Was kann die Live-Kommunikation vom Theater lernen?

Live-Kommunikation Theater

Live-Kommunikation: vom Theater lernen // Foto: André Wirsig

 

 

Ständig bin ich auf der Suche, wie ich mich in der Konzeption und Ablaufregie von Events innerhalb der Live-Kommunikation verbessern und weiterbilden kann. Mit dem Hintergrund von TV-Shows schien mir der Ausblick in Richtung (Musik-) Theater als ideal, zumal es auch dort ebenso um das Zusammenspiel von Akteuren auf einer Bühne mit dem Publikum unterstützt von Medien wie Ton, Licht und Bildern / Videos geht. Mit dem Ziel eine Botschaft oder Idee ‘in die Köpfe rüber zu bringen’ soll Wirkung erzielt werden. Bei der Recherche nach Theaterregisseuren bin ich auf diese zwölf hilfreichen Regeln des Theaterfachmanns Professor Dr. Hanns-Dietrich Schmidt der Folkwang Universität der Künste in Essen gestossen (Quelle: VISIONS der M:COM).

 

 

12 Regeln aus dem Theater für die Live-Kommunikation

 

1. Mag sich das Handwerk auch noch so gleichen – beim Theater handelt es sich immer um einen künstlerischen Prozess. Kongresse, Tagungen und Firmenevents werden nicht um ihrer selbst willen durchgeführt, sondern haben eine klare Zielsetzung. Diese Ziele sollte man nie aus den Augen verlieren.

 

2. Erzählen Sie eine Geschichte und nehmen Sie die Zuschauer mit auf eine Reise. Dazu benötigen Sie eine Grundidee und einen roten Faden, der sich durch die ganze Veranstaltung zieht. Holen Sie die Besucher dort ab, wo sie sich befinden. Folgen Sie dabei den Regeln der Logik. Bauen Sie einen Spannungsbogen auf. Nutzen Sie Humor, streuen Sie Überraschungseffekte ein und vergessen Sie auch bei wissenschaftlichen Themen die emotionalen Momente nicht.

 

3. Setzen Sie nicht mehr Akteure ein als nötig. Bringen Sie keine Personen ohne wirkliche Funktion auf die Bühne. Lassen Sie das Publikum wissen, wer jeder ist. Lassen Sie niemand ohne Grund auftreten und auch nicht abgehen.

 

4. Schaffen Sie einen Zeitrahmen, der es dem Publikum ermöglicht, sich auf das Bevorstehende einzustellen.

 

5. Ein durchdachtes Bühnenbild unterstützt die Handlung, ohne davon abzulenken. Mindestens fünfzig Prozent des Erfolges sind mit den visuellen Eindrücken verbunden. Ein gut platziertes Requisit spricht manchmal Bände und bleibt in Erinnerung.

 

6. Wichtige Informationen sollten immer mindestens zweimal vermittelt werden. Die Werbewirtschaft hat herausgefunden, dass erst bei sechs Kontakten ein anhaltender Erinnerungseffekt eintritt.

 

7. Bei der Auswahl der Bühnenakteure können Sie natürlich nur bedingt in ein Casting einsteigen, da sich die Besetzung aus fachlichen oder unternehmensinternen Gründen oft von selbst ergibt. Trotzdem kann man die Akteure bei ihrer Bühnenpräsenz nach ihrem Auftrittstalent gewichten. In keinem Fall sollte jemand gegen sein Naturell und sein Temperament eingesetzt werden. Versuchen Sie es erst gar nicht mit übertriebener Überredungskunst, sondern richten Sie stattdessen die „Rollen“ an den Akteuren aus.

 

8. Wenn man in Tagungs- und Eventlocations nach dem Lichtdesigner und dem Tontechniker fragt, bekommt man meistens die Antwort: „Licht und Ton machen bei uns die Haustechnik“. Doch inzwischen gibt es so viele technische Möglichkeiten, dass es ratsam sein kann, spezielle Dienstleister hinzuzuziehen. Allerdings kann es leicht passieren, dass sich scheinbar harmlose Wünsche in gigantische Son-et-Lumière-Effekte verwandeln. Dabei geht es eben nicht darum, die Aufmerksamkeit auf Licht und Ton zu richten, sondern das Programm zu unterstützen und zu strukturieren. Die Bühnenakteure sollen gut aussehen und verstanden werden und die ganze Atmosphäre soll angenehm sein.

 

9. Unterschätzen Sie nie Ihr Publikum. Die vordergründige Dampfhammermethode wirkt mit der Zeit ermüdend. Eine subtile Vorgehensweise kommt oft besser an. Die Zuschauer sehen und hören viel mehr, als man gemeinhin glaubt. Vorausgesetzt natürlich, Regie und Bühnenakteure verstehen ihr Handwerk.

 

10. Improvisation ist nur etwas für Profis. Erstellen Sie einen Ablaufplan. Geben Sie klare schriftliche Anweisungen. Jeder sollte zu jedem Zeitpunkt genau wissen, was er zu tun hat. Das gibt Sicherheit und vermeidet böse Überraschungen.

 

11. Generalproben machen Sinn. Natürlich kann kein Kongress bereits im Vorfeld einmal durchgespielt werden, aber ein realer Location-Check ist unverzichtbar. Dabei sollten auf jeden Fall auch einige Schlüsselszenen simuliert werden. Erst vor Ort lassen sich die Dinge realistisch auf ihre Machbarkeit hin überprüfen.

 

12. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Unabhängig davon, wie erfolgreich die Veranstaltung war und ob die gesetzten Ziele erreicht wurden oder nicht, wird es Schulterklopfer und Kritiker geben. Den Abschluss einer Veranstaltung sollten Sie feiern, am besten zusammen mit den wichtigsten Beteiligten. Danach sollte in aller Ruhe eine kritische Beurteilung in Form einer Manöverkritik stattfinden. Nur so lassen sich die entsprechenden Learnings für die nächsten Veranstaltungen ziehen.

 
Bekannt für ihren Theaterhintergrund sind die Kreativen der Berliner Live-Kommunikation Agentur insglück. Eine gelungene Inszenierung mit Theaterbezug ist beispielsweise eins der größten Pop up Bücher der Welt beim New Media Award.

 

Welche Lehren kann man noch aus dem Theater oder auch anderen Feldern für die Live-Kommunikation ziehen? Bin gespannt auf die Ideen…

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