Technikbriefing: Worauf es in der Zusammenarbeit ankommt // Teil 2/3

Technikbriefing: Worauf kommt es bei der Technikbestellung an, damit sich das Event-Ergebnis sehen lässt?!

 

 

Events sind dann erfolgreich, wenn Logistik und Idee zusammen spielen.

Nach den Faktoren für ein gutes Agentur-Briefing hier Teil 2 in der Serie Briefingkultur.

 

Zusammenspiel ist auch das Stichwort wenn es um die notwendige Technik geht. Damit die passenden Elemente vor Ort ankommen, bedarf es eines guten Technikbriefings. Dabei sprechen Agentur, Technik-Dienstleister und Kunde oftmals in unterschiedlichen Sprachen. Wie das „perfekte“ Technikbriefing aussieht, das habe ich den technischen Planer Jens Labuschewski gefragt.

 

 

Technikbriefing: Auf das Zusammenspiel kommt es an…

 

Das Zusammenspiel zwischen Kreation, Konzept und Technik beginnt natürlich mit einem ersten Briefing, kann aber nur durch eine intensive, offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit perfekt werden. Ein gutes Ergebnis wächst aus dem Prozess und nicht aus dem Einzelereignis. Jeder Beteiligte kann und muss im Team Input aus seiner persönlichen und professionellen Sicht liefern. Jedes Detail kann wichtig sein oder es später werden.

 

Versucht man diesen Prozess wie einen Staffellauf getreu dem Motto: „Mein Teil ist erledigt, jetzt bist Du dran…“ durchzuführen, besteht die Gefahr, in kleinen Schritten immer weiter vom Kurs abzuweichen ohne es zu bemerken. Am Ende kommt dabei eine Veranstaltung heraus, die womöglich handwerklich solide umgesetzt ist, die es aber nicht schafft, eine nachvollziehbare Story zu liefern.

 

 

Crossed Disciplines – übergeordnete Betrachtung aller Bedürfnisse

 

Welchen Planer man zu welchem Zeitpunkt ins Team holt hängt sehr vom Projekt ab. Einen Setdesigner kann man durchaus in einer Pitchphase schon hinzuziehen um kreativen Input zu erhalten. Eine Fachplanung der Energieversorgung wäre zu diesem Zeitpunkt überzogen. Die Zusammenarbeit mit einem Technischen Leiter kann hingegen nicht früh genug beginnen.

 

Crossed Disciplines steht hierbei für eine übergeordnete Betrachtung von technischen und baulichen Bedürfnissen. Anders als bei der Fachplanung einzelner Gewerke gilt unser Augenmerk dem Construction Management, also der Schnittstellenkoordination, die das reibungslose Zusammenspiel komplexer Einzelplanungen erst ermöglicht.

 

 

Was für den Planer wichtig ist:

1) Erzählt uns alles, was Ihr euch denkt und vor allem alles, was Ihr dem Kunden erzählt habt.
2) Lasst uns gemeinsam Umsetzungsideen diskutieren, entwickeln und vervollständigen.
3) Seit konkret bei den Ideen, aber offen bei den Lösungsansätzen. Alternative Technikansätze können sinnvoll sein, sind aber schwer umsetzbar, wenn beim Kunden schon eine sehr konkrete Erwartungshaltung geweckt wurde.
4) Passt bei der Auswahl der Location auf, nicht nur eure Gäste brauchen Platz.

 

 

Neben den Schnittstellen im eigenen Team ist in einer frühen Phase die Wahl der Location von entscheidender Bedeutung. Wenn es hier aus technischer und logistischer Sicht schon Diskrepanzen zwischen dem Konzept und den Möglichkeiten vor Ort gibt steht man vor Herausforderungen, die vermeidbar sein können. Bei einer Umsetzung baulich nicht „mit“ sondern „gegen“ eine Location arbeiten zu müssen kann nur dann ein befriedigendes Ergebnis liefern, wenn man unverhältnismäßig viel Zeit, Energie und natürlich Geld investiert.

 

Die Auswahl der ausführenden Dienstleister geschieht häufig über eine Ausschreibung, die projektabhängig sehr unterschiedlichen Anforderungen unterliegt. Neben gesetzlichen Bestimmungen können hier beispielsweise auch Vorgaben der Einkaufsabteilung des jeweiligen Endkunden maßgeblich sein. Ausschreibungsunterlagen sollten auf einem weit fortgeschrittenen Planungsstand basieren und möglichst präzise alle notwendigen Informationen liefern, damit die Dienstleister ihr Angebot sauber kalkulieren können. Das bedeutet, dass wichtige Details nicht im Kleingedruckten verschwinden, aber auch, dass eine ausreichende Bearbeitungszeit gewährt wird.

 

 

Was für die Ausschreibung wichtig ist:

1) Prüft sehr genau, welche Ausschreibungsregeln für euch gelten. Sobald die VOB oder die VOL ins Spiel kommen werden die Formalitäten deutlich komplizierter. (Relevant sobald öffentliche Auftraggeber oder Fördergelder eine Rolle spielen.)
2) Stellt klare Regeln und Vorbemerkungen auf, aber überfrachtet sie nicht.
3) Schreibt erst aus, nachdem Ihr geplant habt und beschreibt, was Ihr wirklich braucht. Umfassende Änderungen sowie Mehrungen und Minderungen, insbesondere nach der Vergabe, sind nicht unbedingt ein Zeichen für stringente Planung.
4) Gebt den Dienstleistern Zeit zu kalkulieren. Geschätzte Zahlen helfen weder euerm Budget, noch dem Dienstleister und schon gar nicht dem Projekt. Der Satz „Scheiße, wir haben den Job bekommen…“ fällt öfter als man denkt und ist häufig genau so gemeint.

 

 

Bei der Auswertung der Angebote ist dann nicht zwingend der vermeintliche Gesamtpreis ausschlaggebend. Es muss sehr genau untersucht werden, ob die angebotenen Leistungen vollständig und qualitativ akzeptabel sind. Auch absehbare Änderungen am Konzept sollten vor einer Vergabe auf die Auswirkungen beim Preis untersucht werden.

 

In der Praxis erlebt man hier durchaus Überraschungen. Die im jeweiligen Projekt ausschlaggebenden Details können sehr unterschiedlich sein, allgemein gültig kann man aber sagen: Geht man fair mit den Dienstleistern um hat man eine gute Chance, ein hohes Maß an Service zu erfahren. Verhandelt man (zu) hart nach wird man hingegen für die Ungenauigkeiten in der Ausschreibung oder etwaige Änderungen teuer bezahlen müssen.

 

 

Was für die Auswertung wichtig ist:

1) Unten rechts steht ein erstes Indiz, danach kommt viel Detailarbeit. Prüft genau und rechnet nach. Verbindlich sind in der Regel Einzelpreise. Berechnungsfehler in Tabellenblättern liegen dann im Risiko des Ausschreibenden.
2) Ist alles komplett? Habt Ihr das Gefühl, dass der Bieter die Ausschreibung konzentriert bearbeitet hat? Manchmal ist der Bieter, der viele und gute Rückfragen hatte auf dem besseren Weg als der vermeintlich günstigste.
3) Prüft sehr genau, ob und auf welcher Basis Ihr in der Nachverhandlung pauschalieren wollt (wenn rechtlich möglich), oder ob ein prozentualer oder absoluter Rabatt auf bestimmte Positionen mehr Sinn macht. Eine Pauschale ist verlockend für die Projektkalkulation, macht aber die transparente Abrechnung von Mehrleistungen oder Änderungen deutlich komplizierter. Und irgendwas ist bekanntlich immer…
4) Nehmt unter Betrachtung aller Aspekte das WIRTSCHAFTLICHSTE Angebot an – das ist nicht unbedingt das billigste.

 

 

Fazit: Fand die Veranstaltung statt oder hat sie eine Story erzählt?!

 

Natürlich kann es anstrengend sein, wenn Designer und Planer auf ihre mitunter kreative, nerdige oder penible Art schon frühzeitig jedes Detail hinterfragen und manches Mal Ideen äußern, die auf den ersten Blick überzogen oder unrealistisch wirken. Hier bedarf es dann einer guten Technischen Leitung, die alle Details koordiniert und zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Im Endergebnis kann aber nur die unnachgiebige Detailverliebtheit aller Beteiligten in der Konzeption und Planung die letzten fünf Prozent aus der Veranstaltung herauskitzeln. Und mehr ist es häufig nicht, was zwischen     „Die Veranstaltung fand statt.“     oder     „Die Veranstaltung hat eine Story erzählt.“     steht.

