27. Januar 2021/2: YouTube Stream #NieWieder

27. Januar // Samuel Koch am 9.11.2019 vor der Synagoge in Halle – ein Monat nach dem Anschlag © Andre Wirsig

 

Kassel, Halle, Hanau. Hass und Diskriminierung in Deutschland fordern immer noch Todesopfer.

77 Jahre nach Auschwitz müssen wir dem wiederauflebenden Antisemitismus in Europa entgegenwirken.

 

Es braucht eine neue Form

…des Erinnerns und Versöhnen – für Alte wie Junge.

…des voneinander Lernens & angstfreien Miteinander.

…des aktiven Gestaltens der gemeinsamen Zukunft.

 

77 Jahre später: #NieWieder

 

Rechte wie linke Extremisten wird man nur schwer überzeugen, anders zu denken. Das ist ein mühsamer Weg.

Wir müssen daher langfristig in die Jugend investieren, damit sie versteht, erinnert und gestaltet.

 

Indem der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar Jugendliche betrifft, sie den Holocaust begreifen, sie unsere deutsche Geschichte berührt, wird es sie hoffentlich gemeinsam zu einem neuen Handeln bewegen: Liebe überwindet Hass – gemeinsam statt einsam, Leben statt Tod.

 

Durch persönliche Lernreisen. Wie die von Samuel Koch, der nur einen Monat nach dem Anschlag in Halle an der Synagoge -genau wie Ronald Lauder- zu Recht sagte: Taten statt Worte.

 

 

Gut ein Jahr später ist es soweit: Taten statt Worte. Nachdem wir die 75 Jahr Befreiungsfeier in Auschwitz am 27. Januar 2020 erlebt haben (hier ein Video mit Samuel Koch in Birkenau) wollen wir einen Startschuss setzen: Vom 27. Januar 2021 an planen wir 82 kleine Aktionen, die eine Lernreise nachvollziehbar macht. Veränderung gelingt nicht von Heute auf Morgen. Diese Aktionen sollen in einem 30minütigen Roadmovie münden, welcher zum 27. Januar 2022 Premiere feiern soll. Damit wollen wir das Thema für Schüler*Innen neu erzählen. Nachhaltiger als bisher. Denn es ist dringender, denn je:

 

 

Die Idee: YouTube Stream am 27. Januar 2022

 

In Kooperation mit dem Holocaust Mahnmal Berlin und dem Kölner Festjahrsverein #2021JLID wird jüdisches Er-Leben erlebbar gemacht. Mit Erinnerung aus der Vergangenheit für einen Blick in den Morgen, welches unser heutiges Miteinander prägt. Das wird eine spannende, lebensfrohe Reise. Dazu laden wir YouTuber ein, uns zu unterstützen.

 

Konkret planen wir ein 30minütiges YouTube Format für 9./10. Schulklassen am 27.1.2022 von 9:30-10 Uhr. In diesem erzählen wir zielgruppenaffin, erlebnishaft drei Geschichte(n) zwischen Hanau, Halle und Berlin über Hass, Diskriminierung und Antisemitismus von und mit jungen Protagonisten. So ermöglichen wir Lernreisen und laden zum Dialog im Rahmen der Schulklassen vor Ort ein.

 

Eine Begegnung mit Holocaust-Überlebenden aber auch heutigem jüdischen Leben. Rassismus und Hass vermitteln die nötige Bandbreite, die jede/n Schüler*in vom Pausenhof kennt. Wir stehen erst am Anfang, wollen aber #einfachmalmachen.

27 Januar DANKE

Damit setzen wir ein hoffnungsvolles Zeichen. Und zwar für die nächsten 82 Jahre. Jedes Jahr neu aufs Neue, immer für die 9/10. Klassen. In der Hoffnung, dass sich in den nächsten 82 Jahren etwas verändert.

 

Trotz social-distancing bauen wir reale Brücken und reißen Mauern ein – bei gegenseitigem Respekt und Toleranz. Eine Umsetzung in 2021 ist leider unter den aktuellen Corona Bedingungen nicht möglich – allein schon weil kein Austausch nach dem Film in Schulklassen möglich ist. Da wollen wir nichts übers Knie brechen, sondern über das Jahr verteilt längerfristig arbeiten. Wir haben Zeit. Dafür nehmen wir uns Zeit.

 

Unser Aufruf: Taten statt Worte. Helfen Sie uns zu helfen und werden Sie eine/r von 82 Spender*Innen (aktueller Spendenstand unterhalb). Alle Infos auf Betterplace.org. Ihr/Sie erhalten im Nachgang über MediaVision e.V. eine Spendenbescheinigung sowie obiges Plakat in einer limitierten Sonderauflage als kleines Dankeschön…

 

Wie Sie uns helfen können & wozu es die Revolution des Gebens braucht

 

Hier übrigens der Grund, warum wir eine Revolution des Gebens in Deutschland benötigen.

 

Aktuell suchen wir noch Pädagogen, die uns bei dem Konzept für begleitendes Unterrichtsmaterial unterstützen. Jede weitere Verlinkung oder Empfehlung an Geschichtslehrer der 9/10. Klasse und Schulleiter*Innen hilft!

 

Danke, danke, danke! Werde einer der noch 74 verbleibenden Spender auf Betterplace.org <3.

Samuel Koch + Chris Cuhls für die Initiative 27. Januar

 

PS: Weil das Leben trotz allem weiter geht – MAZEL TOV COACKTAIL (hier der ganze 30min Film auf arte zu finden 😉 ):

 

 

FAQs zu Umsetzung, Verbreitung, Team…

 

01 > Das Format: Was soll das sein? Wie wird es am Ende laufen?

 

Antwort: Der 30min Kurzfilm soll ein Road Movie werden. Samuel Koch wird an drei Orten in deutschland auf jeweils zwei Protagonisten treffen. In dieser Begegnung werden die Themen Hass, Diskriminierung und Antisemitismus thematisiert.

Durch junge Menschen werden die Themen so diskutiert, dass sie von den 9./10. Klässlern verstanden werden. Es soll sie ja betreffen, unsere Zielgruppe soll die Themen begreifen und in den Herzen wie Köpfen etwas bewegen.

Wir planen übrigens in den nächsten Jahren immer eine neue Folge zu realisieren mit neuen Menschen und Geschichten. So lange, bis wir merken es ist obsolet über #NieWieder sprechen zu müssen…

 

02 > Das Timing: Wann findet das ganze statt und wie lange geht es?

 

Antwort: Wir planen am 27.1.2022 um 9:30 Uhr die Premiere des halbstündigen Formats über Youtube. Danach ist der Film jederzeit und überall abrufbar. Also selbst in Lockdown Zeiten von zu Hause aus empfangbar – auch wenn wir uns das alle für 2022 nicht mehr wünschen…

Natürlich wissen wir, dass nicht jede Schulklasse deutschlandweit um 9:30h Zeit hat. Kein Problem, einfach im Tagesverlauf anschauen – oder auch in den Monaten danach… Es soll keiner überfordert werden, so wie es passt!

 

03 > Die Teilnahme: Wie kann ich teilnehmen?

 

Antwort: Einfach einschalten. Wir werden rechtzeitig hier und über Pressearbeit den YouTube Link kommunizieren. Aktuell versuchen wir mit der Bundeszentrale für politische Bildung Kontakt aufzunehmen. Wenn wir eine Antwort erhalten läuft das Projekt bestenfalls über die bpb. Außerdem sprechen wir mit dem Jugendsender der öffentlich-rechtlichen FUNK und hoffen hier ebenso auf eine Kooperation.

 

04 > Kann ich mir die Aufzeichnung im Nachhinein anschauen?

 

Antwort: Ja, das ist möglich. Das Video wird über YouTube verfügbar bleiben. So kann das Video zu einem späteren Zeitpunkt in den 9./10. Schulklassen angeschaut werden. Oder auch für Hausarbeiten im Nachgang nochmals individuell angeschaut werden.

Übrigens haben wir bereits tolle Ideen für 2023. Mit entsprechendem Vorlauf werden wir gute Interaktionsmöglichkeiten entwickeln. Spoiler: Die Stolpersteine von Gunter Demnig in der jeweiligen Stadt vor Ort werden da eine Rolle spielen…

 

05 > Die Macher: Wer steckt dahinter?

 

Antwort: Unsere Initiative ist eine ganze Gruppe von engagierten, demokratischen Deutschen – jeder bringt seine Expertise ein:

 

Samuel Koch > Moderation & Initiator

Chris Cuhls > Idee, Konzept, Netzwerk

Sophie Campbell > Regie

Björn Kowalewsky > Kamera

Axel Beyer > Autor des Buchs (Ex-Unterhaltungschef ZDF, WDR)

Matthias Müller > Sprecher der Initiative 

Dr. Nicolas Dreyer > inhaltliche Beratung

Jakob Bergmann > Performance Marketing

Magnus Wacinski > Social Media Strategie

Barbara Weber > Organisation

Jürgen Single, Martin Sass, David Wessler, Matthias Boyer > Spendenabwicklung über Media Vision e.V. 

und viele weitere… > die Protagonisten des Films verraten wir erst später 😉

 

06 > … sonstige Fragen? 

