Kommunikation: Ohne Herzblut geht’s nicht.

25. Februar 2015

Kommunikation Theo Eissler Spotentwicklung

Emotion statt Infor­ma­tion: Kinofilm der spot­ent­wick­lung für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz

 

 

Menschen zu gewinnen, sie für eine Idee oder ein Thema zu begeis­tern und für Verän­de­rung zu öffnen ist eine der wich­tigsten Führungs­auf­gaben von heute. Wer sie bewäl­tigen will ist heraus­ge­for­dert, die Kraft von Kommu­ni­ka­tion neu für sich zu entde­cken. Die Live-Kommu­­ni­­ka­­tion ist dafür ein hervor­ra­gendes Instru­ment. Worauf es bei wirkungs­voller Kommu­ni­ka­tion ankommt, verrät Experte Theo Eißler in diesem Gast­bei­trag. Ein inspi­rie­render Ausflug in die Prin­zi­pien der Kommu­ni­ka­tion, die ebenso Corpo­rate Events zu Grunde liegen.

 

 

Kommunikation: Ohne Herzblut geht’s nicht.

 

Sie sitzen in einem Vortrag und die Worte vom Redner ziehen an ihnen vorbei wie ein Schiff in der Nacht. Es stimmt: Kommu­ni­ka­tion ist nicht das, was man sagen will. Sondern Kommu­ni­ka­tion ist das, was ankommt. Das ist in aller Regel das Ergebnis harter Arbeit. Lang und lang­weilig dagegen wird’s von ganz alleine.

 

Für Führungs­kräfte und Verant­wor­tungs­träger lohnt die Beschäf­ti­gung mit Kommu­ni­ka­tion beson­ders. Denn sie müssen Menschen mitnehmen, Mitar­beiter von A nach B bringen und für Verän­de­rung gewinnen. Das ist alles andere als einfach und setzt hohe Anfor­de­rungen voraus – gerade an die Kommunikationsfähigkeit.

 

Als Unter­stützer bei der Stra­te­gie­fin­dung der passenden Kommu­ni­ka­tion, treiben uns diese ‚Glau­bens­sätze‘ an:

 

 

Aus komplex wird einfach.

 

Wir leben im Zeit­alter des Zuviels. Die Fülle an Infor­ma­tionen, Ange­boten und Fern­seh­ka­nälen nimmt immer mehr zu – die Aufmerk­sam­keit dagegen nimmt drama­tisch ab. Denn wir können nur einen Bruch­teil davon verarbeiten.

 

Wahr ist: Gerade weil die Verhält­nisse so komplex sind, muss Kommu­ni­ka­tion „einfach“ sein – nicht banal oder naiv. Sondern wie Albert Einstein sagt: „Wenn du es nicht einfach erklären kannst, verstehst du es noch nicht gut genug“. Ein iPhone beispiels­weise ist ein hoch­kom­plexes Produkt. Aber es besitzt eine super simple Bedie­nungs­ober­fläche. Genauso geht es in der Kommu­ni­ka­tion darum, Menschen zu komplexen Sach­ver­halten einfache und leicht verständ­liche Zugänge zu schaffen.

 

Am Anfang eines Projekts stellen wir deshalb die Frage: Was ist der wich­tigste Punkt, den Sie trans­por­tieren möchten? Der eine Kernsatz? Die eine Botschaft, die buch­stäb­lich hängen bleiben soll? Statt Pudding an die Wand zu nageln, muss aus der Masse an Material die eine Ziel­bot­schaft heraus­ge­fil­tert werden. Das erfor­dert Konzen­tra­tion und Mut. Um das Ziel zu treffen, haben Sie nur einen Schuss und einen Pfeil. Ihr Pfeil ist eine einzige Botschaft.

 

 

Aus Monolog wird Dialog.

 

Das Wort Werben kommt sprach­lich von „Braut­wer­bung“: da bemüht sich jemand darum, einen anderen freund­lich zu gewinnen. Gute Kommu­ni­ka­tion ist also immer Bezie­hungs­sache. Um eine Botschaft relevant zu machen, muss ich sie in Zusam­men­hang setzen mit etwas, was Menschen inter­es­siert. Was die Ziel­gruppe betrifft und Teil ihrer Lebens­wirk­lich­keit ist. Ein guter Kommu­ni­ka­ti­ons­check ist daher die Frage: Ist das bedeutsam für die Menschen, die das hören, sehen oder lesen?

