Wertegemeinschaften: Lasst die Zielgruppen frei!

Zielgruppen vs. Wertegemeinschaften – eine Art Petition von Helge Thomas // Foto: Mercat de la Boqueria auf den Ramblas, Barcelona

 

 

Wenn ich diesen Artikel mit der Behauptung beginne, dass Kommunikation eine der entscheidenden Kompetenzen unserer Zeit ist, wird mir vermutlich niemand widersprechen. Und Bumms. Schon knallen wir gegen die erste Hürde. Niemand lehrt uns Menschen den richtigen Umgang mit Kommunikation. Wir kommunizieren einfach.

 

Alles beginnt mit dem ersten noch unbewussten Schrei, der uns Liebe und im besten Fall Essen beschert. Da hat sich Mutter Natur was tolles ausgedacht. Funktioniert bestens. Bis… – ja bis das mit der Sprache beginnt. „Dutzi dutzi“ hören wir ständig und gurren belustigt zurück. Um es kurz zu machen: Viel ändert sich daran nicht mehr im Verlauf unseres weiteren Lebens. Wir schreien und die Umwelt reagiert. Wir gurren und die Reaktion ist eine andere. Wir bemühen uns ja redlich aber es bleibt kompliziert. Oft genug endet unser Bemühen mit Frust, Streit und Mißverständnissen.

 

Der Oscar prämierte Dramatiker George Bernard Shaw beschrieb dieses Dilemma einst etwas poetischer:

Das größte Problem an der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte statt gefunden“.

 

 

Zielgruppen: „Frauen auf Partnersuche“ & „Männern über 60“

 

Machen wir nach dieser – zugegeben etwas launigen – Einleitung einen mutigen Sprung in die „professionelle“ Kommunikation zwischen Unternehmen und Märkten. Auch hier wird mir niemand widersprechen, wenn ich behaupte, dass Kommunikation ein Schlüsselfaktor wirtschaftlichen Erfolges ist. Das beste Produkt wird in den Lagern verrotten, wenn keiner davon erfährt. Also wird kommuniziert, was das Zeug hält. Doch ganz so einfach ist es nicht. Bestand zwischen dem Säugling und den Eltern noch eine klare Sender-Empfänger-Zuordnung, fehlt diese jetzt völlig. Ein Produkt trifft auf unendlich viele Empfänger.

 

Die Urväter der Werbung erkannten das schnell. Ihre Lösung erschien zunächst logisch. Sie sortierten den riesigen Klumpen „Gesamtbevölkerung“ einfach nach vordergründigen und leicht erkennbaren Merkmalen. Dann sperrten sie diese „Grüppchen“ in kleine Räume und nannten sie „Zielgruppen“. Und so saßen plötzlich alle „Frauen auf Partnersuche“, alle „Männer über 60“ und alle „Kinder aus Großstädten mit höherem Schulabschluss“ zusammen in je einem kleinen Raum und wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Doch es kam noch schlimmer.

 

Kaum hatten sich ihre verängstigten Augen an die flackernde Neonleuchte an der Decke gewöhnt, da ging das Geschrei auch schon los. Es kam aus dem einzigen Fernseher des Raumes. „Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Single über Parship“, „Weniger müssen müssen!“, „Günstige Hotels weltweit buchen, jetzt auf deinem Smartphone“ und immer wieder ultralaut „JETZT KAUFEN! NUR FÜR KURZE ZEIT!“. Den ganzen Tag ging das so. Und die ganze Nacht. Laut, eintönig und penetrant. Es gab kein Entkommen.

 

 

So blöd kann ja nun wirklich niemand sein…

 

Klingt nach Orwell? Stephen King? Dabei ist es nur das, was wir heute immer noch als „Werbung“ bezeichnen. Viel hat sich nicht geändert seit den ersten Anzeigen. Es wurde lediglich immer mehr. Waren es am Anfang nur Bilder, die „geschrien“ haben, kamen mit der Zeit das Radio, das Kino, der Fernseher, der Computer, das Internet und zuletzt noch perfide kleine Mobilgeräte dazu. Die Botschaften blieben immer dieselben. Geklont auf jede erdenkliche Art, auf allen erdenklichen Kanälen. Immer lauter einhämmernd auf die hilflos eingepferchte Zielgruppe.

