Frauen in der Eventbranche: You have, what it takes. Go for it!

11. April 2017

Pause Rest Arbeit Erholung Frauen in der Eventbranche

Frauen in der Event­branche — ein unver­stellter Blick auf den Status Quo // Photo: Priscilla Bucher

 

 

In meinem Sabba­tical besuchte ich mit obiger lieben­s­­würdig-verrückten Femi­nistin die Pina­ko­thek der Moderne in München. Ein herr­li­cher Streifzug durch die Epochen mit span­nenden Gesprä­chen. Dabei stellte Priscilla mir eine Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht:

 

“Chris, stell dir vor du wachst morgen auf. Du bist noch genau derselbe Chris, der du bist. Einzig dein Körper ist der einer Frau.”

 

Soweit, so gut. Ehrlich gesagt: Ein aufre­gender Gedanke. ;) Warum nicht. Tolles Gedan­ken­spiel. Dann der Haken:

 

“Du sitzt bei deinem Chef zum Jahres­ge­spräch. Es geht um deine Lohnverhandlung.”

 

Mir dämmerte es sofort. Scheiße. Das Äußere verän­dert sofort alles. Einfach, weil ich im Körper einer Frau stecke, schlagen mir Vorur­teile ins Gesicht. Ich werde nicht das gleiche Gehalt bekommen, was meinem Kollegen gewährt wird. Ich werde nicht die Aner­ken­nung durch eine Beför­de­rung erhalten, wie sie mein Kollege erhält.

 

Männer — dran­bleiben. Ja, es mag stereotyp klingen. Aber wenn wir ehrlich sind: Das ist so. Als Frau werde ich belä­chelt, muss mich beweisen. Der Weg als Mann ist vorpro­gram­miert: Die Beför­de­rung samt Lohn­er­hö­hung steht mir natür­lich zu. Als Frau muss ich dafür kämpfen, was es nicht besser macht. Das ist unver­kennbar: unge­recht.

 

 

Tragödie des Genders — Mann vs. Frau

 

Die Begeg­nung mit Priscilla und ihre Frage lässt mich seit einem halben Jahr nicht mehr los. Wenn ich den Gedanken weiter­denke, folgen eine Menge heraus­for­dernder Situa­tionen. Gerade für Frauen ist die Event­branche kein leichtes Eisen. Natür­lich ist bei weitem nicht alles stereotyp. Dennoch einige Erleb­nisse aus den letzten Monaten:

 

1. Frauenquote in Unternehmen

 

Neulich erst redete sich wieder ein Chef auf einer Veran­stal­tung um Kopf und Kragen. Leider kann ich die Worte nicht zitieren, wären sie doch zu treffend gewesen. Aber jeder kann sich diese Situa­tionen vorstellen. Alt-Herren-Menta­­lität par excel­lence - peinlich bis körper­lich schmer­zend. Puh. Wäre es nur ein Satz gewesen, hätte Mann wie Frau es viel­leicht ertragen können. Aber mit jedem weiteren Satz verstrickte er sich und offen­barte, wie wenig er den Sinn hinter dieser wich­tigen Maßnahme verstanden hat. Das offen­bart, wie wenig das Thema im Herzen ange­kommen ist. So wird ein konstruk­tives, gleich­be­rech­tigtes, unvor­be­las­tetes Mitein­ander sicher nicht geför­dert. Es ist Zeit, dass sich daran etwas ändert!

 

Gleich­zeitig stelle ich fest, dass aufgrund der Frau­en­quote in manchen Konzernen Männer mitt­ler­weile das nach­sehen haben. Ohne das Thema statis­tisch vali­dieren zu können stosse ich in letzter Zeit immer wieder auf Kollegen, die einfach frus­triert waren. Das als Wahr­neh­mung, ohne bewerten zu wollen.

 

2. Arbeit als Regisseurin…

 

In dem Gedan­ken­spiel würde ich konse­quen­ter­weise als Regis­seurin sowohl Vorstände auf der Bühne, aber auch ein zu 98% männ­li­ches Tech­nik­team führen. Da muss Frau erstmal ihren Mann stehen. Welches Alpha­tier im Vorstand lässt sich schon gerne vor der ganzen Mann­schaft von einer Frau korri­gieren? Das Thema ist sowieso sensibel und bedarf Finger­spit­zen­ge­fühl: Klar, solide, ruhig kommu­ni­zieren. Natür­lich gibt es Ausnahmen, aber folgendes Beispiel bestä­tigt die Regel:

 

