Digitales Konzerterlebnis: 6 Fragen an Robert Gummlich

Digitales Konzerterlebnis: Robert Gummlich zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker

 

 

Den Bildregisseur Robert Gummlich habe ich bereits vor zehn Jahren in Köln kennen gelernt. Uns verbindet neben gemeinsam umgesetzten Medienproduktionen auch die Begeisterung für Live-Musik und ein ähnlicher Anspruch an Arbeitsweisen – fachlich wie menschlich. In den letzten Jahren hat Robert maßgeblich die Live-Übertragung von Konzertmitschnitten der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Digital Concert Hall mitentwickelt (Hintergründe und Informationen zur DCH unterhalb). Zu seinen Erfahrungen und Selbstverständnis als Bildregisseur habe ich ihn befragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an eine gelungenes digitales Konzerterlebnis?

 

Klar ist: Ein persönliches Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Es ist wie beim Kochen: Es selbst zu tun, die Dinge zu berühren und fühlen, zu riechen und schmecken und die gesamte Atmosphäre synästhetisch zu empfinden kann einfach niemals das Gleiche sein wie den gleichen Prozess im Fernsehen zu sehen und zu hören. Die Live-Übertragung, egal ob im Fernsehen oder im Internet, ist dennoch die zweitbeste Möglichkeit, an einem Live-Event teilzuhaben, wenn ich nicht selbst vor Ort sein kann (z.B. weil es zu teuer oder ausverkauft ist, meine Mobilität aus Altersgründen vielleicht eingeschränkt ist oder das Event auf einem anderen Kontinent stattfindet). Mein Ziel für ein digitales Konzerterlebnis ist also, dieses Erleben aus der Beobachter*innenperspektive mit den mir verfügbaren fernsehtechnischen Mitteln so intensiv wie möglich zu gestalten. Und dabei die Inhalte, sprich meine Künstler*innen und die sie umgebenden Räume, möglichst optimal zu präsentieren.

 

Als Beispiel möchte ich kurz beschreiben, wie meine liebste Kritik nach einer Übertragung klingen könnte: „Der Dirigent ist ja unglaublich intensiv gewesen heute, aber als der Hornist sich verspielt hat, hat er kurz ganz schön böse geschaut. Und die junge Sopranistin hat ja sogar in den höchsten Tönen noch ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, als sei da nichts dabei. Ich hatte echte Gänsehaut. Und als sie sich dann verbeugt hat und gelacht hat zum Orchester, da war sie wieder so wunderbar natürlich und gelöst, wie ein junges Mädchen. Vorher wirkte sie so ernsthaft und ganz erwachsen.“
Kein Wort davon beschreibt unsere Kamera- oder Regiearbeit, die Einstellungsgrößen, Schnittfrequenzen, Kranfahrten oder sonstige technische Hintergründe unserer Arbeit. Die Zuschauenden waren im Flow des Events, gefesselt von der Intensität der künstlerischen Leistung auf der Bühne, sogar vor dem Bildschirm. Fast so, als säßen sie selbst im Saal. Das ist das erklärte Ziel meiner Arbeit: Meine Künstler*innen und ihre Leistungen so gut aussehen zu lassen, wie es mir möglich ist. Die Basis dafür ist mein tiefer Respekt vor ihrer Leistung und den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für unsere Arbeit.

 

Noch eine kurze Anekdote zu Zuschauenden, wie ich sie mir wünsche: Bei meiner Arbeit an der Wiener Staatsoper, wo ich im vergangenen Jahr das Streaming-Team aufbauen durfte, ist uns ein ganz besonderer Zuschauer begegnet. Dieser Herr sieht sich nicht nur im Rahmen seines Jahres-Abonnements regelmäßig Opern in der Wiener Staatsoper an (in der Mitte des Parketts auf einem wirklich ausgezeichneten Platz). Er schaut sich regelmäßig ein paar Tage später die gleichen Opern noch einmal im Live-Stream an (wir übertragen dort in der Regel die 3. Vorstellung einer Serie), weil er die Qualität der Tonmischung und die Naheinstellungen und Bildführung der Regie genießt. Offensichtlich gelingt es uns, sein Erleben der Oper mit unseren Übertragungen noch zu intensivieren! Und dieser Herr ist bereit, für dieses Erleben seinen Beitrag zu bezahlen, weil er etwas erhält, was ihm das Fernsehen nie bieten kann.

 

 

2. Worin liegt die Herausforderung am Live-Stream?

 

Die meisten Livestreamings haben kleine Budgets, die nicht mit Fernsehbudgets vergleichbar sind. Dennoch werden die Ergebnisse unserer Übertragung mit professionellen Fernsehproduktionen verglichen. Denn diese haben die Seherfahrung unsere Zuschauenden über Jahrzehnte geprägt. Die Herausforderung besteht also darin, mit einem vergleichsweise kleinen Kernteam (5 – 8 Personen beim Streaming im Vergleich zu 30 – 45 Personen bei der Fernsehübertragung) und reduziertem technischen Aufwand ein vergleichbar intensives Erlebnis zu gestalten. Das erfordert natürlich eine Anpassung unseres gelernten Fernsehhandwerks.

 

Was uns dabei hilft ist die Einbettung der Streaming-Abteilung in die entsprechenden Häuser: Wir sind in Berlin ebenso wie in Wien eine eigene Abteilung und kommen nicht als Fremde zu den Musiker*innen. Weil wir die Abläufe besser verstehen als Menschen, die nur einmal im Jahr in einem Konzertsaal arbeiten, können wir besser Rücksicht nehmen auf die Notwendigkeiten der künstlerischen Abläufe. Und wir werden als Verbündete der Musiker*innen wahrgenommen, wir haben im besten Fall ihr Vertrauen. Denn eines muss man sich klar machen: Jede*r weiß im 21. Jahrhundert aus ungezählten Youtube-Clips, wie schnell man vor der Kamera schlecht aussehen kann, wie gnadenlos genau die Kameras heute hinschauen und hinhören. Das schafft große Unsicherheiten, auch wenn sie nur unterschwellig sind und selten eingestanden werden. Und da wir es mit Künstler*innen der absoluten Weltspitze in einer intensiven Konkurrenzsituation zu tun haben, reichen manchmal schon kleine Nuancen oder Ablenkungen, um die Einmaligkeit und damit schlimmstenfalls auch den Marktwert zu gefährden.

 

Umgekehrt, also positiv formuliert: Unsere Künstler*innen vertrauen uns, dass wir sie bestmöglich aussehen lassen, verstehen und schützen. Daher können sie ein klein wenig entspannter und konzentrierter ihre Leistung bringen als bei einer typischen Fernsehübertragung, die breitschultriger auftritt, die Abläufe stört und nicht im Kontakt mit den Künstler*innen und ihren Bedürfnissen steht. Und damit meine ich nicht nur die Bedürfnisse der großen Solist*innen, sondern auch die einer Tutti-Violine am 8. Pult hinten links. Ich glaube also, bei uns spielen die Künstler*innen ungestörter und daher ist das Geschehen vor der Kamera ein wenig intensiver. Da macht es nicht viel aus, wenn unsere Übertragungswerkzeuge sich den Budgets anpassen müssen. Und das schätzen auch unsere Zuschauenden, denn die bezahlen den Abo-Preis nicht für die Vorführung von neuester Showtechnik oder Kameratypen, sondern für das Erleben einer einmaligen künstlerischen Leistung.

 

 


Digital Concert Hall // Video: Berliner Philharmoniker

 

 

3. Worin liegt der Unterschied zwischen Live-Stream und Fernsehen?

 

Internetstreamings sind in meinen Augen ein Schritt hin zur Demokratisierung von medialen Inhalten, wie man sie schon länger im Journalismus (Stichwort: Blogger) wahrnehmen kann: Die gleichen Menschen, die die (künstlerischen) Inhalte herstellen, können darüber entscheiden, sie weltweit ihrem Publikum anzubieten und den Preis dafür zu bestimmen.