 

Antwort: Mail uns einfach, wir ergänzen fortlaufend!

 

 

Übersicht der Spender für den 27. Januar 2021/2:

 

1/82: Reiner Kafitz, Köln

2/82: Carsten Seibt & StreamLive, Leipzig

3/82: Michael Herberger, Mannheim

4/82: Sprecher Thomas Friebe, Köln

5/82: Barbara Stüttgen & William Good, Düsseldorf

6/82: NN, Frankfurt am Main

7/82: Sven & Esther Passig, Lübeck

8/82: A.B., Köln

9/82 …Du/Sie?! > spende JETZT auf Betterplace.org <3

 

Weitere Infos von Samuel Koch hier: #NieWieder 2020

 

Wir brauchen eine REVOLUTION des GEBENS

Revolution des Gebens // Ein Plädoyer für den Sinn des Gebens (Foto: pixabay) 

 

Geben macht glücklich. Dennoch geben die Deutschen immer weniger.

 

Weihnachtszeit ist Spendenzeit. In Deutschland wird in diesen Tagen traditionell wieder gut gespendet, auch mit Corona-Pandemie. Den Rest des Jahres sieht es mit unserer Freude am Geben dann aber wieder Mau aus. Immer weniger Deutsche spenden und überlassen die guten Taten lieber der älteren Generation. Wir brauchen dringend eine Revolution des Gebens. Vielleicht kann gerade die aktuelle Pandemie zu ihrem Startschuss werden.

 

Geben macht glücklich. Das haben Neuro-Wissenschaftler aus Lübeck erforscht. Dafür haben sie zwei Probandengruppen in den Kopf geschaut. Sie wollten herausfinden, wie sich das Geben auf ihr Wohlbefinden und Verhalten auswirkt. Im Test war eine Gruppe angehalten ein anvertrautes Budget ausschließlich für andere Menschen auszugeben, indem sie spenden oder jemanden beschenken. Die andere Gruppe sollte das Geld nur für sich selbst ausgeben. Das Ergebnis: Die großzügige Gruppe gab an glücklicher zu sein und verhielt sich auch in folgenden Tests durchweg großzügiger. Ihr Gehirn verknüpfte Großzügigkeit mit Glücksgefühlen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass man Geben zu einer guten Gewohnheit kultivieren kann.

 
 

In Sachen Geben ist Deutschland Entwicklungsland.

 

Der Trend in Deutschland ist eindeutig. Laut der GfK Studie „Bilanz des Helfens“ spenden seit Jahren immer weniger Menschen. Die Generation 70+ ist Jahr für Jahr die spendenfreudigste. Von ihnen spendet jeder Zweite. Insgesamt machten sie im Jahr 2019 über 40% des Spendenvolumens aus. Bei nachfolgenden Generationen ist die Anzahl der Geber*innen rückläufig, auch wenn die durchschnittliche Spendenhöhe zwischenzeitlich angestiegen ist.

Wenn wir über den großen Teich schauen, spenden die Amerikaner pro Kopf 5-mal so viel wie wir. Weniger Wohlhabende engagieren sich dort stark im Ehrenamt. Wenn, dann sind die Deutschen in der Adventszeit traditionell großzügig. Die Amerikaner hingegen spenden das ganze Jahr über. Während wir uns in Deutschland darauf verlassen, dass der Gesetzgeber unsere Steuern sinnvoll verteilt, wollen die Amerikaner lieber selbst entscheiden, welche gesellschaftlichen Themen sie unterstützen.

 
 

Was steckt hinter unserer Spendenunlust?

 

Zum Beispiel eine schwache Spendenkultur: Bei uns wird grundsätzlich ungern über Geld gesprochen, öffentlich schon gar nicht. Darunter leidet auch das Spenden. Wer sich mit einer großzügigen Tat doch einmal hervortut, erntet dafür eher Kritik als Wertschätzung. Wir sind es gewohnt, dass das Geld für wichtige Themen in der Regel schon da ist. Warum sollten wir uns also dafür engagieren? Gemeinnützige Organisationen müssen für ihre guten Anliegen immer aufwendiger um Unterstützung werben. Dem Geben fehlt es immer mehr an Vorbildern: Wenn immer weniger Menschen gerne Geben, werden auch immer weniger junge Menschen die Freude daran entdecken können.

 
 

Corona – Unsere Chance für eine Revolution des Gebens?

 

Bei allen Unsicherheiten und Nöten, die die aktuelle Corona-Pandemie mitbringt, zeigt sie ebenso eindrücklich, wie wir zusammenrücken können und müssen. Auf einmal merken wir, was fehlt, wenn kulturelle, gastronomische und soziale Angebote ums Überleben kämpfen oder einfach nicht mehr da sind. Auf einmal starten wir kreative Spendenaktionen für unseren Friseur, kaufen symbolische Tickets unseres Lieblingskünstlers oder spendieren unserem Fußballclub eine virtuelle Bratwurst. Genau dieses Engagement brauchen wir in Deutschland! Auch ohne Pandemie und vor allem nachhaltig. Das wäre eine echte Revolution des Gebens. Die Chance dafür ist jetzt da und jeder von uns ist eingeladen die Freude am Geben neu zu entdecken.

Und nicht vergessen: Geben macht glücklich!

 
 

Lars Flottmann


Lars Flottmann
ist Fundraiser & Kommunikationsberater. Er setzt sich mit seiner Agentur www.fundraising-strategen.de für mehr Freude am Geben ein. Er unterstützt gemeinnützigen Organisationen dabei neue Spender, Freunde und Fans für ihre gute Sache zu finden.

 

Frauen in der Eventbranche // 3 Frauen. 3 Erfahrungen. 3 Tipps.

Frauen in der Eventbranche – 3 Frauen. 3 Erfahrungen. 3 Tipps // Photo by Brooke Lark

Kürzlich hörte ich in dem Eventrevulotion Podcast wie Katrin Taepke erzählte, dass sie als junge Projektmanagerin bei der Messe Berlin vor allem mit 50-60jährigen männlichen Entscheidern zu tun hatte – und per se nicht ernst genommen wurde. Das hat mich sehr zum nachdenken gebracht (ungefähr so, wie mich vor vier Jahren Priscilla Bucher mit dieser krassen Rollenfrage aus dem Konzept gebracht hat…).

Eine Kollegin pflichtete bei: “Die Wahrheit ist dass du als Projektmanagerin belächelt und als Kreative nicht gehört wirst…. speziell wenn man jung ist. Das hat vor allem was mit dem Gegenüber zu tun:

• Projektmanagerin > männliche Konzernentscheider

• Kreative > Agentur interne männliche Konkurrenz (klassischer Weise werden Creative und Art Director Position in Agenturen immer noch mit bevorzugten männlichen Kreativen besetzt…)

Es wird mit dem Alter etwas besser, aber unterschätzt wird man trotzdem bei jedem KickOff Meeting von neuem. Wenn man den negativen Auslöser bei Seite schieben kann: eventuell auch eine Chance für uns Frauen? Denn wenn die Messlatte niedrig hängt kann man aus so einem Termin nur als Sieger rausgehen…”

Grund genug drei erfahrene Frauen in der Eventbranche nach ihren Erfahrungen und Tipps zu befragen. Danke Swantje Marquart (Geschäftsführerin einer Eventagentur), Nadine Imboden (Choreografin und Regisseurin) und Silja Neumann (Senior Projektleiterin), dass ihr tiefe und ehrliche Einblicke gewährt! 😉

Swantje Marquardt, Geschäftsführerin mindact.com

Swantje, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Eventgestalterin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

Mein erster Termin als Projektleitung liegt 14 Jahre zurück. Ich war damals 26 und zugegebenermaßen: jung und unerfahren.

Mein Pendant auf Kundenseite war weiblich, so alt wie ich heute bin und innerhalb der Kundenstruktur die einzige weibliche Person. Alle anderen Ansprechpartner waren männlich – inkl. der Entscheider. Sie fühlte sich in der Rolle des „Hahn – in dem Falle Huhn – im Korb“ und hat mich leider nicht akzeptiert. Sie war nicht einmal bereit mit mir zu telefonieren und fragte stattdessen meinen damaligen Chef „was bringst du hier für einen Kindergarten mit?“ Bei ihr hatte ich allerdings den Eindruck, dass es nicht um meine Unerfahrenheit geht, sondern dass ich weiblich bin.

Mit ihrem männlichen Nachfolger, bin ich dann von Beginn an sehr gut zurechtgekommen. Er war neu und musste sich ebenfalls einarbeiten, was meine Chance war. Ich hatte bei ihm nie das Gefühl, aufgrund meines Geschlechts, nicht ernst genommen zu werden.