 

Immer mal wieder wehrten sie sich. Nach Kräften. Doch kaum hatten sie ein Gerät blockiert, kam ein neues dazu. Denn auf seiten der Schreihälse gab es weder Erkenntnis noch Erbarmen. „Wir kennen doch diese verdammten Zielgruppen. Die lieben unsere Produkte. Man muss es ihnen nur oft genug sagen. Sie sehen doch, wie der Umsatz steigt!“ In der Tat geben die Verkaufszahlen und Klickraten den Schreihälsen oft Recht. Auch wenn sie natürlich verschweigen, dass sie an den völlig falschen Stellen messen. Aber das ist eine ganz andere – nicht minder grausame – Geschichte.

 

Schweißgebadet wache ich auf. Gott sei Dank, ich habe nur geträumt. Erleichtert wische ich mir über die Stirn. Wie albern, denke ich. Ich meine, so blöd kann ja nun wirklich niemand sein. Niemand, der die guten Schulen besucht, Kommunikation oder Marketing studiert hat und weiß, dass man Menschen nicht mit eintönigem Geschrei erreicht. Schon gar nicht, wenn man sie vorher eingesperrt hat. Das wäre ja Folter im Sinne der Genfer Konventionen und somit ein Fall für Den Haag. Das wäre ja so, als würden Ärzte den menschlichen Körper in Einzelteile trennen, jedes davon völlig isoliert betrachten und behandeln, wohl wissend, dass der Mensch ein Gesamtorganismus ist. Halt warte… schlechter Vergleich. Das tun die ja auch.

 

Könnt Ihr mir überhaupt folgen? Versteht Ihr, was ich sagen will?

 

OK, nochmal ganz einfach: Menschen sind sehr komplexe und individuell höchst unterschiedliche Wesen, die nur dann (re)agieren, wenn ihnen etwas wirklich wichtig und wertvoll ist. NUR dann. Fangt doch mal bei Euch selbst an. Was ist das wertvollste, dass Ihr besitzt? Lasst mich raten, es ist nicht Euer Auto. Mit welchen Menschen würdet Ihr gerne einen Abend verbringen? Doch wohl am ehesten – abgesehen von irgendwelchen Promis – mit Menschen, die Eure Werte und Interessen teilen. Also Menschen, die auch einen Hund haben, sich ebenfalls vegan ernähren, Ähnliches erlebt haben, dieselbe Musik lieben, dieselben Bücher lesen oder – etwas trauriger – die gleiche Krankheit haben wie Ihr. Richtig?

 

Wir haben vor drei Jahren einen Versuch gemacht und genau solche Fragen, willkürlich zusammegestellt, auf 14fragen.de veröffentlicht. Nach einiger Zeit haben wir die dort anonym gegebenen 804 Antworten in einem kleinen – von unserer Designerin schön gestalteten – Booklet zusammen gestellt. Wenn Ihr Lust habt, da mal rein zu schauen, schreibt mir einfach eine Mail mit Eurer Adresse und ich schicke Euch ein Exemplar zu.

 

Wie auch immer. Solltet Ihr – was ich nicht glaube – noch nie auf die Idee gekommen sein, Eure Kunden nach mehr als ihrer Mailadresse, ihrer Kleidergröße oder ihrer Position im Unternehmen zu befragen. Wenn Ihr sie stattdessen – was ich nicht glaube – jeden Tag auf allen Kanälen mit dumpfen „Wir haben den Längsten“-Botschaften bewerft, weil Ihr glaubt „alle in einen Sack und drauf, es wird schon die richtigen treffen“. Wenn… – aber Freunde, wirklich nur dann schaut Euch diesen Film an. Schaut ihn zuende.

 


Wertegemeinschaften vs. Zielgruppen Ansprache von TV2 Dänemark // (Quelle: TV2 youtube)

 

 

Herzwert kommunizieren!

