Event Wirkung: Was bleibt nach 48 Stunden?

23. Juli 2026

Event Wirkung

Event Wirkung: Sieben Erkennt­nisse – und warum wir sie falsch messen

 

Seit über 20 Jahren stelle ich eine Frage. Auf Bühnen, in Brie­fings, in Work­shops — und kürzlich auch in Campfire-Runden auf Konferenzen:

 

Was soll danach anders sein als vorher — für wen?

 

Was mich immer noch über­rascht: Wie selten eine Antwort klar ist. Nicht weil die Menschen, die ich frage, schlechte Arbeit machen – im Gegen­teil. Sondern weil das System, in dem sie arbeiten, diese Frage struk­tu­rell ausspart.

Bei der ICE Confe­rence in München habe ich mit Corpo­rate Heads of Events, Verant­wort­li­chen aus dem Mittel­stand und inter­na­tio­nalen Event­profis über genau dieses Thema sprechen dürfen. Was dabei herauskam, ist ehrli­cher als jede Studie.

 

Erkenntnis 1: Wir messen den Tag – nicht die Wirkung

Die häufigsten Antworten auf die Frage „Was messt ihr nach einem Event?” sind bekannt: NPS, Teil­neh­mer­zu­frie­den­heit, Leads, Media Clip­pings, Social Reach. Manchmal –beson­ders im B2B– auch Oppor­tu­nity Tagging und CRM-Verknüpfung.

All das ist legitim. Aber es beschreibt, wie gut das Event war. Nicht, was es bewirkt hat.

Ein Teil­nehmer brachte es auf den Punkt: „Das Einzige, was bei uns wirklich zählt, ist wie laut das Publikum jubelt, wenn der CEO auf die Bühne kommt. Wenn er glück­lich ist, gibt es auto­ma­tisch das Budget fürs nächste Jahr.” Ehrli­cher geht es nicht.

Das Problem: Begeis­te­rung beim Chef am Eventtag ist nicht dasselbe wie Verän­de­rung in der Mann­schaft am Montag danach.

 

Erkenntnis 2: Die 10%-Frage wird kaum gestellt

Neuro­wis­sen­schaft­lich ist es belegt: Inner­halb von 48 Stunden nach einem Erlebnis sind bis zu 90 Prozent der Inhalte vergessen. Was bleibt, sind Gefühle – und die Momente, die sie ausge­löst haben.

Die Frage, die ich daher gerne stelle: Designen wir bewusst für diese 10%?

In fast allen Runden war die ehrlichste Antwort: „Wir hoffen, dass es die rich­tigen 10% werden.”

Hoffen ist keine Stra­tegie. Aber es ist der Normal­zu­stand – weil die wenigsten Events von ihrem gewünschten Eindruck her rück­wärts entwi­ckelt werden. Statt­dessen entstehen sie vorwärts: Programm, Location, Agenda, Catering – und dann irgendwo am Ende ein Wunsch nach Wirkung.

 

ICEN Wirkung Events

 

Erkenntnis 3: Alle messen – keiner vergleicht

Steffen Straub hat es mal treffend zusam­men­ge­fasst: Befragen, zählen, beob­achten – seit Jahr­zehnten dieselben drei Säulen. Was fehlt, ist eine bran­chen­über­grei­fende Währung für Vergleich­bar­keit. „Was wir brauchen, ist eine fakten­ba­sierte Unter­stüt­zung unseres Bauchgefühls.”

Das trifft einen wunden Punkt. Daten sind vorhanden – aber sie landen in Reports, die kaum jemand liest. Oder sie werden am Tag des Events erhoben, wenn alle noch begeis­tert sind, und nicht drei Wochen später, wenn sich zeigt, was wirklich geblieben ist.

Wer heute anfängt, Wirkung statt Zufrie­den­heit zu messen, verschafft sich einen echten Vorsprung – nicht weil die Methoden neu sind, sondern weil die Konse­quenz neu wäre.

 

Erkenntnis 4: Was Budgetgeber wirklich wissen wollen – und was wir ihnen geben

Hier tut sich eine struk­tu­relle Lücke auf. Auf der einen Seite: Event­teams, die in Zufrie­­den­heits-KPIs denken. Auf der anderen: CEOs und CFOs, die in Business Impact denken.

Mathias Sonder­mann, Ex-Leiter des SAP Event Center of Excel­lence, hat mir im Podcast etwas mitge­geben, das ich seitdem nicht vergessen habe: „Jede Veran­stal­tung hat die Möglich­keit nach den gleichen Krite­rien und damit auch vergleichbar gemessen zu werden.” SAP hat sich selbst 25 Moti­va­tionen und sechs Kern­ziele für ihre Events defi­niert. Hier erklärt Mathias welche:

 

 

Die Konse­quenz: Wer als Event­ver­ant­wort­li­cher die Sprache des Budget­ge­bers spricht – also nicht NPS, sondern Verhal­tens­ver­än­de­rung, Marken­wahr­neh­mung, Vertrags­ver­län­ge­rungen, Mitar­bei­ter­bin­dung – verän­dert seine Position im Unter­nehmen. Vom Umsetzer zum stra­te­gi­schen Spar­ring­partner, vom Abwickler zum Entwickler.

