Eventregie – worauf kommt es an?

Nach unzähligen Shows und erfolgreicher Corporate Events möchte ich gerne meine Erfahrung in der Eventregie weiter geben. Aus meiner Sicht kommt es dabei auf drei Prinzipien an:

 

 

1) Kommunikation – und zwar ständig: zwischen der Agentur und den Projektverantwortlichen im Vorfeld, den Akteuren und Rednern auf der Bühne, sowie in der Umsetzung mit dem Technikteam und allen weiteren Beteiligten. Dies auf der Produktion vor Ort alles möglichst gleichzeitig, freundlich, bestimmt und schnell. Dann kommt auch alles wie gewünscht auf den Punkt.

 

2) Präzision – eine genaue Vorstellung von dem zu haben, wie alles am Ende aussehen soll. Natürlich mit aller Kreativität – aber diese muss ja nicht erst vor Ort entwickelt werden. So können die einzelnen Programmpunkte zügig eingerichtet werden, wohl wissend was dies für die einzelnen Gewerke bedeutet und mit maximalem Nutzenfaktor der verfügbaren Ressourcen. Präzision ist dann ebenso das Stichwort beim eigentlichen show calling – dies sorgt für Verlässlichkeit, Klarheit und damit Sicherheit.

 

3) Ruhe bewahren – Veranstaltungen sind immer aufregend – aber mit mir in der Eventregie nicht stressig, zumindest nicht für Sie. Von Anfang an war es schon als Aufnahmeleiter bei TV Shows meine Maxime, gut organisiert und mit einem kühlen Kopf zu leiten. Das hat sich bewährt und ist zentral für die Eventregie.

 

 

Eventregie – ohne Teamwork geht gar nichts

 

Letztlich kaufen Event-Agenturen meine Fähigkeit als Regisseur ein, um Sicherheit zu gewinnen. Mit mir können Sie sich sicher sein, dass die Veranstaltung so läuft, wie geplant: reibungslos. Meine Regieleistung kommt dabei immer auch mit einer Vision und Zielrichtung einher. Es ist für mich essenziell, zu erfassen, was Sie mit der Show inhaltlich erreichen wollen und gemeinsam können wir dann ein präzises Bild entwickeln, das mit meiner  umgesetzt werden kann. Meinen Führungsstil würde ich als kooperativ beschreiben – weitergehende Gedanken dazu hier.

 

Kurzum: Gerne begleite ich die Eventregie Ihrer Veranstaltung routiniert und innovativ zugleich. Als Experte für Corporate Events habe ich große Freude dabei, all diese Aspekte in immer wieder neuen Konstellationen zu realisieren. Mit meinem Interesse magische Momente zu kreieren und starke Ideen zu katalysieren, bin ich mir bewusst, dass gut geleitetes Teamwork zentral für den Erfolg ist und immer gewinnt.

 

 

Haben Sie Fragen oder wünschen Unterstützung für wirkungsvolle Live-Events? Kontaktieren sie mich einfach. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen! Erfahrungswerte und praktische Beispiele meiner Eventregie Expertise finden sich beim IAA 2011 Projekt sowie der IAA 2013.

 

 

Weiteres Lese-Interesse? Dazu folgende drei Linktipps:

Wie schreibe ich einen Regieplan? // Eine Muster-Vorlage gibt es hier!

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

Meine Top 20 Beiträge auf diesem Event Blog

 

 

Eventregie Chris Cuhls - Teamfoto Atelier Markgraph @ Daimler IAA 2013

Team Atelier Markgraph auf der IAA 2013 für Daimler // Danke Helge Thomas für das Aufmacher-Bild!

 

 

Um regelmäßig Inspirationen für die Arbeit in der Live-Kommunikation zu erhalten, tragen Sie sich in meinen Newsletter ein oder besuchen Sie mein Facebook Profil

 

Digitales Konzerterlebnis: 6 Fragen an Robert Gummlich

Digitales Konzerterlebnis: Robert Gummlich zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker

 

 

Den Bildregisseur Robert Gummlich habe ich bereits vor zehn Jahren in Köln kennen gelernt. Uns verbindet neben gemeinsam umgesetzten Medienproduktionen auch die Begeisterung für Live-Musik und ein ähnlicher Anspruch an Arbeitsweisen – fachlich wie menschlich. In den letzten Jahren hat Robert maßgeblich die Live-Übertragung von Konzertmitschnitten der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Digital Concert Hall mitentwickelt (Hintergründe und Informationen zur DCH unterhalb). Zu seinen Erfahrungen und Selbstverständnis als Bildregisseur habe ich ihn befragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an eine gelungenes digitales Konzerterlebnis?

 

Klar ist: Ein persönliches Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Es ist wie beim Kochen: Es selbst zu tun, die Dinge zu berühren und fühlen, zu riechen und schmecken und die gesamte Atmosphäre synästhetisch zu empfinden kann einfach niemals das Gleiche sein wie den gleichen Prozess im Fernsehen zu sehen und zu hören. Die Live-Übertragung, egal ob im Fernsehen oder im Internet, ist dennoch die zweitbeste Möglichkeit, an einem Live-Event teilzuhaben, wenn ich nicht selbst vor Ort sein kann (z.B. weil es zu teuer oder ausverkauft ist, meine Mobilität aus Altersgründen vielleicht eingeschränkt ist oder das Event auf einem anderen Kontinent stattfindet). Mein Ziel für ein digitales Konzerterlebnis ist also, dieses Erleben aus der Beobachter*innenperspektive mit den mir verfügbaren fernsehtechnischen Mitteln so intensiv wie möglich zu gestalten. Und dabei die Inhalte, sprich meine Künstler*innen und die sie umgebenden Räume, möglichst optimal zu präsentieren.

 

Als Beispiel möchte ich kurz beschreiben, wie meine liebste Kritik nach einer Übertragung klingen könnte: „Der Dirigent ist ja unglaublich intensiv gewesen heute, aber als der Hornist sich verspielt hat, hat er kurz ganz schön böse geschaut. Und die junge Sopranistin hat ja sogar in den höchsten Tönen noch ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, als sei da nichts dabei. Ich hatte echte Gänsehaut. Und als sie sich dann verbeugt hat und gelacht hat zum Orchester, da war sie wieder so wunderbar natürlich und gelöst, wie ein junges Mädchen. Vorher wirkte sie so ernsthaft und ganz erwachsen.“
Kein Wort davon beschreibt unsere Kamera- oder Regiearbeit, die Einstellungsgrößen, Schnittfrequenzen, Kranfahrten oder sonstige technische Hintergründe unserer Arbeit. Die Zuschauenden waren im Flow des Events, gefesselt von der Intensität der künstlerischen Leistung auf der Bühne, sogar vor dem Bildschirm. Fast so, als säßen sie selbst im Saal. Das ist das erklärte Ziel meiner Arbeit: Meine Künstler*innen und ihre Leistungen so gut aussehen zu lassen, wie es mir möglich ist. Die Basis dafür ist mein tiefer Respekt vor ihrer Leistung und den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für unsere Arbeit.