 

Schaut ihn noch einmal. Schöner kann man nicht erklären, was ich meine. Und wenn ihr auch ein kleines bisschen Gänsehaut habt oder euch zumindest ein heimliches Tränchen aus dem Augenwinkel entweicht, dann ist es noch nicht zu spät. Dann lasst uns endlich anfangen, wieder WERTvoll mit Menschen zu kommunizieren. Lasst uns dabei an sich verändernde WERTEgemeinschaften denken, nicht an eingesperrte Zielgruppen. Und lasst uns vor allem nicht (nur) über Produkte sondern über echte WERTE reden. Zuallererst mal über unsere eigenen. Und dann lasst Euch überraschen, wieviele Herzen uns zufliegen.

 

Das Schönste daran: Ein gewonnenes Herz bleibt viel länger als ein erzwungener „Kunde“. Geld verdienen sollte die Folge dessen sein, was wir tun, niemals das Ziel. Klar soweit?

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas ist Creative Director bei pro event live-communication in Heidelberg und in dieser Rolle ebenso Gründer von SHIFT, einer Initiative für neues Denken und Handeln sowie Herausgeber und Redakteur des Online-Magazins HERZWERT. Aus seiner großen Liebe zum SC Freiburg und den vielen Freudentränen im dortigen Schwarzwaldstadion macht er ebenso wenig ein Geheimnis wie um seine große Leidenschaft für kreative Ideen und mutige Menschen, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen. Helge ist auf vielen sozialen Netzwerken zu finden und freut sich immer über Zuwachs in seiner Wertegemeinschaft.

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf.“ Axel Beyer

 

 

Wie weckt man Emotionen? Diese Frage treibt mich seit Jahren um. Warum erzeugt die Mona Lisa im Louvre eine magische Anziehung und andere Bilder nicht? Warum nimmt mich der eine Redner erfolgreich mit auf seine Gedanken-Reise und der andere nicht? Warum berühren mich einige Lieder und andere eben nicht?

 

Emotionen zu wecken ist die Kernaufgabe für die Konzeption von Events. Wer Emotionen weckt, bekommt auch eine Reaktion. So werden Beziehungen aufgebaut. Eine gute Währung für die Live-Kommunikation. Daher habe ich sieben Kreativdirektoren gebeten, ihre Gedanken und Erfahrungswerte zu schenken. Wie unmöglich es ist, das in eine paar Sätze zu packen, zeigt der Prolog von Helge Thomas auf…

 

 

Helge Thomas: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen?!

 

 

Diese Frage kann ich definitiv nicht beantworten. Das hat vielerlei Gründe. Lass mich vielleicht zwei davon kurz heraus greifen. Zum einen hat das Wort „Emotionen“ einen so riesigen semantischen Hof, dass man Russland darin parken könnte. Zweimal. Ach was rede ich. Viermal. Von den rein biologischen Partys, die da im limbischen System abgehen, ganz zu schweigen. Und dann dieser Volksmund mit seinem Angerlatein „Das geht zu Herzen“. Ja, eben nicht! „Da schüttet der Hippocampus mal wieder tonnenweise Endorphine in die Blutbahn,“ müsste das korrekt heißen. Egal. Wo war ich? Ach ja. Zum anderen: Gäste sind niemals gleich Gäste. Und meistens sind es nicht einmal meine Gäste, sondern die Gäste meines Kunden oder auch die seines Chefs oder seiner Frau. Im Falle öffentlicher Veranstaltungen sind es gar völlig fremde Menschen, die man der Einfachheit halber dann eben auch Gäste oder besser Besucher nennt. Was die Sache nicht einfacher macht. Was sagst du? Meine Reaktion auf deine Frage erscheint dir etwas zu emotional? Mitnichten, mein Lieber! Ich versuche dir lediglich zu erklären, warum ich dir kein „Rezept“ nennen kann, wie ich Emotionen bei Gästen wecke. Und überhaupt: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen. Vielleicht sind sie auch gerade ganz woanders. In Gedanken. Oder sie haben sich nur versteckt. Unter der Oberfläche. Siehst du. Das meine ich. Schon sind wir mitten drin, im Deutungslabyrinth der menschlichen Gefühle. Und wenn ich jetzt weiter schreibe, kommen wir da beide nicht mehr raus. Weißt du noch, was ich oben schrieb? Eben. Ich auch nicht. 🙂

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas, 1964 in Heidelberg geboren, Schauspieltalent vom Vater geerbt, schon viele künstlerische und wirtschaftliche Bühnen bespielt: Als Darsteller auf und Beleuchter hinter der Bühne von Theaterproduktionen, in Marketing- und Vertriebsverantwortung bei großen Unternehmen sowie neun Jahren als freiberuflicher Start-Up-Coach, SocialMedia-Experte und Filmemacher. Heute ist er Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei pro event.

