Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht!

10. April 2015

Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht!

Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht! // Der Ton macht die Musik…

 

 

“Das Auge‬ führt den Menschen in die Welt.
Das ‪Ohr‬ führt die Welt in den Menschen.”
// Lorenz Oken, Deut­scher Natur­for­scher und Arzt, 1779–1851

 

 

In der Live-Kommu­­ni­­ka­­tion schaffen wir Erleb­nisse, die emotional berühren. Dabei wird viel Wert auf Licht­de­sign und Film­ein­spieler gelegt. Denn damit erzeugen wir Wirkung.   Richtig.

 

Hiermit möchte ich aber eine Lanze für den Ton brechen, denn:

 

Musik umgibt uns. Ständig. Dabei geht sie direkt ins Herz.

Sie weckt Emotionen. Ohne Umweg über den Kopf.

 

Das können wir gezielt einsetzen, um Menschen zu bewegen. Musik ist das Emotio­nalste über­haupt. Aller­dings nutzen wir diese Diszi­plin noch viel zu unbe­wusst. Leider. Ich frage mich immer wieder, warum Sound Design eigent­lich so vernach­läs­sigt wird? Dabei ist doch die Musik der Schlüssel zu Gefühlen und somit starken Erlebnissen.

 

Aus meiner Erfah­rung geht es bei Veran­stal­tungen immer zuerst um Licht und Bild. Ich gestehe, dass sich das auch in meiner Arbeit und Selbst­ver­ständnis oft so verhält. Frei nach dem Motto: Tja, dann ist da ja noch der Ton…

 

 

Sound Design — worum geht es?

 

Zuge­geben, der Tonbe­reich ist nicht leicht zu umreißen: Film, Hörspiele, Hörfunk, Fern­sehen, künst­le­ri­sche Instal­la­tionen, Multi­­media-Anwen­­dungen bis zu Compu­ter­spielen — ein weites Feld. Sound Design, also die kreative Arbeit mit Klängen und Geräu­schen, unter­scheidet sich von der Kompo­si­tion eines Musik­stücks oder den Audio­auf­nahmen im Studio. Sound Design kommt im Event­be­reich vor allem im Beschal­lungs­kon­zept vor Ort zum tragen. Besucher können so begeis­tert werden, ins Staunen geraten und durch span­nende Effekte auch vom Ton gekit­zelt werden!

 

Die Basis hierfür ist natür­lich eine gute Planung. Ange­fangen vom Musik­kon­zept zur Kompo­si­tion, Aufnahme und wie die Beschal­lung vor Ort einge­messen wird. Alles, um mit Ton clever und wirkungs­voll Emotionen zu über­tragen. Spannend wird es dann, wenn kreative Tonef­fekte zum Einsatz kommen, um Inhalte zu trans­por­tieren. Die Klang­in­stal­la­tion O wie Omicron ist für mich ein beein­dru­ckendes Beispiel dafür. Aller­dings kann gutes Sound Design nur funk­tio­nieren, wenn man eben nicht erst vor Ort überlegt, sondern sich schon von Beginn an Gedanken zum Sound Design macht.

 

Das fehlt aber leider viel zu häufig bei Events.

 

 

Verbesserungspotential: Sprachverständlichkeit, Probenzeiten & Standards

 

Konkret: Wie oft habe ich schon Filme hören müssen, bei denen die Sprach­ver­ständ­lich­keit unter einer schlechten Mischung mit zu lauter Musik leidet. Warum die Tonspuren nicht vonein­ander getrennt auf unter­schied­li­chen Ebenen anlie­fern, um sie dann vor Ort pass­genau zu mischen? Während das Licht­de­sign vor Ort immer noch schnell und mit über­schau­barem Aufwand ange­passt werden kann, ist man beim Ton einfach auf das ange­wiesen, was ange­lie­fert wird. “Shit in — shit out”, wie ein alter Spruch der Tonkol­legen lautet.

 

Ein Misch­pult ist eben kein Klärwerk.

