Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht!

Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht!

Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht! // Der Ton macht die Musik…

 

 

„Das Auge‬ führt den Menschen in die Welt.
Das ‪Ohr‬ führt die Welt in den Menschen.“
// Lorenz Oken, Deutscher Naturforscher und Arzt, 1779–1851

 

 

In der Live-Kommunikation schaffen wir Erlebnisse, die emotional berühren. Dabei wird viel Wert auf Lichtdesign und Filmeinspieler gelegt. Denn damit erzeugen wir Wirkung.   Richtig.

 

Hiermit möchte ich aber eine Lanze für den Ton brechen, denn:

 

Musik umgibt uns. Ständig. Dabei geht sie direkt ins Herz.

Sie weckt Emotionen. Ohne Umweg über den Kopf.

 

Das können wir gezielt einsetzen, um Menschen zu bewegen. Musik ist das Emotionalste überhaupt. Allerdings nutzen wir diese Disziplin noch viel zu unbewusst. Leider. Ich frage mich immer wieder, warum Sound Design eigentlich so vernachlässigt wird? Dabei ist doch die Musik der Schlüssel zu Gefühlen und somit starken Erlebnissen.

 

Aus meiner Erfahrung geht es bei Veranstaltungen immer zuerst um Licht und Bild. Ich gestehe, dass sich das auch in meiner Arbeit und Selbstverständnis oft so verhält. Frei nach dem Motto: Tja, dann ist da ja noch der Ton…

 

 

Sound Design – worum geht es?

 

Zugegeben, der Tonbereich ist nicht leicht zu umreißen: Film, Hörspiele, Hörfunk, Fernsehen, künstlerische Installationen, Multimedia-Anwendungen bis zu Computerspielen – ein weites Feld. Sound Design, also die kreative Arbeit mit Klängen und Geräuschen, unterscheidet sich von der Komposition eines Musikstücks oder den Audioaufnahmen im Studio. Sound Design kommt im Eventbereich vor allem im Beschallungskonzept vor Ort zum tragen. Besucher können so begeistert werden, ins Staunen geraten und durch spannende Effekte auch vom Ton gekitzelt werden!

 

Die Basis hierfür ist natürlich eine gute Planung. Angefangen vom Musikkonzept zur Komposition, Aufnahme und wie die Beschallung vor Ort eingemessen wird. Alles, um mit Ton clever und wirkungsvoll Emotionen zu übertragen. Spannend wird es dann, wenn kreative Toneffekte zum Einsatz kommen, um Inhalte zu transportieren. Die Klanginstallation O wie Omicron ist für mich ein beeindruckendes Beispiel dafür. Allerdings kann gutes Sound Design nur funktionieren, wenn man eben nicht erst vor Ort überlegt, sondern sich schon von Beginn an Gedanken zum Sound Design macht.

 

Das fehlt aber leider viel zu häufig bei Events.

 

 

Verbesserungspotential: Sprachverständlichkeit, Probenzeiten & Standards

 

Konkret: Wie oft habe ich schon Filme hören müssen, bei denen die Sprachverständlichkeit unter einer schlechten Mischung mit zu lauter Musik leidet. Warum die Tonspuren nicht voneinander getrennt auf unterschiedlichen Ebenen anliefern, um sie dann vor Ort passgenau zu mischen? Während das Lichtdesign vor Ort immer noch schnell und mit überschaubarem Aufwand angepasst werden kann, ist man beim Ton einfach auf das angewiesen, was angeliefert wird. „Shit in – shit out„, wie ein alter Spruch der Tonkollegen lautet.

 

Ein Mischpult ist eben kein Klärwerk.

 

Andererseits bedingt es aber auch Soundästheten hinter den Mischpulten, die sich dieser Feinheiten annehmen und daran arbeiten. Zu oft kommen leider aber mp3-Titel, die auf einer eingemessenen Anlage einfach nicht wie am heimischen Laptop klingen können. Wäre ja auch komisch. Oder: „Wir produzieren gerade noch was“ und dann kommt ein ungemastertes mp3, was unterschiedliche Pegel hat. Um ein qualitativ-lineares Klangergebnis zu erzeugen, ist das Mastering unabdingbar.

 

Ähnlich verhält es sich bei den Probenzeiten. Bild und Licht bekommen oft lange Slots eingeräumt, während der Ton als funktionierend vorausgesetzt wird. Ich kann mich in 15 Jahren nur an eine TV-Orchesterproduktion erinnern, in der es vorrangig um den Ton ging. Geschweige denn, dass den Tonkollegen in den Probezeiten extra Aufmerksamkeit gewidmet wurde. „Es muss halt einfach alles laufen“.

 

 

Entscheidungsfrage: Idealismus vs. Wirtschaftlichkeit?!

 

Sicher kommt es darauf an, was und ob der Kunde in Sachen Ton will. Sofern er eine Notwendigkeit sieht, dann wird es auch eine Priorität von Beginn an dafür geben. Es geht ja nicht darum den Ton über alles zu stellen, jedoch auch nicht kategorisch zu vernachlässigen. Spannend ist für mich darüber nachzudenken, warum der Ton so und so viel Stellenwert bekommt (Zeit, Geld, Gedanken). Oder anders gefragt: Was wäre wenn?

 

Was wäre, wenn…

• die Musikkomponente ganzheitlich von Beginn an gedacht wird.

 sauber produziert, eingemessen und geprobt wird.

 Menschen aufgrund des Tons emotional ergriffen und transformiert werden.

 wir unsere Haltung zum Ton überdenken und diesem mehr Priorität einräumen.

• dadurch wirkungsvollere Events geschaffen werden…

 

Die Kritiker werden mit der Wirtschaftlichkeit um die Ecke kommen. Ja, das ist ein Thema und nein, das ist kein Thema. Ideen kosten Erfahrung, Routine, Zeit und Gehirnschmalz. Und ja, manches lässt sich nur mit entsprechendem Budget umsetzen. Andersrum wäre legitim nachzufragen: Wenn ich 10.000 Euro reinstecke, erhalte ich 15.000 Euro Gegenleistung (in Form von inmateriellen Entscheidungen, realer Absatzerhöhung bei der Zielgruppe einer Messe etc.)? Wo funktioniert das, und wo nicht? Was ist Idealismus? Was ist Kunst? Und wofür mache ich das alles?

 

 

Sound Design ist echt harte Arbeit… 😉 // Video: youtube

 

 

Fazit: Musik setzt Emotionen frei wie kaum ein anderes Stilmittel. Gleichzeitig wird sie so unterschätzt wie kaum ein anderes Gewerk. Licht und Visuelles reizen unsere Sinne massiv – dabei macht wie in jedem Hitchcock-Film der Ton 50% des Erlebnisses. Das real spürbare Ungleichgewicht bei Events ist daher für mich unverständlich. Wir sollten die Möglichkeiten des Tons wieder gezielter nutzen und eine angemessene Priorität geben.

 

 

Hier Teil 2, in dem ich einige Sound Designer nach ihren Ansätzen, Meinungen und Ideen befrage. Interessieren könnte dich auch dieser Beitrag zur akustischen Markenführung: Audio Branding bei Events.

 

FrageWie nimmst du die Bedeutung vom Ton bei Events wahr? Was sollte sich ändern? Was ist angemessen?

 

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