 

 

Jens Labuschewski technischer Planer Event Technikbriefing Jens Labuschewski ist seit 20 Jahren im Eventbereich tätig. Er leitet das Ingenieur Planungsbüro für Event Construction Management (Crossed Disciplines), ist als Dozent tätig und engagiert sich im Prüfungswesen. Neben der Weiterbildung zum Meister für Veranstaltungstechnik absolvierte er ein Studium zum Dipl.-Ing. an der TU Dortmund, Abschluss als Bauingenieur mit Schwerpunkt auf Prozessmanagement, Bauorganisation und Baurecht. In der Planung ist er penibel und detailverliebt, in der Umsetzung bekannt für Konzentration und Gelassenheit bei der Zusammenarbeit.

 

 

Hier geht es zum Teil 3: Bessere Agenturberatung im Eventmarketing

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Innovatives Veranstaltungsformat: Future Cube vom Klubhaus Köln

Innovatives Veranstaltungsformat – der Future Cube beim DGFP//lab im Ersteinsatz // Fotos: Klubhaus

 

 

Kürzlich habe ich eine Fernreise in die Heimat unternommen. Mit Torsten Fremer sass ich am Zülpicher Platz in Köln beim wohl lustigsten Asiaten, den es im Rheinland gibt. Bei Sushi und Tee in Tokyo traf ich fast beiläufig auf einen Ansatz, den ich für die Arbeit bei Konferenzen und Meetings sehr spannend finde. Den Future Cube will ich euch nicht vorenthalten und habe Torsten nach dem Prinzipen dahinter befragt.

 

 

I. Was ist der „Future Cube“ und was zeichnet ihn aus?

 

Der Future Cube ist ein innovatives Veranstaltungsformat. Es verbindet die digital gestützte Entwicklung von Ideen und Lösungen mit analogen Kreativtechniken. Zwischen 50 und 5.000 Personen können interaktiv zusammenarbeiten, gemeinsam kreativ werden und ihr Wissen teilen.

 

Anders als bei klassischen Konferenz- und Workshop-Formaten entstehen beim Future Cube durch digitale Vernetzung Ergebnisse, die von allen getragen werden und somit höchste Relevanz für das gesamte Unternehmen besitzen. An nur einem Tag erleben die Teilnehmer die Kraft kollektiver Intelligenz mit einem beeindruckenden Output an Ergebnissen, die nachhaltig Wirkung zeigen.

 

Der Future Cube ist ein Veranstaltungsformat, das hilft, der Komplexität unserer Zeit zu begegnen. Dabei eignet es sich genau so für Themen der Unternehmenskultur wie für Innovationsprozesse und konkrete Produktentwicklungen oder die kollektive Erarbeitung von Manifesten und Maßnahmenplänen.

 

 

II. Gibt es ein Best-Practice-Beispiel vom Future Cube?

 

Zum ersten Mal kam das Konzept bei dem DGFP//lab zum Einsatz – einem interaktiven Kongressformat für die Deutsche Gesellschaft für Personalführung. Bei der Veranstaltung mit ca. 300 Teilnehmern ging es darum, ein Manifest für die Zukunft der Arbeit zu entwickeln, wo Partizipation und Mitgestaltung eine wichtige Rolle spielen. Das positive Feedback nahezu aller Teilnehmer und die sehr guten Ergebnisse haben uns dazu motiviert, dass Produkt serienreif zu entwickeln.

 

In die Entwicklung des Formates floss das Know-how verschiedener Spezialisten und Fachrichtungen ein. Neben unseren Eventspezialisten vom KLUBHAUS waren es die Didaktikexperten von braincheck um Dr. Carl Naughton und das Methoden- und Beratungsunternehmen nextpractice, das sich schon seit Jahren mit kollektiver Intelligenz und dem sinnstiftenden Einsatz von digitalen Netzwerken beschäftigt.

 

 

III. Wie funktioniert der Prozess?

 

Grob skizziert besteht der Future Cube aus vier Phasen (siehe Bild unterhalb). Während der ersten Phase werden die Teilnehmer an das Thema herangeführt und erweitern ihren Blickwinkel, indem sie Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. In der zweiten Etappe dreht sich alles um das Sammeln von Ideen; gearbeitet wird im interaktiven Wechsel zwischen Klein- und Großgruppe.

 

Der dritte Schritt gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, ihre Ideen digital zu teilen, sich auszutauschen und von den Ergebnissen der anderen Gruppen zu profitieren. In der abschließenden Phase bewerten die Teilnehmer den generierten Ideenschatz. Die Ergebnisse der Kleingruppen werden jederzeit mit dem kompletten Plenum vernetzt.

 

 

Innovatives Veranstaltungsformat FutureCube 4 PhasenInnovatives Veranstaltungsformat FutureCube 4 Phasen

 

 

IV. Welcher ‚Tools’ bedient sich der Future Cube genau?

 

Der Future Cube ist multidimensional und vereint Elemente digitaler Netzwerktechnologien, Ansätze der Neugier-Forschung, klassische Kreativmethoden und externen Input über Marktplätze oder Inspirationsinseln. Digital arbeitet entweder die Gesamtgruppe vernetzt miteinander oder jeweils eine Gruppe von drei bis vier Personen an einem Laptop. Während der analogen Arbeitssequenzen sind es größere Teilgruppen. Je nach Interessenslage lassen sich über Algorithmen schnell immer wieder neue Teams nach individuellen Stärken und Zielen zusammensetzen. Gearbeitet wird übrigens in einem Raum, Breakouts sind nicht notwendig. Gerade das macht die Kraft des Formates aus.

 

 

V. Stichwort „Partizipation“: Wie kann man diese verbessern – oder muss man das gar nicht?

 

In Veranstaltungen erfolgt die Kommunikation immer noch viel zu oft eindimensional, weil es sich beispielsweise um statische beziehungsweise klassische Vortragssituationen handelt. Wenn in Gruppen gearbeitet wird, erfolgt der Informationsaustausch oft isoliert oder beschränkt innerhalb der einzelnen Gruppen. Digitale Kongress-Tools beschränken sich meist noch auf einfache Abstimmungen oder vorbereitete Multiple-Choice-Fragen, die eher als Gadget zu betrachten sind, als dass sie ansatzweise die Möglichkeiten des digitalen Netzwerkens ausschöpfen. Beim Future Cube hat die eingesetzte Technik keinen spielerischen Selbstzweck. Die Ergebnisse des Future Cubes besitzen dadurch, dass Sie von allen Teilnehmern gemeinsam entwickelt und geteilt werden, echte Relevanz für das gesamte Unternehmen – Inhalt gewinnt!

 

 

VI. Wie kann man das Prinzip des vernetzten Arbeitens sinnvoll schon vor und während eines Events nutzen?

 

Relevante Themen und Schwerpunkte lassen sich schon im Vorfeld der Veranstaltung über kurze digitale Online-Sessions identifizieren. Während der Veranstaltung werden die Ergebnisse und sämtliche Arbeitsschritte dank digitaler Vernetzung im Plenum oder in der Kleingruppe geteilt und gleichzeitig dokumentiert. So liegen jedem Teilnehmer aktuelle Ergebnisse direkt nach der Veranstaltung vor. Das bietet eine hervorragende Ausgangsbasis, um vielversprechende Ansätze weiterzuentwickeln und umzusetzen. Eine langwierige Auswertung ist nicht mehr nötig.

 

 

VII. Eignet sich der Future Cube als Methode im Change-Prozess?

 

Mit dem Future Cube können sich Kultur- und Werteverständnis während einer Veranstaltung in Echtzeit ändern, da jeder Teilnehmer alles mitverfolgen und sich zu jeder Zeit einbringen kann. Das ist für viele Unternehmen schon ein Musterwechsel, der die Teilnehmer zu einem engagierten Austausch und Umdenken animiert. Sämtliche Eingaben erfolgen absenderneutral und auch die Kommentierung und Bewertung ist anonym. Auf diese Weise entsteht eine Inhaltsdynamik, die intelligente Ideen und Maßnahmen hervorbringt, die für das Unternehmen wirklich relevant sind und von der Mehrheit getragen und geteilt werden. Das alleine kann schon zu nachhaltigen Veränderungen führen.

