Briefingkultur Agentur: Wie sieht ein gutes Briefing von Kunden aus? – ein Agentur’ler schreibt // Teil 1/3

Briefingkultur Agentur: Wie sieht ein gutes Briefing von Kunden aus? – ein Agentur’ler schreibt

 

 

Was zählt ist die Story. Simpel, sinnvoll, monumental.
// Matt Circus

 

Es gibt solche und solche Briefings.

Es gibt auch solche und solche Auftraggeber.

Und es gibt auch solche und solche Agenturen.

 

 

Matt Circus aus Köln ist eine Agentur für Live-Kommunikation, die nicht nur sympathisch ist und mit Leidenschaft Ihre Arbeit macht sondern auch eine Agentur, der es wichtig ist ihre Kunden zu beraten. Erst kürzlich konnte ich gemeinsam mit ihnen die Jubiläumsparty „100 Jahre Maybelline“ realisieren.

 

Nicht nur das durchdachte und kreative Konzept auch die tolle Umsetzung überzeugten. Der Senior und Namensgeber der Agentur hat seinen Gründern mit „Matt’s Maximen“ Werte mit auf den Weg gegeben. Eines der Maxime heißt „Briefingkultur“. Der Grund warum ich Matt Circus für den Auftakt einer dreiteiligen Serie zum Thema Briefingkultur ausgewählt habe.

 

 

Hier Matt’s Antwort auf meine Frage: Wie sieht ein gutes Briefing von Kunden aus?

 

 

I. Briefingkultur.

 

„Briefings kommen nicht einfach so vorbei. Und erfolgreiche Lösungen schon gar nicht. Wir nerven so lange, bis wir ein Briefing haben, das den Stempel Kultur verdient. Denn Kultur heißt nichts anderes als Arbeit.“ Matt Circus‘ erste Maxime.

 

 

Maximilian Schmidt, Geschäftsführer bei Matt Circus und der „MACHER“ genannt, ergänzt dazu:

 

Matt bringt es auf den Punkt, vielleicht etwas schroff formuliert… (schmunzelt). Wir bei MATT CIRCUS denken: Eine gute Story beginnt bereits weit vor dem Event – eine gute Zusammenarbeit ebenfalls. Nämlich zum Zeitpunkt des Briefings.

 

Nur wer es schafft, bereits in der Briefingphase in einen echten Dialog mit dem Kunden zu treten, wird eine gute, packende Story erzählen können. Und die ist aus unserer Sicht die Voraussetzung für die Kreation echter, monumentaler Erlebnisse!

 

Was Matt mit „nerven“ beschreibt, meint, dass das klassische Briefingpapier oftmals hierfür nicht ausreicht. Zumindest wir wollen häufig mehr wissen als „Wer/Wie/Was/Wieviel/Warum“…

 

Und gehen dazu dann bereits in dieser Phase in einen intensiveren, beratenden Austausch.

 

Bei Kunden kommt das übrigens gut an: Sie merken, dass wir nichts aus der Schublade ziehen, kein Standardrepertoire für sie abspulen, sondern wirklich individuell kreieren und auf sie eingehen.

 

 

Wer mehr zur Briefingkultur wissen will, der kontaktiert einfach direkt MATT CIRCUS.

Mein Credo ist die Frage nach der Wirkung: Was soll NACHHER anders sein als VORHER?

So kann man recht genau die Ziele definieren und daraus Maßnahmen ableiten

 

 

In den nächsten Wochen geht es mit diesen zwei Fragestellungen weiter:

Wie sieht gute Agentur-Beratung aus? – ein Konzern-Projektleiter schreibt

Wie sieht das perfekte Technikbriefing aus? – ein technischer Planer schreibt

 

Außerdem könnten diese fünf Briefingtipps und dazu diese sechs Meinungen von Interesse sein.

Weitergehende Gedanken zum Thema Pitch hält der FAMAB Verband hier bereit: 7 Regeln für einen fairen Pitch

 

 

FrageWie sieht aus deiner Sicht ein gutes Briefing von Kunden im Bereich Live-Kommunikation aus? Welche Rückfragen stellst du, wenn das Briefing noch unschlüssig ist? Was gehört unbedingt ins Briefing rein? Ich freue mich über Deine Antwort zur Briefingkultur Agentur auf FacebookTwitter oder LinkedIn!

 

7 Tipps: Wie Dir Dankbarkeit bei Events hilft…

 

 

„Loben zieht nach oben und Danken schützt vor Wanken!“

 

 

Das hat meine Oma so gesagt. Der Spruch begleitet mich seit Kindestagen und ist zu einem tiefen Wert geworden. Auch Untersuchungen zeigen, dass Dankbarkeit zu weniger Stress, besseren Beziehungen und Gesundheit führt. Außerdem impft sie uns gegen negative Emotionen. Allerdings gibt es einen Ort, an dem Dankbarkeit kaum einen Platz findet – nämlich im Job.

 

Dies ist ein Problem. Denn realistisch gesehen verbringen wir in der Live-Kommunikation mehr Lebenszeit auf Events als in jedem anderen Lebensbereich. Und das Ausbleiben von Lob und Dank verhindert nicht nur gute Arbeitsresultate, sondern beschneidet ebenso unser Lebensglück. Wenn wir uns also obige Dankbarkeits-Vorteile zunutze machen wollen, dann ist die Arbeit der beste Ort damit anzufangen.

 

 

Dankbarkeit oder was das mit der Arbeitsmoral machen kann…

 

Vor gut 10 Jahren arbeitete ich noch als Set-Aufnahmeleiter bei TV-Produktionen. Dort musste ich einmal eine Schimpftirade eines Regisseurs auf der Interkom über mich ergehen lassen – für alle hörbar. Allerdings für etwas, was ich gar nicht zu verantworten hatte. Er musste wohl so vor dem Kunden seine Autorität zementieren und brauchte ein Ventil, um von einem eigenen Fehler abzulenken. Was das mit meinem Wohlbefinden getan hat, mann man sich sicher vorstellen… Der Motivation war es zumindest nicht zuträglich – wie es auch im gesamten Team spürbar war. (Warum anschreien übrigens nicht lohnt, hab ich hier geschrieben.)

 

Klar, die Welt hat sich weitergedreht. Aber der Schaden war angerichtet. Denn mit Druck und Negativität werden keine außerordentlichen Ergebnisse erzielt. Vermutlich hatte der Regisseur gar keine Ahnung, wie verheerend sein Verhalten sich auf mich und die Arbeitsmoral des ganzen Teams ausgewirkt hat. Menschen werden ihre Leistung im Job nur bis zu einem gewissen Punkt liefern – oder auf Durchzug schalten. Werden sie unterirdisch wertgeschätzt, dann leisten sie auch nur das Nötigste. Dienst nach Vorschrift eben.

 

 

7 Tipps, um den Erfolg durch ein einfaches DANKE zu stärken

 

Studien belegen, dass Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen, produktiver und loyaler sind. Allerdings scheint diese Botschaft bei Chefs noch nicht angekommen zu sein. Manche denken immer noch, dass nur hochgesteckte Ziele – verbunden mit Zuckerbrot und Peitsche – der Weg sind, um Ergebnisse zu erreichen. Oder auf schwäbisch: „Nix g’schwätzt isch g’nug g’lobt„… Folgend sieben Tipps, um mittels eines DANKE bessere Ergebnisse zu erzielen.

 

 

1. Eine Kultur der Wertschätzung führt zu dem Gefühl willkommen im Team und darin gewollt zu sein. Das führt unweigerlich zu besseren Arbeitsergebnissen. Nur: Fühlt sich jeder im Team wirklich willkommen? Offensichtlich findet diese einfache Wertschätzung viel zu selten statt.

Also: Wertschätze dein Team und sorge für eine einladende Kultur!

 

2. Wir arbeiten nicht nur fürs Geld – das ist nur einer unserer Motivatoren (TED Talk „What motivates us“). Wir arbeiten ebenso an besonderen Live-Momenten, um durch unsere Arbeit respektiert zu werden und für das Gefühl, etwas Sinnvolles zu schaffen. Da wir uns oft leidenschaftlich in Jobs investieren, beeinflusst die Arbeit auch unseren emotionalen Status.

Daher: Respektiere dein Gegenüber und sorge für Sinnhaftigkeit und guten Spirit!

 

3. Jede Mühe lohnt sich, wenn ich weiß, dass mein Einsatz gesehen und gewollt wird. Wird die Leistung jedoch nach der 15h Tag- und Nachtschicht gewürdigt oder als selbstverständlich abgetan? Gibt es nach einer Rettungsaktion zumindest ein Dank dafür oder wird dies gar nicht wahrgenommen? Außerdem hilft es, wenn man sich im Vorfeld konkrete Gedanken macht, wen man wann und wofür loben will. Dann wird man es viel wahrscheinlicher auch tun.

Deshalb: Verpflichte dich, guten Einsatz konsequent und intentionell zu loben!

 

4. Event ist Teamplay. Oft bekommen aber nur die exponierten Persönlichkeiten die positiven Rückmeldungen. Was ist aber mit denen, die genau das erst ermöglichen und nicht im Rampenlicht stehen? Darüber bin ich mir als Regisseur stets bewusst (und ich denke auch jede/r Moderator/in im Rampenlicht weiß, wovon ich spreche). Wenn wir also Erfolg haben, dann vor allem, weil dieser gemeinschaftlich erreicht wurde.

Heißt: Danke gerade den Kollegen, die es sonst sehr unwahrscheinlich gesagt bekommen!

 

5. Aber: Auch nicht immer und überall für alles DANKE sagen – das fängt schnell an zu nerven. Wie immer im Leben muss DANK authentisch und ausbalanciert bleiben. Ein Danke kommt um so besser an, desto spezifischer es formuliert wird. Das zeigt, dass du nicht oberflächlich damit um dich schmeißt sondern dir Gedanken gemacht hast, wofür genau du dich bedankst. Zugleich wirst du dir selbst darüber bewusst, was du an dem anderen beziehungsweise seiner Leistung schätzt.

Sprich: Setze Lob und Anerkennung spezifisch und individuell ein! 

 

6. Jeder Mensch tickt anders (interessant sind dabei die unterschiedlichen Persönlichkeitsprofile). Für den einen mag ein verbales DANKE treffend sein. Ein anderer ist schüchtern und freut sich eher über das geschriebene Wort oder ein Geschenk. Es bedarf Taktgefühl, um auf angemessene Art und Weise Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, ohne Mitarbeiter zu nerven oder bloß zu stellen.

Bedeutet: Finde angemessene Formen um deinen Dank auszudrücken!

 

7. Gerade wenn keiner Danke sagt: Fang damit an. Es wird sich verbreiten! Natürlich hilft es, wenn der Dank von der obersten Stelle ausgeht. Aber gute Führung hat nichts mit der Position zu tun, sondern mit Einfluss. Das heißt, du kannst jederzeit in jeder Position loslegen und damit Einfluss bei Events nehmen.

Ergo: Starte wo du bist – du hast es in der Hand!

 

 

 

Fazit: Dankbarkeit verändert die Atmosphäre und vor allem dich selbst

 

Dankbarkeit ist die effektivste Währung, um Menschen in ein Projekt zu involvieren und dabei zu Höchstleistungen zu motivieren. Außerdem hat dies auch einen weiteren Effekt: Einzelne werden vertrauensvoller miteinander und sind dadurch eher geneigt, sich gegenseitig zu helfen. So kommt der Stein ins Rollen.

 

Wenn wir im Sinne eines guten Events das Beste aus unseren Kollegen und Mitarbeitern herausholen wollen, müssen wir ihr Inneres gewinnen. Das kann man nicht einfordern und schon gar nicht durch Gehälter erkaufen, wie Michael Hyatt treffend schreibt. Aber ein einfaches Danke kann dabei Wunder bewirken – und kostet noch nicht mal was. Nur deine Aufmerksamkeit, etwas Zeit und Mühe… Also, raus aus der Komfortzone!

 

Wie schon das Zitat eingangs sagte: Loben zieht nach oben und Danken schützt vor Wanken. Ich habe es bei Produktionen mit eher mieser Stimmung immer ausprobiert. Ein zielgerichtetes, begründetes Lob hat nicht nur mein Gegenüber emotional nach oben gezogen, sondern auch mich. Es funktioniert. Und sollte es das mal nicht tun, dann dient es einfach deinem eigenen Wohlbefinden… 😉

 

 

Frage: Wie sagst du im Job DANKE? Teile Deine Antwort auf Facebook, Twitter oder LinkedIn.

 

Persönlichkeitsprofil: Grundlage für gutes Teamwork

Persönlichkeitsprofil: Welcher Typ bist du? // Quelle der Informationen: überwiegend zitiert von Wikipedia

 

 

Warum macht das Wissen über ein Persönlichkeitsprofil in der Eventbranche Sinn? Weil unsere Arbeit auf kurzlebiger Projektarbeit basiert und dabei die Chemie zwischen Menschen einer der ausschlaggebendsten Faktoren für den Erfolg eines Events ist. Gerne möchte ich daher vier mir bekannte Tests zur Einschätzung von Persönlichkeiten vorstellen und erklären, wie diese in der Zusammenarbeit mit Teams helfen können.

 

 

1) Big Five – Modell der Persönlichkeitspsychologie

 

Bei dem Fünf-Faktoren-Modell (FFM) handelt es sich um ein Modell der Persönlichkeitspsychologie, das fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit definiert. Demnach lässt sich jeder Mensch auf den folgenden Skalen einordnen: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit.

 

Dem Big Five Modell liegt die Auffassung zugrunde, dass sich Persönlichkeitsmerkmale in der Sprache niederschlagen, also alle wesentlichen Unterschiede zwischen Personen im Wörterbuch durch entsprechende Begriffe repräsentiert werden. Auf der Basis von Listen mit über 18.000 Begriffen wurden durch Faktorenanalyse fünf sehr stabile, unabhängige und weitgehend kulturstabile Faktoren – die Big Five – gefunden, und später durch eine Vielzahl von Studien belegt.

 

Die Big Five gelten heute laut Wikipedia international als das Standardmodell in der Persönlichkeitsforschung. Da sich die Persönlichkeit bis zum 30ten Lebensjahr oft noch verändert, lohnt sich ein erneuter Test zu diesem Zeitpunkt zu wiederholen. An dieser Stelle findet sich der Test (den einzigen der vier, den ich tatsächlich selbst noch nicht gemacht habe… ;).

 

 

2) Enneagram als Tool zur Entwicklung des Persönlichkeitsprofil

 

Das Enneagramm bezeichnet ein neunspitziges Symbol, das als grafisches Strukturmodell neun als grundsätzlich angenommene Qualitäten unterscheiden, ordnen und miteinander in Beziehung setzen soll. Das Enneagramm wird als ein prozessorientiertes Werkzeug zur Selbstentwicklung beschrieben, nicht aber als Symbolisierung verschiedener Persönlichkeitstypen. Im Gegensatz zu den vier antiken Temperamenten cholerisch, sanguinisch, melancholisch und phlegmatisch wird das Persönlichkeitsenneagramm dazu benutzt, die Menschen in neun Persönlichkeitstypen einzuteilen.

 

 

Persönlichkeitsprofil Enneagram

Enneagram-Persönlichkeitsprofil // Grafik: www.newmind.de

 

 

Oft fehlt uns auch das Verständnis für das Handeln anderer Menschen. Nach dem Enneagramm hat jedes Persönlichkeitsmuster eine bestimmte Weltsicht und betrachtet die Welt durch einen entsprechenden Filter. Davon ausgehend wird es möglich zu erklären, warum Menschen sich auf eine bestimmte Weise und nicht anders verhalten. Probleme und Konflikte – im Privaten wie in der Arbeit – resultieren häufig aus Schlussfolgerungen vom eigenen auf fremdes Wahrnehmen. Das Enneagramm trägt dazu bei, die Dynamik zwischen Menschen verschiedenen Musters zu verstehen und damit zwischenmenschliche Probleme zu lösen.

 

Indem die Typologie des Enneagramms beschreibt, wie sich die Grundmuster in positiven wie negativen Situationen verändern, zeigt es zugleich Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung. Nach Einschätzung von Kritikern werden allerdings nur wenige Aspekte eines Menschen beachtet und nur auf Verhalten geschaut, statt das Gesamtbild inklusive seines Wahrnehmungsstils und Wesens zu betrachten.

 

Eine erklärende Übersicht der neun Typen findet sich bei Wikipedia, weitere Infos hier.

 

 

3) Myers-Briggs-Typenindikator nach Carl Jung

 

Der Myers-Briggs-Typenindikator ist ein Instrument, mit dessen Hilfe psychologischen Typen erfasst werden sollen. Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung bemerkte in seinem täglichen Kontakt mit Patienten, dass der Umgang mancher Menschen mit der Welt schlicht anders war als sein eigener. Er notierte diese Beobachtungen und deren charakteristische Merkmale, benannte sie und machte sich die Kenntnis der Persönlichkeitseinschätzung wieder für seine Arbeit zunutze. Grundlegend für das Modell ist die Einschätzung der Typen in vier Funktionen (Denken/Fühlen, Sensorik/Intuition), die jeweils mit den Attributen introvertiert oder extravertiert belegt wurden.

 

Katherine Cook Briggs und ihre Tochter Isabel Myers griffen die Typologie von Jung auf und führten Messreihen durch. Es gibt in der Typologie vier Indikatoren (Motivation/Antrieb, Aufmerksamkeit, Entscheidung, Lebensstil) die in jeweils zwei konträren Präferenzen ausgeprägt sind. Zur weiteren Übersicht empfehle ich diese Tabelle. Der Indikator wird überwiegend im Bereich Coaching und Personalwesen eingesetzt.

 

Von der wissenschaftlichen Psychologie wird der MBTI zwar abgelehnt, weil er den Mindestanforderungen an Gültigkeit und Verlässlichkeit nicht entspricht. Bei Wiederholungen des Tests nach mehreren Wochen oder Monaten schwankt der Typ auch oftmals. Hier geht es zum Test und an folgender Stelle finden sich wirklich gute Charakterisierungen der einzelnen Typen als Auswertung (dort auf das entsprechende Profil klicken).

 

 

4) DISG für dominant, initiativ, stetig, gewissenhaft

 

Das DISG-Modell bezeichnet einen auf Selbstbeschreibung beruhenden Persönlichkeitstest mit den vier Grundtypen Dominanz, Initiative, Stetigkeit und Gewissenhaftigkeit. Das wissenschaftlich nicht bewiesene Modell beschreibt nach dem Prinzip der Selbstbeschreibung bestimmte Ausprägungen von Verhaltenstendenzen von Menschen bei einem bestimmten Typus. Die Auswertung der Ergebnisse spiegelt den Status Quo des Teilnehmerverhaltens (man verteilt Punkte am ehesten bis am wenigsten) und geschieht grafisch in drei Diagrammen: „Äußeres Selbstbild“, „Inneres Selbstbild“, „Integriertes Selbstbild“.