 

 

 

Kai Janssen: Es ist wie bei einem Rendezvous…

 

 

Wenn man davon ausgeht, dass Emotionen mit dem Ziel erzeugt werden, beim Gast zu punkten und eine Beziehung aufzubauen, dann ist es wie bei einem Rendezvous:

 

Zunächst sorgt man mit dem passenden Ambiente für die gewünschte Stimmung. (Location, Licht, Musik, Essen)

 

Dann stellt man seinem Gegenüber Fragen – das signalisiert Interesse und ist die Basis für einen unterhaltsamen Austausch. (Einbeziehung des Gastes, Interaktion)

 

Ganz wichtig nun – der Überraschungsmoment! Plötzlich tritt etwas ein, womit mein Gegenüber nicht gerechnet hat, was anscheinend nur für ihn bestimmt ist, verbunden mit einer persönlichen Botschaft. (Setzt voraus, dass ich die Zielgruppe verstanden habe). Der Höhepunkt einer perfekt durchdachten Inszenierung. Trifft ins Herz und bleibt im Kopf. Meistens jedenfalls.

 

 

Kai Janssen Matt Circus Event KreativdirektorKai Janssen, seit 2012 Geschäftsführer und Creative Director der MATT CIRCUS GmbH in Köln, davor freier Creative Director und Konzeptioner in diversen Event- und PR-Agenturen, studierte bildende Künste, Fokus Raum und Medien, regelmäßiger Gastdozent zum Thema „Konzeption in der Live-Kommunikation“, 2. Präsident der FICA, Cross-Crocket-Spieler und -Weltmeister, in fester Beziehung.

 

 

 

Petra Lammers: Geschichten, Geschichten, Geschichten

 

 

Mit Geschichten!
… und einem genauen Blick auf alle „Figuren“, Raum/Situation, Handlungsstränge, Plotpoints und Inhalte.

 

(Auf die Bitte nach Beispielen sandte Petra folgendes): Die interaktive Bodenprojektion beim Energiesee oder das Storytelling mit Lampen, die als Figuren das Wiesbadener Kurhaus und die Welt von Fraunhofer erkunden:

 


Creative Director Petra Lammers onlivelinePetra Lammers, inszeniert seit über 15 Jahren Theater-, Public Space- und Eventproduktionen, gemeinsam mit Norwin Kandera Geschäftsführerin von onliveline, einem Büro für Konzeption und Inszenierung. Davor Creative Directorin / Konzeptionerin bei Panroyal in Wuppertal sowie freie Theaterregisseurin, studierte MBA und MFA in Dramaturgie und Regie.

 

 

 

Philipp Dorendorf: Man inszeniert oder inszeniert um

 

 

Heilig Abend im Kreise der Lieben. Deep house statt Last Christmas. Rot ist nicht rot, sondern pink. Der Baum ist aus Draht. Die Lichterketten geben Strobo-Blitze ab.

 

U5-Kindergeburtstag. Nicht Volker Rosin, nein, dafür Rammstein. Rammstein ist auch alt, aber düsterer und dazu schwarzes Konfetti statt bunten Luftballons.

 

Apropos Schwarz: Warum nicht mal für eine Grabrede die Kebekus einsetzen: Pussy Terror.

 

Nein? Okay, denn wir unterliegen Lernstrukturen, assoziativen Mustern und Neuro-Programmen. Und weil das so ist, sind Stimmungen und Emotionen künstlich auslösbar, zu verändern oder zu beeinflussen. Man inszeniert oder inszeniert um. Mit: Musik, Licht, Farben, Tageszeit, Temperatur, unter Umständen Gerüche, Appearance von Akteuren – räumlich und zeitlich verdichtet. Das ist eigentlich gar nicht so schwer.

