Digitales Konzerterlebnis: 6 Fragen an Robert Gummlich

Digitales Konzerterlebnis: Robert Gummlich zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker

 

 

Den Bildregisseur Robert Gummlich habe ich bereits vor zehn Jahren in Köln kennen gelernt. Uns verbindet neben gemeinsam umgesetzten Medienproduktionen auch die Begeisterung für Live-Musik und ein ähnlicher Anspruch an Arbeitsweisen – fachlich wie menschlich. In den letzten Jahren hat Robert maßgeblich die Live-Übertragung von Konzertmitschnitten der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Digital Concert Hall mitentwickelt (Hintergründe und Informationen zur DCH unterhalb). Zu seinen Erfahrungen und Selbstverständnis als Bildregisseur habe ich ihn befragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an eine gelungenes digitales Konzerterlebnis?

 

Klar ist: Ein persönliches Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Es ist wie beim Kochen: Es selbst zu tun, die Dinge zu berühren und fühlen, zu riechen und schmecken und die gesamte Atmosphäre synästhetisch zu empfinden kann einfach niemals das Gleiche sein wie den gleichen Prozess im Fernsehen zu sehen und zu hören. Die Live-Übertragung, egal ob im Fernsehen oder im Internet, ist dennoch die zweitbeste Möglichkeit, an einem Live-Event teilzuhaben, wenn ich nicht selbst vor Ort sein kann (z.B. weil es zu teuer oder ausverkauft ist, meine Mobilität aus Altersgründen vielleicht eingeschränkt ist oder das Event auf einem anderen Kontinent stattfindet). Mein Ziel für ein digitales Konzerterlebnis ist also, dieses Erleben aus der Beobachter*innenperspektive mit den mir verfügbaren fernsehtechnischen Mitteln so intensiv wie möglich zu gestalten. Und dabei die Inhalte, sprich meine Künstler*innen und die sie umgebenden Räume, möglichst optimal zu präsentieren.

 

Als Beispiel möchte ich kurz beschreiben, wie meine liebste Kritik nach einer Übertragung klingen könnte: „Der Dirigent ist ja unglaublich intensiv gewesen heute, aber als der Hornist sich verspielt hat, hat er kurz ganz schön böse geschaut. Und die junge Sopranistin hat ja sogar in den höchsten Tönen noch ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, als sei da nichts dabei. Ich hatte echte Gänsehaut. Und als sie sich dann verbeugt hat und gelacht hat zum Orchester, da war sie wieder so wunderbar natürlich und gelöst, wie ein junges Mädchen. Vorher wirkte sie so ernsthaft und ganz erwachsen.“
Kein Wort davon beschreibt unsere Kamera- oder Regiearbeit, die Einstellungsgrößen, Schnittfrequenzen, Kranfahrten oder sonstige technische Hintergründe unserer Arbeit. Die Zuschauenden waren im Flow des Events, gefesselt von der Intensität der künstlerischen Leistung auf der Bühne, sogar vor dem Bildschirm. Fast so, als säßen sie selbst im Saal. Das ist das erklärte Ziel meiner Arbeit: Meine Künstler*innen und ihre Leistungen so gut aussehen zu lassen, wie es mir möglich ist. Die Basis dafür ist mein tiefer Respekt vor ihrer Leistung und den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für unsere Arbeit.

 

Noch eine kurze Anekdote zu Zuschauenden, wie ich sie mir wünsche: Bei meiner Arbeit an der Wiener Staatsoper, wo ich im vergangenen Jahr das Streaming-Team aufbauen durfte, ist uns ein ganz besonderer Zuschauer begegnet. Dieser Herr sieht sich nicht nur im Rahmen seines Jahres-Abonnements regelmäßig Opern in der Wiener Staatsoper an (in der Mitte des Parketts auf einem wirklich ausgezeichneten Platz). Er schaut sich regelmäßig ein paar Tage später die gleichen Opern noch einmal im Live-Stream an (wir übertragen dort in der Regel die 3. Vorstellung einer Serie), weil er die Qualität der Tonmischung und die Naheinstellungen und Bildführung der Regie genießt. Offensichtlich gelingt es uns, sein Erleben der Oper mit unseren Übertragungen noch zu intensivieren! Und dieser Herr ist bereit, für dieses Erleben seinen Beitrag zu bezahlen, weil er etwas erhält, was ihm das Fernsehen nie bieten kann.

 

 

2. Worin liegt die Herausforderung am Live-Stream?

 

Die meisten Livestreamings haben kleine Budgets, die nicht mit Fernsehbudgets vergleichbar sind. Dennoch werden die Ergebnisse unserer Übertragung mit professionellen Fernsehproduktionen verglichen. Denn diese haben die Seherfahrung unsere Zuschauenden über Jahrzehnte geprägt. Die Herausforderung besteht also darin, mit einem vergleichsweise kleinen Kernteam (5 – 8 Personen beim Streaming im Vergleich zu 30 – 45 Personen bei der Fernsehübertragung) und reduziertem technischen Aufwand ein vergleichbar intensives Erlebnis zu gestalten. Das erfordert natürlich eine Anpassung unseres gelernten Fernsehhandwerks.

 

Was uns dabei hilft ist die Einbettung der Streaming-Abteilung in die entsprechenden Häuser: Wir sind in Berlin ebenso wie in Wien eine eigene Abteilung und kommen nicht als Fremde zu den Musiker*innen. Weil wir die Abläufe besser verstehen als Menschen, die nur einmal im Jahr in einem Konzertsaal arbeiten, können wir besser Rücksicht nehmen auf die Notwendigkeiten der künstlerischen Abläufe. Und wir werden als Verbündete der Musiker*innen wahrgenommen, wir haben im besten Fall ihr Vertrauen. Denn eines muss man sich klar machen: Jede*r weiß im 21. Jahrhundert aus ungezählten Youtube-Clips, wie schnell man vor der Kamera schlecht aussehen kann, wie gnadenlos genau die Kameras heute hinschauen und hinhören. Das schafft große Unsicherheiten, auch wenn sie nur unterschwellig sind und selten eingestanden werden. Und da wir es mit Künstler*innen der absoluten Weltspitze in einer intensiven Konkurrenzsituation zu tun haben, reichen manchmal schon kleine Nuancen oder Ablenkungen, um die Einmaligkeit und damit schlimmstenfalls auch den Marktwert zu gefährden.

 

Umgekehrt, also positiv formuliert: Unsere Künstler*innen vertrauen uns, dass wir sie bestmöglich aussehen lassen, verstehen und schützen. Daher können sie ein klein wenig entspannter und konzentrierter ihre Leistung bringen als bei einer typischen Fernsehübertragung, die breitschultriger auftritt, die Abläufe stört und nicht im Kontakt mit den Künstler*innen und ihren Bedürfnissen steht. Und damit meine ich nicht nur die Bedürfnisse der großen Solist*innen, sondern auch die einer Tutti-Violine am 8. Pult hinten links. Ich glaube also, bei uns spielen die Künstler*innen ungestörter und daher ist das Geschehen vor der Kamera ein wenig intensiver. Da macht es nicht viel aus, wenn unsere Übertragungswerkzeuge sich den Budgets anpassen müssen. Und das schätzen auch unsere Zuschauenden, denn die bezahlen den Abo-Preis nicht für die Vorführung von neuester Showtechnik oder Kameratypen, sondern für das Erleben einer einmaligen künstlerischen Leistung.

 

 


Digital Concert Hall // Video: Berliner Philharmoniker

 

 

3. Worin liegt der Unterschied zwischen Live-Stream und Fernsehen?

 

Internetstreamings sind in meinen Augen ein Schritt hin zur Demokratisierung von medialen Inhalten, wie man sie schon länger im Journalismus (Stichwort: Blogger) wahrnehmen kann: Die gleichen Menschen, die die (künstlerischen) Inhalte herstellen, können darüber entscheiden, sie weltweit ihrem Publikum anzubieten und den Preis dafür zu bestimmen.

 

Und sie verfügen persönlich über die Verbreitungswege und -mechanismen. Sie sind nicht mehr auf die Beurteilung durch Redakteur*innen oder Produzent*innen angewiesen, die eine riesige, extrem teure Mechanik zur Verbreitung verwalten und Einfluss nehmen auf die inhaltliche Auswahl. Die Entscheidungsstrukturen der Internetstreamings sind wesentlich schlanker und schneller als bei Rundfunkanstalten. Auch werden völlig andere Zuschauerzahlen angestrebt: Das Fernsehen zielt auf ein Millionenpublikum in einem regionalen Raum, für Weltmarken wie die Berliner Philharmoniker ist schon eine Zahl um die 4000 Zuschauer weltweit bei einem Live-Event ein großer Erfolg, denn damit hat sich die Zuschauerzahl an diesem Abend verdreifacht im Verhältnis zum Saalpublikum! Und sie erreichen ein weltweites, geneigtes Publikum wesentlich leichter als der Rundfunk, für den schon ein einziges Projekt, das weltweit gesendet wird (wie eine Fußball-WM oder Olympiade) mit einem Vorlauf von mehreren Jahren Organisationsaufwand und immensen Kosten verbunden ist.

 

Möglich wird dies durch die vorhandene Infrastruktur des Internets, die eine demokratische Distribution möglich macht. Deswegen ist auch für die Verbreitung von Kultur im Internet die Netzneutralität ein höchst wertvolles Gut. Und außerdem werden Internetstreamings möglich durch schlankere, spezialisiertere Produktionsverfahren, die wir nach und nach entwickeln. Wobei hier ein bisschen die Gefahr besteht, dass die Honorare für unsere Arbeit verringert werden, weil es sich „nur“ um ein Internetstreaming handelt und im Moment sehr oft um Pilotprojekte. Das ist aber zum Glück bei meinen Auftraggebern nicht mehr der Fall, die wissen die Qualität der Bildregie auch finanziell zu schätzen. An dieser Stelle einen großen Dank dafür!

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Live-Regisseur zu realisieren?

 

Bevor ich die Frage beantworte, möchte ich gerne mein Verständnis meines Jobs beschreiben. Es gibt Live-Regisseur*innen, die ihre kreative Bedeutung und künstlerische Leistung innerhalb der Produktion sehr hoch bewerten und sich selbst als große Künstler*innen präsentieren und verkaufen. Das führt dann häufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen der Künstler*innen auf der Bühne. Dem möchte ich meine Auffassung meines Berufs gegenüberstellen: Ich glaube, wir üben ein hochintelligentes Handwerk aus (eine Haltung, die ich nicht selbst erfunden, sondern während meiner Assistenz-Zeit von einem in meinen Augen sehr guten Regisseur übernommen habe). Die Künstler*innen stehen bei uns VOR der Kamera, unsere Aufgabe hinter der Kamera ist es, ihre Leistung so gut wie möglich zu verstehen. Wir stehen also im Dienste unserer Künstler*innen. Als Bild dafür verwende ich in Seminaren gerne die Vorstellung von einem Übersetzer, der ein Shakespeare-Sonett ins Deutsche übersetzen soll: Reine Technik (Google-Translator) führt zu überhaupt nichts. Der Übersetzer muss zwei Sprachen in ihrer sprachlichen Tiefe und Schönheit verstehen und einsetzen können und dazu noch Shakespeares Intentionen und Witz! Dennoch ist und bleibt das Gedicht, egal ob in Deutsch oder Englisch, zu jedem Zeitpunkt ein Werk Shakespeares. Die Leistung des Übersetzers für den künstlerischen Genuss wird dadurch aber nicht abgewertet, sondern ist für die deutschsprachigen Lesenden absolut wesentlich und unersetzbar.

 

Jetzt zur Antwort, worauf ich angewiesen bin bei meinem Job. Kurz und knapp: Auf mein Team! Eigentlich gibt es dazu fast nichts mehr hinzuzufügen, so selbstverständlich sollte diese Erkenntnis sein. Denn keine*r macht eine Live-Übertragung alleine! No way, never ever! Ich beiss mir immer auf die Lippe, wenn sich jemand vor mich stellt und sagt: „ICH hab letzte Woche eine Oper übertragen / MEINEN Film auf dem Festival präsentiert“ und denke mir: Tatsächlich? Du hast alle Kabel gezogen, bist die LKWs gefahren, hast alle Kameras aufgebaut, das Licht angeschlossen, das Mikro gehalten, die Listen getippt, die Hotels gebucht, die Künstler*innen betreut, das Catering gekocht undundund…???? Respekt, Kollege, ehrlich…

 

Und gerade während einer Live-Übertragung, bei der nichts „in der Postproduktion gefixt“ wird, sondern alles auf Anhieb sitzen muss, bin ich zu 100% darauf angewiesen, dass jede*r im Team mit voller Konzentration, Leistungsbereitschaft und Begeisterung von Anfang bis Ende dabei ist. In unseren reduzierten Stream-Teams, bei denen jede*r mehrere Aufgaben übernimmt, darf es keine menschlichen oder fachlichen Fragezeichen geben, da bin ich unglaublich sensibel. Und wenn man sich in der Regieposition diese 100%ige Abhängigkeit von seinem Team bewusst macht, relativiert sich die sogenannte Machtposition der Regie sehr angenehm. Ich betrachte sie ohnehin eher als eine – zugegebenerweise zentrale – Rolle innerhalb eines notwendigen Hierarchiegefüges für einen klar begrenzten Zeitraums. Dieses Bewusstsein schützt ganz gut vor Überheblichkeit. Leider keine seltene Erscheinung in unserem Beruf…

 

Und worauf wir natürlich immer angewiesen sind: Auf die Leistung unserer Künstler*innen! Denn wenn diese nicht ihr Potenzial optimal abrufen können, können wir den besten Job der Welt gemacht haben und dennoch bleibt das Gesamtergebnis in der Mittelmäßigkeit. Egal ob wir UHD, HD, 4K, 5.1-Surround, Cinemascope oder sonstige Superlative außen drauf schreiben.

