13 Inszenierungen, die wirklich bewegen…

Inszenierungen, die wirklich bewegen // 13 Event-Experten bieten Einblicke in ihre Arbeit

 

 

Auch wenn komplexe Dinge nie einfach sind, gibt es eine einfache Formel für mich:

 

Inszenierungen   =   Inhalt   +   Verpackung

 

Da mich Inszenierungen natürlich brennend interessieren, habe ich 13 Eventgestalter gefragt:

 

Welche Inszenierung hat dich bisher am meißten bewegt und warum?

 

Oberhalb verlinktes „Safety Instruction“ Video von Virgin America ist mir kürzlich in der Sagmeister Ausstellung BEAUTY begegnet (noch bis 15.9. in FFM). Relevanter Inhalt unterhaltsam verpackt. Achtet doch mal genau auf diese beiden Aspekte in den folgenden Beispielen: Inhalt und Verpackung. Viel Freude mit diesen Inszenierungen und Menschen!

 

 

13. Harald Lipken, Creative Consultant

 

 

Da die Welt immer schneller wird, gibt es eine Menge, was sich durch immer mehr Lautstärke und Sensation von sich Reden macht und auffällt. Wirklich bewegt hat mit Peter Zumthors Serpentine Pavillon, was allerdings schon ein paar Jahre her ist. Warum? Weil das ein Ort der Achtsamkeit war, die wir meinesachtens im Umgang mit uns selbst, miteinander und mit unserer Umgebung, dringend brauchen.

 

 

12. Alexa Küddelsmann, Creative Director Concepts & Content bei OSK:

 

Bewegt hat mich die Ausstellung von Giacometti im Kunstmuseum in Wolfsburg – wie sich die filigranen Figuren in der Raumtiefe verlieren und fast auflösen…

 

 

Und der Vortrag beim Future Day 2019 von der unglaublich inspirierenden Rednerin Natalie Knapp über die „Psychologie von Netzwerken“. Warum: Weil sie das Thema so fern von Digi-Hype betrachtet hat und auf das wesentliche geschaut hat, nämlich die Menschen in den Netzwerken. Zudem, weil sie einfach unglaublich gut gesprochen hat.

 

 

11. Max Hassemer, Geschäftsführer & Kreativer bei DREINULL

 

 

Unsere Ski WM Eröffnung 2011. Weil eine tolle Reise hier zu Ende ging und alles noch so viel besser war, als wir es uns erträumt hatten.

 

 

10. Hannes Putzig, Managing Director bei MR WOLF Consulting

 

 

Olympia 2012 in London

● Der besondere schwarze Humor der Briten (zum Beispiel die Szene mit Rowan Atkinson am Klavier) // Anmerkung vom Ablaufregisseur: eben diese Szene habe ich mit dem Erzdiözesankirchenmusikdirektor Prof. Mailänder vor 15.000 ChorSängerInnen hier parodiert 😉

● Die gute Kombination aus Live-Elementen und Medien (Video mit der Queen, etc.)

● Der fulminante Ritt durch die Geschichte ohne in der Vergangenheit zu schwelgen, Fokus war die bombastische und doch subtile Darstellung der unglaublichen Masse an kulturellen Exportschlagern in der Geschichte (Beatles, James Bond, etc.)

● Das krasse Staraufgebot (Daniel Craig, etc.)

● Besonders aber: Die Fähigkeit zur Selbstironie und sich bei so einem Event nicht selbst zu ernst zu nehmen (die Queen springt aus dem Heli – ganz anders als die Chinesen vorher!)