 

Und sie verfügen persönlich über die Verbreitungswege und -mechanismen. Sie sind nicht mehr auf die Beurteilung durch Redakteur*innen oder Produzent*innen angewiesen, die eine riesige, extrem teure Mechanik zur Verbreitung verwalten und Einfluss nehmen auf die inhaltliche Auswahl. Die Entscheidungsstrukturen der Internetstreamings sind wesentlich schlanker und schneller als bei Rundfunkanstalten. Auch werden völlig andere Zuschauerzahlen angestrebt: Das Fernsehen zielt auf ein Millionenpublikum in einem regionalen Raum, für Weltmarken wie die Berliner Philharmoniker ist schon eine Zahl um die 4000 Zuschauer weltweit bei einem Live-Event ein großer Erfolg, denn damit hat sich die Zuschauerzahl an diesem Abend verdreifacht im Verhältnis zum Saalpublikum! Und sie erreichen ein weltweites, geneigtes Publikum wesentlich leichter als der Rundfunk, für den schon ein einziges Projekt, das weltweit gesendet wird (wie eine Fußball-WM oder Olympiade) mit einem Vorlauf von mehreren Jahren Organisationsaufwand und immensen Kosten verbunden ist.

 

Möglich wird dies durch die vorhandene Infrastruktur des Internets, die eine demokratische Distribution möglich macht. Deswegen ist auch für die Verbreitung von Kultur im Internet die Netzneutralität ein höchst wertvolles Gut. Und außerdem werden Internetstreamings möglich durch schlankere, spezialisiertere Produktionsverfahren, die wir nach und nach entwickeln. Wobei hier ein bisschen die Gefahr besteht, dass die Honorare für unsere Arbeit verringert werden, weil es sich „nur“ um ein Internetstreaming handelt und im Moment sehr oft um Pilotprojekte. Das ist aber zum Glück bei meinen Auftraggebern nicht mehr der Fall, die wissen die Qualität der Bildregie auch finanziell zu schätzen. An dieser Stelle einen großen Dank dafür!

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Live-Regisseur zu realisieren?

 

Bevor ich die Frage beantworte, möchte ich gerne mein Verständnis meines Jobs beschreiben. Es gibt Live-Regisseur*innen, die ihre kreative Bedeutung und künstlerische Leistung innerhalb der Produktion sehr hoch bewerten und sich selbst als große Künstler*innen präsentieren und verkaufen. Das führt dann häufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen der Künstler*innen auf der Bühne. Dem möchte ich meine Auffassung meines Berufs gegenüberstellen: Ich glaube, wir üben ein hochintelligentes Handwerk aus (eine Haltung, die ich nicht selbst erfunden, sondern während meiner Assistenz-Zeit von einem in meinen Augen sehr guten Regisseur übernommen habe). Die Künstler*innen stehen bei uns VOR der Kamera, unsere Aufgabe hinter der Kamera ist es, ihre Leistung so gut wie möglich zu verstehen. Wir stehen also im Dienste unserer Künstler*innen. Als Bild dafür verwende ich in Seminaren gerne die Vorstellung von einem Übersetzer, der ein Shakespeare-Sonett ins Deutsche übersetzen soll: Reine Technik (Google-Translator) führt zu überhaupt nichts. Der Übersetzer muss zwei Sprachen in ihrer sprachlichen Tiefe und Schönheit verstehen und einsetzen können und dazu noch Shakespeares Intentionen und Witz! Dennoch ist und bleibt das Gedicht, egal ob in Deutsch oder Englisch, zu jedem Zeitpunkt ein Werk Shakespeares. Die Leistung des Übersetzers für den künstlerischen Genuss wird dadurch aber nicht abgewertet, sondern ist für die deutschsprachigen Lesenden absolut wesentlich und unersetzbar.

 

Jetzt zur Antwort, worauf ich angewiesen bin bei meinem Job. Kurz und knapp: Auf mein Team! Eigentlich gibt es dazu fast nichts mehr hinzuzufügen, so selbstverständlich sollte diese Erkenntnis sein. Denn keine*r macht eine Live-Übertragung alleine! No way, never ever! Ich beiss mir immer auf die Lippe, wenn sich jemand vor mich stellt und sagt: „ICH hab letzte Woche eine Oper übertragen / MEINEN Film auf dem Festival präsentiert“ und denke mir: Tatsächlich? Du hast alle Kabel gezogen, bist die LKWs gefahren, hast alle Kameras aufgebaut, das Licht angeschlossen, das Mikro gehalten, die Listen getippt, die Hotels gebucht, die Künstler*innen betreut, das Catering gekocht undundund…???? Respekt, Kollege, ehrlich…

 

Und gerade während einer Live-Übertragung, bei der nichts „in der Postproduktion gefixt“ wird, sondern alles auf Anhieb sitzen muss, bin ich zu 100% darauf angewiesen, dass jede*r im Team mit voller Konzentration, Leistungsbereitschaft und Begeisterung von Anfang bis Ende dabei ist. In unseren reduzierten Stream-Teams, bei denen jede*r mehrere Aufgaben übernimmt, darf es keine menschlichen oder fachlichen Fragezeichen geben, da bin ich unglaublich sensibel. Und wenn man sich in der Regieposition diese 100%ige Abhängigkeit von seinem Team bewusst macht, relativiert sich die sogenannte Machtposition der Regie sehr angenehm. Ich betrachte sie ohnehin eher als eine – zugegebenerweise zentrale – Rolle innerhalb eines notwendigen Hierarchiegefüges für einen klar begrenzten Zeitraums. Dieses Bewusstsein schützt ganz gut vor Überheblichkeit. Leider keine seltene Erscheinung in unserem Beruf…

 

Und worauf wir natürlich immer angewiesen sind: Auf die Leistung unserer Künstler*innen! Denn wenn diese nicht ihr Potenzial optimal abrufen können, können wir den besten Job der Welt gemacht haben und dennoch bleibt das Gesamtergebnis in der Mittelmäßigkeit. Egal ob wir UHD, HD, 4K, 5.1-Surround, Cinemascope oder sonstige Superlative außen drauf schreiben.

 

 

Digital Concert Hall

 

 

5. Wie hast du dich für dieses neue, einmalige Kamera-Übertragungssystem inspirieren lassen – wie kam das zu Stande?

 

Genau genommen gab es für dieses Kamera-System keine Inspiration, weil es weltweit das erste war, das so eingesetzt werden sollte. Da der Bau des ersten Studios der DCH relativ schnell erfolgen musste (aus Gründen des Sponsorings), waren wir als Regieführende in der Planung auch noch nicht involviert. Und vielleicht war das auch gut so, denn sonst hätten wir wahrscheinlich versucht, an unserem Handwerk festzuhalten. So waren wir schlicht gezwungen, umzudenken oder zu verschwinden: Wir standen vor einem fertigen System, das niemand kannte, mit dem noch niemand Erfahrungen hatte und das eine deutliche Veränderung (und auch Verabschiedung mancher Teile) unserer Arbeitsweise erforderte. Wir waren gefordert, unsere Arbeitsweise neu zu erfinden. Und zu forschen, wo die Möglichkeiten, Vorteile und Grenzen dieses Systems liegen. Immer mit den ästhetischen und qualitativen Kriterien, die wir von unseren Fernsehjobs im Kopf hatten.

 

Da hat mir der Satz meines Klavierlehrers, ein wichtiger Mentor in meinem Leben, geholfen: „Schwimmen lernt man nur im Wasser!“ Damit hat er uns immer auf die Bühne geschickt, wenn wir beim Klassen-Vorspiel Lampenfieber hatten.
Also: Augen zu, oder besser: auf! und reingesprungen. Wir hatten allerdings auch eine Vorlaufphase von einem halben Jahr vor der ersten Liveübertragung, so konnten wir alles Mögliche ausprobieren. Das war ein großer Luxus.
Gleichzeitig kommt uns die Situation auf der Bühne entgegen bei der Verschlankung von Strukturen: Letztlich wiederholen sich bei Konzertübertragungen die Einstellungen immer wieder (das ist übrigens, wenn man ehrlich ist, nicht nur im Konzertsaal so). Denn der musikalische Apparat sitzt in dieser Form schon seit Jahrhunderten auf der Bühne und spielt mit den gleichen Instrumenten die gleiche Musik. Das Faszinierende für die Liebhaber*innen dieser Musik kommt über die einzigartige, immer wieder neue und andersartige Interpretation der Musik, damit haben wir aber in unserer Arbeit weniger zu tun. Wir können also in unserem System während der Proben für jede Kamera beliebig viele unterschiedliche Einstellungen der Instrumentengruppen als Snapshots speichern und dann punktgenau (während der Livesendung im Sekundentakt) abrufen. Denn die 1. Flöte sitzt immer am gleichen Platz. Dennoch muss jede Vorstellung neu programmiert werden, denn die Orchesteraufbauten wechseln, eine Mozart-Sinfonie ist keine Wagner-Ouvertüre und verwendet andere Instrumentierungen. Und für besondere Situationen wie Solo-Konzerte oder Chöre können wir inzwischen im Ausnahmefall auch ein bis zwei Zusatzkameras mit Kameramensch im Saal positionieren, das erweitert das System sehr positiv.