 

 

Digital Concert Hall

 

 

5. Wie hast du dich für dieses neue, einmalige Kamera-Übertragungssystem inspirieren lassen – wie kam das zu Stande?

 

Genau genommen gab es für dieses Kamera-System keine Inspiration, weil es weltweit das erste war, das so eingesetzt werden sollte. Da der Bau des ersten Studios der DCH relativ schnell erfolgen musste (aus Gründen des Sponsorings), waren wir als Regieführende in der Planung auch noch nicht involviert. Und vielleicht war das auch gut so, denn sonst hätten wir wahrscheinlich versucht, an unserem Handwerk festzuhalten. So waren wir schlicht gezwungen, umzudenken oder zu verschwinden: Wir standen vor einem fertigen System, das niemand kannte, mit dem noch niemand Erfahrungen hatte und das eine deutliche Veränderung (und auch Verabschiedung mancher Teile) unserer Arbeitsweise erforderte. Wir waren gefordert, unsere Arbeitsweise neu zu erfinden. Und zu forschen, wo die Möglichkeiten, Vorteile und Grenzen dieses Systems liegen. Immer mit den ästhetischen und qualitativen Kriterien, die wir von unseren Fernsehjobs im Kopf hatten.

 

Da hat mir der Satz meines Klavierlehrers, ein wichtiger Mentor in meinem Leben, geholfen: „Schwimmen lernt man nur im Wasser!“ Damit hat er uns immer auf die Bühne geschickt, wenn wir beim Klassen-Vorspiel Lampenfieber hatten.
Also: Augen zu, oder besser: auf! und reingesprungen. Wir hatten allerdings auch eine Vorlaufphase von einem halben Jahr vor der ersten Liveübertragung, so konnten wir alles Mögliche ausprobieren. Das war ein großer Luxus.
Gleichzeitig kommt uns die Situation auf der Bühne entgegen bei der Verschlankung von Strukturen: Letztlich wiederholen sich bei Konzertübertragungen die Einstellungen immer wieder (das ist übrigens, wenn man ehrlich ist, nicht nur im Konzertsaal so). Denn der musikalische Apparat sitzt in dieser Form schon seit Jahrhunderten auf der Bühne und spielt mit den gleichen Instrumenten die gleiche Musik. Das Faszinierende für die Liebhaber*innen dieser Musik kommt über die einzigartige, immer wieder neue und andersartige Interpretation der Musik, damit haben wir aber in unserer Arbeit weniger zu tun. Wir können also in unserem System während der Proben für jede Kamera beliebig viele unterschiedliche Einstellungen der Instrumentengruppen als Snapshots speichern und dann punktgenau (während der Livesendung im Sekundentakt) abrufen. Denn die 1. Flöte sitzt immer am gleichen Platz. Dennoch muss jede Vorstellung neu programmiert werden, denn die Orchesteraufbauten wechseln, eine Mozart-Sinfonie ist keine Wagner-Ouvertüre und verwendet andere Instrumentierungen. Und für besondere Situationen wie Solo-Konzerte oder Chöre können wir inzwischen im Ausnahmefall auch ein bis zwei Zusatzkameras mit Kameramensch im Saal positionieren, das erweitert das System sehr positiv.

 

Bei den Streamings der Opern an der Wiener Staatsoper, die seit Herbst 2013 laufen, sieht es dagegen ganz anders aus: Auf einer Opernbühne werden selbst die besten und präzisesten Akteur*innen niemals an der gleichen Stelle singen. Daher arbeiten wird dort mit zwei Operator*innen, die abwechselnd immer für die nächste Einstellung zuständig sind und beide Zugriff auf alle Kameras haben. Genau genommen haben mich die Verantwortlichen der Wiener Staatsoper nach einem Besuch in Berlin gefragt, ob ich in der Lage bin, unser Berliner Modell auf die Anforderungen der Wiener Staatsoper anzupassen und die Teams dort auszubilden. Wieder ein Sprung in tiefes, kaltes Wasser!

 

Jetzt, nach mehr als 20 Übertragungen in den letzten 12 Monaten kann ich mit Gewissheit sagen: Wir können auch Opern mit Remote-Systemen und kleinem Team anspruchsvoll übertragen, überhaupt kein Problem! Wobei sich die Gestaltung von den typischen Fernsehaufzeichnungen unterscheidet, wir haben den Schnittrhythmus beruhigt und lassen den Akteur*innen mehr Raum auf der Bühne und für ihr Spiel. Das halte ich auch für angemessener: Eine hohe Schnittfrequenz von extremen Naheinstellungen, typisch fürs Fernsehen des 21. Jahrhunderts, wie sie z.B. die Metropolitan Opera in New York weltweit auf die Kinoleinwände bringt, halte ich für ästhetisch problematisch: Eine Opernsängerin, deren Kopf auf einer Kinoleinwand mehrere Meter vergrößert singt, empfinde ich in den meisten Fällen als grotesk entstellt. Dabei geht es nicht um die Frage von richtig oder falsch, sondern immer nur darum: Was ist dem Inhalt und dem Charakter angemessen? Diese kluge und feine Unterscheidung verdanke ich einem hervorragenden Lichtsetzenden Kameramann und gutem Freund, Alexander Törzs (BVFK), der mich bei meinen Projekten regelmäßig berät und unterstützt.

 

 

6. Was war dein bisher größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Das wird jetzt eine sehr persönliche Antwort: In einer hohen Belastungssituation habe ich meine Selbstbeherrschung verloren und mich absolut im Ton gegenüber einer Produktionsleiterin vergriffen. Klar und ehrlich gesagt: Wir haben uns angeschrien.

 

Ich war der Meinung, meine Notwendigkeiten finden zu wenig Beachtung, ich empfand höchsten Druck, fühlte mich erschöpft und überfordert und ich betrachtete eine spezielle, zusätzliche Belastung als bösartige Missachtung meiner Bedürfnisse und Ignoranz meiner Arbeit gegenüber.
Ein Satz mit sehr vielen „Ichs„. Ein sehr großer Fehler. Oder gleich mehrere: Das wertvolle Verhältnis zu einer Kollegin zu belasten für eine im Nachhinein belanglose Arbeitssituation; meine Bedürfnisse in den Mittelpunkt einer Produktion zu stellen; überlastet und unüberlegt zu handeln; die Liste kann jede*r für sich vervollständigen. Ich möchte zu meiner Verteidigung sagen, dass mir so eine Situation nie wieder vorgekommen ist.

 

Am nächsten Tag habe ich mich entschuldigt. Seither versuche ich durch regelmäßige, besonders aufmerksame Kommunikation, inzwischen über 5 Jahre, das erschütterte Vertrauen wieder aufzubauen. Ich bin mir allerdings darüber im Klaren: So etwas vergisst niemand, ich auch nicht! Wir kommen heute dennoch sehr gut klar miteinander.

 

Ich habe mich später vor allem aus persönlichen Gründen mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinander gesetzt, weil die vielen Konflikte in unserem Leben so häufig durch misslingende Kommunikation entstehen. Und ich mich so oft gefragt habe, wieso Menschen, die sogar im Prinzip ähnliche Ziele und Wünsche haben, sich nicht so darüber austauschen können, dass eine Win-Win-Situation für alle entsteht. Die wertschätzend-liebevolle Gedankenwelt von Marshall Rosenberg, die eher eine Weltanschauung und weit mehr ist als eine Kommunikationsmethode, möchte ich hier unbedingt für unser Berufsfeld empfehlen. Unser Berufsalltag ist geprägt von hoher Konzentration, Anspannung und manchmal negativem Stress sowie umfangreichen, verschiedenartigen Bedürfnissen, die häufig widersprüchlich sind. Es wird viel Kritik geübt und noch viel mehr vermeintlich falsche Kritik übel genommen. In diesem Umfeld ist die wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation das Schweizer Taschenmesser der Konfliktlösung, gerade für die Regieposition. Denn mindestens die Hälfte unserer Arbeit ist Kommunikation, wenn nicht mehr.

 

 

Digitales Konzerterlebnis Bildregisseur Robert GummlichRobert Gummlich lebt in Berlin und ist als Bildregisseur für die Übertragung von klassischer Musik, Oper und Theater europaweit unterwegs. Er betreut drei von vier der wichtigsten Streamingprojekte im deutschsprachigen Raum: Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, die WienerStaatoperLive der Wiener Staatsoper, sowie Philharmonie.TV der Kölner Philharmonie. Und neuerdings auch das Nachwuchsprojekt HomeSymphony der Mannheimer Philharmoniker. Basis seiner Tätigkeit ist die eigene künstlerische Ausbildung (Gitarre, Klavier, Querflöte, Chorgesang und Tanz) sowie das auf dieser Ausbildung basierende Studium der Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, das neben den gestalterischen Kompetenzen auch umfangreiche technische Grundlagen vermittelt. Vor dem Schritt zur Regie arbeitete er als Regieassistent für fast alle Kultursender Deutschlands bei den maßgeblichen Klassikübertragungen des deutschen Fernsehens.
Außerdem unterrichtet er sein Handwerk an verschiedenen Institutionen (Düsseldorf, Hannover, Wien). Und profitiert täglich bei seiner Arbeit davon, dass er auch schon als Küchenjunge, Fahrradkurier, Fabrikpacker und LKW-Fahrer gearbeitet hat.

 

 

Hintergrund: Was ist die Digital Concert Hall?

 

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur ein weltweit führendes Orchester, sondern legen schon immer größten Wert darauf, technische Neuerungen nutzbringend für das Orchester einzusetzen und auch in diesem Bereich eine Spitzenposition einzunehmen. So war Herbert von Karajan Ende der 1970er an der Entwicklung der CD beteiligt. Und Karajan war es auch, der bereits in den 1950ern, beim Bau der Berliner Philharmonie, weltweit bekannt für ihre ausgewogene Akustik, Kamerapositionen im ersten architektonischen Konzept der Philharmonie vorbereiten ließ, weil er ahnte, dass die Bildübertragung für Konzerte wichtig werden würde. Außerdem hat er mit dem ZDF berühmte Konzertadaptionen im Studio verfilmt, die für unseren Berufszweig noch immer ästhetisch maßgeblich sind.
Durch die starke Veränderung der Medienlandschaft und den Rückzug der Fernsehsender und Musikproduktionsfirmen aus den klassischen Konzertsälen entstand um die Jahrtausendwende eine Lücke, die es zu füllen galt. Denn die Berliner Philharmoniker haben nicht nur ein treues Publikum in Berlin, das für einen regelmäßig ausverkauften Konzertsaal sorgt, sondern auch eine weltweite Fangemeinde, die sich um die wenigen Plätzen bei den Tourneen durch Asien oder Amerika drängelt. Es lag also nahe, mit dem Aufkommen von Internetstreamings, diese im Sinne des Orchesters zu nutzen und die Internetplattform Digital Concert Hall (DCH) zu entwickeln.

 

Die DCH ist die weltweit erste Internetplattform, auf der registrierte Nutzer*innen seit der Saison 2008/2009 im Rahmen eines Bezahl-Abonnements Zugang erhalten zu den HD-Live-Übertragungen aller Konzerte, die die Philharmoniker in der Berliner Philharmonie spielen. Im Anschluss an die Liveübertragungen können diese Konzerte unbegrenzt im Archiv angesehen und angehört werden. Abgerundet wird das Angebot durch Künstler*innengespräche, Hintergrundberichte, kostenfreie Streamings von Education-Projekten (auch bei den Zuhörenden muss es Nachwuchsförderung geben!) und durch ausgewähltes historisches Material. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Aufzeichnung des Konzerts, das die Berliner Philharmoniker unter Barenboim 1989 zum Mauerfall spontan organisierten. Nach inzwischen sechs Spielzeiten enthält das Archiv mehr als 180 Konzertmitschnitte in HD auf musikalisch höchstem Niveau, ein Archiv, das so weltweit einzigartig ist. Es ist das digitale Vermächtnis der Berliner Philharmoniker.

 

Auch bei der verwendeten Technik ist die DCH einzigartig: Es kommt ein System von 7 Remote-Kameras zum Einsatz, die über ein speichergestütztes System von einem einzigen Kamera-Operator geführt werden. Der wichtigste Grund dafür war, dass auf der Bühne kein Kamerapersonal arbeiten sollte, das die Aufmerksamkeit der Musiker*innen durch ihre Anwesenheit beeinträchtigt oder die Audioqualität durch unabsichtliche Geräusch stört. Gleiches gilt für das Saalpublikum, dessen musikalisches Erlebnis absolut nicht beeinträchtigt werden darf durch unsere Arbeit.

 

Die DCH wendet sich an ein weltweites Publikum im reiferen Alter (im Vergleich zu Fernsehsendern mit der typischen „19 – 49“ Zielgruppe) und hohem kulturellem Bildungsstand. Denn dieses Publikum, das auch bereit ist, für eine einzelne Konzertkarte 100 € und mehr zu investieren, hat ein Bewusstsein für die angebotene Qualität. Und die Bereitschaft und Wertschätzung, für ein Jahresabonnement mit unbegrenztem Zugang zum Archiv 150 € zu bezahlen. Außerdem ist es nicht das typische Publikum, das sich Inhalte kostenfrei und halblegal aus dem Internet „saugt“. Wir haben es also mit Liebhaber*innen klassischer Musik zu tun, außerdem mit Profimusiker*innen weltweit, die sich durch die Arbeit der Dirigent*innen und Musiker*innen auf der Bühne inspirieren und weiterbilden lassen. Und nicht zuletzt – wichtig für die Akzeptanz unserer Arbeit innerhalb des Orchesters – mit den Freund*innen und Familien der Orchestermusiker*innen, denn dieses Orchester vereint mehr als 50 Nationen auf der Bühne und hat seine Wurzeln in der ganzen Welt.

 

Es ist noch anzumerken, dass die DCH im Jahr 2008 die erste Plattform weltweit war (auch vor allen Fernsehsendern!), die regelmäßig hochwertige Inhalte in HD zur Verfügung stellte, lange bevor HD Standard wurde. Und heute diskutieren viele Orchester, die von der DCH angeregt wurden, „The Berlin Model“, das weltweit Maßstäbe gesetzt hat im Sinne der medialen Selbstvermarktung von künstlerischen Inhalten.

