Präsentationstipps: Was Elon Musk goldrichtig macht & Sie davon lernen können!

4. April 2016

Tesla Model 3 unveil © youtube.com

Präsen­ta­ti­ons­tipps: Elon Musk stellte am 31.3.2016 das Tesla Model 3 vor // Quelle Pres­se­kon­fe­renz: youtube

 

 

Als Regis­seur im Auto­mo­bil­be­reich erlebe ich viele Auto-Neuvor­­stel­­lungen aus erster Hand. Als letzte Woche die Nach­richt zu Tesla’s neuem Model 3 die Runde machte, war mein Inter­esse an der Pres­se­kon­fe­renz geweckt. Was ich dann erleben durfte hat mich schlichtweg beein­druckt. Oder in anderen Worten: Warum nicht gleich so? Folgend sieben Präsen­ta­ti­ons­tipps, die Elon Musk gold­richtig gemacht hat.

 

 

7 Präsentationstipps, die jeder Vortragende beachten sollte…

 

Präsen­­ta­­tions-Guru Garr Reynolds bringt den Anspruch einer wirkungs­vollen Präsen­ta­tion auf den Punkt: Einfach­heit, Klarheit, Aufrich­tig­keit, Glaub­wür­dig­keit und Leiden­schaft. Genau das gelang Elon Musk in seiner Produkt­vor­stel­lung. Kombi­niert mit der hohen Kunst sein Publikum inhalt­lich mit dem Thema der Elek­tro­mo­bi­lität zu begeis­tern und emotional zu verbinden. Hier meine Analyse, warum die Präsen­ta­tion form­voll­endet wirkt:

 

1. Elon Musk startet mit der wichtigsten Frage: WARUM?!

“WARUM machen wir das, WARUM ist das wichtig?” Genau dieser Einstieg mit einer ‘bigger picture story’ liefert die Basis für die folgenden 22 Minuten: WARUM muss sich was ändern in der Mobi­li­täts­branche? Wie sehen die Fakten in der Umwelt aus? Diese bilden den nötigen Span­­nungs-Kontrast und gleich­zeitig die Moti­va­tion zur Handlung. Der Kommu­ni­ka­ti­ons­ex­perte Simon Sinek hat mit dem “Golden Circle der Kommu­ni­ka­tion” übrigens ein klares, verständ­li­ches Modell zu dem Thema WARUM geliefert.

 

2. Klare Bildsprache

Die Visua­li­sie­rungen sind absolut aufge­räumt und redu­ziert auf eine Botschaft. Auch wenn das eigent­lich Standard sein sollte: Es gibt keinen unnö­tigen, deko­ra­tiven Schnick­schnack. Jede inhalt­liche Aussage wird ‑wenn nötig- durch eine Chart mit einer Aussage visua­li­siert. Dabei lenken die Inhalte nicht von Elon Musk ab, sondern unter­stützen inhalt­lich das was er zu sagen hat.

Einzig die Aufbe­rei­tung der Grafiken hätte ich teils noch schöner designen lassen (Holger Schubart von der Kölner Agentur OSK setzt hier weltweit einen Standard mit den Mercedes-Benz Präsen­ta­tionen). Auch die TYPO der Head­lines hätte breiter sein können, damit der Moiré-Effekt in schlecht aufge­löstem Video­ma­te­rial geringer ist.

 

3. Beziehung zum Publikum aufbauen

Auch wenn Musk’s Sprach­stil nicht perfekt flüssig ist — er bleibt sich selbst authen­tisch und vor allem liest er nicht von einem Tele­prompter ab, wie dies eigent­lich alle Vorstände tun. Dabei kleben die Redner förmlich an den Screens und bauen keine Bezie­hung zum Publikum auf. Genau darum geht es aber und man spürt förmlich, wie das Publikum Musk die Begeis­te­rung zurück spiegelt. Dies ist nur möglich, wenn der Sprecher ganz bei sich ist und wirklich eine Bezie­hung zum Publikum aufbauen will. Natür­lich nutzt Musk auch rheto­ri­sche Mittel wie die künst­liche Über­hö­hung. Aber das ist erlaubt und erzielt seine Wirkung: Begeis­te­rung pur.

