Event neu denken: 5 inspirierende Projekte

Event neu denken: 5 inspirierende Projekte für die Eventkonzeption // Gastbeitrag von Katharina Stein

 

 

Langjährige Erfahrungen sind für einen Eventler von großer Bedeutung. Vieles lässt sich nicht in der Theorie erlernen, sondern bedarf mehrjähriger Berufspraxis. Jedoch birgt diese Erfahrung auch Probleme: Man läuft Gefahr in Routinen zu verfallen und auf vermeintlich altbewährte Konzepte zurückzugreifen. Ein Todesstoß für die Entwicklung neuer und individuell ausgerichteter Eventkonzepte! Daher müssen wir uns regelmäßig von Routinen freimachen und nach Quellen suchen, die uns auf andere Ideen und Ansätze bringen.

 

Lohnenswert ist vor allem der Blick über den Tellerrand der eigenen Branche hinaus. Künstlerische und kulturelle Projekte bieten sich an, denn dort wird deutlich ungehemmter experimentiert und Neues gewagt. Wie beispielsweise in den folgenden fünf Projekten der letzten Jahre, die Dich bei Deinem nächsten Eventkonzept vielleicht anregen, mal anders zu denken.

 

 

Ruhe anstatt Reizüberflutung

 

Vieles in unserer Welt möchte mit auffälligen, spektakulären Eindrücken überzeugen. Auch bei Events denkt man häufig, es müsse laut, bunt und lebendig zugehen. Aber warum eigentlich? Ruhe und ein zielgerichteter Fokus ermöglicht es Menschen, sich besser zu konzentrieren und Erlebnisse viel tiefer zu erleben und zu erinnern!

 

Ein inspirierendes Beispiel dafür ist das Projekt „Remote X“ von der Künstlergruppe Rimini Protokoll. Mithilfe von Funkkopfhörern wird eine Gruppen von circa 50 Menschen durch eine Stadt gelotst. Eine künstliche Stimme leitet und spricht mit den Menschen. Zusätzlich untermalen Kunstkopf-Aufnahmen und Filmmusik den ungewöhnlichen Spaziergang. Auch wenn jeder für sich der Stimme lauscht, entsteht doch ein Schwarmgefühl. Die Teilnehmer beobachten sich gegenseitig, fragen sich, ob die anderen das gleiche hören, ob sie auf die Stimme hören, ihr vertrauen und wie sie auf ihre Anweisungen reagieren sollen. Ein ungewöhnliches, sehr fokussiertes und an sich ruhiges Erlebnis, das aber trotzdem Gedanken und Emotionen aufwühlt und geradezu aufregend ist. Die erzwungene Isolation (durch die Kopfhörer) fördert zudem das Bedürfnis sich mit anderen auszutauschen, während dessen mit Blickkontakten und danach verbal.

 

Ein aufregendes Erlebnis, das in Erinnerung bleibt, muss also gar nicht laut und bunt sein.

 

Event neu denken: Audiotour durch Berlin // Quelle: Rimini Protokoll

 

 

Übliche Raumstrukturen neu denken

 

Veranstaltungen sind zumeist ähnlich aufgebaut: Eine für Events gedachte Location wird gebucht. Es gibt eine Bühne mit Bühnenshow und das Publikum sitzt in Rängen davor. Es wäre doch spannend all das mal über den Haufen zu werfen, oder?! Mathis Nitschke hat das mit seinen Operninstallationen „Viola“ und „Katharina“ ausprobiert.

 

Die Bühne ist ein belebter, öffentlicher Platz. Dieser Raum wird jedoch nicht für Passanten abgesperrt, der alltägliche Trubel gehört zur Inszenierung und bildet das Umfeld der Kurzopern. Das Publikum „versteckt“ sich derweil im Schaufenster eines Reisebüros bzw. einer Apotheke. Zu Beginn können sie die Hauptdarstellerin hören, müssen sie aber erst auf dem Vorlatz lokalisieren, bevor sie ihre Geschichte und ihr Schauspiel zwischen den ganz normalen Menschen verfolgen können. Die ungewöhnliche Position des Publikums lässt auch sie Teil der Inszenierung werden: manchmal sind sie unsichtbarer Beobachter und manchmal werden sie von überraschten Passanten im Schaufenster beobachtet.

 

Beim nächsten Mal Bühne, Publikum und Location also einfach mal ganz anders denken.