Anders sah es bei seinen Chefs aus. Es hat ca. 4 Jahre gedauert, bis auch ich direkt angesprochen oder nach meiner Meinung gefragt wurde. Die männlichen Verantwortlichen der übrigen Fachbereiche (zwischen 35 und 45 Jahre), haben mich zu Beginn ebenfalls nicht ernst genommen. Ein Kollege und Projektleiter in meinem Team (2 Jahre jünger als ich), wurde direkt akzeptiert und als „Buddy“ auf Vorreisen eingeladen an Abendessen oder Drinks an der Bar teilzunehmen.

Nach anfänglicher Frustration habe ich mir vorgenommen zu beweisen, dass ich mehr als willens bin zu lernen, mich reinzuhängen und arbeiten kann wie ein Tier. Das hat mich nur noch mehr angetrieben. Ich habe immer zuverlässig geliefert und mich selbstbewusst präsentiert.

Obwohl ich das nicht immer war.

Und irgendwann war es soweit; ich hatte mir den Respekt und das Vertrauen erarbeitet. Daraus ist heute eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit geworden.

Und das ist auch meine Conclusio: Arbeite fleißig und zuverlässig. Und verdiene dir darüber den Respekt und das Vertrauen. Glaube an dich und deine Fähigkeiten und konzentriere dich nicht auf Ungerechtigkeiten.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Ich spüre bei den Frauen eine Veränderung. Die heutigen Mittzwanzigerinnen kommen mir deutlich selbstbewusster vor, als wir es früher waren. Das Einfordern von Anerkennung über Beförderungen, damit einhergehenden Gehaltsvorstellungen hat sich bereits verändert.

Früher mussten Kolleginnen fast dahin gedrängt werden. Wie soll man ernst genommen werden, wenn man seinen eigenen Wert nicht erkennt?

Frauen und Männer arbeiten immer noch unterschiedlich. Ich bin in meinem Kollegenkreis, von beiden ein großer Fan. Dennoch erlebe ich, dass sich Männer „besser verkaufen“ können. Frauen machen es häufig über die eigentliche Arbeit wett.

Natürlich hat das auch was mit dem Gegenüber zu tun. In der Branche, in der wir arbeiten, ist das Gegenüber bzw. der Entscheider meist männlich. Wenn du als Frau sehr selbstbewusst auftrittst, wirst du schnell als „arrogant“ verurteilt. Als Mann hingegen wirkst du stark. Obwohl es pauschalisierend klingt, erlebt man es so leider immer noch häufig.

Bezüglich der Agenturstrukturen kann man dazu natürlich nicht einheitlich über alle Agenturen reden. Es kommt auf die Führung und die Unternehmenskultur an. In unserem Unternehmen kann sich jeder, egal ob männlich oder weiblich, in der Hierarchie nach oben arbeiten.

Ich sehe aber auch, dass Frauen in der Agenturwelt – zum Beispiel in Key Account Funktionen – deutlich mehr gestärkt werden müssen. Viele Führungskräfte in Agenturen machen häufig einen Rückzieher bei der Positionsbesetzung, weil das Gegenüber (der Entscheider) vermeintlich eher eine männliche Person akzeptieren würde. Da steht man als Chef/in in der Verantwortung genau dagegen zu arbeiten und solche Vorurteile zu bekämpfen.

Sind Frauen in der Eventbranche zu leise, zu zaghaft oder nur nicht mutig genug?

Es hat vermutlich mit der generellen gesellschaftlichen Entwicklung zu tun – nicht nur in der Eventbranche: Frauen werden mutiger!

Allerdings sind Frauen deutlich selbstkritischer und reflektierter als Männer. Was nicht heißen soll, dass Männer es nicht sind, aber vielleicht gehen sie manche Dinge pragmatischer an: „Wird schon werden. Bekomme ich hin“. In dem Fall wünsche ich mir für Frauen mutiger zu sein.

Dennoch glaube ich, dass in unserer Branche in den nächsten Jahren mehr Frauen in Führungsrollen kommen werden. Zumindest auf Agenturseite. Die Kundenseite (je nach Branche) braucht vermutlich etwas länger. Hier herrscht noch viel häufiger veraltetes Strukturdenken.

Dahingehend wünsche ich mir eine faire Behandlung. Frauen sollten nicht anders bewertet werden, wenn es um Beförderungen und Gehälter geht. Es ist nach wie vor ein Unding – beispielsweise dass Frauen in gleichen Positionen noch immer weniger verdienen als Männer.

Da sind uns andere europäische Länder voraus, wenngleich ich keines kenne in dem es keinen Unterscheid gäbe. Aber so groß wie in Deutschland ist er in kaum einem anderen EU Land.

Warum gibt es so viele Erfolgsstories von großen Agenturchefs? Aber kaum von großen Agenturchefinnen?

Es gibt vermutlich mehr Agenturchefs als Agenturchefinnen. Und ich bin überzeugt, dass das weibliche Ego den eigenen Erfolg nicht so sehr nach außen tragen muss, um sich bestätigt zu fühlen.

Welches Vorbild inspiriert dich und warum?

Meine Tante. Sie ist mit über 60, beruflich immer noch erfolgreich; hat über 800 Mitarbeiter.

Schon vor 30 Jahren hatte sie eine Führungsposition und war gleichzeitig eine liebevolle Mutter.

Ich selbst bin auch eine arbeitende Mutter und weiß was es heißt, gesellschaftlich deswegen kritisiert zu werden. Sicher war es vor 30 Jahren noch ganz anders. Frauen wie meine Tante, haben den Weg geebnet und es leichter für Frauen meiner Generation gemacht.

Zudem inspirieren mich Frauen wie Barbara Schöneberger. Sie hat sich in einem männerdominierten Umfeld durch Intelligenz, Humor, Durchhaltevermögen, Fleiß und Können bewiesen und ist für mich DIE Showmasterin im deutschen TV. Sie singt, kann schreiben und zieht mit ihrem Mann zwei Kinder groß. Das inspiriert mich.

Welche Lese/Linkempfehlung hast du zu dem Thema?

Ich lese viele verschiedene Zeitschriften und natürlich springen mich als Frau selbst, Artikel zu dem Thema an. Aber das kann der Spiegel, genauso wie das Magazin Barbara sein.

Ergänzend, ein Satz zu dir – was macht dich aus, welcher Wert ist dir wichtig?

Ich bin ein Teammensch. Empathie und das menschliche Miteinander sind mir sehr wichtig. Was nicht heißt, dass ich von meinen Mitarbeitern nicht auch Einiges erwarte.

Ich glaube fest daran, dass du aus deinen Mitarbeitern das Beste herausholst, wenn du sie gut und fair behandelst. Wenn du offen bist und zuhörst. Das war schon immer meine Leitlinie.

Nadine Imboden, Regisseurin und Choreografin bei Entertainment in Motion

Nadine Imboden ist eine preisgekrönte Regisseurin und Choreografin in der internationalen Show- und Unterhaltungsindustrie. Mit ihren innovativen, temporeichen und aussergewöhnlichen Inszenierungen begeistert sie das Publikum und sorgt immer wieder für Aufsehen und grosse Beachtung.

Nadine, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Regisseurin & Choreographin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

An die schwierigen Anfänge erinnere ich mich gut. Die Skepsis der Männer empfand ich als anstrengend, das Klima kühl und alles etwas zu ernst. Ich habe gelernt; in einer Männer Runde muss sich Frau erst mal beweisen. Kann man aber die Männer überzeugen, sind sie meistens offen, charmant und tolle Kollegen.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Natürlich wäre es schön, wenn Männer und Frauen gleiche Chancen hätten. Ich denke aber, dass wir in dieser Beziehung, auf einem guten Weg sind. Es braucht seine Zeit, eine Gesellschaft zu ändern. Früher waren Frauen zu Hause und es gab klare Hausregeln. Heute begegnen sich die meisten Ehepaare auf Augenhöhe und sind ein Team.

Zum Thema Änderungen in den Agenturstrukturen – wie durch die Frauenquote? Eine Balance zwischen Frauen und Männern wirkt sich in einem Team positiv aus und fördert die Kreativität. Männer und Frauen sind sehr unterschiedlich und diese unterschiedlichen Gefühle bereichern jeden Austausch. Die richtigen Menschen zusammen zu bringen macht für mich die Magie aus. Ich bin aber kein Fan von der Geschlechterquoten, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Sind Frauen in der Eventbranche zu leise, zu zaghaft oder nur nicht mutig genug?

Wahrscheinlich ist es von allem ein bisschen. Vieles hängt auch sicher von der Erziehung ab und ist daher schwer abzuschütteln. Die jüngeren Generationen befreien sich gerade von diesen Zwängen. In den letzten Jahren bin ich sehr oft starken Frauenteams in der Eventbranche begegnet.

Warum gibt es so viele Erfolgsstories von großen Agenturchefs? Aber kaum von großen Agenturchefinnen?

Die Leitung einer Agentur ist mit viel Arbeit und Zeit verbunden. Die meisten Frauen bekommen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, Kinder und müssen Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen. Da sind unregelmäßige Arbeitszeiten und ein Vollzeit Job schwierig.

Aber auch hier zeichnet sich ein Wandel ab und junge Eltern teilen sich oft die Kindererziehung. Dazu kommt, dass sich das Homeoffice bewährt und das kann vor allem mit Kleinkindern sehr hilfreich sein.