Kürzlich habe ich ein Projekt konzep­tio­nell beraten. Für die Durch­füh­rung habe ich einige Regie-Kolleginnen vorge­schlagen. Die Rück­mel­dung war, dass es defi­nitiv keine Frau sein soll. “Der CEO lässt sich nicht von einer Frau führen.” Das ist natür­lich höchst pauschal und unfair. Julia Möller, Nadine ImbodenMonika Graf, Andreana Clemenz oder Konstanze Agatz machen einen hervor­ra­genden Job als Regis­seurin. Viel­leicht sind Männer bei euch gerade wegen der Diskre­tion und Empathie in besten Händen. Mein Respekt, wie ihr eure Aufgabe täglich mit Bravour meistert (oder ist das eine der leich­testen Übungen? Bei der nächsten Begeg­nung werden wir drüber sprechen…)! Dieses hinter­fragen Kunden­seits gilt übrigens nicht nur für Regis­seu­rinnen, sondern auch für Mode­ra­to­rInnen aber auch Projekt­lei­te­rInnen, wie mir kürzlich eine Kollegin bestätigte.

 

3. Selbstbewusstsein

 

Ein anderes Phänomen ist für mich das Thema Selbst­be­wusst­sein. Oder anders: Sich seiner selbst bewußt zu sein. Was kann ich, was nicht. Was davon teile ich mit, was nicht. Verbal wie nonverbal. Allein meine Körper­hal­tung verrät unfassbar viel darüber, was ich mir selbst zutraue. Eine Vorstands­dame erzählte kürzlich beiläufig diese Geschichte: Eine junge Porjekt­ma­na­gerin entschul­digte sich vor ihrer Präsen­ta­tion für ihr unper­fektes Englisch. In den Köpfen der Zuhörer war sofort veran­kert: Jetzt kommt schlechtes Englisch. Dabei bril­lierte sie auf fach­li­cher wie sprach­li­cher Ebene. Nur waren die Zuhörer gedank­lich gar nicht dabei… Danach kam ein älterer Mann, der sich hinstellte und im breiten Bayern-Kauder­­welsch seine englisch­spra­chige Präsen­ta­tion hielt. Es lagen Welten dazwi­schen, aber der Mann hat es einfach gemacht. Die Leute haben zugehört. Die Moral: Einfach machen, nicht entschul­digen.

 

Ein Phänomen, welches mir auch im Gespräch mit meiner Frau aufge­fallen ist. Als Mann neige ich bei Joban­fragen dazu einfach JA zu sagen — auch wenn ich das fachlich noch nie gemacht habe. Die Entschei­dung ist wenig reflek­tiert, sie ist instinktiv. Traue ich mir zu, mache ich, klar. Meine Frau wägt die Fall­stricke eher kritisch ab. Das ist keine Wertung, sondern nur eine Wahr­neh­mung: Männer sagen einfach Ja, Frauen denken oft (über)kritisch darüber nach. Da können wir uns durchaus etwas von der jeweils anderen Seite abschauen.

 

Frauen in der Eventbranche

„Gib mir die Gelas­sen­heit Dinge hinzu­nehmen, die ich nicht ändern kann und die Kraft

Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu trennen.”

 

 

Natür­lich geht es dabei nicht darum sich selbst zu über­schätzen, sondern zu spüren: Was könnte ich hin bekommen, auch wenn ich davor großen Respekt habe und was ist einfach nicht möglich. Heute weiß ich: Denken hilft. Ich habe gelernt einmal mehr nach­zu­denken, bevor ich handle. Das bewahrt mich vor mancher Pein­lich­keit — ob offen­sicht­lich oder nicht. Aber ohne Mut wäre ich nicht da, wo ich bin. Meine Frau konnte ich genau dazu ermu­tigen, sich öfter auf das Aben­teuer einzu­lassen. Natür­lich hat sie Job-Anfragen immer gekonnt umge­setzt — und war froh, dass sie JA gesagt hat. Manchmal merken wir ja erst beim Tun, was so alles in uns steckt…

 

Mein Punkt: Ich kenne so viele Projekt­ma­na­gerin im Event­be­reich, die einfach unfassbar gut, durch­dacht, strin­gent, souverän und umsichtig agieren. Egal auf welchem Level (und ohne Ranking) — ich bin beein­druckt von Frauen wie Hanna Hasen­bank, Alexa Küddels­mann, Weijie Yang, Barbara Zickler, Eva Heid, Stefanie Diete­rich, Andrea Bergheim, Sabine Pollmann, Swantje Marquardt, Gabi Garmatz, Claudia Krause, Louise Amelie Leuch­ten­berger, Eugenie Jung, Julia Arnold, Silja Neumann, Britta Bahlow, Miriam Gundlach, Gaby Barto­lomeo, Fran Koetter, Uta Brinks­meier, Antonia Eisert, Vivien Stamm, Stephanie Fottner, Grit Aßmuß, Grit Scholz, Nadja Pohle, Vera Viehöfer, Kerstin Ried­müller, Andela Riedel, Eva Pehle, Anne Rein­hardt, Nadja Meister, Yvonne Katz, Kerstin Hoffmann-Wagner, Daniela Seemann, Nadja Bartels, Maren Neumeier und viele mehr, die ich jetzt vergessen habe. You have, what it takes. Go for it!

