Event Trend 2017: Experten zur Live-Kommunikation

Event Trends 2017 Live Kommunikation

Event Trend 2017 // Foto: iPhone Kalender © Apple

 

 

In guter Tradition frage ich Eventgestalter zum Jahreswechsel ein und die selbe Frage: Welchen eine/n Trend, Herausforderung oder Möglichkeit siehst du für 2017, der den stärksten Einfluss auf die Live Kommunikation haben wird?

 

Zunächst noch ein kurzer Rückblick auf die Trendschau 2016. In der Essenz wurde der Fokus auf gutes Storytelling, eine stärkere Vernetzung von Digitalem und Realem sowie innovativer Umsetzung der uns bereits bekannten Möglichkeiten vorhergesagt. Inwiefern das eingetroffen ist, kann der Blick auf die Zusammenstellung der FAMAB Gewinner 2016 des Eveosblog liefern. Jetzt zum Event Trend 2017:

 

 

1. Annette Beyer, GF und Studienleitung treibhaus 0.8:

 

Content. Content. Content. Nicht nur bei den Inhalten am PoE (Point of Erlebnis ;), sondern auch in jedem Selfie, das die Teilnehmer in ihr soziales Netzwerk zwitschern. Gleichzeitig wollen die Leute vor Ort WIRKLICH Spaß haben, sonst bleiben sie lieber, wo sie grad sind – im Büro, in Küche und Kinderzimmer, im Park beim Joggen – und infotainen sich schön praktisch im Netz. Ergo: Inszenierung ist alles!

 

 

2. Martin Kloss, Moderator und Coach:

 

2016 war für mich ein Jahr, das vollgestopft war mit High-Tech Präsentationen und dem alles dominierenden Thema „Digitale Transformation“. Die besondere Herausforderung im nächsten Jahr liegt darin den Menschen wieder zu entdecken. Das stetig gesteigerte Schneller, Höher, Weiter erreicht die Menschen nicht mehr, die digitale Desensibilisierung ist in vollem Gang. Was wir brauchen ist ein Zurück zum Menschen, mit Inhalten und Inszenierungen die wieder echte Kommunikation im Fokus haben, von Mensch zu Mensch.

 

 

3. Christoph Bovenkerk, Unternehmenskommunikation Party Rent Group:

 

Die Chancen stehen gut, dass Events ab 2017 nachhaltiger werden. Jetzt alle erstmal so: Nicht das Thema schon wieder. Mit dem FAMAB Sustainability Summit und der Green Meetings Conference gibt’s am Jahresanfang aber zwei wirklich anständige Formate, die die Kraft besitzen, da mal ein bisschen Schwung reinzubringen. Dazu kommt die Berichtspflicht für große Unternehmen und das ohnehin gestiegene Nachhaltigkeitsbewusstsein. Die Nachfrage nach nachhaltigen Konzepten wird steigen – und Anbietern wird gar nichts anderes mehr übrig bleiben, als sich endlich Gedanken dazu zu machen.

 

 

4. Cristián Gálvez, Keynote-Speaker:

 

Die spürbare Dynamik durch disruptive Kräfte wird sich noch stärker auf die Konzeption der Live-Kommunikation auswirken. Die wachsende Agilität innerhalb der Unternehmensstruktur führt noch mehr zu agilen und dezentralen Eventkonzepten mit höherem Interaktionscharakter.

 

 

5. Linus Eidenbenz, GF askjeff Zürich:

 

Mixed Reality oder breiter gesagt „digital“ wird 2017 das Live-Komm-Erlebnis noch stärker beeinflussen und die alten Definitionen von „Events“ und „Live-Kommunikation“ in vielen Bereichen challengen. Hier brechen Grenzen auf, die bisher als starr galten.

 

 

6. Michael Hosang, GF Studieninstitut für Kommunikation:

 

Die Trends also bzw. den Trend? Oder doch die Lottozahlen? Vielleicht das Live Video Streaming – dynamisch wachsender Markt. Hochinteressant für (interaktive) Veranstaltungsformate.

 

 

7. Vincent Rohlfing, Management Strategie & Konzeption EXPLIZIT:

 

In den nächsten Jahren wird die konsequente Implementierung sinnvoller, digitaler Aktivierung von Gästen zu einer der größten Herausforderungen in der Event Branche. Hier geht es vor allem darum, digitale Angebote nutzbringend einzusetzen und nicht nur, weil es sie gibt.

 

 

8. Pat Kalt, GF tisch13:

 

Aus meiner Sicht wird sich die Live-Kommunikation in Zukunft noch stärker mit Virtual und Digital Space verknüpfen. Die Präsentationen von Seat auf der Pariser Motorshow und Jaguar auf der L.A. Autoshow sind da zwei gute Beispiele dafür. Dabei entsteht die Herausforderung, die spezifischen Qualitäten der Live-Kommunikation nicht zu vernachlässigen, sondern das Beste aus den verschiedenen Welten zu verbinden und zu potenzieren.