Welches Vorbild inspiriert dich und warum?

Für mich ist Jennifer Somm ein Vorbild! Sie war CEO bei Rufener, einer der größten Eventagenturen in der Schweiz und anschließend CEO der Bernexpo Group. Jennifer hat Visionen, viel Mut und ist unglaublich kreativ. Dabei führt sie ihr Team charmant und zukunftsorientiert.

Weitere tolle Frauen, die mich in meiner Laufbahn ebenfalls inspiriert haben, sind Ulrike Plesser und Monika Graf. Beides tolle Regisseurinnen! Und nicht zu vergessen: Bala Trachsel, CEO & Managing Partner bei der Republica AG.

Starke und mutige Frauen die Leidenschaft und Kompetenz vereinen.

Ergänzend, ein Satz zu dir – was macht dich aus, welcher Wert ist dir wichtig?

Ehrlichkeit und Respekt sind mir sehr wichtig! Am Ende geht es um die Kreation und nicht um die einzelnen Egos. Letztendlich wirkt sich der Spaß im Team, immer positiv auf das Endergebnis aus.

Frauen in der Eventbranche // Photo by roya ann miller on Unsplash

 

Silja Neumann, Senior Projektmanagerin in München

Silja, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Projektmanagerin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

Bei meinem Berufseinstieg habe ich dieselben Erfahrungen gemacht, wie jede andere Frau die ich kenne auch: männliche Kollegen haben immer etwas lauter auf sich aufmerksam gemacht und waren deutlich überzeugter von ihrem Können. „Laut sein“ wird natürlich eher gesehen und dem entsprechend von männlichen Vorgesetzten mit Gehalt und Beförderung belohnt.

In zahlreichen Meetings saß ich als einzige Frau, ahnungslosen Alphamännchen gegenüber – dass ist als Berufsanfänger schwierig. Aber mit zunehmender Erfahrung, lassen sich da auch viele meiner sehr guten Eventkolleginnen nicht mehr die Butter vom Brot nehmen.

Heute kann ich glücklicher Weise sagen, dass ich durch meine berufliche Erfahrung, damit keine Probleme mehr habe.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Es ist leider flächendeckend so, dass Frauen sehr oft benachteilig werden. Bei den Themen Gehalt und Führungspositionen ist es nicht nur ein agenturspezifisches Phänomen. Das ist etwas Strukturelles und fängt damit an, dass es super schwierig ist einen Krippenplatz zu finden und Frauen mit Kindern, automatisch nicht mehr für Führungspositionen vorgesehen werden.

Wenn wir das Potential von unzähligen, gut ausgebildeten Frauen – die bereit und fähig sind in die Verantwortung zu gehen – voll ausschöpfen wollen, dann muss sich strukturell etwas ändern.

Wir sollten ermöglichen das Arbeitsplätze und Führungspositionen gesplittet werden können. So dass sich zwei gleich qualifizierte Mitarbeiter eine bis eineinhalb Stellen teilen könnten.

Das sollte sowohl für Mütter als auch Väter – ohne Karriereknick – ermöglicht werden. So hätten Frauen wieder eine größere Chance auf den Berufseinstieg inkl. Führungsposition.

Zudem benötigt es dringend eine Steuerreform. Frauen mit Kindern sind nach wie vor steuerlich benachteiligt. Mit einer Reform wäre es für Mütter wieder attraktiver zurück in den Beruf zu gehen. Dazu benötigt es natürlich Krippenplätze und Ganztagsschulen, mit gut ausgebildetem und entsprechend entlohntem Personal.

Solange sich keine Änderung einstellt, finde ich ist die Frauenquote kein schlechtes Instrument. Das bedeutet ja nicht, dass deshalb automatisch unfähige Frauen auf Positionen geschoben werden, die sie nicht erfüllen.

Grundsätzlich habe ich einfach ganz viel Hoffnung in die junge Generation! Wenn ich mir meine Neffen anschaue, die zwischen 20 und 14 Jahre alt sind, dann sehe ich tolle junge Erwachsene, die die Welt zum Glück anders sehen, als die „Alten“. Ich hoffe die nachfolgenden Generationen von Frauen, wird es etwas leichter haben. Da freue ich mich über jede tolle Frau in der Öffentlichkeit, wie jetzt Kamala Harris.

Vielen Dank euch für diese Gedanken – ihr Frauen in der Eventbranche rockt den Laden!

Frauen in der Eventbranche – wie geht es weiter?

Übrigens: Beim Podcast hören (siehe Einstieg) viel mir sofort eine gute Frage ein, um das Gegenüber immer (!) zum Denken zu bringen: Was soll nach dem Event anders sein als vorher? Welche Wirkung erhoffen sie sich? Woran merken die Besucher eine Transformation durch das Event? Wie denken, fühlen, handeln sie anders durch das Event? Wer diese Frage stellt hat immer die Aufmerksamkeit des Mannes gegenüber. Denn dann müssen wir denken…

Frage: Gerne würde ich hören wie es euch als Frauen im Eventbereich mit diesem Thema geht? Was muss sich ändern? Wie gelingt das? Welche Tipps habt ihr? Was kann ich als Mann lernen und wie den Umgang mit Frauen besser gestalten? Ich bin gespannt auf die Diskussion über LinkedIn oder Facebook.

Teaser: Diesen Sonntag, den 22.11. starte ich meinen Podcast “Events im Wandel – What’s Next?”. Stay tuned & enjoy 😉

Das 1×1 der Bildgestaltung von Livestreams

Bildgestaltung bei Livestreams // Photo by Mick Haupt

 

 

Aktuell transformiert sich die Eventbranche. Sogenannte „Hybride bzw. digitale Events“ sind in aller Munde. Um gleich mit einem Missverständnis aufzuräumen: Das sind eigentlich keine „digitalen Events“. Es gibt nur analoge Ereignisse, die digital übertragen werden. Ein digitales Event ist wenn Avatare sich treffen, wir uns virtuell in einer VR Welt bewegen oder feiern wie es das Musikfestival Tomorrowland vormacht.

 

Um mit unseren analogen Ereignissen, die digital übermittelt werden, Wirkung zu erzielen gelten immer noch die bekannten Grundsätze. Es braucht ein klares Konzept: Was will ich erreichen? Was soll durch den Livestream nachher anders sein als vorher? Mir hilft es diese Kernfrage der Kommunikation zu beantworten.

 

 

Die drei Ebenen der Livestream Umsetzung

 

Wenn die grundsätzlichen Ebene klar ist, müssen in der Umsetzung immer drei Komponenten parallel gedacht werden:

 

  • Inhalt
  • Bild- und Tontechnik
  • Bild- und Tongestaltung.

 

Jeder Aspekt für sich ist wichtig, ich konzentriere mich aber auf die Bildgestaltung. Meine Kernkompetenz als Regisseur ist die Inszenierung. Für mich ist das die Kombination von INHALT und VERPACKUNG: Was ist für die Zielgruppe der wirklich relevante Inhalt? Was konkret ist neu und bedeutsam? Wie verpacke ich die Information für welche Zielgruppe unterhaltsam und emotional? Wenn die Dramaturgie steht entwickeln wir die passende Verpackung. Hier meine Erfahrungen, worauf in der Bildgestaltung zu achten ist:

 

 

7 Tipps für die Bildgestaltung von Livestreams

 

1) Location bzw. Bühne: Wer sagt, dass es wie bisher die klassische Talkbühne sein muss? Lasst uns neu denken. Der Ort oder die Kulisse kann auf den ersten Blick besser als 1000 Worte vermitteln, worum es hier jetzt geht. Natürlich ist weniger mehr. Wir dürfen dabei alles, nur nicht langweilen. Daher großes Gebot der Stunde: Visuell reizvoll sein und damit visuell auf die Kernidee des Events einzahlen. Ganz wichtig ist es dabei Tiefe zu liefern. Jeder Fotograf weiß: „Vordergrund macht Bild gesund“. Ein gutes Bild arbeitet immer mit drei Ebenen: Vordergrund, Objekt, Hintergrund. Das erzeugt Tiefe im Bild. Ein Hintergrund wie Backsteinwände oder eine abstrakte Struktur erzeugt mehr Spannung als der nackte, anonyme, weiße Backdrop.

 

2) Kameraanzahl und -perspektiven: Bewegtbild heißt Bewegtbild, weil es bewegt ist. Jedes Kamerabild sollte „Spiel haben“. Sich bewegen, leicht an eine Person „ranatmen“. Inhaltlich kann ein Bild auch einmal stehen, aber bitte nicht für 20min. Alles schon erlebt – natürlich schaltet dabei jeder weg oder innerlich ab. Anders als beim Event braucht der Zuschauer Orientierung. Denn er kennt den Raum ja nicht. Eine Totale schafft also Überblick und ist wichtig für Online-Zuschauer: Wer sitzt da alles auf der Bühne? Ein fahrbarer Bühnenboden erlaubt Studiokameras ruckelfrei zu fahren und somit Bewegung im Bild.

