Begegnung durch Hören: Marvin Glöckner

24. Juli 2018

Hören Begegnung Marvin Glöckner

Hören — Marvin Glöckner zum Thema Begeg­nung // Photo by Mohammad Metri on Unsplash

 

 

Marvin ist ein Natur­ta­lent und musi­ka­li­sches Genie zugleich. Ich erinnere mich noch gut an eine Produk­tion für die IAA 2011. Wir arbei­teten mit einem inter­na­tional renom­mierten Künstler an der Musik für einen Showpart. Aber die Musik passte nicht zu dem Produkt. Mehrere Anläufe führten ins Leere. Erst kurz zuvor lernte ich den damals 25jährigen Musik­pro­du­zenten kennen, der schon mit “Wir glauben an euch” zur WM 2010 mit und für Sebas­tian Hämer einen Hit landete. Was dann inner­halb von weniger als 24 Stunden folgte, schrieb IAA Geschichte:

 

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Ein weiteres starkes Projekt aus seiner Feder war die Musik bei dieser Präsen­ta­tion auf der CES Las Vegas 2015. Deshalb gehen meine drei Fragen der fünf­tei­ligen Sinnes­organ-Serie im Bereich Hören an Marvin:

 

 

1. Was macht eine wirkungsvolle Begegnung aus?

 

Zur Begeg­nung gehört für mich ein persön­li­cher Zusam­men­stoß von zwei Seelen. Es gibt nichts ernüch­tern­deres als mit dem Telefon eine 20-stellige Durch­wahl­nummer einzu­tippen, um dann doch am anderen Ende von einem compu­ter­ge­ne­rierten “Will­kommen bei der Hotline…” begrüßt zu werden.

 

Richtig wirkungs­volle Begeg­nungen sind die, wo es tief geht — eine Berüh­rung, die es geschafft hat Schutz­hüllen und Abwehr­me­cha­nismen zu passieren. Wo jemand sich öffnet und damit verwundbar macht, erlaubt von der Begeg­nung verän­dert zu werden.

 

Es gab ein paar wenige Momente in meinem Leben, wo jemand mir direkt ins Herz sprach und eine Wahrheit verba­li­sierte, für die ich bisher taub war und derer ich mir nun schlag­artig bewusst wurde. Diese Begeg­nungen werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

 

 

2. Worauf ist bei der Gestaltung einer Begegnung zu achten?

 

Wem begegne ich? Für wirkungs­volle Begeg­nungen gibt es kaum eine wich­ti­gere Frage als die des Kontexts, der Erwar­tungen bezie­hungs­weise der Situa­tion der zu-Bege­g­­nenden. Natür­lich kann man eine Reise starten und auf dem Weg alle Teil­nehmer der Begeg­nung Stück für Stück einsam­meln. Aber wer den Kontext versteht, wer weiß, was die Anwe­senden denken — der kann mit ein paar präzisen Worten den gesamten Groß­stadt­hirn­ver­kehr umgehen.

 

Das gilt für die erste Minute eines Films, für die erste Seite eines Buches, genau wie für die ersten Sekunden eines Songs. Ein super Beispiel ist “Chasing Cars” von Snow Patrol. 7 Sekunden davon im rich­tigen Moment und die Tränen kullern. ;-) Ich liebe diese Momente einer perfekten Antwort auf die unaus­ge­spro­chene Frage des Kontexts. Nach diesen Antworten suche ich mit meiner Arbeit.

 

 

3. Was können Eventgestalter bei der Planung von Begegnungen davon lernen?

 

Ich meine es hat sogar neuro­phy­sio­lo­gi­sche Gründe, aber Musik und Ton sind einfach Meister der Kommu­ni­ka­tion von Emotion. Insbe­son­dere, wenn die Aufmerk­sam­keit einem anderen Sinn gehört. Ich kann wärms­tens empfehlen einmal den Test zu machen und die span­nendste Stelle eines Thril­lers oder Horror­films ohne Ton zu sehen. Ein ziemlich ernüch­terndes Erlebnis. Inter­es­san­ter­weise passiert jedoch ähnli­ches, wenn man seine Aufmerk­sam­keit zu 100% dem Gehör widmet und kritisch-analy­­tisch bewusst auf den Ton bezie­hungs­weise die Musik achtet. Sofort verliert die Szene an Magie.

 

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Incep­tion Sound­track von Hans Zimmer zum Hören // Quelle: Youtube

 

Es ist ähnlich wie bei Incep­tion: Wer es versteht Musik und Ton effektiv (unbe­merkt) einzu­setzen, akti­viert einen Super­agenten, der in das Gehirn seiner Opfer schleicht und dort die Türen für verän­dernde Begeg­nung öffnet.

 

 

Apropos Hören & Begegnung…

 

Ich habe den Eindruck unsere Gesell­schaft sucht mehr und mehr nach indi­vi­du­eller Begeg­nung. Menschen wollen ihr ganz eigenes Erlebnis, statt wie alle anderen regu­lären Teil­nehmer die Standard-Expe­­ri­ence mitzu­ma­chen. Wir nehmen ein Schul­system mit 30 Kindern pro Lehrer als abso­lutes Problem wahr. Eine Veran­stal­tungen mit 2.000 Teil­neh­mern pro Redner ist aber normal (Mario Barth’s Welt­re­kord lässt grüßen…). Wir werden es wohl nicht schaffen für jeden Besucher unserer Events einen persön­li­chen Soulmate-Begleiter per Knopf im Ohr zu enga­gieren (viel­leicht wird das per AI bald möglich). Mich faszi­niert aber der Gedanke, wie viel effek­tiver unsere Events wären, würden wir sie nur für eine einzige Person kreieren. Absolut alles, was geschieht, dreht sich (zumin­dest aus der Wahr­neh­mung des Teil­neh­mers) einzig und alleine um diesen einen Menschen.

 

 

Hören Marvin Glöckner inteativ musicAbout Marvin Glöckner: I am all about smart creativity.
Learned to play piano at the age of 5, added trumpet, drums and then got lost in produ­cing music on the computer. I studied music produc­tion and inter­na­tional music business, recorded bands, choirs, symphony orche­s­tras and ran with binaural micro­phones through the woods. I played in front of 500.000 live and 3.4 million on TV, ran into a bit of pop music fame but didn’t like the taste of it. I love big produc­tions though — espe­cially live shows, but in general ever­ything where a bunch of talented people join together to create audio­vi­sual art. In my free time I play board games till 05:00am and build space ships in Unity 3d. I am based with wife & two kids in Madrid.

 

 

Andere Beiträge in der fünf­tei­ligen Sinnes-Blog­­serie zum Thema Begeg­nung:

Riechen > Parfu­meur // Fühlen > Stunt­Woman // Sehen > Exte­rieur Designer // Schme­cken > Chocolatier

Hier das Inspi­ra­ti­ons­buch zum blättern, entde­cken und verschenken: Begeg­nung gestalten — 33 Interviews

 

 

Frage: Welches Hör-Erlebnis kommt dir beim Wort “Begeg­nung” in den Sinn? Ich freue mich über deine Geschichte:

 

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