Inter­es­sant ist auch, wie souverän er wirkt. Das liegt daran, dass er einen festen Stand­punkt gewählt hat. Elon Musk steht perma­nent ruhig an einem Platz. Er hat es nicht nötig hin und her zu rennen. Das vermit­telt Stärke. Der Sprecher-Coach Hilger hat hierzu einen guten Ansatz entwi­ckelt: Das Präsen­­ta­­ti­on­s­­dreieck-Modell.

 

4. Herleitung einer BIG IDEA

Wie die US-Werbe­i­­kone George Lois schon formu­liert hat: Have a BIG IDEA. Mit der Herlei­tung des bereits 2006 formu­lierten Master­plan X kreiert Elon Musk die Geschichte von Tesla. Auch dabei geht es immer um einen span­nungs­vollen Kontrast: Begin­nend mit dem Roadster erwähnt Musk vermeint­lich ganz offen die Vor– und Nach­teile des Roadster: low volume, high price. So baut sich die Geschichte weiter auf, an die Musk mit dem Model S (der Sedan: mid volume, less-high price) sowie dem Model X (der SUV: mid volume – less-high price) anknüpft und logisch auf das Model 3 (high volume – afford­able price) hinführt.

 

Die spürbare Begeis­te­rung des Publi­kums im Raum ist der Wahnsinn. Hut ab! Das waren sicher nicht alles gekaufte Mitar­beiter oder Statisten und ja, bevor die Deut­schen gleich rumnör­geln: Vor Statis­ti­kern des Bundes­amts hätte wohl auch Musk zu kämpfen gehabt. Aber: Musk kennt seine Ziel­gruppe und hat sich mit dieser ausein­an­der­ge­setzt! Denn die Aufgabe als CEO und guter Kommu­ni­kator ist eindeutig: Verbreite Ideen und bewege Menschen. Nancy Duarte formu­liert es treffend: “Das Publikum ist gekommen, um von dir persön­lich inspi­riert zu werden und bedeut­same Gedanken mit nach Hause zu nehmen”. Chapeau — das ist ausge­zeichnet geglückt!

 

5. Relevante Fakten — Kritik Ernst nehmen

Reine Begeis­te­rung kann bei einer Ziel­gruppe wie Jour­na­listen aber nicht alles sein. Es bedarf auch solider Fakten. Die hat Musk mit seinem Produkt zuhauf gelie­fert. Das Model 3 kann/hat:

- eine Reich­weite von 345 km (für jeden der die bishe­rigen Reich­weiten von Elektro-Fahr­­zeugen kennt: das ist eine Revolution!)

- von 0–100km/h in 6 Sekunden beschleu­nigen (das spricht für ein Sportwagen)

- bietet 5 Sitz­plätze und wichtig: ist ein sicheres Auto (5‑Sterne Sicher­heits­be­wer­tung in allen Kategorien)

- wird stan­dard­mäßig mit Auto­pilot Sicher­heits­funk­tionen ausgeliefert

- kann sehr schnell geladen werden (worauf es ja bei diesem Antrieb bekannt­lich ankommt)

Auf der tiefer­lie­genden Sinn­e­bene spricht Musk das Bedürfnis von der “Freiheit zu Reisen” an: “Go where you want to go, how you want to go”. Und das ganze zu einem Preis von $ 35.000 vor steu­er­li­chen Begüns­ti­gungen. In Deutsch­land wird der Kauf­preis mit Fracht, Zoll und Mehr­wert­steuer wahr­schein­lich 35.000 € betragen.

 

Gleich­zeitig nimmt Musk den Kriti­kern den Wind aus den Segeln, in dem er auch auf kriti­sche Punkte eingeht: “Wo sind Lade­sta­tionen und wo bekomme ich einen Service?” Außerdem: “Wo bezie­hungs­weise wie wird die Produk­tion geleistet.” Die Antworten darauf sind beein­dru­ckend. Tesla baut mit der Giga­fac­tory die weltweit größte Produk­tion von Lithium Ion Batte­rien auf, dem Kern des revo­lu­tio­nären Antriebs der Zukunft (die Fertig­stel­lung soll komplett aus Solar- und Wind­energie erzeugt werden). Spannend ist an der Stelle auch der Bild­schnitt im Hinter­grund: Alle 3 Sekunden gibt es einen Bild­sprung. So wird eine eigent­lich lang­wei­lige Fabrik­halle über die Rede­dauer inter­es­sant gehalten — ohne das es nervt. Sympa­thisch ist auch, dass er mit Blick auf die Auslie­fe­rung erst Ende 2017 mit einem Schmun­zeln auf dem Gesicht zugibt, dass er mit einer pünkt­li­chen Auslie­fe­rung rechnet. Tesla-Kenner wissen, dass dies in der Vergan­gen­heit nicht immer reibungslos geklappt hat…

