Das 1×1 der Bildgestaltung von Livestreams

Bildgestaltung bei Livestreams // Photo by Mick Haupt

 

 

Aktuell transformiert sich die Eventbranche. Sogenannte „Hybride bzw. digitale Events“ sind in aller Munde. Um gleich mit einem Missverständnis aufzuräumen: Das sind eigentlich keine „digitalen Events“. Es gibt nur analoge Ereignisse, die digital übertragen werden. Ein digitales Event ist wenn Avatare sich treffen, wir uns virtuell in einer VR Welt bewegen oder feiern wie es das Musikfestival Tomorrowland vormacht.

 

Um mit unseren analogen Ereignissen, die digital übermittelt werden, Wirkung zu erzielen gelten immer noch die bekannten Grundsätze. Es braucht ein klares Konzept: Was will ich erreichen? Was soll durch den Livestream nachher anders sein als vorher? Mir hilft es diese Kernfrage der Kommunikation zu beantworten.

 

 

Die drei Ebenen der Livestream Umsetzung

 

Wenn die grundsätzlichen Ebene klar ist, müssen in der Umsetzung immer drei Komponenten parallel gedacht werden:

 

  • Inhalt
  • Bild- und Tontechnik
  • Bild- und Tongestaltung.

 

Jeder Aspekt für sich ist wichtig, ich konzentriere mich aber auf die Bildgestaltung. Meine Kernkompetenz als Regisseur ist die Inszenierung. Für mich ist das die Kombination von INHALT und VERPACKUNG: Was ist für die Zielgruppe der wirklich relevante Inhalt? Was konkret ist neu und bedeutsam? Wie verpacke ich die Information für welche Zielgruppe unterhaltsam und emotional? Wenn die Dramaturgie steht entwickeln wir die passende Verpackung. Hier meine Erfahrungen, worauf in der Bildgestaltung zu achten ist:

 

 

7 Tipps für die Bildgestaltung von Livestreams

 

1) Location bzw. Bühne: Wer sagt, dass es wie bisher die klassische Talkbühne sein muss? Lasst uns neu denken. Der Ort oder die Kulisse kann auf den ersten Blick besser als 1000 Worte vermitteln, worum es hier jetzt geht. Natürlich ist weniger mehr. Wir dürfen dabei alles, nur nicht langweilen. Daher großes Gebot der Stunde: Visuell reizvoll sein und damit visuell auf die Kernidee des Events einzahlen. Ganz wichtig ist es dabei Tiefe zu liefern. Jeder Fotograf weiß: „Vordergrund macht Bild gesund“. Ein gutes Bild arbeitet immer mit drei Ebenen: Vordergrund, Objekt, Hintergrund. Das erzeugt Tiefe im Bild. Ein Hintergrund wie Backsteinwände oder eine abstrakte Struktur erzeugt mehr Spannung als der nackte, anonyme, weiße Backdrop.

 

2) Kameraanzahl und -perspektiven: Bewegtbild heißt Bewegtbild, weil es bewegt ist. Jedes Kamerabild sollte „Spiel haben“. Sich bewegen, leicht an eine Person „ranatmen“. Inhaltlich kann ein Bild auch einmal stehen, aber bitte nicht für 20min. Alles schon erlebt – natürlich schaltet dabei jeder weg oder innerlich ab. Anders als beim Event braucht der Zuschauer Orientierung. Denn er kennt den Raum ja nicht. Eine Totale schafft also Überblick und ist wichtig für Online-Zuschauer: Wer sitzt da alles auf der Bühne? Ein fahrbarer Bühnenboden erlaubt Studiokameras ruckelfrei zu fahren und somit Bewegung im Bild.

 

Für ein Gespräch benötige ich mindestens drei Kameras: Eine Totale als Etablierung und Verbindung der Talkgäste. Und jeweils eine Kameraeinstellung, die über Kreuz den Sprecher nah zeigt. Wenn es das Budget zulässt hilft ein Kran oder SteadyCam noch mehr Bewegung ins Bild zu bekommen. Daimler bietet eine schöne Option für Onlinezuschauer bei Pressekonferenzen: Man kann sich neben dem Programmschnitt auch die einzelnen Kameras jederzeit selbst auswählen.

 

3) Bildausschnitt: ALLES hat eine Wirkung. Ob die Kamera sich auf Augenhöhe befindet oder mich die Rednerin von oben herab anschaut sagt etwas aus. Diffus für den Zuschauer wahrnehmbar, aber als Gestalter wissen wir um diese Wirkung. Natürlich gibt es gestalterische Grundsätze zu beachten wie den goldenen Schnitt, Blickachsen (kein Achssprung) und Personen im Bild so zu framen, dass sie Luft zum agieren behalten. Auch die Anordnung von Live-Kamera und weiterer Bildinhalte wie eine PPT in einem PiP (Picture in Picture) will bedacht sein. Kürzlich sah ich einen Livestream, wo immer dasselbe Vollbild eingeblendet wurde um den Rednerwechsel im Set zu kaschieren. Mit etwas mehr Aufwand hätte es kurze Bumper-Animationen gegeben, die thematisch überleiten – ob aufwändig oder nur eine Tafel mit der Überschrift. Alles hätte geholfen, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Das A&O bleibt kompetentes Personal, welches ein gutes Gefühl für Bildgestaltung hat und emotionsgeladene Momente rechtzeitig antizipiert.

 

4) Schnitt: Die Sehgewohnheiten differieren je nach Zielgruppe: Generation Z ist an schnelle Schnitte und kurze Clips unter 1:30min gewöhnt, alle über 80 haben sich an langsamere Erzählungen gewöhnt. Das will ich nicht bewerten, nur auf das andere Erzähltempo hinweisen. In jedem Fall setzen wir Reize, indem immer wieder Bildwechsel stattfinden. Wenn man sich eine Talkshow ansieht entdeckt man, dass es immer um Aktion und Reaktion geht – also die Sprecher, aber auch was das Gesagte im Gegenüber auslöst. Bei Shows wird das Publikum genutzt, um diese Reaktionen zu spiegeln – wo das Corona-bedingt nicht möglich ist hilft es zumindest die Reaktion des Gesprächspartners zu zeigen. Auch hier braucht es Bildmischer, die Gefühl für Timings, Emotionen wecken und Momente haben. Der selbe Schnitt ein Hauch früher oder später gesetzt macht nicht nur bei Hitchcock den Unterschied aus.