 

Live Campaigns: In 10 Schritten zum Event der Zukunft

Live Campaigns: Hannes Putzig erklärt in 10 Schritten den Weg zum Event der Zukunft // Fotos: VOKDAMS

 

 

In der Event-Branche ist ein rapider Veränderungsprozess zu beobachten. Noch vor wenigen Jahren war das Event lediglich eines von vielen Instrumenten der Unternehmenskommunikation. Marketing-Entscheider konnten wählen, ob es mehr Sinn machen würde, ihre kommunikativen Botschaften beispielsweise über einen TV-Spot, einen E-Mail-Versand oder eben ein Event zu kommunizieren. Das Kommunikationsinstrument „Event“ war in dieser Denkweise vergleichsweise teuer, bedingt messbar und nur schwer mit der restlichen Unternehmenskommunikation zu verknüpfen. Events wurden daher wie die restlichen Kommunikationskanäle und -instrumente vor allem anlassbezogen und für eine ganz konkrete Zielgruppe genutzt (unter anderem Jubiläen, Pressekonferenzen, Produktvorstellungen, Messeauftritte).

 

In jüngerer Zeit zeigen einige Unternehmen, wie man Events enorm erfolgreich für eine integrierte Unternehmenskommunikation nutzen kann. Bestes Beispiel dafür sind Marken wie Red Bull. Das Event stellt in diesem Ansatz nicht mehr nur ein losgelöstes Instrument der Unternehmenskommunikation dar, es ist mehr als ein Kanal in einer Kampagne. Das Event ist vielmehr zentraler Bestandteil und Content-Geber der gesamten Unternehmenskommunikation. Die klassische Kommunikationskampagne wird zur Live Campaign.

 

Diese neue Art der Unternehmenskommunikation funktioniert fundamental anders als klassische Kommunikationskampagnen. Während in der klassischen Sichtweise die Marketing- und Kommunikationsabteilung der Unternehmen nur da waren, um eine bestimmte Botschaft und bestehenden Content zu verbreiten, schaffen sich Unternehmen wie Red Bull mit Red Bull Stratos ihre eigenen kommunikativen Botschaften und den dazu passenden Content – losgelöst vom eigentlichen Produkt. Dabei gehen die Bemühungen weit über ein normales Sponsoring oder andere klassische Instrumente hinaus. Red Bull sponsert so gut wie keine Events – Red Bull plant, kreiert und implementiert eigene Events!

 

 

Live Campaigns: In 10 Schritten zum Event der Zukunft

 

Im den folgenden zehn Schritten erfahren Sie, wie der Planungs- und Realisationsprozess einer Live Campaign abläuft und wie Sie selbst eine Kommunikationskampagne mit einem Event als Zentrum konzipieren können, beziehungsweise ihr bestehendes Event zur Live Campaign erweitern können.

 

 

1. Definition der „Message“

 

Der erste Schritt ist die Festlegung der kommunikativen Botschaft: Was soll kommuniziert werden? Was soll beim Rezipienten hängen bleiben? (Red Bull: „Red Bull verleiht Flügel“, BMW: „Freude am Fahren“, NIKE: „Just do it“)

 

 

2. Definition eines „Playgrounds“

 

Als nächstes sollte ein Playground definiert werden. Ein Playground ist ein in sich abgeschlossener Mikrokosmos, eine eigene Welt, in der Personen bestimmte Rollen einnehmen und eigene Regeln befolgen. Ein Playground ist die Plattform für die Live Campaign. Ein paar Beispiele für bisherige Playgrounds der Marke Red Bull: Windsurfen (RB Storm Chase), Fußball (RB Leipzig), Jamming (RB Music Academy), Klassisches Konzert (RB Flying Bach).

 

 

3. Definition der Stakeholder des Playgrounds

 

Die Defintion der Stakeholder des Playgrounds ist nicht unbedingt deckungsgleich mit der Zielgruppe für das Produkt oder die Dienstleistung, die vermarktet werden soll. Alle Personengruppe, die in irgendeiner Weise in Verbindung mit dem Playground stehen, sollten bekannt sein. Jede Person ist dem Playground in einer unterschiedlichen Stärke verbunden. Wer gehört zur „Core Group“, brennt für also für das Thema und ist jeden Tag seines Lebens in den Playground involviert (zumeist sind diese Menschen professionell mit dem Playground verbunden und nutzen ihn als ihre Haupterwerbsquelle)? Wer ist hingegen am Playground nur oberflächlich interessiert und kommt vielleicht nur einmal alle paar Monate mit dem Thema in Berührung?

 

 

Live Campaigns Event Stakeholder

 

 

4. Verständnis des Playgrounds und der Stakeholder

 

Was sind die Interessen der Personengruppen rund um den Playground? Mit welchen Herausforderungen werden sie konfrontiert, welche Regeln gelten? Um ein funktionierendes Event konzipieren zu können, ist die Kenntnis der Motive und Bedürfnisse aller Stakeholder unabdingbar.

 

 

5. Entwicklung der Event-Idee

 

Jetzt erst geht es endlich an die Konzeption des eigentlichen Events. Es sollte eine Geschichte, eine große kreative Idee sein. Als Hauptzielgruppe des Events dient die Core Group des Playgrounds. Sie sollte für einen Moment die einzige Zielgruppe des Event sein. Was würde sie interessieren? Auf was hätte jede Person der Core Group Lust? Anstelle von Kunden sollen in dieser Phase Markenbotschafter geschaffen werden.

 

 

6. Verknüpfung der Event-Idee mit der Message

 

Erst nachdem die Event-Idee für die Core Group steht, folgen nun die Gedanken, wie man die Marke oder das Produkt unmittelbar in die kreative Idee integrieren kann. Wie kann beides Teil der Idee werden? Ist es möglich, beides zu integralen Bestandteilen des Events zu machen?

 

 

7. Entwicklung der Details

 

Zum Abschluss des Eventkonzepts muss die kreative Event-Idee natürlich noch in ein funktionierendes Konzept überführt werden. Die Operationalisierung der Idee hilft auch zur Überprüfung der Realisierbarkeit der Idee.

 

 

8. Identifikation der relevanten Inhalte

 

Es ist nicht notwendig, dass alle Rezipienten die gleichen Hauptinteressen teilen, da sie bereits durch den gemeinsamen Playground verbunden sind. Es müssen nun die Inhalte definiert werden, die für jede Gruppe der Stakeholder (von Core Group bis zu den oberflächlich Interessierten) relevant sind.

 

 

9. Identifikation des passenden Umfelds

 

Nachdem die relevanten Inhalte bestimmt wurden, müssen diese nun in den passenden Kontext gebracht werden. Welcher Kanal ist der passendste für die Stakeholder-Gruppen, gibt es spezielle Kanäle für die verschiedenen Schichten der Stakeholder?

 

 

10. Erweiterung des Events

 

Die Veranstaltung ist nun das Epizentrum der Kampagne, aus dem alles weitere entsteht. Nun kann versucht werden, Kommunikationsmaßnahmen um sie herum zu generieren. Es kann sogar an eine begleitende Above-the-Line-Kampagne für das Live-Erlebnis gedacht werden.

 

 

Interesse geweckt? Um mehr über das Thema zu erfahren, können Sie sich unser Whitepaper zum Thema Live Campaigns inklusive Praxisbeispiel herunterladen. Gerne stehe ich Ihnen auch als Speaker für Ihre Veranstaltung zur Verfügung oder übernehme die Leitung eines Workshops, um Ihnen die Potentiale einer eigenen Live Campaign aufzuzeigen.

 

 

Hannes Putzig VOKDAMSHannes Putzig ist als Consultant Strategy & Concept bei VOK DAMS beschäftigt. Nach dem Studium an der BiTS Iserlohn und einem Zwischenstopp im Erlebnismarketing der Volkswagen AG in Wolfsburg, entschied er sich dazu seine Leidenschaft auf Agenturseite weiter zu verfolgen: Die Etablierung von Events als Bestandteil der strategischen Unternehmenskommunikation.

 

 

Social Media at Events: 5 Questions for Liz King

Social Media at Events: Who else to interview than NYC based Liz King, one of the ‚Top 25 Most Influential Event Planners in 2013‘?

 

 

1. Liz, why is social media at events important and how does it help event organizers with their goals?

 

I would say that social media is important for two reasons. First of all, as event organizers, we often need to fill the events that we plan. Social media is a very powerful and important marketing tool that event organizers can leverage to fill their events faster and with higher quality people. In addition, social media can be used to fill the event with great speakers and sponsors. The ​p​ower of social media is that it connects us with experts that we may not otherwise be able to connect with. Social media is ​also ​very important because event organizers, especially independent planners, need to have a personal brand. Our clients are making their buying decisions based on more than price – they want to know that ​t​he event organizers they are hiring are qualified and well respected. Event organizers can leverage social media to share their thought leadership and establish themselves as an expert in the industry. As they make connections with their target market, they will also raise the comfort level between that target market and themselves.

 

 

2. What was the most challenging event that you worked on?

 

I would have to say that the most challenging and meaningful event that we worked on so far has been ​techsytalk LIVE. We have done some really amazing events for clients, but this event is one that we host ourselves, which adds more meaning and challenge. When you create and design an event from scratch, you find a deeper ability to align the goals of the event with the brand. Since you know your own branch so intimately, you are better able to understand what goals you would like to achieve. In addition, it is more challenging because the pressure is certainly on. When we first dreamed up this event, I think we all felt a lot of pressure to make it really amazing – we were bringing together our contacts for sponsors, speakers, attendees and more. We were testing out a new format in front of all of these connections of ours and we were definitely on the spot. Because of this, I am most proud of this event. We can claim ownership of every success and we also know that we own every mistake. It gives us something to strive for in the future.

 

 

3. What does it take to realise a great event job with effective social media use?

 

I could write a book in response to this question, but I will say that I think there are a few important components. First of all, make sure that your social media fits your audience. Regardless of what social media platform you want to use, you must know that your audience will embrace it. Secondly, it’s all about communication – you must make sure that your attendees know what you ​are doing and why. Then, you must get them involved in every step of the way. Educate them, encourage their participation and reward them. Finally, make sure that you evaluate the success of your plans based on the goals you originally set out. Social media is a very powerful tool, but it can also be very superfluous. Make sure you set goals and hold yourself accountable to meeting those goals. And, bringing your attendees into the experience from the very beginning will help them experience the win.

 

 

4. Where do you get inspired regarding social media & innovative event formats?

 

Inspiration is everywhere. I get a lot of ideas from attending events and figuring out what I didn’t like. Sometimes, having a bad experience as an attendee allows me to create a better experience as an event organizer for the attendees of my events. Often times, inspiration comes from my colleagues and industry publications. Sometimes, we can find the se​ed​ of a good idea and put our own spin on it to make it successful.

 

 

5. What was your biggest mistake and what did you learn from it?

 

This is a really great question, though admittedly hard to answer. I think one of the biggest mistakes that I have made is finding the balance between great partnerships. I love collaboration and the idea of working with other people. In some ways though, this ​ha​s backfired on me because either the partnership is not actually effective or perhaps the idea is not great in the end. Sometimes, I get caught up in the idea of working with someone and I don’t take enough time to evaluate ​t​he feasibility of the idea itself. And, on​c​e collaborating with people in the industry, success is very important. Partnerships are very hard if you can’t achieve the success you are all looking for and I never want to leave industry relationships that way. So, one of my greatest challenges in growing the business has been finding the right people to partner with, on the right projects, at the right time.

 

 

Social Media at Events Techsytalk Liz King

 

 

Liz King is an event planning superhero by day, and closeted tech geek and introvert by night. Distraught by the thought of everyday civilians being conquered by spreadsheets, she resolved to re-channel her organizational and tech savvy superpowers and launched Liz King Events while still running events full time for Columbia University. Liz voraciously shared content on event best practices via social media and quickly became a thought leader/influencer amongst her peers. Her hopes of being an incognito event superhero went down the drain as her cover was blown once she started making cameos on lits like ‚Successful Meetings list of 25 Most Influential People in the Meetings Industry“ and ‚Connect Magazine’s list of 40 Under 40 Up-and-Coming Event Planners in 2011″. Liz now comfortably wears her cape and employs her superpowers to helps entrepreneurs/brands like Claudia Chan and Ramit Sethi plan smart, tech-savvy events to better engage their attendees.

 

Outside of client events, Liz uses her prowess to educate and challenge her industry peers on how to better integrate technology into live events to create a more winsome audience experience, through auxiliary outlets techsytalk.com and PlannerTech [Founder]. When not saving gotham from the event planning woes, Liz can be found unwinding by learning how to code, brushing up on her Korean, or indulging in Korean cuisine … all in civilian geek attire, of course.  

 

 

Want to know more about Chris Cuhls and this blog? Please find more information about the German here.

 

Veranstaltungstechnik: 5 Fragen an Manja Kokott

Veranstaltungstechnik – wertvolles Mittel um Besonderes in Szene zu setzen… // Foto: André Wirsig 

 

 

Manja kenne ich seit vielen Jahren und habe die Begegnungen mit ihr immer sehr genossen. Sie ist verheiratet mit dem Lichtdesigner Werner Kokott und hat langjährige Expertise im Bereich Projektmanagement und Veranstaltungstechnik. Grund genug sie für meine Sommer-Serie zu diesem Thema zu interviewen:

 

 

Warum ist der Einsatz von Veranstaltungstechnik bei Events bedeutsam?

 

In einer Veranstaltung steckt immer das Herzblut des Kunden. Er verfolgt ein bestimmtes Ziel damit, macht sich lange Gedanken, investiert meist viel Zeit und Geld, um die Ideen, die er entwickelt hat, zu verwirklichen. In diesem Entwicklungszeitraum kommen wir ins Spiel. Unser Kunde erhofft sich, dass wir uns in seine Vorstellungen hineindenken, seine Gedanken verstehen, ihn dem entsprechend beraten und ihn dann, mit unserem Knowhow, dabei unterstützen sein Ziel zu verwirklichen.

 

Meist ist es so, das unser Gegenüber sich voll und ganz auf uns verlassen muss, weil er nicht die geringste Ahnung von der Technik hat, mit der wir täglich umgehen, und deshalb ist es so wichtig, dass wir genau zuhören und verinnerlichen wohin die Reise gehen soll. Wenn uns das gelingt können wir mit technischen Einbauten wunderschöne Akzente setzen, Sinne verzaubern, aber auch Informationen gezielt an ein Publikum vermitteln. Wir können aus einfachen Räumen Szenenwelten entstehen lassen und Emotionen hervorrufen, oder einfach nur unterstreichen, was unser Kunde seinen Gästen sagen will.

 

 

Was war der bedeutsamste Event den Du bisher technisch betreut hast?

