Bachelor vs. Master im Eventmanagement // Was die HR Manager sagen…

Kate­gorie: Allge­mein, Events

9. April 2014

Bachelor vs. Master im Eventmanagement // Quo vadis?

Event­ma­nage­ment Berufs­ein­stieg mit Bachelor oder Master Abschluss — quo vadis? // Foto: André Wirsig

 

 

Immer wieder wurde ich in letzter Zeit von Studenten gefragt, wie meine Meinung zum Studi­en­ab­schluss im Event­ma­nage­ment ist. Folgende Kern­fragen der aktu­ellen Studen­ten­ge­nera­tion habe ich zum Anlass genommen, einige Perso­nal­ver­ant­wort­liche im Event­ma­nage­ment nach ihren Einstel­lungs­kri­te­rien für den Nach­wuchs zu fragen:

 

 

1. Inwie­fern besteht in der Event­branche ein Bedarf an Nach­wuchs mit Master­ab­schluss? Worauf wird mehr Wert gelegt: Master­ab­schluss oder 2 Jahre Berufserfahrung?

 

2. Welche Master­stu­di­en­gänge erscheinen den Perso­na­lern am attraktivsten?

 

3. Ist ein Trend oder eine Entwick­lung bei den Bewer­bern in der Event­branche hin zum Master­ab­schluss zu verzeichnen?

 

 

Matthias Holst, fischerAppelt:

Die Eventmanagement-Branche braucht vor allem Standards!

 

“Die Ausbil­dung in der Live-Kommu­­ni­­ka­­tion ist ein schwie­riges Thema unserer Branche. Es exis­tieren keine einheit­liche Stan­dards, wie es beispiels­weise in der PR schon sehr früh geschah. Dort gibt es profes­sio­na­li­sierte Ausbil­dungs­mög­lich­keiten, die beglei­tend durch starke Verbands­ar­beit für den Markt etabliert wurden. In Vorstel­lungs­ge­sprä­chen brauche ich regel­mäßig Zeit, zu verstehen, wie die Schwer­punkte des Studiums der Bewerber lagen. Ob Medien, Tourismus bis zu Marke­ting — die Band­breite von Bewer­bern ist recht breit.

 

Grund­sätz­lich ist meiner Meinung nach ein direkter Einstieg von der Uni mit einem Bachelor in einer renom­mierten Event-Agentur ideal. Es ist wich­tiger, Berufs­er­fah­rung bei einer möglichst guten Agentur mit konzep­tio­nellem Ansatz und Volumen-Kunden zu sammeln, als einen Master zu machen. Was dann nach 2–3 Jahren Praxis kommt, ist schwer zu beur­teilen. Wenn jemand auf Kunden­seite wechseln will ist spätes­tens dann ein Master relevant. Wer als Projekt­ma­nager mit Kunden­be­ra­tung in einer Agentur bleiben will, braucht ihn dann nicht mehr. Sofern aber der Bereich Konzep­tion ins Inter­es­sens­feld gerät, ist eine fundier­tere Weiter­bil­dung in Form eines Masters wieder hilfreich.

 

Fazit: Der Bachelor Event­ma­nage­ment kann nur zur Grund­aus­bil­dung gehören und ist mit dem alten Diplom nicht vergleichbar. Als Berufs­ein­stieg gibt er aber die nötige Basis. Wer weiter in der Hier­ar­chie kommen will, beson­ders auf der Kunden­seite, sollte einen Master in einem ergän­zenden Kommu­­ni­­ka­­tions-Themen­­feld hinzu­fügen. Einen Trend zu mehr Master­ab­schlüssen erkenne ich bisher nicht und sehe ihn auch als nicht notwendig. Vor allem aber braucht die Live-Kommu­­ni­­ka­­tion dringend einheit­liche Stan­dards in der Ausbildung.”

 

 

Wolfgang Altenstrasser, VOK DAMS:

Duale Studiengänge verknüpfen Theorie und Praxis ideal miteinander

 

“Die heute Berufs­­an­­fänger-Gene­r­a­­tion – kurz Genera­tion Y genannt – steht vor beson­deren Heraus­for­de­rungen. Einer­seits schwankt sie zwischen Nestbau und Selbst­ver­wirk­li­chung, ande­rer­seits zwischen Work-Life-Balance und Work-Life-Blend, also die Vermi­schung von Arbeit und Privatbereich.