 

Für ein Gespräch benötige ich mindestens drei Kameras: Eine Totale als Etablierung und Verbindung der Talkgäste. Und jeweils eine Kameraeinstellung, die über Kreuz den Sprecher nah zeigt. Wenn es das Budget zulässt hilft ein Kran oder SteadyCam noch mehr Bewegung ins Bild zu bekommen. Daimler bietet eine schöne Option für Onlinezuschauer bei Pressekonferenzen: Man kann sich neben dem Programmschnitt auch die einzelnen Kameras jederzeit selbst auswählen.

 

3) Bildausschnitt: ALLES hat eine Wirkung. Ob die Kamera sich auf Augenhöhe befindet oder mich die Rednerin von oben herab anschaut sagt etwas aus. Diffus für den Zuschauer wahrnehmbar, aber als Gestalter wissen wir um diese Wirkung. Natürlich gibt es gestalterische Grundsätze zu beachten wie den goldenen Schnitt, Blickachsen (kein Achssprung) und Personen im Bild so zu framen, dass sie Luft zum agieren behalten. Auch die Anordnung von Live-Kamera und weiterer Bildinhalte wie eine PPT in einem PiP (Picture in Picture) will bedacht sein. Kürzlich sah ich einen Livestream, wo immer dasselbe Vollbild eingeblendet wurde um den Rednerwechsel im Set zu kaschieren. Mit etwas mehr Aufwand hätte es kurze Bumper-Animationen gegeben, die thematisch überleiten – ob aufwändig oder nur eine Tafel mit der Überschrift. Alles hätte geholfen, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Das A&O bleibt kompetentes Personal, welches ein gutes Gefühl für Bildgestaltung hat und emotionsgeladene Momente rechtzeitig antizipiert.

 

4) Schnitt: Die Sehgewohnheiten differieren je nach Zielgruppe: Generation Z ist an schnelle Schnitte und kurze Clips unter 1:30min gewöhnt, alle über 80 haben sich an langsamere Erzählungen gewöhnt. Das will ich nicht bewerten, nur auf das andere Erzähltempo hinweisen. In jedem Fall setzen wir Reize, indem immer wieder Bildwechsel stattfinden. Wenn man sich eine Talkshow ansieht entdeckt man, dass es immer um Aktion und Reaktion geht – also die Sprecher, aber auch was das Gesagte im Gegenüber auslöst. Bei Shows wird das Publikum genutzt, um diese Reaktionen zu spiegeln – wo das Corona-bedingt nicht möglich ist hilft es zumindest die Reaktion des Gesprächspartners zu zeigen. Auch hier braucht es Bildmischer, die Gefühl für Timings, Emotionen wecken und Momente haben. Der selbe Schnitt ein Hauch früher oder später gesetzt macht nicht nur bei Hitchcock den Unterschied aus.

 

5) Licht und Ton: Mit Licht wie Ton schaffen wir Atmosphäre, vermitteln Stimmungen und setzen Reize. Die Basis beim Licht bildet die 3-Punkt-Beleuchtung. Wie häufig erlebe ich jedoch, dass das Hinterlicht fehlt, Schatten die Augenhöhlen verdunkeln oder Aufhellungen aus den Kameraachsen fehlen. Und dabei reden wir noch gar nicht über Showlicht-Effekte. Ein guter Bildingenieur sorgt für den Weißabgleich und kann dann Szenen kontrolliert warm oder kalt wirken lassen – je nach gewünschter Botschaft und Wirkung.

 

Zu der Bedeutung von Sounddesign bei Events habe ich bereits geschrieben. Fehlender Ton lässt schneller abschalten als ein fehlendes Bild. Bei Liveschalten achte ich zumindest auf guten Raumton ohne Hall und Störquellen auf der anderen Seite. Hier aber noch eine Idee für Livestreams: Was macht ASMR mit dir? Setz dir unbedingt Kopfhörer auf und hör rein:

 

 

Wer sagt, dass digital nur der Seh- und Hör-Sinn angesprochen werden kann? Pures Kopfkino, welches ganz anders fühlen lässt. Wie wäre es beispielsweise mit einem Haarschnitt, einer Kopfmassage oder medizinischen Check Up in einer Pause zwischen zwei Online-Sessions? Dieses Stilmittel an der richtigen Stelle eingesetzt: Was könnte das bewirken…?! Und klar, das verursacht natürlich Mehraufwand und muss wohl dosiert eingesetzt werden…

 

6) Akteure: Zentral ist es, dass die Akteure Verbindungen aufbauen. Die Kommunikationsexpertin Nancy Duarte spricht von RESONANZ. Das kann man auch auf einen guten Livestream münzen: Verbindungen aufbauen durch Direktansprache in die Kamera mit dem Publikum, aber auch untereinander bei einem Talkpanel. Ein wichtiges Detail ist die Kleidung – nicht nur von der psychologischen Farbwirkung her gedacht. Praktisch verursachen kleinkarierte Hemden den Moiré-Effekt oder grüne Farben vermasseln den Greenscreen-Effekt. Und ja, ein inneres Lächeln hilft Sprechern Empathie trotz der digitalen Übertragung zu vermitteln. Zuschauer spüren, ob das Gegenüber mit mir in Beziehung treten will oder nur den Text runterrasselt.

 

7) Streaming: Abschließend ein kleiner Ausflug in Richtung Technik. Server mit nicht ausreichenden Kapazitäten haben mir schon ein paar Mal bei Livestreams den Spaß verdorben… Der Inhalt und die Bildgestaltung kann noch so gut sein – wenn der Upload nicht klappt oder die Bild-Ton Synchronität nicht passt, ist alle Mühe umsonst. Insofern lautet die Devise: Testen, testen, testen. Der andere Teil betrifft die Vermarktung: Wie stösst die relevante Zielgruppe überhaupt auf meinen Livestream?

 

 

Fazit: Proben, proben, proben!

 

Bei allem: Kürzer ist besser, Abwechslung ist elementar, Proben das Erfolgsrezept. Die Vorteile von Livestreams sind für mich die Kontrollierbarkeit (wer sagt das es wirklich LIVE sein muss – es kann ja auch eine am Tag vorher aufgezeichnete Version sein bei dem lediglich das Q&A live ist), der Fokus auf Inhalte, die sitzen müssen (Redner verzetteln sich weniger, weil Texte vom Prompter gelesen werden) und eine potentiell größere Reichweite im Nachgang durch Abruf „on demand“. Da lohnt sich jeder Schweißtropfen für gute Qualität.

 

Zwei Missverständnisse machen unser leben jedoch schwer: Oft meinen Kunden aktuell, dass weil es ein „digitales Event“ ist, das Projekt billiger wird und gar nicht proben muss. Ein Zoom Call mit einer amtlichen Produktion zu verwechseln ist ein Kardinalsfehler. Wie ich eingangs schrieb: Es braucht ein analoges Ereignis, was von sich behaupten darf wirklich ein EREIGNIS zu sein. Dieses inhaltlich wie gestalterisch zu verdichten und somit spannend über die digitalen Kanäle zu erzählen ist Neuland. Es bedarf guter Vorbereitung, um Zuschauer-Bindung, ein interaktives Erlebnis und letztlich Wirkung zu erzielen.

 

Lasst uns voneinander lernen und Qualität liefern!

 

80% der Corporate Event Livestreams zeigen talking heads. Das ist im TV genauso, allerdings ganz anders verpackt. Jede TV Talkshow oder News-Format ist um Welten besser was Kulisse, Beleuchtung, Kameraarbeit, Einspielerfilme, redaktionelle Arbeit, Emotion wecken betrifft als unsere „Digital Events“ aktuell. Warum lernen wir nicht von TV, Werbung, Kino und erziehen unsere Kunden gleich mit, dass Livestreams eben nicht billiger und schneller gehen – sondern etwas mit wohl durchdachter, geplanter und produzierter Wirkung zu tun haben, die sie ja erreichen wollen. Dazu braucht es Zeit, Geld und Kompetenz.

 

Ich glaube, der Invest und die Mühen auf dem Weg dahin werden sich auszahlen. Nicht zuletzt für unsere Event-Branche, weil wir eben Wirkung erzielen, die sich sehen und messen lässt. Anders als TV-Formate können wir auch was die Interaktivität betrifft Innovation pionieren. Dazu braucht es Mut, Schritte ins (noch) Unbekannte zu gehen: Passion, Kreativität und die Sehnsucht das Neue, Unmögliche, Innovative zu realisieren (ok, etwas pathetisch – aber Agenturen wie Onliveline lassen das erahnen 😉). Aber so, wie zumindest aktuell viele Livestreams in der Bildgestaltung laufen, sehe ich jedoch unsere Branche sich selbst ein Grab schaufeln. Lasst uns endlich Qualität liefern, wir können das!

 

 

Linktipps:
Digital Event: Meine drei Learnings
Digitale Events: Analyse der US-Parteitage
Acht Tipps, wie ein Livestream zum Erfolg wird

 

Digital Event: Meine drei Learnings

Digital Event – worauf es bei der Gestaltung ankommt

 

 

Kürzlich wurde ich gefragt: “Was ist denn das Problem? Kann man ein Offline Event nicht einfach in ein digitales Event wandeln?