 

Bei den Streamings der Opern an der Wiener Staatsoper, die seit Herbst 2013 laufen, sieht es dagegen ganz anders aus: Auf einer Opernbühne werden selbst die besten und präzisesten Akteur*innen niemals an der gleichen Stelle singen. Daher arbeiten wird dort mit zwei Operator*innen, die abwechselnd immer für die nächste Einstellung zuständig sind und beide Zugriff auf alle Kameras haben. Genau genommen haben mich die Verantwortlichen der Wiener Staatsoper nach einem Besuch in Berlin gefragt, ob ich in der Lage bin, unser Berliner Modell auf die Anforderungen der Wiener Staatsoper anzupassen und die Teams dort auszubilden. Wieder ein Sprung in tiefes, kaltes Wasser!

 

Jetzt, nach mehr als 20 Übertragungen in den letzten 12 Monaten kann ich mit Gewissheit sagen: Wir können auch Opern mit Remote-Systemen und kleinem Team anspruchsvoll übertragen, überhaupt kein Problem! Wobei sich die Gestaltung von den typischen Fernsehaufzeichnungen unterscheidet, wir haben den Schnittrhythmus beruhigt und lassen den Akteur*innen mehr Raum auf der Bühne und für ihr Spiel. Das halte ich auch für angemessener: Eine hohe Schnittfrequenz von extremen Naheinstellungen, typisch fürs Fernsehen des 21. Jahrhunderts, wie sie z.B. die Metropolitan Opera in New York weltweit auf die Kinoleinwände bringt, halte ich für ästhetisch problematisch: Eine Opernsängerin, deren Kopf auf einer Kinoleinwand mehrere Meter vergrößert singt, empfinde ich in den meisten Fällen als grotesk entstellt. Dabei geht es nicht um die Frage von richtig oder falsch, sondern immer nur darum: Was ist dem Inhalt und dem Charakter angemessen? Diese kluge und feine Unterscheidung verdanke ich einem hervorragenden Lichtsetzenden Kameramann und gutem Freund, Alexander Törzs (BVFK), der mich bei meinen Projekten regelmäßig berät und unterstützt.

 

 

6. Was war dein bisher größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Das wird jetzt eine sehr persönliche Antwort: In einer hohen Belastungssituation habe ich meine Selbstbeherrschung verloren und mich absolut im Ton gegenüber einer Produktionsleiterin vergriffen. Klar und ehrlich gesagt: Wir haben uns angeschrien.

 

Ich war der Meinung, meine Notwendigkeiten finden zu wenig Beachtung, ich empfand höchsten Druck, fühlte mich erschöpft und überfordert und ich betrachtete eine spezielle, zusätzliche Belastung als bösartige Missachtung meiner Bedürfnisse und Ignoranz meiner Arbeit gegenüber.
Ein Satz mit sehr vielen „Ichs„. Ein sehr großer Fehler. Oder gleich mehrere: Das wertvolle Verhältnis zu einer Kollegin zu belasten für eine im Nachhinein belanglose Arbeitssituation; meine Bedürfnisse in den Mittelpunkt einer Produktion zu stellen; überlastet und unüberlegt zu handeln; die Liste kann jede*r für sich vervollständigen. Ich möchte zu meiner Verteidigung sagen, dass mir so eine Situation nie wieder vorgekommen ist.

 

Am nächsten Tag habe ich mich entschuldigt. Seither versuche ich durch regelmäßige, besonders aufmerksame Kommunikation, inzwischen über 5 Jahre, das erschütterte Vertrauen wieder aufzubauen. Ich bin mir allerdings darüber im Klaren: So etwas vergisst niemand, ich auch nicht! Wir kommen heute dennoch sehr gut klar miteinander.

 

Ich habe mich später vor allem aus persönlichen Gründen mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinander gesetzt, weil die vielen Konflikte in unserem Leben so häufig durch misslingende Kommunikation entstehen. Und ich mich so oft gefragt habe, wieso Menschen, die sogar im Prinzip ähnliche Ziele und Wünsche haben, sich nicht so darüber austauschen können, dass eine Win-Win-Situation für alle entsteht. Die wertschätzend-liebevolle Gedankenwelt von Marshall Rosenberg, die eher eine Weltanschauung und weit mehr ist als eine Kommunikationsmethode, möchte ich hier unbedingt für unser Berufsfeld empfehlen. Unser Berufsalltag ist geprägt von hoher Konzentration, Anspannung und manchmal negativem Stress sowie umfangreichen, verschiedenartigen Bedürfnissen, die häufig widersprüchlich sind. Es wird viel Kritik geübt und noch viel mehr vermeintlich falsche Kritik übel genommen. In diesem Umfeld ist die wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation das Schweizer Taschenmesser der Konfliktlösung, gerade für die Regieposition. Denn mindestens die Hälfte unserer Arbeit ist Kommunikation, wenn nicht mehr.

 

 

Digitales Konzerterlebnis Bildregisseur Robert GummlichRobert Gummlich lebt in Berlin und ist als Bildregisseur für die Übertragung von klassischer Musik, Oper und Theater europaweit unterwegs. Er betreut drei von vier der wichtigsten Streamingprojekte im deutschsprachigen Raum: Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, die WienerStaatoperLive der Wiener Staatsoper, sowie Philharmonie.TV der Kölner Philharmonie. Und neuerdings auch das Nachwuchsprojekt HomeSymphony der Mannheimer Philharmoniker. Basis seiner Tätigkeit ist die eigene künstlerische Ausbildung (Gitarre, Klavier, Querflöte, Chorgesang und Tanz) sowie das auf dieser Ausbildung basierende Studium der Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, das neben den gestalterischen Kompetenzen auch umfangreiche technische Grundlagen vermittelt. Vor dem Schritt zur Regie arbeitete er als Regieassistent für fast alle Kultursender Deutschlands bei den maßgeblichen Klassikübertragungen des deutschen Fernsehens.
Außerdem unterrichtet er sein Handwerk an verschiedenen Institutionen (Düsseldorf, Hannover, Wien). Und profitiert täglich bei seiner Arbeit davon, dass er auch schon als Küchenjunge, Fahrradkurier, Fabrikpacker und LKW-Fahrer gearbeitet hat.

 

 

Hintergrund: Was ist die Digital Concert Hall?

 

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur ein weltweit führendes Orchester, sondern legen schon immer größten Wert darauf, technische Neuerungen nutzbringend für das Orchester einzusetzen und auch in diesem Bereich eine Spitzenposition einzunehmen. So war Herbert von Karajan Ende der 1970er an der Entwicklung der CD beteiligt. Und Karajan war es auch, der bereits in den 1950ern, beim Bau der Berliner Philharmonie, weltweit bekannt für ihre ausgewogene Akustik, Kamerapositionen im ersten architektonischen Konzept der Philharmonie vorbereiten ließ, weil er ahnte, dass die Bildübertragung für Konzerte wichtig werden würde. Außerdem hat er mit dem ZDF berühmte Konzertadaptionen im Studio verfilmt, die für unseren Berufszweig noch immer ästhetisch maßgeblich sind.
Durch die starke Veränderung der Medienlandschaft und den Rückzug der Fernsehsender und Musikproduktionsfirmen aus den klassischen Konzertsälen entstand um die Jahrtausendwende eine Lücke, die es zu füllen galt. Denn die Berliner Philharmoniker haben nicht nur ein treues Publikum in Berlin, das für einen regelmäßig ausverkauften Konzertsaal sorgt, sondern auch eine weltweite Fangemeinde, die sich um die wenigen Plätzen bei den Tourneen durch Asien oder Amerika drängelt. Es lag also nahe, mit dem Aufkommen von Internetstreamings, diese im Sinne des Orchesters zu nutzen und die Internetplattform Digital Concert Hall (DCH) zu entwickeln.

