Frauen in der Eventbranche // 3 Frauen. 3 Erfahrungen. 3 Tipps.

Frauen in der Eventbranche rocken

Frauen in der Eventbranche – 3 Frauen. 3 Erfahrungen. 3 Tipps // Photo by Brooke Lark

Kürzlich hörte ich in dem Eventrevulotion Podcast wie Katrin Taepke erzählte, dass sie als junge Projektmanagerin bei der Messe Berlin vor allem mit 50-60jährigen männlichen Entscheidern zu tun hatte – und per se nicht ernst genommen wurde. Das hat mich sehr zum nachdenken gebracht (ungefähr so, wie mich vor vier Jahren Priscilla Bucher mit dieser krassen Rollenfrage aus dem Konzept gebracht hat…).

Eine Kollegin pflichtete bei: “Die Wahrheit ist dass du als Projektmanagerin belächelt und als Kreative nicht gehört wirst…. speziell wenn man jung ist. Das hat vor allem was mit dem Gegenüber zu tun:

• Projektmanagerin > männliche Konzernentscheider

• Kreative > Agentur interne männliche Konkurrenz (klassischer Weise werden Creative und Art Director Position in Agenturen immer noch mit bevorzugten männlichen Kreativen besetzt…)

Es wird mit dem Alter etwas besser, aber unterschätzt wird man trotzdem bei jedem KickOff Meeting von neuem. Wenn man den negativen Auslöser bei Seite schieben kann: eventuell auch eine Chance für uns Frauen? Denn wenn die Messlatte niedrig hängt kann man aus so einem Termin nur als Sieger rausgehen…”

Grund genug drei erfahrene Frauen in der Eventbranche nach ihren Erfahrungen und Tipps zu befragen. Danke Swantje Marquart (Geschäftsführerin einer Eventagentur), Nadine Imboden (Choreografin und Regisseurin) und Silja Neumann (Senior Projektleiterin), dass ihr tiefe und ehrliche Einblicke gewährt! 😉

Swantje Marquardt, Geschäftsführerin mindact.com

Swantje, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Eventgestalterin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

Mein erster Termin als Projektleitung liegt 14 Jahre zurück. Ich war damals 26 und zugegebenermaßen: jung und unerfahren.

Mein Pendant auf Kundenseite war weiblich, so alt wie ich heute bin und innerhalb der Kundenstruktur die einzige weibliche Person. Alle anderen Ansprechpartner waren männlich – inkl. der Entscheider. Sie fühlte sich in der Rolle des „Hahn – in dem Falle Huhn – im Korb“ und hat mich leider nicht akzeptiert. Sie war nicht einmal bereit mit mir zu telefonieren und fragte stattdessen meinen damaligen Chef „was bringst du hier für einen Kindergarten mit?“ Bei ihr hatte ich allerdings den Eindruck, dass es nicht um meine Unerfahrenheit geht, sondern dass ich weiblich bin.

Mit ihrem männlichen Nachfolger, bin ich dann von Beginn an sehr gut zurechtgekommen. Er war neu und musste sich ebenfalls einarbeiten, was meine Chance war. Ich hatte bei ihm nie das Gefühl, aufgrund meines Geschlechts, nicht ernst genommen zu werden.

Anders sah es bei seinen Chefs aus. Es hat ca. 4 Jahre gedauert, bis auch ich direkt angesprochen oder nach meiner Meinung gefragt wurde. Die männlichen Verantwortlichen der übrigen Fachbereiche (zwischen 35 und 45 Jahre), haben mich zu Beginn ebenfalls nicht ernst genommen. Ein Kollege und Projektleiter in meinem Team (2 Jahre jünger als ich), wurde direkt akzeptiert und als „Buddy“ auf Vorreisen eingeladen an Abendessen oder Drinks an der Bar teilzunehmen.

Nach anfänglicher Frustration habe ich mir vorgenommen zu beweisen, dass ich mehr als willens bin zu lernen, mich reinzuhängen und arbeiten kann wie ein Tier. Das hat mich nur noch mehr angetrieben. Ich habe immer zuverlässig geliefert und mich selbstbewusst präsentiert.

Obwohl ich das nicht immer war.

Und irgendwann war es soweit; ich hatte mir den Respekt und das Vertrauen erarbeitet. Daraus ist heute eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit geworden.

Und das ist auch meine Conclusio: Arbeite fleißig und zuverlässig. Und verdiene dir darüber den Respekt und das Vertrauen. Glaube an dich und deine Fähigkeiten und konzentriere dich nicht auf Ungerechtigkeiten.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Ich spüre bei den Frauen eine Veränderung. Die heutigen Mittzwanzigerinnen kommen mir deutlich selbstbewusster vor, als wir es früher waren. Das Einfordern von Anerkennung über Beförderungen, damit einhergehenden Gehaltsvorstellungen hat sich bereits verändert.