 

Noch eine kurze Anekdote zu Zuschauenden, wie ich sie mir wünsche: Bei meiner Arbeit an der Wiener Staatsoper, wo ich im vergangenen Jahr das Streaming-Team aufbauen durfte, ist uns ein ganz besonderer Zuschauer begegnet. Dieser Herr sieht sich nicht nur im Rahmen seines Jahres-Abonnements regelmäßig Opern in der Wiener Staatsoper an (in der Mitte des Parketts auf einem wirklich ausgezeichneten Platz). Er schaut sich regelmäßig ein paar Tage später die gleichen Opern noch einmal im Live-Stream an (wir übertragen dort in der Regel die 3. Vorstellung einer Serie), weil er die Qualität der Tonmischung und die Naheinstellungen und Bildführung der Regie genießt. Offensichtlich gelingt es uns, sein Erleben der Oper mit unseren Übertragungen noch zu intensivieren! Und dieser Herr ist bereit, für dieses Erleben seinen Beitrag zu bezahlen, weil er etwas erhält, was ihm das Fernsehen nie bieten kann.

 

 

2. Worin liegt die Herausforderung am Live-Stream?

 

Die meisten Livestreamings haben kleine Budgets, die nicht mit Fernsehbudgets vergleichbar sind. Dennoch werden die Ergebnisse unserer Übertragung mit professionellen Fernsehproduktionen verglichen. Denn diese haben die Seherfahrung unsere Zuschauenden über Jahrzehnte geprägt. Die Herausforderung besteht also darin, mit einem vergleichsweise kleinen Kernteam (5 – 8 Personen beim Streaming im Vergleich zu 30 – 45 Personen bei der Fernsehübertragung) und reduziertem technischen Aufwand ein vergleichbar intensives Erlebnis zu gestalten. Das erfordert natürlich eine Anpassung unseres gelernten Fernsehhandwerks.

 

Was uns dabei hilft ist die Einbettung der Streaming-Abteilung in die entsprechenden Häuser: Wir sind in Berlin ebenso wie in Wien eine eigene Abteilung und kommen nicht als Fremde zu den Musiker*innen. Weil wir die Abläufe besser verstehen als Menschen, die nur einmal im Jahr in einem Konzertsaal arbeiten, können wir besser Rücksicht nehmen auf die Notwendigkeiten der künstlerischen Abläufe. Und wir werden als Verbündete der Musiker*innen wahrgenommen, wir haben im besten Fall ihr Vertrauen. Denn eines muss man sich klar machen: Jede*r weiß im 21. Jahrhundert aus ungezählten Youtube-Clips, wie schnell man vor der Kamera schlecht aussehen kann, wie gnadenlos genau die Kameras heute hinschauen und hinhören. Das schafft große Unsicherheiten, auch wenn sie nur unterschwellig sind und selten eingestanden werden. Und da wir es mit Künstler*innen der absoluten Weltspitze in einer intensiven Konkurrenzsituation zu tun haben, reichen manchmal schon kleine Nuancen oder Ablenkungen, um die Einmaligkeit und damit schlimmstenfalls auch den Marktwert zu gefährden.

 

Umgekehrt, also positiv formuliert: Unsere Künstler*innen vertrauen uns, dass wir sie bestmöglich aussehen lassen, verstehen und schützen. Daher können sie ein klein wenig entspannter und konzentrierter ihre Leistung bringen als bei einer typischen Fernsehübertragung, die breitschultriger auftritt, die Abläufe stört und nicht im Kontakt mit den Künstler*innen und ihren Bedürfnissen steht. Und damit meine ich nicht nur die Bedürfnisse der großen Solist*innen, sondern auch die einer Tutti-Violine am 8. Pult hinten links. Ich glaube also, bei uns spielen die Künstler*innen ungestörter und daher ist das Geschehen vor der Kamera ein wenig intensiver. Da macht es nicht viel aus, wenn unsere Übertragungswerkzeuge sich den Budgets anpassen müssen. Und das schätzen auch unsere Zuschauenden, denn die bezahlen den Abo-Preis nicht für die Vorführung von neuester Showtechnik oder Kameratypen, sondern für das Erleben einer einmaligen künstlerischen Leistung.

 

 


Digital Concert Hall // Video: Berliner Philharmoniker

 

 

3. Worin liegt der Unterschied zwischen Live-Stream und Fernsehen?

 

Internetstreamings sind in meinen Augen ein Schritt hin zur Demokratisierung von medialen Inhalten, wie man sie schon länger im Journalismus (Stichwort: Blogger) wahrnehmen kann: Die gleichen Menschen, die die (künstlerischen) Inhalte herstellen, können darüber entscheiden, sie weltweit ihrem Publikum anzubieten und den Preis dafür zu bestimmen.

 

Und sie verfügen persönlich über die Verbreitungswege und -mechanismen. Sie sind nicht mehr auf die Beurteilung durch Redakteur*innen oder Produzent*innen angewiesen, die eine riesige, extrem teure Mechanik zur Verbreitung verwalten und Einfluss nehmen auf die inhaltliche Auswahl. Die Entscheidungsstrukturen der Internetstreamings sind wesentlich schlanker und schneller als bei Rundfunkanstalten. Auch werden völlig andere Zuschauerzahlen angestrebt: Das Fernsehen zielt auf ein Millionenpublikum in einem regionalen Raum, für Weltmarken wie die Berliner Philharmoniker ist schon eine Zahl um die 4000 Zuschauer weltweit bei einem Live-Event ein großer Erfolg, denn damit hat sich die Zuschauerzahl an diesem Abend verdreifacht im Verhältnis zum Saalpublikum! Und sie erreichen ein weltweites, geneigtes Publikum wesentlich leichter als der Rundfunk, für den schon ein einziges Projekt, das weltweit gesendet wird (wie eine Fußball-WM oder Olympiade) mit einem Vorlauf von mehreren Jahren Organisationsaufwand und immensen Kosten verbunden ist.

 

Möglich wird dies durch die vorhandene Infrastruktur des Internets, die eine demokratische Distribution möglich macht. Deswegen ist auch für die Verbreitung von Kultur im Internet die Netzneutralität ein höchst wertvolles Gut. Und außerdem werden Internetstreamings möglich durch schlankere, spezialisiertere Produktionsverfahren, die wir nach und nach entwickeln. Wobei hier ein bisschen die Gefahr besteht, dass die Honorare für unsere Arbeit verringert werden, weil es sich „nur“ um ein Internetstreaming handelt und im Moment sehr oft um Pilotprojekte. Das ist aber zum Glück bei meinen Auftraggebern nicht mehr der Fall, die wissen die Qualität der Bildregie auch finanziell zu schätzen. An dieser Stelle einen großen Dank dafür!

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Live-Regisseur zu realisieren?