 

Klar, kann man. Nur die Spielregeln sind anders: Drei der fünf Sinne werden ausgeschaltet. Es muss visuell aufwändiger produziert werden. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer ist viel umkämpfter. Das gehört zum New Normal. Wer das übersieht sendet vielleicht einen Livestream, aber keiner schaut zu.

 

Hier drei meiner Learnings aus den letzten Monaten Digital Event:

 

 

1. Der Kampf um die Aufmerksamkeit

 

Für ein klassisches Event nehme ich mir Zeit. Ich reise an einen Ort, nehme mich bewußt raus aus meiner gewohnten Umgebung. Bei einem digitalen Event buhlen gleich mehrere Reize um meine Aufmerksamkeit: Die Email, die aufploppt, eine kurze Frage über Slack oder WhatsApp oder ein Familienmitglied im Home Office. Im Publikum sitzend stehe ich mitten im Vortrag nicht einfach auf. Wenn ich den Livestream weg klicke, bekommt das aber noch nicht mal die Katze mit.

 

Entsprechenden Mehrwert muss jeder Satz, jede Minute liefern, damit Gäste dranbleiben. Inhaltlich bedeutet das die Verkürzung auf das Essentielle, welches eindeutigen Nutzen bietet. Das ist die Herausforderung, die wir meistern müssen. Alles ist erlaubt, nur nicht langweilen. Der Mut zum Weglassen wird belohnt: Von Zuschauern, die dran bleiben. Dabei hilft gleich zu Beginn herauszustellen, weshalb sich das lohnt. Und dann zu liefern: eine relevante Story gut verpackt. Apropos Verpackung: Wer präsentiert wie? Ist die Moderatorin sympathisch, kann der Chef Englisch, überzeugen die Experten auch rhetorisch? Wenn alles stimmt, kommen wir vom informieren zum inspirieren, vom konsumieren zum diskutieren, vom statischen Bühnenset zum dynamischen Erzählen (Apple macht da einen guten Job).

 

 

2. Mehr Kommunikation: schon vorher, während und danach

 

Die “Customer Journey” rückt in den Mittelpunkt. Ja, man ist schnell mal online angemeldet. Aber es muss vielschichtiger vorab kommuniziert werden, um die No-Show-Rate für das Digital Event zu minimieren. Wer klug ist nutzt den Prozess, um nicht erst beim Event in den Dialog zu treten. Gezielte Abfragen vorab liefern Erkenntnisse über Kontext und Erwartungen der Zielgruppe. Die Hinweise fließen in die Gestaltung des Programms ein. Auf einmal sind wir inmitten von Co-Creation und lassen das eindimensionale Sender > Empfänger Modell hinter uns. Ein konstanter Spannungsbogen über alle Kommunikationsmaßnahmen ist der Schlüssel.

 

Dabei Mut haben zu Offenheit. Das ist zwar ein Kontrollverlust für Unternehmen, aber bietet die Chance auf ganz neue Lösungen zu stossen. Und ja, das ist alles Aufwand. Aber den muss ja niemand einmalig betreiben. Eine Community kann dabei entstehen. Bei all dem werden Moderatoren noch wichtiger – nicht nur On Screen sondern auch im Dialog über Chat & Co.

 

 

3. IT Spezialisten – Schlüsselpartner für das Digital Event

 

Digital Events brauchen neben allen bisherigen Event-Gestaltern neue Partner: starke IT Spezialisten. UX Designer und Programmierer, die stabile wie “user friendly” Plattformen konzipieren, designen, programmieren. Dabei können wir lernen, wie wir agil arbeiten. Anders klappen digitale Events mit oft noch engeren Timelines sowieso nicht. Ach ja, Serverkapazitäten sind echt ein Thema. Nur ein Tipp: testen, testen, testen!

 

 

Digital Event = Neuland

 

Bei allem: Lasst uns gnädig miteinander und uns selbst sein. Wie schon Bundesminister Jens Spahn sagte: „Wir werden wahrscheinlich einander viel verzeihen müssen.“ Begreifen wir es als Chance zu experimentieren und Neues auszuprobieren. Was mal die Bühne wahr, muss sie nicht mehr bleiben. Wir können ganz anders erzählen und in den Dialog treten. Natürlich braucht es neben Fleiß und Schweiß ein durchdachtes Setup, digitales Storytelling und Proben, Proben, Proben.

 

Frage: Was hast du bei Digital Events gelernt? Wo liegen die Pain Points für dich? Ich würde mich sehr auf deinen Kommentar freuen oder schick mir eine Email!

 

 

Linktipps zum Digital Event:

11 Tips für Online Präsentationen von Slido

6 Schritte zum erfolgreichen Online-Event

Welcher Beitrag hat dich inspiriert – schick mir den Link 😉

 

Event: abgesagt! Lösung: Livestream

Livestream als Ersatz für Events in der Corona Krise // Photo by Waldemar Brandt

 

 

Tsunami. Erdrutsch. Unvorstellbar. Anders kann ich es nicht in Worte kleiden. Was gerade überall, aber ganz spürbar in der Eventbranche geschieht ist nie da gewesen. Auch mein Kalender wurde leer gefegt. Die Konsequenzen werden heftig sein. Aber: Krisen bieten immer auch Chancen. Chancen der Veränderung. Ich bin nach wie vor Fan von Live-Events. Raus aus dem Alltag. Rein in ungewohnte Umfelder. Da sind wir offen für neue Ideen. Offen für neue Ideen sind wir derzeit alle. Wir brauchen sie dringend, gerade jetzt!

 

In den letzten zwei Wochen haben einige mutige Veranstalter ihre Events spontan digital als Livestream umgewandelt. Gute Ideen müssen nicht in die Tonne. Lasst uns die Möglichkeiten der Digitalität in dieser Krisensituation nutzen. Weil ich selbst ein ursprünglich als Veranstaltung geplantes Event letzte Woche kurzfristig als Livestream umsetzen durfte, hier ein paar Eckpunkte, auf die es dabei zu achten gilt – ergänzt gerne in den Kommentaren!

 

 

1. Idee bleibt King

 

Egal ob on- oder offline: Die Idee muss überzeugen. Die Botschaft ist das A&O. Haben wir etwas zu sagen, dann bleibt die Botschaft auch wichtig zu kommunizieren. Nur eben über einen anderen Kanal: Digital als Livestream. Dabei rücken die Protagonisten noch stärker ins Zentrum. Ohne Publikum, was auf die Botschaft reagiert, fehlt die Möglichkeit, Emotionen zu transportieren. Es liegt also rein an den Machern, echte Verbindungen zum Publikum aufzubauen – der Funke muss überspringen! Dabei geht es wie sonst auch darum, Menschen zu Beteiligten zu machen. Das Erlebnis darf keine Einbahnstraße sein, sondern muss bi–direktionale Erlebnisse schaffen. Dazu gibt es vielfältige Möglichkeiten, nutzen wir diese!?

 

Elementar bleibt die Dramaturgie des Livestreams. Welche Abwechslung und Überraschung bricht den Verlauf auf? Formate können gezielt wechseln. Auf kurze Impulse folgen Diskussionsrunden, Showcases, Filmeinspieler, Fun-Parts & Gamification…

 

 

2. Detail, Timing, Exzellenz

 

Mein Dreiklang gilt nicht nur für Events. Livestream ist wie Fernsehen. Da ich über 10 Jahre als Aufnahmeleiter bei Fernseh-Musikshows gearbeitet habe, weiß ich aus Erfahrung: hier muss alles hundertprozentig sitzen. Der Teufel steckt im Detail! Das Kamerabild MUSS anders als beim Live-Event produziert werden. Dem Ton kommt eine noch elementarere Bedeutung zu, um Stimmung zu transportieren. Gerade was das Timing betrifft, werden Proben noch relevanter (ja, ja, ich weiß, aber GLAUBT MIR!). Übergänge müssen nicht nur inhaltlich sondern vor allem für und mit Kameras reibungslos laufen. Und nicht nur auf Senderseite sondern auch bei den Menschen an den Bildschirmen – um Dialog zu etablieren ist ein möglichst geringer Zeitversatz nötig. Exzellent wird das Erlebnis, wenn es Interaktionsvielfalt zwischen den Akteuren schafft, wie zum Beispiel durch Live-Umfragen, Meinungstools, etc. So entsteht ein Miteinander auch ohne Tuchfühlung, Häppchen und Gläser-Klirren.

 

 

3. Livestream: Technik & Community

 

Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Experten, die in allen Belangen von Bild- über Tongestaltung bis zum Upload unterstützen. Gerne stelle ich hier Kontakte her. Noch wichtiger erscheint mir aber, ein Gefühl von Miteinander bei den Zuschauern erzeugen zu können. Dazu braucht es gute Tools und fähige Community Manager, die auf anspruchsvolle Anfragen reagieren können und den Livestream zu einem echten Erlebnis machen. Oft sitzen diese in den Unternehmen – schließlich kennen sie ihre Zielgruppen am Besten. Neben den zu übertragenen Bildern braucht es eine durchdachte Plattform mit weitergehenden Informationen und eine User Experience optimierte Oberfläche.