 

5) Licht und Ton: Mit Licht wie Ton schaffen wir Atmosphäre, vermitteln Stimmungen und setzen Reize. Die Basis beim Licht bildet die 3-Punkt-Beleuchtung. Wie häufig erlebe ich jedoch, dass das Hinterlicht fehlt, Schatten die Augenhöhlen verdunkeln oder Aufhellungen aus den Kameraachsen fehlen. Und dabei reden wir noch gar nicht über Showlicht-Effekte. Ein guter Bildingenieur sorgt für den Weißabgleich und kann dann Szenen kontrolliert warm oder kalt wirken lassen – je nach gewünschter Botschaft und Wirkung.

 

Zu der Bedeutung von Sounddesign bei Events habe ich bereits geschrieben. Fehlender Ton lässt schneller abschalten als ein fehlendes Bild. Bei Liveschalten achte ich zumindest auf guten Raumton ohne Hall und Störquellen auf der anderen Seite. Hier aber noch eine Idee für Livestreams: Was macht ASMR mit dir? Setz dir unbedingt Kopfhörer auf und hör rein:

 

 

Wer sagt, dass digital nur der Seh- und Hör-Sinn angesprochen werden kann? Pures Kopfkino, welches ganz anders fühlen lässt. Wie wäre es beispielsweise mit einem Haarschnitt, einer Kopfmassage oder medizinischen Check Up in einer Pause zwischen zwei Online-Sessions? Dieses Stilmittel an der richtigen Stelle eingesetzt: Was könnte das bewirken…?! Und klar, das verursacht natürlich Mehraufwand und muss wohl dosiert eingesetzt werden…

 

6) Akteure: Zentral ist es, dass die Akteure Verbindungen aufbauen. Die Kommunikationsexpertin Nancy Duarte spricht von RESONANZ. Das kann man auch auf einen guten Livestream münzen: Verbindungen aufbauen durch Direktansprache in die Kamera mit dem Publikum, aber auch untereinander bei einem Talkpanel. Ein wichtiges Detail ist die Kleidung – nicht nur von der psychologischen Farbwirkung her gedacht. Praktisch verursachen kleinkarierte Hemden den Moiré-Effekt oder grüne Farben vermasseln den Greenscreen-Effekt. Und ja, ein inneres Lächeln hilft Sprechern Empathie trotz der digitalen Übertragung zu vermitteln. Zuschauer spüren, ob das Gegenüber mit mir in Beziehung treten will oder nur den Text runterrasselt.

 

7) Streaming: Abschließend ein kleiner Ausflug in Richtung Technik. Server mit nicht ausreichenden Kapazitäten haben mir schon ein paar Mal bei Livestreams den Spaß verdorben… Der Inhalt und die Bildgestaltung kann noch so gut sein – wenn der Upload nicht klappt oder die Bild-Ton Synchronität nicht passt, ist alle Mühe umsonst. Insofern lautet die Devise: Testen, testen, testen. Der andere Teil betrifft die Vermarktung: Wie stösst die relevante Zielgruppe überhaupt auf meinen Livestream?

 

 

Fazit: Proben, proben, proben!

 

Bei allem: Kürzer ist besser, Abwechslung ist elementar, Proben das Erfolgsrezept. Die Vorteile von Livestreams sind für mich die Kontrollierbarkeit (wer sagt das es wirklich LIVE sein muss – es kann ja auch eine am Tag vorher aufgezeichnete Version sein bei dem lediglich das Q&A live ist), der Fokus auf Inhalte, die sitzen müssen (Redner verzetteln sich weniger, weil Texte vom Prompter gelesen werden) und eine potentiell größere Reichweite im Nachgang durch Abruf „on demand“. Da lohnt sich jeder Schweißtropfen für gute Qualität.

 

Zwei Missverständnisse machen unser leben jedoch schwer: Oft meinen Kunden aktuell, dass weil es ein „digitales Event“ ist, das Projekt billiger wird und gar nicht proben muss. Ein Zoom Call mit einer amtlichen Produktion zu verwechseln ist ein Kardinalsfehler. Wie ich eingangs schrieb: Es braucht ein analoges Ereignis, was von sich behaupten darf wirklich ein EREIGNIS zu sein. Dieses inhaltlich wie gestalterisch zu verdichten und somit spannend über die digitalen Kanäle zu erzählen ist Neuland. Es bedarf guter Vorbereitung, um Zuschauer-Bindung, ein interaktives Erlebnis und letztlich Wirkung zu erzielen.

 

Lasst uns voneinander lernen und Qualität liefern!

 

80% der Corporate Event Livestreams zeigen talking heads. Das ist im TV genauso, allerdings ganz anders verpackt. Jede TV Talkshow oder News-Format ist um Welten besser was Kulisse, Beleuchtung, Kameraarbeit, Einspielerfilme, redaktionelle Arbeit, Emotion wecken betrifft als unsere „Digital Events“ aktuell. Warum lernen wir nicht von TV, Werbung, Kino und erziehen unsere Kunden gleich mit, dass Livestreams eben nicht billiger und schneller gehen – sondern etwas mit wohl durchdachter, geplanter und produzierter Wirkung zu tun haben, die sie ja erreichen wollen. Dazu braucht es Zeit, Geld und Kompetenz.

 

Ich glaube, der Invest und die Mühen auf dem Weg dahin werden sich auszahlen. Nicht zuletzt für unsere Event-Branche, weil wir eben Wirkung erzielen, die sich sehen und messen lässt. Anders als TV-Formate können wir auch was die Interaktivität betrifft Innovation pionieren. Dazu braucht es Mut, Schritte ins (noch) Unbekannte zu gehen: Passion, Kreativität und die Sehnsucht das Neue, Unmögliche, Innovative zu realisieren (ok, etwas pathetisch – aber Agenturen wie Onliveline lassen das erahnen 😉). Aber so, wie zumindest aktuell viele Livestreams in der Bildgestaltung laufen, sehe ich jedoch unsere Branche sich selbst ein Grab schaufeln. Lasst uns endlich Qualität liefern, wir können das!