 

Bevor ich die Frage beantworte, möchte ich gerne mein Verständnis meines Jobs beschreiben. Es gibt Live-Regisseur*innen, die ihre kreative Bedeutung und künstlerische Leistung innerhalb der Produktion sehr hoch bewerten und sich selbst als große Künstler*innen präsentieren und verkaufen. Das führt dann häufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen der Künstler*innen auf der Bühne. Dem möchte ich meine Auffassung meines Berufs gegenüberstellen: Ich glaube, wir üben ein hochintelligentes Handwerk aus (eine Haltung, die ich nicht selbst erfunden, sondern während meiner Assistenz-Zeit von einem in meinen Augen sehr guten Regisseur übernommen habe). Die Künstler*innen stehen bei uns VOR der Kamera, unsere Aufgabe hinter der Kamera ist es, ihre Leistung so gut wie möglich zu verstehen. Wir stehen also im Dienste unserer Künstler*innen. Als Bild dafür verwende ich in Seminaren gerne die Vorstellung von einem Übersetzer, der ein Shakespeare-Sonett ins Deutsche übersetzen soll: Reine Technik (Google-Translator) führt zu überhaupt nichts. Der Übersetzer muss zwei Sprachen in ihrer sprachlichen Tiefe und Schönheit verstehen und einsetzen können und dazu noch Shakespeares Intentionen und Witz! Dennoch ist und bleibt das Gedicht, egal ob in Deutsch oder Englisch, zu jedem Zeitpunkt ein Werk Shakespeares. Die Leistung des Übersetzers für den künstlerischen Genuss wird dadurch aber nicht abgewertet, sondern ist für die deutschsprachigen Lesenden absolut wesentlich und unersetzbar.

 

Jetzt zur Antwort, worauf ich angewiesen bin bei meinem Job. Kurz und knapp: Auf mein Team! Eigentlich gibt es dazu fast nichts mehr hinzuzufügen, so selbstverständlich sollte diese Erkenntnis sein. Denn keine*r macht eine Live-Übertragung alleine! No way, never ever! Ich beiss mir immer auf die Lippe, wenn sich jemand vor mich stellt und sagt: „ICH hab letzte Woche eine Oper übertragen / MEINEN Film auf dem Festival präsentiert“ und denke mir: Tatsächlich? Du hast alle Kabel gezogen, bist die LKWs gefahren, hast alle Kameras aufgebaut, das Licht angeschlossen, das Mikro gehalten, die Listen getippt, die Hotels gebucht, die Künstler*innen betreut, das Catering gekocht undundund…???? Respekt, Kollege, ehrlich…

 

Und gerade während einer Live-Übertragung, bei der nichts „in der Postproduktion gefixt“ wird, sondern alles auf Anhieb sitzen muss, bin ich zu 100% darauf angewiesen, dass jede*r im Team mit voller Konzentration, Leistungsbereitschaft und Begeisterung von Anfang bis Ende dabei ist. In unseren reduzierten Stream-Teams, bei denen jede*r mehrere Aufgaben übernimmt, darf es keine menschlichen oder fachlichen Fragezeichen geben, da bin ich unglaublich sensibel. Und wenn man sich in der Regieposition diese 100%ige Abhängigkeit von seinem Team bewusst macht, relativiert sich die sogenannte Machtposition der Regie sehr angenehm. Ich betrachte sie ohnehin eher als eine – zugegebenerweise zentrale – Rolle innerhalb eines notwendigen Hierarchiegefüges für einen klar begrenzten Zeitraums. Dieses Bewusstsein schützt ganz gut vor Überheblichkeit. Leider keine seltene Erscheinung in unserem Beruf…

 

Und worauf wir natürlich immer angewiesen sind: Auf die Leistung unserer Künstler*innen! Denn wenn diese nicht ihr Potenzial optimal abrufen können, können wir den besten Job der Welt gemacht haben und dennoch bleibt das Gesamtergebnis in der Mittelmäßigkeit. Egal ob wir UHD, HD, 4K, 5.1-Surround, Cinemascope oder sonstige Superlative außen drauf schreiben.

 

 

Digital Concert Hall

 

 

5. Wie hast du dich für dieses neue, einmalige Kamera-Übertragungssystem inspirieren lassen – wie kam das zu Stande?

 

Genau genommen gab es für dieses Kamera-System keine Inspiration, weil es weltweit das erste war, das so eingesetzt werden sollte. Da der Bau des ersten Studios der DCH relativ schnell erfolgen musste (aus Gründen des Sponsorings), waren wir als Regieführende in der Planung auch noch nicht involviert. Und vielleicht war das auch gut so, denn sonst hätten wir wahrscheinlich versucht, an unserem Handwerk festzuhalten. So waren wir schlicht gezwungen, umzudenken oder zu verschwinden: Wir standen vor einem fertigen System, das niemand kannte, mit dem noch niemand Erfahrungen hatte und das eine deutliche Veränderung (und auch Verabschiedung mancher Teile) unserer Arbeitsweise erforderte. Wir waren gefordert, unsere Arbeitsweise neu zu erfinden. Und zu forschen, wo die Möglichkeiten, Vorteile und Grenzen dieses Systems liegen. Immer mit den ästhetischen und qualitativen Kriterien, die wir von unseren Fernsehjobs im Kopf hatten.

 

Da hat mir der Satz meines Klavierlehrers, ein wichtiger Mentor in meinem Leben, geholfen: „Schwimmen lernt man nur im Wasser!“ Damit hat er uns immer auf die Bühne geschickt, wenn wir beim Klassen-Vorspiel Lampenfieber hatten.
Also: Augen zu, oder besser: auf! und reingesprungen. Wir hatten allerdings auch eine Vorlaufphase von einem halben Jahr vor der ersten Liveübertragung, so konnten wir alles Mögliche ausprobieren. Das war ein großer Luxus.
Gleichzeitig kommt uns die Situation auf der Bühne entgegen bei der Verschlankung von Strukturen: Letztlich wiederholen sich bei Konzertübertragungen die Einstellungen immer wieder (das ist übrigens, wenn man ehrlich ist, nicht nur im Konzertsaal so). Denn der musikalische Apparat sitzt in dieser Form schon seit Jahrhunderten auf der Bühne und spielt mit den gleichen Instrumenten die gleiche Musik. Das Faszinierende für die Liebhaber*innen dieser Musik kommt über die einzigartige, immer wieder neue und andersartige Interpretation der Musik, damit haben wir aber in unserer Arbeit weniger zu tun. Wir können also in unserem System während der Proben für jede Kamera beliebig viele unterschiedliche Einstellungen der Instrumentengruppen als Snapshots speichern und dann punktgenau (während der Livesendung im Sekundentakt) abrufen. Denn die 1. Flöte sitzt immer am gleichen Platz. Dennoch muss jede Vorstellung neu programmiert werden, denn die Orchesteraufbauten wechseln, eine Mozart-Sinfonie ist keine Wagner-Ouvertüre und verwendet andere Instrumentierungen. Und für besondere Situationen wie Solo-Konzerte oder Chöre können wir inzwischen im Ausnahmefall auch ein bis zwei Zusatzkameras mit Kameramensch im Saal positionieren, das erweitert das System sehr positiv.

