Besser Präsentieren // Teil 1: WIE vor WAS

Besser Präsentieren – eine Serie von Moderator und Coach Martin Kloss

 

 

Martin habe ich kürzlich auf einer Veranstaltung kennen und schätzen gelernt. Weil es nicht nur fachlich sondern auch menschlich direkt Klick gemacht hat, habe ich ihn gebeten sein Wissen im Bereich Präsentation auf diesem Blog zu teilen. Der Auftakt einer Serie zum Thema “Besser Präsentieren” mit Analysen, Hintergründen und nützlichen Tipps, um die eigene Präsentation vor Publikum zu verbessern. Viel Spaß beim lesen und anwenden!

 

 

Besser Präsentieren: WIE vor WAS

 

Wie kann ich eine Präsentation, einen Vortrag oder eine Rede wirkungsvoller gestalten?
Wie erreiche ich mein Publikum, so dass die Inhalte die ich transportieren möchte beim Zuschauer ankommen?

 

In diesen zwei Fragen stecken zwei besonders wichtige Worte:
1. das Wort WIE, denn das WIE ist wichtiger als das WAS. Dazu gleich mehr.
2. das Wort ZUSCHAUER, denn der vermeintliche ZuHÖRER ist vor allem ein ZuSCHAUER. Das hängt damit zusammen wie unsere Wahrnehmung funktioniert.

 

 

Was ist WAHRNEHMUNG?

 

Vereinfacht gesagt, ist die Wahrnehmung unserer Aussenwelt die Summe der Informationen die wir über unsere Sinne, die sogenannten Exterorezeptoren, also Gesichts-, Gehör-, Geruchssinn u.a. wahrnehmen.

 

Wahrnehmung entsteht also über die Datensammlung unserer Sinne. Dabei ist entscheidend wie viele Daten über welchem Sinn aufgenommen werden:

 

Sinnesorgan Bandbreite (Bit/Sek)
Auge 10.000.000
Haut 1.000.000
Ohr 100.000
Nase 100
Geschmack 10

 

Betrachten wir die grobe Aufteilung der verschiedenen Sinne, fällt sofort eins auf: das Verhältnis Auge zu Ohr ist 100:1. Wir nehmen also in der gleichen Zeit 100x mehr Informationen über das Auge auf, als über das Ohr.

 

Was bedeutet das? Wenn wir Menschen auf der Bühne zuschauen und ihrem Vortrag zuhören, sind wir 100x mehr ZuSCHAUER als ZuHÖRER!

 

Damit kommen wir zum anderen wichtigen Wort, dem WIE.

 

Interessanterweise legen die meisten Menschen beim Erstellen ihrer Präsentation und dem Vorbereiten ihres Vortrags die Priorität auf das WAS und nicht auf das WIE.

 

Denken Sie mal an den letzten Werbespot im Fernsehen an den Sie sich erinnern. An was erinnern Sie sich da? An ein Bild oder einen Satz? Also an das WAS oder an das WIE? Unser Hirn speichert Informationen bevorzugt also visuelle Information, also in Form von Bildern und kann diese weitaus länger und schneller abrufen als abstrakte akustische Informationen in Form von Worten oder Sätzen.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Das WIE ist entscheidend dafür OB die Zuschauer die Inhalte speichern und WIE sie diese Inhalte speichern. Stellen Sie sich Martin Luther King Jr. oder den Dalai Lama vor. In beiden Fällen können Sie vielleicht nur ein paar Worte oder Sätze zitieren, fest eingebrannt ist aber das Bild dieser Personen und die damit verbundene positive Assoziation ihrer Persönlichkeit.

 

Wenn wir nun wissen, dass die Wahrnehmung über das Auge 100x mehr Informationen aufnimmt als über das Ohr, das WIE der Präsentation also wichtiger ist als das WAS, welche Konsequenz hat das für die Form der Präsentation?

 

Betrachten wir wie sich dieses WIE eigentlich zusammensetzt:

– Körpersprache
– Stimme
– Rhetorik

 

Das Zusammenspiel dieser drei Komponenten ist maßgeblich für das WIE einer Präsentation verantwortlich.

TIPP: Achten Sie darauf WIE Ihre Körpersprache, Ihre Stimme und Ihre Rhetorik ist. Und zwar in dieser Reihenfolge. Nehmen Sie sich auf Video auf, fragen Sie Kollegen und Freunde nach Feedback und schreiben Sie Ihre Selbstwahrnehmung auf der Bühne auf.

 

Mehr zu diesen Themen erfahren Sie in den nächsten Teilen dieser Serie zum Thema “Besser Präsentieren”. Im nächsten Teil geht es um das Thema “Körpersprache” und wie wir diese Form der nonverbalen Kommunikation für eine bessere Präsentation nutzen können.

 

 

Fazit: WIE vor WAS!

 

Merken Sie sich für Ihre Präsentation: WIE vor WAS! Achten Sie in der Vorbereitung und bei der Ausführung darauf WIE Sie sich und Ihre Inhalte präsentieren und erst dann WAS Sie präsentieren.

 

 

Martin Kloss Besser Präsentieren Martin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zweisprachiger (Deutsch / Englisch) Schauspieler, Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Darüber hinaus hilft er Unternehmen als Schauspiel- und Business Coach, schult Redner und Vortragende und bietet Workshops zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com

 

 

Hier geht es zu Teil 2: Körpersprache // 3: Atmung & Stimme // 4: Rhetorik // 5: Spiegelung

Ein Loblied auf die Eventbranche & warum ich meinen Job liebe…

Eventbranche: warum ich meinen Job liebe… // Eventregisseur Chris Cuhls   (Foto: Helge Thomas)

 

 

Nach meiner Kritik an der Eventbranche möchte ich es nicht missen, ein Loblied auf dieselbe zu texten. Denn:

 

 

Die Eventbranche hat es wirklich verdient!

Wir sind keine besseren Kindergeburtstagsmanager.

 

 

Anders als von Spiegel Online in dem Artikel „Viel Stress, wenig Geld“ suggeriert, sind die Macher von Events eben keine gelernten Abiball- oder Gartenfest-Organisatoren (um ehrlich zu sein, der Artikel riecht nach Native Advertising einiger privater Hochschulen).

 

Um wirkungsvolle Events auf die Bühne zu bringen, braucht es hochspezialisierte Profis. Diese sind nach außen nur oft nicht sichtbar. Das Märchen vom alles könnenden Eventmanager existiert nicht in der Realität. Die Eventbranche ist längst wesentlich komplexer. Folgend ein subjektiver Überblick, wer alles bei Events mitwirkt und was die Eventmacher dabei leisten.

 

 

Was Gestalter in der Eventbranche alles leisten…

 

Senior-Projektmanager wie Norbert Gaffron (OSK) sorgen für timinggenaue Taktung von hochkomplexen Projektabläufen sowie für gutes Teamwork einer Armada von Dienstleistern und Spezialisten…
Eventkonzeptioner wie Jörg Sellerbeck kreieren Konzepte, die Inhalte wie Botschaften verständlich und wirkungsvoll auf den Punkt bringen…
Show-Inszenierer wie Medienkünstler Andree Verleger entwickeln bombastische Shows für Marken und deren Produkte…
Architekten wie Mirco Schwung und Szenografen wie Eno Henze verwandeln Räume für kurze Zeit in komplett neue Erlebniswelten…
 Planungsbüros wie Guido Leiting & Team (adhoc4acp) planen die technische Umsetzung und Technikverleiher kümmern sich um eine exzellente Realisation vor Ort…
Lichtdesigner wie Nik Evers verzaubern kalte, unschöne Räume in Wohlfühl-Oasen mit Ambiente und setzen Shows effektvoll in Szene…
Musikproduzenten wie Marvin Glöckner komponieren eigens Musiken, die die gewünschten Emotionen transportieren…
Content-Produktionsfirmen wie elberfeld kreation erstellen Medien, die visuell Botschaften vermitteln – ob Filme oder PPT’s…
App-Entwickler wie Thorben Grosser (eventmobi) vereinfachen die Vor-Ort Kommunikation mit Teilnehmern und sorgen für Interaktion…
Cateringfirmen wie Kirberg sorgen nicht nur für das leibliche Wohl, sondern können weitere Sinne für das Thema des Events sensibilisieren…
Live-Übertragungen wie von Orange Media sorgen für gute Live-Videobilder und können das Geschehen für die Nachkommunikation dokumentieren…
Choreografen wie Nadine Imboden und Kostümdesigner wie André Buch setzen Akteuren und Performer auf der Bühne in das richtige Outfit und inszenieren Bewegungsabläufe…
• …und dann gibt es natürlich noch viele weitere Spezialisten in den Bereichen Teilnehmermanagement, Ton, Video, Beamer etc., Logistiker, Hostessen und und und!

 

Für jeden genannten Spezialisten gibt es weitere TOP-Kollegen, die ich nennen könnte. Nicht zu vergessen die Vielzahl von professionellen Eventagenturen. Diese helfen Unternehmen Ziele für ihre Live-kommunikation zu definieren, Botschaften wirkungsvoll zu transportieren, Shows zu entwickeln und neben erinnerbaren Momenten auch die gesamte Logistik für Events zu stammen. Chapeau!

 

Es wird ersichtlich, wie komplex, vielschichtig und diversifiziert Events mittlerweile funktionieren. Natürlich gibt es ein breites Spektrum von Anbietern mit sehr unterschiedlichem Qualitätsanspruch, Kompetenzen und Erfahrungshorizonten. Aber: viele der Berufsgruppen in der Eventbranche können gar nicht klassisch erlernt werden, sondern entstehen aus bunten Lebensentwürfen von Menschen, die über mehrere Stationen nach und nach die notwendigen Qualifikation sammeln.

 

Eventbranche

Die Eventbranche lebt von Spezialisten und Teamarbeit // Teamfoto: Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, IMG

 

 

 

Warum ich meinen Job als Eventregisseur und Konzeptioner liebe

 

 

Love what you do and do what you love. Don’t listen to anyone else who tells you not to do it. You do what you want, what you love. Imagination should be the center of your life.” ― Ray Bradbury

 

 

Um es persönlich zu machen: ich liebe meine Aufgabe als Regisseur und Konzeptioner in der Eventbranche. Gemeinsam in großartiger Teamarbeit fügen sich die Einzelrädchen bei Events zusammen und ergeben diese großartigen Momente, in denen Mensch und Marke aufeinander treffen und bleibende Eindrücke erlebt werden.

 

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind enorm. Die Vielfalt der Locations und die damit verbundenen Reisen an unterschiedlichste Orte erlauben immer wieder den Blick über den Tellerrand. Der hohe fachliche Anspruch in allen Bereichen in Deutschland ist exzeptionell (im Vergleich zu anderen Ländern) und erlaubt exzellente Arbeitsergebnisse.

 

Im Vergleich zu der Fernsehbranche, in der ich ursprünglich gelernt habe, empfinde ich Events als ehrlicher und direkter. Es geht nämlich wirklich um das Publikum vor Ort und nicht um ein manipulatives Mittel zum Zweck (Animateur: jetzt klatschen!). Besonders begeisternd wird es, wenn:

 

• …Eventmacher eine Extrameile mit dem Kunden gehen, um großartige Ideen mutig auf den Punkt zu bringen.
• …es gelingt diese Botschaften durch gekonnte Inszenierung und spannende Perspektivwechsel zu kommunizieren.
• …dadurch echte Begegnungen ermöglicht werden, in angenehmer Atmosphäre, in denen Gäste sich wohlfühlen, netzwerken und austauschen.
• …Neues entdeckt wird, tiefere Weisheiten weitergegeben und an Wissen partizipiert werden kann (ich denke da an TED).
• …die Kreuzung von Ideen & Innovation stattfindet, die Arbeit vereinfacht und Wirtschaft bzw. Gesellschaft erneuert.
• …Menschen vielleicht sogar Erlebnisse machen, die ihr Leben transformieren.
• …Interaktion mit dem Publikum, überraschende Unterhaltung und ehrliches Miteinander gelingt.

 

 

Letztlich muss ich auch sagen, dass die Kommunikations- und Problemlösungswilligkeit in Eventteams aus meiner Sicht höher ist, als innerhalb von Konzernen. So wird effizient ein Mehrwert geschaffen. Ok, das bedeutet oft viele Arbeitsstunden – aber wenn dann alles auf den Punkt kommt… Einfach herrlich!

 

 

Frage: Was macht die Eventbranche für dich aus? Was liebst du, was würdest du sofort abschaffen?

 

Teamführung im Eventmanagement

Teamführung im Eventmanagement // Johanne Kläger erklärt wie es gelingt

 

 

Worauf kommt es bei Events an? Vor allem gute Teamführung. Das ist aus meiner Sicht DER Schlüssel im schnelllebigen und agilen Eventgeschäft.