 

 

9. Sandra Franke-Simon, Senior Creative Consultant bei Zibert+Friends Consulting

 

 

Ich würde sagen das war Day One für Telefónica – weil Inhalt, Raum und Strategie perfekt in einer spannenden interaktiven Inszenierung zusammen gekommen sind. Dazu ein super kurzfristiges Projekt und vorher ganz ungewiss ob die Mitarbeiter mitgehen werden. Es hat 100% funktioniert und begeistert :-)))

 

 

8. Pat Kalt, Geschäftsführer Kreation bei tisch13

 

Ich habe über die Fragestellung nachgedacht, allerdings sind mir keine Inszenierungen eingefallen, bei der ich sagen kann, das sie mich am meisten bewegt hat… Déformation professionelle könnte man hier spitzzüngig anmerken… 🙂

 

Inszenierungen Walchensee

Morgenstimmung am Walchensee, einem der Lieblingsplätze von Pat Kalt

 

Am Ende sind es doch immer wieder die stereotypisch großen Bilder – Inszenierungen – unserer Welt, die mich immer wieder von neu persönlich bewegen und motivieren: eine Morgenstimmung im Hochgebirge, ein klarer Sternenhimmel über ländlichem Gebiet, ein Sonnenuntergang am Meer… Immer wieder gleich und doch auch immer wieder neu…

 

 

7. Priscilla Bucher, Regie & Drehbuch bei BUCHERMEDIA Schweiz:

 

Meine Lieblingsinszenierung ist der von Rob Cantor geschrieben und gesungene und von Scott Uhlfelder inszenierte Song „Shia LaBeouf“: Ein Lied über einen Parkspaziergänger, der auf den Schauspieler Shia LaBeouf trifft und von diesem angegriffen wird.

 

 

Shia LaBeouf ist bekannt für seine privaten Skandale und Aussetzer an Filmsets. Umso humorvoller ist dieses auf hohem Niveau gespunnene Stück mit dem Gay Men’s Chorus of Los Angeles, dem West Los Angeles Children’s Choir und der Tanzgruppe the Argus Quartet. Eine Bühneninszenierung, die den Zuschauer durch die professionelle Umsetzung mitreisst und den abstrusen Songtext in eine faszinierende Ernsthaftigkeit wandelt. Dramatisch führt der Farbwechsel von schwarz auf rot, die dem Blut nachgeahmten Stoffbahnen und die präzis eingesetzte Lichtshow den Zuschauer in ein Gemetzel des Grauens. Fasziniert von der Dramaturgie muss man gleichzeitig über den Liedertext von Rob Cantor lachen. Zuletzt als dann die Kamera eine 180 Grad Wendung in die leeren Publikumsreihe macht und den einzigen Zuschauer Shia LaBeouf zeigt, der sichtlich ergriffen in eine Standing Ovation verfällt. Spätestens dann ist klar: Niveau kann eben alles! Zu erwähnen ist auch der pointierte Filmschnitt von Randall Maxwell. Für mich ein drei und halb minütiges Meisterwerk!

 

 

6. Christian Olding, katholischer Priester & TEDx Speaker:

 

 

Mein Inszenierungserlebnis, dass mich in den vergangenen Jahren am meisten umgehauen hat, war das Livekonzert von Woodkid. Es war reduziert: alles in schwarz-weiß gehalten. Keine bunten Lichteffekte, sondern ausschließlich weißes Licht, dass gebündelt, konzentriert und einfach eingesetzt wurde. Geniale Animationen auf einer riesigen Leinwand, die aber nicht ablenkten oder wegzogen vom Sänger und der Musik, sondern das Gesamktpaket unterstützten. Da passt für meinen Geschmack alles zusammen.

 

 

5. Konstanze Agatz, Show Callerin & Live Regisseurin:

 

Bei der Beantwortung Deiner Frage halte ich es auch am ehesten mit Einstein:

Die Produktion, die mich am meisten begeistert hat, ist vermutlich die, die noch kommt.