 

 

 

Mittendrin – das Publikum direkt im Geschehen

 

Ein anderes Beispiel-Projekt löst die räumliche Grenze zwischen Bühne und Publikum ganz auf. Bei der Konzertreihe Mittendrin des Konzerthauses Berlin werden Besucher und Musiker gemischt im Raum positioniert. Besucher sitzen so direkt neben den Geigen, Klarinetten oder Kontrabässen und ihren Spielern. Allein über diese unkonventionelle Bestuhlung werden gleich mehrere außergewöhnliche Erlebnisse ermöglicht. Die Besucher können ihren Lieblingsinstrumenten und Spielern ganz nah sein und ihnen genau auf die Finger schauen. Gleichzeitig ist der akustische Eindruck ein ganz anderer, da gewisse Instrumente näher, andere weiter weg sind. Nicht zuletzt schafft die Nähe zwischen Musikern und Publikum vor und nach dem Konzert Austauschmöglichkeiten, die sonst nicht gegeben sind.

 

In der Form etwas für Musikliebhaber, aber man könnte das Konzept auch auf andere, geeignete Veranstaltung adaptieren, bei denen mehr Nähe zwischen Menschen auf der Bühne und im Publikum erzeugt werden soll.

Hier die Perspektive der Musiker – oben die der Besucher // Hier weitere Fotos

 

 

Blickwinkel & Bewegungsmuster ändern

 

Eine Ausstellung besichtigt man in der Regel zu Fuß. Wie sonst, fragt man sich instinktiv. Andererseits kennt jeder von uns, den in einem Museum mit der Zeit wachsenden Wunsch nach einer Sitzmöglichkeit. Es stellt sich also die Frage, ob wir eine Ausstellung nicht viel besser, länger und entspannter erleben könnten, wenn wir typische Bewegungsmuster der Besucher (durch eine Ausstellung gehen) ändern würden? Wie beispielsweise die Ausstellung SO100, die in Tel Aviv zu sehen war.

 

Die Ausstellungswände waren nicht wie sonst üblich auf dem Boden aufgestellt, sondern an der Decke befestigt. Ein dreidimensionales Gitter bildete in der oberen Hälfte des Raumes einzelne, abgeschlossene Räume. Den Besuchern standen fahrbahre Bürostühle zur Verfügung, um unterhalb der Räume hindurch zu rollen oder sich entspannt im Sitzen umzuschauen. Für manche Exponate musste man aber auch aufstehen, um besser in Fächer schauen oder einen Text lesen zu können. Der Besucher war also ständig in Bewegung und konnte die jeweils bequemste Position wählen. Nicht zuletzt entstanden so auch immer wieder andere Blickwinkel und -höhen, die die Abwechslung steigerten.

 

Auch wenn man zuerst nicht auf den Gedanken kommt, eine Ausstellung kann man tatsächlich auch nicht zu Fuß, sondern z.B. auf einem Bürostuhl besuchen. Fotos finden sich hier.

 

 

Veranstaltung Event neu denken Geruchsorgel Osmodrama

Geruchsorgel Osmodrama // Event neu denken – auch olfaktorisch durch Gerüche

 

 

Andere Sinne ansprechen

 

Eigentlich bietet die Live-Kommunikation den großen Vorteil, dass wir alle Sinne ansprechen und somit viel tiefere Emotionen wecken können. In der Eventpraxis wird das aber leider eher selten ausgeschöpft. Oftmals dominieren visuelle und akustische Eindrücke. Besonders der olfaktorische Bereich birgt viel Potenzial, ist aber auch nicht leicht einzubringen. Erzeugte Gerüche sind manchmal zu künstlich und verfehlen ihre Wirkung. Außerdem sind sie nur schwer zielgerichtet, räumlich lenkbar.

 

Eine vom Medienkünstler Wolfgang Georgsdorf entwickelte Geruchsorgel scheint hier jedoch neue Möglichkeiten zu eröffnen. Das 1,6 Tonnen schwere Instrument kann über 64 Geruchskanäle vorgefertigte Gerüche kontrolliert im Raum verteilen. So können Gerüche zeitlich und räumlich genau getimed werden, sich im Raum verteilen und auch schnell wieder verschwinden. Im letzten Jahr konnte man den sogenannten Smeller 2.0 in Berlin live erleben, ganz alleine oder aber auch in Verbindung mit Klang, Musik, Film, Tanz und Literatur.

 

Eine sehr spannende Option, da, wie auch in den Besucherstimmen zu hören ist, sofort berührende Emotionen und Bilder geweckt werden. Mit einem vermutlich recht hohen Budget gibt es keine bessere Methode Menschen emotional zu erreichen!

 

 

 

Event neu denken: Was hilft dir bei der Innovation und Veränderung von Veranstaltungen? Freue mich über Kommentare und Tipps zu Quellen der Inspiration für euch unterhalb.

 

 

Weitere Tipps und Impulse:

Event neu denken: Inspirationen vom Eveos Blog

Veranstaltungskonzeption // 7 Kernfragen für erfolgreiche Events

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