 

Auf der Suche nach guten Impulsen habe ich nichts brauchbares finden können. Deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Den Anfang der Serie macht die erfahrene Projektleiterin Johanne Kläger, die mittlerweile als Coach und Supervisorin arbeitet:

 

 

Gute Teamführung im Eventmanagement

 

In der Eventplanung ist es oft dasselbe. Die durchführende Agentur stellt ein Team für die Durchführung eines Events zusammen. Meist ist es ein Mix aus internen und externen Mitarbeitern und selten von dem Projektleiter selber zusammen gestellt. Wider Willen werden Menschen zusammen gewürfelt, die ein gemeinsames Ziel haben: ein bestimmtes Event für einen Auftraggeber und das teilnehmenden Publikum erfolgreich umzusetzen.

 

Wenn der Projektleiter Glück hat, dann kennt er ein Teil des Teams oder kann auf die Besetzung wichtiger Positionen bestehen. Doch gerade auch in der Zusammenarbeit der Gewerke, wie Technik, Catering, Dekoration, Bühnenbau, Videotechnik, Entertainment etc. wird selten ein Event ohne Ausschreibung vergeben. Das heißt der verantwortliche Projektmanager muß damit leben, was ihm an Spezialisten zugeteilt wird.

 

Und somit ist das schon die erste Kunst in der Teamführung: er (der Einfachheit halber schreibe ich nachfolgend von der männlichen Form, wobei selbstverständlich die weiblichen Projektleiterinnen einbezogen sind) muß ein Team formen, die Regeln der Kommunikation festlegen, die Standards seiner Ansprüche bekanntmachen. So haben alle die Chance zu wissen, was seine Anforderungen und Ansprüche sind und damit natürlich auch die des Kunden.

 

 

Ich habe festgestellt, dass das A und O einer konstruktiven, gelungenen Teamführung aus folgenden wichtigen Elementen besteht:

 

•   Kommunikation
•   Struktur
•   Klarheit und Präsenz
•   Transparenz
•   Humor

 

 

Ich habe immer wieder festgestellt, wenn ein Team nicht zusammen wächst, zu viele Fehler macht oder sich zu viele Überstunden anhäufen, es häufig an der mangelnden Kommunikation liegt. Eigentlich ist Kommunikation der Oberbegriff und der Rest gliedert sich darunter.

 

 

Kommunikation ist der Schlüssel

 

Von Anfang an ist es wichtig, dass der Projektmanager Strukturen und Rituale einführt, wo der Wissensstand aller Beteiligten, das Status Quo und die to-do Listen regelmäßig abgeglichen werden. Das können regelmäßige Team-Meetings sein. Es sollte pro Themengebiet, Gewerk und Leistungspartner der jeweilig Verantwortliche mit am Tisch sitzen oder per Skype beziehungsweise Telefonkonferenz hinzu geschaltet sein, sofern nicht anders möglich.

 

Damit in den Meetings nicht kostbare Zeit vergeudet wird, sollte der Projektmanager vorab eine Agenda herum schicken. So kann sich jeder darauf vorbereiten und auch offene Fragen mitbringen. Der Fortschritt eines Bauabschnitts beziehungsweise Themas wird besprochen und alle beteiligten Leistungspartner sollten entweder ihre Aufgabe bis dahin erledigt haben oder gut begründen können, warum es zum Beispiel Verzögerungen gibt.

 

Wichtig für ein gut kooperierendes Team ist ebenfalls, dass jedes beteiligte Teammitglied sehr genau weiß, was es zu tun hat und was von ihm erwartet wird. Immer wieder gibt es Schnittstellen (wie zwischen Veranstaltungstechnik und Dekoration oder Catering). Hier muß der Teamleiter sehr genau darauf achten, ob die Schnittstellen bewußt sind und wer welchen Part übernimmt. Probleme vor Ort gibt es immer dann, wenn nicht darüber gesprochen wird und jeder „denkt“, es macht der andere…

 

Auch halte ich es für wichtig, dass die Kommunikationswege im Vorfeld und auch während der Veranstaltung besprochen und eingehalten werden. Wer gibt wem welches Signal weiter? Wer berichtet wem welches Problem? Wer ist derjenige der final das Signal für den Einlass der Gäste gibt?

 

 

Mit der Kommunikation ist eng die Struktur verknüpft:

 

• Wann finden welche Meetings mit welchen Personen statt?
• Gibt es nach jedem Meeting für alle Beteiligten ein Protokoll?
• Wie werden die Wünsche und Botschaften des Kunden an die Teammitglieder transportiert?
• Muß tatsächlich jeder alles wissen?
• Gibt es eine Kontaktliste von allen beteiligten Leistungspartnern?
• Ist das Timing (Konzeption, Planung, Aufbau, Veranstaltung, Abbau) mit allen Beteiligten abgestimmt und als realistisch abgesegnet?
• Weiß jeder, wofür er selbst verantwortlich ist und wofür nicht?
• Weiß jeder, an wen er sich wenden kann, wenn es Herausforderungen gibt (nein, nicht immer an den Projektleiter oder an den Kunden)?
• Sind Schnittstellen geklärt?
• Gibt es einen Plan B (für den Fall der Fälle)?

 

 

Und klar ist auch, dass gelungene Teamführung natürlich immer wieder mit von Person des Teamleiters abhängt. Gemeint ist damit, seine Charakterstärke, seine Präsenz, seine Klarheit und seine Fähigkeit zu delegieren. Es bedarf tatsächlich vielseitige Talente, um ein großes oder auch kleines Team gut zu führen. Je klarer der Projektleiter weiß, wohin er will, welches Budget er hat, was die Botschaften seines Kunden sind, was die Stärken und Schwächen seiner Teammitglieder, was seine eigenen Stärken und Schwächen sind, desto erfolgreicher wird er mit seinem Team sein.

 

Teamführung EventmanagementTeamführung – der Schlüssel für gute Ergebnisse // Foto: André Wirsig

 

 

Eigenverantwortung stärken, Teammitglieder herausfordern

 

Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, die Eigenverantwortung von einzelnen Teammitgliedern im internen Team (Agentur) und die der Leistungspartner so weit wie möglich zu stärken und sich selbst zu überlassen. Je eigenverantwortlicher und selbständiger Menschen arbeiten können, umso erfolgreicher sind sie meist. Heißt, wenn es Spezialisten gibt, Meister in ihrem Gebiet, dann sollte man ihnen auch die Möglichkeit geben, dass zu zeigen und entsprechende Vorschläge machen zu lassen. Ich als Projektleiter spare Energie, wenn ich auf die Expertise der Mitarbeiter baue und darauf vertraue, dass sie mir in ihrem Bereich (Show, Entertainment, Licht, Ton, Bühnenbau, Dekoration etc.) ihre bestmöglichen Vorschläge unterbreiten. Natürlich bedarf es dafür seitens des Projektleiters ein herausragendes Briefing, in welchem die Rahmendaten und die Wünsche des Kunden, genauestens mitgeteilt werden.

 

So können nicht nur die externen Leistungspartner, sondern auch die internen Teammitglieder (Guestmanagement, Hostessen, Konzeption, Logistik etc.) bestens arbeiten. Dazu bedarf es aber seitens des Projektleiters ein Grundvertrauen, dass es seine Leute schon machen. Wenn er das nicht hat, dann funktioniert die Vorgehensweise nicht. Logisch. Dann hilft es aber gemeinsam mit dem entsprechenden Verantwortlichen daran zu arbeiten, dass diese möglichst bald eine gemeinsame Sprache sprechen.

 

Eine Fähigkeit des Teamleiters gegenüber seinem Team ist tatsächlich unmittelbare Transparenz zu vermitteln. Sei es inhaltlicher, struktureller oder finanzieller Art. Hat der Kunde beispielsweise wesentliche Änderungswünsche gelten die umgehend kommuniziert. Ist es dem Teamleiter selbst wichtig, in einer bestimmten Art und Weise zu arbeiten, dann sollte er es seine Leute unbedingt wissen lassen. Will er bestimmte Angebote oder Rechnungen auf eine bestimmte Art und Weise gegliedert haben, hilft es vorab dies zu verkünden. Gibt es Budgetkürzungen oder Erhöhungen, sollte er es unbedingt sofort weiterleiten. Weiß er, dass sein Kunde etwas besonders mag oder nicht mag, dann sollten dass seine Leute auch wissen. Denn je transparenter und klarer er arbeitet, umso einfacher wird es seinem Team fallen, das gemeinsame Ziel der gelungenen Veranstaltung zu erreichen.

 

Und natürlich wird es immer wieder vorkommen, dass Leistungen nicht so erbracht werden, wie gewünscht, dass Fehler passieren, dass Mitarbeiter überfordert sind oder man schlichtweg mit jemand nicht klar kommt. Auch hier hilft relativ einfach und klar, es diplomatisch, freundlich, klar und bestimmt anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Vor Ort hilft tatsächlich auch manchmal nur eine „Ansage“ zu machen, nämlich dann, wenn weder Zeit noch Spielraum da ist. Dann muß der Projektleiter, entweder auf Empfehlung, oder selbst entscheiden, was zu tun ist. Denn letztendlich trägt er die Verantwortung.

 

 

Fazit: Teamführung mit Humor und Freude einsetzen

 

Es gibt sicher viele Punkte, von der eine gelungene Teamführung abhängt. Und ganz viel ist sicher auch Erfahrung. Ich habe mich auf die, aus meiner Sicht, Wichtigsten beschränkt. Und letztendlich dürfen auf keinen Fall der Humor und die Freude an der Arbeit fehlen. Denn es läuft einfach leichter, wenn man in dem größten Stress immer noch weiß, dass einem die Arbeit riesige Freude macht und wenn man einfach zwischendurch mal wieder lachen kann. Das entspannt, entzerrt vielleicht manch hochgeladene Situation und macht letztendlich die Arbeit leichter.

 

In diesem Sinne, viel Spaß bei der Arbeit!

 

 

Teamführung im Eventmanagement Johanne KlägerJohanne Kläger ist als Coach, Supervisorin (DGSv) und Dipl. Sozialpädagogin für Einzelne, Teams und Familien tätig. Bis 2012 hat war sie als Projektmanagerin im Bereich Events für nationale und internationale Events 15 Jahre lang unterwegs. Die gewonnenen Erfahrungen kann sie heute erfolgreich in ihrem vielfältig entwickelten Tätigkeitsfeld weitergeben. Infos: www.johanneklaeger.de

 

 

Frage: Worauf kommt es bei guter Teamführung aus deiner Sicht an?

 

Kostümdesign: 5 Fragen an André Buch

Warum Kostümdesign zu wirkungsvollen Events verhilft… // Foto & Video: André Buch

 

 

1. André, was macht gutes Kostümdesign aus?

 

Mir kommt es primär auf die ausgewogene Mischung an: Erkennbarkeit der Marke im Design, Funktionalität für den Künstler, harmonisches und doch signifikantes Gesamtbild. Ich mag Klarheit in Farbe und Aussage. Klare Bilder, sind starke Bilder. Meine Stärke ist es Briefingaussagen in Entwürfe zu verpacken. Wenn es mir darüber hinaus gelingt, dass der Akteur sich in seiner Bühnenhaut wohlfühlt, bin ich zufrieden.

 

 

2. Was war das herausforderndste Event, welches du mittels Kostüm ‚verzaubert‘ hast?

 

Ein Highlight war sicherlich die Daimler-Pressekonferenz zur IAA im Jahr 2011. Eine riesige Produktion mit enorm großem Aufwand und einigen Dutzend Akteuren auf der Bühne. Spätestens seit diesem Projekt liebe ich das Einbauen von sensibler Technik im Kostüm, was mir früher oft ein rotes Tuch war. Andree Verleger führte Regie – ein wirklich brillanter Geist, wenn es um das Verschmelzen von Screen und Akteur geht. Und ein wirklich wunderbares Team. Der Zeitvorlauf und die Probenintensität waren großartig. Ich wünsche mir häufiger Produktionen, bei denen im Vorfeld mehr Zeit ist, Dinge ausführlicher zu planen und zu kreieren! Klar, Zeit ist Geld – wissen wir alle. Aber genauso wissen wir, dass mit etwas mehr Zeit in der Vorbereitung auch ein deutlich erfolgreicheres Produkt entwickelt werden kann.

 

 

 

 

3. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Kostümbildner zu realisieren?

 

Möglichst umfangreiche Informationen. Je mehr ich von einem Produkt/einer Inszenierungsidee/einer Vision weiß, desto besser kann ich Ideen dazu entwickeln. Und natürlich auf ein gutes Team, das mit Spaß & Engagement bei der Sache ist.

 

 

4. Wo lässt du dich in Sachen innovativer Mode inspirieren?

 

Also ganz ehrlich, wirklich innovative Mode ist rar. Ausnahmetalente, wie zum Beispiel Iris van Herpen, die frisch von der Hochschule im Vorbeigehen mal gerade die Branche revolutionieren, gibt’s nicht alle Tage. Ich tummle mich zwischendurch recht gerne auf Blog-Plattformen, wie tumblr und finde dort einigen Input. Schnell – international – ungefiltert. Das gefällt mir 10x besser als irgendwelche peusdo-zeitgeistigen Magazine.

 

 

5. Was war dein größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Wow – dramatische Frage; zu der mir spontan zum Glück kein Ereignis einfällt. Was hoffentlich nicht heißt, dass mir ’mein größter Fehler’ noch bevor steht. (Sie können das jetzt nicht sehen, aber ich zünde sicherheitshalber mal n Teelicht an…).