 

6. Exzellente Inszenierung — schlicht aber wirkungsvoll

Die Insze­nie­rung des Model 3 ist im Vergleich zu manch anderer Auto-Insze­­nie­­rung relativ schlicht geraten — dabei aber keines­falls schlecht. Einge­leitet wird die Enthül­lung mit Humor. Musk führt mit allem auf diesen einen Moment hin und erlaubt sich dann diesen Satz: “Do you want to see the car? (Publikum ruft: yeah) We don’t have it for you tonight – (Pause) just kidding… Let’s get it out!”. Welch Souve­rä­nität an diesem Moment so locker zu sein und das Publikum noch ein wenig auf die Folter zu spannen. Wenn man den Moment genauer betrachtet, dann wird das Publikum direkt ange­spro­chen, damit es reagieren kann. Auf die Bejahung folgt die Enttäu­schung: We don’t have it here for you tonight. Nur um dann doch das zu bekommen, was es eigent­lich schon seit 10 Minuten sehen will. Gekonnt! Wer hierzu mehr lesen will, dem empfehle ich das Buch resonate: oder wie Sie mit packenden Storys und einer fesselnden Insze­nie­rung Ihr Publikum verän­dern.

 

Was dann folgt ist eine total redu­zierte Show. Es gibt keine Tänzer, Trommler, Artisten. Nur ein 40sekündiger Intro­film und dann die Einfahrt des Model 3. Weniger ist mehr. Punkt. Genial finde ich dann den phäno­me­nalen SteadyCam Kame­ragang um das Auto. Denn in diesem einen Kame­ragang werden alle High­lights des Fahr­zeugs gezeigt: Exte­rieur, Heck, Glasdach, Rück­leuchten, Inte­rieur samt Cockpit und Bedien­ein­heit. Mit aller Coolness fragt Musk im Anschluß das Publikum: “What do you think? Do you like the car?” Welch rheto­ri­sche Frage, ich glaube an dieser Stelle kann ich mit der Analyse aufhören und das Produkt für sich sprechen lassen.

 

7. Ende mit klarem ‘Call to action’

Elon Musk beendet die Produkt­prä­sen­ta­tion mit einer posi­tiven Nach­richt: Die Bestel­lungen in den ersten Stunden über­ra­schen selbst ihn und geben somit seinem Master­plan X recht. Innerhalb eines Tages reser­vierten 180.000 Personen das Fahrzeug (am zweiten Tag klet­terten die Voranmel­dungen bereits auf 253.000). Ganz wichtig ist natür­lich der Schluß der Pres­se­kon­fe­renz. Diesen schafft Musk mit dem call to action. Die Hand­lungs­auf­for­de­rung und damit das Ziel der Veran­stal­tung ist eindeutig: “For all atten­dees in the room: enjoy your ride. For all others: order online”. Darauf folgt ein zügiger Abgang – was gesagt wurde, ist gesagt. Es gibt keine Pres­­se­­foto-Arie. Die Autos stehen im abso­luten Vorder­grund. Well done!!!

 

 

Fazit: Warum gibt es nicht mehr von dieser Art von Präsen­ta­tionen? Wenn Sie selbst wirkungs­voller präsen­tieren wollen empfehle ich Ihnen die Master­class “Wirkungs­voll Präsen­tieren”. In zwei Tagen werde ich Sie gemeinsam mit dem Mode­rator Martin Kloss auf ein neues Level bringen. Keine Zeit? Dann komme ich oder wir gerne auch direkt zu Ihnen! Melden Sie sich einfach. Wir freuen uns darauf gemeinsam mit Ihnen den stärksten Pfeil in ihrem Köcher effektiv zu nutzen: Wirkungs­volle Kommu­ni­ka­tion.

 

 

Weitere Lese­emp­feh­lungen mit Präsen­ta­ti­ons­tipps:

Auftritts­Coa­ching: 12 Tipps für wirkungs­volle Vorträge

How to Give a Killer Presen­ta­tion von TED-Talk Curator Chris Anderson

Das ABC der Präsen­ta­ti­ons­tipps von Karrie­­re­­bibel-Gründer Jochen Mai

 

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