Gastbeitrag Marie Jacobi // Mit Graphic Recording zu besseren Veranstaltungen

Graphic Recording in Aktion // Foto: Marc Stephan

 

Wir kennen das doch alle: Ein Vortragender rattert seine Powerpoint-Präsentation runter, die Hälfte der Zuhörer schaut aufs Smartphone, die andere Hälfte ist schon eingeschlafen. Oder: Eine Gruppendiskussion wird dominiert von einigen wenigen, die sich besonders in den Vordergrund drängen.

 

Was ich hier ein wenig überspitzt dargestellt habe, ist leider trauriger Alltag bei vielen der täglich in Deutschland stattfindenden Meetings. Umso schöner ist es, dass das Graphic Recording sich so langsam in der Veranstaltungsbranche etabliert. Obwohl die Methode ihre Ursprünge bereits in den 1970er Jahren hat, scheint erst jetzt ihr Potenzial erkannt zu werden. Das wurde aber auch Zeit!

 

 

Worum geht es beim Graphic Recording?

 

Wikipedia beschreibt Graphic Recording als „die Anfertigung eines visuellen Verlaufsprotokolls während einer Veranstaltung“. Beim Graphic Recording werden also Inhalte und Kernaussagen von Vorträgen oder Gruppendiskussionen in Echtzeit zeichnerisch dokumentiert. Das visuelle Verlaufsprotokoll wird durch einen Graphic Recorder erstellt, der die Inhalte zeichnerisch festhält – meist auf einer großflächigen Papierwand.

 

Graphic Recording by Marie JacobiGraphic Recording by Marie Jacobi  www.visualrecording.de

 

 

Wobei nützt Graphic Recording bei Veranstaltungen?

 

Die Einsatzmöglichkeiten des Graphic Recording im Meetingbereich sind vielfältig. Es bietet sich vor allem dort an, wo Menschen zusammen kommen, um Themen zu besprechen oder zu erarbeiten. Als Diplom-Designerin durfte ich bereits viele Veranstaltungen von Kunden betreuen. Dazu gehören Workshops, Vorträge, Konferenzen und Seminare. Durch das visuelle Verlaufsprotokoll können die Zuhörer und Teilnehmer einer Diskussion oder einem Vortrag besser folgen. Somit werden sie in den Entstehungsprozess eingebunden. Das erhöht die Aufmerksamkeit und Motivation jedes Einzelnen und fördert die Kommunikation untereinander. Durch die visuelle Darstellung der Inhalte wird nicht zuletzt auch die rechte Gehirnhälfte aktiviert. Und die ist bekanntermaßen für die Kreativität zuständig.

 

Insgesamt wirkt sich das begleitende Visualisieren positiv auf die Stimmung und die Ergebnisse aus, wie es auch Auftraggeber immer wieder hervorheben. Als positiver Nebeneffekt kann die fertige Zeichnung bei der Veranstaltung abfotografiert und den Teilnehmern im Nachfeld zugesendet werden. Die Notwendigkeit der Erstellung eines schriftlichen Protokolls – in das eh kaum jemand reinschaut – entfällt damit. Manchmal werden die Zeichnungen aber auch weiterverwertet und für den internen Gebrauch oder im Internet im Rahmen einer Dokumentation veröffentlicht. Teilweise bleiben die Zeichnungen auch im Gruppenraum hängen. So kann bei späteren Workshops wieder auf die Inhalte zugegriffen werden.

 

Auch wenn es sich bei den von mir genannten Effekten nicht um wissenschaftlich fundierte Aussagen handelt, bin ich mir sicher, dass das begleitende Visualisieren der Inhalte zu zufriedenen Teilnehmern und besseren, nachhaltigeren Ergebnissen führt. Graphic Recording und Visual Recording kann also eine Bereicherung für viele Veranstaltungsformate darstellen. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass im Vorfeld der Veranstaltung Graphic Recorder und Veranstalter die Inhalte der Veranstaltung besprechen und die Ziele klar formulieren.

 

Fazit: Man kann also hoffen, dass das Graphic Recording seinen festen Platz in der Veranstaltungsbranche findet und langweiligen Powerpoint-Vorträgen und lahmen Gruppendiskussionen den Garaus macht. Mit meiner Kunst hoffe ich, meinen Teil dazu beizutragen.

 

 

_____________
Graphic Recording Marie JacobiÜber Marie Jacobi

 

Marie Jacobi ist seit ihrem Abschluss als Diplom-Designerin als Illustratorin und Graphic Recorder tätig. Für ihre Kunden ist sie europaweit im Einsatz. Aufgewachsen in Hamburg mit deutsch-französischen Wurzeln lebt sie mittlerweile seit vielen Jahren in Berlin. Auf Ihrer Webseite www.visualrecording.de zeigt Sie ihr Leistungsspektrum und Referenzen.

 

 

 

 

Vielen Dank Marie für diesen wertvollen Beitrag zur MICE Industrie! Welche Tools setzt ihr gerne bei Meetings ein?