 

 

Philipp Dorendorf CD facts and fiction EventagenturPhilipp Dorendorf, Ü37, aus Hamburg. Ausbildung zum Grafik Designer und Marketing-Kommunikationswirt, seit 2010 Creative Director bei facts and fiction für Köln und Berlin.
Kreatives auf: www.neopdo.com

 

 

 

Martin Klingler: Content is King

 

 

Am Anfang steht immer die Idee! Daraus wird dann die Storyline entwickelt. Und die muss im funktionalen Eventdesign und in einer multisensorischen zweckorientierten Inszenierung erzählt werden. Nur dann können Botschaften überhaupt ankommen, verstanden werden und gar hängen bleiben – und in anderen Kanälen weiter erzählt werden. Stichwort Storytelling und Wirkungspotenz durch Multisensorik.

 

Was wirklich zählt, ist schlicht das klassische Kommunikationshandwerk, beschrieben mit den bekannten und inflationär gebrauchten Marketingfloskeln… aber wahr bleiben sie trotzdem und genau deshalb: Content is King – und ist das neue Storytelling. Wenn die Story aber nicht spannend erzählt wird, so dass der Zuhörer mit mehreren Sinnen emotional berührt wird, wenn sie nicht auf anderen Kanälen vor und nach dem Event weiter erzählt wird – Stichwort Vernetzung, die wir früher integrierte Kommunikation nannten – dann darf sich keiner wundern, wenn die Botschaft entweder gar nicht ankommt oder schnell verloren geht. Und auf keinen Fall echte Emotionen weckt.

 

Was mache ich also, um Emotionen zu wecken?
Definitiv nichts weltbewegendes Neues: eine gute Story entwickeln, sie anregend, spannend und vielschichtig erzählen. Und dafür verwenden wir gerne neueste Technik und Methoden – immer dann wenn es Sinn macht. Hat!

 

 

Kreativdirektor Martin Klingler Creative DirectorMartin Klingler, Creative Director bei marbet in Künzelsau. (Und mit dieser Bemerkung: „kann mich für unfassbar viel begeistern, immer wenn es mich berührt…“ Ideengeber für diesen Blogpost.)

 

 

 

 

Miriam Wüstefeld: Bedürfnisse erkennen, überraschen, passender Rahmen

 

 

Wir leben heute in einer sehr beschleunigten Welt, in der das Überangebot regiert und in der kaum Zeit zum Innehalten bleibt. Aus meiner Perspektive bedarf es daher vor allem der Fähigkeit individuelle Bedürfnisse zu erkennen, um echte Emotionen wecken zu können.

 

Die Kunst und Herausforderung liegt dann darin zu überraschen und einen sehr persönlichen Nerv zu treffen.

 

Neben den wichtigsten Parametern, die nach meiner Auffassung inhaltlicher Anspruch und Respekt sind, ist der passende Rahmen relevant. Dazu zählt neben einer entsprechenden Räumlichkeit auch das Thema Ergonomie. Der Wohlfühlfaktor ist eng an Emotionen geknüpft – zumindest wenn diese positiv ausfallen sollen.

 

 

Miriam Wuestefeld freiberufliche Kreativdirektorin MünchenMiriam Wüstefeld, München, 32 Jahre, freiberufliche Kreativdirektorin, Schwerpunkt: Kommunikation im Raum, Markenwelten, Zusammenarbeit und Festanstellung in diversen Agenturen unter anderem Zibert + Friends, CE+Co, VOK DAMS, BBDO Live, Uniplan.

 

 

 

Stephan Schäfer-Mehdi: Erprobte Rituale nutzen und intuitiv vorgehen

 

 

Live-Kommunikation nutzt jahretausendealte erprobte Rituale, um Emotionen zu wecken. Religion mit ihren Kulten und das Theater mit seinen inszenatorischen Mitteln sind dafür die Grundlage. Ihr Studium und deren Anwendung ist hilfreich, aber der intuitive Umgang letztlich effektiver.