 

 

VIII. Wie werden Veranstaltungen Deiner Meinung nach in Zukunft aussehen (müssen)?

 

Ein Patentrezept wird es natürlich auch weiterhin nicht geben. Vielmehr sollte man noch genauer hinschauen, was wirklich die Ziele einer Veranstaltung sind und für jede einzelne die passende Lösung konzipieren. Das ist meinem Verständnis nach die Kernaufgabe einer Agentur. Tendenziell denke ich aber, dass mehr Interaktion ein wesentlicher Punkt sein wird. Damit sich nicht immer wieder der Allgemeinplatz bestätigt, dass das Beste an einer Veranstaltung mal wieder die Kaffeepause war.

 

Nur: Warum ändert niemand etwas daran? Oder provokant gefragt: Warum sind nicht längst die Kaffeepausen zum Mittelpunkt der Veranstaltungen avanciert? Und warum beschränkt sich die Informationsvermittlung nicht auf die Länge einer Kaffeepause? Informationen können heute auf zahlreichen Wegen vorab und digital zur Verfügung gestellt werden. Die Zeit, in der man sich trifft, sollte man dann auch gezielt zum Austausch verwenden. Mit dem Future Cube steht hierzu ab sofort ein professionelles Format zur Verfügung.

 

 

Torsten Fremer Klubhaus Eventagentur Köln Dr. Torsten Fremer, Jahrgang 1968, seit 2008 geschäftsführender Gesellschafter KLUBHAUS, Agentur für intelligente Kommunikation GmbH, mit dem Verantwortungsbereichen Live-Kommunikation und Innovationskultur. Zuvor: Studium Geschichte und Philosophie, Konzeptioner bei den Agenturen red cell (WPP) und Sponsorpartners (BBDO), Inhaber und Geschäftsführer culturepartners.

 

 

 

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Digitales Konzerterlebnis: 6 Fragen an Robert Gummlich

Digitales Konzerterlebnis: Robert Gummlich zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker

 

 

Den Bildregisseur Robert Gummlich habe ich bereits vor zehn Jahren in Köln kennen gelernt. Uns verbindet neben gemeinsam umgesetzten Medienproduktionen auch die Begeisterung für Live-Musik und ein ähnlicher Anspruch an Arbeitsweisen – fachlich wie menschlich. In den letzten Jahren hat Robert maßgeblich die Live-Übertragung von Konzertmitschnitten der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Digital Concert Hall mitentwickelt (Hintergründe und Informationen zur DCH unterhalb). Zu seinen Erfahrungen und Selbstverständnis als Bildregisseur habe ich ihn befragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an eine gelungenes digitales Konzerterlebnis?

 

Klar ist: Ein persönliches Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Es ist wie beim Kochen: Es selbst zu tun, die Dinge zu berühren und fühlen, zu riechen und schmecken und die gesamte Atmosphäre synästhetisch zu empfinden kann einfach niemals das Gleiche sein wie den gleichen Prozess im Fernsehen zu sehen und zu hören. Die Live-Übertragung, egal ob im Fernsehen oder im Internet, ist dennoch die zweitbeste Möglichkeit, an einem Live-Event teilzuhaben, wenn ich nicht selbst vor Ort sein kann (z.B. weil es zu teuer oder ausverkauft ist, meine Mobilität aus Altersgründen vielleicht eingeschränkt ist oder das Event auf einem anderen Kontinent stattfindet). Mein Ziel für ein digitales Konzerterlebnis ist also, dieses Erleben aus der Beobachter*innenperspektive mit den mir verfügbaren fernsehtechnischen Mitteln so intensiv wie möglich zu gestalten. Und dabei die Inhalte, sprich meine Künstler*innen und die sie umgebenden Räume, möglichst optimal zu präsentieren.

 

Als Beispiel möchte ich kurz beschreiben, wie meine liebste Kritik nach einer Übertragung klingen könnte: „Der Dirigent ist ja unglaublich intensiv gewesen heute, aber als der Hornist sich verspielt hat, hat er kurz ganz schön böse geschaut. Und die junge Sopranistin hat ja sogar in den höchsten Tönen noch ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, als sei da nichts dabei. Ich hatte echte Gänsehaut. Und als sie sich dann verbeugt hat und gelacht hat zum Orchester, da war sie wieder so wunderbar natürlich und gelöst, wie ein junges Mädchen. Vorher wirkte sie so ernsthaft und ganz erwachsen.“
Kein Wort davon beschreibt unsere Kamera- oder Regiearbeit, die Einstellungsgrößen, Schnittfrequenzen, Kranfahrten oder sonstige technische Hintergründe unserer Arbeit. Die Zuschauenden waren im Flow des Events, gefesselt von der Intensität der künstlerischen Leistung auf der Bühne, sogar vor dem Bildschirm. Fast so, als säßen sie selbst im Saal. Das ist das erklärte Ziel meiner Arbeit: Meine Künstler*innen und ihre Leistungen so gut aussehen zu lassen, wie es mir möglich ist. Die Basis dafür ist mein tiefer Respekt vor ihrer Leistung und den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für unsere Arbeit.

 

Noch eine kurze Anekdote zu Zuschauenden, wie ich sie mir wünsche: Bei meiner Arbeit an der Wiener Staatsoper, wo ich im vergangenen Jahr das Streaming-Team aufbauen durfte, ist uns ein ganz besonderer Zuschauer begegnet. Dieser Herr sieht sich nicht nur im Rahmen seines Jahres-Abonnements regelmäßig Opern in der Wiener Staatsoper an (in der Mitte des Parketts auf einem wirklich ausgezeichneten Platz). Er schaut sich regelmäßig ein paar Tage später die gleichen Opern noch einmal im Live-Stream an (wir übertragen dort in der Regel die 3. Vorstellung einer Serie), weil er die Qualität der Tonmischung und die Naheinstellungen und Bildführung der Regie genießt. Offensichtlich gelingt es uns, sein Erleben der Oper mit unseren Übertragungen noch zu intensivieren! Und dieser Herr ist bereit, für dieses Erleben seinen Beitrag zu bezahlen, weil er etwas erhält, was ihm das Fernsehen nie bieten kann.

 

 

2. Worin liegt die Herausforderung am Live-Stream?

 

Die meisten Livestreamings haben kleine Budgets, die nicht mit Fernsehbudgets vergleichbar sind. Dennoch werden die Ergebnisse unserer Übertragung mit professionellen Fernsehproduktionen verglichen. Denn diese haben die Seherfahrung unsere Zuschauenden über Jahrzehnte geprägt. Die Herausforderung besteht also darin, mit einem vergleichsweise kleinen Kernteam (5 – 8 Personen beim Streaming im Vergleich zu 30 – 45 Personen bei der Fernsehübertragung) und reduziertem technischen Aufwand ein vergleichbar intensives Erlebnis zu gestalten. Das erfordert natürlich eine Anpassung unseres gelernten Fernsehhandwerks.

 

Was uns dabei hilft ist die Einbettung der Streaming-Abteilung in die entsprechenden Häuser: Wir sind in Berlin ebenso wie in Wien eine eigene Abteilung und kommen nicht als Fremde zu den Musiker*innen. Weil wir die Abläufe besser verstehen als Menschen, die nur einmal im Jahr in einem Konzertsaal arbeiten, können wir besser Rücksicht nehmen auf die Notwendigkeiten der künstlerischen Abläufe. Und wir werden als Verbündete der Musiker*innen wahrgenommen, wir haben im besten Fall ihr Vertrauen. Denn eines muss man sich klar machen: Jede*r weiß im 21. Jahrhundert aus ungezählten Youtube-Clips, wie schnell man vor der Kamera schlecht aussehen kann, wie gnadenlos genau die Kameras heute hinschauen und hinhören. Das schafft große Unsicherheiten, auch wenn sie nur unterschwellig sind und selten eingestanden werden. Und da wir es mit Künstler*innen der absoluten Weltspitze in einer intensiven Konkurrenzsituation zu tun haben, reichen manchmal schon kleine Nuancen oder Ablenkungen, um die Einmaligkeit und damit schlimmstenfalls auch den Marktwert zu gefährden.