 

 

Linktipps:
Digital Event: Meine drei Learnings
Digitale Events: Analyse der US-Parteitage
Acht Tipps, wie ein Livestream zum Erfolg wird

 

BUNTE.de Keynote bewegt Frauen @ dmexco ’18

BUNTE.de Keynote @ dmexco // Die digitale Heimat für Frauen

 

 

Im Frühling kam bei mir urplötzlich ein Gefühl auf (tja, die lieben Frühlingsgefühle… ;): Nach sieben Jahren Ablaufregie spürte ich, dass ein neues Level anstand. Es war noch ein leiser, aber klarer Gedanke. Durch das Chorfest “Einfach himmlisch” hab ich mich dann tatsächlich emanzipiert. Ich bin nicht mehr “nur” Ablaufregisseur, sondern gestalte Konzepte und Realisationen von Events.

 

Es dauerte nicht lange und am 7. Juni erreichte mich diese Anfrage von BUNTE.de, welche zugleich den Kern des Briefings für das neue Projekt ausmacht: “BUNTE.de hat sich in den letzten zwei Jahren zur größten digitalen Plattform für Frauen im deutschsprachigem Raum entwickelt. Das ist der Grund, warum wir dieses Jahr auf der dmexco ein großes Live-Screening mit 45min on Stage haben werden und die Erfolgs-Story erzählen wollen.”

 

Natürlich verdienen es die UserInnen von BUNTE.de, in der Werbewelt noch ernster genommen und besser verstanden zu werden. Der Markenerfolg und der Einsatz des Teams verdienen absolut Respekt. Und das Beste: Von der Erfolgsstory und dem Herzblut der MacherInnen kann die Branche lernen. Genau das habe ich mir zur Aufgabe gesetzt.

 

 

Wie bringt man die BUNTE.de Erfolgsgeschichte auf die Bühne?

 

Mich hat die Anfrage extrem gefreut, da ich sie perfekt in meinem Netzwerk angehen konnte. Das Ergebnis könnt ihr im Livestream mitverfolgen. Doch einen Schritt zurück: Worauf kam es bei der Gestaltung an? Ein ganzheitliches Screening-Konzept musste inhaltlich aber auch produktionsseitig vorbereitet werden. Also vom Konzept über Videos, Reden, Regiepläne bis zum Redner-Coaching alles aus einer Hand. Natürlich geht so etwas nicht alleine, weshalb ich sehr stolz bin mit einem durchweg weiblichen Kernteam alles auf die Beine gestellt zu haben.

 

Zurück zum Kern der Marke: Als digitale Heimat für alle Frauen will BUNTE.de unterhalten, inspirieren und informieren. Da die MacherInnen mehr Frauen als alle anderen Frauenportale in Deutschland erreichen, ist dies natürlich auch eine relevante Botschaft für Mediaplaner auf der dmexco. Die Reichweite strahlt auf Werbekunden ab – und wer ist nicht gerne ganz vorne mit dabei? Genau diese Geschichte galt es auf die Bühne zu bringen – eine dankbare Aufgabe.

 

Schnell hat sich in den Gesprächen mit dem BUNTE.de Keynote Team herausgestellt, dass der Mensch wirklich im Mittelpunkt steht. Die Marketing-Verantwortliche Katherine Kreiner bringt den Anspruch auf den Punkt: “Wir bieten unseren Kundinnen ein begeisterndes Produkterlebnis mit unterhaltsamen People- & Entertainment-Stories sowie informativen und glaubwürdigen Ratgeber- und Servicethemen. Im Fokus steht immer das Interesse unserer Zielgruppe. Wir erreichen unsere Kundinnen dort, wo sie digital unterwegs sind.” Weitergehende Einblicke in die Philosophie und Machart sind in der BUNTE.de Keynote zu erwarten… Der TopStory Clip bringt einiges davon auf den Punkt:

 

 

 

Wie erzeugt man Resonanz? Vor allem bei einem 80%igen Männerpublikum…

 

Long story short: Mir war sofort klar, dass wir mit Missverständnissen aufräumen müssen. Mit BUNTE verbindet Mann das Magazin und -mit Verlaub- neben royalen Themen vor allem ältere Frauen beim Friseur (sorry für das Klischee). Aber da geht es schon los – BUNTE.de ist nicht nur redaktionell und organisatorisch vom Magazin getrennt – auch nur 10% der Zielgruppe überschneiden sich. Deshalb gilt es den Kern dessen was BUNTE.de ist und was sie besonders macht ins Zentrum zu rücken. In Workshops kamen wir auf den Claim, der die Bedürfnisse der NutzerInnen auf den Punkt bringt:

 

BUNTE.de – meine Zeit

 

Diesen Claim nutzen wir als Anker in den Reden. Leserinnen bestätigen: BUNTE.de ist Kurzurlaub für den Kopf. BUNTE.de ist ein sicherer Hafen, um den Alltag kurz zu vergessen. Genau das haben wir in unserem Openerfilm auf den Punkt gebracht. BUNTE.de ist aber nicht nur seriös. hochwertig, authentisch und nutzernah. Es ist auch kreativ, abwechslungsreich, schnell, aktuell, mutig, witzig, meinungsstark, emotional, leidenschaftlich, mitreißend und sichtbar. Deshalb haben wir im bewussten Kontrast zu dem eher ruhigen Einstieg den TopStory Clip produziert.

 

 

 

Neben guten Argumenten, Humor und nützlichem Wissen in den Reden haben wir uns auch eine Finesse erlaubt, um aus der Masse zu stechen. Die BUNTE.de Keynote soll auch eine Oase im Messestress sein. Daher haben wir mit dem Duftexperten Manasse einen eigenen Duft entwickelt, mit dem wir während der Präsentation den Raum beduften. Somit hoffen wir auch multisensual die Botschaften von BUNTE.de erinnerbar zu machen.