 

Der für mich bedeutsamste Event, den ich bisher betreut habe war das Goldene Bild der Frau. Eine Veranstaltung, die von der „Bild der Frau“ ins Leben gerufen wurde, um Frauen zu ehren, die unglaubliches in karitativen Bereichen leisten und die nicht im Rampenlicht stehen. Frauen, die Ihr ganzes Leben einer Sache gewidmet haben und die das erst Mal gesehen werden für das, was sie täglich tun. Darunter war eine Frau, die in Hamburg ein Kinderhospiz eröffnet hat, dass es den Eltern möglich macht, ihre schwerstkranken Kinder bis zum Tod begleiten, ohne zu Hause Angst zu haben ihnen nicht gerecht zu werden. Sie sammelt Spenden und sucht Unterstützer, um die Eltern nicht auch noch finanziell belasten zu müssen. Für jedes Kind das dort verstirbt brennt immer eine Kerze im Garten des Hospizes.

 

Eine andere Frau hatte, selber blind, eine Blindenschule in Tibet eröffnet, weil sie erfahren hat, das blinde Kinder dort häufig weggesperrt werden und keine Zukunft haben, weil die Eltern nicht wissen, was sie mit ihnen anstellen sollen. Die Nächste hat einen Verein gegründet, der Menschen in Uganda unterstützt. Dort werden Workshops gegeben, die den Teilnehmern beibringen sich richtig zu ernähren und Aidsvorsorge zu betreiben und als Anreiz erhält jede Familie eine trächtige Ziege. Die Familien können sich so die Tiere züchten, sich von der Milch ernähren, Erzeugnisse daraus verkaufen oder auch wieder Tiere verkaufen. So verringert sich nach und nach das Elend in dieser Region, denn die Menschen können sich eine kleine Existenz aufbauen.

 

Diese Veranstaltung war für mich eine Herzensangelegenheit, weil endlich einmal Menschen wichtig waren, die wirklich bedeutsames leisen wovon man sonst kaum etwas erfährt. Wir konnten sie in einen entsprechenden Rahmen setzen und so einen kleinen Teil dazu betragen. Hier ein Eindruck des Kinderhospiz Sternenbrücke (Quelle: youtube):

 

 

 

Worauf bist Du angewiesen, um einen guten Job zu realisieren?

 

Für mich ist ganz klar eine gute, fähige Crew, die gemeinsam, gut gelaunt an der Umsetzung des Jobs arbeitet das Wichtigste. Natürlich sind gutes Veranstaltungstechnik-Material, eine intensive Vorarbeit und genaue Informationen auch wichtig, aber ohne ein gutes Team hilft das alles wenig.

 

 

Wo lässt Du Dich für innovative Veranstaltungstechnik-Ideen inspirieren?

 

Ich sehe mir gerne die Arbeit meiner Kollegen an, entweder im TV oder noch viel lieber Live, um mich inspirieren zu lassen. Auch Gespräche mit meinen Kollegen, bei denen man Ideen für Umsetzungen entwickelt sind eine tolle Grundlage für neue Ideen.

 

 

Was war Dein größter Fehler bisher und was hast Du daraus gelernt?

 

Mein größter Fehler ist noch gar nicht so lange her und hat mir beinahe „das Genick gebrochen“. Ich hatte eine Idee für die Umsetzung einer Medienanwendung, habe mir diese auch als so umsetzbar verifizieren lassen, von Leuten die davon mehr verstehen als ich. Dann kam ein Kollege und hat mir das wieder ausgeredet, weil er eine andere Lösung parat hatte, die seiner Meinung nach in der Umsetzung kostengünstiger war. Ich habe auf ihn gehört. Leider stellte sich diese andere Lösung auf der Baustelle als nicht umsetzbar heraus und er hat mich und meine Kollegen viel Zeit und Nerven gekostet das festzustellen. Am Ende habe ich es dann doch so gemacht, wie es Anfangs geplant war und es ging problemlos…

 

Ich werde wohl zukünftig auf meinen ersten Instinkt hören und auf das, was mir fähige Kollegen als gangbar freigeben und nicht auf Gedeih und Verderb versuchen Geld bei der Veranstaltungstechnik zu sparen. Denn am Ende hat der Spaß jetzt einiges mehr gekostet… und auch graue Haare.

 

 

 

Manja Kokott Veranstaltungstechnik LK AGManja Kokott ist als Projektleiterin bei der LK AG in Essen vorranging für die technische Umsetzung von Industrieevents, Messen und Galas zuständig. Ihr Aufgabengebiet reicht von der Kundenberatung im Vorfeld, über die Organisation, bis hin zur Umsetzung des technischen Parts der Veranstaltungen, nicht selten auch der Dekoration.

Die LK AG ist ein integrierter Kommunikationsdienstleister, der im Bereich der Live- und Markenkommunikation ein umfassendes Angebot innovativer Dienstleistungen und Technologien aus einer Hand bietet. Von der kreativen Konzeption über die Projektierung bis hin zur Umsetzung machen Spezialisten unterschiedlichster Fachrichtungen Produkte und Dienstleistungen emotional erlebbar.

 

Event-Konzeption: 5 Fragen an Jens Heinrich

Event-Konzeption: Speaking Cars beim Autosalon Genf // Quelle: Concept Pilots

 

 

1) Warum ist die Konzeption von Events bedeutsam? Was ist Dein Anspruch an gute Event-Konzeption?

 

Ein Event ohne Konzeption ist nur eine Ansammlung von Maßnahmen. Zum „Konzept“ wird dann ein Motto erklärt wie „Together to the top“, die Teilnehmer haben auf der Party auch Mordsspaß, aber keiner empfindet zwei Wochen später etwas als anders oder hat eine Botschaft verstanden. Ich unterstelle, dass es in diesen Fällen keine klare Meinung oder kein echtes Interesse des Auftraggebers hinsichtlich Marke, Produkt, Botschaft und Teilnehmern gibt. Oder eine Konzeption wird Zeitdruck, mangelndem Budget, schlechter Kundenkommunikation – oder schlicht der Bequemlichkeit geopfert.

 

Konzeptideen sind idealerweise immer einfach. Sie könnten z.B. „Connect!“ heißen, oder „Individualität“. Die Arbeit der Konzeption und des Kunden ist dann, das zu beleben und auf allen Ebenen durchzudeklinieren: Wie erlebe ich das in Motto, Bühnenbild, Licht, Musik, Geschichte, Essen, Party? Und was bietet auch der Auftraggeber selbst an, um die Idee mit Leben zu füllen? Was fällt den Teilnehmern zwei Jahre später noch dazu ein?

 

Es wird meist vom roten Faden gesprochen. Ich meine, es geht vor allem um intelligente Wege einer Dramaturgie; um das Gespür, den Einzelnen mit seinen Wünschen, Vorbehalten, Gefühlen, Fragen und Skepsis abzuholen; es geht um das Brechen von Konventionen – im Film spricht man gerne von „Twists“ – darum, die Erwartungen zu brechen, das Erleben zu verstärken. Damit beginnt für mich das anspruchsvolle Konzept, die Live-Kommunikation.

 

Oft münden Konzeptionen in eine Buzzword-Kaskade: Key-Visual, Setdesign, Guestspeaker, Keynotes, Storytelling, Votings, Reveals, Commitments, Showacts, Flying Buffets, Social-Media-Anbindung, Event-Apps, Follow-up, ganz viel „außergewöhnliche…“ – am Ende sind es dann Vertical Pole Artists in fahrdynamischen Reveals auf Drehscheiben unter 3D-gemappten Watchout-Ventuz-360°-Panoramen mit Twitterwall – einfach weil das alles geht, weil der CEO so etwas schon mal woanders gesehen hat oder weil es im Pitch knallen muss. Das wird auch wirken, aber oft ist es das „Höher, schneller, weiter“, sind es nur immer weiter gesteigerte Technologien. Toll finde ich es dann, wenn dadurch eine echte zugrunde liegende Idee „dramatisiert“, also dramaturgisch verstärkt wird. Eventuell ist das aber ein gar nicht so technischer Effekt.

 

Manchmal, in bestimmten Momenten, spüren dann alle Beteiligten: Wow, DAS wird ein Konzept! Das Konzept macht aus den alten Einzelnummern einer Manege die Story eines Cirque du soleil. Das gelingt nicht immer und oft nur in einer idealen Konstellation von Verantwortlichen und Partnern. Aber dann macht es Events bedeutsam.

 

 

2) Was war das herausforderndste bzw. bedeutsamste Event, welches Du als Konzeptioner realisiert hast?

 

Auch wenn es 14 Jahre her ist – der damalige Volkswagen-Auftritt auf dem Automobilsalon Genf (Agentur: Vok Dams) bleibt meine persönliche „Benchmark“. Obwohl man in Genf nur wenig Möglichkeiten hat, sollten wir eine sehr emotionale Inszenierung aller Produkte entwickeln – ohne große Bauten und Platzbedarf, ohne laute Aktionen, ohne Tänzer und Akteure. Ergebnis waren die „Speaking cars“: Außerhalb der Messehalle waren Schauspieler in Studiocontainern platziert und sprachen in der Rolle des Fahrzeugs die völlig verblüfften Besucher über die Soundanlage in den äußerlich unveränderten Autos an. Über versteckt angebrachte Mikrofone und Kameras verfolgten sie die Reaktion der Besucher, spielten individuelle Lieblingsmusiken und Geräuschwelten ein und traten mit den Besuchern in den Dialog über ihre Features und Vorteile. Überall stiegen lachend Leute aus und wieder ein, alle waren happy und begeistert. Das war so einfach, so wirkungsvoll, so erinnerbar – das ist für mich bis heute mein Beispiel für ideale Live-Kommunikation aus dem Herzen einer Marke heraus.

 

 

3) Worauf bist Du angewiesen, um einen guten Job als Konzeptioner zu realisieren?

 

Ich wünsche mir immer eine möglichst ideale Konstellation von Menschen. So entsteht bei mir am schnellsten der Mut, Dinge zu riskieren und 100 Prozent zu wollen. Wenn alle am Tisch Idee und Botschaft gleich verstehen und jeder sich bemüht, interdisziplinär zu denken, dann ist sogar ein schwaches Briefing zweitrangig.

 

 

4) Wo lässt Du Dich in Sachen innovativer Konzepte und Formate inspirieren?

 

Gerne in Berichten über Projekte aus anderen oder verwandten Disziplinen (Theater, Film, Making of‘s, Grafik und Design). Und – Achtung: Klischee – komischerweise habe ich wirklich oft unter der Dusche sehr klare Momente, in denen sich einfache und klare Ideen entfalten. Häufig ist es bei mir auch erste spontane und intuitive Idee auf der Rückfahrt vom Briefing, die sich nachher als richtig erweist.

 

 

5) Was war Dein bisher größter Fehler und was hast Du daraus gelernt?

 

Ich neige dazu, mir jeden Schuh erst mal selbst anzuziehen. Man tappt unter dem Leitbild von „Engagement und Verantwortung“ in Fallen, die Stress, schlechte Gefühle, Mehrarbeit verursachen. Ich bin ein guter Teamplayer, aber damit frustriert man Kollegen, weil sie nicht wissen, wo und wie sie entlasten sollen, und andere nutzen es aus, indem sie selbst weniger leisten.

 

Am Anfang meiner Selbständigkeit hat mich ein Kunde zusammengeschrien, weil die Generalprobe zum Chaos geriet. Als Konzeptioner hatte ich damit nichts zu tun, war aber komplett geknickt.

 

Auf einer Messe vor vielen Jahren lag ich schwer grippekrank im Hotelbett, meinte aber trotzdem alles weitersteuern zu müssen. Nach erfolgreichem Projekt erklärte mir der Kunde, dass das der einzige Augenblick war, bei dem er mich nicht als professionell empfand.

 

Es ist gut, die Grenzen der eigenen Rolle zu kennen, sich ergänzen lassen zu können und sich nicht für alles persönlich aufzuopfern. Ich arbeite daran…

 

 

Event-Konzeption Jens Heinrich Concept PilotsJens Heinrich (*1970) bezeichnet sich selbst als „interdisziplinär geprägter Kreativberater mit einer Ahnung von Vielem und Interesse an allem“. Fotografenausbildung, freier Theaterarbeit und Medientechnik-Studium folgten kreative, organisierende und produzierende Positionen bei Agenturen und als Freelancer – mit dem Anspruch, immer wieder Schwerpunkte zu verlagern. Aktuell arbeitet er unter dem eigenen Label concept pilots.

 

 

Heide Sahl: 10 Zutaten für gutes Event Projektmanagement

10 Zutaten für gutes Event Projektmanagement // Foto: ©iStock.com/mythja

 

 

Bozen, Italien. Letzter Abend eines sehr exklusiven und rundum gelungenen Incentives. Die Gäste höchstzufrieden. Einer fragt mich: „Was machen Sie eigentlich beruflich? Also ich meine im richtigen Leben?“ – Die Eventbranche hat ganz offensichtlich ein Imageproblem. Anders herum gesehen hat das Projektmanagement im Vorfeld und vor Ort offensichtlich so gut funktioniert, dass es für die Gäste leicht & luftig daherkam und kein bisschen nach „Arbeit“ aussah. So soll es sein. Dass jedoch sehr viel mehr dahintersteckt, sieht man spätestens dann, wenn ein Projekt so richtig in die Hose geht. Ein gewisses Know-how und etwas Talent sollte man dann doch mitbringen.

 

Aber was bedeutet Projektmanagement eigentlich? Wikipedia sagt: „Als Projektmanagement bezeichnet man das Initiieren, Planen, Steuern und das Kontrollieren und Abschließen von Projekten.“ Aha. Das klingt sehr theoretisch und komplex, – Letzteres ist es auch. Was aber macht gutes Event Projektmanagement aus? Wie kann man sicherstellen, dass Projekte geplant, gesteuert, kontrolliert und – möglichst auch – erfolgreich abgeschlossen werden können? Man kann gutes Event Projektmanagement ganz sicher in der Theorie beschreiben. In der Praxis weiß man häufig erst im Nachhinein, was gut war und was nicht. Eine ultimative Checkliste der zu beachtenden Punkte scheint es nur bedingt zu geben, denn Vieles ist Auslegungs- oder Geschmacksache, jedes Projekt ist anders, jeder Kunde hat eigene Vorstellungen oder Ansprüche und was in Fall 1 geklappt hat, muss in Fall 2 keineswegs noch einmal funktionieren.

