Ein Vierteljahrhundert auf und hinter der Bühne – mein Weg als Event-Regisseur
Kategorie: Allgemein, Events, Inspiration, Referenzen, Shows, Wirkung
16. September 2025

25 Jahre Events // Was ich vor, auf und hinter der Bühne gelernt habe…
Vor 25 Jahren – am 14. September 2000 – startete die zweite Runde von Big Brother. Für mich war es der Einstieg in die Welt der Live-Produktionen. Praktikant in der TV-Aufnahmeleitung, mit der Aufgabe das „PapaMobil“ zwischen Container und Studio zu fahren. Lange Tage, stressig und mit großen Augen, viel Improvisation. Aber deshalb auch: eine steile Lernkurve.

Mein nächstes Ziel: Wetten, dass..!?. Ich wollte von den Besten lernen. Zweimal wurde ich abgelehnt, aber ich blieb hartnäckig. Am Ende durfte ich ins Team und wurde für die Showacts zuständig. Großes Kino. Aber wie soll man Madonna vermitteln wie ihr Auftritt abläuft, wenn sich selbst der eigene Tourneeleiter nicht in die Garderobe traut? Die ersten Lektionen: Stimmige Kommunikation mit Technikern wie Weltstars finden. Klare Ansagen, wenn es zählt. Aber immer Ruhe im Stress bewahren.

Die erste Dekade: Handwerk
Diese Jahre waren eine wertvolle Schule. Ich lernte mein Handwerk bei TV-Musikshows wie The Dome, Carmen Nebel, Ein Herz für Kinder, Echo oder Bambi. Teamwork, Dynamiken zwischen Menschen, Dramaturgien – alles, was gute Unterhaltung ausmacht, saugte ich auf und prägte mich. Parallel das Medienmanagement-Studium sowie drei Jahre bei einem Musiklabel.

Dann kam ein Bruch: Nur wenige Tage nach meiner Kündigung bei Bertelsmann hatte ich einen schweren Fahrradunfall. Koma, Hirntrauma, multiple Brüche. Job weg, Wohnung gekündigt, Körper geschunden. Dazu auch noch der Tod meines Vaters. Ich landete in einer Erschöpfungsdepression. Psychologische Unterstützung half gelernte Muster zu hinterfragen. Ein Tiefpunkt. Aber auch ein Wendepunkt. Ein Jahr später kam das erste Licht zurück. Über Xing wurde ein Aufnahmeleiter gesucht – das brachte mich wieder auf den Weg ins Geschäft.
Die zweite Dekade: Präzision
Allerdings wurde es dann ein ganz neuer Weg: Für Andree Verleger durfte ich 2011 die Mercedes-Benz Pressekonferenz auf der IAA begleiten. Fünf Monate Vorbereitung, ein hochkomplexes Set-up. Weil ich die Details kannte, sollte ich die Show callen. Für mich der Einstieg in die Eventregie. Meine Learnings: Präzision. Timing. Exzellenz. Das Handwerk wurde zur Kunst. Und mir wurde klar: Es reicht nicht, Events perfekt ablaufen zu lassen. Erlebnisse müssen wirken. Ich merkte: Ich will tiefer einsteigen. Nicht nur Shows führen, sondern von Anfang an die Konzeption der Momente gestalten.

Die dritte Phase: Wirkung
In den letzten fünf Jahren treibt mich vor allem eine Frage um: Was wollen wir mit Erlebnissen wirklich bewirken? Was soll nachher anders sein als vorher? Events können Gänsehaut-Momente schaffen. Aber sie sollten auch Wendepunkte ermöglichen. Anker, die im Kopf, Herz und Hand weiterwirken. Ideen, die uns auf ein neues Level heben. Genau das ist für mich „Wirkung“. Ein Beispiel für Gänsehaut: Das Opening eines 50jährigen Jubiläums. Beim dritten Musiktitel springt unerwartet Robbie Williams aus der 50 auf die Bühne — das Stadion war 20sek verdutzt, dann zappelten Beine und Herzen… ‘Let me entertain you!’

…aber Gänsehaut allein reicht nicht — es braucht eben diese Anker, die weiterwirken. Dramaturgischer Höhepunkt war die Inszenierung der Geschichte des Gründers. Diese wurde durch den inneren Monolog eines Schauspielers als geschriebener Brief auf die LED-Wand gebracht. Damit leuteten wir zwei hoch emotionale Filmeinspieler ein. Laut Kunde der Moment, wo es für viele Mitarbeiter ‘click’ gemacht hat, weil das WARUM des Unternehmens messerscharf wie motivieriend für die Zukunft freigelegt wurde.

Heute, nach 25 Jahren, berate ich Unternehmen nicht nur in der Umsetzung, sondern weit davor: bei der Analyse der Stakeholder-Bedürfnisse. Welche Momente zünden? Wozu braucht es Mut? Wie schaffen wir Klarheit und Vertrauen? Wirkung entsteht dann immer im Zusammenspiel von starken Idee und Teamwork.

Parallel durfte ich in den letzten drei Jahren zurück zum TV und als Executive Producer die ZDF-Silvestershow vom Brandenburger Tor begleiten. Eine musikalische Nummern-Revue als gemeinschaftlicher Countdown auf den Jahreswechsel. Musik war immer schon mein roter Faden. Und die große Freude, wenn es miteinander gelingt, im Team Unmögliches möglich zu machen.

Dankbarkeit für 25 Jahre // What’s next?
Ich bin SEHR dankbar für die Chancen, Menschen und Erlebnisse der letzten 25 Jahre. Besonders meinen Mentoren Joachim Ziegler, Florian Wierscher, Sandy Traoré, Günther Höhfeld, Barry Guy und Prof. Axel Beyer! Gespannt bin ich, was noch kommen wird… Zwei Träume trage ich weiter mit mir: eine U2-Tournee zu konzipieren (es darf auch ein anderer Künstler werden) und bei der Eröffnung der Olympischen Spiele mitzuwirken. Vielleicht 2032 in meiner Geburtsstadt Brisbane? Es darf aber auch ein Format sein, das ganz klein ist und trotzdem große Wirkung entfaltet. Immer wo Menschen sich begegnen und transformiert rausgehen, spüren wir die Magie. Sicher ist: Für jeden Live-Moment, der etwas bewirkt, bin ich zu begeistern! Welch Glück in diesem Metier gelandet zu sein. ❤️
PS: Wenn Du darüber nachdenkst, wie ein Event nicht nur Erlebnisse schafft, sondern Wirkung hinterlässt – let’s talk…!






