Kommunikation: Ohne Herzblut geht’s nicht.

Emotion statt Information: Kinofilm der spotentwicklung für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz

 

 

Menschen zu gewinnen, sie für eine Idee oder ein Thema zu begeistern und für Veränderung zu öffnen ist eine der wichtigsten Führungsaufgaben von heute. Wer sie bewältigen will ist herausgefordert, die Kraft von Kommunikation neu für sich zu entdecken. Die Live-Kommunikation ist dafür ein hervorragendes Instrument. Worauf es bei wirkungsvoller Kommunikation ankommt, verrät Experte Theo Eißler in diesem Gastbeitrag. Ein inspirierender Ausflug in die Prinzipien der Kommunikation, die ebenso Corporate Events zu Grunde liegen.

 

 

Kommunikation: Ohne Herzblut geht’s nicht.

 

Sie sitzen in einem Vortrag und die Worte vom Redner ziehen an ihnen vorbei wie ein Schiff in der Nacht. Es stimmt: Kommunikation ist nicht das, was man sagen will. Sondern Kommunikation ist das, was ankommt. Das ist in aller Regel das Ergebnis harter Arbeit. Lang und langweilig dagegen wird’s von ganz alleine.

 

Für Führungskräfte und Verantwortungsträger lohnt die Beschäftigung mit Kommunikation besonders. Denn sie müssen Menschen mitnehmen, Mitarbeiter von A nach B bringen und für Veränderung gewinnen. Das ist alles andere als einfach und setzt hohe Anforderungen voraus – gerade an die Kommunikationsfähigkeit.

 

Als Unterstützer bei der Strategiefindung der passenden Kommunikation, treiben uns diese ‚Glaubenssätze‘ an:

 

 

Aus komplex wird einfach.

 

Wir leben im Zeitalter des Zuviels. Die Fülle an Informationen, Angeboten und Fernsehkanälen nimmt immer mehr zu – die Aufmerksamkeit dagegen nimmt dramatisch ab. Denn wir können nur einen Bruchteil davon verarbeiten.

 

Wahr ist: Gerade weil die Verhältnisse so komplex sind, muss Kommunikation „einfach“ sein – nicht banal oder naiv. Sondern wie Albert Einstein sagt: „Wenn du es nicht einfach erklären kannst, verstehst du es noch nicht gut genug“. Ein iPhone beispielsweise ist ein hochkomplexes Produkt. Aber es besitzt eine super simple Bedienungsoberfläche. Genauso geht es in der Kommunikation darum, Menschen zu komplexen Sachverhalten einfache und leicht verständliche Zugänge zu schaffen.

 

Am Anfang eines Projekts stellen wir deshalb die Frage: Was ist der wichtigste Punkt, den Sie transportieren möchten? Der eine Kernsatz? Die eine Botschaft, die buchstäblich hängen bleiben soll? Statt Pudding an die Wand zu nageln, muss aus der Masse an Material die eine Zielbotschaft herausgefiltert werden. Das erfordert Konzentration und Mut. Um das Ziel zu treffen, haben Sie nur einen Schuss und einen Pfeil. Ihr Pfeil ist eine einzige Botschaft.

 

 

Aus Monolog wird Dialog.

 

Das Wort Werben kommt sprachlich von „Brautwerbung“: da bemüht sich jemand darum, einen anderen freundlich zu gewinnen. Gute Kommunikation ist also immer Beziehungssache. Um eine Botschaft relevant zu machen, muss ich sie in Zusammenhang setzen mit etwas, was Menschen interessiert. Was die Zielgruppe betrifft und Teil ihrer Lebenswirklichkeit ist. Ein guter Kommunikationscheck ist daher die Frage: Ist das bedeutsam für die Menschen, die das hören, sehen oder lesen?

