Meine 5 größten Fehler… // Ein Hoch auf das Scheitern!

26. Juni 2014

Scheitern im Event // Aus Fehlern lernen in der Live-Kommunikation

Fehler in der Event­szene // Foto: Steve Rees, ©iStock.com/topshotUK

 

“Wer erfolg­reich sein will, muss die Kunst beherrschen,

das Beste aus dem eigenen Versagen zu machen

und mit Stil und Würde zu scheitern.”

Ralf Senf­t­leben

 

 

Es wird viel über Erfolg gesprochen.

Worüber dagegen selten geschrieben wird, ist das Schei­tern.

Dabei gehört das Fehler-machen-und-daraus-lernen zum Leben dazu.

Ich würde sogar behaupten, das es uns über­haupt zu dem macht, wer wir sind.

 

Zeit, dass wir offen über Fehler sprechen und mehr vonein­ander lernen!

 

 

5) 2.000 Gäste warten auf Café und Kuchen

 

Einen rich­tigen Klogriff leistete ich mir bei meinem ersten Regiejob: Eine Mitar­bei­ter­ver­an­stal­tung mit 2.000 Gästen. Etwas aufge­regt und hoch­kon­zen­triert sorgte ich für einen reibungs­losen Ablauf und war stolz, dass wir schon eine Vier­tel­stunde früher als geplant durch waren. Vergnügt verließ das Publikum den Raum, um sich bei Café und Kuchen zu stärken. Blöd nur, dass sie vor leeren Tischen standen. Das hatte ich nämlich in meiner Aufre­gung verpasst, der Projekt­lei­terin mitzu­teilen. Ergebnis: 2.000 genervte Gäste, purer Stress für die Catering-Kollegen und eine zurecht erboste Projekt­lei­terin, die mich in Grund und Boden stampfte. Sie hatte natür­lich Recht, das Chaos am Büffet wäre durch recht­zei­tige Kommu­ni­ka­tion vermeidbar gewesen. Gut, dass wir am Abend schon wieder über diesen Fauxpas lachen konnten. Wird mir nie wieder passieren.

 

 

4) Perfektion versus Gesundheit

 

Extrem teuer bezahlt habe ich eine Show-Producer Tätig­keit auf diesem Pfad­fin­der­lager mit 10.000 Teil­neh­mern. Eine span­nende Heraus­for­de­rung, die insge­samt wirklich genial insze­niert werden konnte. Als Perfek­tio­nist und verant­wort­lich für das hundert­köp­fige, semi-profes­­si­o­­nelle Team, versuchte ich einen perfekten Job abzu­lie­fern. Aber nicht nur der Auftrag­geber war mit dieser Größen­di­men­sion uner­fahren, auch ich kann trotz vieler Erfah­rungen in diversen TV-Shows etc. und gegen Ende meines Studiums nicht behaupten, routi­nierter Leitungs­ver­ant­wort­li­cher gewesen zu sein.

 

Um die Geschichte abzu­kürzen: ich routierte drei Monate vorab rund um die Uhr, um sowohl für das Gesamt­ergebnis aber auch gegen­über meinem Team für eine solide Arbeits­basis zu sorgen. Dennoch gab es viele unge­klärte Details und aufpop­pende Heraus­for­de­rungen, so dass ich vor Ort mit täglich nicht mehr als 2–4 Stunden Schlaf auskommen musste. Das Endergebnis war erstaun­lich gut, hatte aber seinen Preis. Für mich damals uner­klär­lich, lag ich die zwei Wochen danach bewe­gungs­un­fähig im Bett und war buch­stäb­lich fertig mit den Nerven. Meine erste BurnOut Erfah­rung aufgrund meines Perfek­tio­nismus (wen das Thema inter­es­siert empfehle ich meinem Artikel über BurnOut).

 

Was ich daraus gelernt habe? Ich musste mich von meinem Perfek­tio­nismus verab­schieden. Es geht nicht um absolute Perfek­tion sondern Ressourcen orien­tierte Exzel­lenz. Also mit den Möglich­keiten, die ich zur Verfü­gung habe, das Beste raus­zu­holen — dann aber auch bewußt einen Punkt zu setzen. Alles in allem bot das Projekt natür­lich eine riesige Lern­kurve — man wächst ja schließ­lich mit seinen Heraus­for­de­rungen. Aber weh getan hat es ungemein.