 

Fazit: Schon zu Anfang soll klar werden, dass die BUNTE.de Keynote anders wird und sich für die Zuhörer lohnt:

Weil sie etwas Neues über die weibliche Zielgruppen erfahren. Denn vermarkten setzt verstehen voraus.

 

Bewegt hat mich bei der BUNTE.de Keynote Zusammenarbeit die Stringenz, Klarheit und der “gute Flow” im Miteinander. Die Leidenschaft der RednerInnen sowohl auf als auch hinter der Bühne für Frauen steckt einfach an. Ich muss sagen: Es hat nicht nur Spaß gemacht, sondern es fühlt sich auch sau gut an Projekte ganzheitlicher zu betreuen. Schauen wir mal, was da noch so kommt… 🙂

 

 

PS: DANKE an euer Herzblut – liebe Priscilla & Jonas Bucher für die Medien, Elizabeth Naithani für das Coaching der Präsentatoren, Rebekka Cuhls und Sabine Henning für die konzeptionelle Beratung, Denise Pumberger für die Charts, Barbara Weber die Organisation und Daniel für die Redeoptimierung!!!

 

 

Frage: Was ist euch bei der Keynote hängen geblieben? Ich bin gespannt auf eure Eindrücke, gern gleich unterhalb…:

 

Die 5-Finger-Formel // Tipps für dein Vortrag

Die 5-Finger-Formel // hilfreiche Tipps bei der Vorbereitung von Vorträgen

 

 

“Einer muss immer leiden – entweder das Publikum oder der Vortragende. 

Hoffentlich ist es der Zweite!” // Papst Franziskus

 

 

Als Regisseur erlebe ich tagein, tagaus eine Vielzahl von Vorträgen bei Konferenzen und Veranstaltungen.

 

Die meisten sind leider irrelevant. Zeitverschwendung.

 

Das liegt daran, dass sie keinen Fokus haben. Oder Antworten auf Fragen geben, die keiner gestellt hat. Oder zu sehr aus der Brille des Vortragenden gedacht sind und damit das Publikum langweilt. Oder inhaltlich sogar gut sind, aber einfach nicht im Kopf bleiben wollen.

 

Fünf Fragen, die es in sich haben…

 

Genau da steigt ein kleines Bildband ein. Der Kreativschmiede Bär Tiger Wolf ist es gelungen eine sinnbildliche Geschichte im Kinderbuchstil zu erzählen (habe ich gleich meinen Kindern vorgelesen ;).

Im zweiten Teil werden die Prinzipien für wirkungsvollere Vorträge gekonnt auf den Punkt gebracht.

 

So, dass Kopfkino ausgelöst wird.

 

Diese fünf Fragen helfen ungemein in der Vorbereitung und sorgen dafür, dass die Botschaft erinnerbar bleibt:

 

die 5-Finger-Formel

 

Hier die fünf Fragen für das MEHR an Wirkung deines Vortrags:

 

1. Starker Fokus: Auf welche Frage fokussiere ich mich?

 

2. Relevanz zeigen: Wie betrifft es die Zuhörenden?

 

3. Was ist die herausragende Frage aus Sicht der Hörenden?

 

4. Gebe ich eine Antwort in Form eines Versprechens, einer Chance oder eines Angebots?

 

5. Greifbare Struktur: Lässt sich die Antwort mit einem Begriff oder Bild gliedern?

 

 

Wie das am Beispiel von Employer Branding konkret aussehen kann, erklärt Geschäftsführer Theo Eißler hier:

 

 

 

Fazit: Die 5-Finger-Formel ist ein Schätzchen!

 

Clevere Tipps, die genau richtigen und wichtigen Hinweise, damit Vorträge Wirkung erzielen. Destilliert auf das Allerwichtigste und dabei klar, verständlich und lustmachend auf die Bühne zu gehen. Einfach empfehlenswert!

 

Als Praktiker würde ich noch hinzufügen, dass sich der Teufel in der Ausgestaltung versteckt. Die Fragen bringen extrem gutes Wissen hilfreich auf den Punkt. In der Umsetzung macht es aber Sinn sich nicht mit der erstbesten Antwort zufrieden zu geben, sondern mit einem Gegenüber die eigenen Antworten zu reflektieren und durch Perspektivwechsel auf eine noch tiefere, stringentere, ganzheitlichere Ebene zu gelangen. Dabei hilft mir die Idee von Costumer Centricity! Wer einen Sparring Partner sucht wird sicher bei Theo Eißler fündig – oder darf sich gerne auch an mich wenden 😉

 

Das Buch lässt sich bei Amazon bestellen. Hier gibt es auch eine Vorlage mit den fünf Fragen. Viel Spaß damit!

 

Weitere Leseempfehlungen zum Thema Präsentieren:

Präsentationstipps: Was Elon Musk goldrichtig macht & Sie davon lernen können!
5-teilige Serie Besser Präsentieren von Moderator und Coach Martin Kloss
AuftrittsCoaching: 12 Tipps für wirkungsvolle Vorträge
OnePager: Auf den Punkt kommen wie Ronald Reagan 

 

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf.” Axel Beyer

 

 

Wie weckt man Emotionen? Diese Frage treibt mich seit Jahren um. Warum erzeugt die Mona Lisa im Louvre eine magische Anziehung und andere Bilder nicht? Warum nimmt mich der eine Redner erfolgreich mit auf seine Gedanken-Reise und der andere nicht? Warum berühren mich einige Lieder und andere eben nicht?

 

Emotionen zu wecken ist die Kernaufgabe für die Konzeption von Events. Wer Emotionen weckt, bekommt auch eine Reaktion. So werden Beziehungen aufgebaut. Eine gute Währung für die Live-Kommunikation. Daher habe ich sieben Kreativdirektoren gebeten, ihre Gedanken und Erfahrungswerte zu schenken. Wie unmöglich es ist, das in eine paar Sätze zu packen, zeigt der Prolog von Helge Thomas auf…

 

 

Helge Thomas: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen?!

