Summer of Purpose: Was passiert, wenn ein Event keine Marke transportiert — sondern Haltung?

16. Juli 2026

Summer of Purpose 2026

Summer of Purpose 2026 in München — eine Refle­xion // Begeg­nung mit Event-Komplizen Jörg, Bernhard und Caro

 

Purpose. Das meist miss­brauchte Wort einer jeden Branche.

 

Viel­leicht sogar der gesamten neueren Wirt­schafts­be­we­gung in Deutsch­land. Jeder hat ihn: Ob Marke, Unter­nehmen oder Stra­­tegie-Präsen­­ta­­tion ab Folie drei. Purpose wird gern behauptet, auf Lein­wände proji­ziert und in Leit­bilder gegossen — und dann meist irgendwo zwischen Catering-Bestel­­lung und Heim­reise vergessen, weil dann doch nicht gelebt.

 

Und dann gibt es Momente, in denen man ihn fühlen kann. Ohne Folie oder Claim. Heute ist so ein Moment: In München beim Summer of Purpose.

 

Zwei Tage. Ausgewählte Menschen. Fragen, die zählen.

 

Tausend­sassa Hans Reitz weiß, wie man Marken-Events baut. Seine Agentur circ hat es jahre­lang getan — profes­sio­nell, wirkungs­voll, mit Niveau. Und trotzdem hat er irgend­wann eine andere Frage gestellt: Was passiert, wenn nicht die Marke im Mittel­punkt steht – sondern der Mensch dahinter?

 

Der Summer of Purpose ist seine Antwort. Ein Format, das Menschen aus Wirt­schaft, Wissen­schaft, Kultur und Gesell­schaft zusam­men­bringt – keine klas­si­sche Konfe­renz, sondern ein Raum für neugie­riges Lernen und echte Begeg­nung. Kura­tiert, bewusst über­schaubar gehalten und auf Gesell­schafts­trans­for­ma­tion ausgerichtet.

 

Was bedeutet es Mensch zu sein

 

Klar — das funk­tio­niert, weil jemand zuvor eine sehr gute Frage gestellt hat: Welche Begeg­nungen sollen hier entstehen – und warum?
Genau meine Sprache. Und gleich­zeitig entstehen ambi­va­lente Gefühle — werden hier Themen und Problem­chen an der Realität von 80% der deut­schen Bevöl­ke­rung vorbei disku­tiert? Wer fehlt in diesem Raum? Welche Perspek­tiven wurden gar nicht eingeladen?

 

Was mich am Summer of Purpose berührt…

Ein paar erlebte Ausschnitte aus München – weil sie zeigen was möglich ist, wenn ein Event von seiner Wirkung her gedacht wird:

Daniela Mahr ist Philo­so­phin. Und hat gerade den Reflecta Förder­mit­tel­kom­pass auf die Welt gebracht – ein KI-gestütztes Tool, das Gründer:innen, KMU, NGOs, Sozi­al­un­ter­nehmen sowie Insti­tu­tionen wie Kommunen, Kultur­schaf­fende, Hoch­schulen und Wohl­fahrts­ver­bände dabei unter­stützt, passende Förder­pro­gramme zu finden und Anträge einfa­cher zu stellen. Stark!

Uwe Mettlach war 40 Jahre Polizist. Jetzt Mediator – und Taschen­dieb. Er erzählt, wie er bei einer Demo als Polisizt drei Steine aufhob und anfing zu jonglieren. Wie sich die Situa­tion dadurch verän­derte und aus Anspan­nung Neugier wurde. Wie Kontrolle durch Vertrauen möglich wurde, nicht durch Auto­rität. Smart!

Prof. Dr. Dieter Frey sprach über Demo­kratie schützen, eine wett­be­werbs­fä­hige Wirt­schaft, Menschen ethisch ausbilden. Wertvoll, klug und mit der Ruhe jemandes, der weiß, dass diese Dinge nicht laut gesagt werden müssen, um gehört zu werden. Gewinnend!

Dominik Hofmann hat den Heimat­hafen in Wies­baden gegründet – einen Ort, der Trans­for­ma­tion nicht verspricht, sondern ermög­licht. Wer solche Orte kennt, weiß: Sie entstehen nicht durch Konzepte. Sie entstehen durch Entr­e­pe­­neur-Geist, Mut und dem Willen Orten einen neuen Auftrag für die Gemein­schaft zu geben (es handelt sich übrigens um das alte Landgericht).

Andreas Heinecke – Gründer von Dialog im Dunkeln, einem der wirkungs­vollsten Erleb­nis­for­mate. Seit über 25 Jahren führt er Menschen buch­stäb­lich in die Dunkel­heit – und bringt sie verän­dert wieder heraus. Nicht durch Inhalte sondern das radikale Erleben einer anderen Perspek­tive, geführt von Menschen, die in dieser Welt zuhause sind. Die Wirkung dieses Formats ist messbar – in verän­derten Haltungen, in neuer Empathie, in konkretem Verhalten danach. Das ist Expe­ri­ence Design in seiner reinsten Form.

 

Genuß­voll das mit Wegbe­glei­tern wie Bernhard Wolf, Caroline Franke und Jörg Seller­beck gemeinsam zu erleben. Und auf leiden­schaft­liche Menschen wie Cathrin Mühl­bauer (Axica Berlin), Joachim Bruch­häuser (Schoko Pro Technik-Diens­t­­leister) oder Prof. Dr. Tania Singer (Soziale Neuro­wis­sen­schaften der Max-Planck-Gesel­l­­schaft > ja, wir sind viel zu sehr in Kogni­tion statt im Körper) zu stossen.