 

Fazit: Worauf warten wir noch? Den Verlauf des Virus können wir nicht ändern. Aber unsere Einstellung dazu schon. Lasst uns die Möglichkeiten der Digitalität nutzen!

 

Disclaimer: Selbstverständlich gibt es bei der Produktion eines Livestreams noch einige Punkte mehr zu berücksichtigen, gerade im Blick auf Ansteckungspotentiale, etc. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich hier ebenfalls nicht nur Probleme, sondern auch Möglichkeiten finden lassen.

 

Wissensmanagement – der Schlüssel für Effizienz, Klarheit und Wachstum

Wissensmanagement // Stadtbibliothek Stuttgart by Kuma Kum

 

 

Jedes Event ist einzigartig. Dennoch gibt es Standards, auf die man sich bei der Planung verlassen kann. Warum gerade junge Nachwuchskräfte im Dunkeln tappen lassen, weil die Zeit mal wieder knapp ist? Nicht alle Fehler müssen wiederholt werden. Deshalb habe ich die Qualitäts- und Wissensmanagerin Anne von Brockhausen gefragt, welche Tools uns aus dem Wissensmanagement für Eventplanung helfen können. Bitteschön:

 

 

Was alle Unternehmen eint

 

Für mich haben alle erfolgreichen Unternehmer und Geschäftsführer eins gemeinsam: Sie sind Machertypen. Sie treiben ihre Themen voran, motivieren Mitarbeiter und Kunden. Sie wünschen sich, dass der Arbeitsalltag reibungslos abläuft.

 

Dabei stolpern sie aber immer wieder über zwei Themen:

 

  • Kein einheitliches Verständnis zwischen den Kollegen hinsichtlich der Verantwortlichkeiten sowie
  • das Fehlen von internem Firmenwissen aufgrund unzureichender oder fehlerhafter Kommunikation untereinander führen dazu,

 

dass Dinge gar nicht oder fehlerhaft ausgeführt werden.

 

 

Wie sich Unternehmen bei Wachstumsschritten verändern

 

Und doch sind diese Unternehmen trotz allem erfolgreich, aber warum? Meiner Meinung nach liegt der Grund hierfür vor allem an den Wachstumsschritten erfolgreicher Organisation. Strukturen und Kommunikationswege verändern sich bei 3 → 9 → 30 → 90 → 300 Mitarbeitern. Das sorgt für immer wieder für Unruhe und neue Probleme, wenn die alten gerade gelöst sind.

 

  • Im ersten Fall sitzen die Kollegen noch in einem Raum.
  • Danach trennt sie bereits eine Wand.
  • Bei 30 teilen sie sich auf zwei Flure und in Abteilungen auf.
  • Ab 90 Mitarbeitern werden zusätzliche Stabsabteilungen eingezogen.

 

All das macht die Arbeitswelt nicht einfacher für Event’ler. Darüber hinaus sind die Junioren nicht auf dem Wissensstand der Senioren und langjährige Mitarbeiter verharren, weil „Das schon immer so gemacht wurde.“ In den zwanzig Jahren als Angestellte und Beraterin in unterschiedlichsten Unternehmensgrößen fand ich das immer wieder als Ursache für die vorhandenen Probleme vor.

 

 

Woran es bei allen immer wieder fehlt

 

Am Beginn fehlt oft das Basiswissen, dass für alle in einer Branche gleich ist. Egal in welcher Organisation ich anfing zu arbeiten oder zu beraten: Kaum einer konnte mir ein simples Mitarbeiterbuch zeigen, in dem die Leitplanken, in denen ich mich bewegen durfte, definiert wurden. Immer musste ich mir mühsam einen Überblick verschaffen:

 

  • Wer macht was?
  • Bis wohin darf ich entscheiden?
  • Wen muss ich ansonsten fragen?
  • Was muss ich machen, wenn ich auf Dienstreise gehen will?
  • Welche Vorlagen oder Präsentation muss ich für welchem Zweck verwenden?
  • Wie sind die Arbeitsprozesse und wo finde ich geeignete Dienstleister?

 

Das kostete jeden Mitarbeiter Zeit bis er wirklich produktiv arbeiten konnte. Und gerade in den ersten Tagen hätte ich mehr als genug Zeit gehabt mich mit solchen Dingen intensiv auseinanderzusetzen.

 

 

WIKIpro – das Tool für MEHR Standards im Wissensmanagement

 

Deswegen habe ich in 2013 gemeinsam mit meinen Kunden auf Basis einer Wiki-Technologie die digitale Wissensmanagementplattform WIKIpro entwickelt. Diese Art von Plattform zeichnet sich vor allem durch ihre perfekten Suchalgorithmen aus. Klar, war es Arbeit, das Wissen erst einmal dort einzuspielen. Aber jetzt nach sieben Jahren und zahlreiche Kundenprojekte später sieht der Wissensstrukturbaum immer gleich aus. Viele Inhalte, die bei allen Organisationen vorkommen, sind bereits vorgeschrieben und müssen nur noch individualisiert werden.

 

In rund 30 Projekten testeten wir, was die Menschen im Unternehmenskontext wirklich brauchen. Die Einarbeitungszeit neuer Mitarbeiter konnten wir in vielen Fällen von zwei Monaten auf zwei Wochen deutlich verringern. Prozesse, Checklisten für die Planung, ein Pool von Dienstleistern und Tools lassen sich zentral festhalten und kontinuierlich verfeinern. Und in jedem Unternehmen gab es Menschen, die begeistert das jeweilige Wiki mit Wissen gefüllt haben.

 

In der Regel fingen alle spätestens damit an, wenn einer der erfahrenen Kollegen mit all seinem Fachwissen das Unternehmen verlässt. Egal ob via Video, in Bildern, als Sprachaufnahme oder getippt, alle Formate lassen sich wunderbar in Wikis einbinden. Denn wenn der Mitarbeiter erst einmal weg ist, ist es gar nicht so einfach, Strukturen und Netzwerke wieder neu aufzubauen. Ein kurzer Blick ins Wiki kann da Wunder bewirken und viel Zeit sparen.

 

 

Für Klarheit und Verlässlichkeit sorgen

 

Für mich in meinen Beratungsprojekten heute, ist immer eine meiner erste Amtshandlungen, die Dinge, die in einem Unternehmen einfach und klar zu bestimmen sind in WIKIpro festzuhalten. Dann weiß jeder Bescheid, wer für was zuständig ist und wie weit er sich alleine bewegen darf. Die Standardsachen sind ein für alle Mal geregelt und werden unbürokratisch und für alle sichtbar geändert. Statt unnötig zu diskutieren, können die Mitarbeiter ihre Kapazität dort einsetzen, was ihr Hauptjob ist.

 

Denn damit verdienen Sie Geld – mit den unnötigen immer wiederkehrenden Diskussionen nicht.

Also fangen Sie lieber heute an und nutzen Sie ihre Zeit ab sofort deutlich sinnvoller als bisher!

 

 

Wissensmanagement Event Anne von Brockhausen Norm-KonformMit detektivischem Feinsinn versucht Anne von Brockhausen den Arbeitsalltag von Unternehmern und ihren Mitarbeitern zu erleichtern. Ihre ersten zehn Jahre des Berufslebens verbrachte sie sowohl in unterschiedlich großen Unternehmen als auch in verschiedenen Branchen. Alles Wissen, das sie dort lernen konnten nutzt sie seit 2009 in ihrem eigenen Unternehmen und hat seitdem mehr als 80 Organisationen beraten. Und überall, wo ihr der Alltag zu mühsam erscheint, entwickelt sie gemeinsam mit einer B2B-Online-Agentur einfache digitale Werkzeuge. So entstand 2013 WIKIpro für digitales Wissensmanagement. In 2020 wird die Plattform Udoku im Medizinproduktebereich auf den Markt kommen.

 

 

Frage: Mit welchen Wissensmanagement Tools arbeitet ihr in eurer Agentur? Welche Erfahrungen macht ihr damit?

 

EXPERIENCE DESIGN // ADC Seminar

Experience Design ADC Seminar

 

 

EXPERIENCE DESIGN ist in aller Munde. Nicht ohne Grund gab es im Oktober seitens des ADC ein Seminar dazu in Hamburg: “Wie designen wir Erlebnisse, die Wirkung erzielen? Die nicht nur gut in einem Case Film dokumentiert oder medial verbreitet werden können, sondern die tatsächlich prägenden Einfluss auf diejenigen haben, die sie direkt und unmittelbar erleben?”. Cedric Ebener kuratierte dazu sechs hochkarätige Speaker, die auf Teilnehmer von Senior bis Director Level samt einigen Unternehmensvertretern trafen.