 

DISG PersönlichkeitsprofilDISG Persönlichkeitsprofil // Bild: Steschke at Wikipedia [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

 

Der Nutzen besteht im konkreten alltäglichen Umgang mit den vier Verhaltensdimensionen. Sie ermöglichen die Einschätzung des Verhaltens des Gegenübers. In einem solchen Training wird dem Teilnehmer vermittelt, Teammitglieder, Kunden, Mitarbeiter, Führungskräfte etc. besser in deren Verhalten kennenzulernen und dadurch das eigene Verhalten an den Verhaltensstil des Gegenübers anpassen zu können. Es besteht dabei -wie bei allen Tests- die Gefahr, dass das äußerst komplexe Phänomen „Persönlichkeit“ auf vier Typen oder Mischtypen reduziert wird und somit das Denken in „Schubladen“ fördert.

 

Weitere Informationen finden sich hier und in dem offiziellen Buch Das neue 1×1 der Persönlichkeit samt Test.

 

 

Persönlichkeitsprofil als Grundlage für gutes Teamwork & erfolgreiche Events

 

Schon als Jugendlicher stieß ich auf die DISG-Methode. Bereits zu der Zeit empfand ich das Wissen über die unterschiedlichen Persönlichkeitsprofile von Menschen als sehr wertvoll. Erst kürzlich bin ich mit dem Myers-Briggs-Typenindikator in Berührung gekommen. Aus meiner persönlichen Wahrnehmung hat diese Einschätzungform mich auf den Punkt genau beschrieben. Dabei haben mich die Genauigkeit der Beschreibung meiner Persönlichkeit sowie mir bisher selbst nicht bewusste Details umgehauen – WOW! Ich empfehle daher einfach mal die 70 Fragen mit JA oder NEIN zu beantworten und unbedingt die verlinkte Auswertung beziehungsweise Deutung des Profils zu machen – mir hat es Welten eröffnet…

 

Fazit: Bei Events ist es natürlich schwierig, in immer wechselnden Teamkonstellationen und kürzester Zeit zu erkennen, welchen Typen Mensch ich vor mir habe. Zumal ich es in meiner Funktion als Regisseur mit sehr unterschiedlichen Typen zu tun habe – vom CEO bis zum Bühnentechniker ist da alles dabei. Mir hilft jedoch das Bewusstsein, wie ich selbst „ticke“ und welche andere Formen von Menschen es da draußen gibt. Ob im Bereich Kommunikation, Entscheidungsfindung oder einfach um für ein gutes Miteinander zu sorgen. Gerade bei der Zusammenarbeit gibt das DISG-Modell und Enneagram wertvolle Hinweise, wie man in der jeweiligen Konstellation zueinander besser agieren kann. Über weitere Elemente guten Teamworks habe ich übrigens in diesem Blogpost geschrieben: Warum anschreiben einfach nicht lohnt…

 

 

Frage: Welche Mittel helfen Dir in der Einschätzung und Zusammenarbeit mit Teamkollegen?

 

Besser Präsentieren // Teil 4: Rhetorik

Nicht im Regen stehen, sondern mit Argumenten überzeugen… // Teil 4 von Martin Kloss: Rhetorik

 

 

Heute der vierte Teil der Serie “Besser Präsentieren” mit Analysen, Hintergründen und nützlichen Tipps um die eigene Präsentation vor Publikum zu verbessern (Teil 1: WIE vor WAS // 2: Körpersprache // 3: Atmung & Stimme).

 

 

Rhetorik: Mein Gegenüber durch Argumente überzeugen!

 

Wie kann ich mit rhetorischen Mitteln meine Inhalte besser vermitteln?
Welche Rolle spielt Rhetorik im Gesamtkontext meiner Präsentation?

 

1. Weniger ist mehr
2. Pausen machen den Rhythmus

 

 

Was ist Rhetorik?

 

Als “Kunst der Rede” stellt die Rhetorik die Mittel bereit Ihre Zuhörer verbal von Ihren Aussagen zu überzeugen. Sie wird auch die “Wissenschaft vom wirksamen Reden” genannt und stellt ein Transportmittel für die zu vermittelnden Inhalte dar.

 

Ob dieses Transportmittel ein schicker, schneller und effizienter Sportwagen oder ein alter, rostiger und stinkender Lastwagen ist, liegt an Ihnen und wie Sie die Werkzeuge der Rhetorik sinnvoll einsetzen.

 

Mit dem Thema Rhetorik kann man sich problemlos ein Leben lang beschäftigen, daher geht es in diesem Artikel nur um ein paar einfache grundlegende Dinge, die Ihnen bei Ihrer Präsentation helfen sollen das Transportmittel Rhetorik besser zu nutzen.

 

 

Weniger ist mehr

 

Im Englischen gibt es das sogenannte KISS-Prinzip: “Keep It Simple, Stupid”. Das ist ein einfacher und guter Merksatz, denn er beschreibt das Prinzip, das als oberste Regel für eine Rede oder Präsentation gelten sollte: “halte es so einfach wie möglich”.

 

Einige Menschen meinen, durch die Verwendung möglichst komplizierter Fremdworte oder Anglizismen würden sie ihr Wissen, ihre Kompetenz und ihren Status dem Zuhörer gegenüber deutlich machen. Das Gegenteil ist der Fall. Denn je weniger ich als Zuhörer verstehe, desto weniger höre ich zu. Positiv formuliert: je einfacher das Gesagte ist, desto aufmerksamer ist mein Zuhörer.

 

Selbstverständlich lassen sich nicht immer alle Fremdworte oder Anglizismen vermeiden, teilweise weil es keinen deutschen Ausdruck dafür gibt oder weil es ein feststehender Fachbegriff ist. Aber es reicht schon sich beim Schreiben einer Rede oder auch beim freien Sprechen darauf zu konzentrieren einfache Worte zu wählen.

 

“Unser Forecast setzt eine Benchmark im Segment der Channel Distribution” ist ein beispielsweise Satz über den ein Zuhörer so lange nachdenken muss, dass die darauffolgenden Sätze gar nicht gehört werden.

 

Das gleiche gilt für die Satzlänge. Schriftdeutsch zu sprechen, ist sehr schwierig für den Sprecher und noch schwieriger für den Zuhörer. Versuchen Sie Ihre Sätze mit maximal 12-15 Worten zu bilden, ohne Nebensätze und gesprochene Klammern. Das macht es Ihnen beim Sprechen und Ihren Zuhörern beim Verarbeiten der Inhalte leichter.

 

 

Positiv bleiben


In vielen Fällen verwenden wir unbewusst eine Negation um etwas Positives auszudrücken. Zum Beispiel “meine Präsentation wird nicht lange dauern”, anstatt positiv “meine Präsentation wird kurz sein”.

 

Das Problem dabei ist, unser Hirn kennt keine Negation. Wenn ich das klassische Beispiel nenne “bitte denken Sie jetzt NICHT an einen rosa Elefanten”, können Sie nichts dagegen tun, dass Sie vor Ihrem geistigen Auge einen rosa Elefanten sehen.

 

Das liegt daran wie unser Hirn Sprache verarbeitet. Die Worte werden alle wahrgenommen und erst im Nachhinein in den Gesamtkontext und damit ihre Bedeutung eingeordnet. Dazu kommen Dinge wie Prosodie und Parasprache (vgl. Teil 3: Atmung & Stimme), die dann im Zusammenspiel die Bedeutung des Gehörten ergeben.

 

Eine Aufforderung etwas NICHT zu tun, hat deswegen zur Folge, dass gerade das Bild dessen was NICHT getan werden soll im Kopf entsteht.

 

Dieses Prinzip kann auch umgekehrt werden um schlechte Nachrichten zu schönen. Wenn bei Aktiengesellschaften von einer “Gewinnwarnung” gesprochen wird, bleibt im Hirn der positive Begriff “Gewinn” hängen, während die eigentliche Nachricht einen Verlust meint.

 

Achten Sie mal darauf wie oft Sie im Alltag die Negativ-Form verwenden und versuchen Sie das gleiche noch einmal positiv auszudrücken. Wählen Sie bewusst die Worte und vor allem Bilder, die bei Ihren Zuhörern hängen bleiben sollen.

 

 

Pausen machen den Rhythmus

 

Jeder Musiker weiß, Pausen machen den Rhythmus. Der Rhythmus entsteht nicht durch den Moment in dem eine Saite gezupft oder eine Trommel geschlagen wird, sondern die genau gesetzte Pause zwischen den Tönen macht den Groove.

 

Das liegt daran, dass wir in einer Pause das gerade gehörte erstmal verarbeiten müssen und dann im besten Fall gespannt auf den nächsten Ton bzw. das nächste Wort warten. Einen Witz ohne die akzentuierte Pause vor der Pointe zu erzählen, ruiniert den ganzen Witz.

 

Machen Sie daher Pausen beim Sprechen, lieber mehrere als wenige. Mit Pausen erhöhen Sie den Spannungsbogen, setzten gezielt einen Punkt oder ein Ausrufezeichen hinter das gerade gesagte und ermöglichen dem Zuhörer darüber nachzudenken.

 

Die gefühlte Länge einer Pause ist dabei immer sehr viel kürzer als die tatsächliche. Probieren Sie es am besten einmal aus, indem Sie sich aufnehmen und die subjektiv wahrgenommene Pausenzeit beim Sprechen mit der beim Hören vergleichen.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Achten Sie schon beim Schreiben bei Ihrer Rede oder Präsentation darauf einfache und positive Formulierungen zu verwenden. Üben Sie Ihre Präsentation langsam, mit bewusst gesetzten Pausen zu sprechen. Nehmen Sie sich gegebenenfalls beim Üben auf Audio oder Video auf, um ein Gespür für das Tempo und die Pausenlänge zu bekommen.

 

 

Fazit: Rhetorik hilft jeder Präsentation

 

Einfache Mittel der Rhetorik können die Vorbereitung und Ausführung Ihrer Präsentation maßgeblich verbessern.
Merken Sie sich: Weniger ist mehr. Einfache und positive Worte, kurze Sätze. Langsames Sprechen und Mut zur Pause. Dann macht es Ihnen und auch Ihren Zuhörern mehr Spaß und die Inhalte kommen an.

 

 

Im fünften und vorerst letzten Teil dieser Serie geht es um das Thema Spiegelung und was Hirnforschung mit dem Thema Präsentieren zu tun hat.

 

 

Martin Kloss Besser PräsentierenMartin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zweisprachiger (Deutsch / Englisch) Schauspieler, Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Darüber hinaus hilft er Unternehmen als Schauspiel- und Business Coach, schult Redner und Vortragende und bietet Workshops zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com

 

Innovatives Veranstaltungsformat: Future Cube vom Klubhaus Köln

Innovatives Veranstaltungsformat – der Future Cube beim DGFP//lab im Ersteinsatz // Fotos: Klubhaus

 

 

Kürzlich habe ich eine Fernreise in die Heimat unternommen. Mit Torsten Fremer sass ich am Zülpicher Platz in Köln beim wohl lustigsten Asiaten, den es im Rheinland gibt. Bei Sushi und Tee in Tokyo traf ich fast beiläufig auf einen Ansatz, den ich für die Arbeit bei Konferenzen und Meetings sehr spannend finde. Den Future Cube will ich euch nicht vorenthalten und habe Torsten nach dem Prinzipen dahinter befragt.

 

 

I. Was ist der „Future Cube“ und was zeichnet ihn aus?

 

Der Future Cube ist ein innovatives Veranstaltungsformat. Es verbindet die digital gestützte Entwicklung von Ideen und Lösungen mit analogen Kreativtechniken. Zwischen 50 und 5.000 Personen können interaktiv zusammenarbeiten, gemeinsam kreativ werden und ihr Wissen teilen.

 

Anders als bei klassischen Konferenz- und Workshop-Formaten entstehen beim Future Cube durch digitale Vernetzung Ergebnisse, die von allen getragen werden und somit höchste Relevanz für das gesamte Unternehmen besitzen. An nur einem Tag erleben die Teilnehmer die Kraft kollektiver Intelligenz mit einem beeindruckenden Output an Ergebnissen, die nachhaltig Wirkung zeigen.

 

Der Future Cube ist ein Veranstaltungsformat, das hilft, der Komplexität unserer Zeit zu begegnen. Dabei eignet es sich genau so für Themen der Unternehmenskultur wie für Innovationsprozesse und konkrete Produktentwicklungen oder die kollektive Erarbeitung von Manifesten und Maßnahmenplänen.

 

 

II. Gibt es ein Best-Practice-Beispiel vom Future Cube?

 

Zum ersten Mal kam das Konzept bei dem DGFP//lab zum Einsatz – einem interaktiven Kongressformat für die Deutsche Gesellschaft für Personalführung. Bei der Veranstaltung mit ca. 300 Teilnehmern ging es darum, ein Manifest für die Zukunft der Arbeit zu entwickeln, wo Partizipation und Mitgestaltung eine wichtige Rolle spielen. Das positive Feedback nahezu aller Teilnehmer und die sehr guten Ergebnisse haben uns dazu motiviert, dass Produkt serienreif zu entwickeln.

 

In die Entwicklung des Formates floss das Know-how verschiedener Spezialisten und Fachrichtungen ein. Neben unseren Eventspezialisten vom KLUBHAUS waren es die Didaktikexperten von braincheck um Dr. Carl Naughton und das Methoden- und Beratungsunternehmen nextpractice, das sich schon seit Jahren mit kollektiver Intelligenz und dem sinnstiftenden Einsatz von digitalen Netzwerken beschäftigt.

 

 

III. Wie funktioniert der Prozess?

 

Grob skizziert besteht der Future Cube aus vier Phasen (siehe Bild unterhalb). Während der ersten Phase werden die Teilnehmer an das Thema herangeführt und erweitern ihren Blickwinkel, indem sie Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. In der zweiten Etappe dreht sich alles um das Sammeln von Ideen; gearbeitet wird im interaktiven Wechsel zwischen Klein- und Großgruppe.

 

Der dritte Schritt gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, ihre Ideen digital zu teilen, sich auszutauschen und von den Ergebnissen der anderen Gruppen zu profitieren. In der abschließenden Phase bewerten die Teilnehmer den generierten Ideenschatz. Die Ergebnisse der Kleingruppen werden jederzeit mit dem kompletten Plenum vernetzt.

 

 

Innovatives Veranstaltungsformat FutureCube 4 PhasenInnovatives Veranstaltungsformat FutureCube 4 Phasen

 

 

IV. Welcher ‚Tools’ bedient sich der Future Cube genau?

 

Der Future Cube ist multidimensional und vereint Elemente digitaler Netzwerktechnologien, Ansätze der Neugier-Forschung, klassische Kreativmethoden und externen Input über Marktplätze oder Inspirationsinseln. Digital arbeitet entweder die Gesamtgruppe vernetzt miteinander oder jeweils eine Gruppe von drei bis vier Personen an einem Laptop. Während der analogen Arbeitssequenzen sind es größere Teilgruppen. Je nach Interessenslage lassen sich über Algorithmen schnell immer wieder neue Teams nach individuellen Stärken und Zielen zusammensetzen. Gearbeitet wird übrigens in einem Raum, Breakouts sind nicht notwendig. Gerade das macht die Kraft des Formates aus.

 

 

V. Stichwort „Partizipation“: Wie kann man diese verbessern – oder muss man das gar nicht?

 

In Veranstaltungen erfolgt die Kommunikation immer noch viel zu oft eindimensional, weil es sich beispielsweise um statische beziehungsweise klassische Vortragssituationen handelt. Wenn in Gruppen gearbeitet wird, erfolgt der Informationsaustausch oft isoliert oder beschränkt innerhalb der einzelnen Gruppen. Digitale Kongress-Tools beschränken sich meist noch auf einfache Abstimmungen oder vorbereitete Multiple-Choice-Fragen, die eher als Gadget zu betrachten sind, als dass sie ansatzweise die Möglichkeiten des digitalen Netzwerkens ausschöpfen. Beim Future Cube hat die eingesetzte Technik keinen spielerischen Selbstzweck. Die Ergebnisse des Future Cubes besitzen dadurch, dass Sie von allen Teilnehmern gemeinsam entwickelt und geteilt werden, echte Relevanz für das gesamte Unternehmen – Inhalt gewinnt!

 

 

VI. Wie kann man das Prinzip des vernetzten Arbeitens sinnvoll schon vor und während eines Events nutzen?

 

Relevante Themen und Schwerpunkte lassen sich schon im Vorfeld der Veranstaltung über kurze digitale Online-Sessions identifizieren. Während der Veranstaltung werden die Ergebnisse und sämtliche Arbeitsschritte dank digitaler Vernetzung im Plenum oder in der Kleingruppe geteilt und gleichzeitig dokumentiert. So liegen jedem Teilnehmer aktuelle Ergebnisse direkt nach der Veranstaltung vor. Das bietet eine hervorragende Ausgangsbasis, um vielversprechende Ansätze weiterzuentwickeln und umzusetzen. Eine langwierige Auswertung ist nicht mehr nötig.

 

 

VII. Eignet sich der Future Cube als Methode im Change-Prozess?

 

Mit dem Future Cube können sich Kultur- und Werteverständnis während einer Veranstaltung in Echtzeit ändern, da jeder Teilnehmer alles mitverfolgen und sich zu jeder Zeit einbringen kann. Das ist für viele Unternehmen schon ein Musterwechsel, der die Teilnehmer zu einem engagierten Austausch und Umdenken animiert. Sämtliche Eingaben erfolgen absenderneutral und auch die Kommentierung und Bewertung ist anonym. Auf diese Weise entsteht eine Inhaltsdynamik, die intelligente Ideen und Maßnahmen hervorbringt, die für das Unternehmen wirklich relevant sind und von der Mehrheit getragen und geteilt werden. Das alleine kann schon zu nachhaltigen Veränderungen führen.

 

 

VIII. Wie werden Veranstaltungen Deiner Meinung nach in Zukunft aussehen (müssen)?

 

Ein Patentrezept wird es natürlich auch weiterhin nicht geben. Vielmehr sollte man noch genauer hinschauen, was wirklich die Ziele einer Veranstaltung sind und für jede einzelne die passende Lösung konzipieren. Das ist meinem Verständnis nach die Kernaufgabe einer Agentur. Tendenziell denke ich aber, dass mehr Interaktion ein wesentlicher Punkt sein wird. Damit sich nicht immer wieder der Allgemeinplatz bestätigt, dass das Beste an einer Veranstaltung mal wieder die Kaffeepause war.

 

Nur: Warum ändert niemand etwas daran? Oder provokant gefragt: Warum sind nicht längst die Kaffeepausen zum Mittelpunkt der Veranstaltungen avanciert? Und warum beschränkt sich die Informationsvermittlung nicht auf die Länge einer Kaffeepause? Informationen können heute auf zahlreichen Wegen vorab und digital zur Verfügung gestellt werden. Die Zeit, in der man sich trifft, sollte man dann auch gezielt zum Austausch verwenden. Mit dem Future Cube steht hierzu ab sofort ein professionelles Format zur Verfügung.

