Ein Vierteljahrhundert auf und hinter der Bühne – mein Weg als Event-Regisseur

16. September 2025

Chris Cuhls 2025

25 Jahre Events // Was ich vor, auf und hinter der Bühne gelernt habe…

 

Vor 25 Jahren – am 14. September 2000 – startete die zweite Runde von Big Brother. Für mich war es der Einstieg in die Welt der Live-Produk­­tionen. Prak­ti­kant in der TV-Aufnah­­me­­lei­­tung, mit der Aufgabe das „Papa­Mobil“ zwischen Container und Studio zu fahren. Lange Tage, stressig und mit großen Augen, viel Impro­vi­sa­tion. Aber deshalb auch: eine steile Lern­kurve.

 

25 Jahre Big Brother PapaMobil

 

Mein nächstes Ziel: Wetten, dass..!?. Ich wollte von den Besten lernen. Zweimal wurde ich abge­lehnt, aber ich blieb hart­nä­ckig. Am Ende durfte ich ins Team und wurde für die Showacts zuständig. Großes Kino. Aber wie soll man Madonna vermit­teln wie ihr Auftritt abläuft, wenn sich selbst der eigene Tour­nee­leiter nicht in die Garde­robe traut? Die ersten Lektionen: Stimmige Kommu­ni­ka­tion mit Tech­ni­kern wie Welt­stars finden. Klare Ansagen, wenn es zählt. Aber immer Ruhe im Stress bewahren.

 

25 Jahre Wetten dass Team

 

Die erste Dekade: Handwerk

Diese Jahre waren eine wert­volle Schule. Ich lernte mein Handwerk bei TV-Musi­k­­shows wie The Dome, Carmen Nebel, Ein Herz für Kinder, Echo oder Bambi. Teamwork, Dyna­miken zwischen Menschen, Drama­tur­gien – alles, was gute Unter­hal­tung ausmacht, saugte ich auf und prägte mich. Parallel das Medi­en­­ma­­na­ge­­ment-Studium sowie drei Jahre bei einem Musiklabel.

 

Fahrradunfall 2009

 

Dann kam ein Bruch: Nur wenige Tage nach meiner Kündi­gung bei Bertels­mann hatte ich einen schweren Fahr­rad­un­fall. Koma, Hirn­trauma, multiple Brüche. Job weg, Wohnung gekün­digt, Körper geschunden. Dazu auch noch der Tod meines Vaters. Ich landete in einer Erschöp­fungs­de­pres­sion. Psycho­lo­gi­sche Unter­stüt­zung half gelernte Muster zu hinter­fragen. Ein Tief­punkt. Aber auch ein Wende­punkt. Ein Jahr später kam das erste Licht zurück. Über Xing wurde ein Aufnah­me­leiter gesucht – das brachte mich wieder auf den Weg ins Geschäft.

 

Die zweite Dekade: Präzision

Aller­dings wurde es dann ein ganz neuer Weg: Für Andree Verleger durfte ich 2011 die Mercedes-Benz Pres­se­kon­fe­renz auf der IAA begleiten. Fünf Monate Vorbe­rei­tung, ein hoch­kom­plexes Set-up. Weil ich die Details kannte, sollte ich die Show callen. Für mich der Einstieg in die Event­regie. Meine Lear­nings: Präzi­sion. Timing. Exzel­lenz. Das Handwerk wurde zur Kunst. Und mir wurde klar: Es reicht nicht, Events perfekt ablaufen zu lassen. Erleb­nisse müssen wirken. Ich merkte: Ich will tiefer einsteigen. Nicht nur Shows führen, sondern von Anfang an die Konzep­tion der Momente gestalten.

 

Ablaufregie Daimler IAA 2011 25 Jahre

 

Die dritte Phase: Wirkung

In den letzten fünf Jahren treibt mich vor allem eine Frage um: Was wollen wir mit Erleb­nissen wirklich bewirken? Was soll nachher anders sein als vorher? Events können Gänse­haut-Momente schaffen. Aber sie sollten auch Wende­punkte ermög­li­chen. Anker, die im Kopf, Herz und Hand weiter­wirken. Ideen, die uns auf ein neues Level heben. Genau das ist für mich „Wirkung“. Ein Beispiel für Gänse­haut: Das Opening eines 50jährigen Jubi­läums. Beim dritten Musik­titel springt uner­wartet Robbie Williams aus der 50 auf die Bühne — das Stadion war 20sek verdutzt, dann zappelten Beine und Herzen… ‘Let me enter­tain you!

 

Robbie Williams Opening Show

 

…aber Gänse­haut allein reicht nicht — es braucht eben diese Anker, die weiter­wirken. Drama­tur­gi­scher Höhe­punkt war die Insze­nie­rung der Geschichte des Gründers. Diese wurde durch den inneren Monolog eines Schau­spie­lers als geschrie­bener Brief auf die LED-Wand gebracht. Damit leuteten wir zwei hoch emotio­nale Film­ein­spieler ein. Laut Kunde der Moment, wo es für viele Mitar­beiter ‘click’ gemacht hat, weil das WARUM des Unter­neh­mens messer­scharf wie moti­vie­riend für die Zukunft frei­ge­legt wurde.

 

Jubilaeumsfest Inszenierung Gründer 50 Jahre

 

Heute, nach 25 Jahren, berate ich Unter­nehmen nicht nur in der Umset­zung, sondern weit davor: bei der Analyse der Stake­holder-Bedür­f­­nisse. Welche Momente zünden? Wozu braucht es Mut? Wie schaffen wir Klarheit und Vertrauen? Wirkung entsteht dann immer im Zusam­men­spiel von starken Idee und Teamwork.

 

Momente schaffen 25 Jahre Event Producing

 

Parallel durfte ich in den letzten drei Jahren zurück zum TV und als Execu­tive Producer die ZDF-Silves­­ter­­show vom Bran­den­burger Tor begleiten. Eine musi­ka­li­sche Nummern-Revue als gemein­schaft­li­cher Count­down auf den Jahres­wechsel. Musik war immer schon mein roter Faden. Und die große Freude, wenn es mitein­ander gelingt, im Team Unmög­li­ches möglich zu machen.

 

Silvester Show Brandenburger Tor 2025

 

Dankbarkeit für 25 Jahre // What’s next?

Ich bin SEHR dankbar für die Chancen, Menschen und Erleb­nisse der letzten 25 Jahre. Beson­ders meinen Mentoren Joachim Ziegler, Florian Wier­scher, Sandy Traoré, Günther Höhfeld, Barry Guy und Prof. Axel Beyer! Gespannt bin ich, was noch kommen wird… Zwei Träume trage ich weiter mit mir: eine U2-Tournee zu konzi­pieren (es darf auch ein anderer Künstler werden) und bei der Eröff­nung der Olym­pi­schen Spiele mitzu­wirken. Viel­leicht 2032 in meiner Geburts­stadt Brisbane? Es darf aber auch ein Format sein, das ganz klein ist und trotzdem große Wirkung entfaltet. Immer wo Menschen sich begegnen und trans­for­miert raus­gehen, spüren wir die Magie. Sicher ist: Für jeden Live-Moment, der etwas bewirkt, bin ich zu begeis­tern! Welch Glück in diesem Metier gelandet zu sein. ❤️

 

 

PS: Wenn Du darüber nach­denkst, wie ein Event nicht nur Erleb­nisse schafft, sondern Wirkung hinter­lässt – let’s talk…!

 

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