 

Ein ausgeklügelter Projektplan macht ganz sicher Sinn. Er bildet die Basis, gibt Sicherheit, und das Abhaken von To Dos kann mitunter enorme Glücksgefühle erzeugen. Aber wie komme ich zum perfekten Projektplan und was hilft mir, wenn Unvorhergesehenes meinen Masterplan über den Haufen wirft? Gibt es ein Basisrezept hierfür? Um ein Projekt von A bis Z erfolgreich umzusetzen und dabei obendrein noch Spaß zu haben, muss man zunächst einmal verschiedene Hard und Soft Skills ins einen Topf werfen. Welche Zutaten braucht es?

 

 

 

#1 Struktur

 

Zu Beginn eines Projektes steht das Konzept, die Idee. Diese Idee ist idealerweise durchs komplette Projekt durchdekliniert und folgt dem berühmten roten Faden. Wie kommt das Projektmanagement nun ins Spiel? Es bringt ganz einfach dieser Idee das Laufen bei. Ein Projektplan sorgt dafür, die Aufgaben aller Bereiche und aller Gewerke im vorgegebenen Zeitrahmen und mit den entsprechenden Zuständigkeiten unter Kontrolle zu halten. Toptipp am Rande: Liebt Excellisten lieber freiwillig, dann können sie Euch sehr die Arbeit erleichtern! Es gibt hochkomplexe Projekte, da arbeitet man mit Projektplänen, mit Personaleinsatzplänen, Materiallisten, Produktionslisten, Transferplänen und Ablaufplänen, mit offenen-Punkte-Listen, Hotellisten, Restaurantlisten, Teilnehmermanagementdatenbanken, Terminübersichten… usw. usf. Bei anderen reicht ein einziger Masterplan. Entscheidend ist, dass essentielle Infos verbindlich und verständlich für alle Beteiligten aufbereitet und zugänglich sind. Regelmäßige Meetings helfen, – beim Verstehen, beim Behalten, beim Korrigieren, wenn mal etwas aus dem Ruder läuft. Dass diese Meetings gut vorbereitet sein müssen, versteht sich von selbst. Sie sind zudem ein gutes Stimmungsbarometer für die Projektleitung. Und das führt gleich zum nächsten Punkt.

 

 

#2 Offene Augen & Ohren

 

Eine äußerst wertvolle Gabe ist das Zuhören– und Sich-in-andere-hineinversetzen-können. Im Projektteam, aber auch mit Kunden und Dienstleistern. Die Umsetzung eines Projekts kann den Auftraggeber nur dann zufrieden stellen, wenn seine Wünsche und Bedürfnisse Beachtung finden. Somit ist der noch so reibungslose Ablauf eines fulminanten Galaabends nichts wert, wenn ein in der Krise steckendes Unternehmen eigentlich ein bescheidenes Mitarbeiter-Sommerfest gebraucht hätte. Aufmerksamkeit innerhalb des Projektteams ist eine Form des gegenseitigen Respekts und macht ein im besten Sinne funktionierendes Teamwork erst möglich. Je konsequenter alle an einem Strang ziehen, desto besser ist schlussendlich auch das Ergebnis. Offene Augen & Ohren sollte man auch immer gegenüber Kritik haben. (Konstruktive) Kritik ist ein Motor, der einem hilft, Dinge zu verbessern. Wer nur gelobt wird, kommt gar nicht erst auf die Idee, zur Optimierung an den kleinen (oder großen) Projektstellschräubchen zu drehen.

 

 

#3 Respekt

 

Wie im Leben allgemein ist Respekt immer ein guter Ratgeber. Respekt vor Kunden, Kollegen, Dienstleistern, Respekt vor dem Projekt und natürlich auch sich selbst gegenüber. Damit man als Team gut funktioniert, damit man Dinge nicht unterschätzt und damit das Projekt niemanden „auffrisst“. Teamwork heißt, dass man Dinge im Team schafft und dass dabei niemand unter die Räder kommt. Zuständigkeiten müssen klar verteilt sein, aber eine „Not-my-Job“-Einstellung kann im Zweifelsfall ein Projektkiller sein. Gegenseitiger Respekt verhindert, dass das „Teamwork“ nicht nur an den Gutmütigen hängen bleibt.

 

 

#4 Keep it simple

 

Die Erfahrung zeigt: Die Dinge müssen einfach sein, vereinfacht werden, – oder zumindest einfach wirken. Der rote Faden ist aus dem einzigen Grunde rot, damit ihn jeder sofort erkennt. Ziel ist immer, aus einer komplexen Aufgabenstellung eine einfache Lösung zu entwickeln. Und um die Ecke denkt man dabei nur im Hintergrund.

 

 

#5 Flexibilität

 

Jedes Projekt hat eigene Inhalte, Ziele, Zielgruppen, Timings, Tonalitäten. Jeder Kunde hat andere Vorstellungen. Es prallen Ideen, Geschmäcker, Ansprüche, Stärken und Schwächen von unterschiedlich vielen Beteiligten aufeinander, die es zu koordinieren gilt. Entweder man ist Diktator (nicht empfehlenswert) oder man ist flexibel. Wenn sich die Rahmenbedingungen in Projekten ändern, hilft es ungemein, mit dem klaren Ziel im Blick den einen oder anderen notwendigen Haken auf dem Weg schlagen zu können. Außerdem kommt es allzu häufig vor, dass ein von langer Hand geplantes und vorbereitetes Projekt im letzten Moment umgeworfen wird, da bewähren sich Flexibilität, eine Hands-on-Mentalität und eine funktionierende Teamarbeit umso mehr.

 

 

#6 In der Ruhe liegt die Kraft

 

Während der eine hibbelig, hektisch und quirlig an Dinge rangeht, ist die andere kaum aus der Ruhe zu bringen. Es ist ganz sicher eine Typenfrage. Klare Gedanken lassen sich jedoch leichter fassen, wenn man nicht die Nerven verliert, sondern fokussiert, prüft, abwägt und dann handelt. Intern wie extern vermittelt dieser Punkt Sicherheit und Kompetenz.

 

 

#7 Keine Angst vorm Scheitern

 

Wer Angst vor falschen oder unbeliebten Entscheidungen oder gar vorm Scheitern hat, blockiert und aktiviert sehr oft nur das Self-fulfilling prophecy-Prinzip. Wer die richtige Entscheidung aus Vorsicht zu lange aufschiebt, verwandelt sie mitunter in eine falsche. Insofern Ruhe bewahren, das Glück ist bekanntlich mit den Mutigen oder – wie man im Rheinland weiß: Et hätt’ noch immer joot jejange!

 

 

#8 Herzblut

 

Herzblut ist mein Favorit. Was man mit Herzblut macht, macht man einfach besser. Wer mit Spaß und dem festen Willen an ein Projekt geht, das Beste daraus zu machen, wird in der Regel dafür belohnt. Vor allem wird man mehr Spaß dabei haben. Das alleine ist unbezahlbar. Wer mit Herzblut bei der Sache ist, wird sich auch nicht so leicht von Rückschlägen entmutigen lassen. Leidenschaft im Projektmanagement bedeutet nämlich auch gerne mal Leidensfähigkeit 😉 Schließlich heißt Herzblut auch, nicht immer nur den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Viele Umwege lohnen sich. Wichtig ist, dass man spätestens kurz vor dem Verzetteln den Fuß vom Gas nimmt. Die richtige Dosierung kommt mit der Erfahrung.

 

 

#9 Liebe zum Detail

 

Eng mit Herzblut verbunden ist die Liebe zum Detail. Sie ist das i-Tüpfelchen, das gewisse Etwas, das überrascht und oft den entscheidenden Ausschlag gibt. Selbst wenn eine Tagung bspw. bis ins kleinste Detail perfekt gelaufen ist, wird einem Referenten vor allem in Erinnerung bleiben, dass er auf dem Weg ins Hotel im entscheidenden Moment quasi aus dem Nichts einen Regenschirm in die Hand gedrückt bekommen hat. Wenn so gut wie alles vorbereitet ist, ist die entscheidende Frage im Vorfeld: Was könnte ein Teilnehmer eines Events oder Incentives am meisten vermissen (unter Umständen sogar ohne es zu wissen)? Heutzutage sind es weniger die Kaviarhäppchen, sondern die „Money can’t buy“-Erlebnisse, der besondere Blick hinter die Kulissen, das Zusammentreffen mit einem „Insider“, das Ganz-nah-dran-sein, die persönliche Betreuung, das positive Überrascht-werden, die außergewöhnliche Atmosphäre. Kurzum: Immer das große Ganze im Visier haben, aber auf dem Weg dorthin das Auge für das eine oder andere Überraschungsmoment behalten, um nachhaltig zu beeindrucken.

 

 

#10 Last, but not least: Humor

 

Humor öffnet die Herzen, Humor nimmt Angst, Humor verbindet, Humor versöhnt, Humor baut Stress ab, Humor macht Erlebnisse denkwürdig, Humor relativiert… Humor trifft leider manchmal auch den falschen Nerv. Trotz allem: Wenn nichts mehr hilft, dann hilft Humor.

 

 

 

Event Projektmanagement: Übung, Erfahrung, „künstlerische Freiheit“

 

So weit, so gut: Ein Rezept mit 10 Zutaten. Aber wie sieht es mit den Mengenangaben aus? Die muss jeder Projektkoch und jede Projektköchin bei jedem einzelnen Projekt neu abwiegen und -wägen. Übung, Erfahrung und „künstlerische Freiheit“ sind gefragt. Zum Glück aber sind Projekte so vielfältig wie das kulinarische Universum: von Hausmannskost, über Großkantinen-Essen bis hin zur Haute Cuisine ist für jeden etwas dabei. So manches Projekt gelingt am Ende „aus der Lamäng“. Die Prise Humor sollte jedoch nie fehlen. In diesem Sinne: Gutes Gelingen!

 

 

 

Heide Sahl Event ProjektmanagementDIE AUTORIN: Heide Sahl bietet seit 14 Jahren Marketing- und Sponsoringberatung an und begleitet Kunden vom Konzept über das Event Projektmanagement bis hin zur Umsetzung und Aktivierung.

Ob Corporate Event, Tagungen, Messeauftritte, Teambuildings, Presseveranstaltungen, Galas, Fortbildungen, Incentives oder Sportsponsoring-Aktivierung: Das Ziel ist immer, Kunden individuell zu beraten und zu betreuen und ein „Das-war-der-Clou-Gefühl“ zu hinterlassen. Erreichbar ist sie hier: clou communication, Xing oder LinkedIn.

 

 

 

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Berufung Event: Sinn bei der Arbeit in der Live-Kommunikation

Beruf oder Berufung in der Live-Kommunikation? // Berufung Event Foto: ©iStock.com/cmfotoworks

 

 

Kürzlich stieß ich auf Amy Wrzesniewski, Dozentin für Verhalten und Organisation an der Yale Universität. In ihren Studien hat sie herausgefunden, dass es drei grundsätzliche Einstellungen zur Arbeit gibt: Menschen sehen ihre Arbeit entweder als Job, als Karriereleiter oder Berufung. Der Unterschied ist dabei von entschiedener Bedeutung:

 

1. Wenn Arbeit nur ein Job ist, den man macht, um seine Rechnungen zu bezahlen, lebt man fast ausschließlich für die Wochenenden und seine Hobbys.

 

2. Wem Arbeit in erster Linie Karriere bedeutet, der will befördert werden, weiterkommen und macht Überstunden, um einen eindrucksvolleren Titel, ein größeres Büro oder ein höheres Gehalt zu erlangen. Mit anderen Worten: Er hakt eher Errungenschaften ab als nach einem tieferen Sinn zu streben.

 

3. Wer im Gegensatz dazu seiner Berufung folgt, sieht seine Arbeit als einen Wert an sich, nicht nur als Mittel zum Zweck. Sein Beruf erfüllt ihn auch persönlich. Wenn die Arbeit einem etwas bedeutet, liegt das oft daran, dass man damit einen Beitrag zu einem größeren Ganzen leistet und sich als Teil einer Gemeinschaft fühlt.

 

Grund genug einige Kollegen nach ihrer Motivation für die Arbeit in der Eventszene zu befragen!

 

 

Helge Thomas // Creative Director bei Pro Event, Heidelberg:

 

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es der Welt besser gehen würde, wenn Menschen wieder öfter mit Menschen sprechen. Ich meine so richtig mit Anfassen und Berührung. Mit Zuhören und Respekt. Und vor allem mit gegenseitiger WERTschätzung im wahrsten Wortsinn.

 

Mein Job ist es, das zu ermöglichen. Indem ich mir Geschichten ausdenke. Geschichten, warum sie sich treffen sollten, wo sie sich treffen können und Geschichten, die sie zum Austausch und zum Weiterdenken inspirieren.

 

Die Begegnungen und Erlebnisse, die daraus entstehen, sind in ihrer langfristigen Wirkung gleichsam mächtig und unmöglich zu bewerten (wie beispielsweise die Geschichte von Winston Churchill, der als Kind in den Gartenteich gefallen ist und fast ertrunken wäre…). Die Geschichte hat eine ganz wichtige Erkenntnis: Noch Jahre später passieren Dinge, weil es einen ganz besonderen Moment gab, in dem alles seinen Anfang genommen hat. Und genau das ist der tieferliegende Sinn meines Tuns: Diesen besonderen Momenten ein wenig auf die Sprünge zu helfen.

 

Arbeiten würde ich das nicht nennen. Das trifft es nicht. Ich habe einfach ein kreatives Talent. Und ich bin unglaublich neugierig. Wie ein Autor oder Komponist läuft in meinem Kopf ein 24 Stunden Geschichtenkanal in immer neuen Variationen. Wenn ich dann Stories für unsere Kunden designe, gehe ich in meinen Geschichtenspeicher, hol mir ein paar Schätze heraus und setze sie neu zusammen. Fertig.