 

 

Torsten Fremer Klubhaus Eventagentur Köln Dr. Torsten Fremer, Jahrgang 1968, seit 2008 geschäftsführender Gesellschafter KLUBHAUS, Agentur für intelligente Kommunikation GmbH, mit dem Verantwortungsbereichen Live-Kommunikation und Innovationskultur. Zuvor: Studium Geschichte und Philosophie, Konzeptioner bei den Agenturen red cell (WPP) und Sponsorpartners (BBDO), Inhaber und Geschäftsführer culturepartners.

 

 

 

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Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht!

Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht! // Der Ton macht die Musik…

 

 

„Das Auge‬ führt den Menschen in die Welt.
Das ‪Ohr‬ führt die Welt in den Menschen.“
// Lorenz Oken, Deutscher Naturforscher und Arzt, 1779–1851

 

 

In der Live-Kommunikation schaffen wir Erlebnisse, die emotional berühren. Dabei wird viel Wert auf Lichtdesign und Filmeinspieler gelegt. Denn damit erzeugen wir Wirkung.   Richtig.

 

Hiermit möchte ich aber eine Lanze für den Ton brechen, denn:

 

Musik umgibt uns. Ständig. Dabei geht sie direkt ins Herz.

Sie weckt Emotionen. Ohne Umweg über den Kopf.

 

Das können wir gezielt einsetzen, um Menschen zu bewegen. Musik ist das Emotionalste überhaupt. Allerdings nutzen wir diese Disziplin noch viel zu unbewusst. Leider. Ich frage mich immer wieder, warum Sound Design eigentlich so vernachlässigt wird? Dabei ist doch die Musik der Schlüssel zu Gefühlen und somit starken Erlebnissen.

 

Aus meiner Erfahrung geht es bei Veranstaltungen immer zuerst um Licht und Bild. Ich gestehe, dass sich das auch in meiner Arbeit und Selbstverständnis oft so verhält. Frei nach dem Motto: Tja, dann ist da ja noch der Ton…

 

 

Sound Design – worum geht es?

 

Zugegeben, der Tonbereich ist nicht leicht zu umreißen: Film, Hörspiele, Hörfunk, Fernsehen, künstlerische Installationen, Multimedia-Anwendungen bis zu Computerspielen – ein weites Feld. Sound Design, also die kreative Arbeit mit Klängen und Geräuschen, unterscheidet sich von der Komposition eines Musikstücks oder den Audioaufnahmen im Studio. Sound Design kommt im Eventbereich vor allem im Beschallungskonzept vor Ort zum tragen. Besucher können so begeistert werden, ins Staunen geraten und durch spannende Effekte auch vom Ton gekitzelt werden!

 

Die Basis hierfür ist natürlich eine gute Planung. Angefangen vom Musikkonzept zur Komposition, Aufnahme und wie die Beschallung vor Ort eingemessen wird. Alles, um mit Ton clever und wirkungsvoll Emotionen zu übertragen. Spannend wird es dann, wenn kreative Toneffekte zum Einsatz kommen, um Inhalte zu transportieren. Die Klanginstallation O wie Omicron ist für mich ein beeindruckendes Beispiel dafür. Allerdings kann gutes Sound Design nur funktionieren, wenn man eben nicht erst vor Ort überlegt, sondern sich schon von Beginn an Gedanken zum Sound Design macht.

 

Das fehlt aber leider viel zu häufig bei Events.

 

 

Verbesserungspotential: Sprachverständlichkeit, Probenzeiten & Standards

 

Konkret: Wie oft habe ich schon Filme hören müssen, bei denen die Sprachverständlichkeit unter einer schlechten Mischung mit zu lauter Musik leidet. Warum die Tonspuren nicht voneinander getrennt auf unterschiedlichen Ebenen anliefern, um sie dann vor Ort passgenau zu mischen? Während das Lichtdesign vor Ort immer noch schnell und mit überschaubarem Aufwand angepasst werden kann, ist man beim Ton einfach auf das angewiesen, was angeliefert wird. „Shit in – shit out„, wie ein alter Spruch der Tonkollegen lautet.

 

Ein Mischpult ist eben kein Klärwerk.

 

Andererseits bedingt es aber auch Soundästheten hinter den Mischpulten, die sich dieser Feinheiten annehmen und daran arbeiten. Zu oft kommen leider aber mp3-Titel, die auf einer eingemessenen Anlage einfach nicht wie am heimischen Laptop klingen können. Wäre ja auch komisch. Oder: „Wir produzieren gerade noch was“ und dann kommt ein ungemastertes mp3, was unterschiedliche Pegel hat. Um ein qualitativ-lineares Klangergebnis zu erzeugen, ist das Mastering unabdingbar.

 

Ähnlich verhält es sich bei den Probenzeiten. Bild und Licht bekommen oft lange Slots eingeräumt, während der Ton als funktionierend vorausgesetzt wird. Ich kann mich in 15 Jahren nur an eine TV-Orchesterproduktion erinnern, in der es vorrangig um den Ton ging. Geschweige denn, dass den Tonkollegen in den Probezeiten extra Aufmerksamkeit gewidmet wurde. „Es muss halt einfach alles laufen“.

 

 

Entscheidungsfrage: Idealismus vs. Wirtschaftlichkeit?!

 

Sicher kommt es darauf an, was und ob der Kunde in Sachen Ton will. Sofern er eine Notwendigkeit sieht, dann wird es auch eine Priorität von Beginn an dafür geben. Es geht ja nicht darum den Ton über alles zu stellen, jedoch auch nicht kategorisch zu vernachlässigen. Spannend ist für mich darüber nachzudenken, warum der Ton so und so viel Stellenwert bekommt (Zeit, Geld, Gedanken). Oder anders gefragt: Was wäre wenn?

 

Was wäre, wenn…

• die Musikkomponente ganzheitlich von Beginn an gedacht wird.

 sauber produziert, eingemessen und geprobt wird.

 Menschen aufgrund des Tons emotional ergriffen und transformiert werden.

 wir unsere Haltung zum Ton überdenken und diesem mehr Priorität einräumen.

• dadurch wirkungsvollere Events geschaffen werden…

 

Die Kritiker werden mit der Wirtschaftlichkeit um die Ecke kommen. Ja, das ist ein Thema und nein, das ist kein Thema. Ideen kosten Erfahrung, Routine, Zeit und Gehirnschmalz. Und ja, manches lässt sich nur mit entsprechendem Budget umsetzen. Andersrum wäre legitim nachzufragen: Wenn ich 10.000 Euro reinstecke, erhalte ich 15.000 Euro Gegenleistung (in Form von inmateriellen Entscheidungen, realer Absatzerhöhung bei der Zielgruppe einer Messe etc.)? Wo funktioniert das, und wo nicht? Was ist Idealismus? Was ist Kunst? Und wofür mache ich das alles?

 

 

Sound Design ist echt harte Arbeit… 😉 // Video: youtube

 

 

Fazit: Musik setzt Emotionen frei wie kaum ein anderes Stilmittel. Gleichzeitig wird sie so unterschätzt wie kaum ein anderes Gewerk. Licht und Visuelles reizen unsere Sinne massiv – dabei macht wie in jedem Hitchcock-Film der Ton 50% des Erlebnisses. Das real spürbare Ungleichgewicht bei Events ist daher für mich unverständlich. Wir sollten die Möglichkeiten des Tons wieder gezielter nutzen und eine angemessene Priorität geben.

 

 

Hier Teil 2, in dem ich einige Sound Designer nach ihren Ansätzen, Meinungen und Ideen befrage. Interessieren könnte dich auch dieser Beitrag zur akustischen Markenführung: Audio Branding bei Events.

 

FrageWie nimmst du die Bedeutung vom Ton bei Events wahr? Was sollte sich ändern? Was ist angemessen?

 

Event Catering: 8 Gebote der kulinarischen Markeninszenierung

Event Catering: 8 Gebote der kulinarischen Markeninszenierung // Dessertbuffet „Alle in einem Boot“ – augenzwinkernd interpretierte Kirberg die Parole zur Caterer-des-Jahres-Verleihung 2013 (Fotos: Kirberg)

 

 

Seit fast zwei Jahren wohne ich nun in Köln direkt neben der Flora. Letztes Jahr wurde diese 150 Jahre alte Eventlocation renoviert neu eröffnet. Gleichzeitig wurde das Gartenlokal Dank Augusta gestartet, welches von Jutta Kirberg konzipiert und geführt wird. Grund genug sie nach ihren Prinzipien des Event Catering zu befragen. Dabei kamen folgende wertvolle Gedanken zusammen.

 

 

Event = Ereignis   –   das gilt auch fürs Event Catering

 

In den letzten Jahren hat sich in Sachen Veranstaltungen viel getan und verändert. Aus gutem Grund spielt heute das englische Wort „Event“ eine dominante Rolle. Denn Event bedeutet nicht nur Veranstaltung, sondern auch – Ereignis. Und bringt somit Anspruch und Charakter moderner Veranstaltungen auf den Punkt.

 

Dies hat natürlich auch Konsequenzen fürs Catering.

 

Früher verlangte man vom Caterer: „Wir wollen gut essen und trinken und dabei aufmerksam und freundlich bedient werden. So etwas ist inzwischen selbstverständlich und kann vorausgesetzt werden.“
Die heutige Forderung ans moderne Event-Catering lautet: „Sei Teil des Ereignisses und trage kulinarisch dazu bei. Lass die Genusswelt zur Erlebniswelt werden.“

 

Modernes Catering ist kein dem Event angedocktes Verpflegungsmodul – modernes Catering ist harmonischer Bestandteil des Events.

 

 

Event Catering: Marken multisensorisch erleben

 

Wir von Kirberg entwickeln deshalb ergänzend zum Gesamtkonzept des Events das passende kulinarische Konzept. Wir tun dies stets in enger Abstimmung und Partnerschaft mit dem Kunden – sei es die Event-Agentur, sei es der Eventmanager. Wir nehmen uns Zeit, hören zu und fühlen uns hinein in den Kunden, seine Ziele, Wünsche und Vorstellungen, beraten ihn und machen möglich, dass die gewünschte Aussage durch das Catering erfolgreich mitgetragen wird.

 

So entsteht ein wachsendes Vertrauen zwischen Kunde und Caterer – die Basis für Erfolg.

 

Geht es um die Kommunikation von Marke, machen wir diese durch Corporate Food von Kirberg zum Genuss. So können Menschen eine Marke multisensorisch erleben – zeitgemäß, genießerisch und mit nachhaltiger Wirkung. Um diese Aufgabe genussvoller, einfühlsamer erfüllen zu können, identifizieren wir uns mit der – anfangs noch fremden – Marke.

 

Es gehört viel Denkarbeit dazu, um eine Marke in ihrer Komplexität zu erfassen. Es braucht viel Sensibilität, um die Menschen, die für und mit dieser Marke arbeiten, zu verstehen und richtig zu beraten.

 

Und nicht zuletzt spielen Offenheit, Mut und Phantasie eine wichtige Rolle. Ohne Mut und Phantasie weckt man keine großen Gefühle. Wichtig ist hierbei jedoch die richtige Balance zwischen Überraschendem und Vertrautem.
Irgendwann habe ich begonnen, mir die eine oder andere Erfahrung und das daraus Gelernte aufzuschreiben – für mich und die Weiterentwicklung unserer Arbeit als Caterer. Die wichtigsten Lernergebnisse nenne ich unsere „8 Gebote der kulinarischen Markeninszenierung“. Sie sind nicht in Stein gemeißelt, sondern helfen uns bei der täglichen Arbeit.

 

 

8 Gebote der kulinarischen Markeninszenierung

 

 

• Phase 1: Erarbeitung

(1) Erarbeite dir die Marke, die du kulinarisch inszenieren willst. Vermittele deinen beteiligten Mitarbeitern dieses Verständnis, damit alle sich als Botschafter der Marke verhalten. Alle sollen sich das Erlebnis teilen.

(2) Arbeite eng mit deinem Kunden zusammen, verstehe sein Briefing und seine Ziele und setze diese bestmöglich um.
(3) Nimm auf allen deinen Wegen deinen Kunden mit, lass ihn teilhaben an deinen Ideen, begeistere ihn – dann wird er dich voll und ganz unterstützen.

 

• Phase 2: Planung
(4) Vergiss nie: Die Grundlage für Kreativität ist Arbeit.
(5) Schaffe eine Atmosphäre, die in einem spannenden, ungewöhnlichen, überraschenden Zusammenhang mit der Marke steht. Es gilt: Schaffe gleichermaßen Gewohntes wie Überraschendes. Sei mutig: Es muss nicht immer alles allen gefallen.

 

• Phase 3: Umsetzung
(6) Sorge dafür, dass die Gäste sich vom ersten Moment an wohlfühlen – das steigert Ihre Aufnahmefähigkeit.
(7) Arbeite multisensual (Erinnerung nimmt zu, je mehr Sinne angesprochen werden). Sehen, schmecken, riechen, fühlen, hören – vereint zum nachhaltigen Erlebnis von Marke.
(8) Verschaffe dem Gast durch kreative kulinarische Elemente neue Blicke auf die Eventaussage und neue Einblicke in die Marke.

 

 

Event Catering Ideen Kurberg imm 8 Gebote der kulinarischen Markeninszenierung„Schwarz-Weiß“ – mottogemäß inszenierte Kirberg kulinarisch einen Event von ELLE Décoration zur imm 2013

 

 

8 Fragen rund um Marke und Event

 

Bei der konkreten Umsetzung helfen folgende acht Fragen rund um Marke und Event. Diese beantworten wir gern zusammen mit dem Kunden – Event-Agentur oder Event-Manager.

 

1.) Was ist das Wesen der Marke? Ist sie innovativ oder bodenständig, heißt sie Apple oder Rügenwalder? Welches Lebensgefühl vermittelt sie?
2.) Was ist der inhaltliche Kern der Veranstaltung? Sozusagen ihr USP? Was soll transportiert werden? Was ist die zentrale Idee des Konzepts, was soll vermittelt werden? Handelt es sich um einen Kick-off, einen Motivationsevent oder eine Teambuildingmaßnahme? Will man Dankeschön sagen oder ein neues Produkt präsentieren?
3.) Wie greifen wir das Thema beziehungsweise die Marke kulinarisch auf? Wie inszenieren wir sie, um die (Marken-)Botschaft köstlich zu verstärken?
4.) Welche Sinne bedienen wir dabei? Gaumen kitzeln, na klar. „Das Auge isst mit“ – ja, denn auch wenn es nicht essen kann, es sieht alles! Aber auch andere Sinne spielen eine Rolle: „Mmh, hier riecht es aber lecker! Das fühlt sich ja gut an! Hör mal, wie knusprig das Brot ist.“
5.) Welches Image wollen wir unterstreichen? Die Marke – bodenständig oder abgehoben, avantgardistisch oder wertekonservativ, schick oder shabby chic?
6.) Wer ist die Zielgruppe, wer sind die Gäste? Eigene Mitarbeiter, Vertriebspartner (Händler), Kunden, Multiplikatoren, Meinungsmacher, Entscheider?
7.) Wo findet der Event statt? Drinnen oder draußen? Stadt oder Land? Palais oder Fabrik? Ein Raum oder viele?
8.) Wie viel Zeit steht für das Catering zur Verfügung? Gibt es einen klar definierten Zeitraum fürs Essen? Wird parallel zum Ablauf serviert und gegessen? Gibt es mehrere „Essenspausen“?

 

 

Jutta Kurberg Event Catering Jutta Kirberg führt, zusammen mit ihren beiden Geschäftspartnern Thomas Lehmann und Volker Beuchert, eines der erfolgreichsten deutschen Catering-Unternehmen. Angefangen 1982 mit Künstler-Catering für die internationale Musikszene (u.a. Rolling Stones, David Bowie, U2), gründete Jutta Kirberg 1992 die Kirberg GmbH. Das Unternehmen erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wie den LECA Award in Gold 2012, den Caterer des Jahres 2010 sowie die Nominierung zum Caterer des Jahres 2013. Seit Sommer 2014 verwöhnt Kirberg als Gastronomiepartner der KölnKongress GmbH die Gäste in der Flora Köln und betreibt dort das Gartenlokal Dank Augusta.

Besser Präsentieren // Teil 1: WIE vor WAS

Besser Präsentieren – eine Serie von Moderator und Coach Martin Kloss

 

 

Martin habe ich kürzlich auf einer Veranstaltung kennen und schätzen gelernt. Weil es nicht nur fachlich sondern auch menschlich direkt Klick gemacht hat, habe ich ihn gebeten sein Wissen im Bereich Präsentation auf diesem Blog zu teilen. Der Auftakt einer Serie zum Thema “Besser Präsentieren” mit Analysen, Hintergründen und nützlichen Tipps, um die eigene Präsentation vor Publikum zu verbessern. Viel Spaß beim lesen und anwenden!

 

 

Besser Präsentieren: WIE vor WAS

 

Wie kann ich eine Präsentation, einen Vortrag oder eine Rede wirkungsvoller gestalten?
Wie erreiche ich mein Publikum, so dass die Inhalte die ich transportieren möchte beim Zuschauer ankommen?

 

In diesen zwei Fragen stecken zwei besonders wichtige Worte:
1. das Wort WIE, denn das WIE ist wichtiger als das WAS. Dazu gleich mehr.
2. das Wort ZUSCHAUER, denn der vermeintliche ZuHÖRER ist vor allem ein ZuSCHAUER. Das hängt damit zusammen wie unsere Wahrnehmung funktioniert.

 

 

Was ist WAHRNEHMUNG?

 

Vereinfacht gesagt, ist die Wahrnehmung unserer Aussenwelt die Summe der Informationen die wir über unsere Sinne, die sogenannten Exterorezeptoren, also Gesichts-, Gehör-, Geruchssinn u.a. wahrnehmen.

 

Wahrnehmung entsteht also über die Datensammlung unserer Sinne. Dabei ist entscheidend wie viele Daten über welchem Sinn aufgenommen werden:

 

Sinnesorgan Bandbreite (Bit/Sek)
Auge 10.000.000
Haut 1.000.000
Ohr 100.000
Nase 100
Geschmack 10

 

Betrachten wir die grobe Aufteilung der verschiedenen Sinne, fällt sofort eins auf: das Verhältnis Auge zu Ohr ist 100:1. Wir nehmen also in der gleichen Zeit 100x mehr Informationen über das Auge auf, als über das Ohr.

 

Was bedeutet das? Wenn wir Menschen auf der Bühne zuschauen und ihrem Vortrag zuhören, sind wir 100x mehr ZuSCHAUER als ZuHÖRER!

 

Damit kommen wir zum anderen wichtigen Wort, dem WIE.

 

Interessanterweise legen die meisten Menschen beim Erstellen ihrer Präsentation und dem Vorbereiten ihres Vortrags die Priorität auf das WAS und nicht auf das WIE.