 

Gerade die Event- und Live-Marke­­ting Branche orien­tiert sich in Konzep­tion und Umset­zung von Events an immer neuen tech­ni­schen, kultu­rellen und gesell­schaft­li­chen Stan­dards. Das metho­di­sche und stra­te­gi­sche Wissen wird daher für Projekt­ma­nager immer wich­tiger. Daher steigt auch in großen Agen­turen der Bedarf an Studi­en­ab­sol­venten immer mehr. Wichtig ist für Berufs­ein­steiger auch die prak­ti­sche Erfah­rung im Event­ge­schäft, die durch Praktika oder eine Ausbil­dung vor dem Studium erworben werden kann.

 

Eine ideale Lösung stellen da duale Studi­en­gänge dar, die Theorie und Praxis mitein­ander verknüpfen. Gerade vor dem Hinter­grund der eigenen Karrie­re­pla­nung ist ein Studium also sinnvoll. Ob es letzt­end­lich ein Bachelor oder ein Master ist, hängt von meiner persön­li­chen Ausrich­tung ab. Möchte ich eher in den konzep­tio­nellen oder stra­te­gi­schen Bereich einer Agentur, ist ein Master sinnvoll. Geht es mir mehr um die logis­ti­sche Steue­rung und Umset­zung, würde ich eher einen Bachelor-Abschluss anstreben und in den 2 Jahren weitere Berufs­er­fah­rung sammeln.

 

Mein Fazit zu den konkreten Fragen:

 

zu 1.) Perso­naler in der Event­branche machen in der Praxis keinen großen Unter­schied zwischen Bachelor oder Master. Der persön­liche Eindruck, die emotio­nale Kompe­tenz ist entschei­dend und letzt­end­lich auch die Berufserfahrung.

zu 2.) Marke­ting oder BWL, da diese Bewerber gelernt haben, auch über den Teller­rand zu schauen. Aber auch hier gilt – der persön­liche Eindruck im Bewer­bungs­ge­spräch ist entscheidend.

zu 3.) Bis jetzt nicht, da Master­ab­sol­venten ja in der Regel auch höhere Gehalts­vor­stel­lungen haben, die Agentur beim Berufs­ein­stieg nicht zahlen können.”

 

 

Wolf Rübner, Event Campus: Berufspraxis ist wichtiger als der Master

 

“Der Master wird schon lange disku­tiert. Mit Ausnahme der TU Chemnitz wird er meines Wissens nirgendwo ange­boten. Die Frage lautet wie immer: Gibt es einen Bedarf, gibt es die Nach­frage?

 

Für die Frage nach dem Bedarf lautet meine Antwort „3x Ja“. Die Einschrän­kung folgt auf dem Fuße – wir benö­tigen hände­rin­gend gut ausge­bil­dete (Kommunikations-)Architekten, keine Hand­werker, vulgo Event­ma­nager, mit Master-Abschluß. Die Anfor­de­rungen an ein effek­tives Event wachsen, die Komple­xität nimmt zu, die Vernet­zung mit anderen Kommu­ni­ka­ti­ons­in­stru­menten ist eine pure Notwen­dig­keit. Damit steigen die Anfor­de­rungen an die Konzep­tion von Events (im engli­schen Sprach­raum Event Design, Concept Design, Meeting Design). Eine Ausbil­dung in Kommu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaften, Sozio­logie, Sozi­al­psy­cho­logie, Thea­ter­wis­sen­schaften, Marke­ting, Show Design, Drama­turgie + Insze­nie­rung und Szen­o­grafie mit Master-Abschluß ist mehr als nur wünschenswert.

 

Der Wermuts­tropfen – die Nach­frage ist sehr klein, ich fürchte zu klein. Daher haben sich die privaten Hoch­schulen dafür noch nicht erwärmt. Staat­liche Hoch­schulen sind dafür zu unfle­xibel, zu markt­fern und zu Tourismus-lastig. Eine Chance könnte darin liegen, bestehende Angebote wie treib­haus 0.8, TU Chemnitz oder von Design-Hoch­­­schulen master­fähig zu gestalten. Und das am besten in Vollzeit wie berufsbegleitend.

 

Einen Master im Event­ma­nage­ment halte ich für nicht erstre­bens­wert, bestehende Curri­cula sollten refor­miert werden und insbe­son­dere in der Auswahl von Lehr­be­auf­tragten deutlich mehr auf Qualität geachtet werden. Es gibt aben­teu­er­liche Mängel in dieser Hinsicht.

 

Fazit: Perso­naler werden zwei Jahre Berufs­praxis höher bewerten als einen Master. Einen ausge­prägten Wunsch nach einem Master-Angebot verspüre ich bei den Studie­renden aller­dings nicht.”

 

 

HR-Manager (Anonym):

Es zählt die Person und der passende Fit — nicht der Abschluss!

