Plädoyer zum 9. November: Taten statt Worte!

Taten statt Worte // Musikvideo zu DANKE DEUTSCHLAND

 

 

Der Worte sind genug gewechselt,
Laßt mich auch endlich Taten sehn!
Indes ihr Komplimente drechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn.

Johann Wolfgang von Goethe in Faust, 1808

 

 

Kürzlich besuchte der Präsident des Weltjudenverbands Ronald Lauder die Synagoge in Halle. Es war ein leiser Besuch und fast schon intime Begegnung. Er hörte zu, fragte nach und forderte im ZDF am Ende:

 

„Taten statt Worte sind nötig!“

 

Worte haben natürlich Macht. Es folgen darauf Taten. Am 9. November jährt sich einiges in der deutschen Geschichte: „Als besonders gravierend für die zeitgenössische, öffentliche Diskussion in der rückwirkenden Betrachtung gelten dabei – beginnend in der jüngeren Vergangenheit – die Jahrestage des Mauerfalls 1989, des Beginns der Novemberpogrome 1938, des Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 und der Novemberrevolution 1918 (Ausrufung einer deutschen Republik) in der damaligen Reichshauptstadt Berlin.“ (Quelle: Wikipedia)

 

Szenenwechsel: Als deutscher Bürger nehme ich einen Mangel in Ost- wie West-Deutschland wahr: Uns geht die Gemeinschaft abhanden. Ob im großen Ganzen oder in der kleinsten Zelle, der Familie. Natürlich kann dies nicht pauschal behauptet werden, es gibt ja viele positive Gegenbeispiele von Gemeinschaft. Aber im Zeitgeist „Me, Myself & I“ und auch politisch bedenklicher Strömungen braucht es Taten statt Worte.

 

Dazu zitiere ich den Sohn eines NS-Verbrechers über AfD-Rhetorik: „Hitler baute eine furchtbare Diktatur auf. Das deutsche Volk wehrte sich nicht. Für mich ist klar, warum: Unter den 80 Millionen Deutschen damals und heute waren und sind allenfalls 20 Millionen echte Demokraten, von denen sich höchstens Hunderttausend aktiv für die Demokratie einsetzen. Die übrigen Demokraten grummeln abgeschlafft daheim vor sich hin. Folge: Die schweigende Mehrheit von rund 60 Millionen Deutschen würde sich gegen eine AfD-Diktatur nicht wehren.

 

Taten statt Worte. Wie kann das aussehen? Zumal dieser deutsche Jude sagt, wir können uns unsere Rituale sparen…

 

Taten statt Worte

Quelle: ZEIT Online, Screenshot vom 31.10.2019

 

 

Taten statt Worte: Seit einiger Zeit bin ich mit der Kölner Band Koenige & Priester unterwegs. Am Tag der Deutschen Einheit haben sie mit ihrem Lied DANKE DEUTSCHLAND das offizielle Abendprogramm an der Kiel-Linie eröffnet. Wie passt nun aber die Tugend Dankbarkeit zu diesem hoch politischen Tag? Selbst die Bundesregierung sagt: „Gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ist jüdisches Leben in Deutschland ein Grund zur Freude und Dankbarkeit.“

 

Diesen Kontrast spitze ich als Dramaturg und Regisseur von Live-Momenten bewusst zu: Gemeinsam mit ein paar Freunden plane ich am Vorabend zum 9.11. ein Zeichen der Dankbarkeit und gegen Antisemitismus zu setzen.

 

Zusammen mit Samuel Koch und der Band werden wir uns bei jüdischen Mitbürgern bedanken. Warum? Weil sie trotz der Art und Weise wie unsere Großeltern ihre Vorfahren behandelt haben (Kristallnacht), unserer heutigen Generation immer noch eine Chance geben uns mitmenschlich ihnen gegenüber zu verhalten und ihr Leben mit uns zu teilen – und nicht aus Deutschland wegziehen (wie es Richard C. Schneider in dem ZEIT Artikel moniert, aber verständlicherweise tat).

 

Taten statt Worte: Unterdessen möchte ich bis zum 9. November 81 + 1 Zitate von deutschen Bürgern sammeln, die unseren jüdischen, deutschen Mitbürgern DANKE sagen. Warum 81 + 1? Weil sich am 9.11. die Reichsprogromnacht zum 81. Mal jährt und auf den Tag genau einen Monat zuvor am 9.10.2019, dem höchsten Feiertag der Juden Jom Kippur (Versöhnungsfest!), der Anschlag auf die Synagoge in Halle statt fand. Sollte ich eine kritische Masse von bekannten Persönlichkeiten zusammen bekommen, werde ich dies einer größeren Medienplattform zur Verfügung stellen.

 

Taten statt Worte. Was sagt der Talmud dazu (mündliche Lehre der Gesetze und religiösen Überlieferungen des Judentums nach der Babylonischen Gefangenschaft)?

 

 

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

 

Taten statt Worte.

 

 

PS: Persönlich verbinde ich mit dem 9. November 2019 auch einiges. Meine Oma Ursula Breckwoldt wäre 100 Jahre alt geworden. Außerdem ist es der zehnte Todestag meines Vaters. Ich werde den Tag still einläuten. Dann mit Freunden am Brandenburger Tor Einheit, Freiheit und Frieden feiern. Und abends mit meiner Frau und unseren School of Love Coaches Sven und Elke in Berlin feierlich beenden. Was für ein Tag. Der Wahlspruch zur Beerdigung meiner Oma aus dem 1. Korinther 13 bringt die nötige Haltung auf den Punkt: Wer liebt, ist geduldig und gütig. Wer liebt, der trägt keinem etwas nach. Wer liebt, der gibt niemals jemanden auf. In allem vertraut er und hofft für ihn.

 

Fazit: Am heutigen Reformationstag sage ich: Es ist ZEIT für eine Revolution der Erinnerung, Dankbarkeit und für Taten statt Worte. Wenn du magst, sei bei der Kampagne #DankeDeutschland30 dabei und lade dein Statement der Dankbarkeit bis zum 9.11. hoch – wie viele Prominente das bereits am 3. Oktober getan haben… Übrigens: Am 3. Oktober 2020 gibt es die Möglichkeit gemeinsam auf Marktplätzen zu singen. Aus Dankbarkeit für Frieden und Freiheit:

 

 

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