 

Ich habe bislang immer auf meine Intuition vertraut – die war mir stets ein sicherer Lotse. Egal ob personell oder inhaltlich. Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch – vielleicht hat mich das bislang vor wirklich großen Fehlern bewahrt. Ich artikuliere lieber zu früh als zu spät, wenn ich eine Sackgasse oder ein Problem sehe. Das hilft in anspruchsvolleren Situationen recht gut. Ich denke, das ist ein wichtiger Lernschritt in den ersten Berufsjahren: Wir alle wollen gute Dienstleister sein. Aber dazu gehört auch, die Agentur/den Kunden ehrlich zu beraten, welche Umsetzung Sinn macht und welche eher wenig Aussicht auf Erfolg hat.

 

 

André Buch KostümdesignAndré Buch lebt und arbeitet als freischaffender Kostümbildner in Köln. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Entwurf & Anfertigung von Kostümausstattungen für Eventshows, Automobilpräsentationen, Messeauftritte & Galas, sowie Erstellung von Kostümen aus Produkten.

 

TV-Unterhaltung: 6 Fragen an Regisseur Carsten Seibt

TV-Unterhaltung – worauf es ankommt erklärt TV-Regisseur Carsten Seibt

 

 

Carsten habe ich während meines Medienmanagement-Studiums in Mittweida (Sachsen) kennen und schätzen gelernt. Zwischenzeitlich ist er als TV-Regisseur für verschiedene Sender tätig. In Kürze startet er beispielsweise ein neues MDR-Format mit Ross Anthony. Was gute TV-Unterhaltung ausmacht, habe ich ihn gefragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an gute TV-Unterhaltung?

 

Wie bei jedem anderem Fernsehprogramm auch, muss es der Anspruch sein den Zuschauer sprichwörtlich vor dem TV zu „fesseln“ und ihm das Gefühl zu geben mitten im Geschehen zu sein. Kurzum: Zur richtigen Zeit die richtigen Bilder liefern, die zur Dramaturgie der Show passen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es sich um eine Musik-, Game- oder Talkshow handelt. Als Regisseur beginnt alles damit, dass man sich sehr gut auf das was passiert und noch wichtiger – auf dass was passieren könnte – vorbereitet, sich mit Redaktion und Autoren abstimmt und das ganze Team dabei mitnimmt. Auch wenn der Großteil der Shows durchgescriptet ist, bleiben immer noch genügend Dinge offen, auf die man vorbereitet sein muss. Gerade bei Live-Shows ist das spannend, weil die ungeplanten Momente oft die stärksten sind und die emotionalsten Bilder liefern.

 

 

2. Dein Prinzip lautet „Emotion & Reaktion“ – wie können Event’ler dieses für sich nutzbar machen?

 

In jeder Show passieren zahlreiche Dinge, auf die wiederum andere an der Show Beteiligte reagieren. Ein begeistertes Publikum, ein schadenfroher Quizshow-Partner, ein Talkshowgast der sein Gesicht verzieht oder ein raunendes Publikum. Diese Reaktionen sind immer mit Emotionen verbunden, welche bildlich eingefangen werden müssen. Die Herausforderungen, gerade bei Live-Shows, sind nicht nur das Offensichtliche zu zeigen, sondern zu schauen ob es vielleicht „Nebenschauplätze“ gibt, an denen Dinge passieren, die wir so nicht mitbekommen hätten und trotzdem interessant sind. Ein Beispiel: Eine Mutter trifft in einer Show ihren Sohn wieder, nachdem Sie 10 Jahre keinen Kontakt zu ihm hatte. Offensichtlich ist, dass beide zu Tränen gerührt sind, sich um den Hals fallen – die Emotionen werden durch die passende Musik noch verstärkt. Zunächst nicht offensichtlich ist, dass in der 3. Reihe im Publikum die Schwester der Mutter sitzt und mit den Tränen kämpft – das sollte auch gezeigt werden! Am Ende geht es immer darum den Zuschauer so lange wie möglich vor dem Schirm zu halten und dafür geben alle im Team ihr Bestes.

 

Für Off-Air Events gilt sicher das Gleiche, nur dass man das Hauptaugenmerk auf den Kunden bzw. Zuschauer im Saal legen muss. Eine der Fragen an den Kunden sollte sein, welche Emotionen beim Publikum geweckt werden sollen. Welche Reaktion sind vom Publikum darauf zu erwarten und wie kann man diese wieder in die Veranstaltungskonzeption mit einbinden, so dass das Publikum nicht nur Publikum ist, sondern ein Teil der Show.

 

 

3. Was war das herausforderndste bzw. bedeutsamste TV-Projekt, welches du als Regisseur realisiert hast?

 

Eines der größten Herausforderungen jedes Jahr ist der Semperopernball in Dresden (3sat/mdr). Ich bin dort als Regisseur für das On- und Off Air Programm auf dem Theaterplatz (Openairball) zuständig. Wir arbeiten dort mit zwei kompletten Teams (Theaterplatz/Semperoper) und sind dort aufgrund der großen Programmflächen (OffAir, Countdown, Show, Aftershow) fast sechs Stunden am Stück im Einsatz. Ziel der Veranstaltung ist es das „Ballgefühl“ aus der Oper zu den 10.000 Zuschauern auf dem Theaterplatz zu transportieren. Dazu gibt es einige Aktionen und Showeinlagen während des Balls. Diese müssen mit der Show in der Oper synchronisiert werden. Die Wetterlage im Januar stellt oftmals noch eine zusätzliche Herausforderung dar. Die Bilder von 5.000 Tanzpaaren sind dann immer wieder beeindruckend.

 

 

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als TV-Regisseur zu realisieren?

 

1. Das wichtigste ist dass das Team funktioniert, ich lege viel Wert auf eine harmonische Stimmung am Set.

2. Auf ein gutes Skript der Autoren bzw. Redaktion, ich versuche frühzeitige mit den Autoren ins Gespräch zu kommen und nicht erst wenn das Buch fertig ist.

 

 

5. Wo lässt du dich in Sachen (innovativer) TV-Unterhaltung inspirieren?

 

Es gibt eine große Bandbreite von Unterhaltungsformaten – innovativ, traditionell, im TV und im Netz. Auch gut konzipierte Off-Air Shows und Musicals haben oft einiges zu bieten. Diese schau ich mir gern an und entdecke manchmal auch Elemente, welche mich inspirieren – technischer oder konzeptioneller Art. Gern schau ich mir auch neue Technologien an die auf den Markt gebracht werden und überlege wie ich sie evtl. nutzen kann. Im Moment steckt viel Potential in der Symbiose von traditionellen Live-TV-Inhalten zusammen mit Echtzeit-Elementen des World Wide Web. Dort gab es in letzter Zeit schon einige Versuche, doch benötigen die Sender hier noch mehr Mut zum Experimentieren.

 

 

6. Was war dein größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Einen „größten Fehler“ kann ich so gar nicht benennen. Aber natürlich – nur wer nichts macht, macht keine Fehler. Es gibt immer wieder mal Dinge die nicht so laufen wie sie sollten. Im Idealfall kann man sie vorher abbiegen, oder sie ziehen keine größeren Folgen nach sich. Wichtig ist nur daraus zu lernen, sofort die Konsequenzen zu ziehen und mit dem Team darüber zu sprechen, so dass die gleichen Fehler nicht zweimal passieren.

 

 

TV-Unterhaltung Carsten Seibt: Emotion & ReaktionCarsten Seibt arbeitet seit 2006 als freier Regisseur für Fernsehproduktionen (u.a. ARD, MDR, 3sat, SRF) und lebt in Leipzig. Schwerpunkt bilden dabei Live-, Show- und Eventproduktionen. Vor seiner Tätigkeit als Regisseur war er in unterschiedlichen Funktionen innerhalb des Produktionsprozesses tätig. Außerdem ist er Dozent für Fernsehproduktion an der Hochschule Mittweida – University Of Applied Sciences. Weitere Infos: www.carstenseibt.de

 

Event Trend 2015: 23 Experten zur Live-Kommunikation

Event Trend 2015: Inhalte, Geschichten, Authentizität // Foto: ©iStock.com/jamesjames2541

 

 

Zum Jahreswechsel habe ich 23 Eventgestaltern die ein und selbe Frage gestellt: Welchen eine/n Trend, Herausforderung oder Möglichkeit siehst du für 2015, der den stärksten Einfluss auf die Live Kommunikation haben wird? Die Trend-Einschätzungen für 2015 in Reihenfolge des Eintreffens:

 

 

 

23. Max Hassemer, Geschäftsführer DREINULL:

 

Veranstaltungen werden noch deutlich weiter auf die Kommunikation der Besucher über ihre persönlichen sozialen Netzwerke ausgerichtet werden. Kredibles Multiplikatoren-Marketing schlägt Presseclipping und Mediaäquivalenzwert. Richtig spannend wird das auch erst, wenn neue Methoden zur Messbarkeit der Erfolge auf sozialen Netzwerken auftauchen…

 

 

22. Jörn Huber, Geschäftsführer pro event live-communication:

 

Der stärkste Trend 2015 wird das Ende des „Kanaldenkens“ sein. Es ist nicht entscheidend, ob Live-Kommunikation, Online-Marketing, Social Media oder klassische Werbung. Erfolg bedeutet 2015, mehr denn je, starke und authentische Geschichten zu entwicklen und dann erst zu entscheiden, auf welchen Wegen sie in welcher Form die größte Aufmerksamkeit des relevanten Marktes bekommen. Unternehmen werden lernen müssen, erst in die Kreation der Geschichte zu investieren und dann erst Budgets auf Kanäle zu verteilen und diese klug miteinander zu vernetzen. Nicht umgekehrt. So entstehen endlich Synergien zwischen klassischen Kampagnen, Online, Social Media und Live-Kommunikation. Das spart nicht nur jede Menge Budget. Es erhöht vor allem die Wirkung um ein Vielfaches. Medium follows Content.

 

 

21. René Elberfeld, Creative Consulting:

 

Die Nutzung von digitalen Tools, wie z.B. „Augmented Reality“ in Event und auf Messen als aktives „Mitmacherlebnis“ müsste ein noch stärker Trend werden. Gäste & Konsumenten bekommen die Möglichkeit tief in Markenwelten eintauchen und aus eigenem Blickwinkel das persönliche Erleben zu steuern und mit Anderen zu teilen. Digital ist ein Trend – Fakt: Wir alle müssen darauf achten, dass aber das reale körperliche Zusammenkommen, das Erleben in Gemeinschaft – der analoge Austausch Face to Face untereinander auf unseren Veranstaltungen nicht verloren geht. Es muss Live bleiben. Wir müssen sinnvollen Chancen nutzen die uns das Digitale gibt. Vor allem müssen wir aber die Konsumenten dabei zu aktiven Mitmachern machen. Da ergebe sich auf Messen und Event ganz andere Möglichkeiten, Informationen zu verpacken, Image zu entwickeln oder ganze Räume zu verändern.

 

Gegen den Trend wünsche ich mir persönlich Live Erlebnisse die so spannend sind, dass wir mit den Gästen für Augenblicke das Internet vergessen können, verpassen Fotos zu machen und das Telefonieren auch nicht vermissen. Die Hände „SmartphoneFrei“ haben, um mal wieder herzhaft klatschen zu können.

 

 

20. Christian Kohlmann, Konzeption und Regie:

 

Ich denke, dass das Thema „Storytelling“ immer wichtiger wird. Je mehr das Tempo, die Beschleunigung durch Digitalisierung zunimmt, desto mehrt wollen die Menschen wieder Geschichten er-Leben. Das Wort Inszenierung (von griechisch σκηνή, skene: zu Deutsch eigentlich „Zelt“) beinhaltet Zeit. Und ich behaupte entschleunigte Zeit.

 

 

19. Christoph Bovenkerk, Unternehmenskommunikation Party Rent Group:

 

Auch 2015 zählen einfache, aber gut durchdachte Ideen! Live-Kommunikation muss sich noch stärker der Herausforderung stellen, Inhalte zu generieren, die individuell ansprechen, begeistern und Interaktion fördern. Als einer der primären Content-Lieferanten fürs Social Web werden Events so ihren Status im Marketing-Mix behaupten und weiter ausbauen können. (Perfektes Beispiel für mich: ‚Share a Coke’-Kampagne von Coke, Content-Marketing allerhöchster Güte!)

 

 

18. Cristián Gálvez, Keynote-Speaker:

 

Noch mehr „bei Sinnen sein“ durch bewusste Reduktion auf den wesentlichen Faktor der Face-to-Face-Kommunikation: den Menschen. Starke Persönlichkeiten, authentische Momente und brillantes Storytelling. Menschliche Größe siegt über große Technik.

 

 

17. Stefan Schulze-Hausmann, Journalist und Initiator Deutscher Nachhaltigkeitspreis:

 

Megatrend der Live-Kommunikation wird Relevanz werden. Zunehmend werden guter Umgang mit Zeit und Ressourcen zählen, der Verzicht auf Überflüssiges und die Betonung von sich aus Content speisendem Mehrwert gegenüber „Unterhaltungswert“. Es geht nicht ohne einen angenehmen Rahmen, ein unangemessenes Maß an Brimborium wird jedoch nicht mehr hingenommen. Dies gilt für fast alle Arten der Live-Kommunikation, ggf. mit Ausnahme klassischer Incentive- oder Mitarbeiterevents, bei denen die Streicheleinheit und der Motivationsschub im Mittelpunkt stehen ;-).

