TV-Unterhaltung: 6 Fragen an Regisseur Carsten Seibt

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TV-Unterhaltung – worauf es ankommt erklärt TV-Regisseur Carsten Seibt

 

 

Carsten habe ich während meines Medienmanagement-Studiums in Mittweida (Sachsen) kennen und schätzen gelernt. Zwischenzeitlich ist er als TV-Regisseur für verschiedene Sender tätig. In Kürze startet er beispielsweise ein neues MDR-Format mit Ross Anthony. Was gute TV-Unterhaltung ausmacht, habe ich ihn gefragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an gute TV-Unterhaltung?

 

Wie bei jedem anderem Fernsehprogramm auch, muss es der Anspruch sein den Zuschauer sprichwörtlich vor dem TV zu „fesseln“ und ihm das Gefühl zu geben mitten im Geschehen zu sein. Kurzum: Zur richtigen Zeit die richtigen Bilder liefern, die zur Dramaturgie der Show passen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es sich um eine Musik-, Game- oder Talkshow handelt. Als Regisseur beginnt alles damit, dass man sich sehr gut auf das was passiert und noch wichtiger – auf dass was passieren könnte – vorbereitet, sich mit Redaktion und Autoren abstimmt und das ganze Team dabei mitnimmt. Auch wenn der Großteil der Shows durchgescriptet ist, bleiben immer noch genügend Dinge offen, auf die man vorbereitet sein muss. Gerade bei Live-Shows ist das spannend, weil die ungeplanten Momente oft die stärksten sind und die emotionalsten Bilder liefern.

 

 

2. Dein Prinzip lautet „Emotion & Reaktion“ – wie können Event’ler dieses für sich nutzbar machen?

 

In jeder Show passieren zahlreiche Dinge, auf die wiederum andere an der Show Beteiligte reagieren. Ein begeistertes Publikum, ein schadenfroher Quizshow-Partner, ein Talkshowgast der sein Gesicht verzieht oder ein raunendes Publikum. Diese Reaktionen sind immer mit Emotionen verbunden, welche bildlich eingefangen werden müssen. Die Herausforderungen, gerade bei Live-Shows, sind nicht nur das Offensichtliche zu zeigen, sondern zu schauen ob es vielleicht „Nebenschauplätze“ gibt, an denen Dinge passieren, die wir so nicht mitbekommen hätten und trotzdem interessant sind. Ein Beispiel: Eine Mutter trifft in einer Show ihren Sohn wieder, nachdem Sie 10 Jahre keinen Kontakt zu ihm hatte. Offensichtlich ist, dass beide zu Tränen gerührt sind, sich um den Hals fallen – die Emotionen werden durch die passende Musik noch verstärkt. Zunächst nicht offensichtlich ist, dass in der 3. Reihe im Publikum die Schwester der Mutter sitzt und mit den Tränen kämpft – das sollte auch gezeigt werden! Am Ende geht es immer darum den Zuschauer so lange wie möglich vor dem Schirm zu halten und dafür geben alle im Team ihr Bestes.

 

Für Off-Air Events gilt sicher das Gleiche, nur dass man das Hauptaugenmerk auf den Kunden bzw. Zuschauer im Saal legen muss. Eine der Fragen an den Kunden sollte sein, welche Emotionen beim Publikum geweckt werden sollen. Welche Reaktion sind vom Publikum darauf zu erwarten und wie kann man diese wieder in die Veranstaltungskonzeption mit einbinden, so dass das Publikum nicht nur Publikum ist, sondern ein Teil der Show.

 

 

3. Was war das herausforderndste bzw. bedeutsamste TV-Projekt, welches du als Regisseur realisiert hast?

 

Eines der größten Herausforderungen jedes Jahr ist der Semperopernball in Dresden (3sat/mdr). Ich bin dort als Regisseur für das On- und Off Air Programm auf dem Theaterplatz (Openairball) zuständig. Wir arbeiten dort mit zwei kompletten Teams (Theaterplatz/Semperoper) und sind dort aufgrund der großen Programmflächen (OffAir, Countdown, Show, Aftershow) fast sechs Stunden am Stück im Einsatz. Ziel der Veranstaltung ist es das „Ballgefühl“ aus der Oper zu den 10.000 Zuschauern auf dem Theaterplatz zu transportieren. Dazu gibt es einige Aktionen und Showeinlagen während des Balls. Diese müssen mit der Show in der Oper synchronisiert werden. Die Wetterlage im Januar stellt oftmals noch eine zusätzliche Herausforderung dar. Die Bilder von 5.000 Tanzpaaren sind dann immer wieder beeindruckend.

 

 

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als TV-Regisseur zu realisieren?

 

1. Das wichtigste ist dass das Team funktioniert, ich lege viel Wert auf eine harmonische Stimmung am Set.

2. Auf ein gutes Skript der Autoren bzw. Redaktion, ich versuche frühzeitige mit den Autoren ins Gespräch zu kommen und nicht erst wenn das Buch fertig ist.

 

 

5. Wo lässt du dich in Sachen (innovativer) TV-Unterhaltung inspirieren?

 

Es gibt eine große Bandbreite von Unterhaltungsformaten – innovativ, traditionell, im TV und im Netz. Auch gut konzipierte Off-Air Shows und Musicals haben oft einiges zu bieten. Diese schau ich mir gern an und entdecke manchmal auch Elemente, welche mich inspirieren – technischer oder konzeptioneller Art. Gern schau ich mir auch neue Technologien an die auf den Markt gebracht werden und überlege wie ich sie evtl. nutzen kann. Im Moment steckt viel Potential in der Symbiose von traditionellen Live-TV-Inhalten zusammen mit Echtzeit-Elementen des World Wide Web. Dort gab es in letzter Zeit schon einige Versuche, doch benötigen die Sender hier noch mehr Mut zum Experimentieren.

 

 

6. Was war dein größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Einen „größten Fehler“ kann ich so gar nicht benennen. Aber natürlich – nur wer nichts macht, macht keine Fehler. Es gibt immer wieder mal Dinge die nicht so laufen wie sie sollten. Im Idealfall kann man sie vorher abbiegen, oder sie ziehen keine größeren Folgen nach sich. Wichtig ist nur daraus zu lernen, sofort die Konsequenzen zu ziehen und mit dem Team darüber zu sprechen, so dass die gleichen Fehler nicht zweimal passieren.

 

 

TV-Unterhaltung Carsten Seibt: Emotion & ReaktionCarsten Seibt arbeitet seit 2006 als freier Regisseur für Fernsehproduktionen (u.a. ARD, MDR, 3sat, SRF) und lebt in Leipzig. Schwerpunkt bilden dabei Live-, Show- und Eventproduktionen. Vor seiner Tätigkeit als Regisseur war er in unterschiedlichen Funktionen innerhalb des Produktionsprozesses tätig. Außerdem ist er Dozent für Fernsehproduktion an der Hochschule Mittweida – University Of Applied Sciences. Weitere Infos: www.carstenseibt.de

 

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