Früher mussten Kolleginnen fast dahin gedrängt werden. Wie soll man ernst genommen werden, wenn man seinen eigenen Wert nicht erkennt?

Frauen und Männer arbeiten immer noch unterschiedlich. Ich bin in meinem Kollegenkreis, von beiden ein großer Fan. Dennoch erlebe ich, dass sich Männer „besser verkaufen“ können. Frauen machen es häufig über die eigentliche Arbeit wett.

Natürlich hat das auch was mit dem Gegenüber zu tun. In der Branche, in der wir arbeiten, ist das Gegenüber bzw. der Entscheider meist männlich. Wenn du als Frau sehr selbstbewusst auftrittst, wirst du schnell als „arrogant“ verurteilt. Als Mann hingegen wirkst du stark. Obwohl es pauschalisierend klingt, erlebt man es so leider immer noch häufig.

Bezüglich der Agenturstrukturen kann man dazu natürlich nicht einheitlich über alle Agenturen reden. Es kommt auf die Führung und die Unternehmenskultur an. In unserem Unternehmen kann sich jeder, egal ob männlich oder weiblich, in der Hierarchie nach oben arbeiten.

Ich sehe aber auch, dass Frauen in der Agenturwelt – zum Beispiel in Key Account Funktionen – deutlich mehr gestärkt werden müssen. Viele Führungskräfte in Agenturen machen häufig einen Rückzieher bei der Positionsbesetzung, weil das Gegenüber (der Entscheider) vermeintlich eher eine männliche Person akzeptieren würde. Da steht man als Chef/in in der Verantwortung genau dagegen zu arbeiten und solche Vorurteile zu bekämpfen.

Sind Frauen in der Eventbranche zu leise, zu zaghaft oder nur nicht mutig genug?

Es hat vermutlich mit der generellen gesellschaftlichen Entwicklung zu tun – nicht nur in der Eventbranche: Frauen werden mutiger!

Allerdings sind Frauen deutlich selbstkritischer und reflektierter als Männer. Was nicht heißen soll, dass Männer es nicht sind, aber vielleicht gehen sie manche Dinge pragmatischer an: „Wird schon werden. Bekomme ich hin“. In dem Fall wünsche ich mir für Frauen mutiger zu sein.

Dennoch glaube ich, dass in unserer Branche in den nächsten Jahren mehr Frauen in Führungsrollen kommen werden. Zumindest auf Agenturseite. Die Kundenseite (je nach Branche) braucht vermutlich etwas länger. Hier herrscht noch viel häufiger veraltetes Strukturdenken.

Dahingehend wünsche ich mir eine faire Behandlung. Frauen sollten nicht anders bewertet werden, wenn es um Beförderungen und Gehälter geht. Es ist nach wie vor ein Unding – beispielsweise dass Frauen in gleichen Positionen noch immer weniger verdienen als Männer.

Da sind uns andere europäische Länder voraus, wenngleich ich keines kenne in dem es keinen Unterscheid gäbe. Aber so groß wie in Deutschland ist er in kaum einem anderen EU Land.

Warum gibt es so viele Erfolgsstories von großen Agenturchefs? Aber kaum von großen Agenturchefinnen?

Es gibt vermutlich mehr Agenturchefs als Agenturchefinnen. Und ich bin überzeugt, dass das weibliche Ego den eigenen Erfolg nicht so sehr nach außen tragen muss, um sich bestätigt zu fühlen.

Welches Vorbild inspiriert dich und warum?

Meine Tante. Sie ist mit über 60, beruflich immer noch erfolgreich; hat über 800 Mitarbeiter.

Schon vor 30 Jahren hatte sie eine Führungsposition und war gleichzeitig eine liebevolle Mutter.

Ich selbst bin auch eine arbeitende Mutter und weiß was es heißt, gesellschaftlich deswegen kritisiert zu werden. Sicher war es vor 30 Jahren noch ganz anders. Frauen wie meine Tante, haben den Weg geebnet und es leichter für Frauen meiner Generation gemacht.

Zudem inspirieren mich Frauen wie Barbara Schöneberger. Sie hat sich in einem männerdominierten Umfeld durch Intelligenz, Humor, Durchhaltevermögen, Fleiß und Können bewiesen und ist für mich DIE Showmasterin im deutschen TV. Sie singt, kann schreiben und zieht mit ihrem Mann zwei Kinder groß. Das inspiriert mich.

