Wirkungsvoll Präsentieren // Tipps vom Sprechercoach

29. Juli 2015

Wirkungsvoll Präsentieren Rede Sprechercoach

Wirkungs­voll Präsen­tieren — damit Inhalte besser ankommen… // Tipps von Spre­cher­coach Prof. Chris­toph Hilger

 

 

Immer wieder sitze ich als Regis­seur in Vorträgen von Unter­nehmen und nehme dabei quali­tativ sehr unter­schied­liche Vorträge wahr. Im Zuge dessen ist mir der Medi­en­coach Chris­toph Hilger aufge­fallen. Auf einer Veran­stal­tung erlebte ich wie er einem Topma­nager konkret half, seinen Vortrag im Raum zu diffe­ren­zieren.

 

Die Wirkung und die Poin­tie­rung seiner Aussagen nahm schlag­artig zu. Deshalb habe ich ihn als Experten gefragt, worauf es bei guten Präsen­ta­tionen ankommt und wie Redner besser beim Publikum punkten könnten.

 

 

1. Worauf ist beim Präsentieren vor Publikum aus Ihrer Erfahrung zu achten?

 

Viele Präsen­ta­toren denken zu sehr aus ihrer ICH-Perspe­k­­tive. Viele greifen zusätz­lich eher auf geschrie­bene Vorlagen zurück. Aufgrund meiner Beob­ach­tungen gibt es drei wichtige Grund­vor­aus­set­zungen:

 

a) Der Beginn von Rhetorik ist, wenn man für die anderen und nicht aus sich selbst schreibt.
b) Die geschrie­bene Sprache folgt völlig anderen Gesichts­punkten als der gespro­chene Sprache. Manche Präsen­ta­tionen wirken daher eher wie ‚betreutes Lesen‘ als ein erfri­schender Vortrag.
c) Vielen Rednern fehlt das Bewußt­sein dafür, dass sie mit einer Präsen­ta­tion nicht als Mensch oder Führungs­kraft, sondern als Präsen­tator gefragt sind.

 

Das Bewußt­sein, was ein Präsen­tator oder Redner darf, wie viel mehr er/sie an Pausen machen darf, wie man ein Publikum ‚in Atem hält‘, veredelt die Funktion des Präsen­ta­tors erst richtig. Das ist häufig eine Mutfrage.

 

 

2. Sie haben das „Präsentationsdreieck-Modell“ entworfen: Worum geht es?

 

Dieses Modell entstand in der Praxis und aufgrund von etlichen beob­ach­teten ermü­denden Vorträgen, in denen ich mich fragte, wie um alles in der Welt man eigent­lich span­nende Stoffe hätte spannend halten können…

 

Ein Geheimnis war die Diffe­ren­zie­rung des Vortrags in unter­schied­liche Haltungen, die sich abwech­seln sollten, damit man in seinem Vortrag inter­es­sant bleibt. Inter­es­sant ist es, dass jeder Punkt in einem Raum auch schon äußer­lich eine andere Bedeu­tungs­mög­lich­keit gibt. Dieses Wissen findet meist viel zu wenig Aufmerksamkeit.

 

Sobald man einen Raum betritt, um in ihm zu wirken, ist dieser Raum IMMER eine Bühne und sollte mit Bühnen­ge­setz­mä­ßig­keiten behan­delt und betrachtet werden. Das bedeutet prak­tisch, ihn für Präsen­ta­tionen in 4 Punkte auf 2 Ebenen aufzu­teilen (siehe Skizze). Ein Punkt ist reser­viert für ein Flip­chart oder die Leinwand einer Power­­point-Präsen­­ta­­tion. Drei Punkte bleiben übrig. Jeder Punkt, den man bespielt, steht für eine andere innere und somit auch äußere Haltung.

 

 

Präsentationsdreieck Modell Präsentationscoaching Christoph HilgerWirkungs­voll Präsen­tieren: Präsen­ta­ti­ons­dreieck Modell // Quelle: Chris­toph Hilger

 

 

In der vorderen Ebene ist der direk­teste Punkt vor dem Publikum und damit der perfekte PRÄSEN­TA­TIONSpunkt für eine ICH-Botschaft, eine Selbst­vor­stel­lung oder auch einen Appell, also sehr geeignet für sowohl Einstieg als auch Ausstieg eines Vortrags. Der Punkt hinten neben dem Chart oder der Leinwand, soweit über­tragbar, ist der beste Demons­tra­ti­ons­punkt, um gleich­be­rech­tigt zum Chart Infor­ma­tionen abzu­ar­beiten, in denen man selbst etwas hinter den Zahlen oder Fakten zurück­tritt. Von dort aus kann man aber schlecht über die Ergeb­nisse reden. Das kann man am besten vom Mode­ra­ti­ons­punkt aus. Hier vermit­telt der Vortra­gende zwischen einem Chart und dem Publikum, mode­riert die Ergeb­nisse oder beant­wort Fragen.

 

Im guten Zusam­men­spiel zwischen den 3 Punkten, die sich auf beinahe jeden Raum ange­passt über­tragen lassen, wird ein Vortrag lebendig und zeigt eine Varia­bi­lität und Souve­rä­nität des Redners, ohne dass man groß an dem Thema Souve­rä­nität arbeiten müßte. Sie ist quasi ein Neben­pro­dukt, denn: Wer sich über­zeu­gend in einem Raum bewegt, wirkt in diesem Raum souverän mit sich und seinem Thema. Abge­sehen davon gibt diese Auftei­lung dem Vortra­genden die Erlaubnis, sich entschieden und damit frei zu bewegen.

