Was kann die Live-Kommunikation vom Theater lernen?

12. Juli 2013

Live-Kommunikation Theater

Live-Kommu­­ni­­ka­­tion: vom Theater lernen // Foto: André Wirsig

 

 

Ständig bin ich auf der Suche, wie ich mich in der Konzep­tion und Ablauf­regie von Events inner­halb der Live-Kommu­­ni­­ka­­tion verbes­sern und weiter­bilden kann. Mit dem Hinter­grund von TV-Shows schien mir der Ausblick in Richtung (Musik-) Theater als ideal, zumal es auch dort ebenso um das Zusam­men­spiel von Akteuren auf einer Bühne mit dem Publikum unter­stützt von Medien wie Ton, Licht und Bildern / Videos geht. Mit dem Ziel eine Botschaft oder Idee ‘in die Köpfe rüber zu bringen’ soll Wirkung erzielt werden. Bei der Recherche nach Thea­ter­re­gis­seuren bin ich auf diese zwölf hilf­rei­chen Regeln des Thea­ter­fach­manns Professor Dr. Hanns-Dietrich Schmidt der Folkwang Univer­sität der Künste in Essen gestossen (Quelle: VISIONS der M:COM).

 

 

12 Regeln aus dem Theater für die Live-Kommunikation

 

1. Mag sich das Handwerk auch noch so gleichen – beim Theater handelt es sich immer um einen künst­le­ri­schen Prozess. Kongresse, Tagungen und Firmenevents werden nicht um ihrer selbst willen durch­ge­führt, sondern haben eine klare Ziel­set­zung. Diese Ziele sollte man nie aus den Augen verlieren.

 

2. Erzählen Sie eine Geschichte und nehmen Sie die Zuschauer mit auf eine Reise. Dazu benö­tigen Sie eine Grund­idee und einen roten Faden, der sich durch die ganze Veran­stal­tung zieht. Holen Sie die Besucher dort ab, wo sie sich befinden. Folgen Sie dabei den Regeln der Logik. Bauen Sie einen Span­nungs­bogen auf. Nutzen Sie Humor, streuen Sie Über­ra­schungs­ef­fekte ein und vergessen Sie auch bei wissen­schaft­li­chen Themen die emotio­nalen Momente nicht.

 

3. Setzen Sie nicht mehr Akteure ein als nötig. Bringen Sie keine Personen ohne wirk­liche Funktion auf die Bühne. Lassen Sie das Publikum wissen, wer jeder ist. Lassen Sie niemand ohne Grund auftreten und auch nicht abgehen.

 

4. Schaffen Sie einen Zeit­rahmen, der es dem Publikum ermög­licht, sich auf das Bevor­ste­hende einzustellen.

 

5. Ein durch­dachtes Bühnen­bild unter­stützt die Handlung, ohne davon abzu­lenken. Mindes­tens fünfzig Prozent des Erfolges sind mit den visu­ellen Eindrü­cken verbunden. Ein gut plat­ziertes Requisit spricht manchmal Bände und bleibt in Erinnerung.

 

6. Wichtige Infor­ma­tionen sollten immer mindes­tens zweimal vermit­telt werden. Die Werbe­wirt­schaft hat heraus­ge­funden, dass erst bei sechs Kontakten ein anhal­tender Erin­ne­rungs­ef­fekt eintritt.

 

7. Bei der Auswahl der Bühnen­ak­teure können Sie natür­lich nur bedingt in ein Casting einsteigen, da sich die Beset­zung aus fach­li­chen oder unter­neh­mens­in­ternen Gründen oft von selbst ergibt. Trotzdem kann man die Akteure bei ihrer Bühnen­prä­senz nach ihrem Auftritts­ta­lent gewichten. In keinem Fall sollte jemand gegen sein Naturell und sein Tempe­ra­ment einge­setzt werden. Versu­chen Sie es erst gar nicht mit über­trie­bener Über­re­dungs­kunst, sondern richten Sie statt­dessen die „Rollen“ an den Akteuren aus.

 

8. Wenn man in Tagungs- und Event­lo­ca­tions nach dem Licht­de­si­gner und dem Tontech­niker fragt, bekommt man meistens die Antwort: „Licht und Ton machen bei uns die Haus­technik“. Doch inzwi­schen gibt es so viele tech­ni­sche Möglich­keiten, dass es ratsam sein kann, spezi­elle Dienst­leister hinzu­zu­ziehen. Aller­dings kann es leicht passieren, dass sich scheinbar harmlose Wünsche in gigan­ti­sche Son-et-Lumière-Effekte verwan­deln. Dabei geht es eben nicht darum, die Aufmerk­sam­keit auf Licht und Ton zu richten, sondern das Programm zu unter­stützen und zu struk­tu­rieren. Die Bühnen­ak­teure sollen gut aussehen und verstanden werden und die ganze Atmo­sphäre soll angenehm sein.

 

9. Unter­schätzen Sie nie Ihr Publikum. Die vorder­grün­dige Dampf­ham­mer­me­thode wirkt mit der Zeit ermüdend. Eine subtile Vorge­hens­weise kommt oft besser an. Die Zuschauer sehen und hören viel mehr, als man gemeinhin glaubt. Voraus­ge­setzt natür­lich, Regie und Bühnen­ak­teure verstehen ihr Handwerk.

 

10. Impro­vi­sa­tion ist nur etwas für Profis. Erstellen Sie einen Ablauf­plan. Geben Sie klare schrift­liche Anwei­sungen. Jeder sollte zu jedem Zeit­punkt genau wissen, was er zu tun hat. Das gibt Sicher­heit und vermeidet böse Überraschungen.

 

11. Gene­ral­proben machen Sinn. Natür­lich kann kein Kongress bereits im Vorfeld einmal durch­ge­spielt werden, aber ein realer Location-Check ist unver­zichtbar. Dabei sollten auf jeden Fall auch einige Schlüs­sel­szenen simu­liert werden. Erst vor Ort lassen sich die Dinge realis­tisch auf ihre Mach­bar­keit hin überprüfen.

 

12. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Unab­hängig davon, wie erfolg­reich die Veran­stal­tung war und ob die gesetzten Ziele erreicht wurden oder nicht, wird es Schul­ter­klopfer und Kritiker geben. Den Abschluss einer Veran­stal­tung sollten Sie feiern, am besten zusammen mit den wich­tigsten Betei­ligten. Danach sollte in aller Ruhe eine kriti­sche Beur­tei­lung in Form einer Manö­ver­kritik statt­finden. Nur so lassen sich die entspre­chenden Lear­nings für die nächsten Veran­stal­tungen ziehen.

 
Bekannt für ihren Thea­ter­hin­ter­grund sind die Krea­tiven der Berliner Live-Kommu­­ni­­ka­­tion Agentur insglück. Eine gelun­gene Insze­nie­rung mit Thea­ter­bezug ist beispiels­weise eins der größten Pop up Bücher der Welt beim New Media Award.

 

Welche Lehren kann man noch aus dem Theater oder auch anderen Feldern für die Live-Kommu­­ni­­ka­­tion ziehen? Bin gespannt auf die Ideen…

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