Interaktive Events: 6 Inspirationen, die Menschen besser einbinden

Interaktive Events: 6 Inspirationen, die Menschen besser einbinden // Gastbeitrag von Katharina Stein

 

 

Von zeitgemäßen Events wird erwartet, dass sie interaktiv sind. Ein geflügeltes Wort, das recht inflationär benutzt wird. Damit ist ein „wechselseitiges aufeinander Einwirken von Akteuren oder Systemen“ gemeint. Teilnehmer sollen aktiv eingebunden werden, ihnen werden Möglichkeiten der Teilhabe – inhaltlich oder sensorisch – geboten, um ein Erlebnis oder Inhalte besser zu verinnerlichen. Doch wie kann Interaktion sinnvoll und bewusst gefördert werden? Welche Elemente einer Veranstaltung können wir wie nutzen, um den den Austausch, die Teilhabe oder die Nutzung von Informationsangeboten anzuregen?

 

Die folgenden sechs Praxisbeispiele aus Kunst, Kultur und Wirtschaft zeigen anschauliche Möglichkeiten für interaktive Events. Welche Formen der Interaktion fördern mit teils einfachsten Mitteln die Wirkung? Erprobte Vorbilder und Inspirationen für Dein nächstes Event!

 

 

Interaktive Events erforderen Reduktion

 

Wir neigen im Eventmarketing dazu dem „höher-schneller-weiter“-Prinzip zu huldigen. Spektakuläre, bunte, laute Inszenierungen, die die Menschen zum Staunen bringen sollen. Doch all dies hat eine stark ablenkende Wirkung. Wer Interaktion fördern möchte, sollte das Eventkonzept reduzieren anstatt es zu überladen!

 

Ein großartiges Beispiel liefert uns die Food Designerin und Künstlerin Marije Vogelzang. Bei ihrem Konzept für eine Weihnachtsfeier hat sie das Event auf das aller Nötigste reduziert: keine Show, keine bunte Deko, keine Ablenkung. Dafür hat sie mithilfe eines von der Decke hängenden Stoffs sogar den umgebenden Raum sowie die unterschiedliche Kleidung der Teilnehmer „ausgeblendet“.

 

Interaktive Events Marije Vogelzang Sharing Dinner

 

Der Fokus lag auf dem gemeinsamen Essen. Durch gezielte, konzeptionelle Elemente unterstützte sie die Interaktion zwischen den Teilnehmern. Als Anregung zum Kontakt erhielten die Gäste unterschiedliche Lebensmittel und Portionen, die sie miteinander teilen sollten: Ein Gast erhielt zwei Scheiben Melone, der andere zwei Scheiben Schinken. Brot, Wein und Wasser, die man selbst schneiden und verteilen beziehungsweise sich gegenseitig einschenken musste, dienten der Interaktionsförderung.

 

Das fantastische an diesem Projekt ist die Einfachheit und gleichzeitige Effizienz. Zielgerichtete Interaktion braucht keine aufwändigen Medienangebote, aber einen konzeptionellen und bewusst gestalteten Fokus auf bestimmte Handlungen und Erlebnisse, die die Menschen zusammenbringen.

 

 

Haptische Elemente fördern die Nutzung

 

Gerade digitale Inhalte, Projektionen oder Inszenierungen gehören mittlerweile zum Alltag in der Live-Kommunikation. Doch der Erlebniswert über einen Display zu wischen oder etwas zu klicken ist relativ begrenzt. Haptische Reize können digitale Inhalte bereichern sowie die Nutzung fördern. Schon alleine, weil sie, sofern sie von Weitem unser Interesse wecken, ein Näherkommen erfordern.

 

So müssen und sollten es nicht immer nur digitale Medientische sein. Viel spannender sind – sensorisch betrachtet – Angebote wie Kreek. Ein Multitouch Interface mit elastischer Projektionsfläche. Über Berührung und Druck des Betrachters werden zugeordnete Bilder auf die Fläche projiziert. Dieses Angebot eignet sich nicht nur viel besser, um Schichten eines Produkts besser zu verdeutlichen. Es ist auch für den Menschen ein anziehenderes und interessanteres Erlebnis, das zur Interaktion anregt.

 

 

Ein anderes sehr schönes Beispiel sind medial unterstützte „interaktive Bücher“, die im Landesmuseum Zürich zu erleben sind. Die äußerlich normalen Bücher lassen sich wie gewohnt umblättern, werden aber mit Projektionen angereichert. Die Vorteile von digitalen Inhalten werden so mit einem sensorisch interessanteren Erlebnis verknüpft und wirken darüber interaktionsfördernd.