 

Denken Sie mal an den letzten Werbespot im Fernsehen an den Sie sich erinnern. An was erinnern Sie sich da? An ein Bild oder einen Satz? Also an das WAS oder an das WIE? Unser Hirn speichert Informationen bevorzugt also visuelle Information, also in Form von Bildern und kann diese weitaus länger und schneller abrufen als abstrakte akustische Informationen in Form von Worten oder Sätzen.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Das WIE ist entscheidend dafür OB die Zuschauer die Inhalte speichern und WIE sie diese Inhalte speichern. Stellen Sie sich Martin Luther King Jr. oder den Dalai Lama vor. In beiden Fällen können Sie vielleicht nur ein paar Worte oder Sätze zitieren, fest eingebrannt ist aber das Bild dieser Personen und die damit verbundene positive Assoziation ihrer Persönlichkeit.

 

Wenn wir nun wissen, dass die Wahrnehmung über das Auge 100x mehr Informationen aufnimmt als über das Ohr, das WIE der Präsentation also wichtiger ist als das WAS, welche Konsequenz hat das für die Form der Präsentation?

 

Betrachten wir wie sich dieses WIE eigentlich zusammensetzt:

– Körpersprache
– Stimme
– Rhetorik

 

Das Zusammenspiel dieser drei Komponenten ist maßgeblich für das WIE einer Präsentation verantwortlich.

TIPP: Achten Sie darauf WIE Ihre Körpersprache, Ihre Stimme und Ihre Rhetorik ist. Und zwar in dieser Reihenfolge. Nehmen Sie sich auf Video auf, fragen Sie Kollegen und Freunde nach Feedback und schreiben Sie Ihre Selbstwahrnehmung auf der Bühne auf.

 

Mehr zu diesen Themen erfahren Sie in den nächsten Teilen dieser Serie zum Thema “Besser Präsentieren”. Im nächsten Teil geht es um das Thema “Körpersprache” und wie wir diese Form der nonverbalen Kommunikation für eine bessere Präsentation nutzen können.

 

 

Fazit: WIE vor WAS!

 

Merken Sie sich für Ihre Präsentation: WIE vor WAS! Achten Sie in der Vorbereitung und bei der Ausführung darauf WIE Sie sich und Ihre Inhalte präsentieren und erst dann WAS Sie präsentieren.

 

 

Martin Kloss Besser Präsentieren Martin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zweisprachiger (Deutsch / Englisch) Schauspieler, Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Darüber hinaus hilft er Unternehmen als Schauspiel- und Business Coach, schult Redner und Vortragende und bietet Workshops zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com

 

 

Hier geht es zu Teil 2: Körpersprache // 3: Atmung & Stimme // 4: Rhetorik // 5: Spiegelung

MICE Club 2015 // 7 Eventplanung Tipps

Eventplanung Tipps vom MICE Club Live 2015 – Inspirationswerkstatt für die MICE Branche

 

 

Der MICE Club hat mich schon 2013 aufgrund dieses innovativen Konzepts begeistert: konkrete Ideen, innovative Praxisbeispiele und ein Miteinander auf Augenhöhe. Das gibt es so weder auf der IMEX, beim FAMAB Award noch auf der Best of Events. Wirklich ein starkes Format mit viel Potenzial im Bereich Wissensvermittlung.

 

 

Mit entsprechend hoher Erwartungshaltung bin ich dieses Jahr ins Ruhrgebiet gereist: Kein oberflächlicher Austausch um „Kontakte” zu generieren, sondern um an Inhalten zu arbeiten und auch selbst dazu zu lernen. Denn den Nachholbedarf an wirklich guten Events gibt es immer noch in unserer Branche, wie ich bereits im Rahmen des Brand Eins Agenturrankings kommentierte. Für alle, die nicht im Ruhrgebiet dabei sein konnten, folgend ein persönlicher Rückblick samt konkreter Eventplanung Tipps für die Praxis.

 

 

1) catch box: Vorstellungsrunde mal anders

 

Die obligatorische Vorstellungsrunde der rund 90 Teilnehmer fand in der Kohlenwäscherei der Zeche Zollverein in Essen statt. Planer von Events konnten sich in 20 Sekunden mit Namen und ihrem USP vorstellen. Anbieter (Destinationen, Locations, Logistik, Travel etc.) bekamen 60 Sekunden Zeit, um neben der Kurzvorstellung auch ihren Gedanken zu Herausforderungen der Branche zu kommunizieren. Den Spaß-Faktor erzeugte das werfbare catch box Mikrofon, mit dem das Publikum interaktiv eingebunden wurde.

 

 

Pitches - Chance oder Krise MICE Club Live 2015

 

 

2) Pitches: gemeinsame Chance!

 

Auf dem kurzen Fußweg rüber zum Zollverein-Kubus wurden Plakate mit Streit-Fragen aufgestellt, um als Diskussionsanreger zu dienen. Eine dieser Fragen lautete: Pitches – Existenzielle Krise oder gemeinsame Chance. Wie beim Hammelsprung im Bundestag konnte man hier abstimmen. Mit Hilfe kleiner Bälle, die wir entweder links oder rechts in einen Korb warfen, konnten wir der eigenen Meinung zum Thema Ausdruck verleihen. Das Stimmungsbild zum Thema Pitches deutete klar auf die gemeinsame Chance – die konstruktiv-positive Grundstimmung war also gesichert.

 

 

3) Die Eventbranche in Bewegung: Chancen und Risiken erkennen

 

Die Besonderheit der belgischen Moderatorin Stien Michiels war es, „systematisch zu interagieren”. Im Gepäck  hatte sie gute Ideen für die interaktive Plenumssession dabei. Zunächst aber lief als Einstieg dieser Film:

 

 

 

Der Kerngedanke des Films: Eine Entscheidung bringt eine gesamte Kette ins Rollen… Die systematische Frage für die MICE-Branche: Wie können Einzelne das gesamte System ändern? Entscheidungen, ein Umdenken, Chancen erkennen und die Zusammenarbeit untereinander verstärken. Oder ist der Film doch zu schön, um wahr zu werden?!

 

In den nächsten eineinhalb Stunden wurde aus den Perspektiven Agentur, Konzern und Anbieter verschiedene Fragen gestellt. Dabei dienten die Besucher als physische Gradmesser: Wir Teilnehmer wurden gebeten, uns gemäß unserer Meinung im Raum zu positionieren – entweder rechts für „Ja” oder links für „Nein”, die Mitte für „Vielleicht”, oder alternativ auf einer Skala von 1 bis 10 in der Breite des Raums. So wurde schnell für jeden sichtbar, wie eigentlich die Summe der Experten zu Themen unserer Branche denken. Spannend wurde es natürlich, sobald in Kleingruppen über die verschiedenen Meinungen gesprochen wurde und am Ende Kernaussagen in der großen Gruppe diskutiert werden konnten. Gerade im Nachmittagstief eine gelungene, auflockernde Maßnahme. Einziger Kritikpunkt: Die Hälfte der Fragen hätte es auch getan – zugunsten von mehr Zeit für eine inhaltlich-tiefere Auseinandersetzung.

 

 

Hier die Fragen (Ergebnis-Beweisfotos und weitere Impressionen gibt es auf der MICE Club Website):

 

• Frage 1: Als einleitende Übung wurden die Teilnehmer gebeten, sich vom Mittelpunkt im Raum aus dort hinzustellen, wo sie geboren wurden. Also eine übergroße Landkarte mit Essen in der Mitte. (Als in Brisbane/Australien geborener konnte ich mit „Downunder”-Handstand in der hintersten Ecke trumpfen…).
• Frage 2: Wo machst du am meisten Business? (wieder mit der Stadt Essen als Mittelpunkt im Raum)
• Frage 3: Wie startklar bist du für die Session oder brauchst du noch einen Café? Auf einer Skala von 0-10 (reiner Spaß-Faktor – jetzt hat das Prinzip jeder verstanden…)
• Frage 4: Ist die MICE Branche komplex? Ja – Vielleicht – Nein
• Frage 5: Wird sich der deutsche Meetingmarkt maßgeblich durch Portale und Technologien verändern? Ja – Vielleicht – Nein (samt kurzer Diskussion in 3-4er Gruppen: Wie sehr ihr das?) -> Der Einkauf bestimmt vs. Menschen & Ideen entscheiden
• Frage 6: Müssen wir in Zukunft Online-Auktionen akzeptieren? -> klares Nein
• Frage 7: Wie stark wird sich der Eventbereich in den nächsten 5 Jahren im Bereich Nachhaltigkeit bewegen? (Skala 1-10)
• Frage 8: Kann die branchenübergreifende Zusammenarbeit Einfluss auf die Ergebnisse haben? Ja – Vielleicht – Nein -> Dienstleister an einen Tisch bringen: Was kannst du zum Thema Nachhaltigkeit beitragen? Als Eventgestalter sind wir immer darauf angewiesen als und mit Partnern zu arbeiten!
• Frage 9: Sind Sie bereit partnerschaftlich mit anderen Dienstleistern in einen Pitch zu gehen? -> klares Ja

 

Kurzum: Durch diese Methodik wird es Menschen ermöglicht, sich besser kennenzulernen, einander zuzuhören, Ideen auszutauschen und gemeinsam gute Arbeit zu leisten. Unbedingt nachmachen!

 

 

Interaktive Plenumssession MICE Club Live 2015

 

 

4) MICE Lab: Kleingruppensessions

 

In den Kleingruppensessions trafen Planer auf Anbieter. Mittels einiger Fragestellungen konnten sich jeweils zwei Anbieter mit ihrem Profil vorstellen und auf 3-5 Planer treffen. Als Aufhänger dienten Themen wie „Welche schwierige Entscheidungen habe ich kürzlich getroffen?“ oder „Agenturarbeit: auf Augenhöhe vs. Sklave des Kunden“ und „Vor welchen Herausforderungen stand ich zuletzt?“.

 

An sich ist dies ein gutes Mittel, um in persönlicherem Rahmen zu informieren und auch Besonderheiten für die konkret vor sich sitzenden Planer herauszustellen. Dies hängt aber ab von dem Interesse der Planer an dem Angebot, aber auch der Art der Vorstellung. Offen gestanden war ich an dieser Stelle ohne konkrete Erwartungshaltung gekommen, bin aber auch kaum überrascht worden. Die Idee stimmt, aber die Umsetzung lässt noch Spielraum zur Verbesserung.

 

Spannend fand ich jedoch eine Randbemerkung: Habe ich eine Kernkompetenz und vertrete diese oder gibt es mehrere Schwerpunkte und muss die entsprechend auch alle in den Ring werfen? Die Profilierung auf eine Kernkompetenz macht aus meiner Sicht absolut Sinn.

 

Auch eine Geschichte blieb mir im Kopf. Ein Anbieter fragte im Nebensatz: „Warst du schon mal im Krankenhaus? Was ist dir in Erinnerung geblieben? Die Antwort liegt auf der Hand: „Die Art der Behandlung durch die Krankenschwestern und das gute Essen!

 

Der Transfer zu Events ist nicht weit hergeholt – uns geht es ja auch immer wieder darum, „erinnerbare Momente herzustellen. Was neben aller Liebe zu Inhalten und Botschaften zählt, ist eben doch die reibungslose Logistik und die weichen Faktoren: „gute Stimmung, leckeres Essen, nette Gespräche.

 

Ohne Logistik gegen Inhalte auszuspielen (Ablaufregisseur-Blogleser wissen, dass ich für Ideen lebe):

Da ist was dran!

 

Wenn die Grundbedürfnisse nicht abgedeckt sind („Hab ich den Redner gut hören können? Hab ich was Leckeres zu Essen bekommen?“), ist der Rest vergebene Liebesmühe. Ich denke es ist kein entweder oder, sondern ein sowohl als auch.

 

 

5) Guest Experience: in die Teilnehmer hineinversetzen

 

Das bringt mich auch gleich zum nächsten Punkt. Als Gestalter von Events erleben wir eben diese ja selten aus der Sicht der Teilnehmer. Dabei führt dieses Erlebnis zu einigen Beobachtungen, die man schnell anpassen kann und damit große Wirkung erzielt. Ein persönlicher Rückblick, ganz bewusst aus Teilnehmersicht:

 

Morgens wurden wir mit Shuttle-Bussen vom Bahnhof abgeholt und zur Zeche Zollverein gefahren. Allerdings gab es auf der Busfahrt keine Begrüßung. Dabei wäre genau das so einfach gewesen und hätte nicht nur das Miteinander gestärkt, sondern auch gleich noch ein gutes Willkommens-Gefühl vermittelt: Der MICE Club hätte schon im Bus begonnen. Eine humorvolle, einladende Ansage ist ein Muss.

 

Ebenso schwierig war es dann beim Transfer zu den Hotels am Abend. Wir warteten bestimmt eine Viertelstunde, bis wir dann endlich losfuhren. In der Wartezeit gab es keine Information, warum oder worauf wir jetzt gewartet wurde. Wir fuhren dann irgendwann auch ohne Erklärung los. Hätte es eine kurze Durchsage gegeben, wären alle beruhigt gewesen. So mussten wir uns im Hotel aber nun hetzen, um zur Abendveranstaltung wieder rechtzeitig in der Lobby zu sein.

 

Das bleibende Gefühl: „Ich musste mich hetzen und wir haben bestimmt über eine Stunde im Bus gewartet (die Realität verschiebt sich ja hin und wieder im Nachhinein…). Die davor behandelten Inhalte sind über das Ereignis längst vergessen – ein unnötiges Ärgernis. Beziehungsweise: Eine sehr wertvolle Mahnung, Guest Experiences permanent im Blick zu halten! Eigentlich im Nachhinein sogar ein nützliches Erlebnis, weil wir als Eventgestalter so was selten an der eigenen Haut erleben…

 

Mice Club Live 2015 Gebläsehalle DuisburgFoto: Udo Geisler (ebenso Aufmacherbild und Kleingruppenbild)

 

 

6) Neue Perspektiven: Locationwechsel nutzen!

 

Auch zur Abendveranstaltung in dem Gebläsehallen-Komplex des Landschaftspark Duisburg-Nord galt für mich: Als Eventgestalter geht es darum, der rundum perfekte Gastgeber zu sein – nicht aufdringlich aber mitdenkend. Sprich: Wie läuft die Garderoben-Abwicklung, ist es warm genug, werden die Besucher willkommen geheißen, wie lange muss ich beim Catering anstehen etc. Wenn alles läuft, nicht nachlassen: Ist die Toilette immer noch sauber, gibt es genügend Getränke-Nachschub? Der Abend war rundum gelungen und hatte diese Punkte gut gemeistert (wenn auch die sehr weitläufige Location wenig Intimität vermittelte). Es geht mir hier um die grundsätzliche Haltung als Veranstalter bei der Eventplanung – haben wir die Teilnehmer-Perspektive immer wieder im Blick?!

 

Eine Überraschung waren für mich die wirklich starken Locations im Ruhrgebiet, die wir über die zwei Tage erleben konnten. Mit dem Ruhrgebiet verbindet man immer noch den Strukturwandel und Abschwung wie Arbeitslosigkeit. Das gerade durch die RUHR.2010 aber viel passiert ist, zeigt das Dortmunder U. Die Location für den zweiten MICE Club-Tag war das „Zentrum für Kunst und Kreativität, welches in den ehemaligen Räumen der Dortmunder Union Brauerei entstand.

 

Was aber leider sowohl die betreuende DMC als auch die Hausherren aller anderen Locations verpassten: Die potentiellen Eventplaner persönlich zu begrüßen und einige Informationen zur Historie und Nutzungsmöglichkeiten zu kommunizieren. Schließlich hatte man ja eine Reihe von potentiellen Veranstaltern vor sich. Damit wurde eine Chance verpasst, wobei das Ruhrgebiet auch so in wirklich guter Erinnerung bleibt.

 

Ein gutes Element war es aber, die Örtlichkeiten und Räume immer wieder zu wechseln und somit Perspektivwechsel zu erzeugen. Einfach durch andere Umgebungen (Raum, Tiefe, Farbigkeit, Akustik etc.) ergeben sich neue Assoziationen und Gedankengänge. Dies sollten wir uns immer wieder für die Konzeption von Veranstaltungen zu Nutze machen.

 

 

7) Praxiswerkstätten: Gruppenworkshops

 

Schwerpunkt des zweiten Tages bildeten dann sechs interaktive Workshops. Im offenen Dialog der Branchenakteure wurden Themen wie interaktive Raumkonzepte (Johannes Albert), Überraschungsmomente (ich selbst), Event-Technologien (Thorben Grosser / Max Burger), Briefing-Kultur (Denis HäckerMaximilian Schmidt und Kai Janssen), Veranstaltungseinkauf (Martin Stemerdink) sowie Nachhaltigkeit (Jürgen May) aufgegriffen. Mittels praktischer Werkzeuge sowie inhaltlicher Unterstützung durch Brancheninsider wurde es endlich inhaltlich tiefer. Der erste Tag kratzte noch sehr an der Oberfläche und man spürte förmlich den Wunsch, richtig „einzusteigen.

 

 

Mice Club Live 2015 Überraschungsmomente Chris Cuhls

 

 

Thema meines Impulsvortrags lautete „The same procedure as every year?“ – Überraschungsmomente als Impuls für erfolgreiche Eventkonzepte. Offen gestanden habe ich den ersten Workshop aufgrund meiner Tagesform am Morgen verhauen – wir sind eben alles nur Menschen… Glücklicherweise lief es beim zweiten Durchlauf komplett anders, sodass wir wertvolle Mittel und Wege in diesem Themenfeld miteinander austauschen und lernen konnten. Für alle Leser an dieser Stelle der Hinweis: Unterhalb gibt es mein eBook zu den „7 Geboten der Inszenierung kostenlos zum Download. Dort finden sich praktische Tipps, um wirkungsvolle Events zu konzipieren.

 

Gerne möchte ich noch einen Gedanken dazu festhalten: Das Wissen ist bei Konferenzen und Tagungen oft schon im Raum, wird jedoch zu selten abgerufen. In der Regel gibt es nämlich nur die Frontalbeschallung von vorne und so kommen Experten im Publikum gar nicht zum Zug. Daher habe ich in meinem Workshop zu Beginn eine kurze Runde mit entsprechender Fragestellung eingebaut, um das vorhandene Wissen miteinander zu teilen: „Welche Event-Gewohnheiten langweilen dich und bei welchem Event wurdest du zuletzt überrascht? Dabei kamen wirklich gute Impulse zu tage.

 

Die Methodik des Workshops sah vor, dass wir eine Geschichte erzählen. Die Teilnehmer sollten sich aus einem der vier Perspektiven „Herausforderungen, Schlüsselmomente, Erkenntnisse, offene Fragen die Geschichte anhören und anschließend in Kleingruppen über ihren jeweiligen Punkt miteinander diskutieren. Die Ergebnisse wurden dann in der Gruppe vorgetragen und bewertet. Zum Schluss gab es die Frage, was jeder Einzelne davon mit in den Arbeitsalltag nehmen kann.