 

 

16. Dirk Kielhorn, Leiter Messen und Ausstellungen Mercedes-Benz Cars:

 

Unser Alltag wird 2015 noch stärker durch eine reaktive, intelligente Umgebung geprägt sein: Smart Phones, Smart Watches, Smart Home. Dieser Trend wird auch immer stärker Einfluss nehmen auf Live-Kommunikation im Raum. Auch hier erwartet der Besucher eine intelligente Umgebung die es ihm ermöglicht in Echtzeit am Geschehen teilzunehmen. Die dafür erforderliche Infrastruktur zu schaffen, so dass Inhalte interaktiv und selbstständig erschlossen werden können, ist für mich ein der größten Herausforderungen!

 

 

Event Trend 2015 Lichtdesign Runway Mercedes-Benz Fashion Week BerlinBegegnung von Mensch und Marke auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin // Foto: Detlev Klockow, PRG

 

 

15. Anke Langhardt, Unitleitung Event TRIAD Berlin:

 

Die Grundlage um in einer schnelllebigen und übersättigten Zeit die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu gewinnen sind Kommunikationswerkzeuge, die Teamwork, Spieltrieb und Ideenfindung stimulieren. Es kommt auf Partizipationsplattformen an, die den Teilnehmern das Gefühl vermitteln, etwas Wertvolles beizutragen und ein nicht-wiederholbares Moment zu erleben.

 

 

14. Cedric Ebener, Geschäftsführer CE+Co:

 

Echte Erlebnisse kreieren und diese gewinnbringend zu kommunizieren ist heute wertvoller denn je: Acht der zehn meistausgezeichneten Kampagnen 2014 basieren auf Live-Erlebnissen. Die größte Herausforderung in der Live-Kommunikation besteht also darin, endlich aus dieser „Live-Nische“ in das Zentrum des Bewusstseins der Entscheider, in das Zentrum der Budgetaufteilung und in die Lead-Position der großen Kampagnen zu rücken. Wer das hinbekommt wird mit den Awards der nächsten Jahre und mit den Kunden der nächsten Jahrzehnte belohnt.

 

 

13. Katharina Falkowski, Geschäftsführung und Redaktion eveosblog:

 

Ich denke, dass eine aktuelle Herausforderung darin liegt, dass Veranstaltungen teils sehr viele verschiedene Komponenten haben (können): interaktive Workshops, Vorträge, Social Media Aktionen, Event-Apps, Live-Abstimmungen, Gamification, Networking, vorher, währenddessen und nachher… 2015 wird oder sollte man anfangen, sich bewusst und gezielt zu konzentrieren – auf schlichtere, „echtere“ und ehrlichere Konzepte, die den Mut haben sich auf eine Sache zu fokussieren und auf andere bewusst zu verzichten.

 

 

12. Wolfram Zwanziger, GF und Motion Designer zwonull:

 

Die größte Herausforderung ist immer, Vertrauen zu gewinnen. Nur wenn wir als Designer Freiräume haben, können gute Ideen zu richtig guter Gestaltung werden. Das bleibt auch in 2015 Thema.

 

 

11. Matthias Kindler, Geschäftsführer MASTERCLASS Event & Marketing:

 

Sinnhaftigkeit“ – Trend, Herausforderung und Chance in einem. Der getanzte Produktvorteil muss endlich sterben, denn er hat Event-Besucher schon viel zu lange gelangweilt und zu gefährlicher Event-Müdigkeit geführt. Klar, wer will schon zum 8ten Mal einen „Strapaten-Künstler“ von der Decke abgeseilt sehen. Das bringt nichts, am wenigsten für die Unternehmen die es bezahlen. Event-Besucher erwarten sinnhafte Erlebnisse mit Relevanz. Inszenierungen, die nicht nur unterhalten sondern auch den Intellekt fordern und gemeinschaftliche Ereignisse liefern. Das ist ein Trend an dem man in 2015 nicht mehr vorbei kommt.

 

 

10. Annette Beyer, GF und Studienleitung treibhaus 0.8:

 

Corporate und Mitarbeiter-Events stagnieren auf hohem kreativen Niveau. Da nicht viel Neues zu erwarten ist, gucken die Unternehmen NOCH strenger auf`s Geld. Die Kreation bei Messe- und Consumer-Formaten wird explodieren – hoffentlich nicht ohne die Live-Komm-Agenturen.

 

 

9. Markus Voss, Teamleiter Events & Inzentives marbet:

 

Einen wirklichen Trend sehe ich nicht. Uns ist es wichtig, dass jedes Handeln und jede Maßnahme menschlich, nahbar und authentisch ist. Alles Aufgesetzte wirkt nicht und wird schnell vom Konsumenten entlarvt. Ich mache viel Automotive und lese natürlich die Meldungen über die Sparprogramme der einzelnen Hersteller. Inwieweit das bei uns ankommt? Let’s see.

 

 

8. Dominik Deubner, GF DOMSET Live-Kommunikation:

 

Auch in 2015 wird der Stellenwert der Mitarbeiterkommunikation in Unternehmen weiter zunehmen. Im kommenden Jahr sehe ich das Thema „Corporate Responsibility“ aus ganzheitlicher Sichtweise der unternehmerischen Verantwortung im Fokus der Kundenanfragen.

 

 

Event Trend 2015 Foto: André WirsigQuo vadis Live-Kommunikation?! // Foto: André Wirsig

 

 

7. Janina Poesch, Herausgeber und Chefredaktion PLOT Magazin:

 

Ich denke, eine der Herausforderungen wird sein, selbst bei kleinen Events mit guten Konzepten Geschichten zu erzählen, die Besucher damit zu berühren und so auch wieder die Kommunikation live, direkt und vor allem authentisch über das Erlebte anzuregen.

 

 

6. Markus Wilmsmann, Chefredakteur EventElevator:

 

Die Herausforderung wird sein, sich angesichts der mittlerweile fast grenzenlosen technischen Möglichkeiten mit guten Ideen vom Materialschlachtfeld abzuheben. Stephan Aue beweist dies aktuell mit seinem Lichtdesign bei der Bosse Tour.

 

 

5. Thorben Grosser, General Manager Europe Eventmobi:

 

Eventtechnologie, vor allem Event-Apps, werden weiter dran setzen, Veranstaltungen interaktiver zu gestalten und Teilnehmer besser einzubinden und klassische Formate zu überwinden. Daneben glaube ich, dass der vermehrte Einsatz von Facilitators das meschliche weiter in Veranstaltungen zurückholt.

 

 

4. Kai Janssen, Geschäftsführer & Kreativdirektor MATT CIRCUS:

 

Matt hält uns auch 2015 seine 4. Maxime vor Augen: Monumental denken, nicht modisch! Design und Inszenierungen werden viel zu häufig von Trends diktiert – und die gehen.

 

 

3. Bruno Meissner, Geschäftsführer MEISSNER EXPO:

 

Wir halten es für wichtig für die nahe Zukunft, unseren Kunden nahe zu bringen, dass es sich für Events und Messeauftritte lohnt, über „Multi-Sensorik“ und „Story-Telling“ nachzudenken. Unser diesjähriger Impulstag im Wälderhaus in Wilhelmsburg beschäftigte sich mit der praktischen Einbindung und Nutzung aller 6 Sinne in die Messe- und Event-Kommunikation.

 

 

2. Thorsten Herbrand, Geschäftsführer imagepeople:

 

Dominierend wird nach wie vor die Integration bzw. noch stärkere Einbindung von digitalen Medien sein. Ich denke aber, dass sich dadurch auch das Verlangen nach „echten“ Markenerlebnissen mit realen Begegnungen und haptischen Erfahrungen auch noch mehr verstärken wird. Statt überinszenierter Shows sind dabei vor allem Formate gefragt, die mehr die Glaubwürdigkeit und die Authentizität von Marken bzw. Produkten in den Vordergrund stellen.

 

 

1. Vera Viehöfer, Director Live-Marketing EREIGNISHAUS – Live-Marketing:

 

Die älteste Form der Spannung und des Zusammenkommens ist so aktuell wie nie. „Storytelling“ nennt das die Branche, „Geschichten erzählen“ heißt es seit eh und je. Dabei kann man von den alten Geschichten noch etwas lernen. Dort gab es nämlich immer die „Moral von der Geschicht“ – das, was wir heute Message nennen – und diese muss zielgerichtet sein, damit sie ankommt. Die große Herausforderung besteht darin, technische Innovationen, die in der Informationsverarbeitung aus unserem Leben nicht mehr weg zu denken sind, sinnvoll und erlebnisorientiert in die Formate zu integrieren, ohne dabei mit digitalen Brücken Distanz aufzubauen. Denn am Ende ist es doch so: Näher dran ist live dabei.

 

 

 

Fazit: Event Trend 2015 sind Inhalte, Geschichten, Authentizität

 

Persönlich entnehme ich aus diesen Statements den klaren Fokus auf relevante Inhalte, überzeugende Geschichten und Authentizität. Es bleibt die Aufgabe sinnhaftige Erlebnisse mit Relevanz zu kreieren.

Interessant finde ich dabei den Ansatz der Live Campaigns, um Events als Content-Geber der gesamten Unternehmenskommunikation zu nutzen. Für die Konzeption von eben diesen wirkungsvollen Inszenierungen habe ich kürzlich mein eBook „Die 7 Gebote der Inszenierung“ fertig gestellt. Um dieses kostenlos zu erhalten, einfach unten links in meinen Newsletter eintragen.

 

2015 freue ich mich auf weitere unvergessliche Momente, in denen Menschen sich begegnen und Neues entdecken, sowie gute Ideen ausgetauscht werden können. Und vor allem auf gutes Teamwork!

 

 

 

Irgend einen Trend vergessen? Oder anderer Meinung? Ich freue mich auf Deinen Kommentare via FacebookTwitter oder LinkedIn!

 

 

Wie es international um den Event Trend 2015 aussieht:

Eventmanager Blog: Event Industry Trends Report 2015
Ten Transformative Meetings Technology Trends for 2015
Global Meeting Trends: What’s Ahead for 2015 #IMEX14

 

Digitales Konzerterlebnis: 6 Fragen an Robert Gummlich

Digitales Konzerterlebnis: Robert Gummlich zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker

 

 

Den Bildregisseur Robert Gummlich habe ich bereits vor zehn Jahren in Köln kennen gelernt. Uns verbindet neben gemeinsam umgesetzten Medienproduktionen auch die Begeisterung für Live-Musik und ein ähnlicher Anspruch an Arbeitsweisen – fachlich wie menschlich. In den letzten Jahren hat Robert maßgeblich die Live-Übertragung von Konzertmitschnitten der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Digital Concert Hall mitentwickelt (Hintergründe und Informationen zur DCH unterhalb). Zu seinen Erfahrungen und Selbstverständnis als Bildregisseur habe ich ihn befragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an eine gelungenes digitales Konzerterlebnis?

 

Klar ist: Ein persönliches Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Es ist wie beim Kochen: Es selbst zu tun, die Dinge zu berühren und fühlen, zu riechen und schmecken und die gesamte Atmosphäre synästhetisch zu empfinden kann einfach niemals das Gleiche sein wie den gleichen Prozess im Fernsehen zu sehen und zu hören. Die Live-Übertragung, egal ob im Fernsehen oder im Internet, ist dennoch die zweitbeste Möglichkeit, an einem Live-Event teilzuhaben, wenn ich nicht selbst vor Ort sein kann (z.B. weil es zu teuer oder ausverkauft ist, meine Mobilität aus Altersgründen vielleicht eingeschränkt ist oder das Event auf einem anderen Kontinent stattfindet). Mein Ziel für ein digitales Konzerterlebnis ist also, dieses Erleben aus der Beobachter*innenperspektive mit den mir verfügbaren fernsehtechnischen Mitteln so intensiv wie möglich zu gestalten. Und dabei die Inhalte, sprich meine Künstler*innen und die sie umgebenden Räume, möglichst optimal zu präsentieren.

 

Als Beispiel möchte ich kurz beschreiben, wie meine liebste Kritik nach einer Übertragung klingen könnte: „Der Dirigent ist ja unglaublich intensiv gewesen heute, aber als der Hornist sich verspielt hat, hat er kurz ganz schön böse geschaut. Und die junge Sopranistin hat ja sogar in den höchsten Tönen noch ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, als sei da nichts dabei. Ich hatte echte Gänsehaut. Und als sie sich dann verbeugt hat und gelacht hat zum Orchester, da war sie wieder so wunderbar natürlich und gelöst, wie ein junges Mädchen. Vorher wirkte sie so ernsthaft und ganz erwachsen.“
Kein Wort davon beschreibt unsere Kamera- oder Regiearbeit, die Einstellungsgrößen, Schnittfrequenzen, Kranfahrten oder sonstige technische Hintergründe unserer Arbeit. Die Zuschauenden waren im Flow des Events, gefesselt von der Intensität der künstlerischen Leistung auf der Bühne, sogar vor dem Bildschirm. Fast so, als säßen sie selbst im Saal. Das ist das erklärte Ziel meiner Arbeit: Meine Künstler*innen und ihre Leistungen so gut aussehen zu lassen, wie es mir möglich ist. Die Basis dafür ist mein tiefer Respekt vor ihrer Leistung und den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für unsere Arbeit.