 

 

Diese Frage kann ich definitiv nicht beantworten. Das hat vielerlei Gründe. Lass mich vielleicht zwei davon kurz heraus greifen. Zum einen hat das Wort „Emotionen“ einen so riesigen semantischen Hof, dass man Russland darin parken könnte. Zweimal. Ach was rede ich. Viermal. Von den rein biologischen Partys, die da im limbischen System abgehen, ganz zu schweigen. Und dann dieser Volksmund mit seinem Angerlatein „Das geht zu Herzen“. Ja, eben nicht! „Da schüttet der Hippocampus mal wieder tonnenweise Endorphine in die Blutbahn,“ müsste das korrekt heißen. Egal. Wo war ich? Ach ja. Zum anderen: Gäste sind niemals gleich Gäste. Und meistens sind es nicht einmal meine Gäste, sondern die Gäste meines Kunden oder auch die seines Chefs oder seiner Frau. Im Falle öffentlicher Veranstaltungen sind es gar völlig fremde Menschen, die man der Einfachheit halber dann eben auch Gäste oder besser Besucher nennt. Was die Sache nicht einfacher macht. Was sagst du? Meine Reaktion auf deine Frage erscheint dir etwas zu emotional? Mitnichten, mein Lieber! Ich versuche dir lediglich zu erklären, warum ich dir kein „Rezept“ nennen kann, wie ich Emotionen bei Gästen wecke. Und überhaupt: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen. Vielleicht sind sie auch gerade ganz woanders. In Gedanken. Oder sie haben sich nur versteckt. Unter der Oberfläche. Siehst du. Das meine ich. Schon sind wir mitten drin, im Deutungslabyrinth der menschlichen Gefühle. Und wenn ich jetzt weiter schreibe, kommen wir da beide nicht mehr raus. Weißt du noch, was ich oben schrieb? Eben. Ich auch nicht. 🙂

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas, 1964 in Heidelberg geboren, Schauspieltalent vom Vater geerbt, schon viele künstlerische und wirtschaftliche Bühnen bespielt: Als Darsteller auf und Beleuchter hinter der Bühne von Theaterproduktionen, in Marketing- und Vertriebsverantwortung bei großen Unternehmen sowie neun Jahren als freiberuflicher Start-Up-Coach, SocialMedia-Experte und Filmemacher. Heute ist er Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei pro event.

 

 

 

Kai Janssen: Es ist wie bei einem Rendezvous…

 

 

Wenn man davon ausgeht, dass Emotionen mit dem Ziel erzeugt werden, beim Gast zu punkten und eine Beziehung aufzubauen, dann ist es wie bei einem Rendezvous:

 

Zunächst sorgt man mit dem passenden Ambiente für die gewünschte Stimmung. (Location, Licht, Musik, Essen)

 

Dann stellt man seinem Gegenüber Fragen – das signalisiert Interesse und ist die Basis für einen unterhaltsamen Austausch. (Einbeziehung des Gastes, Interaktion)

 

Ganz wichtig nun – der Überraschungsmoment! Plötzlich tritt etwas ein, womit mein Gegenüber nicht gerechnet hat, was anscheinend nur für ihn bestimmt ist, verbunden mit einer persönlichen Botschaft. (Setzt voraus, dass ich die Zielgruppe verstanden habe). Der Höhepunkt einer perfekt durchdachten Inszenierung. Trifft ins Herz und bleibt im Kopf. Meistens jedenfalls.

 

 

Kai Janssen Matt Circus Event KreativdirektorKai Janssen, seit 2012 Geschäftsführer und Creative Director der MATT CIRCUS GmbH in Köln, davor freier Creative Director und Konzeptioner in diversen Event- und PR-Agenturen, studierte bildende Künste, Fokus Raum und Medien, regelmäßiger Gastdozent zum Thema “Konzeption in der Live-Kommunikation”, 2. Präsident der FICA, Cross-Crocket-Spieler und -Weltmeister, in fester Beziehung.

 

 

 

Petra Lammers: Geschichten, Geschichten, Geschichten

 

 

Mit Geschichten!
… und einem genauen Blick auf alle „Figuren“, Raum/Situation, Handlungsstränge, Plotpoints und Inhalte.

 

(Auf die Bitte nach Beispielen sandte Petra folgendes): Die interaktive Bodenprojektion beim Energiesee oder das Storytelling mit Lampen, die als Figuren das Wiesbadener Kurhaus und die Welt von Fraunhofer erkunden:

 


Creative Director Petra Lammers onlivelinePetra Lammers, inszeniert seit über 15 Jahren Theater-, Public Space- und Eventproduktionen, gemeinsam mit Norwin Kandera Geschäftsführerin von onliveline, einem Büro für Konzeption und Inszenierung. Davor Creative Directorin / Konzeptionerin bei Panroyal in Wuppertal sowie freie Theaterregisseurin, studierte MBA und MFA in Dramaturgie und Regie.

 

 

 

Philipp Dorendorf: Man inszeniert oder inszeniert um

 

 

Heilig Abend im Kreise der Lieben. Deep house statt Last Christmas. Rot ist nicht rot, sondern pink. Der Baum ist aus Draht. Die Lichterketten geben Strobo-Blitze ab.

 

U5-Kindergeburtstag. Nicht Volker Rosin, nein, dafür Rammstein. Rammstein ist auch alt, aber düsterer und dazu schwarzes Konfetti statt bunten Luftballons.

 

Apropos Schwarz: Warum nicht mal für eine Grabrede die Kebekus einsetzen: Pussy Terror.

 

Nein? Okay, denn wir unterliegen Lernstrukturen, assoziativen Mustern und Neuro-Programmen. Und weil das so ist, sind Stimmungen und Emotionen künstlich auslösbar, zu verändern oder zu beeinflussen. Man inszeniert oder inszeniert um. Mit: Musik, Licht, Farben, Tageszeit, Temperatur, unter Umständen Gerüche, Appearance von Akteuren – räumlich und zeitlich verdichtet. Das ist eigentlich gar nicht so schwer.

