Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf.“ Axel Beyer

 

 

Wie weckt man Emotionen? Diese Frage treibt mich seit Jahren um. Warum erzeugt die Mona Lisa im Louvre eine magische Anziehung und andere Bilder nicht? Warum nimmt mich der eine Redner erfolgreich mit auf seine Gedanken-Reise und der andere nicht? Warum berühren mich einige Lieder und andere eben nicht?

 

Emotionen zu wecken ist die Kernaufgabe für die Konzeption von Events. Wer Emotionen weckt, bekommt auch eine Reaktion. So werden Beziehungen aufgebaut. Eine gute Währung für die Live-Kommunikation. Daher habe ich sieben Kreativdirektoren gebeten, ihre Gedanken und Erfahrungswerte zu schenken. Wie unmöglich es ist, das in eine paar Sätze zu packen, zeigt der Prolog von Helge Thomas auf…

 

 

Helge Thomas: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen?!

 

 

Diese Frage kann ich definitiv nicht beantworten. Das hat vielerlei Gründe. Lass mich vielleicht zwei davon kurz heraus greifen. Zum einen hat das Wort „Emotionen“ einen so riesigen semantischen Hof, dass man Russland darin parken könnte. Zweimal. Ach was rede ich. Viermal. Von den rein biologischen Partys, die da im limbischen System abgehen, ganz zu schweigen. Und dann dieser Volksmund mit seinem Angerlatein „Das geht zu Herzen“. Ja, eben nicht! „Da schüttet der Hippocampus mal wieder tonnenweise Endorphine in die Blutbahn,“ müsste das korrekt heißen. Egal. Wo war ich? Ach ja. Zum anderen: Gäste sind niemals gleich Gäste. Und meistens sind es nicht einmal meine Gäste, sondern die Gäste meines Kunden oder auch die seines Chefs oder seiner Frau. Im Falle öffentlicher Veranstaltungen sind es gar völlig fremde Menschen, die man der Einfachheit halber dann eben auch Gäste oder besser Besucher nennt. Was die Sache nicht einfacher macht. Was sagst du? Meine Reaktion auf deine Frage erscheint dir etwas zu emotional? Mitnichten, mein Lieber! Ich versuche dir lediglich zu erklären, warum ich dir kein „Rezept“ nennen kann, wie ich Emotionen bei Gästen wecke. Und überhaupt: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen. Vielleicht sind sie auch gerade ganz woanders. In Gedanken. Oder sie haben sich nur versteckt. Unter der Oberfläche. Siehst du. Das meine ich. Schon sind wir mitten drin, im Deutungslabyrinth der menschlichen Gefühle. Und wenn ich jetzt weiter schreibe, kommen wir da beide nicht mehr raus. Weißt du noch, was ich oben schrieb? Eben. Ich auch nicht. 🙂

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas, 1964 in Heidelberg geboren, Schauspieltalent vom Vater geerbt, schon viele künstlerische und wirtschaftliche Bühnen bespielt: Als Darsteller auf und Beleuchter hinter der Bühne von Theaterproduktionen, in Marketing- und Vertriebsverantwortung bei großen Unternehmen sowie neun Jahren als freiberuflicher Start-Up-Coach, SocialMedia-Experte und Filmemacher. Heute ist er Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei pro event.

 

 

 

Kai Janssen: Es ist wie bei einem Rendezvous…

 

 

Wenn man davon ausgeht, dass Emotionen mit dem Ziel erzeugt werden, beim Gast zu punkten und eine Beziehung aufzubauen, dann ist es wie bei einem Rendezvous:

 

Zunächst sorgt man mit dem passenden Ambiente für die gewünschte Stimmung. (Location, Licht, Musik, Essen)

 

Dann stellt man seinem Gegenüber Fragen – das signalisiert Interesse und ist die Basis für einen unterhaltsamen Austausch. (Einbeziehung des Gastes, Interaktion)

 

Ganz wichtig nun – der Überraschungsmoment! Plötzlich tritt etwas ein, womit mein Gegenüber nicht gerechnet hat, was anscheinend nur für ihn bestimmt ist, verbunden mit einer persönlichen Botschaft. (Setzt voraus, dass ich die Zielgruppe verstanden habe). Der Höhepunkt einer perfekt durchdachten Inszenierung. Trifft ins Herz und bleibt im Kopf. Meistens jedenfalls.