 

Umgekehrt, also positiv formuliert: Unsere Künstler*innen vertrauen uns, dass wir sie bestmöglich aussehen lassen, verstehen und schützen. Daher können sie ein klein wenig entspannter und konzentrierter ihre Leistung bringen als bei einer typischen Fernsehübertragung, die breitschultriger auftritt, die Abläufe stört und nicht im Kontakt mit den Künstler*innen und ihren Bedürfnissen steht. Und damit meine ich nicht nur die Bedürfnisse der großen Solist*innen, sondern auch die einer Tutti-Violine am 8. Pult hinten links. Ich glaube also, bei uns spielen die Künstler*innen ungestörter und daher ist das Geschehen vor der Kamera ein wenig intensiver. Da macht es nicht viel aus, wenn unsere Übertragungswerkzeuge sich den Budgets anpassen müssen. Und das schätzen auch unsere Zuschauenden, denn die bezahlen den Abo-Preis nicht für die Vorführung von neuester Showtechnik oder Kameratypen, sondern für das Erleben einer einmaligen künstlerischen Leistung.

 

 


Digital Concert Hall // Video: Berliner Philharmoniker

 

 

3. Worin liegt der Unterschied zwischen Live-Stream und Fernsehen?

 

Internetstreamings sind in meinen Augen ein Schritt hin zur Demokratisierung von medialen Inhalten, wie man sie schon länger im Journalismus (Stichwort: Blogger) wahrnehmen kann: Die gleichen Menschen, die die (künstlerischen) Inhalte herstellen, können darüber entscheiden, sie weltweit ihrem Publikum anzubieten und den Preis dafür zu bestimmen.

 

Und sie verfügen persönlich über die Verbreitungswege und -mechanismen. Sie sind nicht mehr auf die Beurteilung durch Redakteur*innen oder Produzent*innen angewiesen, die eine riesige, extrem teure Mechanik zur Verbreitung verwalten und Einfluss nehmen auf die inhaltliche Auswahl. Die Entscheidungsstrukturen der Internetstreamings sind wesentlich schlanker und schneller als bei Rundfunkanstalten. Auch werden völlig andere Zuschauerzahlen angestrebt: Das Fernsehen zielt auf ein Millionenpublikum in einem regionalen Raum, für Weltmarken wie die Berliner Philharmoniker ist schon eine Zahl um die 4000 Zuschauer weltweit bei einem Live-Event ein großer Erfolg, denn damit hat sich die Zuschauerzahl an diesem Abend verdreifacht im Verhältnis zum Saalpublikum! Und sie erreichen ein weltweites, geneigtes Publikum wesentlich leichter als der Rundfunk, für den schon ein einziges Projekt, das weltweit gesendet wird (wie eine Fußball-WM oder Olympiade) mit einem Vorlauf von mehreren Jahren Organisationsaufwand und immensen Kosten verbunden ist.

 

Möglich wird dies durch die vorhandene Infrastruktur des Internets, die eine demokratische Distribution möglich macht. Deswegen ist auch für die Verbreitung von Kultur im Internet die Netzneutralität ein höchst wertvolles Gut. Und außerdem werden Internetstreamings möglich durch schlankere, spezialisiertere Produktionsverfahren, die wir nach und nach entwickeln. Wobei hier ein bisschen die Gefahr besteht, dass die Honorare für unsere Arbeit verringert werden, weil es sich „nur“ um ein Internetstreaming handelt und im Moment sehr oft um Pilotprojekte. Das ist aber zum Glück bei meinen Auftraggebern nicht mehr der Fall, die wissen die Qualität der Bildregie auch finanziell zu schätzen. An dieser Stelle einen großen Dank dafür!

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Live-Regisseur zu realisieren?

 

Bevor ich die Frage beantworte, möchte ich gerne mein Verständnis meines Jobs beschreiben. Es gibt Live-Regisseur*innen, die ihre kreative Bedeutung und künstlerische Leistung innerhalb der Produktion sehr hoch bewerten und sich selbst als große Künstler*innen präsentieren und verkaufen. Das führt dann häufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen der Künstler*innen auf der Bühne. Dem möchte ich meine Auffassung meines Berufs gegenüberstellen: Ich glaube, wir üben ein hochintelligentes Handwerk aus (eine Haltung, die ich nicht selbst erfunden, sondern während meiner Assistenz-Zeit von einem in meinen Augen sehr guten Regisseur übernommen habe). Die Künstler*innen stehen bei uns VOR der Kamera, unsere Aufgabe hinter der Kamera ist es, ihre Leistung so gut wie möglich zu verstehen. Wir stehen also im Dienste unserer Künstler*innen. Als Bild dafür verwende ich in Seminaren gerne die Vorstellung von einem Übersetzer, der ein Shakespeare-Sonett ins Deutsche übersetzen soll: Reine Technik (Google-Translator) führt zu überhaupt nichts. Der Übersetzer muss zwei Sprachen in ihrer sprachlichen Tiefe und Schönheit verstehen und einsetzen können und dazu noch Shakespeares Intentionen und Witz! Dennoch ist und bleibt das Gedicht, egal ob in Deutsch oder Englisch, zu jedem Zeitpunkt ein Werk Shakespeares. Die Leistung des Übersetzers für den künstlerischen Genuss wird dadurch aber nicht abgewertet, sondern ist für die deutschsprachigen Lesenden absolut wesentlich und unersetzbar.

 

Jetzt zur Antwort, worauf ich angewiesen bin bei meinem Job. Kurz und knapp: Auf mein Team! Eigentlich gibt es dazu fast nichts mehr hinzuzufügen, so selbstverständlich sollte diese Erkenntnis sein. Denn keine*r macht eine Live-Übertragung alleine! No way, never ever! Ich beiss mir immer auf die Lippe, wenn sich jemand vor mich stellt und sagt: „ICH hab letzte Woche eine Oper übertragen / MEINEN Film auf dem Festival präsentiert“ und denke mir: Tatsächlich? Du hast alle Kabel gezogen, bist die LKWs gefahren, hast alle Kameras aufgebaut, das Licht angeschlossen, das Mikro gehalten, die Listen getippt, die Hotels gebucht, die Künstler*innen betreut, das Catering gekocht undundund…???? Respekt, Kollege, ehrlich…

 

Und gerade während einer Live-Übertragung, bei der nichts „in der Postproduktion gefixt“ wird, sondern alles auf Anhieb sitzen muss, bin ich zu 100% darauf angewiesen, dass jede*r im Team mit voller Konzentration, Leistungsbereitschaft und Begeisterung von Anfang bis Ende dabei ist. In unseren reduzierten Stream-Teams, bei denen jede*r mehrere Aufgaben übernimmt, darf es keine menschlichen oder fachlichen Fragezeichen geben, da bin ich unglaublich sensibel. Und wenn man sich in der Regieposition diese 100%ige Abhängigkeit von seinem Team bewusst macht, relativiert sich die sogenannte Machtposition der Regie sehr angenehm. Ich betrachte sie ohnehin eher als eine – zugegebenerweise zentrale – Rolle innerhalb eines notwendigen Hierarchiegefüges für einen klar begrenzten Zeitraums. Dieses Bewusstsein schützt ganz gut vor Überheblichkeit. Leider keine seltene Erscheinung in unserem Beruf…

 

Und worauf wir natürlich immer angewiesen sind: Auf die Leistung unserer Künstler*innen! Denn wenn diese nicht ihr Potenzial optimal abrufen können, können wir den besten Job der Welt gemacht haben und dennoch bleibt das Gesamtergebnis in der Mittelmäßigkeit. Egal ob wir UHD, HD, 4K, 5.1-Surround, Cinemascope oder sonstige Superlative außen drauf schreiben.