 

Was rational am Reisbrett entstand ist zwar oft richtig, aber nicht immer erfolgreich. Wer hört die Kammermusik des Computerkollegen Iamus, der nach allen Regeln der Kunst programmiert wurde wie Mozart zu schreiben? Wir gehen immer noch in die Zauberflöte, obwohl der Rechner alles richtig macht. Deshalb bedient sich auch die virtuelle Welt der gleichen Muster, der Überraschungen und Ansprache möglichst vieler Sinne.

 

Das wird vielleicht erst anders, wenn die Künstliche Intelligenz Kommunikation für ihresgleichen konzipiert. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

 

 

Creative Director Stephan Schaefer-Mehdi Eventmarketing CD CCO Live-KommunikationStephan Schäfer-Mehdi, freiberuflicher Creative Director und ¬Consultant, vorher Chief Creative Officer/CD von VOK DAMS und Quasar Communications, mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet, Mitglied im Art Directors Club für Deutschland, Autor des Standardwerkes „Event-Marketing„, 2014 den Kriminalroman „Tod in den Bergen“ veröffentlicht. Wuppertaler.

 

 

 

Creative Director – habt herzlichen Dank für eure Gedanken. Chapeau!

Frage: Wie weckst du Emotionen? Freue mich auf einen Kommentar oder Beispiele unterhalb.

Tipp: Weitere Hinweise darauf, wie Emotionen geweckt werden, geben 7 Inszenierungs-Experten in diesem Buch.

 

 

Was dich noch zum Thema interessieren könnte:

Theaterregisseur Axel Beyer: EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit!

Emotion & Reaktion – das Prinzip von TV-Unterhaltungs-Regisseur Carsten Seibt

18 Things Great Creative Directors Do Every Day

 

Gastbeitrag Marie Jacobi // Mit Graphic Recording zu besseren Veranstaltungen

Graphic Recording in Aktion // Foto: Marc Stephan

 

Wir kennen das doch alle: Ein Vortragender rattert seine Powerpoint-Präsentation runter, die Hälfte der Zuhörer schaut aufs Smartphone, die andere Hälfte ist schon eingeschlafen. Oder: Eine Gruppendiskussion wird dominiert von einigen wenigen, die sich besonders in den Vordergrund drängen.

 

Was ich hier ein wenig überspitzt dargestellt habe, ist leider trauriger Alltag bei vielen der täglich in Deutschland stattfindenden Meetings. Umso schöner ist es, dass das Graphic Recording sich so langsam in der Veranstaltungsbranche etabliert. Obwohl die Methode ihre Ursprünge bereits in den 1970er Jahren hat, scheint erst jetzt ihr Potenzial erkannt zu werden. Das wurde aber auch Zeit!

 

 

Worum geht es beim Graphic Recording?

 

Wikipedia beschreibt Graphic Recording als „die Anfertigung eines visuellen Verlaufsprotokolls während einer Veranstaltung“. Beim Graphic Recording werden also Inhalte und Kernaussagen von Vorträgen oder Gruppendiskussionen in Echtzeit zeichnerisch dokumentiert. Das visuelle Verlaufsprotokoll wird durch einen Graphic Recorder erstellt, der die Inhalte zeichnerisch festhält – meist auf einer großflächigen Papierwand.

 

Graphic Recording by Marie JacobiGraphic Recording by Marie Jacobi  www.visualrecording.de

 

 

Wobei nützt Graphic Recording bei Veranstaltungen?

 

Die Einsatzmöglichkeiten des Graphic Recording im Meetingbereich sind vielfältig. Es bietet sich vor allem dort an, wo Menschen zusammen kommen, um Themen zu besprechen oder zu erarbeiten. Als Diplom-Designerin durfte ich bereits viele Veranstaltungen von Kunden betreuen. Dazu gehören Workshops, Vorträge, Konferenzen und Seminare. Durch das visuelle Verlaufsprotokoll können die Zuhörer und Teilnehmer einer Diskussion oder einem Vortrag besser folgen. Somit werden sie in den Entstehungsprozess eingebunden. Das erhöht die Aufmerksamkeit und Motivation jedes Einzelnen und fördert die Kommunikation untereinander. Durch die visuelle Darstellung der Inhalte wird nicht zuletzt auch die rechte Gehirnhälfte aktiviert. Und die ist bekanntermaßen für die Kreativität zuständig.