 

 

Philipp Dorendorf CD facts and fiction EventagenturPhilipp Dorendorf, Ü37, aus Hamburg. Ausbildung zum Grafik Designer und Marketing-Kommunikationswirt, seit 2010 Creative Director bei facts and fiction für Köln und Berlin.
Kreatives auf: www.neopdo.com

 

 

 

Martin Klingler: Content is King

 

 

Am Anfang steht immer die Idee! Daraus wird dann die Storyline entwickelt. Und die muss im funktionalen Eventdesign und in einer multisensorischen zweckorientierten Inszenierung erzählt werden. Nur dann können Botschaften überhaupt ankommen, verstanden werden und gar hängen bleiben – und in anderen Kanälen weiter erzählt werden. Stichwort Storytelling und Wirkungspotenz durch Multisensorik.

 

Was wirklich zählt, ist schlicht das klassische Kommunikationshandwerk, beschrieben mit den bekannten und inflationär gebrauchten Marketingfloskeln… aber wahr bleiben sie trotzdem und genau deshalb: Content is King – und ist das neue Storytelling. Wenn die Story aber nicht spannend erzählt wird, so dass der Zuhörer mit mehreren Sinnen emotional berührt wird, wenn sie nicht auf anderen Kanälen vor und nach dem Event weiter erzählt wird – Stichwort Vernetzung, die wir früher integrierte Kommunikation nannten – dann darf sich keiner wundern, wenn die Botschaft entweder gar nicht ankommt oder schnell verloren geht. Und auf keinen Fall echte Emotionen weckt.

 

Was mache ich also, um Emotionen zu wecken?
Definitiv nichts weltbewegendes Neues: eine gute Story entwickeln, sie anregend, spannend und vielschichtig erzählen. Und dafür verwenden wir gerne neueste Technik und Methoden – immer dann wenn es Sinn macht. Hat!

 

 

Kreativdirektor Martin Klingler Creative DirectorMartin Klingler, Creative Director bei marbet in Künzelsau. (Und mit dieser Bemerkung: “kann mich für unfassbar viel begeistern, immer wenn es mich berührt…” Ideengeber für diesen Blogpost.)

 

 

 

 

Miriam Wüstefeld: Bedürfnisse erkennen, überraschen, passender Rahmen

 

 

Wir leben heute in einer sehr beschleunigten Welt, in der das Überangebot regiert und in der kaum Zeit zum Innehalten bleibt. Aus meiner Perspektive bedarf es daher vor allem der Fähigkeit individuelle Bedürfnisse zu erkennen, um echte Emotionen wecken zu können.

 

Die Kunst und Herausforderung liegt dann darin zu überraschen und einen sehr persönlichen Nerv zu treffen.

 

Neben den wichtigsten Parametern, die nach meiner Auffassung inhaltlicher Anspruch und Respekt sind, ist der passende Rahmen relevant. Dazu zählt neben einer entsprechenden Räumlichkeit auch das Thema Ergonomie. Der Wohlfühlfaktor ist eng an Emotionen geknüpft – zumindest wenn diese positiv ausfallen sollen.

 

 

Miriam Wuestefeld freiberufliche Kreativdirektorin MünchenMiriam Wüstefeld, München, 32 Jahre, freiberufliche Kreativdirektorin, Schwerpunkt: Kommunikation im Raum, Markenwelten, Zusammenarbeit und Festanstellung in diversen Agenturen unter anderem Zibert + Friends, CE+Co, VOK DAMS, BBDO Live, Uniplan.

 

 

 

Stephan Schäfer-Mehdi: Erprobte Rituale nutzen und intuitiv vorgehen

 

 

Live-Kommunikation nutzt jahretausendealte erprobte Rituale, um Emotionen zu wecken. Religion mit ihren Kulten und das Theater mit seinen inszenatorischen Mitteln sind dafür die Grundlage. Ihr Studium und deren Anwendung ist hilfreich, aber der intuitive Umgang letztlich effektiver.

 

Was rational am Reisbrett entstand ist zwar oft richtig, aber nicht immer erfolgreich. Wer hört die Kammermusik des Computerkollegen Iamus, der nach allen Regeln der Kunst programmiert wurde wie Mozart zu schreiben? Wir gehen immer noch in die Zauberflöte, obwohl der Rechner alles richtig macht. Deshalb bedient sich auch die virtuelle Welt der gleichen Muster, der Überraschungen und Ansprache möglichst vieler Sinne.

 

Das wird vielleicht erst anders, wenn die Künstliche Intelligenz Kommunikation für ihresgleichen konzipiert. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

 

 

Creative Director Stephan Schaefer-Mehdi Eventmarketing CD CCO Live-KommunikationStephan Schäfer-Mehdi, freiberuflicher Creative Director und ¬Consultant, vorher Chief Creative Officer/CD von VOK DAMS und Quasar Communications, mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet, Mitglied im Art Directors Club für Deutschland, Autor des Standardwerkes “Event-Marketing“, 2014 den Kriminalroman “Tod in den Bergen” veröffentlicht. Wuppertaler.

 

 

 

Creative Director – habt herzlichen Dank für eure Gedanken. Chapeau!

Frage: Wie weckst du Emotionen? Freue mich auf einen Kommentar oder Beispiele unterhalb.

Tipp: Weitere Hinweise darauf, wie Emotionen geweckt werden, geben 7 Inszenierungs-Experten in diesem Buch.

 

 

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Probenplan: 10 Tipps für reibungslose Events & worauf es beim Proben ankommt!

10 Tipps für reibungslose Events & worauf es beim Probenplan ankommt!

 

 

Mit weit über 1.000 Shows im TV- und Eventbereich habe ich alles erlebt, was eine Show reibungslos auf die Bühne bringt – dabei aber auch alles schief laufen kann. Aus diesem Erfahrungsschatz teile ich 10 Tipps für einen effektiven Eventablauf. Diese Ratschläge werden 100% zu besseren Events verhelfen:

 

 

1. Probenplan – schafft Orientierung!

 

Wie schon in dem Wort Probenplan drin steckt: Es gilt einen Plan für die Proben zu haben. Sowohl im Kopf, aber auch auf Papier. Dieser unterscheidet sich von einem Aufbauplan oder einem Regieplan (eine Vorlage gibt es übrigens hier). Vor allem muss er aber im Vorfeld mit allen Gewerken und mitwirkenden Akteuren abgestimmt sein. Kommt jedes Gewerk mit der geplanten Zeit und der inhaltlichen Reihenfolge vor Ort so aus? Jeder weiß mit einem Probenplan, was er für wann wie vorzubereiten hat. So schafft der Probeplan Orientierung.