 

Die DCH ist die weltweit erste Internetplattform, auf der registrierte Nutzer*innen seit der Saison 2008/2009 im Rahmen eines Bezahl-Abonnements Zugang erhalten zu den HD-Live-Übertragungen aller Konzerte, die die Philharmoniker in der Berliner Philharmonie spielen. Im Anschluss an die Liveübertragungen können diese Konzerte unbegrenzt im Archiv angesehen und angehört werden. Abgerundet wird das Angebot durch Künstler*innengespräche, Hintergrundberichte, kostenfreie Streamings von Education-Projekten (auch bei den Zuhörenden muss es Nachwuchsförderung geben!) und durch ausgewähltes historisches Material. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Aufzeichnung des Konzerts, das die Berliner Philharmoniker unter Barenboim 1989 zum Mauerfall spontan organisierten. Nach inzwischen sechs Spielzeiten enthält das Archiv mehr als 180 Konzertmitschnitte in HD auf musikalisch höchstem Niveau, ein Archiv, das so weltweit einzigartig ist. Es ist das digitale Vermächtnis der Berliner Philharmoniker.

 

Auch bei der verwendeten Technik ist die DCH einzigartig: Es kommt ein System von 7 Remote-Kameras zum Einsatz, die über ein speichergestütztes System von einem einzigen Kamera-Operator geführt werden. Der wichtigste Grund dafür war, dass auf der Bühne kein Kamerapersonal arbeiten sollte, das die Aufmerksamkeit der Musiker*innen durch ihre Anwesenheit beeinträchtigt oder die Audioqualität durch unabsichtliche Geräusch stört. Gleiches gilt für das Saalpublikum, dessen musikalisches Erlebnis absolut nicht beeinträchtigt werden darf durch unsere Arbeit.

 

Die DCH wendet sich an ein weltweites Publikum im reiferen Alter (im Vergleich zu Fernsehsendern mit der typischen „19 – 49“ Zielgruppe) und hohem kulturellem Bildungsstand. Denn dieses Publikum, das auch bereit ist, für eine einzelne Konzertkarte 100 € und mehr zu investieren, hat ein Bewusstsein für die angebotene Qualität. Und die Bereitschaft und Wertschätzung, für ein Jahresabonnement mit unbegrenztem Zugang zum Archiv 150 € zu bezahlen. Außerdem ist es nicht das typische Publikum, das sich Inhalte kostenfrei und halblegal aus dem Internet „saugt“. Wir haben es also mit Liebhaber*innen klassischer Musik zu tun, außerdem mit Profimusiker*innen weltweit, die sich durch die Arbeit der Dirigent*innen und Musiker*innen auf der Bühne inspirieren und weiterbilden lassen. Und nicht zuletzt – wichtig für die Akzeptanz unserer Arbeit innerhalb des Orchesters – mit den Freund*innen und Familien der Orchestermusiker*innen, denn dieses Orchester vereint mehr als 50 Nationen auf der Bühne und hat seine Wurzeln in der ganzen Welt.

 

Es ist noch anzumerken, dass die DCH im Jahr 2008 die erste Plattform weltweit war (auch vor allen Fernsehsendern!), die regelmäßig hochwertige Inhalte in HD zur Verfügung stellte, lange bevor HD Standard wurde. Und heute diskutieren viele Orchester, die von der DCH angeregt wurden, „The Berlin Model“, das weltweit Maßstäbe gesetzt hat im Sinne der medialen Selbstvermarktung von künstlerischen Inhalten.

 

Event-Konzeption: 5 Fragen an Jens Heinrich

Event-Konzeption: Speaking Cars beim Autosalon Genf // Quelle: Concept Pilots

 

 

1) Warum ist die Konzeption von Events bedeutsam? Was ist Dein Anspruch an gute Event-Konzeption?

 

Ein Event ohne Konzeption ist nur eine Ansammlung von Maßnahmen. Zum „Konzept“ wird dann ein Motto erklärt wie „Together to the top“, die Teilnehmer haben auf der Party auch Mordsspaß, aber keiner empfindet zwei Wochen später etwas als anders oder hat eine Botschaft verstanden. Ich unterstelle, dass es in diesen Fällen keine klare Meinung oder kein echtes Interesse des Auftraggebers hinsichtlich Marke, Produkt, Botschaft und Teilnehmern gibt. Oder eine Konzeption wird Zeitdruck, mangelndem Budget, schlechter Kundenkommunikation – oder schlicht der Bequemlichkeit geopfert.

 

Konzeptideen sind idealerweise immer einfach. Sie könnten z.B. „Connect!“ heißen, oder „Individualität“. Die Arbeit der Konzeption und des Kunden ist dann, das zu beleben und auf allen Ebenen durchzudeklinieren: Wie erlebe ich das in Motto, Bühnenbild, Licht, Musik, Geschichte, Essen, Party? Und was bietet auch der Auftraggeber selbst an, um die Idee mit Leben zu füllen? Was fällt den Teilnehmern zwei Jahre später noch dazu ein?

 

Es wird meist vom roten Faden gesprochen. Ich meine, es geht vor allem um intelligente Wege einer Dramaturgie; um das Gespür, den Einzelnen mit seinen Wünschen, Vorbehalten, Gefühlen, Fragen und Skepsis abzuholen; es geht um das Brechen von Konventionen – im Film spricht man gerne von „Twists“ – darum, die Erwartungen zu brechen, das Erleben zu verstärken. Damit beginnt für mich das anspruchsvolle Konzept, die Live-Kommunikation.

 

Oft münden Konzeptionen in eine Buzzword-Kaskade: Key-Visual, Setdesign, Guestspeaker, Keynotes, Storytelling, Votings, Reveals, Commitments, Showacts, Flying Buffets, Social-Media-Anbindung, Event-Apps, Follow-up, ganz viel „außergewöhnliche…“ – am Ende sind es dann Vertical Pole Artists in fahrdynamischen Reveals auf Drehscheiben unter 3D-gemappten Watchout-Ventuz-360°-Panoramen mit Twitterwall – einfach weil das alles geht, weil der CEO so etwas schon mal woanders gesehen hat oder weil es im Pitch knallen muss. Das wird auch wirken, aber oft ist es das „Höher, schneller, weiter“, sind es nur immer weiter gesteigerte Technologien. Toll finde ich es dann, wenn dadurch eine echte zugrunde liegende Idee „dramatisiert“, also dramaturgisch verstärkt wird. Eventuell ist das aber ein gar nicht so technischer Effekt.

 

Manchmal, in bestimmten Momenten, spüren dann alle Beteiligten: Wow, DAS wird ein Konzept! Das Konzept macht aus den alten Einzelnummern einer Manege die Story eines Cirque du soleil. Das gelingt nicht immer und oft nur in einer idealen Konstellation von Verantwortlichen und Partnern. Aber dann macht es Events bedeutsam.

 

 

2) Was war das herausforderndste bzw. bedeutsamste Event, welches Du als Konzeptioner realisiert hast?

 

Auch wenn es 14 Jahre her ist – der damalige Volkswagen-Auftritt auf dem Automobilsalon Genf (Agentur: Vok Dams) bleibt meine persönliche „Benchmark“. Obwohl man in Genf nur wenig Möglichkeiten hat, sollten wir eine sehr emotionale Inszenierung aller Produkte entwickeln – ohne große Bauten und Platzbedarf, ohne laute Aktionen, ohne Tänzer und Akteure. Ergebnis waren die „Speaking cars“: Außerhalb der Messehalle waren Schauspieler in Studiocontainern platziert und sprachen in der Rolle des Fahrzeugs die völlig verblüfften Besucher über die Soundanlage in den äußerlich unveränderten Autos an. Über versteckt angebrachte Mikrofone und Kameras verfolgten sie die Reaktion der Besucher, spielten individuelle Lieblingsmusiken und Geräuschwelten ein und traten mit den Besuchern in den Dialog über ihre Features und Vorteile. Überall stiegen lachend Leute aus und wieder ein, alle waren happy und begeistert. Das war so einfach, so wirkungsvoll, so erinnerbar – das ist für mich bis heute mein Beispiel für ideale Live-Kommunikation aus dem Herzen einer Marke heraus.