 

Im Gegen­satz dazu sind viele Präsen­ta­tionen voller Ego-Folien. Und viele Image­filme eine reine Aufzäh­lung von Leis­tungs­merk­malen. Kommu­ni­ka­tion ist aber keine Einbahn­straße. Der Sender muss vom Empfänger her denken. Der Fisch dem Köder schme­cken. Treffer landen sie in der Kommu­ni­ka­tion nur, wenn es Menschen betrifft. Deshalb gilt es Brücken zu bauen. Ganz einfache Brücken, die Ihre Botschaft und Ihre Ziel­gruppe verbinden. Brücken, über die Menschen gerne gehen.

 

Dazu kommt: Dinge können heute nicht länger nur behauptet werden. Sie müssen von den Menschen selbst bestä­tigt werden. Im Bereich Social Media ist heute der Content erfolg­reich, den Nutzer in den eigenen Kontext stellen. Indem sie Inhalte bloggen, liken, tweeten, posten. Aufmerk­sam­keit bekommt, was zum Gesprächs­stoff wird.

 

 

Aus Text wird Bild.

 

Der Archi­tekt Jørn Utzon stand mit vielen namhaften Kollegen im Wett­be­werb: Für das neue Opern­haus in Sydney. Sein ganzes Konzept fasste er in einem einzigen Wort zusammen: „Segel.“ Sobald die Mitglieder des Komitees einmal das Bild von Segeln auf dem Meer vor Augen hatten, hatte kein anderer Vorschlag mehr die geringste Chance.

Im Gegen­satz zu den immer gleichen Wort­hülsen („Qualität“, „Nach­hal­tig­keit“, „Inno­va­tion“), die ohne jede Wirkung an einem vorbei­rau­schen, ist bril­lante Kommu­ni­ka­tion immer bildhaft.

 

Nicht umsonst nutzt Jesus in der Bibel so viele Vergleiche und Meta­phern – also sprach­liche Bilder. Denken Sie an die Vögel des Himmels, die weder säen noch ernten, oder an die Güte Gottes, die reicht, soweit der Himmel ist. Oder an die zur Redensart gewor­denen „Perlen vor die Säue“, „Wolf im Schafs­pelz“ – alles Bilder: einprägsam, fest mit einer Botschaft verknüpft und jeder­zeit abrufbar.

 

Gerade komplexe Sach­ver­halte lassen sich mit Bildern und Meta­phern wirk­stark trans­por­tieren. Beispiel: Ein Leitbild für ein Unter­nehmen, also ein Zielfoto der Zukunft, kann nur begeis­tern, wenn sich alle davon tatsäch­lich ein „Bild“ machen können. Das gelingt mit einem bloßen Text, auf dem die immer gleichen Plat­ti­tüden zusam­men­ge­dampft sind („bei uns steht der Mensch im Mittel­punkt“) immer schlechter. Wirk­stark ist, aus dem Zielfoto ein echtes „Bild“ zu machen, das dem ganzen Team ins Herz geht und im Kopf bleibt.

 

 

Aus Information wird Emotion.

 

Gute Kommu­ni­ka­tion schafft es, Bilder und Geschichten auf die innere Leinwand zu proji­zieren. Als Pfar­rer­sohn faszi­niert mich bis heute, dass sich Menschen unter­schied­lichsten Alters, Zeit und Kultur in den Geschichten der Bibel wieder­finden. Dass sie entde­cken: die Bibel ist kein Buch mit sieben Siegeln, sondern ein Buch mit vielen Spiegeln: „Da komm ja ich drin vor.“ Geschichten inspi­rieren uns, fordern uns heraus, sie trösten uns. Deshalb stimmt die Faust­regel:

 

Bloße Infor­ma­tionen führen zu Über­le­gungen. Emotio­nale Geschichten dagegen, führen zu Entscheidungen.

 

Sprich, Kommu­ni­ka­tion, die ankommt, dreht sich um die drei großen „G“: Gesichter, Geschichten und Gefühle.

 

 

Aus innen wird außen.

 

Jedes Projekt beginnen wir mit einem Workshop beim Kunden. Dort lernen wir das Unter­nehmen „von innen“ kennen und tauchen unwei­ger­lich in die „Kultur“ der Firma ein. Wir inter­es­sieren uns für den „Geist und Stil des Hauses“. Egal wie man Kultur defi­niert, man kann sie sehen. Vom ersten Tag an. Kultur ist sichtbar in der Art und Weise, wie Bezie­hungen gelebt werden, wie Führung ausgeübt wird und wie Teams zusammenarbeiten.