 

Der HR-Manager einer großen Event­agentur schrieb mir: “Ich bin generell keiner, der über­haupt darauf achtet, was für einen Abschluss die Leute haben und das hat bei uns auch keinerlei Konse­quenzen. Ich habe Leute mit einer Ausbil­dung einge­stellt, die weiter waren als Leute mit einem Master und Leute mit einem Master, die sehr viel gelernt haben.

 

Bei uns kommt es ausschließ­lich auf die Person und den Fit an und wir haben auch keine präfe­rierten Abschlüsse geschweige denn Hoch­schulen oder Insti­tu­tionen. Die jungen Leute sollen anstän­dige Praktika machen, und zwar länger als 8 Wochen… Das ist aus meiner Sicht immer wich­tiger als ein Master.

 

Fazit: Wie gesagt, wir achten da nicht drauf und verfolgen das auch nicht in irgend­einer Form — die indi­vi­du­elle Leistung zählt…”

 

 

Bachelor vs. Master im Eventmanagement — was denn jetzt?

 

Die Meinungen gingen für mich recht eindeutig in die selbe Richtung: Ein Bachelor reicht für den Berufs­ein­stieg, um damit Erfah­rung im Event­ma­nage­ment zu sammeln. Wer auf Kunden­seite länger­fris­tige Kommu­ni­ka­ti­ons­maß­nahmen entwi­ckeln will oder in der Event­kon­zep­tion arbeiten möchte, sollte sich im Rahmen eines Masters inter­dis­zi­pli­näres Fach­wissen aneignen. Viel­leicht helfen auch folgende grund­sätz­liche Fragen bei der Entscheidungsfindung:

 

  • Welche Ziele habe ich im (Arbeits-)Leben? Was macht mir Spaß?
  • Will ich lang­fristig eher in der Konzep­tion oder in der Orga­ni­sa­tion von Events arbeiten?
  • Wenn ich gerne einen Master machen möchte: Welches Fach, außer Event­ma­nage­ment, inter­es­siert mich und eröffnet mir noch andere Chancen? Wie kann ich mich von anderen Mitbe­wer­bern unterscheiden?
  • Welche Arbeits­er­fah­rung bringe ich neben dem Studium bereits mit?
  • Welches Einkommen will ich in 10, 20, 30 Jahren erzielen?

 

Zu guter Letzt ein Vergleich, welcher unsere Berufs­rea­lität auf den Punkt bringt: Unsere Eltern-Gene­r­a­­tion war noch wie ein Zug auf dem selben Gleis mit den drei Waggons zum Lebens­abend unter­wegs — 1) Ausbil­dung, 2) Arbeit, 3) Spielen. Das alles bei einem Arbeit­geber. Die Genera­tion Y findet sich eher an einem Busbahnhof wieder: ständig wechseln sich die Bereiche Ausbil­dung, Arbeit und Spielen ab. Nach dem Abi ein Jahr im Ausland, dann den Bachelor, etwas Arbeits­er­fah­rung bevor man wieder eine längere Reise antritt. Dann ggf. der Master, wieder einige Jahre Arbeit bevor ein Sabba­tical ansteht. Also stän­diger Wechsel der Busse bei diversen Arbeit­ge­bern und immer wech­sel­haften Lebens­ab­schnitten. Es ist also nicht unge­wöhn­lich im Laufe des Berufs­le­bens bis zu sieben unter­schied­liche Jobpro­file auszu­üben und eher non-linear zu arbeiten. Also, macht euch keinen Stress — hakuna matata!

 

 

Wie denkst du zum Thema Bachelor vs. Master im Event­ma­nage­ment? Was sind deine Fragen oder Beob­ach­tungen, wohin die Reise geht? Freue mich auf Kommen­tare unter­halb und like doch gleich mein Facebook Profil für regel­mä­ßige Inspi­ra­tion rund um die Live-Kommunikation.

 

Ein guter Start­punkt für deine Karriere im Event­be­reich könnte mein Buch EVENTS WIRKUNGS­VOLL INSZE­NIEREN sein!

 

Weiter­füh­rende Link­tipps:

Super Tipps für die Karriere, Job und Bewer­bung finden sich in der Karrie­re­bibel

Nach­wuchs­wett­be­werbe der Branche — INA Award und DAVID Award

Chris­tian Schmach­ten­berg: Wir haben kein Genera­tion Y Problem, wir haben ein Ausbil­dungs­pro­blem in der Live-Kommunikation

Elfie Adler: Nach­wuchs­för­de­rung in der Event­branche: Welche Initia­tiven gibt es und was müssen wir noch tun?

 

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