Seminare & Workshops: 7 Meeting Design Tipps, um Vorträge spannender zu gestalten…

30. April 2014

7 Meeting Design Tipps - Baby Crash Kurs

7 Meeting Design Tipps für Work­shops und Seminare // Foto: …neulich im Baby-Crash-Kurs!

 

 

Als werdender Vater sass ich neulich im Baby-Crash-Kurs. Was soll ich sagen, als Event-Konze­p­­tioner habe ich mich schnell gelang­weilt. Die von der Hebamme zu Beginn aufge­baute Erwar­tungs­hal­tung auf ein kurz­wei­liges und span­nendes Semi­nar­wo­chen­ende hat sie leider so gar nicht erfüllt — das wurde schon nach kurzer Zeit klar. Statt­dessen begann ich ihre Füll­wörter in der Kate­gorie ‘ja’ und ‘brav’ zu zählen. An einem Vormittag kam ich dabei auf 356mal. Anstatt aber rumzum­eckern möchte ich dieses Erlebnis zum Anlass nehmen, um konstruk­tive Über­le­gungen zum Besser­ma­chen zu formu­lieren. Worauf sollte ich als Vortra­gender achten, wenn ich ein Seminar oder Workshop gestalte? Wie bringe ich die Inhalte rüber, so dass diese bei den Teil­neh­mern ankommen?

 

 

1. Auf den Einstieg und Schluß achten

 

Wie bei einem guten Vortrag zählt vor allem der Anfang und das Ende. Durch einen gelun­genen Einstieg kannst du die Aufmerk­sam­keit deiner Zuhörer gewinnen und sie moti­vieren, sich auf deinen Vortrag einzu­lassen. Verpasst du diese Gele­gen­heit wirst du die Teil­nehmer nur noch schwer über­zeugen. Zum Abschluss bringst du deine Themen noch mal auf den Punkt. Das wird auch der Moment sein, der am präsen­testen im Kopf hängen bleibt. Daher lohnt es sich sehr, den Einstieg und Schluss jeder Einheit intensiv vorzu­be­reiten und zu üben.

 

Wie eine gute Drama­turgie gelingt schreibe ich hier: Baue eine Struktur (auch wenn’s keiner merkt)

 

 

2. Geschichte erzählen — keine Fakten um die Ohren hauen

 

Der Mensch will unter­halten werden, nicht nur lernen. Und: wir erinnern uns einfach besser an Geschichten als Fakten. Geschichten folgen einem Span­nungs­bogen, den es vom Anfang bis zum Ende zu gestalten gilt. Dieser kann aus Fragen bestehen, die man zu Beginn in den Raum stellt und am Ende zusam­men­fas­send beant­wortet. Er kann aber auch eine Anekdote sein, mit der man einsteigt und auf die man am Schluss wieder Bezug nimmt. Dies sorgt für eine inhalt­liche Struktur sowie die Verknüp­fung der Inhalte mit unter­halt­samen Momenten.

 

Hier mehr, wie dir Story­tel­ling & die Helden­reise dabei helfen können!

 

 

3. Visualisieren, nicht überfrachten

 

Wie kann ich funk­tional und dennoch abwechs­lungs­reich visua­li­sieren? Dabei muss alles visuelle unter­stüt­zend wirken und darf nicht die Aufmerk­sam­keit von dem Präsen­tator wegziehen. Ich stelle mir für die Visua­li­sie­rung folgende Fragen:

 

  1. Was will ich präsen­tieren? Warum ist er wichtig? — Inhalt
  2. Wie kann ich das am besten präsen­tieren? — Struktur
  3. Womit kann ich meine Inhalte am besten visua­li­sieren? — Medi­en­ein­satz

 

Ob ich dann letzt­lich eine Power­Point Präsen­ta­tion, ein einzelnes Anschau­ungs­ob­jekt, Graphic Recording, ein Video, das gute Flip­chart oder sogar bewußt oldschool die Overhead-Folien einbinde, ergibt sich aus dem Nutzen, den ich durch die Form gewinne. In jedem Fall versuche ich verschie­dene Visua­li­sie­rungen einzu­bauen, um mein Vortrag abwechs­lungs­reich zu gestalten.