 

 

3) Worauf bist Du angewiesen, um einen guten Job als Konzeptioner zu realisieren?

 

Ich wünsche mir immer eine möglichst ideale Konstellation von Menschen. So entsteht bei mir am schnellsten der Mut, Dinge zu riskieren und 100 Prozent zu wollen. Wenn alle am Tisch Idee und Botschaft gleich verstehen und jeder sich bemüht, interdisziplinär zu denken, dann ist sogar ein schwaches Briefing zweitrangig.

 

 

4) Wo lässt Du Dich in Sachen innovativer Konzepte und Formate inspirieren?

 

Gerne in Berichten über Projekte aus anderen oder verwandten Disziplinen (Theater, Film, Making of‘s, Grafik und Design). Und – Achtung: Klischee – komischerweise habe ich wirklich oft unter der Dusche sehr klare Momente, in denen sich einfache und klare Ideen entfalten. Häufig ist es bei mir auch erste spontane und intuitive Idee auf der Rückfahrt vom Briefing, die sich nachher als richtig erweist.

 

 

5) Was war Dein bisher größter Fehler und was hast Du daraus gelernt?

 

Ich neige dazu, mir jeden Schuh erst mal selbst anzuziehen. Man tappt unter dem Leitbild von „Engagement und Verantwortung“ in Fallen, die Stress, schlechte Gefühle, Mehrarbeit verursachen. Ich bin ein guter Teamplayer, aber damit frustriert man Kollegen, weil sie nicht wissen, wo und wie sie entlasten sollen, und andere nutzen es aus, indem sie selbst weniger leisten.

 

Am Anfang meiner Selbständigkeit hat mich ein Kunde zusammengeschrien, weil die Generalprobe zum Chaos geriet. Als Konzeptioner hatte ich damit nichts zu tun, war aber komplett geknickt.

 

Auf einer Messe vor vielen Jahren lag ich schwer grippekrank im Hotelbett, meinte aber trotzdem alles weitersteuern zu müssen. Nach erfolgreichem Projekt erklärte mir der Kunde, dass das der einzige Augenblick war, bei dem er mich nicht als professionell empfand.

 

Es ist gut, die Grenzen der eigenen Rolle zu kennen, sich ergänzen lassen zu können und sich nicht für alles persönlich aufzuopfern. Ich arbeite daran…

 

 

Event-Konzeption Jens Heinrich Concept PilotsJens Heinrich (*1970) bezeichnet sich selbst als „interdisziplinär geprägter Kreativberater mit einer Ahnung von Vielem und Interesse an allem“. Fotografenausbildung, freier Theaterarbeit und Medientechnik-Studium folgten kreative, organisierende und produzierende Positionen bei Agenturen und als Freelancer – mit dem Anspruch, immer wieder Schwerpunkte zu verlagern. Aktuell arbeitet er unter dem eigenen Label concept pilots.

 

 

David Korte: Event-Konzeption & das Spiel mit den Regeln

Konzeption: BASTR Methode, Gastbeitrag von David Korte // Bild: Chris Cuhls

 

 

Was wir an unserem Job lieben:

 

Konzeption – das ist immer ein Zusammenspiel von Planung und Kreation. Unterschiedliche Köpfe und Bäuche denken und fühlen sich an die Aufgabenstellung heran.

 

Die Synapsen springen von Kopf zu Kopf und geben immer neue Impulse – bis sie dann am Ende da ist: die Idee.

 

Die eine große Idee, an die man gemeinsam glaubt. Die das Destillat dessen ist, was man gemeinsam gedacht, gefühlt und geschwitzt hat.

 

 

Der Alltag(Wahnsinn):

 

Höher, schneller weiter – weil die Herausforderung der stetigen Neuerung unsere Branche besonders betrifft, hat die Literatur zu Planungs- und Kreativitätstechniken kein Problem mit Masse.

 

Die unzähligen Ansätze und Tools, von den neueren Formen wie Neuroscans bis hin zu Klassikern, wie dem morphologischen Würfel, haben sicher alle ihre Berechtigung.

 

Doch fehlt vielen ein wesentlicher Aspekt – ein Leistungsversprechen, was das Ergebnis einer Konzeption leisten können soll.

 

Eine Haltung.

 

Die Briefings der Kunden lesen sich (fast) alle gleich: meist soll es etwas Neues sein, das man erdenkt, etwas Bahnbrechendes.

 

Etwas, das wirklich mal wach rüttelt und irgendwie radikal ist.

 

 

Ein Konzeption Ansatz – BASTR:

 

Genau an diesem Punkt kommt BASTR ins Spiel. BASTR steht für „Breaking And Setting The Rules“ und dient als Leistungsversprechen.

 

Jede Form der Kommunikation gehorcht hiernach gewissen Regeln. Wie im Sport: anderes Spiel, andere Regeln.

 

Jede Industrie, jedes Format, jeder Playground – kurz alles unterliegt gewissen Regeln und Vorgaben. Sie regeln unser gesellschaftliches Leben, den Umgang im Arbeitsalltag und prägen die Art und Weise, wie wir denken.

 

BASTR löst uns hiervon und macht so Raum für Neues, es ermöglicht ein Spiel mit den Regeln:

 

 

  1. BREAKING THE RULES

 

Wenn man etwas ändern möchte ist es mittels BASTR zunächst die Aufgabe des Konzeptioners (Konzeptionsteams) die Regeln, die die Aufgabe betreffen (Branche, Unternehmen, Marke, Produkt, Zielgruppe, Kanäle, …) zu hinterfragen und mittels einer „Rule-Map“ festzuhalten.

 

Anschließend wird dann analysiert, welche der Regeln potentiell gut und zielfördernd zu brechen ist.

 

Grundsätzlich ist jeder Bereich hierfür geeignet. Die Hauptsache ist er erzeugt ein disruptives Moment.

 

 

  1. SETTING THE RULES

 

Ziel des BASTR-Ansatzes ist es neue Standards zu definieren.

 

Wie beim Dreiklang „Unfreeze“, „Move“ „Freeze“ in der Changekommunikation soll so gezielt etwas geändert werden – durch das Stilmittel des Regelbruchs.

 

Die neuen Regeln werden dann in der Kommunikation etabliert und bieten die Möglichkeit für eine Marke völlig neue Regeln zu besetzen und damit die Branche / Produktkategorie zu bewegen – definitiv aber sich zu profilieren.

 

 

BASTR konkret, die Erste:

 

Ein Supersportwagen wird in Las Vegas gelauncht.

Die Veranstaltung hat einen klassischen Ablauf: von der Einladung bis zur Fahrt auf der Rennstrecke.

Sie gehorcht den Regeln eines Automobillaunches.

Doch beinhaltet das Konzept auch ein Disruptives Moment: einen Tisch.

Dieser ändert das Spiel für alle Beteiligten: vom Besucher bis zum CEO.

 


Quelle: VOKDAMS via Kanal von MrSpangenberger

 

 

 

BASTR konkret, die Zweite:

 

Zürich Hauptbahnhof vor den Olympischen Spielen in Vancouver.
Die Swisscom will die Schweiz zum Start der Spiele emotional berühren und bricht bewusst eine Regel:
Die Passanten im Bahnhof werden gefeiert – ohne auf die Regel der dem Menschen inne wohnende Distanzzone von 50cm Rücksicht zu nehmen.

 

Event Konzeption BASTR
Quelle: FAMAB

 

 

 

David Korte VOK DAMS Konzeption BASTRDER AUTOR: David Korte ist Director Strategy & Concept bei VOK DAMS.

Er arbeitet seit über 10 Jahren in Kommunikation und Marketing und liebt neben herausfordernden Aufgaben besonders den inspirierenden Dialog mit Strategen und Kreativen.
Dabei zeichnen Emotionalität und der Einsatz neuer Technologien und Kanäle seine Projekte aus.

