CDU Parteitag: Vom Clash der Kulturen

26. Februar 2021

33. Parteitag der CDU Deutschlands

CDU Parteitag: Vom Clash der Kulturen // Fotos: Tobias Koch

Oder: Was bitte ist ein digi­taler Parteitag?

 

Mitte Dezember 2020 entschied sich die CDU, ihren 33., wegen Corona schon mehrfach verscho­benen Bundes­par­teitag digital durch­zu­führen. Und zwar Mitte Januar. Vier Wochen Zeit. Na und? Eigent­lich egal, wenn da nicht die Frage der Wahl eines neuen Vorsit­zenden gewesen wäre, auf die die deutsche Öffent­lich­keit gespannt schaute.

 

Nun sind Partei­tage norma­ler­weise für die Nicht-Partei­­mi­t­­glieder vergleichs­weise unin­ter­es­sant, oft übrigens auch für die Mitglieder. Das Parteien- und Vereins­ge­setz sieht da eine Reihe unglaub­lich span­nender Regu­la­rien vor – Rechen­schafts­be­richte, Wahlen für keinen wirklich inter­es­sie­rende Gremien und Gruß­worte, Gruß­worte, Gruß­worte. Kein Wunder, dass einige Dele­gierten gerne mal ins Foyer zum Kaffee trinken verschwinden. 

 

Dummer­weise ist aber bei einem digi­talen Parteitag dieser Fluchtweg versperrt – was tun?

 

33. Parteitag der CDU Deutschlands

 

Und dann kommen da noch Menschen zusammen, deren Inter­essen total diver­gieren:

 

  • Programm-Macher, die Emotion, Spaß und Unter­hal­tung bei einem Event wollen
  • Poli­tiker, die mit dem Wort über­zeugen möchten
  • Spin-Doktoren, denen es um die poli­ti­sche Wirkung geht
  • Juristen, die auf Antrags­for­mu­lie­rungen und Regu­la­rien achten
  • Tech­niker, die Sicher­heit und Mach­bar­keit im Auge hatten
  • Agen­turen mit krea­tiven Ideen
  • Mitar­beiter im Hinter­grund, die die Kosten im Blick halten mussten

 

Und all die sollen ein Team bilden? In vier Wochen?

 

CDU Parteitag: ein Kraftakt, aber ein lohnenswerter…

 

Diese Heraus­for­de­rung kann man nur mit dem Mut der Verzweif­lung annehmen oder weil man gern das Aben­teuer sucht. Für mich und mein Team galt Letz­teres und ich weiß nicht (und will es auch nicht wissen), wie oft die mich in den Wochen verflucht haben.

 

In vielen Online-Konfe­­renzen, Tele­fo­naten und mit unge­zählten Mails entstand schließ­lich so etwas wie ein grober Ablauf… also jeden­falls ungefähr. Bis zum letzten Tag wurde um Posi­tionen und Minuten gerungen. Und darum, wie man die Aufmerk­sam­keit der Partei­mit­glieder am Computer oder Smart­phone aufrecht­erhält. Wie bietet man genügend Abwechs­lung und sorgt doch für einen reibungs­losen Ablauf der Regu­la­rien? Wie schafft man Emotion, wenn es doch um die Wahlen zu Beiräten, Bei-Beiräten und anderen Gremien geht? Und bereitet man einen würdigen Abschied für eine schei­dende Partei­vor­sit­zende? Und sorgt für einen gran­diosen Einstieg des „Neuen“?

 

33. Parteitag der CDU Deutschlands

 

Proben­zeiten – auch so ein Quell des Miss­ver­ständ­nisses. Die Programm ‑Macher wollten Kame­ra­proben, das Gesund­heitsamt wollte wenige Menschen am Set, die Tech­niker brauchten Zeit für die Einrich­tung, die Poli­tiker mussten die Wahlen sicher­stellen, die Juristen versi­chern, dass es keine Einsprüche geben könnte. Und die Mitar­beiter im Hinter­grund mussten die Regu­la­rien und die Kosten im Blick haben.

 

Das kann nur schief gehen – und das tat es zunächst auch. Zwar lief zunächst alles tech­nisch nach Plan, aber eine erste, wegen der sons­tigen Abläufe zu früh ange­setzte „Gene­ral­probe“ war eine schmerz­hafte Lehre für alle. Ein heil­sames Desaster aller­dings, denn es führte dazu, dass sich alle zum ersten Mal WIRKLICH zuhörten und jeder die jewei­ligen Notwen­dig­keiten der anderen verstanden. Aber alle waren sich 100 Prozent einig: Das muss groß werden und es muss klappen

 

Und von da an fluppte es. Schon am folgenden Tag spürte man die Verän­de­rung am Set fast körper­lich und die nega­tiven Vibes vom Vorabend verflogen schnell. Volle Konzen­tra­tion, keine Zeit zum Zurück­schauen mehr. Alle wussten, dass es jetzt um Alles ging.

 

33. Parteitag der CDU Deutschlands

 

Und dann kam der erste Tag – mit einer zweiten Gene­ral­probe, die allen deutlich machte: es hat sich gelohnt, nochmal ranzu­klotzen. Dann ging der Parteitag punkt 18 Uhr los. Volle Konzen­tra­tion bei Partei und Produk­tion. Alles klappte wie am Schnür­chen. Nur das Partei­mit­glied Herr Adams aus Rhein­­land-Pfalz hatte Probleme sein Mikrofon am Rechner an und aus zu stellen. Die kleine Technik-Panne, die jeder aus dutzenden Video­konfis selber kennt, trug eher zur Erhei­te­rung bei und brachte der CDU – und Herrn Adams – nebenbei zusätz­liche nach­träg­liche Aufmerksamkeit. 

 

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CDU_digitaler_Parteitag_Recap von DNM

 

Am TV, PC und Laptop sah alles top aus. Die Auswir­kungen war makellos. Dem Gene­ral­se­kretär fielen große Steine vom Herzen, die Technik hatte keine Ausfälle, die Betei­li­gung der Dele­gierten blieb glei­cher­maßen hoch bis zum Ende des Partei­tags und die Abläufe klappten nahezu reibungslos.

 

33. Parteitag der CDU Deutschlands

 

Und meine Mitar­beiter* und ich fuhren nach Hause – um einer Erfah­rung und viele inter­es­sante Begeg­nungen reicher. Persön­lich gepackt hat mich dieser Moment, den thank grandios erzählt und damit den Kern freilegt, WARUM Poli­tiker machen, was sie #wegen­morgen machen: 

 

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DANKE an mein gesamtes Team <3, vor allem Prof. Axel Beyer, Barbara Weber, David Harfst, Carsten Seibt, Isabell Lukait, Lutz Többens, Willi Nowak, Dennis Krey, Marvin Glöckner. Ganz beson­ders Thomas Brunk und Robin Korn­e­mann von Drei Null Motion und viele weitere — ihr habt das Ding gerockt!

 

Über Hinter­gründe des #DPT21 plauder ich mit Nadine von dexp.one.

 

Weitere Projekte aus meiner Feder: 

Digitale Events: Analyse der US-Parteitage

Das 1×1 der Bild­ge­stal­tung von Livestreams

Einfach­Nur­Mensch­Sein > 27. Januar 2021 < Köln

 

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