Ebenso achte ich auf eine gute Orien­tie­rung für den Semi­nar­teil­nehmer. Wie kann ich dem abge­schweiftem Zuhörer den Wieder­ein­stieg immer wieder einfach machen? Beispiels­weise durch Kapi­tel­num­me­rie­rung sowie einer verbalen Zusam­men­fas­sung und Über­lei­tung bei jedem Themengebiet.

 

Die 5 Regeln der Präsen­ta­tion geben weitere hervor­ra­gende Tipps zur Visualisierung!

 

 

4. Interaktion und Partizipation ermöglichen

 

Anstelle einer offene Fragen, die keiner aus Angst oder Scham beant­worten will: Warum nicht eine präzise Frage vorbe­reiten, die jeder aus der Gruppe beant­worten muss. So erhalte ich als Vortra­gender auch direktes Feedback, ob meine Themen verstanden wurden. Außerdem werden spätes­tens jetzt alle Semi­nar­teil­nehmer wach, weil sie selbst denken und Gedanken formu­lieren sollen. Ein weiterer Vorteil ist, dass schon früh­zeitig Teil­nehmer parti­zi­pieren können. Damit werden die Themen zu ihren eigenen gemacht — oder notfalls auch in Richtung der jewei­ligen Inter­es­sen­lage kurz­fristig angepasst.

 

Menschen wollen sich mit Menschen austau­schen, die die selben Inter­essen und Fragen haben. Diesem Bedürfnis sollte durch genügend Zeit nicht nur Raum geschaffen werden, sondern auch mit Blick auf eher intro­ver­tierte Teil­nehmer aktiv geför­dert werden. Warum also nicht ein Café-Meeting? Mit dieser Methode lernen sich die Teil­nehmer zum einen kennen, reden aber auch über Themen, die viel­leicht detail­lierter bespro­chen oder in verschie­denen Grup­pen­kon­stel­la­tionen getestet und disku­tiert werden sollen.

 

— Café-Meeting Anlei­tung:
Verteile die zu bespre­chenden Themen auf 2–4 Tische (ange­passt an die Teil­neh­mer­zahl — es sollten nicht zu viele an einem Tisch sein). An jedem Tisch wird in klei­nerer Runde ein Thema disku­tiert. Zwischen­durch wechseln die Personen von einem Tisch zu einem anderen. Es sollen sich jedoch immer wieder neue Gruppen zusammen finden. Die Zeit pro Tisch sollte mit 5–10min nicht zu kurz aber auch nicht zu lang gewählt sein.

 

7 Meeting Design Tipps um Ihren Vortrag spannender zu gestalten

 

 

5. Zeiten der Reflektion einbauen

 

Viel zu häufig kommen wir inspi­riert, aber ohne konkrete Ände­rungs­schritte von Kongressen oder Meetings nach Hause. Auf die Frage unserer Partner wie es denn war, wissen wir oft nur ein müdes: ‘och, es war eigent­lich ganz gut’, zu antworten. Dabei wäre es so einfach direkt zum Ende einer Einheit einige Minuten für die persön­liche Reflek­tion einzu­bauen. Was ist für mich relevant und wie sehen meine nächsten Schritte aus?

 

Dazu eine Anlei­tung (via EVEOS­BLOG):

  • Unter­teile die Teil­nehmer in Gruppen á 2–5 Personen. Jede Gruppe erhält Stifte und ein Blatt (alter­nativ ein Flip Chart) mit einer Tabelle darauf (siehe Grafik/Tabelle unten)
  • In 10–20 Minuten soll jede Gruppe gemeinsam die Tabelle beant­worten und ausfüllen (evtl. mit anderen Kate­go­rien) und sich gegen­seitig ermu­tigen das Seminar zu reflektieren.
  • Zum Ende stellt jede Gruppe dem Rest der Teil­nehmer kurz vor, was sie notiert haben.

meeting-methoden

Wer für den 7. und 8. Juli noch nichts vor hat — schaut unbe­dingt mal beim nächsten MICE Club vorbei, lohnt sich!