 

 

 

 

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Axel Beyer: EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit!

EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit! // Foto: Axel Beyer

 

 

Der Mensch scheint ständig auf der Suche nach „Sinn“ zu sein und den findet er, wenn sich etwas für ihn „erschlossen“ hat. „Kinder brauchen Märchen“ hieß ein pädagogisches Standardwerk. Also ist offensichtlich selbst in der Unterhaltung nur dass gut und richtig, was Sinn macht. Alles andere ist nämlich Un-Sinn. Basta!?

 

Von „Schlüsselbildern“ redet die Kommunikationswissenschaft, wenn man sich an etwas erinnern soll – von „Schlüsselszenen“ der Dramaturg, wenn man etwas verstehen soll – von „Schlüsselerlebnissen“ der Psychologe, wenn man eine Erfahrung macht. Das muss doch irgendwie zu entschlüsseln sein?

 

Ist das so? Warum lachen wir dann so gerne? Warum lieben wir die Clowns im Zirkus? Warum genießen wir einen herrlich albernen Kneipenabend? Warum weinen junge Mädchen „Bis(s) zum Abendrot“? Und wollen wir in den Medien und den verwandten Gebieten nicht auch, dass man sich an unsere Angebote erinnert, dass man sie versteht und hoffentlich durch sie eine positive Erfahrung macht?

 

„Lebenslanges Lernen“, „Informationsgesellschaft“, „Wissenstransfer“ – unsere Gesellschaft redet uns permanent ein, dass wir alle kopfgesteuert seien. Deshalb geben die Befragten bei Umfragen stets an, dass sie im TV am liebsten „Nachrichten“ sehen würden, wo doch tatsächlich seit Jahren das „Dschungelcamp“ die Nummer 1 ist. Deshalb gehen wir ja angeblich nur aus Informationsgründen auf Messen und schleppen bergeweise Papier mit uns nach Hause – das gab es schließlich umsonst. Deshalb hören wir nur wegen des Verkehrsfunks im Auto Radio – und summen und wippen mit der Musik mit.

 

Nein – gestehen wir es uns doch endlich ein: Wir alle, auch wir „Macher“, sind Emotionsbolzen! Wir wollen emotional berührt werden, wir wollen, dass man uns zum Lachen oder zum Weinen bringt (denn bei beidem fließen Tränen). Wir wollen Spaß haben! Und auch zum Spaß der Anderen beitragen! Und wer uns das bietet, den lieben und unterstützen wir.

 

Über 9 Mio. Menschen haben Herrn Liechtenstein und seinen EDEKA-Spot gesehen und waren sich einig – das ist #supergeil. Dabei waren da nur ein Supermarkt und ein nicht mehr ganz schlanker und nicht mehr ganz junger Mann zu sehen – aber wie! Welche Lebenslust sprang einem aus diesem Filmchen entgegen. So wollten wir auch sein. Und ab zu Edeka….

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf

 

Wir denken mit dem Kopf, aber wir fühlen mit dem Herzen und gute Gefühle führen allemal in der Folge zu guten Gedanken, guten Erinnerungen und gutem Verständnis. Als die ARD im Abendprogramm das erste Mal die Sendungen von „Mr. Bean“ ausstrahlte, da war das kein Erfolg. Was sollte das denn? – Dann zeigte die LTU diese Filme auf ihren Flügen von und aus dem Urlaub, die Kinder johlten vor Vergnügen und diese Erinnerungen führten dazu, dass sich fortan mit jeder Wiederholung der gleichen Folgen von „Mr. Bean“ die Einschaltquoten steigerten. Wir erinnerten uns an fröhliche Kinder und entspannte Urlaubszeiten. Und sie verstanden: Das war positive Emotion pur!

 

Fazit: Und wenn wir heute von „Events“ reden, dann reden wir von „Erleben“ und damit von „Leben“, nicht von „Wissen“. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, sagte einst Adorno. Wir haben heute dafür zu sorgen, dass es kein falsches Leben im richtigen gibt. Meine Generation hat noch gelernt, dass man Emotionen nicht zeigen darf. Was für ein Un-Sinn! Erst Gefühle machen uns zum Menschen und wie unmenschlich ist es, diese Gefühle nicht zeigen zu dürfen. Wir als Medienmanager können dabei helfen, indem unsere Produkte dazu beitragen, ja geradezu dazu herausfordern, die Emotionen zuzulassen und auszuleben – so dass wir letztlich die Menschen damit aufschließen – für ein befreiendes Lachen, für ein kindliches Staunen, für eine überwältigende Rührung. Und wenn das dann klappt, dann empfinde ich das als das schönste Geschenk.

 

 

Zum Autor: Axel Beyer ist Medienberater und Professor an der Hochschule Fresenius im Fachbereich „Wirtschaft & Medien“, war Regisseur an unterschiedlichen Theatern und ist seit über drei Jahrzehnten im Medium TV als Programmmacher (und mehrfach als Unterhaltungschef) für öffentlich-rechtliche und kommerzielle Sender tätig.

 

 

Welche Schlüssel nutzt du zur Steigerung der Aufmerksamkeit? Welche Emotionen verbindest du mit den Gedanken dieses Artikels? Wir freuen uns über Kommentare unterhalb.

 

Hier geht es zu meinem Facebook Profil mit täglichen Inspirationen rund um Events // weitere Leseempfehlungen:

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

Simon Schneider: Wie kreiere ich Erlebnisse im Eventmarketing?!

Storytelling // Wie die Heldenreise dir bei der Kreation von Erlebnissen helfen kann

 

Gastbeitrag Susanne Schmelcher // Regie am Theater: Worauf ich bei der Inszenierung acht gebe…

Theaterregie // Foto: André Wirsig

 

 

Als ich vor einigen Tagen auf einem Amt meinen Beruf angeben musste  – Regisseurin – strahlte mir ein freudiges Lächeln entgegen: „Welche Filme drehen Sie denn so?“ Schnelle Verneinung, nein, ich drehe keine Filme, ich arbeite am Theater. Sofort verwandelt sich das Lächeln in Unsicherheit – was mache denn ein Regisseur am Theater? Ich beginne von der Arbeit mit Schauspielern zu reden und dem Theater an sich und kurz darauf fällt mir auf, dass die Frage gar nicht so leicht zu beantworten ist. Was genau tue ich da jede Produktion wieder und wie kommt dabei eine gelungene Inszenierung raus?

 

Jeder Regisseur arbeitet anders und sicher würde auch jeder bei der Frage worauf man denn bei einer Theaterinszenierung acht geben muss etwas anderes antworten. Als Nachwuchsregisseurin kann ich zwar nicht auf Jahrzehnte von Erfahrung zurückblicken, aber dafür auf einige wertvolle Beobachtungen – bei meinen eigenen Arbeiten und in den fünf Jahren meiner Regieassistenz. Hier stelle ich vier Rahmenbedingungen vor, die in meinen Augen für eine gelungene Theaterinszenierung essentiell sind.

 

 

1) Von der großen Idee und den vielen kleinen Ideen

 

Vor jeder Produktion steht die Vorbereitung, das Erstellen eines Konzepts. Was interessiert mich an dem Stück, wie kann ich Themen hervorheben und zuspitzen? Unter Umständen muss ein Stück überhaupt erst entwickelt werden. Zusammen mit dem Dramaturgen entsteht eine (Strich)Fassung, indem Unnötiges gestrichen wird und ggf. Texte hinzugefügt werden. Ausstatter und Regisseur arbeiten Bühnenraum und Kostüme aus, um das theoretische Konzept zu unterstützen. Und dann beginnt die eigentliche Arbeit: Bei den Proben mit den Schauspielern hilft das sorgfältig ausgearbeitete Konzept nicht immer weiter, das müssen oft gerade junge Regisseure schmerzlich erfahren. Im Arbeitsalltag sollte der Regisseur in der Lage sein spontan neue Ideen zu entwickeln, auf die Schauspieler und deren Bedürfnisse einzugehen und mit deren Können über sein Konzept hinauszuwachsen, ohne jedoch das Große und Ganze aus den Augen zu verlieren.