 

 

2. Teammeetings – für bessere Kommunikation.

 

Das Regiemeeting zu Beginn eines jedes Events ist die Basis für das weitere Vorgehen. In diesem lasse ich jeden im Team kurz mit Name und Funktion vorstellen. Dann kommuniziere ich als Regisseur zunächst die “Big Idea” sowie das Ziel der Veranstaltung. Dieses hilft allen Mitwirkenden im späteren Verlauf hilfreiche Ideen einzubringen oder auch zu hinterfragen, ob das was wir machen die gewünschte Wirkung erzielt. Gemeinsam besprechen wir den Regieplan und schauen uns den Probeplan an. Hier können unkompliziert Rückfragen gestellt und schnell interdisziplinäre Lösungen erarbeitet werden.

 

Darüber hinaus installiere ich ein regelmäßiges Statusmeeting im weiteren Probeverlauf. Egal ob Morgens vor oder Abends nach den Proben – dies sorgt für die nötige Grundkommunikation, die unbedingt notwendig ist.

 

 

Es muss eine Vision der Dinge geben – diese gilt es hemmungslos durchsetzen. So werden Dinge exzellent!

 

 

3. Probenablauf – eine Vision haben und diese umsetzen.

 

Für das Gelingen der Show sind Proben unumgänglich. Was nicht geprobt wird, findet nicht statt. Dazu muss es einen klaren inhaltlichen Probenplan geben. Dieser sollte vor der Probe von einzelnen Programmpunkten zunächst an alle beteiligten Gewerke klar kommuniziert werden. Dann kann dies technisch eingerichtet werden. Am Beispiel der Rednerposition: Man kann den Redner nicht einfach auf die Bühne schicken und los geht’s. An welcher Stelle kommt dieser auf der Bühne gut rüber? Das liegt am Bühnenbild, wo er sauber im Licht steht, die Kamera ihn gut einfangen kann (gerade auch der Hintergrund ist dabei wichtig) und es kein Ton-Feedback gibt. Neben den technischen Aspekten sollte auch der Redner wissen, von wo er wann auftritt und wo genau er stehen soll (eine Markierung auf dem Boden hilft immer). Außerdem sollte er vor der Probe wissen, wo sich zum Beispiel der Teleprompter und Kameras befinden etc.

 

Also erst kommunizieren, dann einrichten der kritischen Stellen und dann erst Proben. Danach kann man dem Redner Feedback geben und Anmerkungen der technischen Crew einfließen lassen (vielleicht wirft der Redner einen Schatten auf die Rückwand hinter ihm, könnte aber 1m weiter weg von der Rückprojektion stehen…).

 

 

Probenplan - Was nicht geprobt wird, findet nicht statt - Event Zitate

 

 

4. Content Check – verschafft Zeit!

 

Damit man am Probentag keine wertvolle Zeit verliert bietet es sich an, am Vorabend mit dem Kunden alle Inhalte zu überprüfen. So können Tippfehler in Charts entdeckt, Fehler eliminiert, Tonpegel von Filmen angeglichen und Lichtszenen sowie Übergänge definiert werden. Wichtig für die Operator ist dazu eine saubere Content-Übergabe. Am besten mit einer kompakten Liste, die Dateititel benennt und klärt, an welche Position diese im Veranstaltungsablauf gehören. Das spart viel unnötigen Ärger. Über Nacht können dann nötige Änderungen vorgenommen und noch vor Probenbeginn aktualisiert werden.

 

 

5. Geheimtipp – auf die Übergänge achten.

 

Zentral für das Gelingen einer reibungslosen Veranstaltung ist nicht nur die Einzelprobe. Idealerweise hat man dabei immer gleich auch schon den Übergang von der Situation davor und danach im Blick. In den Details und richtigem Timing liegt die Kunst. Wie lange ist beispielsweise der Auftrittsjingle für die Rednerin, wann geht sie genau los, damit sie perfekt getimt auf ihrer Position ankommt. Wie unterstützt das Licht diese Sequenz, aus welcher Stimmung kommt es, wie endet es? Wie verändern sich die Medieninhalte an dieser Stelle. Wie wirkt der Übergang im Gesamten? Oft wird nur die Rede an sich geprobt, aber sobald die Rednerin einmal steht, ändert sich ja nicht viel. Daher unbedingt das Vorher und Nachher im Blick haben und mitproben.

 

 

6. Generalprobe – sonst geht es schief…

 

Erst in der Generalprobe sieht man den gesamten “Flow” der Show. Idealerweise läuft der Ablauf schon jetzt reibungslos über die Bühne. Vielleicht fallen hier aber noch Stolpersteine auf, die vorher so nicht auftauchten. Auf jeden Fall gibt die Generalprobe allen Beteiligten Sicherheit und Routine. Es gilt das alte Gesetz aus dem Theater: Lieber eine fehlerhafte Generalprobe als eine vermasselte Uraufführung. Leider sind viele Events einmalig, da muss es natürlich sitzen…

 

Event Prozesse Probenplan

 

 

7. Notfallplan – was, wenn es doch schief geht…

 

Wenn man beim Auftreten einer Störung erst anfängt zu überlegen, wie die Lösung sein könnte, ist es schon zu spät. Daher sollte vorher über einige denkbare Szenarien nachgedacht werden. Diese müssen zwischen den Entscheidern abgestimmt sein. Zentral ist, wie man als Verantwortlicher reagiert – möglichst schnell, souverän, klar. Anschreien bringt dabei übrigens gar nichts, wie ich es bereits bei den Prinzipien wirkungsvoller Teamkommunikation formuliert hab.