 

Noch eine kurze Anekdote zu Zuschauenden, wie ich sie mir wünsche: Bei meiner Arbeit an der Wiener Staatsoper, wo ich im vergangenen Jahr das Streaming-Team aufbauen durfte, ist uns ein ganz besonderer Zuschauer begegnet. Dieser Herr sieht sich nicht nur im Rahmen seines Jahres-Abonnements regelmäßig Opern in der Wiener Staatsoper an (in der Mitte des Parketts auf einem wirklich ausgezeichneten Platz). Er schaut sich regelmäßig ein paar Tage später die gleichen Opern noch einmal im Live-Stream an (wir übertragen dort in der Regel die 3. Vorstellung einer Serie), weil er die Qualität der Tonmischung und die Naheinstellungen und Bildführung der Regie genießt. Offensichtlich gelingt es uns, sein Erleben der Oper mit unseren Übertragungen noch zu intensivieren! Und dieser Herr ist bereit, für dieses Erleben seinen Beitrag zu bezahlen, weil er etwas erhält, was ihm das Fernsehen nie bieten kann.

 

 

2. Worin liegt die Herausforderung am Live-Stream?

 

Die meisten Livestreamings haben kleine Budgets, die nicht mit Fernsehbudgets vergleichbar sind. Dennoch werden die Ergebnisse unserer Übertragung mit professionellen Fernsehproduktionen verglichen. Denn diese haben die Seherfahrung unsere Zuschauenden über Jahrzehnte geprägt. Die Herausforderung besteht also darin, mit einem vergleichsweise kleinen Kernteam (5 – 8 Personen beim Streaming im Vergleich zu 30 – 45 Personen bei der Fernsehübertragung) und reduziertem technischen Aufwand ein vergleichbar intensives Erlebnis zu gestalten. Das erfordert natürlich eine Anpassung unseres gelernten Fernsehhandwerks.

 

Was uns dabei hilft ist die Einbettung der Streaming-Abteilung in die entsprechenden Häuser: Wir sind in Berlin ebenso wie in Wien eine eigene Abteilung und kommen nicht als Fremde zu den Musiker*innen. Weil wir die Abläufe besser verstehen als Menschen, die nur einmal im Jahr in einem Konzertsaal arbeiten, können wir besser Rücksicht nehmen auf die Notwendigkeiten der künstlerischen Abläufe. Und wir werden als Verbündete der Musiker*innen wahrgenommen, wir haben im besten Fall ihr Vertrauen. Denn eines muss man sich klar machen: Jede*r weiß im 21. Jahrhundert aus ungezählten Youtube-Clips, wie schnell man vor der Kamera schlecht aussehen kann, wie gnadenlos genau die Kameras heute hinschauen und hinhören. Das schafft große Unsicherheiten, auch wenn sie nur unterschwellig sind und selten eingestanden werden. Und da wir es mit Künstler*innen der absoluten Weltspitze in einer intensiven Konkurrenzsituation zu tun haben, reichen manchmal schon kleine Nuancen oder Ablenkungen, um die Einmaligkeit und damit schlimmstenfalls auch den Marktwert zu gefährden.

 

Umgekehrt, also positiv formuliert: Unsere Künstler*innen vertrauen uns, dass wir sie bestmöglich aussehen lassen, verstehen und schützen. Daher können sie ein klein wenig entspannter und konzentrierter ihre Leistung bringen als bei einer typischen Fernsehübertragung, die breitschultriger auftritt, die Abläufe stört und nicht im Kontakt mit den Künstler*innen und ihren Bedürfnissen steht. Und damit meine ich nicht nur die Bedürfnisse der großen Solist*innen, sondern auch die einer Tutti-Violine am 8. Pult hinten links. Ich glaube also, bei uns spielen die Künstler*innen ungestörter und daher ist das Geschehen vor der Kamera ein wenig intensiver. Da macht es nicht viel aus, wenn unsere Übertragungswerkzeuge sich den Budgets anpassen müssen. Und das schätzen auch unsere Zuschauenden, denn die bezahlen den Abo-Preis nicht für die Vorführung von neuester Showtechnik oder Kameratypen, sondern für das Erleben einer einmaligen künstlerischen Leistung.

 

 


Digital Concert Hall // Video: Berliner Philharmoniker

 

 

3. Worin liegt der Unterschied zwischen Live-Stream und Fernsehen?

 

Internetstreamings sind in meinen Augen ein Schritt hin zur Demokratisierung von medialen Inhalten, wie man sie schon länger im Journalismus (Stichwort: Blogger) wahrnehmen kann: Die gleichen Menschen, die die (künstlerischen) Inhalte herstellen, können darüber entscheiden, sie weltweit ihrem Publikum anzubieten und den Preis dafür zu bestimmen.

 

Und sie verfügen persönlich über die Verbreitungswege und -mechanismen. Sie sind nicht mehr auf die Beurteilung durch Redakteur*innen oder Produzent*innen angewiesen, die eine riesige, extrem teure Mechanik zur Verbreitung verwalten und Einfluss nehmen auf die inhaltliche Auswahl. Die Entscheidungsstrukturen der Internetstreamings sind wesentlich schlanker und schneller als bei Rundfunkanstalten. Auch werden völlig andere Zuschauerzahlen angestrebt: Das Fernsehen zielt auf ein Millionenpublikum in einem regionalen Raum, für Weltmarken wie die Berliner Philharmoniker ist schon eine Zahl um die 4000 Zuschauer weltweit bei einem Live-Event ein großer Erfolg, denn damit hat sich die Zuschauerzahl an diesem Abend verdreifacht im Verhältnis zum Saalpublikum! Und sie erreichen ein weltweites, geneigtes Publikum wesentlich leichter als der Rundfunk, für den schon ein einziges Projekt, das weltweit gesendet wird (wie eine Fußball-WM oder Olympiade) mit einem Vorlauf von mehreren Jahren Organisationsaufwand und immensen Kosten verbunden ist.

 

Möglich wird dies durch die vorhandene Infrastruktur des Internets, die eine demokratische Distribution möglich macht. Deswegen ist auch für die Verbreitung von Kultur im Internet die Netzneutralität ein höchst wertvolles Gut. Und außerdem werden Internetstreamings möglich durch schlankere, spezialisiertere Produktionsverfahren, die wir nach und nach entwickeln. Wobei hier ein bisschen die Gefahr besteht, dass die Honorare für unsere Arbeit verringert werden, weil es sich „nur“ um ein Internetstreaming handelt und im Moment sehr oft um Pilotprojekte. Das ist aber zum Glück bei meinen Auftraggebern nicht mehr der Fall, die wissen die Qualität der Bildregie auch finanziell zu schätzen. An dieser Stelle einen großen Dank dafür!

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Live-Regisseur zu realisieren?

 

Bevor ich die Frage beantworte, möchte ich gerne mein Verständnis meines Jobs beschreiben. Es gibt Live-Regisseur*innen, die ihre kreative Bedeutung und künstlerische Leistung innerhalb der Produktion sehr hoch bewerten und sich selbst als große Künstler*innen präsentieren und verkaufen. Das führt dann häufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen der Künstler*innen auf der Bühne. Dem möchte ich meine Auffassung meines Berufs gegenüberstellen: Ich glaube, wir üben ein hochintelligentes Handwerk aus (eine Haltung, die ich nicht selbst erfunden, sondern während meiner Assistenz-Zeit von einem in meinen Augen sehr guten Regisseur übernommen habe). Die Künstler*innen stehen bei uns VOR der Kamera, unsere Aufgabe hinter der Kamera ist es, ihre Leistung so gut wie möglich zu verstehen. Wir stehen also im Dienste unserer Künstler*innen. Als Bild dafür verwende ich in Seminaren gerne die Vorstellung von einem Übersetzer, der ein Shakespeare-Sonett ins Deutsche übersetzen soll: Reine Technik (Google-Translator) führt zu überhaupt nichts. Der Übersetzer muss zwei Sprachen in ihrer sprachlichen Tiefe und Schönheit verstehen und einsetzen können und dazu noch Shakespeares Intentionen und Witz! Dennoch ist und bleibt das Gedicht, egal ob in Deutsch oder Englisch, zu jedem Zeitpunkt ein Werk Shakespeares. Die Leistung des Übersetzers für den künstlerischen Genuss wird dadurch aber nicht abgewertet, sondern ist für die deutschsprachigen Lesenden absolut wesentlich und unersetzbar.

 

Jetzt zur Antwort, worauf ich angewiesen bin bei meinem Job. Kurz und knapp: Auf mein Team! Eigentlich gibt es dazu fast nichts mehr hinzuzufügen, so selbstverständlich sollte diese Erkenntnis sein. Denn keine*r macht eine Live-Übertragung alleine! No way, never ever! Ich beiss mir immer auf die Lippe, wenn sich jemand vor mich stellt und sagt: „ICH hab letzte Woche eine Oper übertragen / MEINEN Film auf dem Festival präsentiert“ und denke mir: Tatsächlich? Du hast alle Kabel gezogen, bist die LKWs gefahren, hast alle Kameras aufgebaut, das Licht angeschlossen, das Mikro gehalten, die Listen getippt, die Hotels gebucht, die Künstler*innen betreut, das Catering gekocht undundund…???? Respekt, Kollege, ehrlich…

 

Und gerade während einer Live-Übertragung, bei der nichts „in der Postproduktion gefixt“ wird, sondern alles auf Anhieb sitzen muss, bin ich zu 100% darauf angewiesen, dass jede*r im Team mit voller Konzentration, Leistungsbereitschaft und Begeisterung von Anfang bis Ende dabei ist. In unseren reduzierten Stream-Teams, bei denen jede*r mehrere Aufgaben übernimmt, darf es keine menschlichen oder fachlichen Fragezeichen geben, da bin ich unglaublich sensibel. Und wenn man sich in der Regieposition diese 100%ige Abhängigkeit von seinem Team bewusst macht, relativiert sich die sogenannte Machtposition der Regie sehr angenehm. Ich betrachte sie ohnehin eher als eine – zugegebenerweise zentrale – Rolle innerhalb eines notwendigen Hierarchiegefüges für einen klar begrenzten Zeitraums. Dieses Bewusstsein schützt ganz gut vor Überheblichkeit. Leider keine seltene Erscheinung in unserem Beruf…

 

Und worauf wir natürlich immer angewiesen sind: Auf die Leistung unserer Künstler*innen! Denn wenn diese nicht ihr Potenzial optimal abrufen können, können wir den besten Job der Welt gemacht haben und dennoch bleibt das Gesamtergebnis in der Mittelmäßigkeit. Egal ob wir UHD, HD, 4K, 5.1-Surround, Cinemascope oder sonstige Superlative außen drauf schreiben.

 

 

Digital Concert Hall

 

 

5. Wie hast du dich für dieses neue, einmalige Kamera-Übertragungssystem inspirieren lassen – wie kam das zu Stande?

 

Genau genommen gab es für dieses Kamera-System keine Inspiration, weil es weltweit das erste war, das so eingesetzt werden sollte. Da der Bau des ersten Studios der DCH relativ schnell erfolgen musste (aus Gründen des Sponsorings), waren wir als Regieführende in der Planung auch noch nicht involviert. Und vielleicht war das auch gut so, denn sonst hätten wir wahrscheinlich versucht, an unserem Handwerk festzuhalten. So waren wir schlicht gezwungen, umzudenken oder zu verschwinden: Wir standen vor einem fertigen System, das niemand kannte, mit dem noch niemand Erfahrungen hatte und das eine deutliche Veränderung (und auch Verabschiedung mancher Teile) unserer Arbeitsweise erforderte. Wir waren gefordert, unsere Arbeitsweise neu zu erfinden. Und zu forschen, wo die Möglichkeiten, Vorteile und Grenzen dieses Systems liegen. Immer mit den ästhetischen und qualitativen Kriterien, die wir von unseren Fernsehjobs im Kopf hatten.