 

Rückblickend gibt es eine Menge beeindruckender Szenen und Events, die alle für sich etwas Besonderes haben – es ist schließlich immer ein Mix aus den richtigen Menschen, dem richtigen Ort, der verzahnten Abläufe und spektakulären Inszenierungen. Was mich kickt ist, zu sehen, dass ein Konzept eine perfekte Show wird, an der man so lange gearbeitet hat. Und aus Events aus über 20 Jahren nun ein einzelnes raus suchen?! Schwer…

 

 

Als Leuchtturm-Projekt sticht da in meiner Erinnerung immer NuSkin in Dubai 2012 heraus – da habe ich die Show in einem internationalen Team für Andree Verleger und Uniplan gecallt. Das war gigantisch – wegen des unglaublichen Teams, wegen der vielen lustigen Gäste (2 x 8.000 Asiaten/Chinesen), der spektakulären Wüstenkulisse und dem Ineinandergreifen von Ablauf, Special Effects, Protagonisten, die über sich hinaus wachsen und bei der Hitze und Dauerbelastung immer funktionierender Technik > ganz große Momente. Nicht zuletzt, weil es der höchste, nur per Kletterleiter erreichbare, 6stöckige FOH war, auf dem ich je gesessen habe.

 

 

4. Helge Thomas, Creative Director bei ottomisu:

 

 

Definitv die Lichtgrenze! Ich durfte am Wochende des 9. November 2014 mit meinem Team für die S-Bahn Berlin einen Film produzieren, dessen Thema „25 Jahre Mauerfall“ war und der mit Szenen an der Lichtgrenze und dem Steigen der Ballons endet. Ich war also an diesem für die Stadt und die Welt so bedeutsamen Wochenende in Berlin und habe die Inszenierung der Lichtgrenze live erlebt. Das schrieb ich damals direkt danach auf Facebook:

 

„Respekt Berlin. Du weißt, ich bin kein großer Fan von dir. Aber das war einfach nur groß. Weil es leise war. Fast demütig. Weil es den Menschen Raum gegeben hat. Die drei Tage, in denen die Lichtgrenze stand, war in der Stadt ein wundervolles Karma des Friedens, der Ruhe und der Dankbarkeit. Kein Schreien, kein Hupen, keine Hektik. Da standen hunderte Menschen schon Freitag und Samstag abends vor den Großbildschirmen überall in der Stadt, auf denen Dokumentationen von damals liefen. Und man hätte eine Stecknadel fallen hören… und vielleicht bin ich in den letzten Tagen doch noch ein Fan geworden. Weil die Berliner*innen sich an diesem besonderen Wochenende nicht hinter ihrer großen Schnauze versteckt haben, sondern ihre wahre Seele gezeigt haben. Und die ist wunderschön… danke dafür!“

 

 

3. André Buch, Kostümbild & Styling zu Inszenierungen:

 

 

Meine Inszenierungslieblinge sind Peeping Tom, eine Tanzkompanie aus Belgien. Sie schaffen es durch einfachste Effekte und Mechanismen, die in unserer digital überfrachteten Welt hinreißend charmant wirken, uns komplett in ihre surreale Welt zu entführen. Verstörend. Atemberaubend. Skurril.

 

 

2. Andreana Clemenz, freie Regisseurin/Autorin/Producerin:

 

 

Bewegendste Inszenierung? Das ist gerade sehr schwer. Ich habe einfach zu viele gute Shows gesehen.

Aber interessant fand ich Ugly Duckling am Deutschen Theater Berlin – coole Vermischung zwischen Märchen „Das hässliche Entlein“ und dem Thema Transgender. In ganz kleinem Setting mit mega Texten und hervorragenden Schauspielern 🙂

 

 

1. Georgos Gakis, Geschäftsführer von Dancing Bear:

 

 

Eine Geschichte der epischen Kontrabalance unterschiedlicher Elemente.
Mann und Frau, Feuer und Wasser, Sonne und Mond.
Eine der Inszenierungen im Stile des antiken Theaters.
Puristisch, stilvoll, bildgewaltig!

 

 

Werbung: Am 28. und 29.11.2019 werde ich mit Prof. Axel Beyer diesen Tages-Workshop zum Thema Inszenierung anbieten. Bist du dabei? Hier geht es zu meinem Buch „Die 7 Gebote der Inszenierung.“

 

 

FrageWelche Inszenierung hat dich bisher am meißten bewegt und warum? Ich freue mich auf Kommentare samt Links!

 

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