 

VW Werbung // Storytelling mit Humor

Diesen Frühsommer realisierte ich eine roadshow für Volkswagen, bei der ich die sog. Werberolle während des Einlasses genauestens studieren konnte. Ehrlich gesagt sind mir manche Bilder erst nach Wochen zum ersten Mal bewußt aufgegangen, dafür aber um so stärker ins Gedächtnis gegangen… Parallel lese ich gerade das Buch ‘Standing on the shoulders of giants‘, indem […]

Storytelling #2 // Wie die Heldenreise dir helfen kann

Heldenreise & Storytelling // Foto: André Wirsig, Videos: Michael Wiese Productions & Free Range Studios

 

 

Wenn unsere Veranstaltungen für unsere Zielgruppen nicht mehr bedeutungsvoll sind,

dann ist es weil wir Macher vergessen haben die Besucher zu bewegenihre Emotionen zu erregen 

und sie zu einer gesunden Katharsis zu begleiten, von der Aristoteles spricht. (frei nach Christoph Vogler)

 

 

Storytelling ist in jedem Munde – ob bei PR-Textern, im Fundraising oder für Journalisten bei Print, TV und Radio. Nur was genau verbirgt sich hinter diesem Buzz-Word? Die Heldenreise bietet für mich einen spannenden Ansatz. Was können wir daraus für die Konzeption von Live-Events vom Geschichtenerzählen lernen? Denn: wenn wir andere Menschen von Ideen überzeugen wollen, dann erzählen wir Geschichten!

 

Begonnen hat alles vor Jahrtausenden mit der mündlich geprägten Kultur unserer Vorfahren. Der Mythenforscher Joseph Campbell hat bei der Analyse von Religionen und Mythen universelle Erfahrungsmuster aufgezeigt, die sich in allen Mythologien dieser Erde nachweisen lassen. Damit ist er der Entdecker der HeldenreiseChristopher Vogler erkannte die Bedeutung der Heldenreise für erfolgreiches Entertainment und hat das Modell für Hollywood bekanntgemacht. So basieren zahlreiche Filme wie Star Wars, Herr der Ringe und Pretty Woman auf den Motiven der Heldenreise mit folgenden 12 Stationen, wie sie Christoph Vogler in dem Video erklärt:

 

 

 

Die 12 Stationen der Heldenreise:

 

1. Ausgangspunkt ist die gewohnte Welt des Helden.

2. Der Held wird zum Abenteuer gerufen.

3. Diesem Ruf verweigert er sich daraufhin zumeist.

4. Ein Mentor überredet ihn daraufhin die Reise anzutreten, und das Abenteuer beginnt.

5. Der Held überschreitet die erste Schwelle, nach der es kein Zurück mehr gibt.

6. Daraufhin wird er vor erste Bewährungsproben gestellt und trifft dabei auf Verbündete und Feinde.

7. Nun dringt er bis zur tiefsten Höhle vor und trifft dabei auf den Gegner.

8. Hier findet die entscheidende Prüfung statt: Konfrontation und Überwindung des Gegners.

9. Der Held wird belohnt, indem er z.B. den Schatz oder das Elixier raubt.

10. Nun tritt er den Rückweg an, während dessen es zur Auferstehung des Helden kommt.

11. Diese Auferstehung ist nötig, da er durch das Abenteuer zu einer neuen Persönlichkeit gereift ist.

12. Anschließend tritt der Held mit dem Elixier den Heimweg an.

 

 

Storytelling für Markenerlebnisse

 

In dem Buch Winning the Story Wars zeigt Jonah Sachs ein Modell auf, welches jede Marke nutzen kann, damit ihre Botschaft gehört und erlebbar wird. Dazu müssen Markengeschichten jedoch nicht nur erzählt, sondern gelebt werden:

 

 

 

Heldenreise – starke Prinzipien für die Live-Kommunikation

 

Den Transfer, wie diese Prinzipien nun für die Konzeption von Veranstaltungsformaten in der Live-Kommunikation verwendet werden können, überlasse ich euch kreativen Lesern und bin auf Praxisbeispiele äußerst gespannt…! Sehr zielführend empfinde ich zumindest die Heldenreise auf die Erlebnisse von Besuchern bei Events zu projizieren. Auch bei der Gestaltung von Einspielerfilmen kann beispielsweise nach den aufgeführten Prinzipien gearbeitet werden.

 

Vertiefende Gedanken zum Thema ‘Storytelling & Heldenreise’ finden sich in diesem Ebook von Uwe Walter sowie in den Online- und Buchempfehlungen unterhalb. Weitere Beiträge meiner Storytelling-Reihe sind: #1 Prinzipien#3 Transformation und #4 transmedialen Storytelling. Hervorheben möchte ich auch das Buch von Donald Miller (unterhalb) mit der zentralen Aussage: ‘Good storytelling is a character who wants something and overcomes conflict to get it!’ Wie dies für das eigene Leben anzuwenden ist verdeutlicht er auf spannende Art und Weise in seinem Buch.

 

Welche Geschichtenerzähler sind dir in der Live-Kommunikation aufgefallen? Wer beherrscht das Handwerk aus deiner Sicht gut und was kann man davon lernen?

 

Weiterführende Links und Buchempfehlungen:

 

                              

 

Wo bist du? // Willow Creek Inszenierung einer Bibelstelle aus Psalm 46

Willow Creek Chicago Inszenierung // Quelle: Blaine Hogan     Anfang 2012 wurde ich als Event Berater zum Willow Creek FOKUS Leitungskongress eingeladen. Ziel des Kongresses ist es Leiter aus Kirchen in Deutschland, Österreich und Schweiz für ihre Arbeit zu inspirieren. Praxisnahe ‘tools’ an die Hand zu bekommen ist ein klarer Wunsch der Kongressbesucher. Diesem Bedürfnis begegnet […]