 

 

Kai Janssen Matt Circus Event KreativdirektorKai Janssen, seit 2012 Geschäftsführer und Creative Director der MATT CIRCUS GmbH in Köln, davor freier Creative Director und Konzeptioner in diversen Event- und PR-Agenturen, studierte bildende Künste, Fokus Raum und Medien, regelmäßiger Gastdozent zum Thema „Konzeption in der Live-Kommunikation“, 2. Präsident der FICA, Cross-Crocket-Spieler und -Weltmeister, in fester Beziehung.

 

 

 

Petra Lammers: Geschichten, Geschichten, Geschichten

 

 

Mit Geschichten!
… und einem genauen Blick auf alle „Figuren“, Raum/Situation, Handlungsstränge, Plotpoints und Inhalte.

 

(Auf die Bitte nach Beispielen sandte Petra folgendes): Die interaktive Bodenprojektion beim Energiesee oder das Storytelling mit Lampen, die als Figuren das Wiesbadener Kurhaus und die Welt von Fraunhofer erkunden:

 


Creative Director Petra Lammers onlivelinePetra Lammers, inszeniert seit über 15 Jahren Theater-, Public Space- und Eventproduktionen, gemeinsam mit Norwin Kandera Geschäftsführerin von onliveline, einem Büro für Konzeption und Inszenierung. Davor Creative Directorin / Konzeptionerin bei Panroyal in Wuppertal sowie freie Theaterregisseurin, studierte MBA und MFA in Dramaturgie und Regie.

 

 

 

Philipp Dorendorf: Man inszeniert oder inszeniert um

 

 

Heilig Abend im Kreise der Lieben. Deep house statt Last Christmas. Rot ist nicht rot, sondern pink. Der Baum ist aus Draht. Die Lichterketten geben Strobo-Blitze ab.

 

U5-Kindergeburtstag. Nicht Volker Rosin, nein, dafür Rammstein. Rammstein ist auch alt, aber düsterer und dazu schwarzes Konfetti statt bunten Luftballons.

 

Apropos Schwarz: Warum nicht mal für eine Grabrede die Kebekus einsetzen: Pussy Terror.

 

Nein? Okay, denn wir unterliegen Lernstrukturen, assoziativen Mustern und Neuro-Programmen. Und weil das so ist, sind Stimmungen und Emotionen künstlich auslösbar, zu verändern oder zu beeinflussen. Man inszeniert oder inszeniert um. Mit: Musik, Licht, Farben, Tageszeit, Temperatur, unter Umständen Gerüche, Appearance von Akteuren – räumlich und zeitlich verdichtet. Das ist eigentlich gar nicht so schwer.

 

 

Philipp Dorendorf CD facts and fiction EventagenturPhilipp Dorendorf, Ü37, aus Hamburg. Ausbildung zum Grafik Designer und Marketing-Kommunikationswirt, seit 2010 Creative Director bei facts and fiction für Köln und Berlin.
Kreatives auf: www.neopdo.com

 

 

 

Martin Klingler: Content is King

 

 

Am Anfang steht immer die Idee! Daraus wird dann die Storyline entwickelt. Und die muss im funktionalen Eventdesign und in einer multisensorischen zweckorientierten Inszenierung erzählt werden. Nur dann können Botschaften überhaupt ankommen, verstanden werden und gar hängen bleiben – und in anderen Kanälen weiter erzählt werden. Stichwort Storytelling und Wirkungspotenz durch Multisensorik.