Update: Katha­rina Stein vom Eveos Blog reagiert auf diese Gedanken mit diesem Plädoyer zur Haltung.

 

4. Kinderwunsch

 

Als zwei­fa­cher Vater erlebe ich die Dramatik, die sich im Körper der Frau abspielt, besser mit. Ich wußte vorher nicht, wie intensiv zum Beispiel die Geburt ist. Viele Freunde hegen seit Jahren einen Kinder­wunsch. Nicht die Norm — aber immer öfter bekomme ich mit, wie sich ein Paar auf eine Hormon-Ther­a­­pien einlässt. Das hat krasse Auswir­kungen auf den Körper, aber auch die Seele. Bei vielen anderen Freunden gab es Totge­burten. Ein unvor­stell­bares Leid. Nicht nur emotional, sondern auch physisch. Das hinter­lässt Spuren.

 

Dies ist aber ja nur der erste Schritt. Was ist, wenn dann die Kinder größer werden. Wie die Verein­bar­keit von Beruf und Familie klappt — bezie­hungs­weise eben auch nicht — darüber haben vier Kolle­ginnen höchst ehrlich geschrieben. Gerade im Event­be­reich ist das mit den krassen Arbeits­zeiten fast unmög­lich. Ok, man könnte meinen egal ob Mann oder Frau: Wer sich für die Event­branche entscheidet braucht einen tole­ranten Partner und eine verläss­liche Kinder­be­treuung. Aber die Frage wer zu Hause bleibt, wenn das Kind krank ist, brauche ich gar nicht zu stellen. Natür­lich der Mann. Äh…?

 

 

Frauen in der Eventbranche — ein Segen!

 

Vor einiger Zeit habe ich den gran­diosen Doku­men­tar­film “Where to invade next” des US-Oscar­­preis­­trä­­gers Michael Moore gesehen. Am Ende des Films stellt er den Einfluss von Frauen in die Gesell­schaft Island’s vor. Island wählte die erste Präsi­dentin weltweit. Die einzige Bank, die die Wirt­schafts­krise über­stand war eine von Frauen geführte Bank. Moore’s Auffor­de­rung: Frauen an die Macht — denn sie sorgen sich um durch­dachte, lang­fris­tige und für alle Seiten faire Entschei­dungen. Das führt zu Fairness und Nach­hal­tig­keit. Ich kann ihm da nur beipflichten. Wir müssen Frauen faire Chancen geben.

 

Mein Frau­en­bild ist grund­sätz­lich sehr positiv durch meine Oma geprägt worden (hier ein filmi­sches Porträt). Meine Mutter ist eine sehr starke, mutma­chende, lebens­be­ja­hende, strin­gente, verän­dernde Frau. Auch aufgrund dieser Prägung halte ich immer wieder Ausschau nach Möglich­keiten, wie ich Frauen bei Events fördern kann. Es macht Spaß zu entde­cken, wie konse­quent ich positiv über­rascht werde. Frauen können es, sie brauchen nur öfters die unvor­ein­ge­nom­mene Chance. Geben wir Ihnen, was Ihnen zusteht!

 

 

Mit diesen Gedanken möchte ich dazu inspi­rieren, das Geschlecht als Krite­rium unseres (Vor)Urteils zu verbannen! Ein unver­stellten Blick (wie Priscilla Bucher in diesem Video vorlebt) tut uns allen gut. Lasst uns offen und fair mitein­ander Chancen verwan­deln. Für alle Männer, die es bis hierhin durch­ge­halten haben: Nur Mut, ihr werdet über­rascht werden! Das gilt auch für euch Frauen — nur Mut, ihr werdet über­rascht werden “was alles möglich ist”! Lasst uns das Gute vom anderen Geschlecht abschauen, vonein­ander lernen, besser im Umgang mitein­ander werden.

 

 

Frage: Männer wie Frauen: Welche Erfah­rungen habt ihr mit dem Thema in der Event­branche gemacht?

 

 

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