Welt bewegen oder feiern wie es das Musikfestival Tomorrowland vormacht.

 

Um mit unseren analogen Ereignissen, die digital übermittelt werden, Wirkung zu erzielen gelten immer noch die bekannten Grundsätze. Es braucht ein klares Konzept: Was will ich erreichen? Was soll durch den Livestream nachher anders sein als vorher? Mir hilft es diese Kernfrage der Kommunikation zu beantworten.

 

 

Die drei Ebenen der Livestream Umsetzung

 

Wenn die grundsätzlichen Ebene klar ist, müssen in der Umsetzung immer drei Komponenten parallel gedacht werden:

 

  • Inhalt
  • Bild- und Tontechnik
  • Bild- und Tongestaltung.

 

Jeder Aspekt für sich ist wichtig, ich konzentriere mich aber auf die Bildgestaltung. Meine Kernkompetenz als Regisseur ist die Inszenierung. Für mich ist das die Kombination von INHALT und VERPACKUNG: Was ist für die Zielgruppe der wirklich relevante Inhalt? Was konkret ist neu und bedeutsam? Wie verpacke ich die Information für welche Zielgruppe unterhaltsam und emotional? Wenn die Dramaturgie steht entwickeln wir die passende Verpackung. Hier meine Erfahrungen, worauf in der Bildgestaltung zu achten ist:

 

 

7 Tipps für die Bildgestaltung von Livestreams

 

1) Location bzw. Bühne: Wer sagt, dass es wie bisher die klassische Talkbühne sein muss? Lasst uns neu denken. Der Ort oder die Kulisse kann auf den ersten Blick besser als 1000 Worte vermitteln, worum es hier jetzt geht. Natürlich ist weniger mehr. Wir dürfen dabei alles, nur nicht langweilen. Daher großes Gebot der Stunde: Visuell reizvoll sein und damit visuell auf die Kernidee des Events einzahlen. Ganz wichtig ist es dabei Tiefe zu liefern. Jeder Fotograf weiß: „Vordergrund macht Bild gesund“. Ein gutes Bild arbeitet immer mit drei Ebenen: Vordergrund, Objekt, Hintergrund. Das erzeugt Tiefe im Bild. Ein Hintergrund wie Backsteinwände oder eine abstrakte Struktur erzeugt mehr Spannung als der nackte, anonyme, weiße Backdrop.

 

2) Kameraanzahl und -perspektiven: Bewegtbild heißt Bewegtbild, weil es bewegt ist. Jedes Kamerabild sollte „Spiel haben“. Sich bewegen, leicht an eine Person „ranatmen“. Inhaltlich kann ein Bild auch einmal stehen, aber bitte nicht für 20min. Alles schon erlebt – natürlich schaltet dabei jeder weg oder innerlich ab. Anders als beim Event braucht der Zuschauer Orientierung. Denn er kennt den Raum ja nicht. Eine Totale schafft also Überblick und ist wichtig für Online-Zuschauer: Wer sitzt da alles auf der Bühne? Ein fahrbarer Bühnenboden erlaubt Studiokameras ruckelfrei zu fahren und somit Bewegung im Bild.

 

Für ein Gespräch benötige ich mindestens drei Kameras: Eine Totale als Etablierung und Verbindung der Talkgäste. Und jeweils eine Kameraeinstellung, die über Kreuz den Sprecher nah zeigt. Wenn es das Budget zulässt hilft ein Kran oder SteadyCam noch mehr Bewegung ins Bild zu bekommen. Daimler bietet eine schöne Option für Onlinezuschauer bei Pressekonferenzen: Man kann sich neben dem Programmschnitt auch die einzelnen Kameras jederzeit selbst auswählen.