 

 

6. Überraschen mit Unerwartetem…

 

Nichts ist lang­wei­liger als vorher­seh­bare Abläufe, die nichts Neues mit sich bringen. Wenn ich jetzt schon weiß, wie der Ablauf und die Inhalte sind, schalte ich ab. Natür­lich hilft eine inhalt­liche und räum­liche Orien­tie­rung — die gehört zu den Grund­be­dürf­nissen (wann gibt es wo Essen, wo sind die Toiletten etc.). Dennoch: baue etwas Uner­war­tetes ein!

 

Das könnten thema­ti­sche Perspek­ti­ven­wechsel sein oder ein Raum­wechsel für die nächste Einheit. Ich denke an unkon­ven­tio­nelle und prag­ma­ti­sche Lösungen — nicht jeder Vortrag muss frontal und im sitzen geschehen. Warum nicht mit einem dieser BierBike in der Innen­stadt radeln, zu Fuß mehrere Stationen in einer Stadt erlaufen oder einfach in Klein­gruppen an Steh­ti­schen im Foyer eine Einheit einlegen. Es geht darum bekannte Wege mal bewusst anders zu gestalten und damit die Teil­nehmer neu für mein Thema zu öffnen.

 

Super Inspi­ra­tionen dazu gab es beim MICE Club 2013 // Wie Meetings erfolg­rei­cher gestaltet werden.

 

 

7. Authentisch du selbst sein und für offene Atmosphäre sorgen

 

Eine zentrale Aufgabe des Vortra­genden ist es aus meiner Sicht, für eine offene Atmo­sphäre zu sorgen, in denen sich Teil­nehmer öffnen und mitteilen können. Hierzu fällt mir sofort der hollän­di­sche Mode­rator Mike van der Vijver ein. Er hat es bei oberhalb erwähntem MICE Club geschafft von Beginn an eine Atmo­sphäre der Offen­heit herzu­stellen. Rein sprach­lich hat der Holländer immer wieder nach den rich­tigen deut­schen Wörtern gesucht und damit seine ‘Schwäche’ gezeigt. 

 

Diese leichte Verletz­lich­keit sorgt aber dafür, dass Zuhörer das Gefühl haben es ist OK zu schei­tern. Mit diesem Grund­ge­fühl wurde es möglich, dass Leute sich trauen konnten etwas zu sagen oder nach­zu­fragen, wenn man Inhalte nicht verstanden hat – trotz der großen und unbe­kannten Gruppe. Zu weiteren Themen wie der Körper­sprache gibt es viele Bücher und Seminare, das spare ich hier mal aus…

 

 

Fazit: 7 Meeting Design Tipps

 

Natür­lich bieten diese Tipps nur eine Hilfe­stel­lung — kein Meister ist je vom Himmel gefallen… Doch sollten diese Gedanken helfen, Work­shops und Seminare inter­es­sant und anders aufzu­be­reiten. Bei allen Ratschlägen hoffe ich vor allem, dass die Botschaften beim Publikum Resonanz erzeugen und im Kopf bleiben. Dann lohnt sich der Aufwand auch — für den Vortra­genden wie die Zuhö­renden! Als nächstes lies dir noch gleich diese 12 Tipps zum wirkungs­vol­leren Präsen­tieren durch!

 

 

PS: Meine Tochter Char­lotte April wurde übrigens letzten Samstag, den 26.4. geboren. Wir sind alle wohl auf und der Baby-Crash-Kurs hat sich trotz Lange­weile gelohnt! :)

 

 

Was ist aus deiner Sicht für die Konzep­tion guter Work­shops oder Seminare wichtig? Freue mich auf Kommen­tare unter­halb. Wer infor­miert bleiben will trägt sich in meinen News­letter ein und like doch gleich mein Facebook Profil für regel­mä­ßige Inspi­ra­tion rund um die Live-Kommu­­ni­­ka­­tion. Super Bücher zu diesem Thema gibt es im Gabal Verlag.

 

 

Weitere Link­tipps:
7 Erwar­tungen: Was sich Besucher von einer Konfe­renz erhoffen (MICE Club)
Präsen­tieren: Wie Sie wirklich span­nende Vorträge halten (Handels­blatt)
4 Methoden für gezielte Krea­ti­vität (Grün­der­szene)
Tipps für eine effek­tive Vorbe­rei­tung und Durch­füh­rung eines Meetings (Uni Zürich)
Mehrwert durch Dialog — berück­sich­tige diese fünf Parameter

 

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