 

Da hat mir der Satz meines Klavierlehrers, ein wichtiger Mentor in meinem Leben, geholfen: „Schwimmen lernt man nur im Wasser!“ Damit hat er uns immer auf die Bühne geschickt, wenn wir beim Klassen-Vorspiel Lampenfieber hatten.
Also: Augen zu, oder besser: auf! und reingesprungen. Wir hatten allerdings auch eine Vorlaufphase von einem halben Jahr vor der ersten Liveübertragung, so konnten wir alles Mögliche ausprobieren. Das war ein großer Luxus.
Gleichzeitig kommt uns die Situation auf der Bühne entgegen bei der Verschlankung von Strukturen: Letztlich wiederholen sich bei Konzertübertragungen die Einstellungen immer wieder (das ist übrigens, wenn man ehrlich ist, nicht nur im Konzertsaal so). Denn der musikalische Apparat sitzt in dieser Form schon seit Jahrhunderten auf der Bühne und spielt mit den gleichen Instrumenten die gleiche Musik. Das Faszinierende für die Liebhaber*innen dieser Musik kommt über die einzigartige, immer wieder neue und andersartige Interpretation der Musik, damit haben wir aber in unserer Arbeit weniger zu tun. Wir können also in unserem System während der Proben für jede Kamera beliebig viele unterschiedliche Einstellungen der Instrumentengruppen als Snapshots speichern und dann punktgenau (während der Livesendung im Sekundentakt) abrufen. Denn die 1. Flöte sitzt immer am gleichen Platz. Dennoch muss jede Vorstellung neu programmiert werden, denn die Orchesteraufbauten wechseln, eine Mozart-Sinfonie ist keine Wagner-Ouvertüre und verwendet andere Instrumentierungen. Und für besondere Situationen wie Solo-Konzerte oder Chöre können wir inzwischen im Ausnahmefall auch ein bis zwei Zusatzkameras mit Kameramensch im Saal positionieren, das erweitert das System sehr positiv.

 

Bei den Streamings der Opern an der Wiener Staatsoper, die seit Herbst 2013 laufen, sieht es dagegen ganz anders aus: Auf einer Opernbühne werden selbst die besten und präzisesten Akteur*innen niemals an der gleichen Stelle singen. Daher arbeiten wird dort mit zwei Operator*innen, die abwechselnd immer für die nächste Einstellung zuständig sind und beide Zugriff auf alle Kameras haben. Genau genommen haben mich die Verantwortlichen der Wiener Staatsoper nach einem Besuch in Berlin gefragt, ob ich in der Lage bin, unser Berliner Modell auf die Anforderungen der Wiener Staatsoper anzupassen und die Teams dort auszubilden. Wieder ein Sprung in tiefes, kaltes Wasser!

 

Jetzt, nach mehr als 20 Übertragungen in den letzten 12 Monaten kann ich mit Gewissheit sagen: Wir können auch Opern mit Remote-Systemen und kleinem Team anspruchsvoll übertragen, überhaupt kein Problem! Wobei sich die Gestaltung von den typischen Fernsehaufzeichnungen unterscheidet, wir haben den Schnittrhythmus beruhigt und lassen den Akteur*innen mehr Raum auf der Bühne und für ihr Spiel. Das halte ich auch für angemessener: Eine hohe Schnittfrequenz von extremen Naheinstellungen, typisch fürs Fernsehen des 21. Jahrhunderts, wie sie z.B. die Metropolitan Opera in New York weltweit auf die Kinoleinwände bringt, halte ich für ästhetisch problematisch: Eine Opernsängerin, deren Kopf auf einer Kinoleinwand mehrere Meter vergrößert singt, empfinde ich in den meisten Fällen als grotesk entstellt. Dabei geht es nicht um die Frage von richtig oder falsch, sondern immer nur darum: Was ist dem Inhalt und dem Charakter angemessen? Diese kluge und feine Unterscheidung verdanke ich einem hervorragenden Lichtsetzenden Kameramann und gutem Freund, Alexander Törzs (BVFK), der mich bei meinen Projekten regelmäßig berät und unterstützt.

 

 

6. Was war dein bisher größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Das wird jetzt eine sehr persönliche Antwort: In einer hohen Belastungssituation habe ich meine Selbstbeherrschung verloren und mich absolut im Ton gegenüber einer Produktionsleiterin vergriffen. Klar und ehrlich gesagt: Wir haben uns angeschrien.

 

Ich war der Meinung, meine Notwendigkeiten finden zu wenig Beachtung, ich empfand höchsten Druck, fühlte mich erschöpft und überfordert und ich betrachtete eine spezielle, zusätzliche Belastung als bösartige Missachtung meiner Bedürfnisse und Ignoranz meiner Arbeit gegenüber.
Ein Satz mit sehr vielen „Ichs„. Ein sehr großer Fehler. Oder gleich mehrere: Das wertvolle Verhältnis zu einer Kollegin zu belasten für eine im Nachhinein belanglose Arbeitssituation; meine Bedürfnisse in den Mittelpunkt einer Produktion zu stellen; überlastet und unüberlegt zu handeln; die Liste kann jede*r für sich vervollständigen. Ich möchte zu meiner Verteidigung sagen, dass mir so eine Situation nie wieder vorgekommen ist.

 

Am nächsten Tag habe ich mich entschuldigt. Seither versuche ich durch regelmäßige, besonders aufmerksame Kommunikation, inzwischen über 5 Jahre, das erschütterte Vertrauen wieder aufzubauen. Ich bin mir allerdings darüber im Klaren: So etwas vergisst niemand, ich auch nicht! Wir kommen heute dennoch sehr gut klar miteinander.

 

Ich habe mich später vor allem aus persönlichen Gründen mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinander gesetzt, weil die vielen Konflikte in unserem Leben so häufig durch misslingende Kommunikation entstehen. Und ich mich so oft gefragt habe, wieso Menschen, die sogar im Prinzip ähnliche Ziele und Wünsche haben, sich nicht so darüber austauschen können, dass eine Win-Win-Situation für alle entsteht. Die wertschätzend-liebevolle Gedankenwelt von Marshall Rosenberg, die eher eine Weltanschauung und weit mehr ist als eine Kommunikationsmethode, möchte ich hier unbedingt für unser Berufsfeld empfehlen. Unser Berufsalltag ist geprägt von hoher Konzentration, Anspannung und manchmal negativem Stress sowie umfangreichen, verschiedenartigen Bedürfnissen, die häufig widersprüchlich sind. Es wird viel Kritik geübt und noch viel mehr vermeintlich falsche Kritik übel genommen. In diesem Umfeld ist die wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation das Schweizer Taschenmesser der Konfliktlösung, gerade für die Regieposition. Denn mindestens die Hälfte unserer Arbeit ist Kommunikation, wenn nicht mehr.

 

 

Digitales Konzerterlebnis Bildregisseur Robert GummlichRobert Gummlich lebt in Berlin und ist als Bildregisseur für die Übertragung von klassischer Musik, Oper und Theater europaweit unterwegs. Er betreut drei von vier der wichtigsten Streamingprojekte im deutschsprachigen Raum: Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, die WienerStaatoperLive der Wiener Staatsoper, sowie Philharmonie.TV der Kölner Philharmonie. Und neuerdings auch das Nachwuchsprojekt HomeSymphony der Mannheimer Philharmoniker. Basis seiner Tätigkeit ist die eigene künstlerische Ausbildung (Gitarre, Klavier, Querflöte, Chorgesang und Tanz) sowie das auf dieser Ausbildung basierende Studium der Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, das neben den gestalterischen Kompetenzen auch umfangreiche technische Grundlagen vermittelt. Vor dem Schritt zur Regie arbeitete er als Regieassistent für fast alle Kultursender Deutschlands bei den maßgeblichen Klassikübertragungen des deutschen Fernsehens.
Außerdem unterrichtet er sein Handwerk an verschiedenen Institutionen (Düsseldorf, Hannover, Wien). Und profitiert täglich bei seiner Arbeit davon, dass er auch schon als Küchenjunge, Fahrradkurier, Fabrikpacker und LKW-Fahrer gearbeitet hat.

 

 

Hintergrund: Was ist die Digital Concert Hall?

 

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur ein weltweit führendes Orchester, sondern legen schon immer größten Wert darauf, technische Neuerungen nutzbringend für das Orchester einzusetzen und auch in diesem Bereich eine Spitzenposition einzunehmen. So war Herbert von Karajan Ende der 1970er an der Entwicklung der CD beteiligt. Und Karajan war es auch, der bereits in den 1950ern, beim Bau der Berliner Philharmonie, weltweit bekannt für ihre ausgewogene Akustik, Kamerapositionen im ersten architektonischen Konzept der Philharmonie vorbereiten ließ, weil er ahnte, dass die Bildübertragung für Konzerte wichtig werden würde. Außerdem hat er mit dem ZDF berühmte Konzertadaptionen im Studio verfilmt, die für unseren Berufszweig noch immer ästhetisch maßgeblich sind.
Durch die starke Veränderung der Medienlandschaft und den Rückzug der Fernsehsender und Musikproduktionsfirmen aus den klassischen Konzertsälen entstand um die Jahrtausendwende eine Lücke, die es zu füllen galt. Denn die Berliner Philharmoniker haben nicht nur ein treues Publikum in Berlin, das für einen regelmäßig ausverkauften Konzertsaal sorgt, sondern auch eine weltweite Fangemeinde, die sich um die wenigen Plätzen bei den Tourneen durch Asien oder Amerika drängelt. Es lag also nahe, mit dem Aufkommen von Internetstreamings, diese im Sinne des Orchesters zu nutzen und die Internetplattform Digital Concert Hall (DCH) zu entwickeln.

 

Die DCH ist die weltweit erste Internetplattform, auf der registrierte Nutzer*innen seit der Saison 2008/2009 im Rahmen eines Bezahl-Abonnements Zugang erhalten zu den HD-Live-Übertragungen aller Konzerte, die die Philharmoniker in der Berliner Philharmonie spielen. Im Anschluss an die Liveübertragungen können diese Konzerte unbegrenzt im Archiv angesehen und angehört werden. Abgerundet wird das Angebot durch Künstler*innengespräche, Hintergrundberichte, kostenfreie Streamings von Education-Projekten (auch bei den Zuhörenden muss es Nachwuchsförderung geben!) und durch ausgewähltes historisches Material. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Aufzeichnung des Konzerts, das die Berliner Philharmoniker unter Barenboim 1989 zum Mauerfall spontan organisierten. Nach inzwischen sechs Spielzeiten enthält das Archiv mehr als 180 Konzertmitschnitte in HD auf musikalisch höchstem Niveau, ein Archiv, das so weltweit einzigartig ist. Es ist das digitale Vermächtnis der Berliner Philharmoniker.

 

Auch bei der verwendeten Technik ist die DCH einzigartig: Es kommt ein System von 7 Remote-Kameras zum Einsatz, die über ein speichergestütztes System von einem einzigen Kamera-Operator geführt werden. Der wichtigste Grund dafür war, dass auf der Bühne kein Kamerapersonal arbeiten sollte, das die Aufmerksamkeit der Musiker*innen durch ihre Anwesenheit beeinträchtigt oder die Audioqualität durch unabsichtliche Geräusch stört. Gleiches gilt für das Saalpublikum, dessen musikalisches Erlebnis absolut nicht beeinträchtigt werden darf durch unsere Arbeit.

 

Die DCH wendet sich an ein weltweites Publikum im reiferen Alter (im Vergleich zu Fernsehsendern mit der typischen „19 – 49“ Zielgruppe) und hohem kulturellem Bildungsstand. Denn dieses Publikum, das auch bereit ist, für eine einzelne Konzertkarte 100 € und mehr zu investieren, hat ein Bewusstsein für die angebotene Qualität. Und die Bereitschaft und Wertschätzung, für ein Jahresabonnement mit unbegrenztem Zugang zum Archiv 150 € zu bezahlen. Außerdem ist es nicht das typische Publikum, das sich Inhalte kostenfrei und halblegal aus dem Internet „saugt“. Wir haben es also mit Liebhaber*innen klassischer Musik zu tun, außerdem mit Profimusiker*innen weltweit, die sich durch die Arbeit der Dirigent*innen und Musiker*innen auf der Bühne inspirieren und weiterbilden lassen. Und nicht zuletzt – wichtig für die Akzeptanz unserer Arbeit innerhalb des Orchesters – mit den Freund*innen und Familien der Orchestermusiker*innen, denn dieses Orchester vereint mehr als 50 Nationen auf der Bühne und hat seine Wurzeln in der ganzen Welt.

 

Es ist noch anzumerken, dass die DCH im Jahr 2008 die erste Plattform weltweit war (auch vor allen Fernsehsendern!), die regelmäßig hochwertige Inhalte in HD zur Verfügung stellte, lange bevor HD Standard wurde. Und heute diskutieren viele Orchester, die von der DCH angeregt wurden, „The Berlin Model“, das weltweit Maßstäbe gesetzt hat im Sinne der medialen Selbstvermarktung von künstlerischen Inhalten.

 

Live Campaigns: In 10 Schritten zum Event der Zukunft

Live Campaigns: Hannes Putzig erklärt in 10 Schritten den Weg zum Event der Zukunft // Fotos: VOKDAMS

 

 

In der Event-Branche ist ein rapider Veränderungsprozess zu beobachten. Noch vor wenigen Jahren war das Event lediglich eines von vielen Instrumenten der Unternehmenskommunikation. Marketing-Entscheider konnten wählen, ob es mehr Sinn machen würde, ihre kommunikativen Botschaften beispielsweise über einen TV-Spot, einen E-Mail-Versand oder eben ein Event zu kommunizieren. Das Kommunikationsinstrument „Event“ war in dieser Denkweise vergleichsweise teuer, bedingt messbar und nur schwer mit der restlichen Unternehmenskommunikation zu verknüpfen. Events wurden daher wie die restlichen Kommunikationskanäle und -instrumente vor allem anlassbezogen und für eine ganz konkrete Zielgruppe genutzt (unter anderem Jubiläen, Pressekonferenzen, Produktvorstellungen, Messeauftritte).