 

Bei den Streamings der Opern an der Wiener Staatsoper, die seit Herbst 2013 laufen, sieht es dagegen ganz anders aus: Auf einer Opernbühne werden selbst die besten und präzisesten Akteur*innen niemals an der gleichen Stelle singen. Daher arbeiten wird dort mit zwei Operator*innen, die abwechselnd immer für die nächste Einstellung zuständig sind und beide Zugriff auf alle Kameras haben. Genau genommen haben mich die Verantwortlichen der Wiener Staatsoper nach einem Besuch in Berlin gefragt, ob ich in der Lage bin, unser Berliner Modell auf die Anforderungen der Wiener Staatsoper anzupassen und die Teams dort auszubilden. Wieder ein Sprung in tiefes, kaltes Wasser!

 

Jetzt, nach mehr als 20 Übertragungen in den letzten 12 Monaten kann ich mit Gewissheit sagen: Wir können auch Opern mit Remote-Systemen und kleinem Team anspruchsvoll übertragen, überhaupt kein Problem! Wobei sich die Gestaltung von den typischen Fernsehaufzeichnungen unterscheidet, wir haben den Schnittrhythmus beruhigt und lassen den Akteur*innen mehr Raum auf der Bühne und für ihr Spiel. Das halte ich auch für angemessener: Eine hohe Schnittfrequenz von extremen Naheinstellungen, typisch fürs Fernsehen des 21. Jahrhunderts, wie sie z.B. die Metropolitan Opera in New York weltweit auf die Kinoleinwände bringt, halte ich für ästhetisch problematisch: Eine Opernsängerin, deren Kopf auf einer Kinoleinwand mehrere Meter vergrößert singt, empfinde ich in den meisten Fällen als grotesk entstellt. Dabei geht es nicht um die Frage von richtig oder falsch, sondern immer nur darum: Was ist dem Inhalt und dem Charakter angemessen? Diese kluge und feine Unterscheidung verdanke ich einem hervorragenden Lichtsetzenden Kameramann und gutem Freund, Alexander Törzs (BVFK), der mich bei meinen Projekten regelmäßig berät und unterstützt.

 

 

6. Was war dein bisher größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Das wird jetzt eine sehr persönliche Antwort: In einer hohen Belastungssituation habe ich meine Selbstbeherrschung verloren und mich absolut im Ton gegenüber einer Produktionsleiterin vergriffen. Klar und ehrlich gesagt: Wir haben uns angeschrien.

 

Ich war der Meinung, meine Notwendigkeiten finden zu wenig Beachtung, ich empfand höchsten Druck, fühlte mich erschöpft und überfordert und ich betrachtete eine spezielle, zusätzliche Belastung als bösartige Missachtung meiner Bedürfnisse und Ignoranz meiner Arbeit gegenüber.
Ein Satz mit sehr vielen „Ichs„. Ein sehr großer Fehler. Oder gleich mehrere: Das wertvolle Verhältnis zu einer Kollegin zu belasten für eine im Nachhinein belanglose Arbeitssituation; meine Bedürfnisse in den Mittelpunkt einer Produktion zu stellen; überlastet und unüberlegt zu handeln; die Liste kann jede*r für sich vervollständigen. Ich möchte zu meiner Verteidigung sagen, dass mir so eine Situation nie wieder vorgekommen ist.

 

Am nächsten Tag habe ich mich entschuldigt. Seither versuche ich durch regelmäßige, besonders aufmerksame Kommunikation, inzwischen über 5 Jahre, das erschütterte Vertrauen wieder aufzubauen. Ich bin mir allerdings darüber im Klaren: So etwas vergisst niemand, ich auch nicht! Wir kommen heute dennoch sehr gut klar miteinander.

 

Ich habe mich später vor allem aus persönlichen Gründen mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinander gesetzt, weil die vielen Konflikte in unserem Leben so häufig durch misslingende Kommunikation entstehen. Und ich mich so oft gefragt habe, wieso Menschen, die sogar im Prinzip ähnliche Ziele und Wünsche haben, sich nicht so darüber austauschen können, dass eine Win-Win-Situation für alle entsteht. Die wertschätzend-liebevolle Gedankenwelt von Marshall Rosenberg, die eher eine Weltanschauung und weit mehr ist als eine Kommunikationsmethode, möchte ich hier unbedingt für unser Berufsfeld empfehlen. Unser Berufsalltag ist geprägt von hoher Konzentration, Anspannung und manchmal negativem Stress sowie umfangreichen, verschiedenartigen Bedürfnissen, die häufig widersprüchlich sind. Es wird viel Kritik geübt und noch viel mehr vermeintlich falsche Kritik übel genommen. In diesem Umfeld ist die wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation das Schweizer Taschenmesser der Konfliktlösung, gerade für die Regieposition. Denn mindestens die Hälfte unserer Arbeit ist Kommunikation, wenn nicht mehr.

 

 

Digitales Konzerterlebnis Bildregisseur Robert GummlichRobert Gummlich lebt in Berlin und ist als Bildregisseur für die Übertragung von klassischer Musik, Oper und Theater europaweit unterwegs. Er betreut drei von vier der wichtigsten Streamingprojekte im deutschsprachigen Raum: Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, die WienerStaatoperLive der Wiener Staatsoper, sowie Philharmonie.TV der Kölner Philharmonie. Und neuerdings auch das Nachwuchsprojekt HomeSymphony der Mannheimer Philharmoniker. Basis seiner Tätigkeit ist die eigene künstlerische Ausbildung (Gitarre, Klavier, Querflöte, Chorgesang und Tanz) sowie das auf dieser Ausbildung basierende Studium der Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, das neben den gestalterischen Kompetenzen auch umfangreiche technische Grundlagen vermittelt. Vor dem Schritt zur Regie arbeitete er als Regieassistent für fast alle Kultursender Deutschlands bei den maßgeblichen Klassikübertragungen des deutschen Fernsehens.
Außerdem unterrichtet er sein Handwerk an verschiedenen Institutionen (Düsseldorf, Hannover, Wien). Und profitiert täglich bei seiner Arbeit davon, dass er auch schon als Küchenjunge, Fahrradkurier, Fabrikpacker und LKW-Fahrer gearbeitet hat.

 

 

Hintergrund: Was ist die Digital Concert Hall?