 

 

2) Der Schauspieler und das Team

 

Für mich als Regisseurin sind die ersten Proben unglaublich wichtig, denn hier entscheidet sich in der Regel ob die Schauspieler mir vertrauen. Wann genau Vertrauen und positive Arbeitsatmosphäre in einem Team entstehen, ist in einer Theaterproduktion mit ihren unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten fast unmöglich vorauszusagen. Aber oft hat es damit zu tun, dass der Regisseur gut vorbereitet ist, jeden Schauspieler als Gegenüber ernst nimmt, Ruhe ausstrahlt und zugleich inspirieren kann. Meine Herausforderung besteht auch darin, alle (inklusive mir selbst) immer ein wenig über ihre Grenzen hinaus zu fordern. Im besten Falle entsteht so eine Inszenierung, bei der alle Beteiligten dem Können der anderen vertrauen, so ihr Bestes geben können und miteinander zu einer großartigen Leitung befähigt sind.
Theaterregie Schauspieler

Theaterregie mit Schauspielern bei „Yukonstyle“ am Tiroler Landestheater // Foto: Rupert Larl

 

 

3) Eine runde Sache: die letzte Woche

 

Am Theater gibt es die sogenannte Endprobenphase, das ist die Woche mit den Haupt- und Generalproben. Alle bisher geprobten Szenen werden auf der Bühne zusammengefügt. Originalbühnenbild, Kostüme, Beleuchtung, Musik- und Videoeinspielungen kommen hinzu. Jetzt entscheidet sich ob die Ideen, die es zuvor nur auf dem Papier gab, funktionieren. Der Regisseur muss die Schauspieler und den Raum zu einem Ganzen verknüpfen. Nach meiner Erfahrung ist es hier wichtig sich trennen zu können: Wird das Bett auf Rollen nur einmal benutzt – raus damit! Sicher ist es ohnehin zu aufwändig es überhaupt rauszufahren und wirkt als hätte man da was zu sagen wo gar nichts ist. Funktioniert der Anfang des Stücks auf der Originalbühne nicht mehr? Dann hilft nur ehrlich das Problem zu benennen und am nächsten Morgen eine Extraprobe einzulegen und solange zu ändern, bis es passt. Sieht eines der Kostüme nicht gut aus? Ändern! Stück zu lang? Kürzen! In dieser anstrengenden letzten Woche brauche ich als Regisseurin nochmal allen Mut, um mein Konzept nicht zu verlieren, aber auch um mir einzugestehen, wenn etwas wirklich nicht funktioniert.

 

 

4) Der Geniegedanke

 

Und dann ist sie da, die Premiere. An diesem Tag entscheidet es sich, ob meine Inszenierung ‚gut‘ ist. Im deutschen Stadttheatersystem ist alles an diesem einen Tag festgemacht. Das Fachpublikum hat die hohe Erwartung etwas Außergewöhnliches zu sehen. Im Regietheater muss der Regisseur ein Genie sein, dann schafft er es auch in die Charts von Nachtkritik & Co. Die gelungene Inszenierung gibt es aber meiner Meinung nach auch ohne Genie. Hat man ein spannendes Konzept, eine gute Probenzeit mit den Schauspielern und genug Mut für das Gesamtkunstwerk am Schluss, dann klatscht auch das Premierenpublikum enthusiastisch, die Zeitung schreibt was Schönes und der Intendant freut sich über die entscheidenden guten Zuschauerzahlen.

 

 

Fazit für die Theaterregie:

 

  1. Viel wollen beim Konzept, aber Platz lassen für kleine spontane Ideen.
  2. Den Schauspieler immer wieder neu motivieren, aber ihm auch vertrauen.
  3. In den Endproben Mut haben, alles noch einmal mit offenen Augen überprüfen.
  4. Bei der Premiere trotz der Kritiker entspannen, die Arbeit ist getan.

 

 

Theaterregie Susanne SchmelcherDIE AUTORIN: Susanne Schmelcher

 

Susanne Schmelcher ist seit 2013 freiberufliche Theaterregisseurin, sie arbeitete bisher an Stadttheatern wie dem Theater Heidelberg, dem Tiroler Landestheater Innsbruck und dem Pfalztheater Kaiserslautern sowie in der freien Szene. Zur Zeit hat sie einen Lehrauftrag für das Szenische Projekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

 

Lichtdesigner // Was man über Lichtgestaltung wissen sollte…

Lichtdesigner Florian Schreiter im Gespräch mit Chris Cuhls und Hartmut Wolf

 

 

Licht schafft auf der Bühne neue Realität.

Max Keller

 

Lichtgestaltung ist ein seit den 1960er Jahren wichtiger Bereich in Theater, Oper und Architektur. Aus dem TV-Bereich kommend, bin ich als Regisseur im Eventbereich tätig, wo die Lichtgestaltung ein ebenso wichtiger Bestandteil einer wirkungsvollen Inszenierung ist. Der kreative Einsatz der Lichttechnik unterstützt ganz praktisch die künstlerische Aussageabsicht der zu vermittelnden Botschaft. Grund genug ausgewählte Lichtdesigner mit ihren Prinzipien vorzustellen, die im Bereich Event, TV und Musik zu Hause sind.

 

 

Florian Schreiter: Lichtgestaltung ist Bildgestaltung

 

„Lichtgestaltung ist Bildgestaltung im dreidimensionalen Raum. Daher ist ein Lichtbild immer abhängig vom Betrachter (Kamera bzw. Zuschauerposition), Raum (Bühne, Studio, Stadion, Gelände, Architektur) und dramaturgischem Inhalt (einer Geschichte, einer Idee, einer Emotion) und der Funktion. Meine Arbeit als Lichtgestalter ist es, auf die vielfältigen sich daraus ableitenden Fragen richtige, funktionierende und inspirierte Antworten zu finden, die begeistern”, sagte mir Florian Schreiter auf die Frage, was denn die Essenz seines Jobs ist. Kennengelernt haben wir uns während meiner Wetten, dass..?! Tätigkeit als TV-Aufnahmeleiter. Der Hamburger legt seinen Schwerpunkt auf Lichtgestaltung, visuelle Raumgestaltung sowie die Planung, Durchführung und das Operating von internationalen Shows und Events. Extreme Sportevents von Red Bull fordern ihn dabei immer wieder heraus, wie aber auch die Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin. Für den EventElevator habe ich mit ihm dieses Interview über Lichtgestaltung geführt – lesenswert!

 

Lichtdesigner Lichtgestaltung HTB Leadership Conference Royal Albert Hall London
Lichtgestaltung der HTB leadership conference in der Royal Albert Hall, London

 

 

Nik Evers: Lichtdesign transportiert Botschaften

 

„Erfolgreiche Veranstaltungen, die wirken und die Eindruck hinterlassen, sind das Ergebnis einer Inszenierungsleistung“, sagt Nik Evers. Als Regisseur kann ich nur sagen: Recht hat er! Diese kann aber ohne eine optimal abgestimmte Lichtgestaltung einfach nicht entstehen. Denn Licht setzt Akzente oder verbirgt, transportiert Botschaften und verstärkt Stimmungen. Moderne Eventformate, wie Produktpräsentationen, Ausstellungen oder TV-Shows werden durch die gelungene lichtgestalterische Begleitung erst richtig zum Leben erweckt. Gutes Lichtdesign benötigt aus Niks Sicht, neben dem geschulten und sensiblen Blick für individuelle Bedürfnisse, insbesondere Kreativität und technische Kompetenz. Auch wir haben uns bei TV-Shows wie The Dome (RTL2) kennen gelernt. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung ist er von Konzeption über die Simulation, Berechnung und Visualisierung der Licht und Multimedia-Gestaltung wärmstens zu empfehlen. Arbeiten macht mit ihm einfach Spaß – persönlich wie fachlich!

 

 

Lichtdesigner für besondere Momente: Werner Kokott

 

Mit dem Leistungsspektrum im Spannungsfeld von kreativer Gestaltung, planerischer Umsetzung und tatsächlicher Realisierung bietet auch Werner Kokott die relevanten Aspekte der Lichtgestaltung an. Werner ist ein hochkreativer Kopf, der mich oft mit recht unkonventionellen Elementen bei der Inszenierung ganz besonderer Momente überrascht hat. Sein Erfahrungshorizont reicht von Musiktourneen, Champions League TV-Übertragungen bis zu Auto-Industrieshows. An der Schnittstelle von Licht und Multimedia eine ebenso empfehlenswerte Person!