 

 

9. Jan Kalbfleisch, GF FAMAB:

 

Nach unserer brandaktuellen, repräsentativen Studie „Die Zukunft des Marketings“ werden sich die Budgets in den nächsten Jahren erheblich von der „klassischen Werbung“ in „Digital“ und „Live Kommunikation“ verschieben. Erstmalig sind sogar deutlich Rückgänge in der klassischen Werbung zu verzeichnen.

 

Deshalb muss die Branche sehr klar auf die herausragende Stärke unserer Gattung setzen. Das ist die persönliche Begegnung von Menschen auf Messen, Events und anderen Gelegenheiten. Emotionen und Erlebnisse schlagen „Big Data“.

 

 

10. Konstanze Agatz, Regisseurin:

 

Ich erlebe, dass der Trend bei großen Showproduktionen weltweit für 2017 stark in Richtung „Connectivity/Vernetzung“ geht; Zielgruppe, Markenbotschaften und Showelemente werden geschickt verwoben und verbunden. Das Erlebnis des Individuums tritt in Interaktion mit dem Präsentierten. Auch für kleinere Events und Konferenzen birgt die „Vernetzung der Teilnehmer“ ein großes Potential, insbesondere auch für die Nachnutzung der so gewonnenen Daten (Stichwort Digital Footprint). Zudem bietet ein zunehmend selbstverständlicher Umgang mit ‚Nachhaltigkeit‘ neue Möglichkeiten.

 

 

11. Florian Oberforcher, GF inszemo – Büro für Erlebnisgeschichten:

 

Erlebnisse, wie sie in der Live-Kommunkation geschaffen werden, machen in einem unternehmerischen Kontext keinen Sinn, wenn sie einmal im Jahr wie ein großer Luftballon beliebig und willkürlich losgelassen werden. Erlebnisse erzielen nur dann ihr volle Wirkung, wenn Menschen sie mit gestalten können, sie echt sind und damit Verbundenheit erzeugen. Für mich besteht daher die Herausforderung darin, die gemeinsame Zeit als sinnvolle Erlebnisse zu gestalten, wie viele kleine Luftballons, die im Alltagswind am Handgelenk der Menschen tanzen. Sie erzählen von unseren Erlebnissen und lassen uns gerne an sie zurück erinnern.

 

 

12. René Elberfeld, Idee & Konzept:

 

Weniger Hype mehr Miteinander.

 

 

13. Beke Fahrenbach, Konzeptionerin:

 

Mit Bedacht auf Relevanz, Partizipation und Nachhaltigkeit geht es viel mehr um zielgerichtete integrierte räumliche Kommunikation als um Effekt haschende Events. Unsere Herausforderung wird es sein, Erlebnisse im „HIER & JETZT“ zu schaffen. Erlebnisse, welche neugierig machen, die Menschen mitnehmen und wegziehen von ihren Smartphones – um zu mindestens für einen Moment ihre eigenen digitalen Blasen platzen zu lassen.

 

 

14. Philipp Dorendorf, Creative Director facts and fiction:

 

Ich glaube nicht, dass sich in Bezug auf Live-Komm Formate aktuell so wahnsinnig viel ändert. Live und Digital nähern sich nach wie vor an, probieren aus, experimentieren, erfinden sich neu, also alles gut.

 

Aber was Trends angeht: Wenn ein Trend einmal alle erreicht hat, dann ist ja kein Trend mehr. Was ich tatsächlich und für mich neu beobachte, ist, dass die Kunden selbst stark aufrüsten und Spass an Live bekommen. Die ersten machen richtig mit. Sie konsumieren nicht nur die Konzepte, sie gestalten mit. Alle wollen Partizipation? Die fängt zwischen Agentur und Kunde an. Die ersten haben das verstanden! Ich rede von richtig grossen Unternehmen.

 

 

15. Miriam Wüstefeld, Konzeptionerin:

 

2017 – bloß nicht den Anschluss verpassen! Technologie und Wirtschaft geben klare Signale und eine vierte industrielle Revolution steht ins Haus. Gerade die Live Kommunikation sollte die Augen davor nicht verschließen und klug mit dieser Herausforderung und Chance umgehen. Inhalte werden komplexer, Erlebnisse virtueller – eine tolle Möglichkeit phantastische Welten zu kreieren. Neue Dimensionen des kreativen Denkens und bislang ungewohnte Wege der Umsetzung werden Einzug halten.