 

 

Eventplanung Tipps Toolbox Storytelling

 

 

Fazit: relevante Eventplanung Tipps für den Arbeitsalltag!

 

Zum gemeinsamen Abschluss wurde jeder Teilnehmer gebeten, eine Entscheidung für sich zu formulieren: Was möchte jeder aufgrund des Wissens der letzten zwei Tage in seinem Arbeitsleben ändern? In Anlehnung an den Wolf-Film zu Beginn reicht oftmals eine Entscheidung, um vieles zu verändern. Dazu gab es einige Minuten Zeit zur Reflektion. Abschließend sollte jeder diese EINE Entscheidung öffentlich kommunizieren. Ein mutiger Commitment-Schritt, der aber aus meiner Erfahrung tatsächlich am ehesten dazu führt, etwas zu verändern. Auf jeden Fall ist die Chance sehr viel größer, als wenn man einfach nur zum Zug oder Flugzeug eilt, ohne sich klar zu machen was das EINE ist, was ich aus dem Neu-Erlernten mitnehmen kann.

 

Mein persönliches Fazit: Der MICE Club offenbart, wie vielfältige Profile in der Eventbranche unterwegs sind und doch auf der selben Wellenlänge schwingen. Ja, wir sitzen in einem Boot und können viel voneinander lernen. Wir sollten Kunden mehr Fragen stellen und auch mal Nein sagen. Kommunikation ist und bleibt das A und O in unserer Branche. Das Netzwerk bietet noch großes Potenzial für mehr Austausch und Interaktion. Verlier‘ nie den Mut zur Veränderung. Treffe eine Entscheidung und arbeite daran, einen USP zu haben. Kurzum: Die Inhalte und der Austausch waren für mich der lohnende Kern, wenn auch die Tiefe der Themen noch stärker ausbaubar gewesen wäre.

 

 

Welche EINE Entscheidung triffst du?

 

Meine Entscheidung: Ich werde an dem Thema Knowledge Transfer weiter dran bleiben. Konkret möchte ich bis Jahresende eine zweitägige MasterClass „Erfolgreich inszenieren – Die Magie hinter WOW-Momenten realisieren. In einer Gruppe von zehn Leuten werden wir Zeit haben, um tiefer in Themen der Eventplanung & Konzeption einzusteigen und hilfreiches Wissen zu erlernen. Wer Interesse hat, darf sich gerne bei mir melden!

 

 

Frage: Wenn du dabei warst – was hat dir geholfen, wo wünscht du dir Veränderung für den MICE Club 2016?

Wenn du nicht dabei warst – welche Tipps fandest du nach der Blog-Lektüre hilfreich und was wirst du anwenden?

 

 

Ein Loblied auf die Eventbranche & warum ich meinen Job liebe…

Eventbranche: warum ich meinen Job liebe… // Eventregisseur Chris Cuhls   (Foto: Helge Thomas)

 

 

Nach meiner Kritik an der Eventbranche möchte ich es nicht missen, ein Loblied auf dieselbe zu texten. Denn:

 

 

Die Eventbranche hat es wirklich verdient!

Wir sind keine besseren Kindergeburtstagsmanager.

 

 

Anders als von Spiegel Online in dem Artikel „Viel Stress, wenig Geld“ suggeriert, sind die Macher von Events eben keine gelernten Abiball- oder Gartenfest-Organisatoren (um ehrlich zu sein, der Artikel riecht nach Native Advertising einiger privater Hochschulen).

 

Um wirkungsvolle Events auf die Bühne zu bringen, braucht es hochspezialisierte Profis. Diese sind nach außen nur oft nicht sichtbar. Das Märchen vom alles könnenden Eventmanager existiert nicht in der Realität. Die Eventbranche ist längst wesentlich komplexer. Folgend ein subjektiver Überblick, wer alles bei Events mitwirkt und was die Eventmacher dabei leisten.

 

 

Was Gestalter in der Eventbranche alles leisten…

 

Senior-Projektmanager wie Norbert Gaffron (OSK) sorgen für timinggenaue Taktung von hochkomplexen Projektabläufen sowie für gutes Teamwork einer Armada von Dienstleistern und Spezialisten…
Eventkonzeptioner wie Jörg Sellerbeck kreieren Konzepte, die Inhalte wie Botschaften verständlich und wirkungsvoll auf den Punkt bringen…
Show-Inszenierer wie Medienkünstler Andree Verleger entwickeln bombastische Shows für Marken und deren Produkte…
Architekten wie Mirco Schwung und Szenografen wie Eno Henze verwandeln Räume für kurze Zeit in komplett neue Erlebniswelten…
 Planungsbüros wie Guido Leiting & Team (adhoc4acp) planen die technische Umsetzung und Technikverleiher kümmern sich um eine exzellente Realisation vor Ort…
Lichtdesigner wie Nik Evers verzaubern kalte, unschöne Räume in Wohlfühl-Oasen mit Ambiente und setzen Shows effektvoll in Szene…
Musikproduzenten wie Marvin Glöckner komponieren eigens Musiken, die die gewünschten Emotionen transportieren…
Content-Produktionsfirmen wie elberfeld kreation erstellen Medien, die visuell Botschaften vermitteln – ob Filme oder PPT’s…
App-Entwickler wie Thorben Grosser (eventmobi) vereinfachen die Vor-Ort Kommunikation mit Teilnehmern und sorgen für Interaktion…
Cateringfirmen wie Kirberg sorgen nicht nur für das leibliche Wohl, sondern können weitere Sinne für das Thema des Events sensibilisieren…
Live-Übertragungen wie von Orange Media sorgen für gute Live-Videobilder und können das Geschehen für die Nachkommunikation dokumentieren…
Choreografen wie Nadine Imboden und Kostümdesigner wie André Buch setzen Akteuren und Performer auf der Bühne in das richtige Outfit und inszenieren Bewegungsabläufe…
• …und dann gibt es natürlich noch viele weitere Spezialisten in den Bereichen Teilnehmermanagement, Ton, Video, Beamer etc., Logistiker, Hostessen und und und!

 

Für jeden genannten Spezialisten gibt es weitere TOP-Kollegen, die ich nennen könnte. Nicht zu vergessen die Vielzahl von professionellen Eventagenturen. Diese helfen Unternehmen Ziele für ihre Live-kommunikation zu definieren, Botschaften wirkungsvoll zu transportieren, Shows zu entwickeln und neben erinnerbaren Momenten auch die gesamte Logistik für Events zu stammen. Chapeau!

 

Es wird ersichtlich, wie komplex, vielschichtig und diversifiziert Events mittlerweile funktionieren. Natürlich gibt es ein breites Spektrum von Anbietern mit sehr unterschiedlichem Qualitätsanspruch, Kompetenzen und Erfahrungshorizonten. Aber: viele der Berufsgruppen in der Eventbranche können gar nicht klassisch erlernt werden, sondern entstehen aus bunten Lebensentwürfen von Menschen, die über mehrere Stationen nach und nach die notwendigen Qualifikation sammeln.

 

Eventbranche

Die Eventbranche lebt von Spezialisten und Teamarbeit // Teamfoto: Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, IMG

 

 

 

Warum ich meinen Job als Eventregisseur und Konzeptioner liebe

 

 

Love what you do and do what you love. Don’t listen to anyone else who tells you not to do it. You do what you want, what you love. Imagination should be the center of your life.” ― Ray Bradbury

 

 

Um es persönlich zu machen: ich liebe meine Aufgabe als Regisseur und Konzeptioner in der Eventbranche. Gemeinsam in großartiger Teamarbeit fügen sich die Einzelrädchen bei Events zusammen und ergeben diese großartigen Momente, in denen Mensch und Marke aufeinander treffen und bleibende Eindrücke erlebt werden.

 

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind enorm. Die Vielfalt der Locations und die damit verbundenen Reisen an unterschiedlichste Orte erlauben immer wieder den Blick über den Tellerrand. Der hohe fachliche Anspruch in allen Bereichen in Deutschland ist exzeptionell (im Vergleich zu anderen Ländern) und erlaubt exzellente Arbeitsergebnisse.

 

Im Vergleich zu der Fernsehbranche, in der ich ursprünglich gelernt habe, empfinde ich Events als ehrlicher und direkter. Es geht nämlich wirklich um das Publikum vor Ort und nicht um ein manipulatives Mittel zum Zweck (Animateur: jetzt klatschen!). Besonders begeisternd wird es, wenn:

 

• …Eventmacher eine Extrameile mit dem Kunden gehen, um großartige Ideen mutig auf den Punkt zu bringen.
• …es gelingt diese Botschaften durch gekonnte Inszenierung und spannende Perspektivwechsel zu kommunizieren.
• …dadurch echte Begegnungen ermöglicht werden, in angenehmer Atmosphäre, in denen Gäste sich wohlfühlen, netzwerken und austauschen.
• …Neues entdeckt wird, tiefere Weisheiten weitergegeben und an Wissen partizipiert werden kann (ich denke da an TED).
• …die Kreuzung von Ideen & Innovation stattfindet, die Arbeit vereinfacht und Wirtschaft bzw. Gesellschaft erneuert.
• …Menschen vielleicht sogar Erlebnisse machen, die ihr Leben transformieren.
• …Interaktion mit dem Publikum, überraschende Unterhaltung und ehrliches Miteinander gelingt.

 

 

Letztlich muss ich auch sagen, dass die Kommunikations- und Problemlösungswilligkeit in Eventteams aus meiner Sicht höher ist, als innerhalb von Konzernen. So wird effizient ein Mehrwert geschaffen. Ok, das bedeutet oft viele Arbeitsstunden – aber wenn dann alles auf den Punkt kommt… Einfach herrlich!

 

 

Frage: Was macht die Eventbranche für dich aus? Was liebst du, was würdest du sofort abschaffen?

 

Teamführung im Eventmanagement

Teamführung im Eventmanagement // Johanne Kläger erklärt wie es gelingt

 

 

Worauf kommt es bei Events an? Vor allem gute Teamführung. Das ist aus meiner Sicht DER Schlüssel im schnelllebigen und agilen Eventgeschäft.

 

Auf der Suche nach guten Impulsen habe ich nichts brauchbares finden können. Deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Den Anfang der Serie macht die erfahrene Projektleiterin Johanne Kläger, die mittlerweile als Coach und Supervisorin arbeitet:

 

 

Gute Teamführung im Eventmanagement

 

In der Eventplanung ist es oft dasselbe. Die durchführende Agentur stellt ein Team für die Durchführung eines Events zusammen. Meist ist es ein Mix aus internen und externen Mitarbeitern und selten von dem Projektleiter selber zusammen gestellt. Wider Willen werden Menschen zusammen gewürfelt, die ein gemeinsames Ziel haben: ein bestimmtes Event für einen Auftraggeber und das teilnehmenden Publikum erfolgreich umzusetzen.

 

Wenn der Projektleiter Glück hat, dann kennt er ein Teil des Teams oder kann auf die Besetzung wichtiger Positionen bestehen. Doch gerade auch in der Zusammenarbeit der Gewerke, wie Technik, Catering, Dekoration, Bühnenbau, Videotechnik, Entertainment etc. wird selten ein Event ohne Ausschreibung vergeben. Das heißt der verantwortliche Projektmanager muß damit leben, was ihm an Spezialisten zugeteilt wird.

 

Und somit ist das schon die erste Kunst in der Teamführung: er (der Einfachheit halber schreibe ich nachfolgend von der männlichen Form, wobei selbstverständlich die weiblichen Projektleiterinnen einbezogen sind) muß ein Team formen, die Regeln der Kommunikation festlegen, die Standards seiner Ansprüche bekanntmachen. So haben alle die Chance zu wissen, was seine Anforderungen und Ansprüche sind und damit natürlich auch die des Kunden.

 

 

Ich habe festgestellt, dass das A und O einer konstruktiven, gelungenen Teamführung aus folgenden wichtigen Elementen besteht:

 

•   Kommunikation
•   Struktur
•   Klarheit und Präsenz
•   Transparenz
•   Humor

 

 

Ich habe immer wieder festgestellt, wenn ein Team nicht zusammen wächst, zu viele Fehler macht oder sich zu viele Überstunden anhäufen, es häufig an der mangelnden Kommunikation liegt. Eigentlich ist Kommunikation der Oberbegriff und der Rest gliedert sich darunter.

 

 

Kommunikation ist der Schlüssel

 

Von Anfang an ist es wichtig, dass der Projektmanager Strukturen und Rituale einführt, wo der Wissensstand aller Beteiligten, das Status Quo und die to-do Listen regelmäßig abgeglichen werden. Das können regelmäßige Team-Meetings sein. Es sollte pro Themengebiet, Gewerk und Leistungspartner der jeweilig Verantwortliche mit am Tisch sitzen oder per Skype beziehungsweise Telefonkonferenz hinzu geschaltet sein, sofern nicht anders möglich.

 

Damit in den Meetings nicht kostbare Zeit vergeudet wird, sollte der Projektmanager vorab eine Agenda herum schicken. So kann sich jeder darauf vorbereiten und auch offene Fragen mitbringen. Der Fortschritt eines Bauabschnitts beziehungsweise Themas wird besprochen und alle beteiligten Leistungspartner sollten entweder ihre Aufgabe bis dahin erledigt haben oder gut begründen können, warum es zum Beispiel Verzögerungen gibt.

 

Wichtig für ein gut kooperierendes Team ist ebenfalls, dass jedes beteiligte Teammitglied sehr genau weiß, was es zu tun hat und was von ihm erwartet wird. Immer wieder gibt es Schnittstellen (wie zwischen Veranstaltungstechnik und Dekoration oder Catering). Hier muß der Teamleiter sehr genau darauf achten, ob die Schnittstellen bewußt sind und wer welchen Part übernimmt. Probleme vor Ort gibt es immer dann, wenn nicht darüber gesprochen wird und jeder „denkt“, es macht der andere…

 

Auch halte ich es für wichtig, dass die Kommunikationswege im Vorfeld und auch während der Veranstaltung besprochen und eingehalten werden. Wer gibt wem welches Signal weiter? Wer berichtet wem welches Problem? Wer ist derjenige der final das Signal für den Einlass der Gäste gibt?

 

 

Mit der Kommunikation ist eng die Struktur verknüpft:

 

• Wann finden welche Meetings mit welchen Personen statt?
• Gibt es nach jedem Meeting für alle Beteiligten ein Protokoll?
• Wie werden die Wünsche und Botschaften des Kunden an die Teammitglieder transportiert?
• Muß tatsächlich jeder alles wissen?
• Gibt es eine Kontaktliste von allen beteiligten Leistungspartnern?
• Ist das Timing (Konzeption, Planung, Aufbau, Veranstaltung, Abbau) mit allen Beteiligten abgestimmt und als realistisch abgesegnet?
• Weiß jeder, wofür er selbst verantwortlich ist und wofür nicht?
• Weiß jeder, an wen er sich wenden kann, wenn es Herausforderungen gibt (nein, nicht immer an den Projektleiter oder an den Kunden)?
• Sind Schnittstellen geklärt?
• Gibt es einen Plan B (für den Fall der Fälle)?

 

 

Und klar ist auch, dass gelungene Teamführung natürlich immer wieder mit von Person des Teamleiters abhängt. Gemeint ist damit, seine Charakterstärke, seine Präsenz, seine Klarheit und seine Fähigkeit zu delegieren. Es bedarf tatsächlich vielseitige Talente, um ein großes oder auch kleines Team gut zu führen. Je klarer der Projektleiter weiß, wohin er will, welches Budget er hat, was die Botschaften seines Kunden sind, was die Stärken und Schwächen seiner Teammitglieder, was seine eigenen Stärken und Schwächen sind, desto erfolgreicher wird er mit seinem Team sein.

 

Teamführung EventmanagementTeamführung – der Schlüssel für gute Ergebnisse // Foto: André Wirsig

 

 

Eigenverantwortung stärken, Teammitglieder herausfordern

 

Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, die Eigenverantwortung von einzelnen Teammitgliedern im internen Team (Agentur) und die der Leistungspartner so weit wie möglich zu stärken und sich selbst zu überlassen. Je eigenverantwortlicher und selbständiger Menschen arbeiten können, umso erfolgreicher sind sie meist. Heißt, wenn es Spezialisten gibt, Meister in ihrem Gebiet, dann sollte man ihnen auch die Möglichkeit geben, dass zu zeigen und entsprechende Vorschläge machen zu lassen. Ich als Projektleiter spare Energie, wenn ich auf die Expertise der Mitarbeiter baue und darauf vertraue, dass sie mir in ihrem Bereich (Show, Entertainment, Licht, Ton, Bühnenbau, Dekoration etc.) ihre bestmöglichen Vorschläge unterbreiten. Natürlich bedarf es dafür seitens des Projektleiters ein herausragendes Briefing, in welchem die Rahmendaten und die Wünsche des Kunden, genauestens mitgeteilt werden.

 

So können nicht nur die externen Leistungspartner, sondern auch die internen Teammitglieder (Guestmanagement, Hostessen, Konzeption, Logistik etc.) bestens arbeiten. Dazu bedarf es aber seitens des Projektleiters ein Grundvertrauen, dass es seine Leute schon machen. Wenn er das nicht hat, dann funktioniert die Vorgehensweise nicht. Logisch. Dann hilft es aber gemeinsam mit dem entsprechenden Verantwortlichen daran zu arbeiten, dass diese möglichst bald eine gemeinsame Sprache sprechen.

 

Eine Fähigkeit des Teamleiters gegenüber seinem Team ist tatsächlich unmittelbare Transparenz zu vermitteln. Sei es inhaltlicher, struktureller oder finanzieller Art. Hat der Kunde beispielsweise wesentliche Änderungswünsche gelten die umgehend kommuniziert. Ist es dem Teamleiter selbst wichtig, in einer bestimmten Art und Weise zu arbeiten, dann sollte er es seine Leute unbedingt wissen lassen. Will er bestimmte Angebote oder Rechnungen auf eine bestimmte Art und Weise gegliedert haben, hilft es vorab dies zu verkünden. Gibt es Budgetkürzungen oder Erhöhungen, sollte er es unbedingt sofort weiterleiten. Weiß er, dass sein Kunde etwas besonders mag oder nicht mag, dann sollten dass seine Leute auch wissen. Denn je transparenter und klarer er arbeitet, umso einfacher wird es seinem Team fallen, das gemeinsame Ziel der gelungenen Veranstaltung zu erreichen.

 

Und natürlich wird es immer wieder vorkommen, dass Leistungen nicht so erbracht werden, wie gewünscht, dass Fehler passieren, dass Mitarbeiter überfordert sind oder man schlichtweg mit jemand nicht klar kommt. Auch hier hilft relativ einfach und klar, es diplomatisch, freundlich, klar und bestimmt anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Vor Ort hilft tatsächlich auch manchmal nur eine „Ansage“ zu machen, nämlich dann, wenn weder Zeit noch Spielraum da ist. Dann muß der Projektleiter, entweder auf Empfehlung, oder selbst entscheiden, was zu tun ist. Denn letztendlich trägt er die Verantwortung.