 

 

Digital Concert Hall

 

 

5. Wie hast du dich für dieses neue, einmalige Kamera-Übertragungssystem inspirieren lassen – wie kam das zu Stande?

 

Genau genommen gab es für dieses Kamera-System keine Inspiration, weil es weltweit das erste war, das so eingesetzt werden sollte. Da der Bau des ersten Studios der DCH relativ schnell erfolgen musste (aus Gründen des Sponsorings), waren wir als Regieführende in der Planung auch noch nicht involviert. Und vielleicht war das auch gut so, denn sonst hätten wir wahrscheinlich versucht, an unserem Handwerk festzuhalten. So waren wir schlicht gezwungen, umzudenken oder zu verschwinden: Wir standen vor einem fertigen System, das niemand kannte, mit dem noch niemand Erfahrungen hatte und das eine deutliche Veränderung (und auch Verabschiedung mancher Teile) unserer Arbeitsweise erforderte. Wir waren gefordert, unsere Arbeitsweise neu zu erfinden. Und zu forschen, wo die Möglichkeiten, Vorteile und Grenzen dieses Systems liegen. Immer mit den ästhetischen und qualitativen Kriterien, die wir von unseren Fernsehjobs im Kopf hatten.

 

Da hat mir der Satz meines Klavierlehrers, ein wichtiger Mentor in meinem Leben, geholfen: „Schwimmen lernt man nur im Wasser!“ Damit hat er uns immer auf die Bühne geschickt, wenn wir beim Klassen-Vorspiel Lampenfieber hatten.
Also: Augen zu, oder besser: auf! und reingesprungen. Wir hatten allerdings auch eine Vorlaufphase von einem halben Jahr vor der ersten Liveübertragung, so konnten wir alles Mögliche ausprobieren. Das war ein großer Luxus.
Gleichzeitig kommt uns die Situation auf der Bühne entgegen bei der Verschlankung von Strukturen: Letztlich wiederholen sich bei Konzertübertragungen die Einstellungen immer wieder (das ist übrigens, wenn man ehrlich ist, nicht nur im Konzertsaal so). Denn der musikalische Apparat sitzt in dieser Form schon seit Jahrhunderten auf der Bühne und spielt mit den gleichen Instrumenten die gleiche Musik. Das Faszinierende für die Liebhaber*innen dieser Musik kommt über die einzigartige, immer wieder neue und andersartige Interpretation der Musik, damit haben wir aber in unserer Arbeit weniger zu tun. Wir können also in unserem System während der Proben für jede Kamera beliebig viele unterschiedliche Einstellungen der Instrumentengruppen als Snapshots speichern und dann punktgenau (während der Livesendung im Sekundentakt) abrufen. Denn die 1. Flöte sitzt immer am gleichen Platz. Dennoch muss jede Vorstellung neu programmiert werden, denn die Orchesteraufbauten wechseln, eine Mozart-Sinfonie ist keine Wagner-Ouvertüre und verwendet andere Instrumentierungen. Und für besondere Situationen wie Solo-Konzerte oder Chöre können wir inzwischen im Ausnahmefall auch ein bis zwei Zusatzkameras mit Kameramensch im Saal positionieren, das erweitert das System sehr positiv.

 

Bei den Streamings der Opern an der Wiener Staatsoper, die seit Herbst 2013 laufen, sieht es dagegen ganz anders aus: Auf einer Opernbühne werden selbst die besten und präzisesten Akteur*innen niemals an der gleichen Stelle singen. Daher arbeiten wird dort mit zwei Operator*innen, die abwechselnd immer für die nächste Einstellung zuständig sind und beide Zugriff auf alle Kameras haben. Genau genommen haben mich die Verantwortlichen der Wiener Staatsoper nach einem Besuch in Berlin gefragt, ob ich in der Lage bin, unser Berliner Modell auf die Anforderungen der Wiener Staatsoper anzupassen und die Teams dort auszubilden. Wieder ein Sprung in tiefes, kaltes Wasser!

 

Jetzt, nach mehr als 20 Übertragungen in den letzten 12 Monaten kann ich mit Gewissheit sagen: Wir können auch Opern mit Remote-Systemen und kleinem Team anspruchsvoll übertragen, überhaupt kein Problem! Wobei sich die Gestaltung von den typischen Fernsehaufzeichnungen unterscheidet, wir haben den Schnittrhythmus beruhigt und lassen den Akteur*innen mehr Raum auf der Bühne und für ihr Spiel. Das halte ich auch für angemessener: Eine hohe Schnittfrequenz von extremen Naheinstellungen, typisch fürs Fernsehen des 21. Jahrhunderts, wie sie z.B. die Metropolitan Opera in New York weltweit auf die Kinoleinwände bringt, halte ich für ästhetisch problematisch: Eine Opernsängerin, deren Kopf auf einer Kinoleinwand mehrere Meter vergrößert singt, empfinde ich in den meisten Fällen als grotesk entstellt. Dabei geht es nicht um die Frage von richtig oder falsch, sondern immer nur darum: Was ist dem Inhalt und dem Charakter angemessen? Diese kluge und feine Unterscheidung verdanke ich einem hervorragenden Lichtsetzenden Kameramann und gutem Freund, Alexander Törzs (BVFK), der mich bei meinen Projekten regelmäßig berät und unterstützt.

 

 

6. Was war dein bisher größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Das wird jetzt eine sehr persönliche Antwort: In einer hohen Belastungssituation habe ich meine Selbstbeherrschung verloren und mich absolut im Ton gegenüber einer Produktionsleiterin vergriffen. Klar und ehrlich gesagt: Wir haben uns angeschrien.

 

Ich war der Meinung, meine Notwendigkeiten finden zu wenig Beachtung, ich empfand höchsten Druck, fühlte mich erschöpft und überfordert und ich betrachtete eine spezielle, zusätzliche Belastung als bösartige Missachtung meiner Bedürfnisse und Ignoranz meiner Arbeit gegenüber.
Ein Satz mit sehr vielen „Ichs„. Ein sehr großer Fehler. Oder gleich mehrere: Das wertvolle Verhältnis zu einer Kollegin zu belasten für eine im Nachhinein belanglose Arbeitssituation; meine Bedürfnisse in den Mittelpunkt einer Produktion zu stellen; überlastet und unüberlegt zu handeln; die Liste kann jede*r für sich vervollständigen. Ich möchte zu meiner Verteidigung sagen, dass mir so eine Situation nie wieder vorgekommen ist.

 

Am nächsten Tag habe ich mich entschuldigt. Seither versuche ich durch regelmäßige, besonders aufmerksame Kommunikation, inzwischen über 5 Jahre, das erschütterte Vertrauen wieder aufzubauen. Ich bin mir allerdings darüber im Klaren: So etwas vergisst niemand, ich auch nicht! Wir kommen heute dennoch sehr gut klar miteinander.

 

Ich habe mich später vor allem aus persönlichen Gründen mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinander gesetzt, weil die vielen Konflikte in unserem Leben so häufig durch misslingende Kommunikation entstehen. Und ich mich so oft gefragt habe, wieso Menschen, die sogar im Prinzip ähnliche Ziele und Wünsche haben, sich nicht so darüber austauschen können, dass eine Win-Win-Situation für alle entsteht. Die wertschätzend-liebevolle Gedankenwelt von Marshall Rosenberg, die eher eine Weltanschauung und weit mehr ist als eine Kommunikationsmethode, möchte ich hier unbedingt für unser Berufsfeld empfehlen. Unser Berufsalltag ist geprägt von hoher Konzentration, Anspannung und manchmal negativem Stress sowie umfangreichen, verschiedenartigen Bedürfnissen, die häufig widersprüchlich sind. Es wird viel Kritik geübt und noch viel mehr vermeintlich falsche Kritik übel genommen. In diesem Umfeld ist die wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation das Schweizer Taschenmesser der Konfliktlösung, gerade für die Regieposition. Denn mindestens die Hälfte unserer Arbeit ist Kommunikation, wenn nicht mehr.

 

 

Digitales Konzerterlebnis Bildregisseur Robert GummlichRobert Gummlich lebt in Berlin und ist als Bildregisseur für die Übertragung von klassischer Musik, Oper und Theater europaweit unterwegs. Er betreut drei von vier der wichtigsten Streamingprojekte im deutschsprachigen Raum: Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, die WienerStaatoperLive der Wiener Staatsoper, sowie Philharmonie.TV der Kölner Philharmonie. Und neuerdings auch das Nachwuchsprojekt HomeSymphony der Mannheimer Philharmoniker. Basis seiner Tätigkeit ist die eigene künstlerische Ausbildung (Gitarre, Klavier, Querflöte, Chorgesang und Tanz) sowie das auf dieser Ausbildung basierende Studium der Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, das neben den gestalterischen Kompetenzen auch umfangreiche technische Grundlagen vermittelt. Vor dem Schritt zur Regie arbeitete er als Regieassistent für fast alle Kultursender Deutschlands bei den maßgeblichen Klassikübertragungen des deutschen Fernsehens.
Außerdem unterrichtet er sein Handwerk an verschiedenen Institutionen (Düsseldorf, Hannover, Wien). Und profitiert täglich bei seiner Arbeit davon, dass er auch schon als Küchenjunge, Fahrradkurier, Fabrikpacker und LKW-Fahrer gearbeitet hat.