 

Wichtig dabei war den Gestaltern der Gedanke, dass diverse Disziplinen längst nicht mehr nur nebeneinander existieren, sondern immer intensiver miteinander vernetzt auftreten und arbeiten. Marken bauen Hotels, Retail-Stores werden zu Eventflächen, Messeauftritte werden an der Aufenthaltsqualität gemessen etc. Was können also die einzelnen Disziplinen voneinander lernen, wie befruchten und ergänzen sie sich am besten? Ich habe Pat Kalt gebeten seine Eindrücke und Blicke über den Tellerrand für die Event Community zusammenzufassen…

 

 

Experience Design im Eventkontext

 

Durch die Veranstaltung führte Cedric Ebener (CE+Co), der zu Beginn des Seminars auf eine gedankliche Exkursion einlud und das Thema „Experience“ ganz allgemein beleuchtete. Pat Kalt (tisch13) zeigte in seinem Panel ausgewählte Event-Trends der letzten Jahre und hinterfragte das Denken in Formaten und Schubladen. Robin Palleis (Milla&Partner) untersuchte in seinem Beitrag Projekte an der Schnittstelle zwischen räumlicher, analoger und digitaler Gestaltung. Fabian Tank (Going Places) wiederum stellte mit einem Hospitality-Stadtenwicklungsprojekt ein ungewöhnlich großes und komplexes Projektformat vor.

 

Christian Schmachtenberg (Hochschule Kaiserslautern) präsentierte aktuelle digitale Trends aus der Hochschulforschung und berichtete von den Vorbereitungen zum Burning Man Festival 2021. Karen Klessinger (Dan Pearlman) nahm die Teilnehmer mit auf eine Reise durch innovative Retail- und Mixed-Use-Konzepte im Retail-Bereich. Zum Abschluss des zweitägigen Seminars berichtete Joachim Kortlepel (Jung von Matt) wie Brand Experience als Treiber für ganzheitliche Kampagnen funktionieren kann.

 

 

Experience Design ADC Seminar

 

 

Agenturen fehlen die Experience Designer

 

Christian Schmachtenberg ergänzt: “Die Agenturwelt redet von technologischen Revolutionen hat aber keine Mitarbeiter die das umsetzen können. Demnach mein Appell an die Kollegen: stellt „kreative Technologen“ ein – sie sind diejenigen, die im Team dem Erlebnis eine neue Dimension verleihen können.”

 

Die Bühnenshow der Zukunft ist ein schönes Beispiel dessen: hier haben die Studierenden eine Show entworfen und umgesetzt die mit dramaturgischen, inszenatorischen und technologischen Mitteln einen Schritt weitergegangen ist. Der Clue: bekannte Technologie wurde „zweckentfremdet“ und in einem anderen Kontext eingesetzt.

 

 

Fazit: Insgesamt zwei intensive Tage mit vielen Insights und unterschiedlichen Blickwinkeln auf das weite Feld der Erlebnisgestaltung – eine Fortsetzung des Formats im nächsten Jahr ist angedacht.

 

 

Frage: Welches Event hat Dich in den letzten Jahren am meisten beeindruckt, bzw. zählt für Dich zu einem Meilenstein?

 

Lesetipps & Besuchstipp: TechXperience am 3.12. in Ingelheim am Rhein

Interaktive Events: 6 Inspirationen, die Menschen besser einbinden
Experience Design: Wie gestaltet man ein Erlebnis?
Event Experience Design: The New Way to Craft

 

Die Kernfrage für wirkungsvolle Kommunikation

Kernfrage für wirkungsvolle Kommunikation // Photo by Donald Giannatti

 

 

Es gibt manche Fragen, die sich über die Jahre als Essenz destillieren. Eine davon stammt von meiner Frau Rebekka, die als Positionierungsexpertin NGOs hilft wirkungsvoller zu kommunizieren. Folgende Frage stammt von ihr (und ja, sie ist buchbar > auch für andere Kunden ;). Diese vier Aspekte gilt es für jedes Event neu zu klären. Simpel, hat es aber in sich.

 

 

Kernfrage für wirkungsvolle Kommunikation:

 

 

»Welche BOTSCHAFT

soll welche ZIELGRUPPE

über welche KANÄLE erreichen,

damit welche WIRKUNG erzielt wird?«

 

 

Wie heißt es so schön: Einfach geniale Dinge sind genial einfach. Man muss nur erstmal dahin kommen.

Es gilt also immer wieder diese eine Kernfrage für wirkungsvolle Kommunikation zu klären.

 

Der Teufel steckt natürlich im Detail. Aber wer diese vier Aspekte beantwortet wird Erfolg mit seiner Kommunikation haben. Versprochen. Brief und Siegel. Dazu folgende Hintergedanken zur Verdeutlichung:

 

 

1. Botschaft

 

Erinnerst du dich an die Botschaft von Barack Obama in seinem Wahlkampf? Genau, ganze drei Worte. Und im letzten Wahlkampf? Was waren die vier Worte von Trump? Richtig. Und welche Botschaft hatte Hillary Clinton? Eben. Viele. Am Ende aber keine. Keine, die im Kopf blieb.

 

Wirklich wichtige Botschaften lassen sich in drei bis vier Wörter sagen, maximal einen Satz. Was ist die Headline, die BILD.de oder DIE ZEIT von deinem Event publizieren wird? Die Kunst liegt in der Reduktion. Alles unwichtige weglassen. Sag WORUM es geht. Und am besten: WARUM hat das Bedeutung? Eine Vision ist ein Bild der Zukunft, welches Begeisterung in mir auslöst. Inspiriere mich. Ohne Herzblut geht’s nicht, behauptet Theo Eißler. Und damit hat er Recht.

 

 

2. Zielgruppe

 

Wen die Botschaft klar ist muss geklärt werden für wen diese gedacht ist: Wer genau ist die Zielgruppe? Nicht jeder von 12 bis 120 Jahre. Nicht alle Deutschen. Bitte nicht alle. Mach es spezifisch: Erstelle Personas. Welche Bedürfnisse haben diese? Welche Lebensrealität erleben diese? Für wen ist diese Botschaft relevant? Weg vom Sender hin zum Empfänger: Interessiert dieser sich überhaupt dafür? Noch einen Schritt weiter: Wie müsste die Botschaft umformuliert werden, damit sie die Zielgruppe interessiert? Perspektivwechsel sind gefragt. Nutzerorientierung. Dann läuft es auch.

 

 

Kernfrage für wirkungsvolle Kommunikation

Photo by Markus Spiske on Unsplash

 

 

3. Kanal

 

Die selbe Botschaft mit den definierten Zielgruppen wird per se ganz unterschiedlich rezipiert. Der 85jährige Professor wird die Nachricht eher in der SZ lesen. Die 14jährige Schülerin wohl eher beim scrollen auf Instagram. Der Vater ebendieser eher auf RTL oder in der Tagesschau sehen. Oder doch auf Spiegel Online? Wir merken: Es gilt in verschiedenen Formaten und Konstellationen zu denken: Bewegtbild, Text, Bild und/oder ein Live-Erlebnis? In Echtzeit auf einem Event oder per Livestream? Jeder Kanal hat seine Eigenheiten und unterschiedliche Interaktionswege.

 

 

4. Wirkung

 

Das Wichtigste von allem ist durch Klarheit und Emotion ein Gefühl zu erzeugen, welches zu einer Veränderung führt. Die Frage lautet: Was soll durch die eine Botschaft bei welcher Zielgruppe auf welchem Kanal ANDERS sein als es VORHER war? Wie genau sieht der nächste Schritt aus? Was ist der Call to Action?

 

Fazit: Wenn diese vier Punkte, vor allem aber die Handlungsaufforderung fehlt, ist alle Kommunikation wirkungslos.

 

 

*BERATUNGsANGEBOT*: Solltest du Unterstützung bei der Ausarbeitung der Antworten auf die Kernfrage haben, dann kontaktiere doch einfach meine Frau Rebekka. Sie ist Kommunikationsexpertin und hat sich auf Positionierungsberatung für NGOs spezialisiert. Ihr bekommt uns aber auch im Doppelpack für einen Workshoptag von Fragestellung über Antwortfindung bis zur Umsetzung – egal ob für PR oder Live Events…

 

 

Frage: Gibt es eine Botschaft die dir heute noch im Kopf ist? Wenn nicht: Erinnerst du dich noch an die Antwort, die dir deine erste Liebe gegeben hat? Körbchen oder Küsschen? 😉 Welche Kampagne hat dich überzeugt? Welches Live-Erlebnis geht dir nicht mehr aus dem Kopf. Warum?

 

 

Wenn dich dieser Blogpost inspiriert hat, dann stelle dir diese Frage und wenn du mir was Gutes tun willst, dann leite ihn weiter > so kommt unsere geliebte Live-Kommunikationsbranche ein wenig weiter nach vorne. Weitere Lesetipps:

Warum wir mehr Customer Centricity bei Events benötigen…

Wie schreibe ich einen Regieplan? // Eine Muster-Vorlage gibt es hier!

Event-Konzept: Mit diesen 13 Fragen wird jede Veranstaltung besser…