 

Mensch sein Summer of Purpose 2026

 

Das Leitthema: Was bedeutet es, Mensch zu sein?

Victor Frankl hat darauf eine Antwort gegeben: Mensch sein heißt Sinn finden.

Bei diesem Satz musste ich an einen anderen Moment denken: Den 27. Januar 2021 – mitten in der Pandemie auf der Hohen­zol­lern­brücke in Köln. Marina Weißband hatte im Deut­schen Bundestag eine Rede gehalten, die viele bewegt hat. Über Mensch­lich­keit, das Erinnern und das Einfach-Mensch-Sein als poli­ti­sche Haltung.

Mit Samuel Koch und einigen weiteren haben wir das damals in eine andere Form über­setzt – in ein Live-Format, das diesen Impuls aufge­nommen und in Begeg­nung verwan­delt hat. Einer dieser Momente, von denen ich weiß: Dafür mache ich das. Sinnhaftig!

 

 

Und gleich­zeitig zeigen solche Echo­kam­mern, wie sehr man sich in einer privi­li­gierten Blase bewegt. Wie Benny Folkmann vom FC Bayern München e.V. treffend wie selbst­kri­tisch formu­lierte: Es ist unmit­tel­barer das eine AfD Regie­rung in Sachsen-Anhalt regiert als das Olym­pi­sche Spiele in Deutsch­land statt­finden — wie gehen wir damit als Vereine, Kunst & Kultur­schaf­fende um, was setzen wir entgegen? Insofern: Was heißt es für dich in dieser Zeit Mensch zu sein? Wie lebst du das in deinem Umfeld? Wo gehen wir bewußt über unsere Grenzen und in einen Dialog, der eine Mammut­auf­gabe bleibt?

 

Summer of Purpose Quartett

Summer of Purpose Quartett: Prof. Dr. Dieter Frey, Prof. Dr. Claudia Peus, Tamara Dietl, Hans Reitz

 

Was Events leisten können – und was sie meistens nicht tun

Zurück zu Events. Seit über 20 Jahren arbeite ich in der Event­branche — als Regis­seur, Konzep­tioner und stra­te­gi­scher Berater. Als Spar­ring­partner um Wirkung in Ereig­nisse zu bringen, die Menschen bewegen. Ich habe erlebt, wie Events Marken sichtbar machen, Jubiläen gefeiert oder neue Produkte vorge­stellt werden. Und ich habe erlebt, wie Ereig­nisse Menschen verän­dern.

Der Unter­schied liegt nicht im Budget, der Location oder Insze­nie­rung. Er liegt in der Frage, die am Anfang gestellt ‑oder eben nicht gestellt- wird:

Was soll danach anders sein als vorher — für wen?

Der Summer of Purpose stellt diese Frage. Nicht explizit, aber struk­tu­rell. In der Kuration der Teil­neh­menden, wie Gespräche ermög­licht werden und wie Raum für das Unplan­bare gelassen wird. Begeg­nungen können Inter­ven­tionen sein – wenn sie bewusst gestaltet werden. Der Satz, der mir in dieser Zeit immer wieder einfällt: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Erich Kästner hatte Recht — nutzen wir das Poten­zial! Taten statt Worte. Aber dazu fehlt mir der Einblick in den Alltag der Teil­neh­menden, was ändert sich ab Montag? Und wie immer: es fängt bei mir persön­lich an.

 

Flux Pinakothek München

 

Purpose – und jetzt?!

Vermut­lich bleibe ich auch nach München auf der Suche nach neuen Orten meinen Purpose einzu­bringen. Die Pina­ko­thek der Moderne war bereits 2017 der Ort für einen schmerz­li­chen Perspek­tiv­wechsel. Aber bei Begeg­nungen wie diesen meine ich zu begreifen, was gemeint ist: Die zweite Lebens­hälfte dem zu widmen, was ich kann und wirklich liebe: Sinn­volle Begeg­nungen gestalten. Wirkungs­volle Momente ermög­li­chen. Räume schaffen, in denen Menschen etwas beginnen, das ohne diesen Raum nicht begonnen hätte. Und andere Menschen mit deren Bedürf­nissen in den Blick zu nehmen. Berufung statt nur Beruf (wieder mal sehr privi­le­giert — aber gleich­zeitig mit einer riesen Portion Spiel­freude und Menschen Zuge­wand­heit gepaart).

Hans Reitz lebt vieles davon vor – wenn er auch ein Myste­rium bleibt. Vom Mut zum Schei­tern bis zur Gelas­sen­heit und der Über­zeu­gung, dass ein Format nur dann wirklich gut ist, wenn die Menschen danach anders denken, sprechen oder handeln – als davor. Genau das ist meine Mess­latte. Für jedes Event, das ich begleite.

 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

 

Auf weitere solcher Formate, die Menschen verbinden, Denk­an­stösse geben und Neues erwachsen lassen. In jedem Fall ein Raum, in dem das eigene Denken und Handeln geschärft werden kann. Dabei wünsche ich mir, dass solche Formate irgend­wann nicht nur die Sucher versam­meln – sondern auch die Skeptiker.

 

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