 

Was wirklich zählt, ist schlicht das klassische Kommunikationshandwerk, beschrieben mit den bekannten und inflationär gebrauchten Marketingfloskeln… aber wahr bleiben sie trotzdem und genau deshalb: Content is King – und ist das neue Storytelling. Wenn die Story aber nicht spannend erzählt wird, so dass der Zuhörer mit mehreren Sinnen emotional berührt wird, wenn sie nicht auf anderen Kanälen vor und nach dem Event weiter erzählt wird – Stichwort Vernetzung, die wir früher integrierte Kommunikation nannten – dann darf sich keiner wundern, wenn die Botschaft entweder gar nicht ankommt oder schnell verloren geht. Und auf keinen Fall echte Emotionen weckt.

 

Was mache ich also, um Emotionen zu wecken?
Definitiv nichts weltbewegendes Neues: eine gute Story entwickeln, sie anregend, spannend und vielschichtig erzählen. Und dafür verwenden wir gerne neueste Technik und Methoden – immer dann wenn es Sinn macht. Hat!

 

 

Kreativdirektor Martin Klingler Creative DirectorMartin Klingler, Creative Director bei marbet in Künzelsau. (Und mit dieser Bemerkung: „kann mich für unfassbar viel begeistern, immer wenn es mich berührt…“ Ideengeber für diesen Blogpost.)

 

 

 

 

Miriam Wüstefeld: Bedürfnisse erkennen, überraschen, passender Rahmen

 

 

Wir leben heute in einer sehr beschleunigten Welt, in der das Überangebot regiert und in der kaum Zeit zum Innehalten bleibt. Aus meiner Perspektive bedarf es daher vor allem der Fähigkeit individuelle Bedürfnisse zu erkennen, um echte Emotionen wecken zu können.

 

Die Kunst und Herausforderung liegt dann darin zu überraschen und einen sehr persönlichen Nerv zu treffen.

 

Neben den wichtigsten Parametern, die nach meiner Auffassung inhaltlicher Anspruch und Respekt sind, ist der passende Rahmen relevant. Dazu zählt neben einer entsprechenden Räumlichkeit auch das Thema Ergonomie. Der Wohlfühlfaktor ist eng an Emotionen geknüpft – zumindest wenn diese positiv ausfallen sollen.

 

 

Miriam Wuestefeld freiberufliche Kreativdirektorin MünchenMiriam Wüstefeld, München, 32 Jahre, freiberufliche Kreativdirektorin, Schwerpunkt: Kommunikation im Raum, Markenwelten, Zusammenarbeit und Festanstellung in diversen Agenturen unter anderem Zibert + Friends, CE+Co, VOK DAMS, BBDO Live, Uniplan.

 

 

 

Stephan Schäfer-Mehdi: Erprobte Rituale nutzen und intuitiv vorgehen

 

 

Live-Kommunikation nutzt jahretausendealte erprobte Rituale, um Emotionen zu wecken. Religion mit ihren Kulten und das Theater mit seinen inszenatorischen Mitteln sind dafür die Grundlage. Ihr Studium und deren Anwendung ist hilfreich, aber der intuitive Umgang letztlich effektiver.

 

Was rational am Reisbrett entstand ist zwar oft richtig, aber nicht immer erfolgreich. Wer hört die Kammermusik des Computerkollegen Iamus, der nach allen Regeln der Kunst programmiert wurde wie Mozart zu schreiben? Wir gehen immer noch in die Zauberflöte, obwohl der Rechner alles richtig macht. Deshalb bedient sich auch die virtuelle Welt der gleichen Muster, der Überraschungen und Ansprache möglichst vieler Sinne.

 

Das wird vielleicht erst anders, wenn die Künstliche Intelligenz Kommunikation für ihresgleichen konzipiert. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

 

 

Creative Director Stephan Schaefer-Mehdi Eventmarketing CD CCO Live-KommunikationStephan Schäfer-Mehdi, freiberuflicher Creative Director und ¬Consultant, vorher Chief Creative Officer/CD von VOK DAMS und Quasar Communications, mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet, Mitglied im Art Directors Club für Deutschland, Autor des Standardwerkes „Event-Marketing„, 2014 den Kriminalroman „Tod in den Bergen“ veröffentlicht. Wuppertaler.