 

 

Hintergrund: Was ist die Digital Concert Hall?

 

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur ein weltweit führendes Orchester, sondern legen schon immer größten Wert darauf, technische Neuerungen nutzbringend für das Orchester einzusetzen und auch in diesem Bereich eine Spitzenposition einzunehmen. So war Herbert von Karajan Ende der 1970er an der Entwicklung der CD beteiligt. Und Karajan war es auch, der bereits in den 1950ern, beim Bau der Berliner Philharmonie, weltweit bekannt für ihre ausgewogene Akustik, Kamerapositionen im ersten architektonischen Konzept der Philharmonie vorbereiten ließ, weil er ahnte, dass die Bildübertragung für Konzerte wichtig werden würde. Außerdem hat er mit dem ZDF berühmte Konzertadaptionen im Studio verfilmt, die für unseren Berufszweig noch immer ästhetisch maßgeblich sind.
Durch die starke Veränderung der Medienlandschaft und den Rückzug der Fernsehsender und Musikproduktionsfirmen aus den klassischen Konzertsälen entstand um die Jahrtausendwende eine Lücke, die es zu füllen galt. Denn die Berliner Philharmoniker haben nicht nur ein treues Publikum in Berlin, das für einen regelmäßig ausverkauften Konzertsaal sorgt, sondern auch eine weltweite Fangemeinde, die sich um die wenigen Plätzen bei den Tourneen durch Asien oder Amerika drängelt. Es lag also nahe, mit dem Aufkommen von Internetstreamings, diese im Sinne des Orchesters zu nutzen und die Internetplattform Digital Concert Hall (DCH) zu entwickeln.

 

Die DCH ist die weltweit erste Internetplattform, auf der registrierte Nutzer*innen seit der Saison 2008/2009 im Rahmen eines Bezahl-Abonnements Zugang erhalten zu den HD-Live-Übertragungen aller Konzerte, die die Philharmoniker in der Berliner Philharmonie spielen. Im Anschluss an die Liveübertragungen können diese Konzerte unbegrenzt im Archiv angesehen und angehört werden. Abgerundet wird das Angebot durch Künstler*innengespräche, Hintergrundberichte, kostenfreie Streamings von Education-Projekten (auch bei den Zuhörenden muss es Nachwuchsförderung geben!) und durch ausgewähltes historisches Material. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Aufzeichnung des Konzerts, das die Berliner Philharmoniker unter Barenboim 1989 zum Mauerfall spontan organisierten. Nach inzwischen sechs Spielzeiten enthält das Archiv mehr als 180 Konzertmitschnitte in HD auf musikalisch höchstem Niveau, ein Archiv, das so weltweit einzigartig ist. Es ist das digitale Vermächtnis der Berliner Philharmoniker.

 

Auch bei der verwendeten Technik ist die DCH einzigartig: Es kommt ein System von 7 Remote-Kameras zum Einsatz, die über ein speichergestütztes System von einem einzigen Kamera-Operator geführt werden. Der wichtigste Grund dafür war, dass auf der Bühne kein Kamerapersonal arbeiten sollte, das die Aufmerksamkeit der Musiker*innen durch ihre Anwesenheit beeinträchtigt oder die Audioqualität durch unabsichtliche Geräusch stört. Gleiches gilt für das Saalpublikum, dessen musikalisches Erlebnis absolut nicht beeinträchtigt werden darf durch unsere Arbeit.

 

Die DCH wendet sich an ein weltweites Publikum im reiferen Alter (im Vergleich zu Fernsehsendern mit der typischen „19 – 49“ Zielgruppe) und hohem kulturellem Bildungsstand. Denn dieses Publikum, das auch bereit ist, für eine einzelne Konzertkarte 100 € und mehr zu investieren, hat ein Bewusstsein für die angebotene Qualität. Und die Bereitschaft und Wertschätzung, für ein Jahresabonnement mit unbegrenztem Zugang zum Archiv 150 € zu bezahlen. Außerdem ist es nicht das typische Publikum, das sich Inhalte kostenfrei und halblegal aus dem Internet „saugt“. Wir haben es also mit Liebhaber*innen klassischer Musik zu tun, außerdem mit Profimusiker*innen weltweit, die sich durch die Arbeit der Dirigent*innen und Musiker*innen auf der Bühne inspirieren und weiterbilden lassen. Und nicht zuletzt – wichtig für die Akzeptanz unserer Arbeit innerhalb des Orchesters – mit den Freund*innen und Familien der Orchestermusiker*innen, denn dieses Orchester vereint mehr als 50 Nationen auf der Bühne und hat seine Wurzeln in der ganzen Welt.

 

Es ist noch anzumerken, dass die DCH im Jahr 2008 die erste Plattform weltweit war (auch vor allen Fernsehsendern!), die regelmäßig hochwertige Inhalte in HD zur Verfügung stellte, lange bevor HD Standard wurde. Und heute diskutieren viele Orchester, die von der DCH angeregt wurden, „The Berlin Model“, das weltweit Maßstäbe gesetzt hat im Sinne der medialen Selbstvermarktung von künstlerischen Inhalten.

 

Social Media at Events: 5 Questions for Liz King

Social Media at Events: Who else to interview than NYC based Liz King, one of the ‚Top 25 Most Influential Event Planners in 2013‘?

 

 

1. Liz, why is social media at events important and how does it help event organizers with their goals?

 

I would say that social media is important for two reasons. First of all, as event organizers, we often need to fill the events that we plan. Social media is a very powerful and important marketing tool that event organizers can leverage to fill their events faster and with higher quality people. In addition, social media can be used to fill the event with great speakers and sponsors. The ​p​ower of social media is that it connects us with experts that we may not otherwise be able to connect with. Social media is ​also ​very important because event organizers, especially independent planners, need to have a personal brand. Our clients are making their buying decisions based on more than price – they want to know that ​t​he event organizers they are hiring are qualified and well respected. Event organizers can leverage social media to share their thought leadership and establish themselves as an expert in the industry. As they make connections with their target market, they will also raise the comfort level between that target market and themselves.

 

 

2. What was the most challenging event that you worked on?

 

I would have to say that the most challenging and meaningful event that we worked on so far has been ​techsytalk LIVE. We have done some really amazing events for clients, but this event is one that we host ourselves, which adds more meaning and challenge. When you create and design an event from scratch, you find a deeper ability to align the goals of the event with the brand. Since you know your own branch so intimately, you are better able to understand what goals you would like to achieve. In addition, it is more challenging because the pressure is certainly on. When we first dreamed up this event, I think we all felt a lot of pressure to make it really amazing – we were bringing together our contacts for sponsors, speakers, attendees and more. We were testing out a new format in front of all of these connections of ours and we were definitely on the spot. Because of this, I am most proud of this event. We can claim ownership of every success and we also know that we own every mistake. It gives us something to strive for in the future.

 

 

3. What does it take to realise a great event job with effective social media use?

 

I could write a book in response to this question, but I will say that I think there are a few important components. First of all, make sure that your social media fits your audience. Regardless of what social media platform you want to use, you must know that your audience will embrace it. Secondly, it’s all about communication – you must make sure that your attendees know what you ​are doing and why. Then, you must get them involved in every step of the way. Educate them, encourage their participation and reward them. Finally, make sure that you evaluate the success of your plans based on the goals you originally set out. Social media is a very powerful tool, but it can also be very superfluous. Make sure you set goals and hold yourself accountable to meeting those goals. And, bringing your attendees into the experience from the very beginning will help them experience the win.

 

 

4. Where do you get inspired regarding social media & innovative event formats?

 

Inspiration is everywhere. I get a lot of ideas from attending events and figuring out what I didn’t like. Sometimes, having a bad experience as an attendee allows me to create a better experience as an event organizer for the attendees of my events. Often times, inspiration comes from my colleagues and industry publications. Sometimes, we can find the se​ed​ of a good idea and put our own spin on it to make it successful.