 

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur ein weltweit führendes Orchester, sondern legen schon immer größten Wert darauf, technische Neuerungen nutzbringend für das Orchester einzusetzen und auch in diesem Bereich eine Spitzenposition einzunehmen. So war Herbert von Karajan Ende der 1970er an der Entwicklung der CD beteiligt. Und Karajan war es auch, der bereits in den 1950ern, beim Bau der Berliner Philharmonie, weltweit bekannt für ihre ausgewogene Akustik, Kamerapositionen im ersten architektonischen Konzept der Philharmonie vorbereiten ließ, weil er ahnte, dass die Bildübertragung für Konzerte wichtig werden würde. Außerdem hat er mit dem ZDF berühmte Konzertadaptionen im Studio verfilmt, die für unseren Berufszweig noch immer ästhetisch maßgeblich sind.
Durch die starke Veränderung der Medienlandschaft und den Rückzug der Fernsehsender und Musikproduktionsfirmen aus den klassischen Konzertsälen entstand um die Jahrtausendwende eine Lücke, die es zu füllen galt. Denn die Berliner Philharmoniker haben nicht nur ein treues Publikum in Berlin, das für einen regelmäßig ausverkauften Konzertsaal sorgt, sondern auch eine weltweite Fangemeinde, die sich um die wenigen Plätzen bei den Tourneen durch Asien oder Amerika drängelt. Es lag also nahe, mit dem Aufkommen von Internetstreamings, diese im Sinne des Orchesters zu nutzen und die Internetplattform Digital Concert Hall (DCH) zu entwickeln.

 

Die DCH ist die weltweit erste Internetplattform, auf der registrierte Nutzer*innen seit der Saison 2008/2009 im Rahmen eines Bezahl-Abonnements Zugang erhalten zu den HD-Live-Übertragungen aller Konzerte, die die Philharmoniker in der Berliner Philharmonie spielen. Im Anschluss an die Liveübertragungen können diese Konzerte unbegrenzt im Archiv angesehen und angehört werden. Abgerundet wird das Angebot durch Künstler*innengespräche, Hintergrundberichte, kostenfreie Streamings von Education-Projekten (auch bei den Zuhörenden muss es Nachwuchsförderung geben!) und durch ausgewähltes historisches Material. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Aufzeichnung des Konzerts, das die Berliner Philharmoniker unter Barenboim 1989 zum Mauerfall spontan organisierten. Nach inzwischen sechs Spielzeiten enthält das Archiv mehr als 180 Konzertmitschnitte in HD auf musikalisch höchstem Niveau, ein Archiv, das so weltweit einzigartig ist. Es ist das digitale Vermächtnis der Berliner Philharmoniker.

 

Auch bei der verwendeten Technik ist die DCH einzigartig: Es kommt ein System von 7 Remote-Kameras zum Einsatz, die über ein speichergestütztes System von einem einzigen Kamera-Operator geführt werden. Der wichtigste Grund dafür war, dass auf der Bühne kein Kamerapersonal arbeiten sollte, das die Aufmerksamkeit der Musiker*innen durch ihre Anwesenheit beeinträchtigt oder die Audioqualität durch unabsichtliche Geräusch stört. Gleiches gilt für das Saalpublikum, dessen musikalisches Erlebnis absolut nicht beeinträchtigt werden darf durch unsere Arbeit.

 

Die DCH wendet sich an ein weltweites Publikum im reiferen Alter (im Vergleich zu Fernsehsendern mit der typischen „19 – 49“ Zielgruppe) und hohem kulturellem Bildungsstand. Denn dieses Publikum, das auch bereit ist, für eine einzelne Konzertkarte 100 € und mehr zu investieren, hat ein Bewusstsein für die angebotene Qualität. Und die Bereitschaft und Wertschätzung, für ein Jahresabonnement mit unbegrenztem Zugang zum Archiv 150 € zu bezahlen. Außerdem ist es nicht das typische Publikum, das sich Inhalte kostenfrei und halblegal aus dem Internet „saugt“. Wir haben es also mit Liebhaber*innen klassischer Musik zu tun, außerdem mit Profimusiker*innen weltweit, die sich durch die Arbeit der Dirigent*innen und Musiker*innen auf der Bühne inspirieren und weiterbilden lassen. Und nicht zuletzt – wichtig für die Akzeptanz unserer Arbeit innerhalb des Orchesters – mit den Freund*innen und Familien der Orchestermusiker*innen, denn dieses Orchester vereint mehr als 50 Nationen auf der Bühne und hat seine Wurzeln in der ganzen Welt.

 

Es ist noch anzumerken, dass die DCH im Jahr 2008 die erste Plattform weltweit war (auch vor allen Fernsehsendern!), die regelmäßig hochwertige Inhalte in HD zur Verfügung stellte, lange bevor HD Standard wurde. Und heute diskutieren viele Orchester, die von der DCH angeregt wurden, „The Berlin Model“, das weltweit Maßstäbe gesetzt hat im Sinne der medialen Selbstvermarktung von künstlerischen Inhalten.

 

ESC 2014 #JoinUs // Die Technologie hinter dem TV-Event…

ESC 2014 Zweitplatzierte: The Common Linnets – Calm After The Storm // Quelle: Eurovision Song Contest     Der diesjährige Eurovision Song Contest am 10. Mai aus Kopenhagen liegt eine gute Woche hinter uns. Zeit, einen Blick hinter die Machart dieser grandiosen Show zu werfen. Obwohl ich kein ESC Fan bin, ist es ein Großereignis, das mich in der diesjährigen […]

Teamkommunikation // Warum anschreien einfach nicht lohnt…

Teamkommunikation – DER Schlüssel für Erfolg! // Foto: Nik Evers

 

 

„Es kommt nicht darauf an, wie schnell du unterwegs bist, sondern wie weit du im Team kommst.“
Erwin McManus, amerikanischer Autor, Künstler und Unternehmer aus L.A.

 

 

Das A&O erfolgreicher Show-Produktionen ist ein eingespieltes Team und dessen Kommunikation. Grund genug dieses elementare Thema einmal genauer zu beleuchten. Was macht gute Teamkommunikation im Umfeld von Shows und Events aus?

 

 

Davor, während und nach dem Event – worauf ist kommunikativ zu achten?

 

Davor: Ich gebe zu, ich bin ein Mail-Freak. Bis zu der IAA 2011, bei der ich als Show-Producer mit drei Produktionsfirmen gleichzeitig zu tun hatte. Spätestens da hat sich gezeigt, dass ein regelmäßiger persönlicher Austausch wesentlich effektiver ist als der Dialog und Feedback via Email. Der persönliche Kontakt, sprich das persönliche Gespräch vor Ort oder über Telefon, ist der Email eindeutig vorzuziehen. Die wesentlichen Dinge können so viel schneller besprochen und geklärt werden. Ebenso gibt es Gegenüber, die einfach besser und gewohnter über Telefon kommunizieren als per Email.

