CDU Parteitag: Vom Clash der Kulturen

33. Parteitag der CDU Deutschlands

CDU Parteitag: Vom Clash der Kulturen // Fotos: Tobias Koch

Oder: Was bitte ist ein digitaler Parteitag?

 

Mitte Dezember 2020 entschied sich die CDU, ihren 33., wegen Corona schon mehrfach verschobenen Bundesparteitag digital durchzuführen. Und zwar Mitte Januar. Vier Wochen Zeit. Na und? Eigentlich egal, wenn da nicht die Frage der Wahl eines neuen Vorsitzenden gewesen wäre, auf die die deutsche Öffentlichkeit gespannt schaute.

 

Nun sind Parteitage normalerweise für die Nicht-Parteimitglieder vergleichsweise uninteressant, oft übrigens auch für die Mitglieder. Das Parteien- und Vereinsgesetz sieht da eine Reihe unglaublich spannender Regularien vor – Rechenschaftsberichte, Wahlen für keinen wirklich interessierende Gremien und Grußworte, Grußworte, Grußworte. Kein Wunder, dass einige Delegierten gerne mal ins Foyer zum Kaffee trinken verschwinden. 

 

Dummerweise ist aber bei einem digitalen Parteitag dieser Fluchtweg versperrt – was tun?

 

33. Parteitag der CDU Deutschlands

 

Und dann kommen da noch Menschen zusammen, deren Interessen total divergieren:

 

  • Programm-Macher, die Emotion, Spaß und Unterhaltung bei einem Event wollen
  • Politiker, die mit dem Wort überzeugen möchten
  • Spin-Doktoren, denen es um die politische Wirkung geht
  • Juristen, die auf Antragsformulierungen und Regularien achten
  • Techniker, die Sicherheit und Machbarkeit im Auge hatten
  • Agenturen mit kreativen Ideen
  • Mitarbeiter im Hintergrund, die die Kosten im Blick halten mussten

 

Und all die sollen ein Team bilden? In vier Wochen?

 

CDU Parteitag: ein Kraftakt, aber ein lohnenswerter…

 

Diese Herausforderung kann man nur mit dem Mut der Verzweiflung annehmen oder weil man gern das Abenteuer sucht. Für mich und mein Team galt Letzteres und ich weiß nicht (und will es auch nicht wissen), wie oft die mich in den Wochen verflucht haben.

 

In vielen Online-Konferenzen, Telefonaten und mit ungezählten Mails entstand schließlich so etwas wie ein grober Ablauf… also jedenfalls ungefähr. Bis zum letzten Tag wurde um Positionen und Minuten gerungen. Und darum, wie man die Aufmerksamkeit der Parteimitglieder am Computer oder Smartphone aufrechterhält. Wie bietet man genügend Abwechslung und sorgt doch für einen reibungslosen Ablauf der Regularien? Wie schafft man Emotion, wenn es doch um die Wahlen zu Beiräten, Bei-Beiräten und anderen Gremien geht? Und bereitet man einen würdigen Abschied für eine scheidende Parteivorsitzende? Und sorgt für einen grandiosen Einstieg des „Neuen“?

 

33. Parteitag der CDU Deutschlands

 

Probenzeiten – auch so ein Quell des Missverständnisses. Die Programm -Macher wollten Kameraproben, das Gesundheitsamt wollte wenige Menschen am Set, die Techniker brauchten Zeit für die Einrichtung, die Politiker mussten die Wahlen sicherstellen, die Juristen versichern, dass es keine Einsprüche geben könnte. Und die Mitarbeiter im Hintergrund mussten die Regularien und die Kosten im Blick haben.

 

Das kann nur schief gehen – und das tat es zunächst auch. Zwar lief zunächst alles technisch nach Plan, aber eine erste, wegen der sonstigen Abläufe zu früh angesetzte „Generalprobe“ war eine schmerzhafte Lehre für alle. Ein heilsames Desaster allerdings, denn es führte dazu, dass sich alle zum ersten Mal WIRKLICH zuhörten und jeder die jeweiligen Notwendigkeiten der anderen verstanden. Aber alle waren sich 100 Prozent einig: Das muss groß werden und es muss klappen

 

Und von da an fluppte es. Schon am folgenden Tag spürte man die Veränderung am Set fast körperlich und die negativen Vibes vom Vorabend verflogen schnell. Volle Konzentration, keine Zeit zum Zurückschauen mehr. Alle wussten, dass es jetzt um Alles ging.

 

33. Parteitag der CDU Deutschlands

 

Und dann kam der erste Tag – mit einer zweiten Generalprobe, die allen deutlich machte: es hat sich gelohnt, nochmal ranzuklotzen. Dann ging der Parteitag punkt 18 Uhr los. Volle Konzentration bei Partei und Produktion. Alles klappte wie am Schnürchen. Nur das Parteimitglied Herr Adams aus Rheinland-Pfalz hatte Probleme sein Mikrofon am Rechner an und aus zu stellen. Die kleine Technik-Panne, die jeder aus dutzenden Videokonfis selber kennt, trug eher zur Erheiterung bei und brachte der CDU – und Herrn Adams – nebenbei zusätzliche nachträgliche Aufmerksamkeit. 

 

CDU_digitaler_Parteitag_Recap von DNM

 

Am TV, PC und Laptop sah alles top aus. Die Auswirkungen war makellos. Dem Generalsekretär fielen große Steine vom Herzen, die Technik hatte keine Ausfälle, die Beteiligung der Delegierten blieb gleichermaßen hoch bis zum Ende des Parteitags und die Abläufe klappten nahezu reibungslos.

 

33. Parteitag der CDU Deutschlands

 

Und meine Mitarbeiter* und ich fuhren nach Hause – um einer Erfahrung und viele interessante Begegnungen reicher. Persönlich gepackt hat mich dieser Moment, den thank grandios erzählt und damit den Kern freilegt, WARUM Politiker machen, was sie #wegenmorgen machen:

 

 

DANKE an mein gesamtes Team <3, vor allem Prof. Axel Beyer, Barbara Weber, David Harfst, Carsten Seibt, Isabell Lukait, Lutz Többens, Willi Nowak, Dennis Krey, Marvin Glöckner. Ganz besonders Thomas Brunk und Robin Kornemann von Drei Null Motion und viele weitere – ihr habt das Ding gerockt!

 

Über Hintergründe des #DPT21 plauder ich mit Nadine von dexp.one.

 

Weitere Projekte aus meiner Feder:

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EinfachNurMenschSein > 27. Januar 2021 < Köln

 

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