 

 

Fazit: Teamführung mit Humor und Freude einsetzen

 

Es gibt sicher viele Punkte, von der eine gelungene Teamführung abhängt. Und ganz viel ist sicher auch Erfahrung. Ich habe mich auf die, aus meiner Sicht, Wichtigsten beschränkt. Und letztendlich dürfen auf keinen Fall der Humor und die Freude an der Arbeit fehlen. Denn es läuft einfach leichter, wenn man in dem größten Stress immer noch weiß, dass einem die Arbeit riesige Freude macht und wenn man einfach zwischendurch mal wieder lachen kann. Das entspannt, entzerrt vielleicht manch hochgeladene Situation und macht letztendlich die Arbeit leichter.

 

In diesem Sinne, viel Spaß bei der Arbeit!

 

 

Teamführung im Eventmanagement Johanne KlägerJohanne Kläger ist als Coach, Supervisorin (DGSv) und Dipl. Sozialpädagogin für Einzelne, Teams und Familien tätig. Bis 2012 hat war sie als Projektmanagerin im Bereich Events für nationale und internationale Events 15 Jahre lang unterwegs. Die gewonnenen Erfahrungen kann sie heute erfolgreich in ihrem vielfältig entwickelten Tätigkeitsfeld weitergeben. Infos: www.johanneklaeger.de

 

 

Frage: Worauf kommt es bei guter Teamführung aus deiner Sicht an?

 

Pssst! Hört zu. Dann klappt’s auch mit dem Event-Marketing.

Event-Marketing im Aufschrei // Wir müssen endlich erwachsen werden! – ein Plädoyer für mehr Konstruktivität

 

 

 

Im Januar veröffentlichte brandeins den Branchenreport Agenturen. Die Kritik aus der Eventecke scheint nicht abzureißen. Peter Blach (neben vielen anderen) ergießt sich über diesen „Blödsinn“ im BlachReport Editorial:

 

 

 

 

Ich gebe zu: Gut gebrüllt Löwe – das ist reißerisch und prosaisch geschrieben. Bei aller gerechtfertigten Kritik an der unqualifizierten Vermischung in dem Ranking von Eventagenturen mit Technikdienstleistern (dabei wundere ich mich, wer eigentlich wem immer wieder vor Ort den Allerwertesten rettet…):

 

 

Wo bitteschön sind denn die Orientierungshilfen, die mich als Marketingverantwortlichen eines Unternehmens bei der Entscheidung für einen Dienstleister in der Live-Kommunikationsbranche informieren?

 

 

Denn genau das ist doch der Zweck eines solchen Rankings. Der Kundennutzen des Heftes ist Orientierung im Dschungel der vielfältigen Versprechen von Marketingleuten und Agenturen. Darüber hinaus zeigt es auf, wie es bei Agenturen intern zugehen muss. Das schafft doppelte Transparenz – danke dafür, brandeins!

 

 

Endlich transparenter und konstruktiv miteinander arbeiten

 

Nehmen wir mal den FAMAB Branchenaward. Viele der teilnehmenden Agenturen schaffen es noch nicht einmal, ihre Idee und das Konzept hinter den eingereichten Events in den Award-Videos zu erklären. Genau so geschehen im November 2014 in Essen. Was das mit Kreativität oder gar wirkungsvollen Events zu tun haben soll, frage ich mich heute noch. Die Hälfte der Videos hat nur schöne Bilder von Events gezeigt, ohne jeden erklärenden Sprechertext. Da wundert mich die undifferenzierte Lobhudelei in der Branche kein bißchen. Schon gar nicht, dass sich jetzt alle missverstanden fühlen. Ist doch eigentlich alles ganz anders, ihr versteht uns nur einfach nicht…

 

So klingen Teenager.

 

Wissen Leute da draußen eigentlich was Event-Marketing leistet? Wir müssen als Branche besser kommunizieren, was wir machen – so, dass es die Entscheider da draußen auch richtig verstehen. Wäre das für Kommunikations-Experten nicht ein Kinderspiel? Scheinbar nicht, sonst hätte brandeins wohl auch keine Mühe gehabt, einen besseren Autoren oder andere Bewertungen zu unserer Branche einfangen zu können. Warum also lamentieren?

 

Wir müssen endlich erwachsen werden und erklären, was wir in der Live-Kommunikation tun und warum das den Kunden nützt.

 

Nicht alles ist schlecht, nein sogar vieles sehr gut. Mir fallen da gleich mehrere Beispiele ein: Agenturen wie Oliver Schrott Kommunikation, pro eventMattCircus, Einzelpersonen wie René Elberfeld, Andreana Clemenz, Christian Kohlmann, die MasterClass Event, der eveosblog, die Münchener Initiative, der MICE Club Live sowie viele, viele andere – samt derer, die ich einfach noch nicht kenne… Wir müssen nur mehr Lernkurven und Ideen in den Vordergrund stellen – ohne dabei die exzellente Logistik zu vernachlässigen. Es ist ein Umdenken notwendig, ein #shift eben.

 

 

Offensichtlich scheint es aber schwer, die Event-Branche zu fassen. Dabei ist sie ja auch immer noch im Entstehen. Es würde an uns liegen, aufzuzeigen, welche Lösungen wir für die Welt da draußen zu bieten haben. Vielleicht sollte es dabei mehr um Ziele und deren Wirkung gehen, die wir messbar machen. Diese dienen auch als stichhaltige Argumente gegenüber unseren Auftraggebern für mehr Etat. Besser jedenfalls als noch eine Award-Auszeichnung…

 

So sorgt man für Vertrauen, mehr Umsatz und steigende Bedeutung im Marketing-Mix.

 

Nicht mit diesen Kommentaren, die einfach nur Energie verschwenden und ein Gefühl der Wir-sitzen-alle-in-einem-Boot-und-keiner-versteht-uns-Mentalität suggerieren.

 

 

Event-Marketing muss über den eigenen Tellerrand blicken

 

Zurück zum Inhalt. Da habe ich jedenfalls durchaus spannende Gedanken in dem Heft entdecken können: Wir müssen endlich breiter denken, obwohl wir hoch spezialisiert arbeiten. Das ist für mich die Aussage des Heftes und diese Philosophie ist noch längst nicht Realität im Event-Marketing. Die Kritik an Kommerzialisierung und Methode des Rankings ist sicher nicht ganz unberechtigt, aber das Heft kann sehr viel mehr, als nur noch ein weiteres Ranking sein.

 

Was uns Event’lern fehlt, ist der Blick über den Tellerrand. Events als Taktgeber für die Verbreitung von großartigen Ideen und überzeugende Markenerlebnisse nutzbar zu machen (wie es uns Red Bull vormacht), das sehe ich noch viel zu selten. In die Kreation von Geschichten zu investieren, sollte unsere Devise sein. Sinnhaftige Erlebnisse mit Relevanz werden sich dann automatisch auf allen Kanälen verbreiten.

 

 

Bevor ich ins Träumen gerate: Da war ja noch die Kritik zum 3.500 EUR teuren Ranking-Siegel „Beste Agentur 2015“, wie sie bei Texter gesucht moniert wird. Tja, es obliegt doch jeder Agentur selbst, ob sie die Auszeichnung verwenden möchte oder nicht. Und was bitteschön sind schon 3.500 EUR Budget für eine Eventagentur als absetzbare Werbekosten?

 

Außerdem: Welche der TOP-Kreativagenturen hat ihre famosen Erfolge nicht in Form von Award-Trophäen in die Emailsignatur inkludiert? Seien wir doch ehrlich: darauf stehen Agentur-Leute. Das schafft den vermeintlichen Wert. Es stiftet Identifikation und lässt so manche Brust schwellen. Aber wie diese Award-Rankings zusammen gestellt wurden – da kann man ein noch größeres Fragezeichen dran setzen als bei brandeins.

 

Da sind wir wieder beim Thema Vertrauen. Denn darum geht es doch, wenn wir als dienstleistende Agenturen Unternehmen in ihrer Live-Kommunikation beraten wollen. Das schafft das brandeins Ranking für mich wesentlich besser als jedes andere Branchenranking. Denn diese Statistik wurde aufgrund der Empfehlung von Menschen aus der Branche erhoben. Wenn Agenturmitarbeiter Namen von anderen Eventagenturen nennen sollen und da eine ganze Reihe eben gar nicht auftaucht, ist das auch eine Botschaft an entsprechende Agenturen, sich zu positionieren (oder auch andere Arbeitsweisen zu kultivieren).

 

Und genau um diese Gespräche sollte es vielleicht mehr gehen, als um Awards. Um die Lieblingsthesen von Helge Thomas aufzugreifen: Menschen statt Märkte. Gespräche statt Botschaften. Vertrauen statt Werbung. Diese Gedanken entspringen den 95 Thesen des Cluetrain-Manifest – die erste davon lautet: Märkte sind Gespräche.

 

 

Fazit: Für mich läuft es auf die Frage hinaus, ob wir diese Steilvorlage als Chance begreifen oder weiter rummeckern. Wenn wir nicht endlich besser zuhören, was die Menschen da draußen wollen und konstruktiv reagieren, dann haben wir wieder nichts gelernt.

 

Pssst! Hier kommt das Geheimnis: Menschen in den Blick nehmen. Gespräche intensivieren. Vertrauen schaffen. Gute Ideen entwickeln. Unvergessliche Momente kreieren. Erreichte Ziele messen. Gäste wie Kunden überzeugen. Dann klappt’s auch mit dem Event-Marketing. Und einer anderen Wahrnehmung als die der „Butterfahrt-Branche“.

 

 

Anderer Meinung? Dann sag es mir bitte unterhalb.

 

PS: Der Vollständigkeit halber hier ein Loblied auf die Eventbranche und warum ich gerne in ihr arbeite!

 

 

Eventregie – worauf kommt es an?

Nach unzähligen Shows und erfolgreicher Corporate Events möchte ich gerne meine Erfahrung in der Eventregie weiter geben. Aus meiner Sicht kommt es dabei auf drei Prinzipien an:

 

 

1) Kommunikation – und zwar ständig: zwischen der Agentur und den Projektverantwortlichen im Vorfeld, den Akteuren und Rednern auf der Bühne, sowie in der Umsetzung mit dem Technikteam und allen weiteren Beteiligten. Dies auf der Produktion vor Ort alles möglichst gleichzeitig, freundlich, bestimmt und schnell. Dann kommt auch alles wie gewünscht auf den Punkt.

 

2) Präzision – eine genaue Vorstellung von dem zu haben, wie alles am Ende aussehen soll. Natürlich mit aller Kreativität – aber diese muss ja nicht erst vor Ort entwickelt werden. So können die einzelnen Programmpunkte zügig eingerichtet werden, wohl wissend was dies für die einzelnen Gewerke bedeutet und mit maximalem Nutzenfaktor der verfügbaren Ressourcen. Präzision ist dann ebenso das Stichwort beim eigentlichen show calling – dies sorgt für Verlässlichkeit, Klarheit und damit Sicherheit.

 

3) Ruhe bewahren – Veranstaltungen sind immer aufregend – aber mit mir in der Eventregie nicht stressig, zumindest nicht für Sie. Von Anfang an war es schon als Aufnahmeleiter bei TV Shows meine Maxime, gut organisiert und mit einem kühlen Kopf zu leiten. Das hat sich bewährt und ist zentral für die Eventregie.

 

 

Eventregie – ohne Teamwork geht gar nichts

 

Letztlich kaufen Event-Agenturen meine Fähigkeit als Regisseur ein, um Sicherheit zu gewinnen. Mit mir können Sie sich sicher sein, dass die Veranstaltung so läuft, wie geplant: reibungslos. Meine Regieleistung kommt dabei immer auch mit einer Vision und Zielrichtung einher. Es ist für mich essenziell, zu erfassen, was Sie mit der Show inhaltlich erreichen wollen und gemeinsam können wir dann ein präzises Bild entwickeln, das mit meiner  umgesetzt werden kann. Meinen Führungsstil würde ich als kooperativ beschreiben – weitergehende Gedanken dazu hier.

 

Kurzum: Gerne begleite ich die Eventregie Ihrer Veranstaltung routiniert und innovativ zugleich. Als Experte für Corporate Events habe ich große Freude dabei, all diese Aspekte in immer wieder neuen Konstellationen zu realisieren. Mit meinem Interesse magische Momente zu kreieren und starke Ideen zu katalysieren, bin ich mir bewusst, dass gut geleitetes Teamwork zentral für den Erfolg ist und immer gewinnt.

 

 

Haben Sie Fragen oder wünschen Unterstützung für wirkungsvolle Live-Events? Kontaktieren sie mich einfach. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen! Erfahrungswerte und praktische Beispiele meiner Eventregie Expertise finden sich beim IAA 2011 Projekt sowie der IAA 2013.

 

 

Weiteres Lese-Interesse? Dazu folgende drei Linktipps:

Wie schreibe ich einen Regieplan? // Eine Muster-Vorlage gibt es hier!

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

Meine Top 20 Beiträge auf diesem Event Blog

 

 

Eventregie Chris Cuhls - Teamfoto Atelier Markgraph @ Daimler IAA 2013

Team Atelier Markgraph auf der IAA 2013 für Daimler // Danke Helge Thomas für das Aufmacher-Bild!

 

 

Um regelmäßig Inspirationen für die Arbeit in der Live-Kommunikation zu erhalten, tragen Sie sich in meinen Newsletter ein oder besuchen Sie mein Facebook Profil

 

Event Trend 2015: 23 Experten zur Live-Kommunikation

Event Trend 2015: Inhalte, Geschichten, Authentizität // Foto: ©iStock.com/jamesjames2541

 

 

Zum Jahreswechsel habe ich 23 Eventgestaltern die ein und selbe Frage gestellt: Welchen eine/n Trend, Herausforderung oder Möglichkeit siehst du für 2015, der den stärksten Einfluss auf die Live Kommunikation haben wird? Die Trend-Einschätzungen für 2015 in Reihenfolge des Eintreffens:

 

 

 

23. Max Hassemer, Geschäftsführer DREINULL:

 

Veranstaltungen werden noch deutlich weiter auf die Kommunikation der Besucher über ihre persönlichen sozialen Netzwerke ausgerichtet werden. Kredibles Multiplikatoren-Marketing schlägt Presseclipping und Mediaäquivalenzwert. Richtig spannend wird das auch erst, wenn neue Methoden zur Messbarkeit der Erfolge auf sozialen Netzwerken auftauchen…

 

 

22. Jörn Huber, Geschäftsführer pro event live-communication:

 

Der stärkste Trend 2015 wird das Ende des „Kanaldenkens“ sein. Es ist nicht entscheidend, ob Live-Kommunikation, Online-Marketing, Social Media oder klassische Werbung. Erfolg bedeutet 2015, mehr denn je, starke und authentische Geschichten zu entwicklen und dann erst zu entscheiden, auf welchen Wegen sie in welcher Form die größte Aufmerksamkeit des relevanten Marktes bekommen. Unternehmen werden lernen müssen, erst in die Kreation der Geschichte zu investieren und dann erst Budgets auf Kanäle zu verteilen und diese klug miteinander zu vernetzen. Nicht umgekehrt. So entstehen endlich Synergien zwischen klassischen Kampagnen, Online, Social Media und Live-Kommunikation. Das spart nicht nur jede Menge Budget. Es erhöht vor allem die Wirkung um ein Vielfaches. Medium follows Content.

 

 

21. René Elberfeld, Creative Consulting:

 

Die Nutzung von digitalen Tools, wie z.B. „Augmented Reality“ in Event und auf Messen als aktives „Mitmacherlebnis“ müsste ein noch stärker Trend werden. Gäste & Konsumenten bekommen die Möglichkeit tief in Markenwelten eintauchen und aus eigenem Blickwinkel das persönliche Erleben zu steuern und mit Anderen zu teilen. Digital ist ein Trend – Fakt: Wir alle müssen darauf achten, dass aber das reale körperliche Zusammenkommen, das Erleben in Gemeinschaft – der analoge Austausch Face to Face untereinander auf unseren Veranstaltungen nicht verloren geht. Es muss Live bleiben. Wir müssen sinnvollen Chancen nutzen die uns das Digitale gibt. Vor allem müssen wir aber die Konsumenten dabei zu aktiven Mitmachern machen. Da ergebe sich auf Messen und Event ganz andere Möglichkeiten, Informationen zu verpacken, Image zu entwickeln oder ganze Räume zu verändern.

 

Gegen den Trend wünsche ich mir persönlich Live Erlebnisse die so spannend sind, dass wir mit den Gästen für Augenblicke das Internet vergessen können, verpassen Fotos zu machen und das Telefonieren auch nicht vermissen. Die Hände „SmartphoneFrei“ haben, um mal wieder herzhaft klatschen zu können.

 

 

20. Christian Kohlmann, Konzeption und Regie:

 

Ich denke, dass das Thema „Storytelling“ immer wichtiger wird. Je mehr das Tempo, die Beschleunigung durch Digitalisierung zunimmt, desto mehrt wollen die Menschen wieder Geschichten er-Leben. Das Wort Inszenierung (von griechisch σκηνή, skene: zu Deutsch eigentlich „Zelt“) beinhaltet Zeit. Und ich behaupte entschleunigte Zeit.

 

 

19. Christoph Bovenkerk, Unternehmenskommunikation Party Rent Group:

 

Auch 2015 zählen einfache, aber gut durchdachte Ideen! Live-Kommunikation muss sich noch stärker der Herausforderung stellen, Inhalte zu generieren, die individuell ansprechen, begeistern und Interaktion fördern. Als einer der primären Content-Lieferanten fürs Social Web werden Events so ihren Status im Marketing-Mix behaupten und weiter ausbauen können. (Perfektes Beispiel für mich: ‚Share a Coke’-Kampagne von Coke, Content-Marketing allerhöchster Güte!)

 

 

18. Cristián Gálvez, Keynote-Speaker:

 

Noch mehr „bei Sinnen sein“ durch bewusste Reduktion auf den wesentlichen Faktor der Face-to-Face-Kommunikation: den Menschen. Starke Persönlichkeiten, authentische Momente und brillantes Storytelling. Menschliche Größe siegt über große Technik.

 

 

17. Stefan Schulze-Hausmann, Journalist und Initiator Deutscher Nachhaltigkeitspreis:

 

Megatrend der Live-Kommunikation wird Relevanz werden. Zunehmend werden guter Umgang mit Zeit und Ressourcen zählen, der Verzicht auf Überflüssiges und die Betonung von sich aus Content speisendem Mehrwert gegenüber „Unterhaltungswert“. Es geht nicht ohne einen angenehmen Rahmen, ein unangemessenes Maß an Brimborium wird jedoch nicht mehr hingenommen. Dies gilt für fast alle Arten der Live-Kommunikation, ggf. mit Ausnahme klassischer Incentive- oder Mitarbeiterevents, bei denen die Streicheleinheit und der Motivationsschub im Mittelpunkt stehen ;-).