 

Während: Vor Ort ist es hilfreich alle Beteiligten so oft wie möglich (beziehungsweise wie nötig) an einen Tisch zu bringen. Damit sind keine langen Sitzungen gemeint, in denen zwei Personen ständig reden und fünfzehn gelangweilt zuhören müssen (passiert leider ständig! – elf produktive Meeting-Tipps finden sich hier). Vielmehr geht es um ein kurzes Update zu Arbeitsbeginn mit dem gesamten Team, bei dem die neuesten Entwicklungen und Änderungen aus allen Abteilungen kurz mitgeteilt werden. So sind alle auf einem Stand und Fehler, die aus diesen Änderungen eventuell resultieren, können schneller erkannt und behoben werden. Ach ja, das Regiemeeting mit allen wichtigen Informationen zum Ablauf vor Probenbeginn der Produktion ist natürlich unumgänglich genauso wie eine verlässliche Disposition. Apropos Änderungen: bitte nicht mehr nach der Generalprobe – denn irgendjemand wird es auf jeden Fall nicht mitbekommen, was unvermeidlich zu Fehlern führen wird…

 

Danach: Spätestens im Nachfeld bemühe ich mich um ein Feedback – sowohl zu meiner Arbeit aber auch gegenüber dem Team. Leider ist dies viel zu selten üblich, aber wie sonst sollen wir denn im Arbeiten miteinander besser werden? Im laufenden Prozess lassen sich Dinge oft noch anpassen – was hilft ein Feedback nach drei Monaten? Hier übe ich mich darin, viel schneller und direkter (m)eine Rückmeldung zu geben. Außerdem schadet es auch nicht mal mit einem gezielt lobendem Wort um sich zu werfen!

 

Teamkommunikation Show Event

Teamkommunikation – wie gelingt sie? // Foto: André Wirsig

 

 

Anschreien sorgt natürlich für eine ‚Scheiß egal Haltung’…

 

Spätestens nachdem ich in meiner Zeit als Aufnahmeleiter bei TV-Shows von einem Regisseur über das Interkom vor dutzenden Kollegen rund gemacht wurde, weiß ich, dass sich das richtig Scheiße anfühlt. Vor allem, wenn dies noch zu Unrecht geschieht, aber erstmal den Regisseur gut dastehen lässt. Ein klares No-Go! Das Erlebnis hat mich zu der gewaltfreien Kommunikation verleitet. Die wenigsten Menschen wollen angebrüllt werden. Besser sollte man sein Team in die Schwingung für das Projekt versetzen, damit alle eine Liebe zum Projekt entwickeln und von sich aus das Beste geben wollen. Es geht darum die vorhandene Energie nicht auszubremsen, sondern in die richtige Richtung zu lenken. Nicht die Fäden aus der Hand geben, aber Verantwortungen verteilen. Wenn sich die einzelnen Teammitglieder in ihrer Funktion ernstgenommen fühlen, dann geben sie von sich auch tolle Leistung. Die Waage zwischen Ziele setzen und Ergebnisse erwarten muss einfach gegeben sein.

 

 

Teamkommunikation: am besten gleichzeitig, freundlich, bestimmt und schnell

 

Der Aufbau erfolgreicher Teams -ob im TV, bei Events oder im Musik-Tourneegeschäft– ist keine Wissenschaft, sondern eine echte Kunst. Der Schlüssel zum Teamerfolg liegt dabei aus meiner Sicht nicht im Inhalt, sondern in der Form der Kommunikation. Dazu gehört vor allem Vertrauen. Vertrauen entwickelt sich aber nicht sofort, sondern über die Zeit. Kleine gemeinsame Projekte zeigen auf, wie mein gegenüber denkt und handelt. Ist mit A wirklich A gemeint oder vielleicht B oder C? Wie reagiert mein Teamkollege unter Stresssituationen, auf die es ja gerade bei Live-Shows ankommt? Erst wenn ich wirklich weiß, wie es der andere meint, kann ich unter dem Druck großer Produktionen erfolgreich zusammen arbeiten. Und spätestens dann gilt: „Never change a winning team“, wie Sir Alf Ramsey, der Trainer der Englischer Fußball-WM Sieger von 1966, es treffend formuliert hat.

 

Aber ist das schon alles?

 

Mir ist aufgefallen, wie sehr viel motivierender es wirkt, wenn ich das WARUM hinter meinen Ansagen erkläre. Denn so versteht mein gegenüber was ich bezwecken will, idealerweise ergibt sich daraus die Sinnhaftigkeit der Aufgabe und es führt zu weniger Missverständnissen. Eine gute Kommunikation in einem Team sollte darüber hinaus immer zielgerichtetpräzise und klar sein. Da wir ja bei Shows meist unter Zeitdruck stehen, müssen wir uns das ‚um den heißen Brei reden‘ schenken. Hilfreich ist es Transparenz zu schaffen, sprich am besten ist die direkte Kommunikation mit den Betroffenen: Bei wichtigen Dingen nicht über Dritte gehen! Zudem ist es wichtig, bei den Gesprächen wirklich zuzuhören. Gerne hängt man bei Streß nur seinen eigenen Gedanken und Bedürfnissen nach und trägt somit zu eventuellen neuen Konflikten und Problemen bei…

 

Teamkommunikation IAA Team 2015 Atelier MarkgraphDie IAA 2015 mit dem Team Atelier Markgraph (Foto: Stephan Maka)

 

 

Zusammengefasst einige wichtige Faktoren guter Teamkommunikation:
– klare Ansagen machen
– dein Team gut briefen und thematisch abholen
– Vertrauen aufbauen und offenes Ohr behalten
– Aufgaben runter brechen auf wenige realisierbare
– Zuständigkeiten klar zuordnen und damit dann auch loslassen
– klares Timing für Aufgaben definieren
– regelmäßig alle an einen Tisch holen ohne rumzufaseln…
– gute Ideen weiterverfolgen, auch wenn Sie nicht von mir selbst stammen (das kann ja nicht jeder 😉 )
– Ich-Botschaften aussenden, nicht man oder wir
– unbedingt nachfragen und nicht interpretieren, wenn ich etwas nicht verstanden habe
– verlässliches Show-callen, also immer im selben Format bleiben: „Stand by für … // 3, 2, 1, go“
– du kannst nicht Nicht-kommunizieren – alles was du von dir gibst kann und wird gedeutet (ein paar Gedanken zur Körpersprache hier)

 

 

Fazit: Nur ein Team, das offen und ehrlich miteinander umgeht, wird auf die Dauer erfolgreich sein. Umso eingespielter ein Team miteinander ist, desto erfolgreicher und reibungsloser wird das Ergebnis sein. Die Investition in gute Kommunikation lohnt sich – anbrüllen nie!

 

 

Bleibt die Frage, was aus deiner Sicht für das gelingen guter Teamkommunikation wichtig ist? Freue mich auf Kommentare unterhalb! Wer informiert bleiben will trägt sich in meinen Newsletter ein und like doch gleich mein Facebook Profil für regelmäßige Inspiration rund um die Live-Kommunikation.

 

Vielleicht auch von Interesse:

Dienende Führung – Führungsmodell für effektive Event-Ergebnisse

Wie schreibe ich einen Regieplan? // Eine Muster-Vorlage gibt es hier!

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

 

 

Axel Beyer: EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit!

EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit! // Foto: Axel Beyer

 

 

Der Mensch scheint ständig auf der Suche nach „Sinn“ zu sein und den findet er, wenn sich etwas für ihn „erschlossen“ hat. „Kinder brauchen Märchen“ hieß ein pädagogisches Standardwerk. Also ist offensichtlich selbst in der Unterhaltung nur dass gut und richtig, was Sinn macht. Alles andere ist nämlich Un-Sinn. Basta!?

 

Von „Schlüsselbildern“ redet die Kommunikationswissenschaft, wenn man sich an etwas erinnern soll – von „Schlüsselszenen“ der Dramaturg, wenn man etwas verstehen soll – von „Schlüsselerlebnissen“ der Psychologe, wenn man eine Erfahrung macht. Das muss doch irgendwie zu entschlüsseln sein?

 

Ist das so? Warum lachen wir dann so gerne? Warum lieben wir die Clowns im Zirkus? Warum genießen wir einen herrlich albernen Kneipenabend? Warum weinen junge Mädchen „Bis(s) zum Abendrot“? Und wollen wir in den Medien und den verwandten Gebieten nicht auch, dass man sich an unsere Angebote erinnert, dass man sie versteht und hoffentlich durch sie eine positive Erfahrung macht?

 

„Lebenslanges Lernen“, „Informationsgesellschaft“, „Wissenstransfer“ – unsere Gesellschaft redet uns permanent ein, dass wir alle kopfgesteuert seien. Deshalb geben die Befragten bei Umfragen stets an, dass sie im TV am liebsten „Nachrichten“ sehen würden, wo doch tatsächlich seit Jahren das „Dschungelcamp“ die Nummer 1 ist. Deshalb gehen wir ja angeblich nur aus Informationsgründen auf Messen und schleppen bergeweise Papier mit uns nach Hause – das gab es schließlich umsonst. Deshalb hören wir nur wegen des Verkehrsfunks im Auto Radio – und summen und wippen mit der Musik mit.

 

Nein – gestehen wir es uns doch endlich ein: Wir alle, auch wir „Macher“, sind Emotionsbolzen! Wir wollen emotional berührt werden, wir wollen, dass man uns zum Lachen oder zum Weinen bringt (denn bei beidem fließen Tränen). Wir wollen Spaß haben! Und auch zum Spaß der Anderen beitragen! Und wer uns das bietet, den lieben und unterstützen wir.

 

Über 9 Mio. Menschen haben Herrn Liechtenstein und seinen EDEKA-Spot gesehen und waren sich einig – das ist #supergeil. Dabei waren da nur ein Supermarkt und ein nicht mehr ganz schlanker und nicht mehr ganz junger Mann zu sehen – aber wie! Welche Lebenslust sprang einem aus diesem Filmchen entgegen. So wollten wir auch sein. Und ab zu Edeka….

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf

 

Wir denken mit dem Kopf, aber wir fühlen mit dem Herzen und gute Gefühle führen allemal in der Folge zu guten Gedanken, guten Erinnerungen und gutem Verständnis. Als die ARD im Abendprogramm das erste Mal die Sendungen von „Mr. Bean“ ausstrahlte, da war das kein Erfolg. Was sollte das denn? – Dann zeigte die LTU diese Filme auf ihren Flügen von und aus dem Urlaub, die Kinder johlten vor Vergnügen und diese Erinnerungen führten dazu, dass sich fortan mit jeder Wiederholung der gleichen Folgen von „Mr. Bean“ die Einschaltquoten steigerten. Wir erinnerten uns an fröhliche Kinder und entspannte Urlaubszeiten. Und sie verstanden: Das war positive Emotion pur!

 

Fazit: Und wenn wir heute von „Events“ reden, dann reden wir von „Erleben“ und damit von „Leben“, nicht von „Wissen“. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, sagte einst Adorno. Wir haben heute dafür zu sorgen, dass es kein falsches Leben im richtigen gibt. Meine Generation hat noch gelernt, dass man Emotionen nicht zeigen darf. Was für ein Un-Sinn! Erst Gefühle machen uns zum Menschen und wie unmenschlich ist es, diese Gefühle nicht zeigen zu dürfen. Wir als Medienmanager können dabei helfen, indem unsere Produkte dazu beitragen, ja geradezu dazu herausfordern, die Emotionen zuzulassen und auszuleben – so dass wir letztlich die Menschen damit aufschließen – für ein befreiendes Lachen, für ein kindliches Staunen, für eine überwältigende Rührung. Und wenn das dann klappt, dann empfinde ich das als das schönste Geschenk.

 

 

Zum Autor: Axel Beyer ist Medienberater und Professor an der Hochschule Fresenius im Fachbereich „Wirtschaft & Medien“, war Regisseur an unterschiedlichen Theatern und ist seit über drei Jahrzehnten im Medium TV als Programmmacher (und mehrfach als Unterhaltungschef) für öffentlich-rechtliche und kommerzielle Sender tätig.

 

 

Welche Schlüssel nutzt du zur Steigerung der Aufmerksamkeit? Welche Emotionen verbindest du mit den Gedanken dieses Artikels? Wir freuen uns über Kommentare unterhalb.

 

Hier geht es zu meinem Facebook Profil mit täglichen Inspirationen rund um Events // weitere Leseempfehlungen:

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

Simon Schneider: Wie kreiere ich Erlebnisse im Eventmarketing?!

Storytelling // Wie die Heldenreise dir bei der Kreation von Erlebnissen helfen kann

 

Pixmob // Wie man mit LEDs Event Besucher begeistert…

LEDs Event Momente kreiert von Pixmob // Quelle: The Creators Project     „Mit Hilfe von Menschen als Pixelträger eine große visuelle Video- und Lichtfläche erzeugen…“, das war die Ursprungsidee der kanadischen Firma PixMob. In obigem Video erklären die Macher, wie sie bei der Super Bowl Halftime Show mit zehntausenden LED Pixeln das Publikum als Bildfläche verwandelt haben. In der […]

Geheimnisse eines Show Producer // Ideen für die Eventszene…

Die Jobbezeichnung Show Producer ist im deutschsprachigem Raum sehr diffus besetzt. Ich selbst habe im TV-Bereich gelernt, wo der Producer für die reibungslose inhaltliche wie organisatorische Abwicklung fast aller Bereiche einer TV Produktion zuständig ist (wobei es auch hier sehr unterschiedliche Jobdefinitionen gibt). Im Gegensatz zum Produzenten ist der Producer nicht finanzieller und künstlerischer Gesamtleiter einer Produktion, sondern ausschließlich für deren Durchführung verantwortlich. Also ein make it happen Typ, der sowohl das große Ganze wie auch die Details im Blick hat.

 

 

Show Producer im Eventbereich – was sind die Anforderungen?

 

Im Eventbereich würde ich Projekte grundsätzlich in drei Abschnitte gliedern:

 

  1. die Kreation, also die Ideenentwicklung für ein Event nach klar umrissener Zielsetzung,
  2. die Konzeption, im Sinne der Ausgestaltung der in der Kreation entworfenen big idea bis hin zu konkreten Elementen, dramaturgischen Strukturen und Abläufen, sowie
  3. die Realisation, also die Umsetzung der Eventkonzeption in Form der Veranstaltung vor Ort.