 

Lichtdesigner Lichtgestaltung Foto: Manfred Vogel

 Lichtgestaltung Romeo und Julia // Foto: Manfred Vogel

 

 

einstein & sons – das Lichtdesigner Duo aus München

 

Michael Kuehbandner und Roland Greil von einstein & sons habe ich beide auf Automobil Events kennengelernt. Sie sind aber auch im Bereich TV, Musik und Theater unterwegs. Obiges Bild zeigt Tanzshow „Romeo and Juliet“ der New Yorker Dance Company Bad Boys of Dance, welche in Hamburg letztes Jahr uraufgeführt wurde. Roland war als Associate Designer für Patrick Woodroffe tätig, Michael hat die Show programmiert. Ich habe die beiden gefragt, was ihre Prinzipien der Lichtgestaltung sind:

 

„Am Anfang steht immer die Aufgabe sich mit dem Künstler, der Show, dem Thema oder auch dem Produkt oder Unternehmen auseinanderzusetzen. Das hilft das richtige Verständnis für die Themen zu entwickeln. Dies ist wichtig, um dann ein passendes stimmiges Konzept zu kreieren. Im zweiten Schritt der Entstehung wollen wir der jeweiligen Produktion einen eigenen Look verpassen. Dabei suchen wir innovative Ansätze, wie beispielsweise den Einsatz von Videomapping, unkonventionellen Herangehensweisen und auch in gewisser Form einer „Thinking out of the box“ Denkweise. Dabei gilt oft: weniger ist mehr – wenn es denn sinnvoll eingesetzt wird. Während dieses Prozesses ist für uns auch der Dialog mit dem Kunden wichtig. Gerade innerhalb eines solchen können sehr spannende neue Ideen entstehen. Bei der Umsetzung im realen Leben geht es darum den Workflow bestmöglich zu gestalten, um eine effektive Nutzung des Designs zu gewährleisten.“

 

 


Unfassbar geniales Lichtdesign der aktuellen U2 Single Invisible – alle Hintergründe hier // Quelle: U2

 

 

Lichtdesigner – Gurus

 

Zu dem absoluten godfather der Lichtgestaltung zählt sicherlich der Brite Patrick Woodroffe. Er hat das Lichtdesign seit den 80er Jahren massgeblich gestaltet – ob auf Musiktourneen bis zu der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in London. Weitere interessante Lichtdesigner sind LeRoy Bennett, Al Gurdon, Willie Williams, Bob Barnhart oder auch Es Devlin und Rob Bissinger im Bereich Production Design.

 

In Deutschland haben Branchengrößen wie Ollie Olma (mo2 design), Jerry Appelt, Manfred Voss und Manuel da Costa feste Plätze bei TV-Shows. Im Eventbereich kommt man gerade bei dem Automobilsegment nicht um rgb und die TLD Planungsgruppe. Im Touringbereich zählen Günter JäckleGunther HeckerJojo Tillmann, Bertil Mark sowie Stephan Aue zur ersten Riege der Lichtgestalter. Der deutsche Set Designer ist sicherlich Florian Wieder.

 

Interessiert mehr Prinzipien zu entdecken – dann hier weiterlesen:

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

Medienserver: Welchen benötige ich für mein Event?

Lichtmalerei 2.0 // Wie man mit Licht malen kann…

 

 

Was ist aus eurer Sicht bei der Lichtgestaltung von Bedeutung? Freue mich besonders über Kommentare weiterer Lichtdesigner! Wer informiert bleiben will like am besten gleich mein Facebook Profil und trage sich oben rechts in meinen Newsletter ein.

 

Marvin Glöckner // Komponist & Musikproduzent

Musikproduzent mal anders: Marvin ist jung, aber oho! Wenn es mal wieder schnell und gleichzeitig so richtig auf die Ohren und besser noch den Bauch gehen soll, dann gibt es für mich nur eine Adresse: der Komponist und Musikproduzent Marvin Glöckner. Bereits mit 19 Jahren als diplomierter Musikproduzent ins internationale Musikbusiness eingestiegen, hat er sehr […]

eveosblog // der Event Blog

Der Event Blog eveosblog ist für mich die Lieblings-Anlaufstelle im weiten Netz rund um die Themen Event, Marketing und Social-Media. Die Macher Katharina Falkowski und Henning Stein machen mit dem Angebot einen klasse Job, dessen Ergebnisse ich sonst vermissen würde.

 

Mit gutem Gespür für die Themen der Branche katalysiert der eveosblog News, Trends und Tipps rund um die Live-Kommunikation. Die Diskussionen und praktischen Tipps rund um die Planung und Umsetzung von Marketing-Events auf dem eveosblog gehören daher fest in die Online-Leseliste.

 

 

Warum gibt es den eveos Event Blog?

 

Ebenso wie für Unternehmen und Marken ist es auch als Macher eines Blogs wichtig das WARUM? hinter den Aktivitäten zu klären. Die eveosblog Macher sehen das wie folgt:

 

„Eventmarketing war schon immer ein sehr spannendes, kreatives und wirkungsvolles Marketing-Tool – entgegen vieler Klischees. Die Live-Kommunikation wusste schon vor Social-Media den direkten Kundendialog und Kundenähe gezielt und gewinnbringend einzusetzen.

 

Doch eine Sache hat sich dank Social-Media im Eventmarketing geändert: mit Social-Media sind Events wieder ein Stück mehr ins Rampenlicht der Marketing-Disziplinen gerückt. Sie bilden heute das perfekte Offline-Pendant zum häufig online orientierten Social-Media. Beide Kommunikationswege ergänzen sich – schaffen im Wechselspiel Erlebnisse, Inhalte und erhöhen gegenseitig die Reichweite sowie das Involvement.

 

Doch im Gegensatz zu Social-Media und vielen anderen Marketing-Disziplinen findet man online nach wie vor wenige Informationen, Tipps, Anregungen und Inspirationen für Events. Genau diese Lücke schließt der eveosblog!“

 

 

Hier einige zu empfehlende Artikel des Event Blog:

Brauchen wir neue Eventformate für die Eventbranche?

Social-Media Marketing für Events: Twitter, Facebook, Blogs, QR Codes, Videos, Mailings richtig nutzen – Infografik

4 + 4 unkonventionelle Tipps für Events & Konferenzen – Teil 1: Social-Media & Event-Inhalte

Eventmanagement A-Z: 7 Praxis-Tipps für die Eventplanung

Premiere des multisense Forums in Essen: spannende Vorträge, erstklassige Referenten & tolle Location!

 

 

Frage: Welche Blogs und Zeitschriften gehören zu deinen regelmäßig frequentierten Anlaufstellen?

 

Jan Kristian Vollmer // 3D artist

Jan Kristian fiel mir schnell durch sein Talent für 3D Bildanimation auf. Nicht nur, dass die Bildideen stark sind – auch der workflow ist phänomenal und darüber hinaus ist er ein wirklich interessanter Mensch. Ich bin froh ihm bei dem IAA Projekt 2011 über den Weg gelaufen zu sein. Irgendwie war direkt ein Link da, […]

Michael Hantelmann // motion design, 3D animation & kreative Konzepte

Motion Design, 3D Animation und die kreativen Konzepte dahinter sind sein Metier: Michael habe ich schon 2010 bei einem Projekt mit holografischer Projektion kennen gelernt und gleich war ein Link da. Seine Expertise beläuft sich auf alles bildlich-kreative, aber auch die technische Umsetzung vor Ort mittels Medienservern wie der coolux Pandoras Box. Kürzlich stieß ich auf das […]

Maximilian Zenk // stop motion Filmemacher

stop motion gesucht? Maximilian Zenk ist (m)ein Geschichtenerzähler-Hero aus dem Ländle. Genauer: der Hauptstadt in ebendiesem – Stuttgart. Aber nicht nur irgendeiner, sondern einer der es versteht Marken, Botschaften und Inhalte so auf den Punkt zu bringen, dass sie im Kopf bleiben. Durch die Geschichte, aber auch eben starke Bilder. Er liebt es eben einfach Geschichten […]