 

3) Bildausschnitt: ALLES hat eine Wirkung. Ob die Kamera sich auf Augenhöhe befindet oder mich die Rednerin von oben herab anschaut sagt etwas aus. Diffus für den Zuschauer wahrnehmbar, aber als Gestalter wissen wir um diese Wirkung. Natürlich gibt es gestalterische Grundsätze zu beachten wie den goldenen Schnitt, Blickachsen (kein Achssprung) und Personen im Bild so zu framen, dass sie Luft zum agieren behalten. Auch die Anordnung von Live-Kamera und weiterer Bildinhalte wie eine PPT in einem PiP (Picture in Picture) will bedacht sein. Kürzlich sah ich einen Livestream, wo immer dasselbe Vollbild eingeblendet wurde um den Rednerwechsel im Set zu kaschieren. Mit etwas mehr Aufwand hätte es kurze Bumper-Animationen gegeben, die thematisch überleiten – ob aufwändig oder nur eine Tafel mit der Überschrift. Alles hätte geholfen, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Das A&O bleibt kompetentes Personal, welches ein gutes Gefühl für Bildgestaltung hat und emotionsgeladene Momente rechtzeitig antizipiert.

 

4) Schnitt: Die Sehgewohnheiten differieren je nach Zielgruppe: Generation Z ist an schnelle Schnitte und kurze Clips unter 1:30min gewöhnt, alle über 80 haben sich an langsamere Erzählungen gewöhnt. Das will ich nicht bewerten, nur auf das andere Erzähltempo hinweisen. In jedem Fall setzen wir Reize, indem immer wieder Bildwechsel stattfinden. Wenn man sich eine Talkshow ansieht entdeckt man, dass es immer um Aktion und Reaktion geht – also die Sprecher, aber auch was das Gesagte im Gegenüber auslöst. Bei Shows wird das Publikum genutzt, um diese Reaktionen zu spiegeln – wo das Corona-bedingt nicht möglich ist hilft es zumindest die Reaktion des Gesprächspartners zu zeigen. Auch hier braucht es Bildmischer, die Gefühl für Timings, Emotionen wecken und Momente haben. Der selbe Schnitt ein Hauch früher oder später gesetzt macht nicht nur bei Hitchcock den Unterschied aus.

 

5) Licht und Ton: Mit Licht wie Ton schaffen wir Atmosphäre, vermitteln Stimmungen und setzen Reize. Die Basis beim Licht bildet die 3-Punkt-Beleuchtung. Wie häufig erlebe ich jedoch, dass das Hinterlicht fehlt, Schatten die Augenhöhlen verdunkeln oder Aufhellungen aus den Kameraachsen fehlen. Und dabei reden wir noch gar nicht über Showlicht-Effekte. Ein guter Bildingenieur sorgt für den Weißabgleich und kann dann Szenen kontrolliert warm oder kalt wirken lassen – je nach gewünschter Botschaft und Wirkung.

 

Zu der Bedeutung von Sounddesign bei Events habe ich bereits geschrieben. Fehlender Ton lässt schneller abschalten als ein fehlendes Bild. Bei Liveschalten achte ich zumindest auf guten Raumton ohne Hall und Störquellen auf der anderen Seite. Hier aber noch eine Idee für Livestreams: Was macht ASMR mit dir? Setz dir unbedingt Kopfhörer auf und hör rein:

 

 

Wer sagt, dass digital nur der Seh- und Hör-Sinn angesprochen werden kann? Pures Kopfkino, welches ganz anders fühlen lässt. Wie wäre es beispielsweise mit einem Haarschnitt, einer Kopfmassage oder medizinischen Check Up in einer Pause zwischen zwei Online-Sessions? Dieses Stilmittel an der richtigen Stelle eingesetzt: Was könnte das bewirken…?! Und klar, das verursacht natürlich Mehraufwand und muss wohl dosiert eingesetzt werden…

 

6) Akteure: Zentral ist es, dass die Akteure Verbindungen aufbauen. Die Kommunikationsexpertin Nancy Duarte spricht von RESONANZ. Das kann man auch auf einen guten Livestream münzen: Verbindungen aufbauen durch Direktansprache in die Kamera mit dem Publikum, aber auch untereinander bei einem Talkpanel. Ein wichtiges Detail ist die Kleidung – nicht nur von der psychologischen Farbwirkung her gedacht. Praktisch verursachen kleinkarierte Hemden den Moiré-Effekt oder grüne Farben vermasseln den Greenscreen-Effekt. Und ja, ein inneres Lächeln hilft Sprechern Empathie trotz der digitalen Übertragung zu vermitteln. Zuschauer spüren, ob das Gegenüber mit mir in Beziehung treten will oder nur den Text runterrasselt.