 

Als Regisseur bin ich zum Teil schon ab der Konzeption, vor allem aber naturgemäß mit der Realisation betraut. Neben meiner Tätigkeit als Konzeptioner bin ich auch immer wieder als Show Producer tätig. Dabei gelten folgende Anforderungen:

 

  • Planung und Koordination aller Abläufe der Show-Produktion
  • Budgeterstellung und Vertragsverhandlung & -erstellung
  • Zusammenstellen und Leitung eines Teams von festen und freien Mitarbeitern
  • Koordination der audiovisuellen Inhalte (Film, Musik, Charts etc.)
  • Überarbeiten des Konzepts, Betreuung von Film Drehs bzw. Künstler Proben
  • Präsentation bei den Verantwortlichen, intern wie extern
  • Einhaltung von Produktions- und Budgetplänen
  • Zentraler Ansprechpartner für alle inhaltlichen Fragen
  • Weiterentwicklung der Konzeptideen

 

Eines meiner größten Herausforderungen als Show Producer war zugleich die schönste Referenz, nämlich die Produktinszenierung von Daimler auf der IAA. Es lässt sich aber zusammenfassend sagen, dass es auf organisatorische Fähigkeiten, selbstständige und zuverlässige Arbeitsweise, kreative Schnelligkeit aufgrund von möglichst umfassender Erfahrung und optimaler Kommunikation mit allen Beteiligten ankommt.

Wichtig ist auch eine Vision der Dinge zu haben und die Fähigkeit, diese auf die diversen Bereiche runterzubrechen. Viel zu selten wird über das Team gesprochen – denn nur in einer gut eingespielten und sich ergänzen Mannschaft kommt man zu den außergewöhnlichen Ergebnissen! Nicht erlernbar ist das Talent, kreativ und organisatorisch zugleich zu denken – eine seltene Kombination, die wohl den großen Unterschied ausmacht…

 

 

Wonach halte ich als Show Producer im Event- und Kongressgeschäft Ausschau?

 

Die Herausforderung als Show Producer besteht darin, aus den klar umrissen Zielsetzungen eine Big Idea abzuleiten (wie es die US Werbeikone George Lois mal sagte), die die Themen eines Events als roten Faden durch die Veranstaltungen spinnt. Daraus entwickelt sich dann auch idealerweise ein stimmiges Bühnendesign und die passenden Showelemente, welche die tieferliegenden Themen emotionaler transportieren können. Essentiell ist es für einen guten „Gesamt-flow“ der Veranstaltungen zu sorgen. Handwerkszeug für eine gute Struktur sind für mich eine Dramaturgie mit Kontrasten, guten Übergängen und Wendepunkten, sowie ein packendes Storytelling. Die Herbeiführung von magic moments durch Detail, Timing und Perfektion sind die Königsdisziplin. Mein Anspruch ist dabei Botschaften exzellent zu inszenieren, die nachhaltig wirken und Marken bzw. Themen relevant positionieren, um letztlich mit dem Event einen Nutzen zu schaffen.

 

 

Humor & running gag – wertvolle Instrumente der Unterhaltung

 

Show Producer Event Humor Running Gag

 

Ein weiteres schönes Element der Inszenierung zeigt folgendes Video mit Paco Leuschner alias Joe, der Schneckenchecker als running gag auf dem Willow Creek Promiseland Kongress 2013 in Siegen. Immer wieder tauchte er mit seiner Schnecken-WG im Schlepptau während dem dreitägigen Kongressverlauf auf der Bühne auf und unterbrach die Moderatorin. Schon nach der zweiten humorvollen Einlage haben ihn die Zuschauer geliebt und vor Lachen auf dem Boden gelegen. Einmal mehr stimmt der Merksatz: Irritation schafft Aufmerksamkeit. Zuhörer werden nach gedanklichem abdriften wieder auf das Bühnengeschehen aufmerksam und verfolgen das weitere Bühnengeschehen, auch weil durch Aktionen wie diese alle Sinne angesprochen werden. Würde ich gerne viel öfters mal auch im Corporate Eventbereich einsetzen. Die sich alle acht Sekunden wechselnden Tanzstil-Vorgaben musste er dann ‚zur Strafe‘ in der vorletzten Session performen – das Ergebnis lässt sich sehen (auch wenn es live natürlich 27,5fach toller war):

 

Foto: oben – Ralph Larmann, Mitte – Philipp Neumann, Video: Silas Baisch und Viktor Fröse

 

 

Welche Stilmittel begeistern dich im Bereich Show? Was überzeugt, was nicht und worauf kommt es bei der Konzeption aus deiner Sicht an?

 

Weitere Links mit Ideen für Show Producer: Kreatives Opening Video als Konferenzstart und die 7 Gebote der Inszenierung. Wer informiert bleiben will, trägt sich oben rechts in meinen Newsletter ein.

 

Opening Video // Von der Kirche lernen…?!

Opening Video der christlichen Catalyst Konferenz mit Komikern Tripp & Tyler     Wenn man an Kirche denkt, dann eher die aktuellen Skandale und die ignorant bis traditionsverhaftete Rückwärtsgewandtheit. Dabei gibt es absolut innovative Beispiele, die auch für die Inszenierung von besonderen Momenten auf Events eine vorbildhafte Rolle spielen. In den letzten Jahren bin ich über […]

Kirche & Weihnachten // das Event des Jahres…?!

Die größten Events im Kalender sind neben den Olympischen Spielen oder der Fussball Weltmeisterschaft, den politischen Wahlen, dem Nobelpreis und dem Wirtschaftsforum in Davos vor allem die Hochfeste der Kirche: Ostern und Weihnachten.   Könnte man meinen – maybe NOT, denn nun spielen diese zunehmend weniger eine Rolle im öffentlichen Leben. Weihnachten ist eher kommerziell […]

Interaktive Show Performance // enra & Rhizomatiks aus Japan

Interaktive Show Performance im Zusammenspiel von Medien und Menschen haben mich schon immer fasziniert. Mein größter Berührungspunkt war die smart-Show von und mit Andree Verleger zur IAA 2011 oder auch die Performance von Beyonce bei den Billboard Awards 2011. Die japanische Gruppe enra steht dem allerdings nicht nach, wie obiges Video im Verlauf zeigt (einzige Anmerkung: eine Rückprojektion wäre schöner gewesen…). Mit ‚FUMA-KAI‘ verbinden […]

Auto Inszenierung @ IAA 2013

Die IAA 2013 öffnete am Dienstag, den 10.9. in Frankfurt unter dem Titel „Die automobilste Show der Welt“ ihre Tore. Schwerpunkte der IAA sind Elektromobilität und vernetztes Fahren. Als wohl eine der wichtigsten Leitmessen weltweit wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, wie die Automobilkonzerne ihre Marken dieses Mal inszenieren würden.   Das Handelsblatt Morning […]