 

In jüngerer Zeit zeigen einige Unternehmen, wie man Events enorm erfolgreich für eine integrierte Unternehmenskommunikation nutzen kann. Bestes Beispiel dafür sind Marken wie Red Bull. Das Event stellt in diesem Ansatz nicht mehr nur ein losgelöstes Instrument der Unternehmenskommunikation dar, es ist mehr als ein Kanal in einer Kampagne. Das Event ist vielmehr zentraler Bestandteil und Content-Geber der gesamten Unternehmenskommunikation. Die klassische Kommunikationskampagne wird zur Live Campaign.

 

Diese neue Art der Unternehmenskommunikation funktioniert fundamental anders als klassische Kommunikationskampagnen. Während in der klassischen Sichtweise die Marketing- und Kommunikationsabteilung der Unternehmen nur da waren, um eine bestimmte Botschaft und bestehenden Content zu verbreiten, schaffen sich Unternehmen wie Red Bull mit Red Bull Stratos ihre eigenen kommunikativen Botschaften und den dazu passenden Content – losgelöst vom eigentlichen Produkt. Dabei gehen die Bemühungen weit über ein normales Sponsoring oder andere klassische Instrumente hinaus. Red Bull sponsert so gut wie keine Events – Red Bull plant, kreiert und implementiert eigene Events!

 

 

Live Campaigns: In 10 Schritten zum Event der Zukunft

 

Im den folgenden zehn Schritten erfahren Sie, wie der Planungs- und Realisationsprozess einer Live Campaign abläuft und wie Sie selbst eine Kommunikationskampagne mit einem Event als Zentrum konzipieren können, beziehungsweise ihr bestehendes Event zur Live Campaign erweitern können.

 

 

1. Definition der „Message“

 

Der erste Schritt ist die Festlegung der kommunikativen Botschaft: Was soll kommuniziert werden? Was soll beim Rezipienten hängen bleiben? (Red Bull: „Red Bull verleiht Flügel“, BMW: „Freude am Fahren“, NIKE: „Just do it“)

 

 

2. Definition eines „Playgrounds“

 

Als nächstes sollte ein Playground definiert werden. Ein Playground ist ein in sich abgeschlossener Mikrokosmos, eine eigene Welt, in der Personen bestimmte Rollen einnehmen und eigene Regeln befolgen. Ein Playground ist die Plattform für die Live Campaign. Ein paar Beispiele für bisherige Playgrounds der Marke Red Bull: Windsurfen (RB Storm Chase), Fußball (RB Leipzig), Jamming (RB Music Academy), Klassisches Konzert (RB Flying Bach).

 

 

3. Definition der Stakeholder des Playgrounds

 

Die Defintion der Stakeholder des Playgrounds ist nicht unbedingt deckungsgleich mit der Zielgruppe für das Produkt oder die Dienstleistung, die vermarktet werden soll. Alle Personengruppe, die in irgendeiner Weise in Verbindung mit dem Playground stehen, sollten bekannt sein. Jede Person ist dem Playground in einer unterschiedlichen Stärke verbunden. Wer gehört zur „Core Group“, brennt für also für das Thema und ist jeden Tag seines Lebens in den Playground involviert (zumeist sind diese Menschen professionell mit dem Playground verbunden und nutzen ihn als ihre Haupterwerbsquelle)? Wer ist hingegen am Playground nur oberflächlich interessiert und kommt vielleicht nur einmal alle paar Monate mit dem Thema in Berührung?

 

 

Live Campaigns Event Stakeholder

 

 

4. Verständnis des Playgrounds und der Stakeholder

 

Was sind die Interessen der Personengruppen rund um den Playground? Mit welchen Herausforderungen werden sie konfrontiert, welche Regeln gelten? Um ein funktionierendes Event konzipieren zu können, ist die Kenntnis der Motive und Bedürfnisse aller Stakeholder unabdingbar.

 

 

5. Entwicklung der Event-Idee

 

Jetzt erst geht es endlich an die Konzeption des eigentlichen Events. Es sollte eine Geschichte, eine große kreative Idee sein. Als Hauptzielgruppe des Events dient die Core Group des Playgrounds. Sie sollte für einen Moment die einzige Zielgruppe des Event sein. Was würde sie interessieren? Auf was hätte jede Person der Core Group Lust? Anstelle von Kunden sollen in dieser Phase Markenbotschafter geschaffen werden.

 

 

6. Verknüpfung der Event-Idee mit der Message

 

Erst nachdem die Event-Idee für die Core Group steht, folgen nun die Gedanken, wie man die Marke oder das Produkt unmittelbar in die kreative Idee integrieren kann. Wie kann beides Teil der Idee werden? Ist es möglich, beides zu integralen Bestandteilen des Events zu machen?

 

 

7. Entwicklung der Details

 

Zum Abschluss des Eventkonzepts muss die kreative Event-Idee natürlich noch in ein funktionierendes Konzept überführt werden. Die Operationalisierung der Idee hilft auch zur Überprüfung der Realisierbarkeit der Idee.

 

 

8. Identifikation der relevanten Inhalte

 

Es ist nicht notwendig, dass alle Rezipienten die gleichen Hauptinteressen teilen, da sie bereits durch den gemeinsamen Playground verbunden sind. Es müssen nun die Inhalte definiert werden, die für jede Gruppe der Stakeholder (von Core Group bis zu den oberflächlich Interessierten) relevant sind.

 

 

9. Identifikation des passenden Umfelds

 

Nachdem die relevanten Inhalte bestimmt wurden, müssen diese nun in den passenden Kontext gebracht werden. Welcher Kanal ist der passendste für die Stakeholder-Gruppen, gibt es spezielle Kanäle für die verschiedenen Schichten der Stakeholder?

 

 

10. Erweiterung des Events

 

Die Veranstaltung ist nun das Epizentrum der Kampagne, aus dem alles weitere entsteht. Nun kann versucht werden, Kommunikationsmaßnahmen um sie herum zu generieren. Es kann sogar an eine begleitende Above-the-Line-Kampagne für das Live-Erlebnis gedacht werden.

 

 

Interesse geweckt? Um mehr über das Thema zu erfahren, können Sie sich unser Whitepaper zum Thema Live Campaigns inklusive Praxisbeispiel herunterladen. Gerne stehe ich Ihnen auch als Speaker für Ihre Veranstaltung zur Verfügung oder übernehme die Leitung eines Workshops, um Ihnen die Potentiale einer eigenen Live Campaign aufzuzeigen.

 

 

Hannes Putzig VOKDAMSHannes Putzig ist als Consultant Strategy & Concept bei VOK DAMS beschäftigt. Nach dem Studium an der BiTS Iserlohn und einem Zwischenstopp im Erlebnismarketing der Volkswagen AG in Wolfsburg, entschied er sich dazu seine Leidenschaft auf Agenturseite weiter zu verfolgen: Die Etablierung von Events als Bestandteil der strategischen Unternehmenskommunikation.

 

 

Social Media at Events: 5 Questions for Liz King

Social Media at Events: Who else to interview than NYC based Liz King, one of the ‚Top 25 Most Influential Event Planners in 2013‘?

 

 

1. Liz, why is social media at events important and how does it help event organizers with their goals?

 

I would say that social media is important for two reasons. First of all, as event organizers, we often need to fill the events that we plan. Social media is a very powerful and important marketing tool that event organizers can leverage to fill their events faster and with higher quality people. In addition, social media can be used to fill the event with great speakers and sponsors. The ​p​ower of social media is that it connects us with experts that we may not otherwise be able to connect with. Social media is ​also ​very important because event organizers, especially independent planners, need to have a personal brand. Our clients are making their buying decisions based on more than price – they want to know that ​t​he event organizers they are hiring are qualified and well respected. Event organizers can leverage social media to share their thought leadership and establish themselves as an expert in the industry. As they make connections with their target market, they will also raise the comfort level between that target market and themselves.

 

 

2. What was the most challenging event that you worked on?

 

I would have to say that the most challenging and meaningful event that we worked on so far has been ​techsytalk LIVE. We have done some really amazing events for clients, but this event is one that we host ourselves, which adds more meaning and challenge. When you create and design an event from scratch, you find a deeper ability to align the goals of the event with the brand. Since you know your own branch so intimately, you are better able to understand what goals you would like to achieve. In addition, it is more challenging because the pressure is certainly on. When we first dreamed up this event, I think we all felt a lot of pressure to make it really amazing – we were bringing together our contacts for sponsors, speakers, attendees and more. We were testing out a new format in front of all of these connections of ours and we were definitely on the spot. Because of this, I am most proud of this event. We can claim ownership of every success and we also know that we own every mistake. It gives us something to strive for in the future.

 

 

3. What does it take to realise a great event job with effective social media use?

 

I could write a book in response to this question, but I will say that I think there are a few important components. First of all, make sure that your social media fits your audience. Regardless of what social media platform you want to use, you must know that your audience will embrace it. Secondly, it’s all about communication – you must make sure that your attendees know what you ​are doing and why. Then, you must get them involved in every step of the way. Educate them, encourage their participation and reward them. Finally, make sure that you evaluate the success of your plans based on the goals you originally set out. Social media is a very powerful tool, but it can also be very superfluous. Make sure you set goals and hold yourself accountable to meeting those goals. And, bringing your attendees into the experience from the very beginning will help them experience the win.

 

 

4. Where do you get inspired regarding social media & innovative event formats?

 

Inspiration is everywhere. I get a lot of ideas from attending events and figuring out what I didn’t like. Sometimes, having a bad experience as an attendee allows me to create a better experience as an event organizer for the attendees of my events. Often times, inspiration comes from my colleagues and industry publications. Sometimes, we can find the se​ed​ of a good idea and put our own spin on it to make it successful.

 

 

5. What was your biggest mistake and what did you learn from it?

 

This is a really great question, though admittedly hard to answer. I think one of the biggest mistakes that I have made is finding the balance between great partnerships. I love collaboration and the idea of working with other people. In some ways though, this ​ha​s backfired on me because either the partnership is not actually effective or perhaps the idea is not great in the end. Sometimes, I get caught up in the idea of working with someone and I don’t take enough time to evaluate ​t​he feasibility of the idea itself. And, on​c​e collaborating with people in the industry, success is very important. Partnerships are very hard if you can’t achieve the success you are all looking for and I never want to leave industry relationships that way. So, one of my greatest challenges in growing the business has been finding the right people to partner with, on the right projects, at the right time.

 

 

Social Media at Events Techsytalk Liz King

 

 

Liz King is an event planning superhero by day, and closeted tech geek and introvert by night. Distraught by the thought of everyday civilians being conquered by spreadsheets, she resolved to re-channel her organizational and tech savvy superpowers and launched Liz King Events while still running events full time for Columbia University. Liz voraciously shared content on event best practices via social media and quickly became a thought leader/influencer amongst her peers. Her hopes of being an incognito event superhero went down the drain as her cover was blown once she started making cameos on lits like ‚Successful Meetings list of 25 Most Influential People in the Meetings Industry“ and ‚Connect Magazine’s list of 40 Under 40 Up-and-Coming Event Planners in 2011″. Liz now comfortably wears her cape and employs her superpowers to helps entrepreneurs/brands like Claudia Chan and Ramit Sethi plan smart, tech-savvy events to better engage their attendees.

 

Outside of client events, Liz uses her prowess to educate and challenge her industry peers on how to better integrate technology into live events to create a more winsome audience experience, through auxiliary outlets techsytalk.com and PlannerTech [Founder]. When not saving gotham from the event planning woes, Liz can be found unwinding by learning how to code, brushing up on her Korean, or indulging in Korean cuisine … all in civilian geek attire, of course.  

 

 

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Veranstaltungstechnik: 5 Fragen an Manja Kokott

Veranstaltungstechnik – wertvolles Mittel um Besonderes in Szene zu setzen… // Foto: André Wirsig 

 

 

Manja kenne ich seit vielen Jahren und habe die Begegnungen mit ihr immer sehr genossen. Sie ist verheiratet mit dem Lichtdesigner Werner Kokott und hat langjährige Expertise im Bereich Projektmanagement und Veranstaltungstechnik. Grund genug sie für meine Sommer-Serie zu diesem Thema zu interviewen:

 

 

Warum ist der Einsatz von Veranstaltungstechnik bei Events bedeutsam?

 

In einer Veranstaltung steckt immer das Herzblut des Kunden. Er verfolgt ein bestimmtes Ziel damit, macht sich lange Gedanken, investiert meist viel Zeit und Geld, um die Ideen, die er entwickelt hat, zu verwirklichen. In diesem Entwicklungszeitraum kommen wir ins Spiel. Unser Kunde erhofft sich, dass wir uns in seine Vorstellungen hineindenken, seine Gedanken verstehen, ihn dem entsprechend beraten und ihn dann, mit unserem Knowhow, dabei unterstützen sein Ziel zu verwirklichen.

