Event neu denken: 5 inspirierende Projekte

4. Mai 2017

Event neu denken Kurzoper Katharina

Event neu denken: 5 inspi­rie­rende Projekte für die Event­kon­zep­tion // Gast­bei­trag von Katha­rina Stein

 

 

Lang­jäh­rige Erfah­rungen sind für einen Eventler von großer Bedeu­tung. Vieles lässt sich nicht in der Theorie erlernen, sondern bedarf mehr­jäh­riger Berufs­praxis. Jedoch birgt diese Erfah­rung auch Probleme: Man läuft Gefahr in Routinen zu verfallen und auf vermeint­lich altbe­währte Konzepte zurück­zu­greifen. Ein Todes­stoß für die Entwick­lung neuer und indi­vi­duell ausge­rich­teter Event­kon­zepte! Daher müssen wir uns regel­mäßig von Routinen frei­ma­chen und nach Quellen suchen, die uns auf andere Ideen und Ansätze bringen. 

 

Lohnens­wert ist vor allem der Blick über den Teller­rand der eigenen Branche hinaus. Künst­le­ri­sche und kultu­relle Projekte bieten sich an, denn dort wird deutlich unge­hemmter expe­ri­men­tiert und Neues gewagt. Wie beispiels­weise in den folgenden fünf Projekten der letzten Jahre, die Dich bei Deinem nächsten Event­kon­zept viel­leicht anregen, mal anders zu denken.

 

 

Ruhe anstatt Reizüberflutung

 

Vieles in unserer Welt möchte mit auffäl­ligen, spek­ta­ku­lären Eindrü­cken über­zeugen. Auch bei Events denkt man häufig, es müsse laut, bunt und lebendig zugehen. Aber warum eigent­lich? Ruhe und ein ziel­ge­rich­teter Fokus ermög­licht es Menschen, sich besser zu konzen­trieren und Erleb­nisse viel tiefer zu erleben und zu erinnern!

 

Ein inspi­rie­rendes Beispiel dafür ist das Projekt „Remote X“ von der Künst­ler­gruppe Rimini Proto­koll. Mithilfe von Funk­kopf­hö­rern wird eine Gruppen von circa 50 Menschen durch eine Stadt gelotst. Eine künst­liche Stimme leitet und spricht mit den Menschen. Zusätz­lich unter­malen Kunst­­­kopf-Aufnahmen und Film­musik den unge­wöhn­li­chen Spazier­gang. Auch wenn jeder für sich der Stimme lauscht, entsteht doch ein Schwarm­ge­fühl. Die Teil­nehmer beob­achten sich gegen­seitig, fragen sich, ob die anderen das gleiche hören, ob sie auf die Stimme hören, ihr vertrauen und wie sie auf ihre Anwei­sungen reagieren sollen. Ein unge­wöhn­li­ches, sehr fokus­siertes und an sich ruhiges Erlebnis, das aber trotzdem Gedanken und Emotionen aufwühlt und geradezu aufre­gend ist. Die erzwun­gene Isola­tion (durch die Kopf­hörer) fördert zudem das Bedürfnis sich mit anderen auszu­tau­schen, während dessen mit Blick­kon­takten und danach verbal.

 

Ein aufre­gendes Erlebnis, das in Erin­ne­rung bleibt, muss also gar nicht laut und bunt sein.

 

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Event neu denken: Audio­tour durch Berlin // Quelle: Rimini Protokoll

 

 

Übliche Raumstrukturen neu denken

 

Veran­stal­tungen sind zumeist ähnlich aufge­baut: Eine für Events gedachte Location wird gebucht. Es gibt eine Bühne mit Bühnen­show und das Publikum sitzt in Rängen davor. Es wäre doch spannend all das mal über den Haufen zu werfen, oder?! Mathis Nitschke hat das mit seinen Opern­in­stal­la­tionen „Viola“ und „Katha­rina“ auspro­biert.

 

Die Bühne ist ein belebter, öffent­li­cher Platz. Dieser Raum wird jedoch nicht für Passanten abge­sperrt, der alltäg­liche Trubel gehört zur Insze­nie­rung und bildet das Umfeld der Kurz­opern. Das Publikum „versteckt“ sich derweil im Schau­fenster eines Reise­büros bzw. einer Apotheke. Zu Beginn können sie die Haupt­dar­stel­lerin hören, müssen sie aber erst auf dem Vorlatz loka­li­sieren, bevor sie ihre Geschichte und ihr Schau­spiel zwischen den ganz normalen Menschen verfolgen können. Die unge­wöhn­liche Position des Publi­kums lässt auch sie Teil der Insze­nie­rung werden: manchmal sind sie unsicht­barer Beob­achter und manchmal werden sie von über­raschten Passanten im Schau­fenster beobachtet.

 

Beim nächsten Mal Bühne, Publikum und Location also einfach mal ganz anders denken.