 

Im Gegensatz dazu sind viele Präsentationen voller Ego-Folien. Und viele Imagefilme eine reine Aufzählung von Leistungsmerkmalen. Kommunikation ist aber keine Einbahnstraße. Der Sender muss vom Empfänger her denken. Der Fisch dem Köder schmecken. Treffer landen sie in der Kommunikation nur, wenn es Menschen betrifft. Deshalb gilt es Brücken zu bauen. Ganz einfache Brücken, die Ihre Botschaft und Ihre Zielgruppe verbinden. Brücken, über die Menschen gerne gehen.

 

Dazu kommt: Dinge können heute nicht länger nur behauptet werden. Sie müssen von den Menschen selbst bestätigt werden. Im Bereich Social Media ist heute der Content erfolgreich, den Nutzer in den eigenen Kontext stellen. Indem sie Inhalte bloggen, liken, tweeten, posten. Aufmerksamkeit bekommt, was zum Gesprächsstoff wird.

 

 

Aus Text wird Bild.

 

Der Architekt Jørn Utzon stand mit vielen namhaften Kollegen im Wettbewerb: Für das neue Opernhaus in Sydney. Sein ganzes Konzept fasste er in einem einzigen Wort zusammen: „Segel.“ Sobald die Mitglieder des Komitees einmal das Bild von Segeln auf dem Meer vor Augen hatten, hatte kein anderer Vorschlag mehr die geringste Chance.

Im Gegensatz zu den immer gleichen Worthülsen („Qualität“, „Nachhaltigkeit“, „Innovation“), die ohne jede Wirkung an einem vorbeirauschen, ist brillante Kommunikation immer bildhaft.

 

Nicht umsonst nutzt Jesus in der Bibel so viele Vergleiche und Metaphern – also sprachliche Bilder. Denken Sie an die Vögel des Himmels, die weder säen noch ernten, oder an die Güte Gottes, die reicht, soweit der Himmel ist. Oder an die zur Redensart gewordenen „Perlen vor die Säue“, „Wolf im Schafspelz“ – alles Bilder: einprägsam, fest mit einer Botschaft verknüpft und jederzeit abrufbar.

 

Gerade komplexe Sachverhalte lassen sich mit Bildern und Metaphern wirkstark transportieren. Beispiel: Ein Leitbild für ein Unternehmen, also ein Zielfoto der Zukunft, kann nur begeistern, wenn sich alle davon tatsächlich ein „Bild“ machen können. Das gelingt mit einem bloßen Text, auf dem die immer gleichen Plattitüden zusammengedampft sind („bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“) immer schlechter. Wirkstark ist, aus dem Zielfoto ein echtes „Bild“ zu machen, das dem ganzen Team ins Herz geht und im Kopf bleibt.

 

 

Aus Information wird Emotion.

 

Gute Kommunikation schafft es, Bilder und Geschichten auf die innere Leinwand zu projizieren. Als Pfarrersohn fasziniert mich bis heute, dass sich Menschen unterschiedlichsten Alters, Zeit und Kultur in den Geschichten der Bibel wiederfinden. Dass sie entdecken: die Bibel ist kein Buch mit sieben Siegeln, sondern ein Buch mit vielen Spiegeln: „Da komm ja ich drin vor.“ Geschichten inspirieren uns, fordern uns heraus, sie trösten uns. Deshalb stimmt die Faustregel:

 

Bloße Informationen führen zu Überlegungen. Emotionale Geschichten dagegen, führen zu Entscheidungen.

 

Sprich, Kommunikation, die ankommt, dreht sich um die drei großen „G“: Gesichter, Geschichten und Gefühle.

 

 

Aus innen wird außen.

 

Jedes Projekt beginnen wir mit einem Workshop beim Kunden. Dort lernen wir das Unternehmen „von innen“ kennen und tauchen unweigerlich in die „Kultur“ der Firma ein. Wir interessieren uns für den „Geist und Stil des Hauses“. Egal wie man Kultur definiert, man kann sie sehen. Vom ersten Tag an. Kultur ist sichtbar in der Art und Weise, wie Beziehungen gelebt werden, wie Führung ausgeübt wird und wie Teams zusammenarbeiten.