 

7) Streaming: Abschließend ein kleiner Ausflug in Richtung Technik. Server mit nicht ausreichenden Kapazitäten haben mir schon ein paar Mal bei Livestreams den Spaß verdorben… Der Inhalt und die Bildgestaltung kann noch so gut sein – wenn der Upload nicht klappt oder die Bild-Ton Synchronität nicht passt, ist alle Mühe umsonst. Insofern lautet die Devise: Testen, testen, testen. Der andere Teil betrifft die Vermarktung: Wie stösst die relevante Zielgruppe überhaupt auf meinen Livestream?

 

 

Fazit: Proben, proben, proben!

 

Bei allem: Kürzer ist besser, Abwechslung ist elementar, Proben das Erfolgsrezept. Die Vorteile von Livestreams sind für mich die Kontrollierbarkeit (wer sagt das es wirklich LIVE sein muss – es kann ja auch eine am Tag vorher aufgezeichnete Version sein bei dem lediglich das Q&A live ist), der Fokus auf Inhalte, die sitzen müssen (Redner verzetteln sich weniger, weil Texte vom Prompter gelesen werden) und eine potentiell größere Reichweite im Nachgang durch Abruf „on demand“. Da lohnt sich jeder Schweißtropfen für gute Qualität.

 

Zwei Missverständnisse machen unser leben jedoch schwer: Oft meinen Kunden aktuell, dass weil es ein „digitales Event“ ist, das Projekt billiger wird und gar nicht proben muss. Ein Zoom Call mit einer amtlichen Produktion zu verwechseln ist ein Kardinalsfehler. Wie ich eingangs schrieb: Es braucht ein analoges Ereignis, was von sich behaupten darf wirklich ein EREIGNIS zu sein. Dieses inhaltlich wie gestalterisch zu verdichten und somit spannend über die digitalen Kanäle zu erzählen ist Neuland. Es bedarf guter Vorbereitung, um Zuschauer-Bindung, ein interaktives Erlebnis und letztlich Wirkung zu erzielen.

 

Lasst uns voneinander lernen und Qualität liefern!

 

80% der Corporate Event Livestreams zeigen talking heads. Das ist im TV genauso, allerdings ganz anders verpackt. Jede TV Talkshow oder News-Format ist um Welten besser was Kulisse, Beleuchtung, Kameraarbeit, Einspielerfilme, redaktionelle Arbeit, Emotion wecken betrifft als unsere „Digital Events“ aktuell. Warum lernen wir nicht von TV, Werbung, Kino und erziehen unsere Kunden gleich mit, dass Livestreams eben nicht billiger und schneller gehen – sondern etwas mit wohl durchdachter, geplanter und produzierter Wirkung zu tun haben, die sie ja erreichen wollen. Dazu braucht es Zeit, Geld und Kompetenz.

 

Ich glaube, der Invest und die Mühen auf dem Weg dahin werden sich auszahlen. Nicht zuletzt für unsere Event-Branche, weil wir eben Wirkung erzielen, die sich sehen und messen lässt. Anders als TV-Formate können wir auch was die Interaktivität betrifft Innovation pionieren. Dazu braucht es Mut, Schritte ins (noch) Unbekannte zu gehen: Passion, Kreativität und die Sehnsucht das Neue, Unmögliche, Innovative zu realisieren (ok, etwas pathetisch – aber Agenturen wie Onliveline lassen das erahnen 😉). Aber so, wie zumindest aktuell viele Livestreams in der Bildgestaltung laufen, sehe ich jedoch unsere Branche sich selbst ein Grab schaufeln. Lasst uns endlich Qualität liefern, wir können das!

 

 

Linktipps:
Digital Event: Meine drei Learnings
Digitale Events: Analyse der US-Parteitage
Acht Tipps, wie ein Livestream zum Erfolg wird