Welche Lese/Linkempfehlung hast du zu dem Thema?

Ich lese viele verschiedene Zeitschriften und natürlich springen mich als Frau selbst, Artikel zu dem Thema an. Aber das kann der Spiegel, genauso wie das Magazin Barbara sein.

Ergänzend, ein Satz zu dir – was macht dich aus, welcher Wert ist dir wichtig?

Ich bin ein Teammensch. Empathie und das menschliche Miteinander sind mir sehr wichtig. Was nicht heißt, dass ich von meinen Mitarbeitern nicht auch Einiges erwarte.

Ich glaube fest daran, dass du aus deinen Mitarbeitern das Beste herausholst, wenn du sie gut und fair behandelst. Wenn du offen bist und zuhörst. Das war schon immer meine Leitlinie.

Nadine Imboden, Regisseurin und Choreografin bei Entertainment in Motion

Nadine Imboden ist eine preisgekrönte Regisseurin und Choreografin in der internationalen Show- und Unterhaltungsindustrie. Mit ihren innovativen, temporeichen und aussergewöhnlichen Inszenierungen begeistert sie das Publikum und sorgt immer wieder für Aufsehen und grosse Beachtung.

Nadine, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Regisseurin & Choreographin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

An die schwierigen Anfänge erinnere ich mich gut. Die Skepsis der Männer empfand ich als anstrengend, das Klima kühl und alles etwas zu ernst. Ich habe gelernt; in einer Männer Runde muss sich Frau erst mal beweisen. Kann man aber die Männer überzeugen, sind sie meistens offen, charmant und tolle Kollegen.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Natürlich wäre es schön, wenn Männer und Frauen gleiche Chancen hätten. Ich denke aber, dass wir in dieser Beziehung, auf einem guten Weg sind. Es braucht seine Zeit, eine Gesellschaft zu ändern. Früher waren Frauen zu Hause und es gab klare Hausregeln. Heute begegnen sich die meisten Ehepaare auf Augenhöhe und sind ein Team.

Zum Thema Änderungen in den Agenturstrukturen – wie durch die Frauenquote? Eine Balance zwischen Frauen und Männern wirkt sich in einem Team positiv aus und fördert die Kreativität. Männer und Frauen sind sehr unterschiedlich und diese unterschiedlichen Gefühle bereichern jeden Austausch. Die richtigen Menschen zusammen zu bringen macht für mich die Magie aus. Ich bin aber kein Fan von der Geschlechterquoten, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Sind Frauen in der Eventbranche zu leise, zu zaghaft oder nur nicht mutig genug?

Wahrscheinlich ist es von allem ein bisschen. Vieles hängt auch sicher von der Erziehung ab und ist daher schwer abzuschütteln. Die jüngeren Generationen befreien sich gerade von diesen Zwängen. In den letzten Jahren bin ich sehr oft starken Frauenteams in der Eventbranche begegnet.

Warum gibt es so viele Erfolgsstories von großen Agenturchefs? Aber kaum von großen Agenturchefinnen?

Die Leitung einer Agentur ist mit viel Arbeit und Zeit verbunden. Die meisten Frauen bekommen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, Kinder und müssen Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen. Da sind unregelmäßige Arbeitszeiten und ein Vollzeit Job schwierig.

Aber auch hier zeichnet sich ein Wandel ab und junge Eltern teilen sich oft die Kindererziehung. Dazu kommt, dass sich das Homeoffice bewährt und das kann vor allem mit Kleinkindern sehr hilfreich sein.

Welches Vorbild inspiriert dich und warum?

Für mich ist Jennifer Somm ein Vorbild! Sie war CEO bei Rufener, einer der größten Eventagenturen in der Schweiz und anschließend CEO der Bernexpo Group. Jennifer hat Visionen, viel Mut und ist unglaublich kreativ. Dabei führt sie ihr Team charmant und zukunftsorientiert.

Weitere tolle Frauen, die mich in meiner Laufbahn ebenfalls inspiriert haben, sind Ulrike Plesser und Monika Graf. Beides tolle Regisseurinnen! Und nicht zu vergessen: Bala Trachsel, CEO & Managing Partner bei der Republica AG.

Starke und mutige Frauen die Leidenschaft und Kompetenz vereinen.

Ergänzend, ein Satz zu dir – was macht dich aus, welcher Wert ist dir wichtig?

Ehrlichkeit und Respekt sind mir sehr wichtig! Am Ende geht es um die Kreation und nicht um die einzelnen Egos. Letztendlich wirkt sich der Spaß im Team, immer positiv auf das Endergebnis aus.