 

Klar werde ich dafür bezahlt. Auch mein Leben und das meiner Familie verursacht dummerweise Kosten. Wenn die aber gedeckt sind und ein wenig übrig bleibt, ist alles gut. Luxus ist nicht meins. Geld an sich hat für mich keinen Wert. Der wertvollste „Ertrag“ meines Handelns für mich sind diese magischen Momente. Wenn du merkst, dass die Welt gerade wieder ein Stückchen besser geworden ist und du deinen Vers dazu beigetragen hast.

 

 

Christian Kohlmann // Regisseur aus München:

 

Vor ein paar Jahren besuchte ich ein Seminar mit dem Titel: Beruf – Berufung – Lebenserfüllung.
Um es kurz zu machen:
Natürlich sehe ich meinen Beruf als Berufung. Letztendlich als Lebenserfüllung.
Mich erfüllt meine Arbeit mit Leben.
Nicht nur weil ich im kreativen Bereich arbeite, sondern auch weil ich mit Menschen arbeite, mit Menschen unterschiedlichster Neigung, Talent und Profession.
Und für ein Publikum arbeite, das sich erfreut, das sich überraschen lasst, das lacht und staunt.
Ist das nicht wunderbar?

 

Ob ich das als Teil eines großen Ganzen sehe? Das wäre mir zu spirituell.
Das Gefühl einen Beitrag zu leisten, der größer ist als ich, ja, das stimmt.
Das ist aber auch eines der Phänomene des Live-Marketings.
Da entsteht im Augen-Blick der Inszenierung oft etwas Phänomenales:
Alle Gäste reagieren gleichzeitig auf einen Vorgang, alle schwingen in einer großen Emotion.
Das kommt natürlich nicht alleine von mir, sondern entsteht immer in einer Teamleistung, einem Spirit, der sich in den Proben aufbaut oder den wir Regisseure dann tatsächlich mit aufbauen.

 

 

Katharina Falkowski // Gründerin des eveos Blog, Solingen:

 

Events sind ein empirisches Spielfeld und vereinen alle möglichen Wissenschaften und Branchen: Psychologie, Soziologie, Neurologie, Design, Technologie, Architektur und viele mehr. Mir ist es ganz ehrlich ein Rätsel, dass die Live-Kommunikation nicht als eine der coolsten und angesagtesten Branchen unter Kreativen wahrgenommen wird – das Potenzial hat sie.

 

Meine Motivation mich mit der Live-Kommunikation zu beschäftigen, stammt wahrscheinlich daher, dass Events für mich absolut faszinierend sind! Sowohl die oft aufwendige logistische als auch die konzeptionelle Seite. Wie schafft man es binnen manchmal weniger Stunden und mit so vielen Beteiligten alles rechtzeitig zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen? Wie schafft man es gezielt ganz bestimmte Themen und Aussagen über viele verschiedene, multisensorische Faktoren zu kommunizieren, Emotionen hervorzurufen, die man auch hervorrufen wollte? Formen, Farben, Geräusche, Atmosphäre, Haptik, Zeitabläufe,
Interaktionsformate… – alles absolut spannende Elemente, mit denen man kreativ spielen und viel bewirken kann.

 

Den Sinn und Nutzen meiner Arbeit als Blogger sehe ich darin, dass sich Menschen von meinen Themen, Fragen oder Interessen hoffentlich angeregt oder angesteckt fühlen, ihnen Artikel gefallen, irgendwie weiterhelfen, etwas verbessern oder einfach den Austausch anregen. Ein Feedback, im positiven sowie im konstruktiven Sinne ist dabei aber sehr wichtig, finde ich.

 

 

Oliver Adams // Geschäftsführer bei Creators, Darmstadt:

 

‚Event’ ist ein sehr wirksames Instrument der Unternehmens-Kommunikation. Events helfen bei der emotionalen Differenzierung von Marken und Produkten und sind damit maßgeblich für den Auf- und Ausbau eigenständiger Identitäten.

 

Anders als Fernseh- oder Printwerbung findet ‚Event’ nur begrenzt im Virtuellen statt. Ganz besonders als Kreativer sieht man sich konstant mit den Grenzen des real Machbaren konfrontiert. Eine der schönsten Herausforderungen liegt darin, diese Grenzen immer wieder aufs Neue zu verschieben.

 

Für viele klingt ‚Event’ nach Promi, Glamour und viel Show. Ich ziehe es vor, unseren Beruf als Handwerk zu definieren. Ein Handwerk das sehr viel Disziplin, Akribie und Durchhaltevermögen erfordert. Und zudem ein Handwerk, bei dem nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin von großer Bedeutung sind.

 

 

René Elberfeld // Gründer von Elberfeld Kreation, Wuppertal:

 

Was motiviert mich im Eventgeschäft zu arbeiten? Der leidenschaftliche Glaube daran, dass es immer wieder Themen und Teamkonstellationen gibt, in die man sich einbringen kann, um neue Facetten an einem Thema oder in einem Team zu entdecken. Und dies in einem Umfeld der Jedem die Möglichkeit gibt sich zu beweisen, behaupten oder zu verändern – wenn man das möchte. Was am Ende zählt ist Leidenschaft – gemeinsam etwas zu schaffen. Wie weit die Bereitschaft geht zu Leiden, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

Der tieferliegende und Nutzen stiftende Sinn ist für mich unterschiedlichste Themen zu bearbeiten, immer neue Leute kennenzulernen, Orte wie Situationen zu erleben in die man sonst vielleicht – in „einer“ beruflichen Laufbahn – nicht kommen würde. Natürlich mache ich einen Job. Und den versuche ich in erster Linie so zu machen, dass ich daraus Emotionen ziehen kann. Denn oftmals ist der Weg zum Ziel viel spannender als das Ergebnis. Es ist irgendwie immer die „Suche nach Glück“, warten auf ein Lächeln oder das Hoffen auf Applaus.

 

Der Mensch ist nach meiner Überzeugung für die Kooperation geschaffen, der Kampf um Positionen und Pöstchen macht Manches unnötig schwer. Das Wichtigste ist, dass wir im Job ganz wir selbst sein können, mit allen Stärken und Macken.

 

 

Berufung Event – sinnhaftig in der Live-Kommunikation unterwegs!?

 

Menschen streben nach Sinn und Gemeinschaft. Mit Events befriedigen wir das Bedürfnis nach realem Begegnungswunsch und direkter Kommunikation. Persönlich sehe ich es als meine Mission an, Events zu realisieren, in denen Menschen sich begegnen, Neues erlernen und gute Ideen ausgetauscht werden können. Der Blick über den eigenen Tellerrand und den Sinn in unserer Tätigkeit zu erkennen, motiviert ganz neu zu exzellenten Ergebnissen für Unternehmen, aber auch unsere Gesellschaft ganz grundsätzlich.

 

Das Wort Berufung stammt ja ursprünglich aus dem religiösem Kontext, behält seine Bedeutung in der Live-Kommunikation aber bei: Das Gefühl, einen Beitrag zu etwas zu leisten, das größer ist als man selbst. Dazu wünsche ich uns allen Klarheit, Erkenntnis und Mut. Denn wenn wir lieben, was wir tun, müssen wir nie mehr arbeiten! 😉

 

 

Sollten das deine Kollegen auch lesen? Teile es.

 

David Korte: Event-Konzeption & das Spiel mit den Regeln

Konzeption: BASTR Methode, Gastbeitrag von David Korte // Bild: Chris Cuhls

 

 

Was wir an unserem Job lieben:

 

Konzeption – das ist immer ein Zusammenspiel von Planung und Kreation. Unterschiedliche Köpfe und Bäuche denken und fühlen sich an die Aufgabenstellung heran.

 

Die Synapsen springen von Kopf zu Kopf und geben immer neue Impulse – bis sie dann am Ende da ist: die Idee.

 

Die eine große Idee, an die man gemeinsam glaubt. Die das Destillat dessen ist, was man gemeinsam gedacht, gefühlt und geschwitzt hat.

 

 

Der Alltag(Wahnsinn):

 

Höher, schneller weiter – weil die Herausforderung der stetigen Neuerung unsere Branche besonders betrifft, hat die Literatur zu Planungs- und Kreativitätstechniken kein Problem mit Masse.

 

Die unzähligen Ansätze und Tools, von den neueren Formen wie Neuroscans bis hin zu Klassikern, wie dem morphologischen Würfel, haben sicher alle ihre Berechtigung.

 

Doch fehlt vielen ein wesentlicher Aspekt – ein Leistungsversprechen, was das Ergebnis einer Konzeption leisten können soll.

 

Eine Haltung.

 

Die Briefings der Kunden lesen sich (fast) alle gleich: meist soll es etwas Neues sein, das man erdenkt, etwas Bahnbrechendes.

 

Etwas, das wirklich mal wach rüttelt und irgendwie radikal ist.

 

 

Ein Konzeption Ansatz – BASTR:

 

Genau an diesem Punkt kommt BASTR ins Spiel. BASTR steht für „Breaking And Setting The Rules“ und dient als Leistungsversprechen.

 

Jede Form der Kommunikation gehorcht hiernach gewissen Regeln. Wie im Sport: anderes Spiel, andere Regeln.

 

Jede Industrie, jedes Format, jeder Playground – kurz alles unterliegt gewissen Regeln und Vorgaben. Sie regeln unser gesellschaftliches Leben, den Umgang im Arbeitsalltag und prägen die Art und Weise, wie wir denken.

 

BASTR löst uns hiervon und macht so Raum für Neues, es ermöglicht ein Spiel mit den Regeln:

 

 

  1. BREAKING THE RULES

 

Wenn man etwas ändern möchte ist es mittels BASTR zunächst die Aufgabe des Konzeptioners (Konzeptionsteams) die Regeln, die die Aufgabe betreffen (Branche, Unternehmen, Marke, Produkt, Zielgruppe, Kanäle, …) zu hinterfragen und mittels einer „Rule-Map“ festzuhalten.

 

Anschließend wird dann analysiert, welche der Regeln potentiell gut und zielfördernd zu brechen ist.

 

Grundsätzlich ist jeder Bereich hierfür geeignet. Die Hauptsache ist er erzeugt ein disruptives Moment.

 

 

  1. SETTING THE RULES

 

Ziel des BASTR-Ansatzes ist es neue Standards zu definieren.

 

Wie beim Dreiklang „Unfreeze“, „Move“ „Freeze“ in der Changekommunikation soll so gezielt etwas geändert werden – durch das Stilmittel des Regelbruchs.

 

Die neuen Regeln werden dann in der Kommunikation etabliert und bieten die Möglichkeit für eine Marke völlig neue Regeln zu besetzen und damit die Branche / Produktkategorie zu bewegen – definitiv aber sich zu profilieren.

 

 

BASTR konkret, die Erste:

 

Ein Supersportwagen wird in Las Vegas gelauncht.

Die Veranstaltung hat einen klassischen Ablauf: von der Einladung bis zur Fahrt auf der Rennstrecke.

Sie gehorcht den Regeln eines Automobillaunches.

Doch beinhaltet das Konzept auch ein Disruptives Moment: einen Tisch.

Dieser ändert das Spiel für alle Beteiligten: vom Besucher bis zum CEO.

 


Quelle: VOKDAMS via Kanal von MrSpangenberger

 

 

 

BASTR konkret, die Zweite:

 

Zürich Hauptbahnhof vor den Olympischen Spielen in Vancouver.
Die Swisscom will die Schweiz zum Start der Spiele emotional berühren und bricht bewusst eine Regel:
Die Passanten im Bahnhof werden gefeiert – ohne auf die Regel der dem Menschen inne wohnende Distanzzone von 50cm Rücksicht zu nehmen.

 

Event Konzeption BASTR
Quelle: FAMAB

 

 

 

David Korte VOK DAMS Konzeption BASTRDER AUTOR: David Korte ist Director Strategy & Concept bei VOK DAMS.

Er arbeitet seit über 10 Jahren in Kommunikation und Marketing und liebt neben herausfordernden Aufgaben besonders den inspirierenden Dialog mit Strategen und Kreativen.
Dabei zeichnen Emotionalität und der Einsatz neuer Technologien und Kanäle seine Projekte aus.

 

 

 

 

Welchem Werkzeug für die Konzeption von Events bedienst du dich? Freue mich auf Anregungen und Meinung unterhalb! Wer informiert bleiben will trägt sich in meinen Newsletter ein und like doch gleich mein Facebook Profil für regelmäßige Inspiration rund um die Live-Kommunikation.

 

BurnOut: Wie schaffe ich es in der Medien- und Event-Branche zu arbeiten, OHNE auszubrennen…

BurnOut – und jetzt? Ein Schleier der Ohnmacht deckt sich über alles… // Foto: Chris Cuhls

 

 

In der Event-Branche arbeiten wir von einem Höhepunkt zum nächsten – besondere Momente zu erschaffen, ist unser Tagesgeschäft. Was aber, wenn wir plötzlich nicht mehr die Energie aufbringen können? Mit 15 Jahren Berufspraxis in der Medien-Branche würde ich behaupten, dass unsere Branche eindeutig BurnOut förderlich ist. Wie also können wir uns wappnen?

 

Einen BurnOut zu erleben ist das Heftigste, was mir bis jetzt in meinem Leben passiert ist. Die siebenmonatige Lebensphase 2010/2011 war buchstäblich die Hölle auf Erden. So hart es auch war: Erst dadurch habe ich ungesunde Denkstrukturen in Frage gestellt und lerne bis heute konstant neue Verhaltensmuster dazu. Wie gelingt es ausbalanciert im Event- und Mediengeschäft zu arbeiten und einen BurnOut vielleicht sogar präventiv zu verhindern? Folgend möchte ich euch einen persönlichen Einblick in meine BurnOut Erfahrung geben und euch an meinen Lernfeldern teilhaben lassen:

 

 

Wie geht es dir eigentlich?

 

Heute weiß ich, warum ich diese Frage oft mit einem „ganz OK“ abgetan habe. Ich konnte sie gar nicht mehr beantworten. Ich hatte es verlernt, mich selbst zu spüren. Das hielt ich auch gar nicht für nötig, denn alles lief soweit rund. Doch dann folgte einem Beziehungsaus und einem neuen Beziehungstart ein beinahe tödlicher Fahrradunfall mit mehrfachen Brüchen und künstlichem Koma, der plötzliche Tod meines Papas, Umzug sowie die Gründung in die Selbstständigkeit – das alles in nur wenigen Monaten. In der Vorweihnachtszeit dann eine TV-Produktion, bei der ich als Aufnahmeleiter grob-fahrlässige Fehler der Redaktion am Set ausmerzen musste. Ich spürte ohnmächtig: Ich kann nicht mehr.