 

 

16. David Korte, Director Planning OSK:

 

2017 wird meiner Meinung neben dem WAS auch das WIE immer entscheidender für Kreations- und Operationalisierungsprozesse. Zum einen wird alles leaner, agiler und rapider. Das macht auch Sinn – zumindest häufig. Aber sicher nicht immer. Denn zum anderen muss hierzu auch die Kultur bei allen Beteiligten entsprechend sein – sonst springt man wie ein Tiger und landet wie ein Bettvorleger.

 

 

17. David Delassus, GF a-blok:

 

2017 will confirm that digital is not just a special meal anymore. Our clients have tasted it and now know what the good ingredients are: interaction, contributions, gamification, emotions, storytelling… What is now interesting is to open up the cooking experience to others, online, and invite them to be part of it, before, during and after the event.

 

 

18. Andreas Roos, Regisseur & Konzeptioner:

 

Storytelling, human stories, narrative advertising, alles das Gleiche, nur immer wieder im neuen Gewand? Schon Shakespeare hat richtig gute Geschichten erzählt, authentisch, spannend, nah an der Realität und wenn sie dann noch gut inszeniert werden, wiederum authentisch, spannend und mit perfektionistischem Anspruch, dann wird es am Ende gefallen, ob das jetzt ein Trend ist, weiß ich nicht, ich weiß aber, dass es funktioniert… immer wieder!

 

 

19. Jörg Sellerbeck, Art Director Konzeption:

 

Die Aussicht, dass Menschen wie Helge Thomas (pro event live-communication) zu Beginn des Jahres 2017 auf dem Sustainability Summit in Dortmund zum Mikrofon greifen, um das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich zu betrachten, wird meiner Hoffnung nach die Umsetzung von Live-Kommunikations-Ereignissen bereichern. Mögen die Impulse des Summits so monumental sein, dass auch der Begriff der „Gastrosophie“ die Köpfe der Live-Kommunikateure erreicht.
Zudem wünsche ich mir für 2017 eine stärkere inhaltliche Fokussierung auf das Thema „Ankunft“, anstelle der ständigen Suche nach dem nächsten „Dingsbums der Zukunft“.

 

 

20. Kai Janssen, GF und Kreativdirektor MATT CIRCUS:

 

Die Tendenz setzt sich fort: Je globaler und virtueller die Welt, desto heimeliger der Stil und sinnlicher das Angebot. Selbstverständlich total regional. Im Vintage-Look daherkommender Minimalismus ist sexy. Lieber das selbst Gestaltete statt des austauschbar Eingekauften. Direkte, persönliche Ansprache, mehr Gäste-Einbindung und DIY! Individualität kennt keine Grenzen, Partizipation ist das Ziel. Und die Digitalisierungswelle gibt uns dazu immer neue Tools an die Hand.

 

 

21. Bruno Meissner, GF MEISSNER EXPO:

 

o Digitale Transformation & Face-to-face Bedürfnis nimmt parallel zu
o Einsatz von Kanban-Wand im Büro um das gesamte Team zu befähigen, kritisch zu denken (Thema „Digital Disruption“ – „anstößig“ sein), zu verhandeln und zu moderieren – das werden die gesuchten Fähigkeiten der Zukunft sein!
o Storytelling (authentische Geschichten) bleibt heißes Thema v.a. in den sozialen Medien und damit auch im Marketing
-> Motto: Je üppiger die Pläne blühn, desto verzwickter wird die Tat

 

 

Event Trend 2017: Sowohl DIGITAL als auch ANALOG…

 

Persönlich entnehme ich aus diesen Statements den Kontrast von DIGITAL und ANALOG wahr. Die digitale Revolution nimmt unaufhaltsam auch in der Live Kommunikation ihren Lauf – bei gleichzeitigem Wunsch nach Echtheit, Begegnung, achtsam im Moment zu sein. Bei der Gestaltung dieser Momente geht es nicht um das „entweder – oder“, sondern das geschickte „sowohl – als auch„.

 

Gerade nach meinem halbjährigen Sabbatical (welches am 15.1.2017 endet) bin ich freudig gespannt auf all das, was uns 2017 bringen wird. Bis dahin freue ich mich auf die Geburt meines zweiten Kindes und wünsche frohe Weihnachten und kommt gut rüber ins neue Jahr!

 

 

Frage: Welcher Trend fehlt oder ist unterbelichtet? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unterhalb.

 

 

Wie es sonst um den Event Trend 2017 steht:

A) Eventmanager Blog: Event Industry Trends Report 2017
B) Lesenswerte Analyse der Kunde-Agentur-Beziehung mit drei Empfehlungen: Klare Positionierung, Beratungskompetenz steigern, Prozesse verbessern. Schlechte Kreation wird auch zukünftig für Frustrationen und Probleme sorgen. Aber exzellente Kreation ist morgen kein Garant mehr für eine erfolgreiche Agentur-Kunden-Beziehung.
C) Top Eventblog Posts in 2016 auf meinem Blog

 

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