 

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Mittendrin — das Publikum direkt im Geschehen

 

Ein anderes Beispiel-Projekt löst die räum­liche Grenze zwischen Bühne und Publikum ganz auf. Bei der Konzert­reihe Mitten­drin des Konzert­hauses Berlin werden Besucher und Musiker gemischt im Raum posi­tio­niert. Besucher sitzen so direkt neben den Geigen, Klari­netten oder Kontra­bässen und ihren Spielern. Allein über diese unkon­ven­tio­nelle Bestuh­lung werden gleich mehrere außer­ge­wöhn­liche Erleb­nisse ermög­licht. Die Besucher können ihren Lieb­lings­in­stru­menten und Spielern ganz nah sein und ihnen genau auf die Finger schauen. Gleich­zeitig ist der akus­ti­sche Eindruck ein ganz anderer, da gewisse Instru­mente näher, andere weiter weg sind. Nicht zuletzt schafft die Nähe zwischen Musikern und Publikum vor und nach dem Konzert Austausch­mög­lich­keiten, die sonst nicht gegeben sind.

 

In der Form etwas für Musik­lieb­haber, aber man könnte das Konzept auch auf andere, geeig­nete Veran­stal­tung adap­tieren, bei denen mehr Nähe zwischen Menschen auf der Bühne und im Publikum erzeugt werden soll.

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Hier die Perspek­tive der Musiker — oben die der Besucher // Hier weitere Fotos

 

 

Blickwinkel & Bewegungsmuster ändern

 

Eine Ausstel­lung besich­tigt man in der Regel zu Fuß. Wie sonst, fragt man sich instinktiv. Ande­rer­seits kennt jeder von uns, den in einem Museum mit der Zeit wach­senden Wunsch nach einer Sitz­mög­lich­keit. Es stellt sich also die Frage, ob wir eine Ausstel­lung nicht viel besser, länger und entspannter erleben könnten, wenn wir typische Bewe­gungs­muster der Besucher (durch eine Ausstel­lung gehen) ändern würden? Wie beispiels­weise die Ausstel­lung SO100, die in Tel Aviv zu sehen war.

 

Die Ausstel­lungs­wände waren nicht wie sonst üblich auf dem Boden aufge­stellt, sondern an der Decke befes­tigt. Ein drei­di­men­sio­nales Gitter bildete in der oberen Hälfte des Raumes einzelne, abge­schlos­sene Räume. Den Besu­chern standen fahr­bahre Büro­stühle zur Verfü­gung, um unter­halb der Räume hindurch zu rollen oder sich entspannt im Sitzen umzu­schauen. Für manche Exponate musste man aber auch aufstehen, um besser in Fächer schauen oder einen Text lesen zu können. Der Besucher war also ständig in Bewegung und konnte die jeweils bequemste Position wählen. Nicht zuletzt entstanden so auch immer wieder andere Blick­winkel und ‑höhen, die die Abwechs­lung steigerten.

 

Auch wenn man zuerst nicht auf den Gedanken kommt, eine Ausstel­lung kann man tatsäch­lich auch nicht zu Fuß, sondern z.B. auf einem Büro­stuhl besuchen. Fotos finden sich hier.

 

 

Veranstaltung Event neu denken Geruchsorgel Osmodrama

Geruchs­orgel Osmodrama // Event neu denken — auch olfak­to­risch durch Gerüche

 

 

Andere Sinne ansprechen

 

Eigent­lich bietet die Live-Kommu­­ni­­ka­­tion den großen Vorteil, dass wir alle Sinne anspre­chen und somit viel tiefere Emotionen wecken können. In der Event­praxis wird das aber leider eher selten ausge­schöpft. Oftmals domi­nieren visuelle und akus­ti­sche Eindrücke. Beson­ders der olfak­to­ri­sche Bereich birgt viel Poten­zial, ist aber auch nicht leicht einzu­bringen. Erzeugte Gerüche sind manchmal zu künst­lich und verfehlen ihre Wirkung. Außerdem sind sie nur schwer ziel­ge­richtet, räumlich lenkbar.

 

Eine vom Medi­en­künstler Wolfgang Georgs­dorf entwi­ckelte Geruchs­orgel scheint hier jedoch neue Möglich­keiten zu eröffnen. Das 1,6 Tonnen schwere Instru­ment kann über 64 Geruchs­ka­näle vorge­fer­tigte Gerüche kontrol­liert im Raum verteilen. So können Gerüche zeitlich und räumlich genau getimed werden, sich im Raum verteilen und auch schnell wieder verschwinden. Im letzten Jahr konnte man den soge­nannten Smeller 2.0 in Berlin live erleben, ganz alleine oder aber auch in Verbin­dung mit Klang, Musik, Film, Tanz und Literatur.

 

Eine sehr span­nende Option, da, wie auch in den Besu­cher­stimmen zu hören ist, sofort berüh­rende Emotionen und Bilder geweckt werden. Mit einem vermut­lich recht hohen Budget gibt es keine bessere Methode Menschen emotional zu erreichen!

 

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Event neu denken: Was hilft dir bei der Inno­va­tion und Verän­de­rung von Veran­stal­tungen? Freue mich über Kommen­tare und Tipps zu Quellen der Inspi­ra­tion für euch unterhalb.

 

 

Weitere Tipps und Impulse:

Event neu denken: Inspi­ra­tionen vom Eveos Blog

Veran­stal­tungs­kon­zep­tion // 7 Kern­fragen für erfolg­reiche Events

Event-Konzept: Mit diesen 13 Fragen wird jede Veran­stal­tung besser…

 

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