 

Weihnachten stand vor der Tür und ich dachte, OK, trete ich etwas kürzer. Neujahr verging und der Januar kam – und ich lag erschöpft auf meiner Couch, ohne Kraft für irgend etwas anderes, als drei Mal am Tag zu essen. Ach ja, Sudoko hat mich über den Tag gebracht. Meine persönliche Haltung war schleichend: Rückzug, Flucht, Einsamkeit, Ängste, Isolierungstendenzen. Erst mein Eingeständnis, dass ich professionelle Hilfe von außen benötige, zeichnete sich im Nachhinein als Talsohle ab. Ich fand Hilfe bei einem geistlichen Rückzugsort in der Schweiz und den Gesprächen mit einem Verhaltenstherapeuten. Besserung kam, aber langsam. Die ganze Geschichte erzähle ich dir bei Interesse gerne beim nächsten Produktionsbier. Fast forward: Was hat mir aus dieser Zeit heraus geholfen?

 

 

Welche Überzeugungen treiben dich an?

 

Die Heldenreise aus dem Storytelling zeigt: Der Held muss seiner tiefsten Angst ins Auge schauen. Ich war gezwungen, ehrlich zu sein und herauszufinden: Was treibt mich eigentlich an? Was lässt mich nicht zur Ruhe finden? Als perfektionistisch veranlagter Mensch habe ich über Jahre hinweg einen extrem hohen Anspruch an mich und meine Leistung entwickelt. Die Ursachen für das BurnOut sind meist sehr tief in der eigenen Persönlichkeit und Geschichte verwurzelt – hier fünf typische innere Antreiber:

 

BurnOut Innere Antreiber
BurnOut: Innere Antreiber // Quelle: ipersonic.de

 

 

Welche Stärken bringen dich zu Fall? In meiner Familie galt der Ausspruch: ‚Gerne, gleich, gut!‘ Für mich wurde daraus irgendwann: ‚Immer, sofort, perfekt.‘ Darüber freuen sich Auftraggeber, aber diesen Über-Anspruch kann auf Dauer kein Mensch halten. Was sind deine vermeintlich positiv-gelernten Überzeugungen, die du gar nicht mehr in Frage stellst? Lerne deine inneren Antreiber kritisch zu hinterfragen und wo nötig loszulassen.

 

 

Das Frühwarnsystem: Achtsamkeit und Grenzen

 

Auch wenn in unserer Branche immer gilt: Ende gut, alles gut! – Die goldene Frage lautet: Wie geht es dir? Wie geht es dir während der Produktion? Wie geht es dir danach? Was braucht dein Körper, deine Seele, dein Geist? Wie voll ist dein Kraft-Haushalt?

 

Oftmals stellt man sich diese Fragen gar nicht, weil sich alles ganz gut und in Ordnung anfühlt. Okay, ein wenig überarbeitet ist man in unserer Branche ja schnell – das machen ja schließlich alle um mich herum und das ist ja auch ein bisschen Status. Der Übergang ist aber schleichend: höher, schneller, weiter. Hier noch, das noch, muss bis dann fertig sein – so lange, bis es hoffnungslos zu spät ist. Die Reißleine ziehen – warum? Das schaffe ich doch oder es befriedigt mich doch… Aber diese Fragen ehrlich zu beantworten, hilft uns, GANZ zu bleiben, uns zu spüren und zu erkennen, wo wir kürzer treten müssen. Und dann gilt es zu sagen: Halt, STOPP! Grenzen setzen, zunächst für dich, aber vielleicht auch für dein Team: Das machen wir morgen, nicht mehr heute. Oder: Unter den Umständen brauchen wir einen Tag länger. Punkt. Auch wenn Grenzen-setzen extrem unsexy klingt: Nur so hält dein Atem auch über diese Produktion, dieses Projekt hinaus.

 

Zur Stärkung der eigenen Achtsamkeit helfen Rituale. Diese sind zwar eher unpopulär, weil monoton und dadurch manchmal langweilig. Sie retten dir aber in den Krisenzeiten den Allerwertesten! Daher versuche dir Fixpunkte im Alltag zu setzen, die du regelmäßig wiederholst und dich in Stress-Momenten zur Ruhe führen. Ein Konzeptioner hat mir kürzlich von seinem Zen-Bürogarten erzählt. Das kann aber auch die Runde Bürogolf nach dem Mittagessen sein oder das Feierabendbier am Veedelsbütchen.

 

Einen wichtigen Vorsatz habe ich erst durch die Krise getroffen: Ich will wichtige Momente erleben und mich eben nicht immer nur im Stress-Level bewegen, wodurch ich keine Kraft und Aufmerksamkeit mehr für mein Umfeld habe. So schön Projekte und die Befriedigung über deren Ergebnisse auch sein mögen: Ich will dabei alles eigentlich Wichtige um mich herum nicht verpassen! So habe ich mir zur Geburt meiner Tochter fünf Monate freie Zeit gegönnt. Das Erlebnis der Geburt und die ersten Wochen hautnah mitzuerleben war sowas von aufregend und ich würde es mit nichts tauschen wollen! Im siebten Jahr nach meiner Gründung plane ich ein halbjähriges Sabbatical – einfach um langfristig gesund zu bleiben.

 

 

Fazit: BALANCE – die BurnOut Prävention

 

Die beste Prophylaxe gegen BurnOut ist es, in Balance zu leben. – Balanciert in allen Lebensbereichen: Beziehungen, Arbeit, Gesundheit (emotional, physisch, geistlich), Freizeit. Dabei ist es völlig in Ordnung auch einmal 100% zu geben – darauf muss dann aber eine Phasen der Erholung folgen. Diese Balance kannst nur du selbst spüren und für die Einhaltung genau dieser sorgen! Mir helfen Zeiten der Reflexion: Wo stehe ich, wo will ich hin, wie erreiche ich mein Ziel effizient und wo lauern Gefahren für ein BurnOut? Bei Jobanfragen auch mal ein Re-framing: Sorry, die Anfrage kann ich so nicht annehmen – ABER: so und so kann ich es mir vorstellen… Also aktiv eigene Bedingungen verknüpfen und so anpassen, dass es auch meinen Bedürfnissen entspricht, ohne mich zu überfordern. Auch ein NEIN ist immer wieder angebracht, auch wenn es kurzfristig weh tut (langfristig lohnt es sich eigentlich immer)!

 

Lass Gefühle zu – ob Trauer, Verlust, Schmerz, Wut, Ärger oder Angst. Wenn sie weggedrängt werden, wirst du gefühlsleer. Letztes Jahr bin ich über das Buch des Psychologen Björn Süfke gestossen: Männerseelen: Ein psychologischer Reiseführer – unbedingter Lesetipp! Denn wenn du deine Gefühle spürst und benennen kannst, wirst du nicht nur gesünder leben, sondern auch mit deinem Umfeld (Partner, Team) besser kommunizieren.

 

 

Ich hoffe, diese Gedanken helfen dir in deiner jetzigen Lebenssituation weiter! Was hat dir aus dem BurnOut geholfen? Wie schützt du dich präventiv? Ich würde mich sehr über Meinungen und ergänzende Kommentare freuen. Leite den Beitrag doch auch einfach an Freunde weiter, die sich in einer solchen Krisenphase befinden!

 

PS: Dieser Artikel könnte dich auch interessieren: Wie Eventler dem Burnout vorbeugen und How to Break Your Addiction to Work

 

Cristián Gálvez: Argumentationstechniken // Tunen Sie Ihren Fünfsatz

Argumentationstechniken – Psychologie für noch mehr Wirkung // Foto: André Wirsig

 

 

Fast jeder hat schon von ihm gehört und in kaum einem Rhetorik-Seminar darf er fehlen. Der Fünfsatz ist der Klassiker unter den Argumentationstechniken. Die Struktur eignet sich für Konferenzen, Meetings, Präsentationen und Diskussionen. Sie sorgt dafür, dass der Sprecher eindeutig, strukturiert und prägnant seine Botschaft auf den Punkt bringt.

 

Menschen, die die Struktur des Fünfsatzes souverän beherrschen, wirken überzeugend und kompetent. Bei dem Klassiker geht es weniger um fünf Sätze als vielmehr um fünf Schritte, die Ihre Botschaft auf den Punkt bringen.

 

Argumentationstechniken

 

Der erste Schritt dient der Einleitung. Häufig wird dabei ein anderer Beitrag aufgenommen oder der eigene Standpunkt aufgeführt. Der Weg zur Hauptaussage erfolgt danach in drei Schritten. Hier haben sich verschiedene Grundmuster bewährt (siehe Abbildung). Erst am Schluss wird der entscheidende Impuls, ein Fazit oder Appell gesetzt. Psychologisch setzt dieses Format auf den sogenannten Recency-Effekt. Dieser trägt maßgeblich dazu bei, dass die letzte Botschaft hängen bleibt.

 

 

Beispiel Klassiker:

    1. Einleitung (Standpunkt)
Ich bin der Meinung, dass Deutschland einen Mindestlohn braucht.
    2. Argument
Im sogenannten Niedriglohnsektor liegt der Stundenlohn auf einer nicht zumutbaren Höhe.
    3. Beispiel
Ein gutes Beispiel dafür sind die Löhne im liberalisierten Briefmarkt. Der größte Postkonkurrent, die XY GmbH, zahlt einen Basislohn von 7,20 Euro. Das liegt deutlich unter der Lohnuntergrenze.
    4. Schlussfolgerung
Ein Lebensunterhalt ohne ergänzende Hartz-IV-Leistungen ist damit nicht möglich. Unsinnige Sozialsubventionen sind die Folge.
    5. Zielsatz
Deshalb brauchen wir einen gesetzlich geregelten Mindestlohn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine solche Argumentation entspricht der klassischen Struktur des Fünfsatzes. Sie ist kurz, logisch und zielführend.

 

Aufgrund psychologischer Gesetzmäßigkeiten lässt sich diese Struktur in ihrer Wirkung steigern. Dabei sind es kleine Nuancen, die aus dem Klassiker ein hochwirksames und modernes Sprachmuster des Überzeugens machen. Mit folgenden drei Prinzipien sorgen Sie für einen echten Booster innerhalb Ihrer Argumentation.

 

 

1.     Verlorener Performativ

 

Jeder Form der Einleitung kommt aufgrund des Primacy-Effekts eine besondere Bedeutung zu. Denn neben dem 5. Schritt (Recency-Effekt) bleibt vor allem der 1. Schritt hängen. Aus der Hypnotherapie kommt das Konzept des verlorenen Performatives, dessen Wirkung auch den Fünfsatz verstärkt. Der Standpunkt wird dabei nicht an einen Absender gekoppelt. Die Instanz geht verloren. In dem oben genannten Beispiel fällt damit das „Ich“ des Sprechers weg. Statt „Ich bin der Meinung, dass Deutschland einen Mindestlohn braucht“ lautet die Aussage nur noch: „Deutschland braucht einen Mindestlohn“.

 

Argumentationen gewinnen an Gewicht, wenn der Gedanke (Urteil, Wertung) vom Sprecher entkoppelt wird. Insbesondere, wenn der Zuhörer den Absender kritisch sieht, seine Kompetenzen anzweifelt oder er ihm einfach unsympathisch ist. Mit dem „Ich bin der Meinung“ verliert die Argumentation schon an Überzeugungskraft, weil die Akzeptanz des Absenders sowieso in Frage gestellt wird. Streichen Sie das „Ich“ in Ihrer Argumentation. Es geht nicht um Sie, es geht um die Sache. Wenn Sie diese in den Mittelpunkt stellen, ist der Zuhörer mit seinen Gedanken stärker auf die Aussage fokussiert, als auf den Absender. Das schafft Wirkung.

 

 

2.     Begründungskonjunktionen

 

Auf den zweiten Booster für Ihre Argumentation stieß ich über ein psychologisches Experiment aus dem Jahre 1978. Professor Robert Cialdini beschreibt dieses in seinem sehr lesenswerten Buch Die Psychologie des Überzeugens: Wie Sie sich selbst und Ihren Mitmenschen auf die Schliche kommen. In der Studie von Langer und anderen wurden Menschen, die in einer Bibliothek an einem Kopierer anstanden, um einen Gefallen gebeten. Mit Hilfe von verschiedenen Formulierungen testeten die Forscher, wann wartende Menschen bereit sind, andere vorzulassen. Das Ergebnis sehen Sie hier:

 

 

Argumentationstechniken Wirkung Versuch

 

Obwohl in der dritten Versuchsanordnung nicht wirklich eine Begründung vorlag, kamen 93 Prozent der Wartenden dieser Bitte nach. Menschen sind bereit, einer Aussage zu folgen, wenn diese begründet ist. Die Begründung muss dabei nicht einmal stichhaltig sein. Es geht um das kleine Wörtchen „weil“. Viele Verkaufsuntersuchungen zeigen ähnliche Ergebnisse. Verkäufer sind erfolgreicher, wenn sie viele Begründungen verwenden. Auch wenn sie nicht wirklich Gründe liefern.

 

Nutzen Sie deshalb verstärkt Begründungskonjunktionen innerhalb Ihrer Argumentation. Beispiele sind „der Grund dafür“, „weil“, „gerade deshalb“. Ihr Gegenüber folgt Ihnen verstärkt durch eine automatische Einwilligungsreaktion.  Ein einfaches psychologisches Prinzip für noch mehr Wirkung.

 

 

3.     Positive Formulierungen

 

Die Schlussfolgerung steht kurz vor dem Zielsatz. Hier sollte Ihr Gegenüber auf den Zielsatz vorbereitet sein. Die Klarheit der Sprache ist hier besonders wichtig. Formulieren Sie in der Schlussfolgerung immer positiv und eindeutig. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Gegenüber das Gesagte nicht  übersetzen muss.