 

Hier ein paar Klassiker und der Lösungsansatz: Was geschieht, wenn

…das Mikrofon ausfällt? // Ein Ersatzmikrofon liegt in Bühnennähe bereit, dass gleich reingereicht wird.

…ein Video nicht spielt? // Es gibt eine kurze Information an den Moderator über die Bühnenassistenz in der ersten Reihe. Alternativ übernimmt der nächste Redner mit einem spontan-witzigen Kommentar und sorgt so noch für einen Publikumslacher.

…die Präsentation ausfällt? // Der Techniker schaltet sofort auf den Backup Rechner um. Sollte dieser auch nicht funktionieren, gibt es in der Mediensteuerung ein KeyVisual, auf das immer geschaltet werden kann. So fällt dem Publikum der Fehler vermutlich gar nicht groß auf.

…der Redner aus dem Licht läuft? // Die Lichtkollegen haben mehrere Szenen geleuchtet und erweitern den Lichtradius. Zur Not manuell nachleuchten.

…der Raum geräumt werden muss? // Die Moderatorin oder Regisseur machen eine ruhige, aber klare Ansage über die Beschallung. Aktiv formulieren: Was sollen die Gäste machen? Deskalieren, aber bestimmt sein. Bloß nicht für Panik sorgen.

…ein Auto auf der Bühne liegen bleibt? // Natürlich gibt es viele Sonderfälle, die nicht für jede Veranstaltung gelten. Aber da ich mich viel im Automobilbereich bewege, ist dies auch ein mögliches Szenario. Im schlimmsten Fall müssen Bühnenhelfer das Auto auf die gewünschte Stelle schieben. Auch hier gilt – bloß keine Hektik, aber bestimmt und souverän umsetzen. Eben den einen Schritt weiter gedacht haben…

 

Natürlich hilft es, wenn Redner nicht auf dem Fehler rumreiten und sagen: “Oh, hier hätte eigentlich jetzt ein Film kommen müssen.” Einfach weitermachen.  Wenn was fürs Publikum offensichtlich schief läuft, dann eben locker kommentieren. Auch das ist etwas, was man in der Probe einfach mal proben kann…

 

 

Der Vorteil ist ja, dass das Publikum niemals weiß, wie es eigentlich hätte aussehen sollen.

Sie erleben nur ihr eigenes Echtzeit-Erlebnis. Das spielt uns in die Hände…

 

 

8. Arbeitszeiten – aus gutem Grund einzuhalten!

 

Abgesehen von den Proben gibt es klare gesetzliche Vorgaben zur Sicherheit, Fluchtplänen, Erste Hilfe. Diese gilt es zu beachten – das zahlt sich einfach aus. Genauso wie der Arbeitszeitenschutz. Es gilt als offenes Geheimnis, dass es hier in der Eventszene oft zu längeren Arbeitsstunden als den vorgeschriebenen maximalen 10h kommt. Aus meiner Sicht gibt es einen guten Grund, warum der Gesetzgeber sagt nach 10 Stunden am Tag ist Schluss. Als Freelancer sind wir in der nächsten Woche auf einer anderen Baustelle, auf der ebenso wieder volle Aufmerksamkeit gefordert wird. Die Konzentration geht einfach nach einer gewissen Zeit flöten. Leider musste ich in meinem Arbeitsleben schon einen Todesfall eines Riggers miterleben und einen Schwerstunfall bei einer Theater-Hebebühne. Ohne das dies konkret mit der Arbeitszeit zusammenhing, finde ich es unangebracht, wenn Auftraggeber die Arbeitszeiten ignorant wissentlich in Kauf nehmen. Hier gilt es in der Event-Szene noch besser zu werden. Es muss ja nicht gleich wie bei amerikanischen Gewerkschaften zugehen – aber 16h am Tag sind nicht hinnehmbar (leider aber immer wieder die Realität…). So wird eine Show definitiv nicht besser.

 

 

9. Fehler vermeiden – keine Last Minute Änderungen.

 

Oft fallen Kunden in letzter Minute noch Änderungspunkte ein. Egal ob dies nervöse Assistenten sind mit kleinen Chart-Änderungswünschen oder inhaltliche Ablaufumstellungen. Wenn in letzter Minute noch mal geändert wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass es schief geht. Entweder hat irgendjemand im Team das nicht mitbekommen und schon ist ein Lichtfehler drin oder das Mikro aus etc. Also klare Regel: Nach der Generalprobe wird nichts mehr geändert!

 

Außerdem ist eine Konstanz im Show Calling enorm wichtig. Das Team spielt sich automatisch auf die Art und Weise des Taktgebers ein. Wenn dann entweder ein Moderator sich auf der Bühne ganz anders verhält oder aber der Regisseur anstatt von “3, 2, 1, GO” auf einmal zu “Redner, ähm, jetzt los” wechselt führt das zu Unsicherheit bei Operatern in der Ausführung von CUEs. ‘Soll ich jetzt das Chart klicken oder nicht?’ Also einfach vorhersehbar bleiben – alles so machen wie auch schon in den Proben der Fall war.

 

 

10. Enjoy – let the show beginn…

 

Nach dem alles gut vorbereitet, geprobt und über Notfallszenarien nachgedacht wurde heißt es: Spaß haben! Natürlich setzt der Adrenalin Kick ein – aber man muss auch genießen, wenn alles auf den Punkt kommt. Und vielleicht ja durch die Reaktion des Publikums noch besser wird, ja buchstäblich zum Leben erweckt wird.

 

Ich habe mir angewöhnt nach der Show darauf anzustoßen. Unsere Arbeit im Eventzirkus ist so flüchtig, dass man die Ergebnisse feiern muss. In anderen Worten: Auf eine reibungslose Show in gelungener Teamarbeit, die Menschen informiert, emotionalisiert und inspiriert, kann man genauso Stolz sein, wie auf die Fertigstellung einer Stradivari.

 

 

FrageWelche Probleme tauchen dir bei Proben auf? Welche Fragen zum Probenplan bleiben?

Auf deinen Kommentar bin ich freudig gespannt! Wenn die Tipps geholfen haben – gerne weitersagen 🙂

 

 

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