 

 

16. Dirk Kielhorn, Leiter Messen und Ausstellungen Mercedes-Benz Cars:

 

Unser Alltag wird 2015 noch stärker durch eine reaktive, intelligente Umgebung geprägt sein: Smart Phones, Smart Watches, Smart Home. Dieser Trend wird auch immer stärker Einfluss nehmen auf Live-Kommunikation im Raum. Auch hier erwartet der Besucher eine intelligente Umgebung die es ihm ermöglicht in Echtzeit am Geschehen teilzunehmen. Die dafür erforderliche Infrastruktur zu schaffen, so dass Inhalte interaktiv und selbstständig erschlossen werden können, ist für mich ein der größten Herausforderungen!

 

 

Event Trend 2015 Lichtdesign Runway Mercedes-Benz Fashion Week BerlinBegegnung von Mensch und Marke auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin // Foto: Detlev Klockow, PRG

 

 

15. Anke Langhardt, Unitleitung Event TRIAD Berlin:

 

Die Grundlage um in einer schnelllebigen und übersättigten Zeit die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu gewinnen sind Kommunikationswerkzeuge, die Teamwork, Spieltrieb und Ideenfindung stimulieren. Es kommt auf Partizipationsplattformen an, die den Teilnehmern das Gefühl vermitteln, etwas Wertvolles beizutragen und ein nicht-wiederholbares Moment zu erleben.

 

 

14. Cedric Ebener, Geschäftsführer CE+Co:

 

Echte Erlebnisse kreieren und diese gewinnbringend zu kommunizieren ist heute wertvoller denn je: Acht der zehn meistausgezeichneten Kampagnen 2014 basieren auf Live-Erlebnissen. Die größte Herausforderung in der Live-Kommunikation besteht also darin, endlich aus dieser „Live-Nische“ in das Zentrum des Bewusstseins der Entscheider, in das Zentrum der Budgetaufteilung und in die Lead-Position der großen Kampagnen zu rücken. Wer das hinbekommt wird mit den Awards der nächsten Jahre und mit den Kunden der nächsten Jahrzehnte belohnt.

 

 

13. Katharina Falkowski, Geschäftsführung und Redaktion eveosblog:

 

Ich denke, dass eine aktuelle Herausforderung darin liegt, dass Veranstaltungen teils sehr viele verschiedene Komponenten haben (können): interaktive Workshops, Vorträge, Social Media Aktionen, Event-Apps, Live-Abstimmungen, Gamification, Networking, vorher, währenddessen und nachher… 2015 wird oder sollte man anfangen, sich bewusst und gezielt zu konzentrieren – auf schlichtere, „echtere“ und ehrlichere Konzepte, die den Mut haben sich auf eine Sache zu fokussieren und auf andere bewusst zu verzichten.

 

 

12. Wolfram Zwanziger, GF und Motion Designer zwonull:

 

Die größte Herausforderung ist immer, Vertrauen zu gewinnen. Nur wenn wir als Designer Freiräume haben, können gute Ideen zu richtig guter Gestaltung werden. Das bleibt auch in 2015 Thema.

 

 

11. Matthias Kindler, Geschäftsführer MASTERCLASS Event & Marketing:

 

Sinnhaftigkeit“ – Trend, Herausforderung und Chance in einem. Der getanzte Produktvorteil muss endlich sterben, denn er hat Event-Besucher schon viel zu lange gelangweilt und zu gefährlicher Event-Müdigkeit geführt. Klar, wer will schon zum 8ten Mal einen „Strapaten-Künstler“ von der Decke abgeseilt sehen. Das bringt nichts, am wenigsten für die Unternehmen die es bezahlen. Event-Besucher erwarten sinnhafte Erlebnisse mit Relevanz. Inszenierungen, die nicht nur unterhalten sondern auch den Intellekt fordern und gemeinschaftliche Ereignisse liefern. Das ist ein Trend an dem man in 2015 nicht mehr vorbei kommt.

 

 

10. Annette Beyer, GF und Studienleitung treibhaus 0.8:

 

Corporate und Mitarbeiter-Events stagnieren auf hohem kreativen Niveau. Da nicht viel Neues zu erwarten ist, gucken die Unternehmen NOCH strenger auf`s Geld. Die Kreation bei Messe- und Consumer-Formaten wird explodieren – hoffentlich nicht ohne die Live-Komm-Agenturen.

 

 

9. Markus Voss, Teamleiter Events & Inzentives marbet:

 

Einen wirklichen Trend sehe ich nicht. Uns ist es wichtig, dass jedes Handeln und jede Maßnahme menschlich, nahbar und authentisch ist. Alles Aufgesetzte wirkt nicht und wird schnell vom Konsumenten entlarvt. Ich mache viel Automotive und lese natürlich die Meldungen über die Sparprogramme der einzelnen Hersteller. Inwieweit das bei uns ankommt? Let’s see.

 

 

8. Dominik Deubner, GF DOMSET Live-Kommunikation:

 

Auch in 2015 wird der Stellenwert der Mitarbeiterkommunikation in Unternehmen weiter zunehmen. Im kommenden Jahr sehe ich das Thema „Corporate Responsibility“ aus ganzheitlicher Sichtweise der unternehmerischen Verantwortung im Fokus der Kundenanfragen.

 

 

Event Trend 2015 Foto: André WirsigQuo vadis Live-Kommunikation?! // Foto: André Wirsig

 

 

7. Janina Poesch, Herausgeber und Chefredaktion PLOT Magazin:

 

Ich denke, eine der Herausforderungen wird sein, selbst bei kleinen Events mit guten Konzepten Geschichten zu erzählen, die Besucher damit zu berühren und so auch wieder die Kommunikation live, direkt und vor allem authentisch über das Erlebte anzuregen.

 

 

6. Markus Wilmsmann, Chefredakteur EventElevator:

 

Die Herausforderung wird sein, sich angesichts der mittlerweile fast grenzenlosen technischen Möglichkeiten mit guten Ideen vom Materialschlachtfeld abzuheben. Stephan Aue beweist dies aktuell mit seinem Lichtdesign bei der Bosse Tour.

 

 

5. Thorben Grosser, General Manager Europe Eventmobi:

 

Eventtechnologie, vor allem Event-Apps, werden weiter dran setzen, Veranstaltungen interaktiver zu gestalten und Teilnehmer besser einzubinden und klassische Formate zu überwinden. Daneben glaube ich, dass der vermehrte Einsatz von Facilitators das meschliche weiter in Veranstaltungen zurückholt.

 

 

4. Kai Janssen, Geschäftsführer & Kreativdirektor MATT CIRCUS:

 

Matt hält uns auch 2015 seine 4. Maxime vor Augen: Monumental denken, nicht modisch! Design und Inszenierungen werden viel zu häufig von Trends diktiert – und die gehen.

 

 

3. Bruno Meissner, Geschäftsführer MEISSNER EXPO:

 

Wir halten es für wichtig für die nahe Zukunft, unseren Kunden nahe zu bringen, dass es sich für Events und Messeauftritte lohnt, über „Multi-Sensorik“ und „Story-Telling“ nachzudenken. Unser diesjähriger Impulstag im Wälderhaus in Wilhelmsburg beschäftigte sich mit der praktischen Einbindung und Nutzung aller 6 Sinne in die Messe- und Event-Kommunikation.

 

 

2. Thorsten Herbrand, Geschäftsführer imagepeople:

 

Dominierend wird nach wie vor die Integration bzw. noch stärkere Einbindung von digitalen Medien sein. Ich denke aber, dass sich dadurch auch das Verlangen nach „echten“ Markenerlebnissen mit realen Begegnungen und haptischen Erfahrungen auch noch mehr verstärken wird. Statt überinszenierter Shows sind dabei vor allem Formate gefragt, die mehr die Glaubwürdigkeit und die Authentizität von Marken bzw. Produkten in den Vordergrund stellen.

 

 

1. Vera Viehöfer, Director Live-Marketing EREIGNISHAUS – Live-Marketing:

 

Die älteste Form der Spannung und des Zusammenkommens ist so aktuell wie nie. „Storytelling“ nennt das die Branche, „Geschichten erzählen“ heißt es seit eh und je. Dabei kann man von den alten Geschichten noch etwas lernen. Dort gab es nämlich immer die „Moral von der Geschicht“ – das, was wir heute Message nennen – und diese muss zielgerichtet sein, damit sie ankommt. Die große Herausforderung besteht darin, technische Innovationen, die in der Informationsverarbeitung aus unserem Leben nicht mehr weg zu denken sind, sinnvoll und erlebnisorientiert in die Formate zu integrieren, ohne dabei mit digitalen Brücken Distanz aufzubauen. Denn am Ende ist es doch so: Näher dran ist live dabei.

 

 

 

Fazit: Event Trend 2015 sind Inhalte, Geschichten, Authentizität

 

Persönlich entnehme ich aus diesen Statements den klaren Fokus auf relevante Inhalte, überzeugende Geschichten und Authentizität. Es bleibt die Aufgabe sinnhaftige Erlebnisse mit Relevanz zu kreieren.

Interessant finde ich dabei den Ansatz der Live Campaigns, um Events als Content-Geber der gesamten Unternehmenskommunikation zu nutzen. Für die Konzeption von eben diesen wirkungsvollen Inszenierungen habe ich kürzlich mein eBook „Die 7 Gebote der Inszenierung“ fertig gestellt. Um dieses kostenlos zu erhalten, einfach unten links in meinen Newsletter eintragen.

 

2015 freue ich mich auf weitere unvergessliche Momente, in denen Menschen sich begegnen und Neues entdecken, sowie gute Ideen ausgetauscht werden können. Und vor allem auf gutes Teamwork!

 

 

 

Irgend einen Trend vergessen? Oder anderer Meinung? Ich freue mich auf Deinen Kommentare via FacebookTwitter oder LinkedIn!

 

 

Wie es international um den Event Trend 2015 aussieht:

Eventmanager Blog: Event Industry Trends Report 2015
Ten Transformative Meetings Technology Trends for 2015
Global Meeting Trends: What’s Ahead for 2015 #IMEX14

 

Digitales Konzerterlebnis: 6 Fragen an Robert Gummlich

Digitales Konzerterlebnis: Robert Gummlich zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker

 

 

Den Bildregisseur Robert Gummlich habe ich bereits vor zehn Jahren in Köln kennen gelernt. Uns verbindet neben gemeinsam umgesetzten Medienproduktionen auch die Begeisterung für Live-Musik und ein ähnlicher Anspruch an Arbeitsweisen – fachlich wie menschlich. In den letzten Jahren hat Robert maßgeblich die Live-Übertragung von Konzertmitschnitten der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Digital Concert Hall mitentwickelt (Hintergründe und Informationen zur DCH unterhalb). Zu seinen Erfahrungen und Selbstverständnis als Bildregisseur habe ich ihn befragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an eine gelungenes digitales Konzerterlebnis?

 

Klar ist: Ein persönliches Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Es ist wie beim Kochen: Es selbst zu tun, die Dinge zu berühren und fühlen, zu riechen und schmecken und die gesamte Atmosphäre synästhetisch zu empfinden kann einfach niemals das Gleiche sein wie den gleichen Prozess im Fernsehen zu sehen und zu hören. Die Live-Übertragung, egal ob im Fernsehen oder im Internet, ist dennoch die zweitbeste Möglichkeit, an einem Live-Event teilzuhaben, wenn ich nicht selbst vor Ort sein kann (z.B. weil es zu teuer oder ausverkauft ist, meine Mobilität aus Altersgründen vielleicht eingeschränkt ist oder das Event auf einem anderen Kontinent stattfindet). Mein Ziel für ein digitales Konzerterlebnis ist also, dieses Erleben aus der Beobachter*innenperspektive mit den mir verfügbaren fernsehtechnischen Mitteln so intensiv wie möglich zu gestalten. Und dabei die Inhalte, sprich meine Künstler*innen und die sie umgebenden Räume, möglichst optimal zu präsentieren.

 

Als Beispiel möchte ich kurz beschreiben, wie meine liebste Kritik nach einer Übertragung klingen könnte: „Der Dirigent ist ja unglaublich intensiv gewesen heute, aber als der Hornist sich verspielt hat, hat er kurz ganz schön böse geschaut. Und die junge Sopranistin hat ja sogar in den höchsten Tönen noch ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, als sei da nichts dabei. Ich hatte echte Gänsehaut. Und als sie sich dann verbeugt hat und gelacht hat zum Orchester, da war sie wieder so wunderbar natürlich und gelöst, wie ein junges Mädchen. Vorher wirkte sie so ernsthaft und ganz erwachsen.“
Kein Wort davon beschreibt unsere Kamera- oder Regiearbeit, die Einstellungsgrößen, Schnittfrequenzen, Kranfahrten oder sonstige technische Hintergründe unserer Arbeit. Die Zuschauenden waren im Flow des Events, gefesselt von der Intensität der künstlerischen Leistung auf der Bühne, sogar vor dem Bildschirm. Fast so, als säßen sie selbst im Saal. Das ist das erklärte Ziel meiner Arbeit: Meine Künstler*innen und ihre Leistungen so gut aussehen zu lassen, wie es mir möglich ist. Die Basis dafür ist mein tiefer Respekt vor ihrer Leistung und den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für unsere Arbeit.

 

Noch eine kurze Anekdote zu Zuschauenden, wie ich sie mir wünsche: Bei meiner Arbeit an der Wiener Staatsoper, wo ich im vergangenen Jahr das Streaming-Team aufbauen durfte, ist uns ein ganz besonderer Zuschauer begegnet. Dieser Herr sieht sich nicht nur im Rahmen seines Jahres-Abonnements regelmäßig Opern in der Wiener Staatsoper an (in der Mitte des Parketts auf einem wirklich ausgezeichneten Platz). Er schaut sich regelmäßig ein paar Tage später die gleichen Opern noch einmal im Live-Stream an (wir übertragen dort in der Regel die 3. Vorstellung einer Serie), weil er die Qualität der Tonmischung und die Naheinstellungen und Bildführung der Regie genießt. Offensichtlich gelingt es uns, sein Erleben der Oper mit unseren Übertragungen noch zu intensivieren! Und dieser Herr ist bereit, für dieses Erleben seinen Beitrag zu bezahlen, weil er etwas erhält, was ihm das Fernsehen nie bieten kann.

 

 

2. Worin liegt die Herausforderung am Live-Stream?

 

Die meisten Livestreamings haben kleine Budgets, die nicht mit Fernsehbudgets vergleichbar sind. Dennoch werden die Ergebnisse unserer Übertragung mit professionellen Fernsehproduktionen verglichen. Denn diese haben die Seherfahrung unsere Zuschauenden über Jahrzehnte geprägt. Die Herausforderung besteht also darin, mit einem vergleichsweise kleinen Kernteam (5 – 8 Personen beim Streaming im Vergleich zu 30 – 45 Personen bei der Fernsehübertragung) und reduziertem technischen Aufwand ein vergleichbar intensives Erlebnis zu gestalten. Das erfordert natürlich eine Anpassung unseres gelernten Fernsehhandwerks.

 

Was uns dabei hilft ist die Einbettung der Streaming-Abteilung in die entsprechenden Häuser: Wir sind in Berlin ebenso wie in Wien eine eigene Abteilung und kommen nicht als Fremde zu den Musiker*innen. Weil wir die Abläufe besser verstehen als Menschen, die nur einmal im Jahr in einem Konzertsaal arbeiten, können wir besser Rücksicht nehmen auf die Notwendigkeiten der künstlerischen Abläufe. Und wir werden als Verbündete der Musiker*innen wahrgenommen, wir haben im besten Fall ihr Vertrauen. Denn eines muss man sich klar machen: Jede*r weiß im 21. Jahrhundert aus ungezählten Youtube-Clips, wie schnell man vor der Kamera schlecht aussehen kann, wie gnadenlos genau die Kameras heute hinschauen und hinhören. Das schafft große Unsicherheiten, auch wenn sie nur unterschwellig sind und selten eingestanden werden. Und da wir es mit Künstler*innen der absoluten Weltspitze in einer intensiven Konkurrenzsituation zu tun haben, reichen manchmal schon kleine Nuancen oder Ablenkungen, um die Einmaligkeit und damit schlimmstenfalls auch den Marktwert zu gefährden.

 

Umgekehrt, also positiv formuliert: Unsere Künstler*innen vertrauen uns, dass wir sie bestmöglich aussehen lassen, verstehen und schützen. Daher können sie ein klein wenig entspannter und konzentrierter ihre Leistung bringen als bei einer typischen Fernsehübertragung, die breitschultriger auftritt, die Abläufe stört und nicht im Kontakt mit den Künstler*innen und ihren Bedürfnissen steht. Und damit meine ich nicht nur die Bedürfnisse der großen Solist*innen, sondern auch die einer Tutti-Violine am 8. Pult hinten links. Ich glaube also, bei uns spielen die Künstler*innen ungestörter und daher ist das Geschehen vor der Kamera ein wenig intensiver. Da macht es nicht viel aus, wenn unsere Übertragungswerkzeuge sich den Budgets anpassen müssen. Und das schätzen auch unsere Zuschauenden, denn die bezahlen den Abo-Preis nicht für die Vorführung von neuester Showtechnik oder Kameratypen, sondern für das Erleben einer einmaligen künstlerischen Leistung.

 

 


Digital Concert Hall // Video: Berliner Philharmoniker

 

 

3. Worin liegt der Unterschied zwischen Live-Stream und Fernsehen?

 

Internetstreamings sind in meinen Augen ein Schritt hin zur Demokratisierung von medialen Inhalten, wie man sie schon länger im Journalismus (Stichwort: Blogger) wahrnehmen kann: Die gleichen Menschen, die die (künstlerischen) Inhalte herstellen, können darüber entscheiden, sie weltweit ihrem Publikum anzubieten und den Preis dafür zu bestimmen.

 

Und sie verfügen persönlich über die Verbreitungswege und -mechanismen. Sie sind nicht mehr auf die Beurteilung durch Redakteur*innen oder Produzent*innen angewiesen, die eine riesige, extrem teure Mechanik zur Verbreitung verwalten und Einfluss nehmen auf die inhaltliche Auswahl. Die Entscheidungsstrukturen der Internetstreamings sind wesentlich schlanker und schneller als bei Rundfunkanstalten. Auch werden völlig andere Zuschauerzahlen angestrebt: Das Fernsehen zielt auf ein Millionenpublikum in einem regionalen Raum, für Weltmarken wie die Berliner Philharmoniker ist schon eine Zahl um die 4000 Zuschauer weltweit bei einem Live-Event ein großer Erfolg, denn damit hat sich die Zuschauerzahl an diesem Abend verdreifacht im Verhältnis zum Saalpublikum! Und sie erreichen ein weltweites, geneigtes Publikum wesentlich leichter als der Rundfunk, für den schon ein einziges Projekt, das weltweit gesendet wird (wie eine Fußball-WM oder Olympiade) mit einem Vorlauf von mehreren Jahren Organisationsaufwand und immensen Kosten verbunden ist.