 

 

 

Meinungen anderer Menschen ziehen uns an

 

Egal wie unabhängig und eigenständig wir uns selbst einschätzen, der Reiz zu erfahren, was andere Menschen über ein Thema denken oder was sie dazu beitragen können, zieht uns magisch an. Über diesen Vergleich definieren wir uns selbst, werden inspiriert und angeregt, uns eine eigene Meinung zu bilden oder auch etwas beizutragen. Deswegen kann es je nach Konzept sehr wirkungsvoll sein, Gäste nach Meinungen oder Erfahrungswerten zu fragen und diese für alle einsehbar aufzubereiten. So steigern wir die Interaktion und bieten gleichzeitig interessante Inhalte. Wie das für interaktive Events aussehen kann und worauf dabei zu achten ist, zeigen uns folgende Installationen.

 

Die Installation „Before I die I want to…“ geht seit 2011 um die Welt und wurde etliche Male adaptiert. Sie beweist, wie einfach ein interaktives Format funktionieren und dabei unzählige Menschen berühren sowie mitreißen kann. Eine Tafel auf der Menschen ihre Meinung hinterlassen und andere sie nachlesen können, kann grundsätzlich ausreichen. Der wichtigste Aspekt – auch dieser Installation – ist jedoch, dass der abgefragte Inhalt eine gewisse Sinnhaftigkeit oder Relevanz hat. Die Auswahl der Frage ist keinesfalls zu unterschätzen! Sie darf nicht zu komplex, aber auch nicht zu simpel sein. Sie muss für die Zielgruppe von Bedeutung sein.

 

 

Die Stadtteil-Ausstellung und -Aktion „Dear Seattle“ hat diesen Ansatz etwas räumlicher umgesetzt. Ziel war es Meinungen, lokale Geheimtipps und Ideen für die Stadt Seattle zu sammeln. Der wichtigste Anziehungspunkt waren Tische mit Stadtplänen darauf. Dort konnte jeder einen Tipp beispielsweise für einen schönen Designladen im Form eines Fähnchens hinterlassen. Angezogen von den Tipps anderer Menschen wurde man dazu angeregt, näher zu kommen und ein eigenes Fähnchen zu beschriften. Das Schöne an diesem Projekt ist, dass es gut verdeutlicht wie spielerische Elemente (Fähnchen sowie andere Angebote) einen zusätzlichen Anreiz schaffen. Gleichzeitig verfügen sie über sehr geringe Hürden der Beteiligung und sind einfach zu verstehen – zwei ebenfalls sehr wichtige Aspekte beim Thema Interaktion.

 

 

Nachhaltige Interaktion braucht ein Vorher, Währenddessen und Nachher

 

Viele Veranstaltungen, die sich interaktiv nennen, beschränken sich auf einen zeitlich begrenzten Programmteil während des Events. Zum Beispiel ein „interaktiver Workshop“ im Rahmen eines Mitarbeiterevents. Oder eine Zuschauerbefragung via Event App. Das ist der Definition nach interaktiv, aber qualitativ betrachtet ist es eher ein Gimmick ohne großen Effekt. Eine wirklich ernst gemeinte und nachhaltig wirkende Interaktion darf sich nicht auf ein kurzlebiges Ereignis beschränken, sondern Besucher schon vorher, währenddessen und nachher konzeptionell einbinden.

 

Sehr interessante Erklärungen und Beispiele liefert uns die Experience Designerin Claudia Brückner. Sie beschäftigt sich damit, wie Konferenzen interaktiver werden. Ihre Kernthese: Wir sollten durch die bewusste Gestaltung von Raum und Aktivitäten vorher, währenddessen und nachher Erfahrungen gestalten. Anders gesagt, der Fokus des Eventplaners sollte nicht (alleine) auf den Inhalten einer Konferenz liegen, er sollte vielmehr als eine Art Moderator dafür sorgen, dass das ideale Umfeld entsteht, damit Menschen teilnehmen möchten, in Kontakt kommen und sich austauschen. Ein Umfeld, das Interaktion aktiv fördert.

 

Warum die Gäste nicht vorab bei der Referenten- oder Themenwahl einer Konferenz einbinden? Vor Ort sollte die Raumgestaltung bewusst gestaltet werden, damit nicht nur einfach Sitzmöglichkeiten bestehen, sondern so dass sie Gespräche aktiv fördern. Nach dem Event können Ergebnisse eines interaktiven Workshops aufbereitet werden. Damit ist die Chance größer, dass sie zunkünftig tatsächlich umgesetzt oder von den Teilnehmern fortgesetzt werden.

 

Wir müssen Interaktion nur ernst nehmen, viel weiter und fokussierter denken und Konzepte entwickeln, die mehr als Interaktion um ihrer selbst willen sind!

 

 

Frage: Welche Erfahrung machst du im Bereich interaktive Events?

 

 

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5 Methoden & Tipps für interaktive Meetings & Events

 

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