 

Richtig Spaß macht es, wenn Unter­nehmen und Marken von Mitar­bei­tern gelebt und von Kunden erlebt werden. Wenn also das Innere glaub­würdig nach außen kommu­ni­ziert wird. Sprich, es geht um Authen­ti­zität. Nicht um Manipulation.

 

Ja, Werbung hebt die Charak­te­ristik oder Fähig­keit einer Ware oder Idee hervor. Sie findet das Schöne in einer Sache und redet darüber. Aber sie fälscht nicht. Für mich sind Authen­ti­zität, Ehrlich­keit und Aufrich­tig­keit der Stoff, die in der Werbung Zukunft haben: „Truth well told“ – das ist die Aufgabe. Denn die Menschen „da draußen“ inter­es­sieren für die Werte, Haltungen und Über­zeu­gungen, die „innen“ tatsäch­lich gelebt werden. Im Vorteil ist, wer glaub­würdig kommu­ni­zieren kann, woran er glaubt.

 

 

Aus Penetranz wird Prägnanz.

 

Pene­tranz ist „Seiten­ba­cher Müsli“. Pene­tranz ist „Carglass repa­riert“. Oft erleben wir Werbung heute als Beläs­ti­gung.
Auch in der internen Kommu­ni­ka­tion braucht es meist nicht viele Worte, sondern die Rich­tigen. Chefs stehen in der Gefahr zu viel von den Kosten zu reden. Von den Prozessen und Regeln, die Mitar­beiter einzu­halten haben. Die Menschen kriegen so den Eindruck, dass es nur ums Geld geht und nicht um die Fürsorge für den Kunden. Sie sehen dann keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit und können auch für Kunden keine posi­tiven Erfah­rungen vermit­teln. Das ist fatal. Weil die aller­wich­tigsten Botschafter für ihre Marke ihre Mitar­beiter sind.

 

„Wer etwas bewirken will, muss gute Worte finden“, sagte der Dirigent Kurt Masur. Und Bill Hybels von der US-ameri­­ka­­ni­­schen Mega Church Willow Creek in Chicago ist Beispiel für eine Führungs­kraft, die Prin­zi­pien in poin­tierte und merk­fä­hige Slogans gießt. Anstatt einfach nur zu sagen, dass alle in der Gemeinde mehr Mitge­fühl zeigen sollen (gähn), sprach er davon „unsere zerbro­chene Welt mit beispiel­loser Barm­her­zig­keit zu über­schütten“. Bei diesen Worten brach spon­taner Applaus aus.

 

Die aller­besten Leiter, die ich kenne, ringen mit Worten, bis sie in der Lage sind, ihre großen Ideen so wieder­zu­geben, dass sie den Intel­lekt anregen, zu Taten anspornen und die Seele erheben. Sie prägen Slogans und geben Parolen aus, weil sie verstanden haben, dass die rich­tigen Worte den entschei­denden Unter­schied machen, um ins Herz von Menschen zu sprechen.“ (Bill Hybels)

 

 

Apropos Herz.

 

Ohne Herzblut geht’s nicht. Wer berührt, bewegt. Das gilt für eine Führungs­kraft genauso wie für die Werbung oder die Live-Kommu­­ni­­ka­­tion. Was Ihr Herz bewegt, schwingt immer mit. Sie können die Herzens­bot­schaft gar nicht ausschalten. Und Sie sollen es auch gar nicht. Bringen Sie zum Klingen und Schwingen, was Ihr Herz erfüllt.

 

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„Herzblut. Innere Werte erzählen“ — TEDx-Talk für eine Wirt­schaft, die Sinn macht, Werte lebt und darüber spricht.

 

 

Kommunikation Theo Eissler SpotentwicklungTheo Eißler führt die Agentur spot­ent­wick­lung, die für natio­nale und inter­na­tio­nale Unter­nehmen arbeitet (u.a. Procter&Gamble, Daimler, Hewlett­Pa­ckard, Fraun­hofer ISI, Hochland …) und die für ihre Arbeiten vielfach ausge­zeichnet worden ist. Er unter­stützt Führungs­kräfte (u.a. mit kurzen emotio­nalen Filmen: www.impulsfilme.de) und hält Vorträge zum Thema Kommu­ni­ka­tion. Er lebt mit seiner Familie in Tübingen und enga­giert sich in der Evan­ge­li­schen Landeskirche.

 

 

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