 

Erkenntnis 5: Emotion vor Kognition – und trotzdem planen wir es andersherum

Wir fühlen zuerst. Dann denken wir. Dann handeln wir. Ergo: Was lassen wir Menschen fühlen?

Was das für die Praxis bedeutet: Ein Event, das vor allem auf kogni­tive Inhalte setzt – Slides, Zahlen, Infor­ma­tionen – greift am falschen Ende an. Was Menschen mitnehmen, ist nicht der zehnte Bullet­point einer Keynote. Es ist das Gefühl, das ein Moment ausge­löst hat. Prof. Dr. Hans Rück von der Hoch­schule Worms beschreibt das im Podcast anhand seiner Wirkungs­py­ra­mide präzise: Erleben erzeugt Emotion, Emotion erzeugt Kogni­tion – und erst dann entsteht Verhalten.

 


Die mögli­chen Wirkungen einer Veran­stal­tung formen: Die Event Perfor­mance Pyramide™ (via Mice-Advice.de)

 

Barbara Sagel von Airbus hat bei der ICE Confe­rence genau das formu­liert: “die freie Zeit nutzen, um als Regis­seure für emotio­nale Momente zu sorgen”. Diese Lanze breche ich sehr gerne mit – weil es zeigt: Emotion ist kein Nice-to-have. Es ist das Vehikel, durch das Inhalt über­haupt erst ankommt.

 

Erkenntnis 6: Zu spät im Prozess – das teuerste Problem der Branche

Eine Beob­ach­tung, die sich durch alle Runden zog: Event­ver­ant­wort­liche werden zu spät einbe­zogen. Das Hotel ist gebucht. Das Format steht. Der Budget­rahmen ist gesetzt. Und dann kommt die Frage nach dem Konzept.

Was dabei verloren geht, ist nicht nur Krea­ti­vität. Es ist die Chance, die rich­tigen Fragen zu stellen, bevor die Antworten bereits gegeben wurden.

Eine Teil­neh­merin beschrieb es so: „Wir bekommen manchmal den Auftrag, 400 Menschen in einen Raum zu bringen. Und erst wenn wir fragen, wozu eigent­lich – entsteht das eigent­liche Gespräch.”

Ein System­fehler — denn wer Wirkung will, muss die Wirkungs­frage in Phase 0 stellen – bevor das erste Angebot einge­holt wird.


Stephanie Müller (Phineo gGmbh) zeigt mit der Wirkungs­treppe, wie Event­kon­zepte syste­ma­tisch besser werden.

 

Erkenntnis 7: Der Unterschied zwischen Messen und Lernen

Daten zu erfassen ist das eine. Sie zu inter­pre­tieren und daraus zu lernen, ist das andere.

Mathias Sonder­mann hat dafür ein Bild, das sitzt: Der ROI eines Events lässt sich oft erst Monate später ablesen – in verlän­gerten Verträgen, in neuen Projekten, in verän­dertem Verhalten. Das erfor­dert Geduld, Systeme – und den Willen, die Verbin­dung herzustellen.

Wer nur auf Event­ebene misst, sieht nur einen Bruch­teil des Bildes. Und wer das Bild nie voll­ständig sieht, kann das nächste Event nicht besser machen – nur anders.

 

Was stattdessen an Event Wirkung möglich wäre…

Die Frage, mit der ich meine Campfire-Runden enden ließ, lautete: „Wenn ihr bei eurem nächsten großen Event früher einbe­zogen wäret, mit einem größeren Mandat – was würdet ihr als Erstes anders machen?”

Die häufigsten Antworten:

  • Jeden Speaker vorher fragen: Was willst du wirklich kommunizieren?
  • Den Auftrag­geber heraus­for­dern: Brauchen wir dieses Event überhaupt?
  • Mit dem Outcome anfangen – und das Format daraus ableiten.

Das klingt simpel. Ist es aber nicht – weil es Mut erfor­dert, eine Frage zu stellen, auf die der Auftrag­geber viel­leicht keine Antwort hat. Aber genau das ist der Moment, in dem Event­ver­ant­wort­liche aufhören, Umsetzer zu sein – und anfangen, Gestalter zu werden.

 

Ulrike Tondorf (Bayer AG) reflek­tiert hilf­reiche Perspek­tiven der Event Wirkung:

 

Event Wirkung: Die eine Frage, die alles verändert…

Was soll danach anders sein als vorher — für wen?

Sie ist unbequem. Sie verzö­gert das Briefing. Sie öffnet Gespräche, die niemand geplant hat.

Und sie ist der einzige Start­punkt, von dem aus ein Event wirklich wirksam werden kann.

Nicht das Programm, die Location oder das Budget. Diese Frage.

 

Du willst dieses Gespräch in einem anderen Rahmen weiter­führen? Bei THE RESET –meinem Format für Heads of Events & Marke­ting­ver­ant­wort­liche zum Austausch, Lernen und Wachsen– gehen wir genau dieser Frage nach. Die nächsten Termine:

Berlin, 6. November | Hamburg, 20. November | Essen, 27. November | Frank­furt, 4. Dezember | München, 11. Dezember | Köln, 18. Dezember 2026

Melde dich gern direkt bei mir für weitere Infos.

 

PS: Du willst mehr Wirkung bei Events? In meiner Podcast-Staffel „WIRKUNG“ wirst du fündig.

 

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