 

 

3) Beinahe Lebensgefährlich: Flugakrobaten falsch callen

 

So viel Adre­nalin ist mir noch nie ins Herz geschossen. Bei einem Event sollten acht Flug­a­kro­baten aus über 30 Meter Höhe auf die Bühne einfliegen. Ich hatte mir als Show-Caller alle Zeiten exakt aufge­schrieben. Nach den Sicher­heits­in­struk­tionen kam die erste Probe. Prompt kam ich aufgrund eines vorweg geschal­teten Einspie­lers aus meinem Rhythmus und verpasste gleich meinen ersten Einsatz. Anstatt den Film abzu­bre­chen, wurden die Flug­a­kro­baten doch abge­seilt. Gott sei Dank war als Backup der Tech­ni­sche Leiter einge­plant, der im Notfall sofort über­nehmen sollte. Okay, das Sicher­heits­system hat funk­tio­niert und die Künstler kamen heil auf dem Boden an. Aber meine Unsi­cher­heit und ließ den Tech­ni­schen Leiter ausflippen. Zu Recht, denn dies hätte zu einem tragi­schem Unglück führen können. Mit solch komplexen Systemen und beson­ders wenn Menschen invol­viert sind, ist nicht zu scherzen. Mir rutschte das Herz in die Hose — ein sehr unschöner Lernmoment!

 

 

2) Fehler: Chaos im letzten Augenblick

 

Kürzlich erst befand ich mich in einer aufwän­digen Pres­se­kon­fe­renz. Wochen­lange Vorproben und genau abge­spro­chene Abläufe wurden nicht nur mit allen Akteuren, sondern auch dem CEO geprobt. Der Konzep­tioner wollte dann nach der Gene­ral­probe noch einen kleinen Punkt im Ablauf umstellen. Der CEO fand das über­haupt nicht gut und sagte selbst: Keine Ände­rungen im letzten Moment! Aufgrund des Nach­drucks (und weil es mein Auftrag­geber war) bin ich nicht einge­schritten. Dann kam die Pres­se­kon­fe­renz.

 

Alles lief auf den Punkt, aber genau diese kurz­fris­tige Umstel­lung lief glatt mehrfach schief. Sowohl der CEO kam aus seinem geprobten und verin­ner­lichten Ablauf raus (er hat in einen Film­be­ginn rein­ge­spro­chen und wirkte einen kleinen Augen­blick verloren auf der Bühne), aber auch für die Kollegen am Medi­en­zu­spieler ergaben sich Fehler bei den Folge­bil­dern. Das unwis­sende Publikum hat in der Regel zwar keine Ahnung, wie die Abläufe eigent­lich sein sollen. Dennoch war die Änderung einfach unnötig. Ich hätte als Regis­seur einschreiten müssen. Konzep­tionen werden im Voraus gemacht und können am ersten Probentag ange­passt werden. Nach der Gene­ral­probe wird jedoch NICHTS mehr geändert, dann geht es nur noch um den reibungs­losen Ablauf.

 

 

1) Wetten, dass…?! und die Superstars

 

Richtig peinlich wurde es einmal in meiner Zeit als Aufnah­me­leiter bei Wetten, dass..?! Gut 10 Jahre war ich für die auftre­tenden Musik-Acts zuständig — mit den unter­schied­lichsten Erleb­nissen. Im Kern ging es aber darum, die Bands recht­zeitig auf der Bühne stehen zu haben. Nun sind ameri­ka­ni­sche Super­stars aber nicht werbe­freie Live-Shows in Echtzeit gewöhnt. Insofern gibt es keinen Spiel­raum auf den Künstler zu warten, er muss punkt­genau auf der Bühne stehen. Gleich­zeitig warten Super­stars verständ­li­cher­weise ungern Minu­ten­lang neben der Bühne auf ihren Auftritt. Ihr könnt euch also meine Heraus­for­de­rung vorstellen: nicht zu früh und nicht zu spät.

 

Nun war bei einem Künstler trotz der üblichen fünf Minuten Vorwar­nung die Band auf dem Klo verschwunden. Die Minuten strichen vorbei und ich bekam schon eine Vorwar­nung über das Interkom. Was tun? Also rein in die Männer­toi­lette und Bescheid geben. Weitere Sekunden, die wie Stunden wirkten, zogen vorbei. Endlich hatten wir alle zusammen und gingen los. Eilig an der Bühne ange­kommen ergab es sich, dass eine magisch-weib­­liche Ablen­kung auf der Couch Thomas Gott­schalk in ihren Bann zog. Jetzt musste die Band doch warten und war völlig sauer auf mein ‘unmög­li­ches’ Verhalten. Ich versank einmal mehr im Boden, auch wenn es genau genommen nicht meine Schuld war…

 

 

 

Die Moral von der Geschicht’: Fehler machen darf und solltest du recht!

Dann: Haltung wahren, Fehler zugeben, Entschul­di­gung sagen, weiter­ma­chen und besser werden (und hin und wieder auch mal die Hosen runter­lassen — dann können andere davon lernen und wir alle drüber lachen)…

 

 

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