 

Ande­rer­seits bedingt es aber auch Sound­äs­theten hinter den Misch­pulten, die sich dieser Fein­heiten annehmen und daran arbeiten. Zu oft kommen leider aber mp3-Titel, die auf einer einge­mes­senen Anlage einfach nicht wie am heimi­schen Laptop klingen können. Wäre ja auch komisch. Oder: “Wir produ­zieren gerade noch was” und dann kommt ein unge­mas­tertes mp3, was unter­schied­liche Pegel hat. Um ein quali­­tativ-lineares Klang­er­gebnis zu erzeugen, ist das Maste­ring unabdingbar.

 

Ähnlich verhält es sich bei den Proben­zeiten. Bild und Licht bekommen oft lange Slots einge­räumt, während der Ton als funk­tio­nie­rend voraus­ge­setzt wird. Ich kann mich in 15 Jahren nur an eine TV-Orches­­ter­­pro­­du­k­­tion erinnern, in der es vorrangig um den Ton ging. Geschweige denn, dass den Tonkol­legen in den Probe­zeiten extra Aufmerk­sam­keit gewidmet wurde. “Es muss halt einfach alles laufen”.

 

 

Entscheidungsfrage: Idealismus vs. Wirtschaftlichkeit?!

 

Sicher kommt es darauf an, was und ob der Kunde in Sachen Ton will. Sofern er eine Notwen­dig­keit sieht, dann wird es auch eine Prio­rität von Beginn an dafür geben. Es geht ja nicht darum den Ton über alles zu stellen, jedoch auch nicht kate­go­risch zu vernach­läs­sigen. Spannend ist für mich darüber nach­zu­denken, warum der Ton so und so viel Stel­len­wert bekommt (Zeit, Geld, Gedanken). Oder anders gefragt: Was wäre wenn?

 

Was wäre, wenn…

• die Musik­kom­po­nente ganz­heit­lich von Beginn an gedacht wird.

 sauber produ­ziert, einge­messen und geprobt wird.

 Menschen aufgrund des Tons emotional ergriffen und trans­for­miert werden.

 wir unsere Haltung zum Ton über­denken und diesem mehr Prio­rität einräumen.

• dadurch wirkungs­vol­lere Events geschaffen werden…

 

Die Kritiker werden mit der Wirt­schaft­lich­keit um die Ecke kommen. Ja, das ist ein Thema und nein, das ist kein Thema. Ideen kosten Erfah­rung, Routine, Zeit und Gehirn­schmalz. Und ja, manches lässt sich nur mit entspre­chendem Budget umsetzen. Andersrum wäre legitim nach­zu­fragen: Wenn ich 10.000 Euro rein­stecke, erhalte ich 15.000 Euro Gegen­leis­tung (in Form von inma­te­ri­ellen Entschei­dungen, realer Absatz­er­hö­hung bei der Ziel­gruppe einer Messe etc.)? Wo funk­tio­niert das, und wo nicht? Was ist Idea­lismus? Was ist Kunst? Und wofür mache ich das alles?

 

 

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Sound Design ist echt harte Arbeit… ;) // Video: youtube

 

 

Fazit: Musik setzt Emotionen frei wie kaum ein anderes Stil­mittel. Gleich­zeitig wird sie so unter­schätzt wie kaum ein anderes Gewerk. Licht und Visu­elles reizen unsere Sinne massiv — dabei macht wie in jedem Hitch­­cock-Film der Ton 50% des Erleb­nisses. Das real spürbare Ungleich­ge­wicht bei Events ist daher für mich unver­ständ­lich. Wir sollten die Möglich­keiten des Tons wieder gezielter nutzen und eine ange­mes­sene Prio­rität geben.

 

 

Hier Teil 2, in dem ich einige Sound Designer nach ihren Ansätzen, Meinungen und Ideen befrage. Inter­es­sieren könnte dich auch dieser Beitrag zur akus­ti­schen Marken­füh­rung: Audio Branding bei Events.

 

FrageWie nimmst du die Bedeu­tung vom Ton bei Events wahr? Was sollte sich ändern? Was ist angemessen?

 

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