Frauen in der Eventbranche // Photo by roya ann miller on Unsplash

 

Silja Neumann, Senior Projektmanagerin in München

Silja, welche Erfahrung hast du in deinem ersten Termin als Projektmanagerin gemacht? Und was hat es dich gelehrt?

Bei meinem Berufseinstieg habe ich dieselben Erfahrungen gemacht, wie jede andere Frau die ich kenne auch: männliche Kollegen haben immer etwas lauter auf sich aufmerksam gemacht und waren deutlich überzeugter von ihrem Können. „Laut sein“ wird natürlich eher gesehen und dem entsprechend von männlichen Vorgesetzten mit Gehalt und Beförderung belohnt.

In zahlreichen Meetings saß ich als einzige Frau, ahnungslosen Alphamännchen gegenüber – dass ist als Berufsanfänger schwierig. Aber mit zunehmender Erfahrung, lassen sich da auch viele meiner sehr guten Eventkolleginnen nicht mehr die Butter vom Brot nehmen.

Heute kann ich glücklicher Weise sagen, dass ich durch meine berufliche Erfahrung, damit keine Probleme mehr habe.

Muss sich etwas ändern? Wenn ja: Was muss sich wie bei wem in Sachen Frauenrolle ändern? Müssten wir nicht in den Agenturstrukturen anfangen?

Es ist leider flächendeckend so, dass Frauen sehr oft benachteilig werden. Bei den Themen Gehalt und Führungspositionen ist es nicht nur ein agenturspezifisches Phänomen. Das ist etwas Strukturelles und fängt damit an, dass es super schwierig ist einen Krippenplatz zu finden und Frauen mit Kindern, automatisch nicht mehr für Führungspositionen vorgesehen werden.

Wenn wir das Potential von unzähligen, gut ausgebildeten Frauen – die bereit und fähig sind in die Verantwortung zu gehen – voll ausschöpfen wollen, dann muss sich strukturell etwas ändern.

Wir sollten ermöglichen das Arbeitsplätze und Führungspositionen gesplittet werden können. So dass sich zwei gleich qualifizierte Mitarbeiter eine bis eineinhalb Stellen teilen könnten.

Das sollte sowohl für Mütter als auch Väter – ohne Karriereknick – ermöglicht werden. So hätten Frauen wieder eine größere Chance auf den Berufseinstieg inkl. Führungsposition.

Zudem benötigt es dringend eine Steuerreform. Frauen mit Kindern sind nach wie vor steuerlich benachteiligt. Mit einer Reform wäre es für Mütter wieder attraktiver zurück in den Beruf zu gehen. Dazu benötigt es natürlich Krippenplätze und Ganztagsschulen, mit gut ausgebildetem und entsprechend entlohntem Personal.

Solange sich keine Änderung einstellt, finde ich ist die Frauenquote kein schlechtes Instrument. Das bedeutet ja nicht, dass deshalb automatisch unfähige Frauen auf Positionen geschoben werden, die sie nicht erfüllen.

Grundsätzlich habe ich einfach ganz viel Hoffnung in die junge Generation! Wenn ich mir meine Neffen anschaue, die zwischen 20 und 14 Jahre alt sind, dann sehe ich tolle junge Erwachsene, die die Welt zum Glück anders sehen, als die „Alten“. Ich hoffe die nachfolgenden Generationen von Frauen, wird es etwas leichter haben. Da freue ich mich über jede tolle Frau in der Öffentlichkeit, wie jetzt Kamala Harris.

Vielen Dank euch für diese Gedanken – ihr Frauen in der Eventbranche rockt den Laden!

Frauen in der Eventbranche – wie geht es weiter?

Übrigens: Beim Podcast hören (siehe Einstieg) viel mir sofort eine gute Frage ein, um das Gegenüber immer (!) zum Denken zu bringen: Was soll nach dem Event anders sein als vorher? Welche Wirkung erhoffen sie sich? Woran merken die Besucher eine Transformation durch das Event? Wie denken, fühlen, handeln sie anders durch das Event? Wer diese Frage stellt hat immer die Aufmerksamkeit des Mannes gegenüber. Denn dann müssen wir denken…

Frage: Gerne würde ich hören wie es euch als Frauen im Eventbereich mit diesem Thema geht? Was muss sich ändern? Wie gelingt das? Welche Tipps habt ihr? Was kann ich als Mann lernen und wie den Umgang mit Frauen besser gestalten? Ich bin gespannt auf die Diskussion über LinkedIn oder Facebook.

Teaser: Diesen Sonntag, den 22.11. starte ich meinen Podcast “Events im Wandel – What’s Next?”. Stay tuned & enjoy 😉

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