 

Meist ist es so, das unser Gegenüber sich voll und ganz auf uns verlassen muss, weil er nicht die geringste Ahnung von der Technik hat, mit der wir täglich umgehen, und deshalb ist es so wichtig, dass wir genau zuhören und verinnerlichen wohin die Reise gehen soll. Wenn uns das gelingt können wir mit technischen Einbauten wunderschöne Akzente setzen, Sinne verzaubern, aber auch Informationen gezielt an ein Publikum vermitteln. Wir können aus einfachen Räumen Szenenwelten entstehen lassen und Emotionen hervorrufen, oder einfach nur unterstreichen, was unser Kunde seinen Gästen sagen will.

 

 

Was war der bedeutsamste Event den Du bisher technisch betreut hast?

 

Der für mich bedeutsamste Event, den ich bisher betreut habe war das Goldene Bild der Frau. Eine Veranstaltung, die von der „Bild der Frau“ ins Leben gerufen wurde, um Frauen zu ehren, die unglaubliches in karitativen Bereichen leisten und die nicht im Rampenlicht stehen. Frauen, die Ihr ganzes Leben einer Sache gewidmet haben und die das erst Mal gesehen werden für das, was sie täglich tun. Darunter war eine Frau, die in Hamburg ein Kinderhospiz eröffnet hat, dass es den Eltern möglich macht, ihre schwerstkranken Kinder bis zum Tod begleiten, ohne zu Hause Angst zu haben ihnen nicht gerecht zu werden. Sie sammelt Spenden und sucht Unterstützer, um die Eltern nicht auch noch finanziell belasten zu müssen. Für jedes Kind das dort verstirbt brennt immer eine Kerze im Garten des Hospizes.

 

Eine andere Frau hatte, selber blind, eine Blindenschule in Tibet eröffnet, weil sie erfahren hat, das blinde Kinder dort häufig weggesperrt werden und keine Zukunft haben, weil die Eltern nicht wissen, was sie mit ihnen anstellen sollen. Die Nächste hat einen Verein gegründet, der Menschen in Uganda unterstützt. Dort werden Workshops gegeben, die den Teilnehmern beibringen sich richtig zu ernähren und Aidsvorsorge zu betreiben und als Anreiz erhält jede Familie eine trächtige Ziege. Die Familien können sich so die Tiere züchten, sich von der Milch ernähren, Erzeugnisse daraus verkaufen oder auch wieder Tiere verkaufen. So verringert sich nach und nach das Elend in dieser Region, denn die Menschen können sich eine kleine Existenz aufbauen.

 

Diese Veranstaltung war für mich eine Herzensangelegenheit, weil endlich einmal Menschen wichtig waren, die wirklich bedeutsames leisen wovon man sonst kaum etwas erfährt. Wir konnten sie in einen entsprechenden Rahmen setzen und so einen kleinen Teil dazu betragen. Hier ein Eindruck des Kinderhospiz Sternenbrücke (Quelle: youtube):

 

 

 

Worauf bist Du angewiesen, um einen guten Job zu realisieren?

 

Für mich ist ganz klar eine gute, fähige Crew, die gemeinsam, gut gelaunt an der Umsetzung des Jobs arbeitet das Wichtigste. Natürlich sind gutes Veranstaltungstechnik-Material, eine intensive Vorarbeit und genaue Informationen auch wichtig, aber ohne ein gutes Team hilft das alles wenig.

 

 

Wo lässt Du Dich für innovative Veranstaltungstechnik-Ideen inspirieren?

 

Ich sehe mir gerne die Arbeit meiner Kollegen an, entweder im TV oder noch viel lieber Live, um mich inspirieren zu lassen. Auch Gespräche mit meinen Kollegen, bei denen man Ideen für Umsetzungen entwickelt sind eine tolle Grundlage für neue Ideen.

 

 

Was war Dein größter Fehler bisher und was hast Du daraus gelernt?

 

Mein größter Fehler ist noch gar nicht so lange her und hat mir beinahe „das Genick gebrochen“. Ich hatte eine Idee für die Umsetzung einer Medienanwendung, habe mir diese auch als so umsetzbar verifizieren lassen, von Leuten die davon mehr verstehen als ich. Dann kam ein Kollege und hat mir das wieder ausgeredet, weil er eine andere Lösung parat hatte, die seiner Meinung nach in der Umsetzung kostengünstiger war. Ich habe auf ihn gehört. Leider stellte sich diese andere Lösung auf der Baustelle als nicht umsetzbar heraus und er hat mich und meine Kollegen viel Zeit und Nerven gekostet das festzustellen. Am Ende habe ich es dann doch so gemacht, wie es Anfangs geplant war und es ging problemlos…

 

Ich werde wohl zukünftig auf meinen ersten Instinkt hören und auf das, was mir fähige Kollegen als gangbar freigeben und nicht auf Gedeih und Verderb versuchen Geld bei der Veranstaltungstechnik zu sparen. Denn am Ende hat der Spaß jetzt einiges mehr gekostet… und auch graue Haare.

 

 

 

Manja Kokott Veranstaltungstechnik LK AGManja Kokott ist als Projektleiterin bei der LK AG in Essen vorranging für die technische Umsetzung von Industrieevents, Messen und Galas zuständig. Ihr Aufgabengebiet reicht von der Kundenberatung im Vorfeld, über die Organisation, bis hin zur Umsetzung des technischen Parts der Veranstaltungen, nicht selten auch der Dekoration.

Die LK AG ist ein integrierter Kommunikationsdienstleister, der im Bereich der Live- und Markenkommunikation ein umfassendes Angebot innovativer Dienstleistungen und Technologien aus einer Hand bietet. Von der kreativen Konzeption über die Projektierung bis hin zur Umsetzung machen Spezialisten unterschiedlichster Fachrichtungen Produkte und Dienstleistungen emotional erlebbar.

 

Event-Konzeption: 5 Fragen an Jens Heinrich

Event-Konzeption: Speaking Cars beim Autosalon Genf // Quelle: Concept Pilots

 

 

1) Warum ist die Konzeption von Events bedeutsam? Was ist Dein Anspruch an gute Event-Konzeption?

 

Ein Event ohne Konzeption ist nur eine Ansammlung von Maßnahmen. Zum „Konzept“ wird dann ein Motto erklärt wie „Together to the top“, die Teilnehmer haben auf der Party auch Mordsspaß, aber keiner empfindet zwei Wochen später etwas als anders oder hat eine Botschaft verstanden. Ich unterstelle, dass es in diesen Fällen keine klare Meinung oder kein echtes Interesse des Auftraggebers hinsichtlich Marke, Produkt, Botschaft und Teilnehmern gibt. Oder eine Konzeption wird Zeitdruck, mangelndem Budget, schlechter Kundenkommunikation – oder schlicht der Bequemlichkeit geopfert.

 

Konzeptideen sind idealerweise immer einfach. Sie könnten z.B. „Connect!“ heißen, oder „Individualität“. Die Arbeit der Konzeption und des Kunden ist dann, das zu beleben und auf allen Ebenen durchzudeklinieren: Wie erlebe ich das in Motto, Bühnenbild, Licht, Musik, Geschichte, Essen, Party? Und was bietet auch der Auftraggeber selbst an, um die Idee mit Leben zu füllen? Was fällt den Teilnehmern zwei Jahre später noch dazu ein?

 

Es wird meist vom roten Faden gesprochen. Ich meine, es geht vor allem um intelligente Wege einer Dramaturgie; um das Gespür, den Einzelnen mit seinen Wünschen, Vorbehalten, Gefühlen, Fragen und Skepsis abzuholen; es geht um das Brechen von Konventionen – im Film spricht man gerne von „Twists“ – darum, die Erwartungen zu brechen, das Erleben zu verstärken. Damit beginnt für mich das anspruchsvolle Konzept, die Live-Kommunikation.

 

Oft münden Konzeptionen in eine Buzzword-Kaskade: Key-Visual, Setdesign, Guestspeaker, Keynotes, Storytelling, Votings, Reveals, Commitments, Showacts, Flying Buffets, Social-Media-Anbindung, Event-Apps, Follow-up, ganz viel „außergewöhnliche…“ – am Ende sind es dann Vertical Pole Artists in fahrdynamischen Reveals auf Drehscheiben unter 3D-gemappten Watchout-Ventuz-360°-Panoramen mit Twitterwall – einfach weil das alles geht, weil der CEO so etwas schon mal woanders gesehen hat oder weil es im Pitch knallen muss. Das wird auch wirken, aber oft ist es das „Höher, schneller, weiter“, sind es nur immer weiter gesteigerte Technologien. Toll finde ich es dann, wenn dadurch eine echte zugrunde liegende Idee „dramatisiert“, also dramaturgisch verstärkt wird. Eventuell ist das aber ein gar nicht so technischer Effekt.

 

Manchmal, in bestimmten Momenten, spüren dann alle Beteiligten: Wow, DAS wird ein Konzept! Das Konzept macht aus den alten Einzelnummern einer Manege die Story eines Cirque du soleil. Das gelingt nicht immer und oft nur in einer idealen Konstellation von Verantwortlichen und Partnern. Aber dann macht es Events bedeutsam.

 

 

2) Was war das herausforderndste bzw. bedeutsamste Event, welches Du als Konzeptioner realisiert hast?

 

Auch wenn es 14 Jahre her ist – der damalige Volkswagen-Auftritt auf dem Automobilsalon Genf (Agentur: Vok Dams) bleibt meine persönliche „Benchmark“. Obwohl man in Genf nur wenig Möglichkeiten hat, sollten wir eine sehr emotionale Inszenierung aller Produkte entwickeln – ohne große Bauten und Platzbedarf, ohne laute Aktionen, ohne Tänzer und Akteure. Ergebnis waren die „Speaking cars“: Außerhalb der Messehalle waren Schauspieler in Studiocontainern platziert und sprachen in der Rolle des Fahrzeugs die völlig verblüfften Besucher über die Soundanlage in den äußerlich unveränderten Autos an. Über versteckt angebrachte Mikrofone und Kameras verfolgten sie die Reaktion der Besucher, spielten individuelle Lieblingsmusiken und Geräuschwelten ein und traten mit den Besuchern in den Dialog über ihre Features und Vorteile. Überall stiegen lachend Leute aus und wieder ein, alle waren happy und begeistert. Das war so einfach, so wirkungsvoll, so erinnerbar – das ist für mich bis heute mein Beispiel für ideale Live-Kommunikation aus dem Herzen einer Marke heraus.

 

 

3) Worauf bist Du angewiesen, um einen guten Job als Konzeptioner zu realisieren?

 

Ich wünsche mir immer eine möglichst ideale Konstellation von Menschen. So entsteht bei mir am schnellsten der Mut, Dinge zu riskieren und 100 Prozent zu wollen. Wenn alle am Tisch Idee und Botschaft gleich verstehen und jeder sich bemüht, interdisziplinär zu denken, dann ist sogar ein schwaches Briefing zweitrangig.

 

 

4) Wo lässt Du Dich in Sachen innovativer Konzepte und Formate inspirieren?

 

Gerne in Berichten über Projekte aus anderen oder verwandten Disziplinen (Theater, Film, Making of‘s, Grafik und Design). Und – Achtung: Klischee – komischerweise habe ich wirklich oft unter der Dusche sehr klare Momente, in denen sich einfache und klare Ideen entfalten. Häufig ist es bei mir auch erste spontane und intuitive Idee auf der Rückfahrt vom Briefing, die sich nachher als richtig erweist.

 

 

5) Was war Dein bisher größter Fehler und was hast Du daraus gelernt?

 

Ich neige dazu, mir jeden Schuh erst mal selbst anzuziehen. Man tappt unter dem Leitbild von „Engagement und Verantwortung“ in Fallen, die Stress, schlechte Gefühle, Mehrarbeit verursachen. Ich bin ein guter Teamplayer, aber damit frustriert man Kollegen, weil sie nicht wissen, wo und wie sie entlasten sollen, und andere nutzen es aus, indem sie selbst weniger leisten.

 

Am Anfang meiner Selbständigkeit hat mich ein Kunde zusammengeschrien, weil die Generalprobe zum Chaos geriet. Als Konzeptioner hatte ich damit nichts zu tun, war aber komplett geknickt.

 

Auf einer Messe vor vielen Jahren lag ich schwer grippekrank im Hotelbett, meinte aber trotzdem alles weitersteuern zu müssen. Nach erfolgreichem Projekt erklärte mir der Kunde, dass das der einzige Augenblick war, bei dem er mich nicht als professionell empfand.

 

Es ist gut, die Grenzen der eigenen Rolle zu kennen, sich ergänzen lassen zu können und sich nicht für alles persönlich aufzuopfern. Ich arbeite daran…

 

 

Event-Konzeption Jens Heinrich Concept PilotsJens Heinrich (*1970) bezeichnet sich selbst als „interdisziplinär geprägter Kreativberater mit einer Ahnung von Vielem und Interesse an allem“. Fotografenausbildung, freier Theaterarbeit und Medientechnik-Studium folgten kreative, organisierende und produzierende Positionen bei Agenturen und als Freelancer – mit dem Anspruch, immer wieder Schwerpunkte zu verlagern. Aktuell arbeitet er unter dem eigenen Label concept pilots.