Besser Präsentieren // Teil 4: Rhetorik

14. Mai 2015

Rhetorik Besser Präsentieren Martin Kloss

Nicht im Regen stehen, sondern mit Argu­menten über­zeugen… // Teil 4 von Martin Kloss: Rhetorik

 

 

Heute der vierte Teil der Serie “Besser Präsen­tieren” mit Analysen, Hinter­gründen und nütz­li­chen Tipps um die eigene Präsen­ta­tion vor Publikum zu verbes­sern (Teil 1: WIE vor WAS // 2: Körper­sprache // 3: Atmung & Stimme).

 

 

Rhetorik: Mein Gegenüber durch Argumente überzeugen!

 

Wie kann ich mit rheto­ri­schen Mitteln meine Inhalte besser vermit­teln?
Welche Rolle spielt Rhetorik im Gesamt­kon­text meiner Präsentation?

 

1. Weniger ist mehr
2. Pausen machen den Rhythmus

 

 

Was ist Rhetorik?

 

Als “Kunst der Rede” stellt die Rhetorik die Mittel bereit Ihre Zuhörer verbal von Ihren Aussagen zu über­zeugen. Sie wird auch die “Wissen­schaft vom wirk­samen Reden” genannt und stellt ein Trans­port­mittel für die zu vermit­telnden Inhalte dar.

 

Ob dieses Trans­port­mittel ein schicker, schneller und effi­zi­enter Sport­wagen oder ein alter, rostiger und stin­kender Last­wagen ist, liegt an Ihnen und wie Sie die Werk­zeuge der Rhetorik sinnvoll einsetzen.

 

Mit dem Thema Rhetorik kann man sich problemlos ein Leben lang beschäf­tigen, daher geht es in diesem Artikel nur um ein paar einfache grund­le­gende Dinge, die Ihnen bei Ihrer Präsen­ta­tion helfen sollen das Trans­port­mittel Rhetorik besser zu nutzen.

 

 

Weniger ist mehr

 

Im Engli­schen gibt es das soge­nannte KISS-Prinzip: “Keep It Simple, Stupid”. Das ist ein einfa­cher und guter Merksatz, denn er beschreibt das Prinzip, das als oberste Regel für eine Rede oder Präsen­ta­tion gelten sollte: “halte es so einfach wie möglich”.

 

Einige Menschen meinen, durch die Verwen­dung möglichst kompli­zierter Fremd­worte oder Angli­zismen würden sie ihr Wissen, ihre Kompe­tenz und ihren Status dem Zuhörer gegen­über deutlich machen. Das Gegen­teil ist der Fall. Denn je weniger ich als Zuhörer verstehe, desto weniger höre ich zu. Positiv formu­liert: je einfa­cher das Gesagte ist, desto aufmerk­samer ist mein Zuhörer.

 

Selbst­ver­ständ­lich lassen sich nicht immer alle Fremd­worte oder Angli­zismen vermeiden, teil­weise weil es keinen deut­schen Ausdruck dafür gibt oder weil es ein fest­ste­hender Fach­be­griff ist. Aber es reicht schon sich beim Schreiben einer Rede oder auch beim freien Sprechen darauf zu konzen­trieren einfache Worte zu wählen.

 

“Unser Forecast setzt eine Bench­mark im Segment der Channel Distri­bu­tion” ist ein beispiels­weise Satz über den ein Zuhörer so lange nach­denken muss, dass die darauf­fol­genden Sätze gar nicht gehört werden.

 

Das gleiche gilt für die Satz­länge. Schrift­deutsch zu sprechen, ist sehr schwierig für den Sprecher und noch schwie­riger für den Zuhörer. Versu­chen Sie Ihre Sätze mit maximal 12–15 Worten zu bilden, ohne Neben­sätze und gespro­chene Klammern. Das macht es Ihnen beim Sprechen und Ihren Zuhörern beim Verar­beiten der Inhalte leichter.

 

 

Positiv bleiben


In vielen Fällen verwenden wir unbe­wusst eine Negation um etwas Posi­tives auszu­drü­cken. Zum Beispiel “meine Präsen­ta­tion wird nicht lange dauern”, anstatt positiv “meine Präsen­ta­tion wird kurz sein”.