 

 

5. What was your biggest mistake and what did you learn from it?

 

This is a really great question, though admittedly hard to answer. I think one of the biggest mistakes that I have made is finding the balance between great partnerships. I love collaboration and the idea of working with other people. In some ways though, this ​ha​s backfired on me because either the partnership is not actually effective or perhaps the idea is not great in the end. Sometimes, I get caught up in the idea of working with someone and I don’t take enough time to evaluate ​t​he feasibility of the idea itself. And, on​c​e collaborating with people in the industry, success is very important. Partnerships are very hard if you can’t achieve the success you are all looking for and I never want to leave industry relationships that way. So, one of my greatest challenges in growing the business has been finding the right people to partner with, on the right projects, at the right time.

 

 

Social Media at Events Techsytalk Liz King

 

 

Liz King is an event planning superhero by day, and closeted tech geek and introvert by night. Distraught by the thought of everyday civilians being conquered by spreadsheets, she resolved to re-channel her organizational and tech savvy superpowers and launched Liz King Events while still running events full time for Columbia University. Liz voraciously shared content on event best practices via social media and quickly became a thought leader/influencer amongst her peers. Her hopes of being an incognito event superhero went down the drain as her cover was blown once she started making cameos on lits like ‚Successful Meetings list of 25 Most Influential People in the Meetings Industry“ and ‚Connect Magazine’s list of 40 Under 40 Up-and-Coming Event Planners in 2011″. Liz now comfortably wears her cape and employs her superpowers to helps entrepreneurs/brands like Claudia Chan and Ramit Sethi plan smart, tech-savvy events to better engage their attendees.

 

Outside of client events, Liz uses her prowess to educate and challenge her industry peers on how to better integrate technology into live events to create a more winsome audience experience, through auxiliary outlets techsytalk.com and PlannerTech [Founder]. When not saving gotham from the event planning woes, Liz can be found unwinding by learning how to code, brushing up on her Korean, or indulging in Korean cuisine … all in civilian geek attire, of course.  

 

 

Want to know more about Chris Cuhls and this blog? Please find more information about the German here.

 

ESC 2014 #JoinUs // Die Technologie hinter dem TV-Event…

ESC 2014 Zweitplatzierte: The Common Linnets – Calm After The Storm // Quelle: Eurovision Song Contest     Der diesjährige Eurovision Song Contest am 10. Mai aus Kopenhagen liegt eine gute Woche hinter uns. Zeit, einen Blick hinter die Machart dieser grandiosen Show zu werfen. Obwohl ich kein ESC Fan bin, ist es ein Großereignis, das mich in der diesjährigen […]

Pixmob // Wie man mit LEDs Event Besucher begeistert…

LEDs Event Momente kreiert von Pixmob // Quelle: The Creators Project     „Mit Hilfe von Menschen als Pixelträger eine große visuelle Video- und Lichtfläche erzeugen…“, das war die Ursprungsidee der kanadischen Firma PixMob. In obigem Video erklären die Macher, wie sie bei der Super Bowl Halftime Show mit zehntausenden LED Pixeln das Publikum als Bildfläche verwandelt haben. In der […]

Geheimnisse der Projektionskunst // Think outside the BOX

Projektionskunst 2.0: Die Projection Mapping Videokunst ist um eine Disziplin reicher geworden: projizieren auf bewegte Objekte. In diesem wunderschönen ‚piece of art‘ der Kreativschmiede Bot & Dolly aus San Francisco verbinden sich Mensch und Maschine um gemeinsam die bisher ungeahnte Tiefe der Projektionskunst zu ergründen. In fünf Kapiteln unterteilt (Transformation, Levitation, Intersection, Teleportation, Escape) wird auf geniale Art […]

Medienserver: Welchen benötige ich für mein Event?

Medienserver Watchout // Quelle: FRIDIE interactive

 

 

Welcher Medienserver kann was und welches System ist für meine Zwecke am effektivsten? Oft genug herrscht darüber bei Projektverantwortlichen von Eventagenturen bzw. Endkunden in der Live-Kommunkation Unklarheit. Fragen kostet ja nichts, dachte ich mir und habe bei einigen Experten nachgehakt. Folgend ein einführender Überblick zur Erstorientierung mit dem Ziel besser zu entscheiden welcher Medienserver angebracht ist.

 

 

Medienserver: Watchout vs. Wings

 

Beide Systeme sind reine Medienabspieltools (Video / Audio / Fotos etc.) – und das ist genau ihre Stärke und Schwäche zugleich. Sie können das Zuspielen von Content super – Inhalte kreativ verändern können sie jedoch kaum, Inhalte (bis auf einfachen Text) selber generieren eigentlich gar nicht. Dafür sind sie einfacher zu bedienen, laufen recht stabil und sind im Verhältnis recht günstig. Wings, entwickelt von AV Stumpfl aus Österreich, bietet den wesentlich größeren Funktionsumfang. In manchen Momenten u.a. in der Festinstallation bringt dies Vorteile, macht das Tool aber auch unhandlich und kompliziert. Allerdings ist das System teurer als Watchout aus Schweden.

 

Technisch sind beide Server ähnlich aufgebaut, wobei in der Messe- und Eventbranche immer häufiger auf Watchout gesetzt wird, da es im Handling einfacher ist und aufgrund der Akzeptanz eine wesentlich bessere Verbreitung gibt. Deswegen gibt es momentan nahezu keine Wings-Operator am Markt, was in der Praxis ein K.O. Kriterium ist. Beide Systeme stammen aus der AV-Technologie, um Diaprojektionen zu steuern und sind timeline basiert. In der Praxis bewähren sie sich aufgrund ihrer Systemtabilität immer wieder auf’s Neue.

 

UPDATE: Mit Watchout 6 ist jetzt auch Videomapping möglich. Und um meinen geschätzten Kollegen Thomas Hüneburg zu pleasen: Natürlich sind mit dem richtigen Operator auch kreative Umsetzungen möglich… Klare Empfehlung! 😉

 

Medienserver Wings

Medienserver Wings // Quelle: FRIDIE interactive

 

 

Lichtpult gesteuerte Server: Catalyst vs. Pandoras Box

 

Pandora und Catalyst kommen aus dem Lichtbereich der Veranstaltungstechnik, deswegen lassen sich die Tools ähnlich wie ein Lichtpult programmieren und auch von einem solchen gut steuern (z. B. Grand MA, HOG). Alle Inhalte werden wie einzelne Lampen auf Basis einer CUE Liste programmiert (Position im Raum, Farbigkeit, Übergänge, Start/Stop) und können in Echtzeit angepasst werden. Das eröffnet weitere Möglichkeiten, vor allem in Richtung Kreativität, da Video-Inhalte gleich wie eine Lichtquelle behandelt werden können. Daraus resultiert, dass man sich je nach Anforderung die Mediensteuerung sparen und den Videocontent gleich über das Lichtpult mit abspielen kann.

 

Die Tools sind aber vom grundsätzlichen Handling wesentlich komplizierter und auch teurer, so dass man sich im Zweifel überlegen muss, ob man das MEHR an Features für den Event wirklich braucht (gerade auf Messen oder Konferenzen ist der Content oft schon fertig und muss einfach stabil und verbindlich abgespielt werden).

 

Im Gegensatz zu den Medienservern können diese Systeme 3D Geometrien zum mappen und warpen laden, also im „echten“ 3D Raum arbeiten. Ein MEHR an feature ist auch die recht große Clip- und Shader-Bibliothek. Die Videoqualität war zu Beginn recht mäßig, weshalb die Geräte in der Videobranche zu Beginn kaum Beachtung fanden. Zwischenzeitlich sind die Geräte in der Lage ähnlich wie die Medienserver in voller Auflösung und pixelgenau auszusteuern. Letztlich hängt der Einsatz vom Erfahrungswert und der Herkunft des Operators ab.

 

Medienserver Pandoras Box // Quelle: FRIDIE interactive

 

Weitere Anbieter sind: Hippotizer, Maxedia, MA Video, MBox Extreme sowie für kleinere Anwendungen vielleicht von Interesse der softwarebasierter Server Arkaos.