 

Möglich wird dies durch die vorhandene Infrastruktur des Internets, die eine demokratische Distribution möglich macht. Deswegen ist auch für die Verbreitung von Kultur im Internet die Netzneutralität ein höchst wertvolles Gut. Und außerdem werden Internetstreamings möglich durch schlankere, spezialisiertere Produktionsverfahren, die wir nach und nach entwickeln. Wobei hier ein bisschen die Gefahr besteht, dass die Honorare für unsere Arbeit verringert werden, weil es sich „nur“ um ein Internetstreaming handelt und im Moment sehr oft um Pilotprojekte. Das ist aber zum Glück bei meinen Auftraggebern nicht mehr der Fall, die wissen die Qualität der Bildregie auch finanziell zu schätzen. An dieser Stelle einen großen Dank dafür!

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Live-Regisseur zu realisieren?

 

Bevor ich die Frage beantworte, möchte ich gerne mein Verständnis meines Jobs beschreiben. Es gibt Live-Regisseur*innen, die ihre kreative Bedeutung und künstlerische Leistung innerhalb der Produktion sehr hoch bewerten und sich selbst als große Künstler*innen präsentieren und verkaufen. Das führt dann häufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen der Künstler*innen auf der Bühne. Dem möchte ich meine Auffassung meines Berufs gegenüberstellen: Ich glaube, wir üben ein hochintelligentes Handwerk aus (eine Haltung, die ich nicht selbst erfunden, sondern während meiner Assistenz-Zeit von einem in meinen Augen sehr guten Regisseur übernommen habe). Die Künstler*innen stehen bei uns VOR der Kamera, unsere Aufgabe hinter der Kamera ist es, ihre Leistung so gut wie möglich zu verstehen. Wir stehen also im Dienste unserer Künstler*innen. Als Bild dafür verwende ich in Seminaren gerne die Vorstellung von einem Übersetzer, der ein Shakespeare-Sonett ins Deutsche übersetzen soll: Reine Technik (Google-Translator) führt zu überhaupt nichts. Der Übersetzer muss zwei Sprachen in ihrer sprachlichen Tiefe und Schönheit verstehen und einsetzen können und dazu noch Shakespeares Intentionen und Witz! Dennoch ist und bleibt das Gedicht, egal ob in Deutsch oder Englisch, zu jedem Zeitpunkt ein Werk Shakespeares. Die Leistung des Übersetzers für den künstlerischen Genuss wird dadurch aber nicht abgewertet, sondern ist für die deutschsprachigen Lesenden absolut wesentlich und unersetzbar.

 

Jetzt zur Antwort, worauf ich angewiesen bin bei meinem Job. Kurz und knapp: Auf mein Team! Eigentlich gibt es dazu fast nichts mehr hinzuzufügen, so selbstverständlich sollte diese Erkenntnis sein. Denn keine*r macht eine Live-Übertragung alleine! No way, never ever! Ich beiss mir immer auf die Lippe, wenn sich jemand vor mich stellt und sagt: „ICH hab letzte Woche eine Oper übertragen / MEINEN Film auf dem Festival präsentiert“ und denke mir: Tatsächlich? Du hast alle Kabel gezogen, bist die LKWs gefahren, hast alle Kameras aufgebaut, das Licht angeschlossen, das Mikro gehalten, die Listen getippt, die Hotels gebucht, die Künstler*innen betreut, das Catering gekocht undundund…???? Respekt, Kollege, ehrlich…

 

Und gerade während einer Live-Übertragung, bei der nichts „in der Postproduktion gefixt“ wird, sondern alles auf Anhieb sitzen muss, bin ich zu 100% darauf angewiesen, dass jede*r im Team mit voller Konzentration, Leistungsbereitschaft und Begeisterung von Anfang bis Ende dabei ist. In unseren reduzierten Stream-Teams, bei denen jede*r mehrere Aufgaben übernimmt, darf es keine menschlichen oder fachlichen Fragezeichen geben, da bin ich unglaublich sensibel. Und wenn man sich in der Regieposition diese 100%ige Abhängigkeit von seinem Team bewusst macht, relativiert sich die sogenannte Machtposition der Regie sehr angenehm. Ich betrachte sie ohnehin eher als eine – zugegebenerweise zentrale – Rolle innerhalb eines notwendigen Hierarchiegefüges für einen klar begrenzten Zeitraums. Dieses Bewusstsein schützt ganz gut vor Überheblichkeit. Leider keine seltene Erscheinung in unserem Beruf…

 

Und worauf wir natürlich immer angewiesen sind: Auf die Leistung unserer Künstler*innen! Denn wenn diese nicht ihr Potenzial optimal abrufen können, können wir den besten Job der Welt gemacht haben und dennoch bleibt das Gesamtergebnis in der Mittelmäßigkeit. Egal ob wir UHD, HD, 4K, 5.1-Surround, Cinemascope oder sonstige Superlative außen drauf schreiben.

 

 

Digital Concert Hall

 

 

5. Wie hast du dich für dieses neue, einmalige Kamera-Übertragungssystem inspirieren lassen – wie kam das zu Stande?

 

Genau genommen gab es für dieses Kamera-System keine Inspiration, weil es weltweit das erste war, das so eingesetzt werden sollte. Da der Bau des ersten Studios der DCH relativ schnell erfolgen musste (aus Gründen des Sponsorings), waren wir als Regieführende in der Planung auch noch nicht involviert. Und vielleicht war das auch gut so, denn sonst hätten wir wahrscheinlich versucht, an unserem Handwerk festzuhalten. So waren wir schlicht gezwungen, umzudenken oder zu verschwinden: Wir standen vor einem fertigen System, das niemand kannte, mit dem noch niemand Erfahrungen hatte und das eine deutliche Veränderung (und auch Verabschiedung mancher Teile) unserer Arbeitsweise erforderte. Wir waren gefordert, unsere Arbeitsweise neu zu erfinden. Und zu forschen, wo die Möglichkeiten, Vorteile und Grenzen dieses Systems liegen. Immer mit den ästhetischen und qualitativen Kriterien, die wir von unseren Fernsehjobs im Kopf hatten.

 

Da hat mir der Satz meines Klavierlehrers, ein wichtiger Mentor in meinem Leben, geholfen: „Schwimmen lernt man nur im Wasser!“ Damit hat er uns immer auf die Bühne geschickt, wenn wir beim Klassen-Vorspiel Lampenfieber hatten.
Also: Augen zu, oder besser: auf! und reingesprungen. Wir hatten allerdings auch eine Vorlaufphase von einem halben Jahr vor der ersten Liveübertragung, so konnten wir alles Mögliche ausprobieren. Das war ein großer Luxus.
Gleichzeitig kommt uns die Situation auf der Bühne entgegen bei der Verschlankung von Strukturen: Letztlich wiederholen sich bei Konzertübertragungen die Einstellungen immer wieder (das ist übrigens, wenn man ehrlich ist, nicht nur im Konzertsaal so). Denn der musikalische Apparat sitzt in dieser Form schon seit Jahrhunderten auf der Bühne und spielt mit den gleichen Instrumenten die gleiche Musik. Das Faszinierende für die Liebhaber*innen dieser Musik kommt über die einzigartige, immer wieder neue und andersartige Interpretation der Musik, damit haben wir aber in unserer Arbeit weniger zu tun. Wir können also in unserem System während der Proben für jede Kamera beliebig viele unterschiedliche Einstellungen der Instrumentengruppen als Snapshots speichern und dann punktgenau (während der Livesendung im Sekundentakt) abrufen. Denn die 1. Flöte sitzt immer am gleichen Platz. Dennoch muss jede Vorstellung neu programmiert werden, denn die Orchesteraufbauten wechseln, eine Mozart-Sinfonie ist keine Wagner-Ouvertüre und verwendet andere Instrumentierungen. Und für besondere Situationen wie Solo-Konzerte oder Chöre können wir inzwischen im Ausnahmefall auch ein bis zwei Zusatzkameras mit Kameramensch im Saal positionieren, das erweitert das System sehr positiv.

 

Bei den Streamings der Opern an der Wiener Staatsoper, die seit Herbst 2013 laufen, sieht es dagegen ganz anders aus: Auf einer Opernbühne werden selbst die besten und präzisesten Akteur*innen niemals an der gleichen Stelle singen. Daher arbeiten wird dort mit zwei Operator*innen, die abwechselnd immer für die nächste Einstellung zuständig sind und beide Zugriff auf alle Kameras haben. Genau genommen haben mich die Verantwortlichen der Wiener Staatsoper nach einem Besuch in Berlin gefragt, ob ich in der Lage bin, unser Berliner Modell auf die Anforderungen der Wiener Staatsoper anzupassen und die Teams dort auszubilden. Wieder ein Sprung in tiefes, kaltes Wasser!

 

Jetzt, nach mehr als 20 Übertragungen in den letzten 12 Monaten kann ich mit Gewissheit sagen: Wir können auch Opern mit Remote-Systemen und kleinem Team anspruchsvoll übertragen, überhaupt kein Problem! Wobei sich die Gestaltung von den typischen Fernsehaufzeichnungen unterscheidet, wir haben den Schnittrhythmus beruhigt und lassen den Akteur*innen mehr Raum auf der Bühne und für ihr Spiel. Das halte ich auch für angemessener: Eine hohe Schnittfrequenz von extremen Naheinstellungen, typisch fürs Fernsehen des 21. Jahrhunderts, wie sie z.B. die Metropolitan Opera in New York weltweit auf die Kinoleinwände bringt, halte ich für ästhetisch problematisch: Eine Opernsängerin, deren Kopf auf einer Kinoleinwand mehrere Meter vergrößert singt, empfinde ich in den meisten Fällen als grotesk entstellt. Dabei geht es nicht um die Frage von richtig oder falsch, sondern immer nur darum: Was ist dem Inhalt und dem Charakter angemessen? Diese kluge und feine Unterscheidung verdanke ich einem hervorragenden Lichtsetzenden Kameramann und gutem Freund, Alexander Törzs (BVFK), der mich bei meinen Projekten regelmäßig berät und unterstützt.

 

 

6. Was war dein bisher größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Das wird jetzt eine sehr persönliche Antwort: In einer hohen Belastungssituation habe ich meine Selbstbeherrschung verloren und mich absolut im Ton gegenüber einer Produktionsleiterin vergriffen. Klar und ehrlich gesagt: Wir haben uns angeschrien.

 

Ich war der Meinung, meine Notwendigkeiten finden zu wenig Beachtung, ich empfand höchsten Druck, fühlte mich erschöpft und überfordert und ich betrachtete eine spezielle, zusätzliche Belastung als bösartige Missachtung meiner Bedürfnisse und Ignoranz meiner Arbeit gegenüber.
Ein Satz mit sehr vielen „Ichs„. Ein sehr großer Fehler. Oder gleich mehrere: Das wertvolle Verhältnis zu einer Kollegin zu belasten für eine im Nachhinein belanglose Arbeitssituation; meine Bedürfnisse in den Mittelpunkt einer Produktion zu stellen; überlastet und unüberlegt zu handeln; die Liste kann jede*r für sich vervollständigen. Ich möchte zu meiner Verteidigung sagen, dass mir so eine Situation nie wieder vorgekommen ist.

 

Am nächsten Tag habe ich mich entschuldigt. Seither versuche ich durch regelmäßige, besonders aufmerksame Kommunikation, inzwischen über 5 Jahre, das erschütterte Vertrauen wieder aufzubauen. Ich bin mir allerdings darüber im Klaren: So etwas vergisst niemand, ich auch nicht! Wir kommen heute dennoch sehr gut klar miteinander.

 

Ich habe mich später vor allem aus persönlichen Gründen mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinander gesetzt, weil die vielen Konflikte in unserem Leben so häufig durch misslingende Kommunikation entstehen. Und ich mich so oft gefragt habe, wieso Menschen, die sogar im Prinzip ähnliche Ziele und Wünsche haben, sich nicht so darüber austauschen können, dass eine Win-Win-Situation für alle entsteht. Die wertschätzend-liebevolle Gedankenwelt von Marshall Rosenberg, die eher eine Weltanschauung und weit mehr ist als eine Kommunikationsmethode, möchte ich hier unbedingt für unser Berufsfeld empfehlen. Unser Berufsalltag ist geprägt von hoher Konzentration, Anspannung und manchmal negativem Stress sowie umfangreichen, verschiedenartigen Bedürfnissen, die häufig widersprüchlich sind. Es wird viel Kritik geübt und noch viel mehr vermeintlich falsche Kritik übel genommen. In diesem Umfeld ist die wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation das Schweizer Taschenmesser der Konfliktlösung, gerade für die Regieposition. Denn mindestens die Hälfte unserer Arbeit ist Kommunikation, wenn nicht mehr.

 

 

Digitales Konzerterlebnis Bildregisseur Robert GummlichRobert Gummlich lebt in Berlin und ist als Bildregisseur für die Übertragung von klassischer Musik, Oper und Theater europaweit unterwegs. Er betreut drei von vier der wichtigsten Streamingprojekte im deutschsprachigen Raum: Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, die WienerStaatoperLive der Wiener Staatsoper, sowie Philharmonie.TV der Kölner Philharmonie. Und neuerdings auch das Nachwuchsprojekt HomeSymphony der Mannheimer Philharmoniker. Basis seiner Tätigkeit ist die eigene künstlerische Ausbildung (Gitarre, Klavier, Querflöte, Chorgesang und Tanz) sowie das auf dieser Ausbildung basierende Studium der Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, das neben den gestalterischen Kompetenzen auch umfangreiche technische Grundlagen vermittelt. Vor dem Schritt zur Regie arbeitete er als Regieassistent für fast alle Kultursender Deutschlands bei den maßgeblichen Klassikübertragungen des deutschen Fernsehens.
Außerdem unterrichtet er sein Handwerk an verschiedenen Institutionen (Düsseldorf, Hannover, Wien). Und profitiert täglich bei seiner Arbeit davon, dass er auch schon als Küchenjunge, Fahrradkurier, Fabrikpacker und LKW-Fahrer gearbeitet hat.

 

 

Hintergrund: Was ist die Digital Concert Hall?

 

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur ein weltweit führendes Orchester, sondern legen schon immer größten Wert darauf, technische Neuerungen nutzbringend für das Orchester einzusetzen und auch in diesem Bereich eine Spitzenposition einzunehmen. So war Herbert von Karajan Ende der 1970er an der Entwicklung der CD beteiligt. Und Karajan war es auch, der bereits in den 1950ern, beim Bau der Berliner Philharmonie, weltweit bekannt für ihre ausgewogene Akustik, Kamerapositionen im ersten architektonischen Konzept der Philharmonie vorbereiten ließ, weil er ahnte, dass die Bildübertragung für Konzerte wichtig werden würde. Außerdem hat er mit dem ZDF berühmte Konzertadaptionen im Studio verfilmt, die für unseren Berufszweig noch immer ästhetisch maßgeblich sind.
Durch die starke Veränderung der Medienlandschaft und den Rückzug der Fernsehsender und Musikproduktionsfirmen aus den klassischen Konzertsälen entstand um die Jahrtausendwende eine Lücke, die es zu füllen galt. Denn die Berliner Philharmoniker haben nicht nur ein treues Publikum in Berlin, das für einen regelmäßig ausverkauften Konzertsaal sorgt, sondern auch eine weltweite Fangemeinde, die sich um die wenigen Plätzen bei den Tourneen durch Asien oder Amerika drängelt. Es lag also nahe, mit dem Aufkommen von Internetstreamings, diese im Sinne des Orchesters zu nutzen und die Internetplattform Digital Concert Hall (DCH) zu entwickeln.

 

Die DCH ist die weltweit erste Internetplattform, auf der registrierte Nutzer*innen seit der Saison 2008/2009 im Rahmen eines Bezahl-Abonnements Zugang erhalten zu den HD-Live-Übertragungen aller Konzerte, die die Philharmoniker in der Berliner Philharmonie spielen. Im Anschluss an die Liveübertragungen können diese Konzerte unbegrenzt im Archiv angesehen und angehört werden. Abgerundet wird das Angebot durch Künstler*innengespräche, Hintergrundberichte, kostenfreie Streamings von Education-Projekten (auch bei den Zuhörenden muss es Nachwuchsförderung geben!) und durch ausgewähltes historisches Material. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Aufzeichnung des Konzerts, das die Berliner Philharmoniker unter Barenboim 1989 zum Mauerfall spontan organisierten. Nach inzwischen sechs Spielzeiten enthält das Archiv mehr als 180 Konzertmitschnitte in HD auf musikalisch höchstem Niveau, ein Archiv, das so weltweit einzigartig ist. Es ist das digitale Vermächtnis der Berliner Philharmoniker.

 

Auch bei der verwendeten Technik ist die DCH einzigartig: Es kommt ein System von 7 Remote-Kameras zum Einsatz, die über ein speichergestütztes System von einem einzigen Kamera-Operator geführt werden. Der wichtigste Grund dafür war, dass auf der Bühne kein Kamerapersonal arbeiten sollte, das die Aufmerksamkeit der Musiker*innen durch ihre Anwesenheit beeinträchtigt oder die Audioqualität durch unabsichtliche Geräusch stört. Gleiches gilt für das Saalpublikum, dessen musikalisches Erlebnis absolut nicht beeinträchtigt werden darf durch unsere Arbeit.

 

Die DCH wendet sich an ein weltweites Publikum im reiferen Alter (im Vergleich zu Fernsehsendern mit der typischen „19 – 49“ Zielgruppe) und hohem kulturellem Bildungsstand. Denn dieses Publikum, das auch bereit ist, für eine einzelne Konzertkarte 100 € und mehr zu investieren, hat ein Bewusstsein für die angebotene Qualität. Und die Bereitschaft und Wertschätzung, für ein Jahresabonnement mit unbegrenztem Zugang zum Archiv 150 € zu bezahlen. Außerdem ist es nicht das typische Publikum, das sich Inhalte kostenfrei und halblegal aus dem Internet „saugt“. Wir haben es also mit Liebhaber*innen klassischer Musik zu tun, außerdem mit Profimusiker*innen weltweit, die sich durch die Arbeit der Dirigent*innen und Musiker*innen auf der Bühne inspirieren und weiterbilden lassen. Und nicht zuletzt – wichtig für die Akzeptanz unserer Arbeit innerhalb des Orchesters – mit den Freund*innen und Familien der Orchestermusiker*innen, denn dieses Orchester vereint mehr als 50 Nationen auf der Bühne und hat seine Wurzeln in der ganzen Welt.

 

Es ist noch anzumerken, dass die DCH im Jahr 2008 die erste Plattform weltweit war (auch vor allen Fernsehsendern!), die regelmäßig hochwertige Inhalte in HD zur Verfügung stellte, lange bevor HD Standard wurde. Und heute diskutieren viele Orchester, die von der DCH angeregt wurden, „The Berlin Model“, das weltweit Maßstäbe gesetzt hat im Sinne der medialen Selbstvermarktung von künstlerischen Inhalten.