Medienserver: Welchen benötige ich für mein Event?

Medienserver Watchout

Medienserver Watchout // Quelle: FRIDIE interactive

 

 

Welcher Medienserver kann was und welches System ist für meine Zwecke am effektivsten? Oft genug herrscht darüber bei Projektverantwortlichen von Eventagenturen bzw. Endkunden in der Live-Kommunkation Unklarheit. Fragen kostet ja nichts, dachte ich mir und habe bei einigen Experten nachgehakt. Folgend ein einführender Überblick zur Erstorientierung mit dem Ziel besser zu entscheiden welcher Medienserver angebracht ist.

 

 

Medienserver: Watchout vs. Wings

 

Beide Systeme sind reine Medienabspieltools (Video / Audio / Fotos etc.) – und das ist genau ihre Stärke und Schwäche zugleich. Sie können das Zuspielen von Content super – Inhalte kreativ verändern können sie jedoch kaum, Inhalte (bis auf einfachen Text) selber generieren eigentlich gar nicht. Dafür sind sie einfacher zu bedienen, laufen recht stabil und sind im Verhältnis recht günstig. Wings, entwickelt von AV Stumpfl aus Österreich, bietet den wesentlich größeren Funktionsumfang. In manchen Momenten u.a. in der Festinstallation bringt dies Vorteile, macht das Tool aber auch unhandlich und kompliziert. Allerdings ist das System teurer als Watchout aus Schweden.

 

Technisch sind beide Server ähnlich aufgebaut, wobei in der Messe- und Eventbranche immer häufiger auf Watchout gesetzt wird, da es im Handling einfacher ist und aufgrund der Akzeptanz eine wesentlich bessere Verbreitung gibt. Deswegen gibt es momentan nahezu keine Wings-Operator am Markt, was in der Praxis ein K.O. Kriterium ist. Beide Systeme stammen aus der AV-Technologie, um Diaprojektionen zu steuern und sind timeline basiert. In der Praxis bewähren sie sich aufgrund ihrer Systemtabilität immer wieder auf’s Neue.

 

UPDATE: Mit Watchout 6 ist jetzt auch Videomapping möglich. Und um meinen geschätzten Kollegen Thomas Hüneburg zu pleasen: Natürlich sind mit dem richtigen Operator auch kreative Umsetzungen möglich… Klare Empfehlung! 😉

 

Medienserver Wings

Medienserver Wings // Quelle: FRIDIE interactive

 

 

Lichtpult gesteuerte Server: Catalyst vs. Pandoras Box

 

Pandora und Catalyst kommen aus dem Lichtbereich der Veranstaltungstechnik, deswegen lassen sich die Tools ähnlich wie ein Lichtpult programmieren und auch von einem solchen gut steuern (z. B. Grand MA, HOG). Alle Inhalte werden wie einzelne Lampen auf Basis einer CUE Liste programmiert (Position im Raum, Farbigkeit, Übergänge, Start/Stop) und können in Echtzeit angepasst werden. Das eröffnet weitere Möglichkeiten, vor allem in Richtung Kreativität, da Video-Inhalte gleich wie eine Lichtquelle behandelt werden können. Daraus resultiert, dass man sich je nach Anforderung die Mediensteuerung sparen und den Videocontent gleich über das Lichtpult mit abspielen kann.

 

Die Tools sind aber vom grundsätzlichen Handling wesentlich komplizierter und auch teurer, so dass man sich im Zweifel überlegen muss, ob man das MEHR an Features für den Event wirklich braucht (gerade auf Messen oder Konferenzen ist der Content oft schon fertig und muss einfach stabil und verbindlich abgespielt werden).

 

Im Gegensatz zu den Medienservern können diese Systeme 3D Geometrien zum mappen und warpen laden, also im „echten“ 3D Raum arbeiten. Ein MEHR an feature ist auch die recht große Clip- und Shader-Bibliothek. Die Videoqualität war zu Beginn recht mäßig, weshalb die Geräte in der Videobranche zu Beginn kaum Beachtung fanden. Zwischenzeitlich sind die Geräte in der Lage ähnlich wie die Medienserver in voller Auflösung und pixelgenau auszusteuern. Letztlich hängt der Einsatz vom Erfahrungswert und der Herkunft des Operators ab.