 

 

Kreativer Sonderfall: d3

 

d3 ist im Vergleich zu den bisher vorgestellten das kreativste System. Es verfügt über einen echten 3D-Raum, einen Realtime Warper und einen sehr leistungsfähigen Mapper für komplexe Videozuspielungen. Der Aufwand die d3 einzurichten und den notwendigen Content dafür zu produzieren ist jedoch sehr aufwendig, deswegen kommt es meist nur bei sehr exklusiven Produktionen zum Einsatz, wo die kreativen Möglichkeiten ausgereizt werden können (z.B. Live-Musik-Touren) oder wenn es Sinn macht, das ganze Set schon im Vorfeld im 3D Raum vorzuproduzieren (u.a. bei 3D/Texture-Mapping auf Objekte/Architektur).

 

Die Vorvisualisierung bietet natürlich gegenüber Kunden bei Content-Abnahmen einen erheblichen Vorteil. Die vorgebaute Show kann dann auch genauso 1:1 vor Ort von dem Server zugespielt werden. Obwohl das System eindeutig teurer ist als die anderen Medienserver wird es sicherlich noch verstärkten Einzug in die Showbranche wie Live-Kommunikation finden. Die d3 ist im Musik touring Bereich entstanden, da es auf Musikbeats tracken kann (die U2 Tournee war hier der Anlass – schöne Referenzprojekte finden sich hier). Ein empfehlenswerter Anbieter ist Lex ter Heurne mit Pixway. Zu guter letzt ein Beispiel vom Eurovision Song Contest 2014 mit der Vorvisualisierung des Siegertitels von Conchita Wurst.

 

Quelle: d3 technologies

 

 

Realtime Lösungen: Ventuz vs. vvvv

 

Für die Gestaltung interaktiver Shows mit Bedarf an realtime rendering von Content (Bauchbinden, Grafiken, Sensorik etc.) bieten sich diese Programmierung an. Mithilfe vieler Schnittstellen können vorproduzierte wie realtime Elemente im 3D Raum zusammen geführt werden. Beispiele finden sich in meinem Blogpost Interactive Shows. Allerdings habe ich immer wieder Systemabbrüche erlebt, die im Sinne von sicheren Showabläufen nicht akzeptabel sind…

 

Medienserver Ventuz // Quelle: FRIDIE interactive

 

 

Fazit: Am Ende gibt es für jeden spezifischen Einsatz den geeigneten Medienserver. Natürlich kommt es auf das Ziel der Veranstaltung und damit den Kundenwunsch an, um den ‚richtigen‘ Medienserver auszuwählen. Gleichzeitig bestimmt die Routine jedes Operators, mit welchem System er am liebsten arbeitet und entsprechend favorisiert. Gute Beratung leistet an dieser Stelle Bernhard Settele von Wildgeist. Einen kontinuierlichen Überblick bietet die-referenz.de.

 

Herzlichen Dank vor allem an Robin Fritz für den Überblick! Er ist mit seinem Kollegen Steffen Dietrich frei buchbar. FRIDIE interactive ist ein Softwareentwicklungsbüro, das sich auf die Planung, Entwicklung und Umsetzung innovativer Multimediapräsentationen spezialisiert hat. Interessant auch ihre Eigenprogrammierung: FRIDIE universe.

 

Frage: Welchen Medienserver favorisierst du und warum (ich vermute die Frage grenzt an religiöse Überzeugungen…)?

Ich freue mich über Deine Antwort auf FacebookTwitter oder LinkedIn. Für regelmäßige Inspiration rund um die Live-Kommunikation trag dich gleich in meinen Newsletter unten links ein.

 

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Klanginstallation // Brooklyn Bridge

Bei meiner regelmäßigen Inspirationsuche bin ich auf die Klanginstallation ‚Human Harp‚ der Künstlerin Di Mainstone aufmerksam geworden. Die Britin verbindet dabei das Zusammenspiel von Bewegung und Sound im urbanen Raum. Die korrespondierenden Komponenten einer Tänzerin mit der Städte-Architektur und sich darin bewegenden Menschen ergeben einfach spannende Hör-Erlebnisse. In dem Video erklärt Di Mainstone auch die technischen Hintergründe der Umsetzung.   Idee […]

Social Media @ Events // who cares???

Social Media Events – worauf kommt es an…? // Foto: ©iStock.com/mangsaab

 

 

Die Zeichen der Zeit stehen klar auf Verstärkung der Social Media Kommunkation bei Events in der Live-Kommunikation.

 

Denkt man – aber ist das richtig? Zahlreiche Infografiken zeigen die Optionen für Social Media Events Aktivitäten auf (ein Querschnitt dazu unterhalb) – so weit so gut.

 

Mein Problem damit: wenn dieses Element zum non-plus-ultra stilisiert wird, dann empfinde ich diese Entwicklung als fast Digital Native falsch.

 

Ja, die Möglichkeiten der Interaktion sind genial und unbedingt zu nutzen – aber mein Bauchgefühl sagt mir, wir sollten unsere Kraft und Energie in das katalysieren von relevanten Ideen und das ehrliche, persönliche und nahbare Aufeinandertreffen der ‚richtigen‘ Zielgruppe lenken.

 

 

Menschen sehnen sich nach Gemeinschaft und Sinn

 

Daher muss auf der realen Begegnung immer die Priorität liegen – nicht auf Social Media.

 

Wenn wir diesen Aspekt wieder mehr ins Zentrum rücken und ehrlich verfolgen, dann wird die Interaktion und der Austausch über die sozialen Foren automatisch passieren, dass lässt sich eh nicht verhindern.

 

Und wo nicht -bedingt durch die Nicht-Affinität von und Nicht-Relevanz für Zielgruppen-, so what – who cares? This is not what events are all about!

 

Der Vollständigkeit halber hier vier Infografiken, wie man Social Media bei Events einsetzen kann – von der Organisation und Promotion über die Optimierung des Live-Erlebnissen bis zur Verlängerung des Events.

 

Spannend ist auch der Beitrag des eveosblog: Digitale Technologien in der Live-Kommunikation

 

 

Bleibt die Frage, wie es dir mit dem ganzen ’neumodischen gedöns‘ geht? Wie ist deine Meinung? Ich freue mich auf Kommentare unterhalb!

 

 

Infografik

Quelle: 4 Wege Social Media bei Events einzusetzen // by eventility

 

 

Infografik

Quelle: Event Marketing From A to Z // by HubSpot

 

 

Social Media Events Möglichkeiten

 

Infografik

Quelle (social media events): The Ultimate Social Media Event Marketing Checklist // by Marketo

 

 

Infografik

Quelle: The Sensible Social Media Marketing Checklist for Businesses v 2.0 // by the whole brain group

Und, wie ist es bei dir mit dem ganzen ’neumodischen gedöns‘? Was hältst du von Social Media Events? Ich freue mich auf Kommentare unterhalb!

Lichtdesign // Mercedes-Benz Fashion Week Berlin

 

Wie muss das Lichtdesign für eine Fashion Show gestaltet sein und worauf kommt es an? Das Lichtgestaltungs-Konzept der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin hat mich schon letztes Jahr beeindruckt. Der 31,5m lange runway muss komplett homogen ausgeleuchtet sein – und das unter Studiolicht Bedingungen. Wie man das realisiert habe ich den Lichtdesigner Florian Schreiter gefragt. Ich sag nur: Stalinorgel!

 

 

 

Lichtdesign – der Schlüssel für Inszenierung

 

Florian kenne ich übrigens schon seit vielen Jahren von TV Produktionen im ZDF wie Wetten, dass..?! oder Carmen Nebel sowie von den legendären Red Bull Events. Als wesentlicher Bestandteil einer Inszenierung hat das Lichtdesign für mich einen sehr großen Stellenwert. Der kreative Einsatz der Lichttechnik unterstützt dabei die künstlerische Aussageabsicht von den Designern im besonderen Maße. Hier noch ein Eindruck von einer Probensituation:

 

Lichtdesign Runway Mercedes-Benz Fashion Week Berlin

 

Mein Job: Ablaufregie // Lichtdesign: Florian Schreiter

Agentur: NOWADAYS CREATIVE PRODUCTION

Kunde: IMG // Mercedes-Benz Fashion Week Berlin

Fotos: PRG Germany, Detlev Klockow

 

Noch ein Blick hinter die Kulissen von ISSEVER BAHRI (feat. Chris Cuhls @ 3:03min):

Quelle: VOGELFRAI FILMPRODUKTION