 

In unserem Beispiel führen diese drei psychologischen Prinzipien zur folgenden Argumentation:

    1. Einleitung (Standpunkt)
Die Diskussion unterstreicht einen wichtigen Punkt: Deutschland braucht einen Mindestlohn.
    2. Argument (Begründung)
Die Gründe dafür sind vielfältig: Im sogenannten Niedriglohnsektor liegt der Stundenlohn auf einer nicht zumutbaren Höhe.
    3. Beispiel (Begründung)
Gerade deshalb gibt es viele Beispiele: Nehmen wir die Löhne im liberalisierten Briefmarkt. Der größte Postkonkurrent, die XY GmbH, zahlt einen Basislohn von 7,20 Euro. Das liegt deutlich unter der Lohnuntergrenze.
    4. Schlussfolgerung (positiv & eindeutig)
Ein Lebensunterhalt ist nur durch zusätzliche Hartz-IV-Leistungen möglich. Teure Sozialsubventionen sind die Folge.
    5. Zielsatz
Deshalb brauchen wir einen gesetzlich geregelten Mindestlohn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit: Menschen mögen Struktur. Je deutlicher Sie kommunizieren, umso klarer werden Sie als Persönlichkeit wahrgenommen. Der Fünfsatz bietet das Gerüst für eine rhetorische Punktlandung. Die drei vorgestellten psychologischen Prinzipien sorgen für noch mehr Wirkung in Ihrer Argumentation. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

 

Noch mehr? Cristián Gálvez trainiert moderne Argumentationstechniken in seinem 2-Tages-Seminar Persönliches Standing.

 

 

Argumentationstechniken Cristián GálvezDER AUTOR: Cristián Gálvez ist Referent, Buchautor und Moderator. In seinen Vorträgen verbindet „Deutschlands führender Persönlichkeitstrainer“ (SAT.1) moderne Erkenntnisse der angewandten Psychologie mit seiner Erfahrung aus Events und Coachings. Nebenbei ist er Dozent am Steinbeis Transfer Institut und mit seiner Expertenmeinung gern gesehener Gast in den Medien. Sein aktuelles Buch „Logbuch für Helden: Wie Männer neue Wege gehen“ ist im Mai erschienen. Weitere Infos: Website von Cristián GálvezHeldentest.de sowie die drei Prinzipien der Moderation.

 

 

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5 Regeln der Business Präsentation von Nancy Duarte

Prinzipien der Heldenreise

Kläre dein WARUM

 

Axel Beyer: EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit!

EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit! // Foto: Axel Beyer

 

 

Der Mensch scheint ständig auf der Suche nach „Sinn“ zu sein und den findet er, wenn sich etwas für ihn „erschlossen“ hat. „Kinder brauchen Märchen“ hieß ein pädagogisches Standardwerk. Also ist offensichtlich selbst in der Unterhaltung nur dass gut und richtig, was Sinn macht. Alles andere ist nämlich Un-Sinn. Basta!?

 

Von „Schlüsselbildern“ redet die Kommunikationswissenschaft, wenn man sich an etwas erinnern soll – von „Schlüsselszenen“ der Dramaturg, wenn man etwas verstehen soll – von „Schlüsselerlebnissen“ der Psychologe, wenn man eine Erfahrung macht. Das muss doch irgendwie zu entschlüsseln sein?

 

Ist das so? Warum lachen wir dann so gerne? Warum lieben wir die Clowns im Zirkus? Warum genießen wir einen herrlich albernen Kneipenabend? Warum weinen junge Mädchen „Bis(s) zum Abendrot“? Und wollen wir in den Medien und den verwandten Gebieten nicht auch, dass man sich an unsere Angebote erinnert, dass man sie versteht und hoffentlich durch sie eine positive Erfahrung macht?

 

„Lebenslanges Lernen“, „Informationsgesellschaft“, „Wissenstransfer“ – unsere Gesellschaft redet uns permanent ein, dass wir alle kopfgesteuert seien. Deshalb geben die Befragten bei Umfragen stets an, dass sie im TV am liebsten „Nachrichten“ sehen würden, wo doch tatsächlich seit Jahren das „Dschungelcamp“ die Nummer 1 ist. Deshalb gehen wir ja angeblich nur aus Informationsgründen auf Messen und schleppen bergeweise Papier mit uns nach Hause – das gab es schließlich umsonst. Deshalb hören wir nur wegen des Verkehrsfunks im Auto Radio – und summen und wippen mit der Musik mit.

 

Nein – gestehen wir es uns doch endlich ein: Wir alle, auch wir „Macher“, sind Emotionsbolzen! Wir wollen emotional berührt werden, wir wollen, dass man uns zum Lachen oder zum Weinen bringt (denn bei beidem fließen Tränen). Wir wollen Spaß haben! Und auch zum Spaß der Anderen beitragen! Und wer uns das bietet, den lieben und unterstützen wir.

 

Über 9 Mio. Menschen haben Herrn Liechtenstein und seinen EDEKA-Spot gesehen und waren sich einig – das ist #supergeil. Dabei waren da nur ein Supermarkt und ein nicht mehr ganz schlanker und nicht mehr ganz junger Mann zu sehen – aber wie! Welche Lebenslust sprang einem aus diesem Filmchen entgegen. So wollten wir auch sein. Und ab zu Edeka….

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf

 

Wir denken mit dem Kopf, aber wir fühlen mit dem Herzen und gute Gefühle führen allemal in der Folge zu guten Gedanken, guten Erinnerungen und gutem Verständnis. Als die ARD im Abendprogramm das erste Mal die Sendungen von „Mr. Bean“ ausstrahlte, da war das kein Erfolg. Was sollte das denn? – Dann zeigte die LTU diese Filme auf ihren Flügen von und aus dem Urlaub, die Kinder johlten vor Vergnügen und diese Erinnerungen führten dazu, dass sich fortan mit jeder Wiederholung der gleichen Folgen von „Mr. Bean“ die Einschaltquoten steigerten. Wir erinnerten uns an fröhliche Kinder und entspannte Urlaubszeiten. Und sie verstanden: Das war positive Emotion pur!

 

Fazit: Und wenn wir heute von „Events“ reden, dann reden wir von „Erleben“ und damit von „Leben“, nicht von „Wissen“. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, sagte einst Adorno. Wir haben heute dafür zu sorgen, dass es kein falsches Leben im richtigen gibt. Meine Generation hat noch gelernt, dass man Emotionen nicht zeigen darf. Was für ein Un-Sinn! Erst Gefühle machen uns zum Menschen und wie unmenschlich ist es, diese Gefühle nicht zeigen zu dürfen. Wir als Medienmanager können dabei helfen, indem unsere Produkte dazu beitragen, ja geradezu dazu herausfordern, die Emotionen zuzulassen und auszuleben – so dass wir letztlich die Menschen damit aufschließen – für ein befreiendes Lachen, für ein kindliches Staunen, für eine überwältigende Rührung. Und wenn das dann klappt, dann empfinde ich das als das schönste Geschenk.

 

 

Zum Autor: Axel Beyer ist Medienberater und Professor an der Hochschule Fresenius im Fachbereich „Wirtschaft & Medien“, war Regisseur an unterschiedlichen Theatern und ist seit über drei Jahrzehnten im Medium TV als Programmmacher (und mehrfach als Unterhaltungschef) für öffentlich-rechtliche und kommerzielle Sender tätig.

 

 

Welche Schlüssel nutzt du zur Steigerung der Aufmerksamkeit? Welche Emotionen verbindest du mit den Gedanken dieses Artikels? Wir freuen uns über Kommentare unterhalb.

 

Hier geht es zu meinem Facebook Profil mit täglichen Inspirationen rund um Events // weitere Leseempfehlungen:

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

Simon Schneider: Wie kreiere ich Erlebnisse im Eventmarketing?!

Storytelling // Wie die Heldenreise dir bei der Kreation von Erlebnissen helfen kann

 

Gastbeitrag Susanne Schmelcher // Regie am Theater: Worauf ich bei der Inszenierung acht gebe…

Theaterregie // Foto: André Wirsig

 

 

Als ich vor einigen Tagen auf einem Amt meinen Beruf angeben musste  – Regisseurin – strahlte mir ein freudiges Lächeln entgegen: „Welche Filme drehen Sie denn so?“ Schnelle Verneinung, nein, ich drehe keine Filme, ich arbeite am Theater. Sofort verwandelt sich das Lächeln in Unsicherheit – was mache denn ein Regisseur am Theater? Ich beginne von der Arbeit mit Schauspielern zu reden und dem Theater an sich und kurz darauf fällt mir auf, dass die Frage gar nicht so leicht zu beantworten ist. Was genau tue ich da jede Produktion wieder und wie kommt dabei eine gelungene Inszenierung raus?

 

Jeder Regisseur arbeitet anders und sicher würde auch jeder bei der Frage worauf man denn bei einer Theaterinszenierung acht geben muss etwas anderes antworten. Als Nachwuchsregisseurin kann ich zwar nicht auf Jahrzehnte von Erfahrung zurückblicken, aber dafür auf einige wertvolle Beobachtungen – bei meinen eigenen Arbeiten und in den fünf Jahren meiner Regieassistenz. Hier stelle ich vier Rahmenbedingungen vor, die in meinen Augen für eine gelungene Theaterinszenierung essentiell sind.

 

 

1) Von der großen Idee und den vielen kleinen Ideen

 

Vor jeder Produktion steht die Vorbereitung, das Erstellen eines Konzepts. Was interessiert mich an dem Stück, wie kann ich Themen hervorheben und zuspitzen? Unter Umständen muss ein Stück überhaupt erst entwickelt werden. Zusammen mit dem Dramaturgen entsteht eine (Strich)Fassung, indem Unnötiges gestrichen wird und ggf. Texte hinzugefügt werden. Ausstatter und Regisseur arbeiten Bühnenraum und Kostüme aus, um das theoretische Konzept zu unterstützen. Und dann beginnt die eigentliche Arbeit: Bei den Proben mit den Schauspielern hilft das sorgfältig ausgearbeitete Konzept nicht immer weiter, das müssen oft gerade junge Regisseure schmerzlich erfahren. Im Arbeitsalltag sollte der Regisseur in der Lage sein spontan neue Ideen zu entwickeln, auf die Schauspieler und deren Bedürfnisse einzugehen und mit deren Können über sein Konzept hinauszuwachsen, ohne jedoch das Große und Ganze aus den Augen zu verlieren.

 

 

2) Der Schauspieler und das Team

 

Für mich als Regisseurin sind die ersten Proben unglaublich wichtig, denn hier entscheidet sich in der Regel ob die Schauspieler mir vertrauen. Wann genau Vertrauen und positive Arbeitsatmosphäre in einem Team entstehen, ist in einer Theaterproduktion mit ihren unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten fast unmöglich vorauszusagen. Aber oft hat es damit zu tun, dass der Regisseur gut vorbereitet ist, jeden Schauspieler als Gegenüber ernst nimmt, Ruhe ausstrahlt und zugleich inspirieren kann. Meine Herausforderung besteht auch darin, alle (inklusive mir selbst) immer ein wenig über ihre Grenzen hinaus zu fordern. Im besten Falle entsteht so eine Inszenierung, bei der alle Beteiligten dem Können der anderen vertrauen, so ihr Bestes geben können und miteinander zu einer großartigen Leitung befähigt sind.
Theaterregie Schauspieler

Theaterregie mit Schauspielern bei „Yukonstyle“ am Tiroler Landestheater // Foto: Rupert Larl

 

 

3) Eine runde Sache: die letzte Woche

 

Am Theater gibt es die sogenannte Endprobenphase, das ist die Woche mit den Haupt- und Generalproben. Alle bisher geprobten Szenen werden auf der Bühne zusammengefügt. Originalbühnenbild, Kostüme, Beleuchtung, Musik- und Videoeinspielungen kommen hinzu. Jetzt entscheidet sich ob die Ideen, die es zuvor nur auf dem Papier gab, funktionieren. Der Regisseur muss die Schauspieler und den Raum zu einem Ganzen verknüpfen. Nach meiner Erfahrung ist es hier wichtig sich trennen zu können: Wird das Bett auf Rollen nur einmal benutzt – raus damit! Sicher ist es ohnehin zu aufwändig es überhaupt rauszufahren und wirkt als hätte man da was zu sagen wo gar nichts ist. Funktioniert der Anfang des Stücks auf der Originalbühne nicht mehr? Dann hilft nur ehrlich das Problem zu benennen und am nächsten Morgen eine Extraprobe einzulegen und solange zu ändern, bis es passt. Sieht eines der Kostüme nicht gut aus? Ändern! Stück zu lang? Kürzen! In dieser anstrengenden letzten Woche brauche ich als Regisseurin nochmal allen Mut, um mein Konzept nicht zu verlieren, aber auch um mir einzugestehen, wenn etwas wirklich nicht funktioniert.

 

 

4) Der Geniegedanke

 

Und dann ist sie da, die Premiere. An diesem Tag entscheidet es sich, ob meine Inszenierung ‚gut‘ ist. Im deutschen Stadttheatersystem ist alles an diesem einen Tag festgemacht. Das Fachpublikum hat die hohe Erwartung etwas Außergewöhnliches zu sehen. Im Regietheater muss der Regisseur ein Genie sein, dann schafft er es auch in die Charts von Nachtkritik & Co. Die gelungene Inszenierung gibt es aber meiner Meinung nach auch ohne Genie. Hat man ein spannendes Konzept, eine gute Probenzeit mit den Schauspielern und genug Mut für das Gesamtkunstwerk am Schluss, dann klatscht auch das Premierenpublikum enthusiastisch, die Zeitung schreibt was Schönes und der Intendant freut sich über die entscheidenden guten Zuschauerzahlen.

 

 

Fazit für die Theaterregie:

 

  1. Viel wollen beim Konzept, aber Platz lassen für kleine spontane Ideen.
  2. Den Schauspieler immer wieder neu motivieren, aber ihm auch vertrauen.
  3. In den Endproben Mut haben, alles noch einmal mit offenen Augen überprüfen.
  4. Bei der Premiere trotz der Kritiker entspannen, die Arbeit ist getan.

 

 

Theaterregie Susanne SchmelcherDIE AUTORIN: Susanne Schmelcher

 

Susanne Schmelcher ist seit 2013 freiberufliche Theaterregisseurin, sie arbeitete bisher an Stadttheatern wie dem Theater Heidelberg, dem Tiroler Landestheater Innsbruck und dem Pfalztheater Kaiserslautern sowie in der freien Szene. Zur Zeit hat sie einen Lehrauftrag für das Szenische Projekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.