Wir brauchen eine REVOLUTION des GEBENS

20. Dezember 2020

Revolution des Lebens

Revo­lu­tion des Gebens // Ein Plädoyer für den Sinn des Gebens (Foto: pixabay) 

 

Geben macht glück­lich. Dennoch geben die Deut­schen immer weniger.

 

Weih­nachts­zeit ist Spen­den­zeit. In Deutsch­land wird in diesen Tagen tradi­tio­nell wieder gut gespendet, auch mit Corona-Pandemie. Den Rest des Jahres sieht es mit unserer Freude am Geben dann aber wieder Mau aus. Immer weniger Deutsche spenden und über­lassen die guten Taten lieber der älteren Genera­tion. Wir brauchen dringend eine Revo­lu­tion des Gebens. Viel­leicht kann gerade die aktuelle Pandemie zu ihrem Start­schuss werden.

 

Geben macht glück­lich. Das haben Neuro-Wissen­­schaftler aus Lübeck erforscht. Dafür haben sie zwei Probanden­gruppen in den Kopf geschaut. Sie wollten heraus­finden, wie sich das Geben auf ihr Wohl­be­finden und Verhalten auswirkt. Im Test war eine Gruppe ange­halten ein anver­trautes Budget ausschließ­lich für andere Menschen auszu­geben, indem sie spenden oder jemanden beschenken. Die andere Gruppe sollte das Geld nur für sich selbst ausgeben. Das Ergebnis: Die groß­zü­gige Gruppe gab an glück­li­cher zu sein und verhielt sich auch in folgenden Tests durchweg groß­zü­giger. Ihr Gehirn verknüpfte Groß­zü­gig­keit mit Glücks­ge­fühlen. Gleich­zeitig zeigt die Studie, dass man Geben zu einer guten Gewohn­heit kulti­vieren kann.

 
 

In Sachen Geben ist Deutschland Entwicklungsland.

 

Der Trend in Deutsch­land ist eindeutig. Laut der GfK Studie „Bilanz des Helfens“ spenden seit Jahren immer weniger Menschen. Die Genera­tion 70+ ist Jahr für Jahr die spen­den­freu­digste. Von ihnen spendet jeder Zweite. Insge­samt machten sie im Jahr 2019 über 40% des Spen­den­vo­lu­mens aus. Bei nach­fol­genden Genera­tionen ist die Anzahl der Geber*innen rück­läufig, auch wenn die durch­schnitt­liche Spen­den­höhe zwischen­zeit­lich ange­stiegen ist.

Wenn wir über den großen Teich schauen, spenden die Ameri­kaner pro Kopf 5‑mal so viel wie wir. Weniger Wohl­ha­bende enga­gieren sich dort stark im Ehrenamt. Wenn, dann sind die Deut­schen in der Advents­zeit tradi­tio­nell groß­zügig. Die Ameri­kaner hingegen spenden das ganze Jahr über. Während wir uns in Deutsch­land darauf verlassen, dass der Gesetz­geber unsere Steuern sinnvoll verteilt, wollen die Ameri­kaner lieber selbst entscheiden, welche gesell­schaft­li­chen Themen sie unterstützen.

 
 

Was steckt hinter unserer Spendenunlust?

 

Zum Beispiel eine schwache Spen­den­kultur: Bei uns wird grund­sätz­lich ungern über Geld gespro­chen, öffent­lich schon gar nicht. Darunter leidet auch das Spenden. Wer sich mit einer groß­zü­gigen Tat doch einmal hervortut, erntet dafür eher Kritik als Wert­schät­zung. Wir sind es gewohnt, dass das Geld für wichtige Themen in der Regel schon da ist. Warum sollten wir uns also dafür enga­gieren? Gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tionen müssen für ihre guten Anliegen immer aufwen­diger um Unter­stüt­zung werben. Dem Geben fehlt es immer mehr an Vorbil­dern: Wenn immer weniger Menschen gerne Geben, werden auch immer weniger junge Menschen die Freude daran entde­cken können.

 
 

Corona – Unsere Chance für eine Revolution des Gebens?

 

Bei allen Unsi­cher­heiten und Nöten, die die aktuelle Corona-Pandemie mitbringt, zeigt sie ebenso eindrück­lich, wie wir zusam­men­rü­cken können und müssen. Auf einmal merken wir, was fehlt, wenn kultu­relle, gastro­no­mi­sche und soziale Angebote ums Über­leben kämpfen oder einfach nicht mehr da sind. Auf einmal starten wir kreative Spen­den­ak­tionen für unseren Friseur, kaufen symbo­li­sche Tickets unseres Lieb­lings­künst­lers oder spen­dieren unserem Fußball­club eine virtu­elle Brat­wurst. Genau dieses Enga­ge­ment brauchen wir in Deutsch­land! Auch ohne Pandemie und vor allem nach­haltig. Das wäre eine echte Revo­lu­tion des Gebens. Die Chance dafür ist jetzt da und jeder von uns ist einge­laden die Freude am Geben neu zu entdecken.

Und nicht vergessen: Geben macht glücklich!

 
 

Lars Flottmann


Lars Flott­mann
ist Fund­raiser & Kommu­ni­ka­ti­ons­be­rater. Er setzt sich mit seiner Agentur www.fundraising-strategen.de für mehr Freude am Geben ein. Er unter­stützt gemein­nüt­zigen Orga­ni­sa­tionen dabei neue Spender, Freunde und Fans für ihre gute Sache zu finden.

 

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