 

Richtig Spaß macht es, wenn Unternehmen und Marken von Mitarbeitern gelebt und von Kunden erlebt werden. Wenn also das Innere glaubwürdig nach außen kommuniziert wird. Sprich, es geht um Authentizität. Nicht um Manipulation.

 

Ja, Werbung hebt die Charakteristik oder Fähigkeit einer Ware oder Idee hervor. Sie findet das Schöne in einer Sache und redet darüber. Aber sie fälscht nicht. Für mich sind Authentizität, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der Stoff, die in der Werbung Zukunft haben: „Truth well told“ – das ist die Aufgabe. Denn die Menschen „da draußen“ interessieren für die Werte, Haltungen und Überzeugungen, die „innen“ tatsächlich gelebt werden. Im Vorteil ist, wer glaubwürdig kommunizieren kann, woran er glaubt.

 

 

Aus Penetranz wird Prägnanz.

 

Penetranz ist „Seitenbacher Müsli“. Penetranz ist „Carglass repariert“. Oft erleben wir Werbung heute als Belästigung.
Auch in der internen Kommunikation braucht es meist nicht viele Worte, sondern die Richtigen. Chefs stehen in der Gefahr zu viel von den Kosten zu reden. Von den Prozessen und Regeln, die Mitarbeiter einzuhalten haben. Die Menschen kriegen so den Eindruck, dass es nur ums Geld geht und nicht um die Fürsorge für den Kunden. Sie sehen dann keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit und können auch für Kunden keine positiven Erfahrungen vermitteln. Das ist fatal. Weil die allerwichtigsten Botschafter für ihre Marke ihre Mitarbeiter sind.

 

„Wer etwas bewirken will, muss gute Worte finden“, sagte der Dirigent Kurt Masur. Und Bill Hybels von der US-amerikanischen Mega Church Willow Creek in Chicago ist Beispiel für eine Führungskraft, die Prinzipien in pointierte und merkfähige Slogans gießt. Anstatt einfach nur zu sagen, dass alle in der Gemeinde mehr Mitgefühl zeigen sollen (gähn), sprach er davon „unsere zerbrochene Welt mit beispielloser Barmherzigkeit zu überschütten“. Bei diesen Worten brach spontaner Applaus aus.

 

Die allerbesten Leiter, die ich kenne, ringen mit Worten, bis sie in der Lage sind, ihre großen Ideen so wiederzugeben, dass sie den Intellekt anregen, zu Taten anspornen und die Seele erheben. Sie prägen Slogans und geben Parolen aus, weil sie verstanden haben, dass die richtigen Worte den entscheidenden Unterschied machen, um ins Herz von Menschen zu sprechen.“ (Bill Hybels)

 

 

Apropos Herz.

 

Ohne Herzblut geht’s nicht. Wer berührt, bewegt. Das gilt für eine Führungskraft genauso wie für die Werbung oder die Live-Kommunikation. Was Ihr Herz bewegt, schwingt immer mit. Sie können die Herzensbotschaft gar nicht ausschalten. Und Sie sollen es auch gar nicht. Bringen Sie zum Klingen und Schwingen, was Ihr Herz erfüllt.

 

„Herzblut. Innere Werte erzählen“ – TEDx-Talk für eine Wirtschaft, die Sinn macht, Werte lebt und darüber spricht.

 

 

Kommunikation Theo Eissler SpotentwicklungTheo Eißler führt die Agentur spotentwicklung, die für nationale und internationale Unternehmen arbeitet (u.a. Procter&Gamble, Daimler, HewlettPackard, Fraunhofer ISI, Hochland …) und die für ihre Arbeiten vielfach ausgezeichnet worden ist. Er unterstützt Führungskräfte (u.a. mit kurzen emotionalen Filmen: www.impulsfilme.de) und hält Vorträge zum Thema Kommunikation. Er lebt mit seiner Familie in Tübingen und engagiert sich in der Evangelischen Landeskirche.

 

 

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