 

 

3. Welche weiteren Tipps können Sie Vortragenden mit auf den Weg geben?

 

Ein weiteres Modell kann ich anbieten: Ich nenne es ein Aufmer­k­­sam­­keits­­kreis-Modell. Als Mensch (Kreis 1) in seiner Funktion als Vortra­gender (Kreis 2) mit einem Publikum (Kreis 3) zu sprechen, heißt, zu wissen, dass man in seiner Funktion komplette Macht über sein Publikum hat. Diese Macht muss ich einsetzen, sonst wirkt mein Auftritt unsicher oder ungenau. Meist ist ein Publikum wohl gesonnen. Fast niemand geht in einen Vortrag, um sich zu langweilen.

 

Machen Sie sich klar, wie Sie sich einen Vortra­genden wünschen, damit Sie ihm gerne zuhören — und handeln Sie entspre­chend. Lassen Sie sich von allen Stil­mit­teln anderer Vortra­genden inspi­rieren, die Ihnen selbst am besten gefallen und benutzen Sie sie selbst!

 

 

4. Wo lassen Sie sich in Sachen innovativer Präsentationstechniken inspirieren?

 

Ein Buch finde ich für viele Vortra­genden inter­es­sant, es heißt Pitch it! Die Kunst, Film­pro­jekte erfolg­reich zu verkaufen. Da sind Ideen für Regis­seure und Dreh­buch­schreiber zusam­men­ge­fasst — diese müssen ihre Ideen auch in 1–3 Minuten an den Mann bringen können. Es ist ein völlig anderer Ansatz als übliche Präsen­ta­ti­ons­tech­niken — so zu denken, macht viel Spaß und öffnet den Kopf.

 

Spannend finde ich auch so etwas wie das Buch Menschen lesen: Ein Fbi-Agent Erklärt, Wie Man Körper­sprache Entschlüs­selt von einem FBI-Agenten. Auch wenn es ameri­ka­nisch ist, ist sicher eine Quint­essenz: Das, was ich am meisten versuche, zu verste­cken, wird am meisten sichtbar. Und das gilt nicht nur für die Profis. Wer danach noch versucht, seine Aufge­regt­heit zu verbergen, ist selber schuld. Aufre­gung ist teil­weise das Salz in der Suppe des Vortra­genden, die muss man nutzen!!!

 

 

5. Wirkungsvoll Präsentieren: Was sind die größten Fehler?

 

Parken an einer Stelle, zu bewusst stehen­bleiben, ausfor­mu­lierte Charts, die man abliest. Zu volle Charts. Es gibt selbst­ver­ständ­lich noch viel mehr mögliche Fehler. Über­lie­fert ist der Spruch eines ameri­ka­ni­schen Generals zu einem Chart über den Afgha­­ni­­stan-Krieg: “Wenn wir dieses Chart verstanden haben, haben wir den Krieg gewonnen.“

 

Afghanistan PPTDeath by Power­Point — ein Bild und seine Geschichte // Quelle: Wired

 

 

 

WIRKUNGSVOLLER PRÄSENTIEREN Sprechercoach Christoph Hilger Mediencoach Wirkungsvoller Praesentieren Chris­toph Hilger ist Schau­spieler, Sprech­erzieher und Medi­en­coach. Nach dem Start auf der Bühne und mit circa 80 eigenen Dreh­tagen vor der Kamera, war er ab 1994 bis 2006 als Medi­en­coach für Serien und Mode­ra­ti­ons­for­mate tätig. Im Auftrag verschie­dener Sender beglei­tete er Akteuere von der Vorbe­rei­tung von Sendungen bis zur Betreuung vor der Kamera. Zwischen 2006 und 2011 war er berufen zum Professor für medi­en­spe­zi­fi­sches Sprechen an der Film­hoch­schule Babels­berg, zustän­digfür die Ausbil­dung von Schau­spieler in stim­m­­lich-sprach­­li­chen Themen und in rheto­ri­schen Fragen für ange­hende Regis­seure und Produ­zenten. Seit 2003 coacht Chris­toph Hilger Firmen wie den VW-Konzern, Ikea und vielen andere mit den Themen Körper­sprache, Stimme, Sprache und Rhetorik. Dabei hat er viele darstel­le­ri­sche Prin­zi­pien an die beson­deren Anfor­de­rungen von Menschen in Führungs­auf­gaben ange­passt. Seit 2011 ist er als Professor frei­be­ruf­lich aus dem Rhein­land bundes­weit unter­wegs. Seine Schwer­punkte liegen im Bereich der Präsen­ta­ti­ons­un­ter­stüt­zung und ‚Signale von Führung‘ in Einzel- und Gruppenprozessen.

Weitere Infos: www.Hilger-Christoph.de

 

 

Frage: Was hilft dir wirkungs­voller zu präsen­tieren? // Für alle, die mit ihrer Präsen­ta­tion wirkungs­voller werden wollen empfehle ich das Auftritts­coa­chingWirkungs­voll Präsen­tieren”.

 

 

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