 

Insgesamt wirkt sich das begleitende Visualisieren positiv auf die Stimmung und die Ergebnisse aus, wie es auch Auftraggeber immer wieder hervorheben. Als positiver Nebeneffekt kann die fertige Zeichnung bei der Veranstaltung abfotografiert und den Teilnehmern im Nachfeld zugesendet werden. Die Notwendigkeit der Erstellung eines schriftlichen Protokolls – in das eh kaum jemand reinschaut – entfällt damit. Manchmal werden die Zeichnungen aber auch weiterverwertet und für den internen Gebrauch oder im Internet im Rahmen einer Dokumentation veröffentlicht. Teilweise bleiben die Zeichnungen auch im Gruppenraum hängen. So kann bei späteren Workshops wieder auf die Inhalte zugegriffen werden.

 

Auch wenn es sich bei den von mir genannten Effekten nicht um wissenschaftlich fundierte Aussagen handelt, bin ich mir sicher, dass das begleitende Visualisieren der Inhalte zu zufriedenen Teilnehmern und besseren, nachhaltigeren Ergebnissen führt. Graphic Recording und Visual Recording kann also eine Bereicherung für viele Veranstaltungsformate darstellen. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass im Vorfeld der Veranstaltung Graphic Recorder und Veranstalter die Inhalte der Veranstaltung besprechen und die Ziele klar formulieren.

 

Fazit: Man kann also hoffen, dass das Graphic Recording seinen festen Platz in der Veranstaltungsbranche findet und langweiligen Powerpoint-Vorträgen und lahmen Gruppendiskussionen den Garaus macht. Mit meiner Kunst hoffe ich, meinen Teil dazu beizutragen.

 

 

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Graphic Recording Marie JacobiÜber Marie Jacobi

 

Marie Jacobi ist seit ihrem Abschluss als Diplom-Designerin als Illustratorin und Graphic Recorder tätig. Für ihre Kunden ist sie europaweit im Einsatz. Aufgewachsen in Hamburg mit deutsch-französischen Wurzeln lebt sie mittlerweile seit vielen Jahren in Berlin. Auf Ihrer Webseite www.visualrecording.de zeigt Sie ihr Leistungsspektrum und Referenzen.

 

 

 

 

Vielen Dank Marie für diesen wertvollen Beitrag zur MICE Industrie! Welche Tools setzt ihr gerne bei Meetings ein?

 

VW Werbung // Storytelling mit Humor

Diesen Frühsommer realisierte ich eine roadshow für Volkswagen, bei der ich die sog. Werberolle während des Einlasses genauestens studieren konnte. Ehrlich gesagt sind mir manche Bilder erst nach Wochen zum ersten Mal bewußt aufgegangen, dafür aber um so stärker ins Gedächtnis gegangen… Parallel lese ich gerade das Buch ‚Standing on the shoulders of giants‚, indem […]

Storytelling #2 // Wie die Heldenreise dir helfen kann

Heldenreise & Storytelling // Foto: André Wirsig, Videos: Michael Wiese Productions & Free Range Studios

 

 

Wenn unsere Veranstaltungen für unsere Zielgruppen nicht mehr bedeutungsvoll sind,

dann ist es weil wir Macher vergessen haben die Besucher zu bewegenihre Emotionen zu erregen 

und sie zu einer gesunden Katharsis zu begleiten, von der Aristoteles spricht. (frei nach Christoph Vogler)

 

 

Storytelling ist in jedem Munde – ob bei PR-Textern, im Fundraising oder für Journalisten bei Print, TV und Radio. Nur was genau verbirgt sich hinter diesem Buzz-Word? Die Heldenreise bietet für mich einen spannenden Ansatz. Was können wir daraus für die Konzeption von Live-Events vom Geschichtenerzählen lernen? Denn: wenn wir andere Menschen von Ideen überzeugen wollen, dann erzählen wir Geschichten!