 

Das Problem dabei ist, unser Hirn kennt keine Negation. Wenn ich das klas­si­sche Beispiel nenne “bitte denken Sie jetzt NICHT an einen rosa Elefanten”, können Sie nichts dagegen tun, dass Sie vor Ihrem geis­tigen Auge einen rosa Elefanten sehen.

 

Das liegt daran wie unser Hirn Sprache verar­beitet. Die Worte werden alle wahr­ge­nommen und erst im Nach­hinein in den Gesamt­kon­text und damit ihre Bedeu­tung einge­ordnet. Dazu kommen Dinge wie Prosodie und Para­sprache (vgl. Teil 3: Atmung & Stimme), die dann im Zusam­men­spiel die Bedeu­tung des Gehörten ergeben.

 

Eine Auffor­de­rung etwas NICHT zu tun, hat deswegen zur Folge, dass gerade das Bild dessen was NICHT getan werden soll im Kopf entsteht.

 

Dieses Prinzip kann auch umge­kehrt werden um schlechte Nach­richten zu schönen. Wenn bei Akti­en­ge­sell­schaften von einer “Gewinn­war­nung” gespro­chen wird, bleibt im Hirn der positive Begriff “Gewinn” hängen, während die eigent­liche Nach­richt einen Verlust meint.

 

Achten Sie mal darauf wie oft Sie im Alltag die Negativ-Form verwenden und versu­chen Sie das gleiche noch einmal positiv auszu­drü­cken. Wählen Sie bewusst die Worte und vor allem Bilder, die bei Ihren Zuhörern hängen bleiben sollen.

 

 

Pausen machen den Rhythmus

 

Jeder Musiker weiß, Pausen machen den Rhythmus. Der Rhythmus entsteht nicht durch den Moment in dem eine Saite gezupft oder eine Trommel geschlagen wird, sondern die genau gesetzte Pause zwischen den Tönen macht den Groove.

 

Das liegt daran, dass wir in einer Pause das gerade gehörte erstmal verar­beiten müssen und dann im besten Fall gespannt auf den nächsten Ton bzw. das nächste Wort warten. Einen Witz ohne die akzen­tu­ierte Pause vor der Pointe zu erzählen, ruiniert den ganzen Witz.

 

Machen Sie daher Pausen beim Sprechen, lieber mehrere als wenige. Mit Pausen erhöhen Sie den Span­nungs­bogen, setzten gezielt einen Punkt oder ein Ausru­fe­zei­chen hinter das gerade gesagte und ermög­li­chen dem Zuhörer darüber nachzudenken.

 

Die gefühlte Länge einer Pause ist dabei immer sehr viel kürzer als die tatsäch­liche. Probieren Sie es am besten einmal aus, indem Sie sich aufnehmen und die subjektiv wahr­ge­nom­mene Pausen­zeit beim Sprechen mit der beim Hören vergleichen.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Achten Sie schon beim Schreiben bei Ihrer Rede oder Präsen­ta­tion darauf einfache und positive Formu­lie­rungen zu verwenden. Üben Sie Ihre Präsen­ta­tion langsam, mit bewusst gesetzten Pausen zu sprechen. Nehmen Sie sich gege­be­nen­falls beim Üben auf Audio oder Video auf, um ein Gespür für das Tempo und die Pausen­länge zu bekommen.

 

 

Fazit: Rhetorik hilft jeder Präsentation

 

Einfache Mittel der Rhetorik können die Vorbe­rei­tung und Ausfüh­rung Ihrer Präsen­ta­tion maßgeb­lich verbes­sern.
Merken Sie sich: Weniger ist mehr. Einfache und positive Worte, kurze Sätze. Lang­sames Sprechen und Mut zur Pause. Dann macht es Ihnen und auch Ihren Zuhörern mehr Spaß und die Inhalte kommen an.

 

 

Im fünften und vorerst letzten Teil dieser Serie geht es um das Thema Spie­ge­lung und was Hirn­for­schung mit dem Thema Präsen­tieren zu tun hat.

 

 

Martin Kloss Besser PräsentierenMartin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zwei­spra­chiger (Deutsch / Englisch) Schau­spieler, Mode­rator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unter­wegs. Darüber hinaus hilft er Unter­nehmen als Schau­­spiel- und Business Coach, schult Redner und Vortra­gende und bietet Work­shops zum Thema Selbst- und Fremd­wahr­neh­mung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com

 

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