 

Medienserver Pandoras Box // Quelle: FRIDIE interactive

 

Weitere Anbieter sind: Hippotizer, Maxedia, MA Video, MBox Extreme sowie für kleinere Anwendungen vielleicht von Interesse der softwarebasierter Server Arkaos.

 

 

Kreativer Sonderfall: d3

 

d3 ist im Vergleich zu den bisher vorgestellten das kreativste System. Es verfügt über einen echten 3D-Raum, einen Realtime Warper und einen sehr leistungsfähigen Mapper für komplexe Videozuspielungen. Der Aufwand die d3 einzurichten und den notwendigen Content dafür zu produzieren ist jedoch sehr aufwendig, deswegen kommt es meist nur bei sehr exklusiven Produktionen zum Einsatz, wo die kreativen Möglichkeiten ausgereizt werden können (z.B. Live-Musik-Touren) oder wenn es Sinn macht, das ganze Set schon im Vorfeld im 3D Raum vorzuproduzieren (u.a. bei 3D/Texture-Mapping auf Objekte/Architektur).

 

Die Vorvisualisierung bietet natürlich gegenüber Kunden bei Content-Abnahmen einen erheblichen Vorteil. Die vorgebaute Show kann dann auch genauso 1:1 vor Ort von dem Server zugespielt werden. Obwohl das System eindeutig teurer ist als die anderen Medienserver wird es sicherlich noch verstärkten Einzug in die Showbranche wie Live-Kommunikation finden. Die d3 ist im Musik touring Bereich entstanden, da es auf Musikbeats tracken kann (die U2 Tournee war hier der Anlass – schöne Referenzprojekte finden sich hier). Ein empfehlenswerter Anbieter ist Lex ter Heurne mit Pixway. Zu guter letzt ein Beispiel vom Eurovision Song Contest 2014 mit der Vorvisualisierung des Siegertitels von Conchita Wurst.

 

Quelle: d3 technologies

 

 

Realtime Lösungen: Ventuz vs. vvvv

 

Für die Gestaltung interaktiver Shows mit Bedarf an realtime rendering von Content (Bauchbinden, Grafiken, Sensorik etc.) bieten sich diese Programmierung an. Mithilfe vieler Schnittstellen können vorproduzierte wie realtime Elemente im 3D Raum zusammen geführt werden. Beispiele finden sich in meinem Blogpost Interactive Shows. Allerdings habe ich immer wieder Systemabbrüche erlebt, die im Sinne von sicheren Showabläufen nicht akzeptabel sind…

 

Medienserver Ventuz // Quelle: FRIDIE interactive

 

 

Fazit: Am Ende gibt es für jeden spezifischen Einsatz den geeigneten Medienserver. Natürlich kommt es auf das Ziel der Veranstaltung und damit den Kundenwunsch an, um den ‚richtigen‘ Medienserver auszuwählen. Gleichzeitig bestimmt die Routine jedes Operators, mit welchem System er am liebsten arbeitet und entsprechend favorisiert. Gute Beratung leistet an dieser Stelle Bernhard Settele von Wildgeist. Einen kontinuierlichen Überblick bietet die-referenz.de.

 

Herzlichen Dank vor allem an Robin Fritz für den Überblick! Er ist mit seinem Kollegen Steffen Dietrich frei buchbar. FRIDIE interactive ist ein Softwareentwicklungsbüro, das sich auf die Planung, Entwicklung und Umsetzung innovativer Multimediapräsentationen spezialisiert hat. Interessant auch ihre Eigenprogrammierung: FRIDIE universe.

 

Frage: Welchen Medienserver favorisierst du und warum (ich vermute die Frage grenzt an religiöse Überzeugungen…)?

Ich freue mich über Deine Antwort auf FacebookTwitter oder LinkedIn. Für regelmäßige Inspiration rund um die Live-Kommunikation trag dich gleich in meinen Newsletter unten links ein.

 

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