 

Begonnen hat alles vor Jahrtausenden mit der mündlich geprägten Kultur unserer Vorfahren. Der Mythenforscher Joseph Campbell hat bei der Analyse von Religionen und Mythen universelle Erfahrungsmuster aufgezeigt, die sich in allen Mythologien dieser Erde nachweisen lassen. Damit ist er der Entdecker der HeldenreiseChristopher Vogler erkannte die Bedeutung der Heldenreise für erfolgreiches Entertainment und hat das Modell für Hollywood bekanntgemacht. So basieren zahlreiche Filme wie Star Wars, Herr der Ringe und Pretty Woman auf den Motiven der Heldenreise mit folgenden 12 Stationen, wie sie Christoph Vogler in dem Video erklärt:

 

 

 

Die 12 Stationen der Heldenreise:

 

1. Ausgangspunkt ist die gewohnte Welt des Helden.

2. Der Held wird zum Abenteuer gerufen.

3. Diesem Ruf verweigert er sich daraufhin zumeist.

4. Ein Mentor überredet ihn daraufhin die Reise anzutreten, und das Abenteuer beginnt.

5. Der Held überschreitet die erste Schwelle, nach der es kein Zurück mehr gibt.

6. Daraufhin wird er vor erste Bewährungsproben gestellt und trifft dabei auf Verbündete und Feinde.

7. Nun dringt er bis zur tiefsten Höhle vor und trifft dabei auf den Gegner.

8. Hier findet die entscheidende Prüfung statt: Konfrontation und Überwindung des Gegners.

9. Der Held wird belohnt, indem er z.B. den Schatz oder das Elixier raubt.

10. Nun tritt er den Rückweg an, während dessen es zur Auferstehung des Helden kommt.

11. Diese Auferstehung ist nötig, da er durch das Abenteuer zu einer neuen Persönlichkeit gereift ist.

12. Anschließend tritt der Held mit dem Elixier den Heimweg an.

 

 

Storytelling für Markenerlebnisse

 

In dem Buch Winning the Story Wars zeigt Jonah Sachs ein Modell auf, welches jede Marke nutzen kann, damit ihre Botschaft gehört und erlebbar wird. Dazu müssen Markengeschichten jedoch nicht nur erzählt, sondern gelebt werden:

 

 

 

Heldenreise – starke Prinzipien für die Live-Kommunikation

 

Den Transfer, wie diese Prinzipien nun für die Konzeption von Veranstaltungsformaten in der Live-Kommunikation verwendet werden können, überlasse ich euch kreativen Lesern und bin auf Praxisbeispiele äußerst gespannt…! Sehr zielführend empfinde ich zumindest die Heldenreise auf die Erlebnisse von Besuchern bei Events zu projizieren. Auch bei der Gestaltung von Einspielerfilmen kann beispielsweise nach den aufgeführten Prinzipien gearbeitet werden.

 

Vertiefende Gedanken zum Thema ‚Storytelling & Heldenreise‘ finden sich in diesem Ebook von Uwe Walter sowie in den Online- und Buchempfehlungen unterhalb. Weitere Beiträge meiner Storytelling-Reihe sind: #1 Prinzipien#3 Transformation und #4 transmedialen Storytelling. Hervorheben möchte ich auch das Buch von Donald Miller (unterhalb) mit der zentralen Aussage: ‚Good storytelling is a character who wants something and overcomes conflict to get it!‘ Wie dies für das eigene Leben anzuwenden ist verdeutlicht er auf spannende Art und Weise in seinem Buch.

 

Welche Geschichtenerzähler sind dir in der Live-Kommunikation aufgefallen? Wer beherrscht das Handwerk aus deiner Sicht gut und was kann man davon lernen?

 

Weiterführende Links und Buchempfehlungen:

 

                              

 

Wo bist du? // Willow Creek Inszenierung einer Bibelstelle aus Psalm 46

Willow Creek Chicago Inszenierung // Quelle: Blaine Hogan     Anfang 2012 wurde ich als Event Berater zum Willow Creek FOKUS Leitungskongress eingeladen. Ziel des Kongresses ist es Leiter aus Kirchen in Deutschland, Österreich und Schweiz für ihre Arbeit zu inspirieren. Praxisnahe ‚tools‘ an die Hand zu bekommen ist ein klarer Wunsch der Kongressbesucher. Diesem Bedürfnis begegnet […]