 

 

 

Creative Director – habt herzlichen Dank für eure Gedanken. Chapeau!

Frage: Wie weckst du Emotionen? Freue mich auf einen Kommentar oder Beispiele unterhalb.

Tipp: Weitere Hinweise darauf, wie Emotionen geweckt werden, geben 7 Inszenierungs-Experten in diesem Buch.

 

 

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Probenplan: 10 Tipps für reibungslose Events & worauf es beim Proben ankommt!

10 Tipps für reibungslose Events & worauf es beim Probenplan ankommt!

 

 

Mit weit über 1.000 Shows im TV- und Eventbereich habe ich alles erlebt, was eine Show reibungslos auf die Bühne bringt – dabei aber auch alles schief laufen kann. Aus diesem Erfahrungsschatz teile ich 10 Tipps für einen effektiven Eventablauf. Diese Ratschläge werden 100% zu besseren Events verhelfen:

 

 

1. Probenplan – schafft Orientierung!

 

Wie schon in dem Wort Probenplan drin steckt: Es gilt einen Plan für die Proben zu haben. Sowohl im Kopf, aber auch auf Papier. Dieser unterscheidet sich von einem Aufbauplan oder einem Regieplan (eine Vorlage gibt es übrigens hier). Vor allem muss er aber im Vorfeld mit allen Gewerken und mitwirkenden Akteuren abgestimmt sein. Kommt jedes Gewerk mit der geplanten Zeit und der inhaltlichen Reihenfolge vor Ort so aus? Jeder weiß mit einem Probenplan, was er für wann wie vorzubereiten hat. So schafft der Probeplan Orientierung.

 

 

2. Teammeetings – für bessere Kommunikation.

 

Das Regiemeeting zu Beginn eines jedes Events ist die Basis für das weitere Vorgehen. In diesem lasse ich jeden im Team kurz mit Name und Funktion vorstellen. Dann kommuniziere ich als Regisseur zunächst die „Big Idea“ sowie das Ziel der Veranstaltung. Dieses hilft allen Mitwirkenden im späteren Verlauf hilfreiche Ideen einzubringen oder auch zu hinterfragen, ob das was wir machen die gewünschte Wirkung erzielt. Gemeinsam besprechen wir den Regieplan und schauen uns den Probeplan an. Hier können unkompliziert Rückfragen gestellt und schnell interdisziplinäre Lösungen erarbeitet werden.

 

Darüber hinaus installiere ich ein regelmäßiges Statusmeeting im weiteren Probeverlauf. Egal ob Morgens vor oder Abends nach den Proben – dies sorgt für die nötige Grundkommunikation, die unbedingt notwendig ist.

 

 

Es muss eine Vision der Dinge geben – diese gilt es hemmungslos durchsetzen. So werden Dinge exzellent!

 

 

3. Probenablauf – eine Vision haben und diese umsetzen.

 

Für das Gelingen der Show sind Proben unumgänglich. Was nicht geprobt wird, findet nicht statt. Dazu muss es einen klaren inhaltlichen Probenplan geben. Dieser sollte vor der Probe von einzelnen Programmpunkten zunächst an alle beteiligten Gewerke klar kommuniziert werden. Dann kann dies technisch eingerichtet werden. Am Beispiel der Rednerposition: Man kann den Redner nicht einfach auf die Bühne schicken und los geht’s. An welcher Stelle kommt dieser auf der Bühne gut rüber? Das liegt am Bühnenbild, wo er sauber im Licht steht, die Kamera ihn gut einfangen kann (gerade auch der Hintergrund ist dabei wichtig) und es kein Ton-Feedback gibt. Neben den technischen Aspekten sollte auch der Redner wissen, von wo er wann auftritt und wo genau er stehen soll (eine Markierung auf dem Boden hilft immer). Außerdem sollte er vor der Probe wissen, wo sich zum Beispiel der Teleprompter und Kameras befinden etc.

 

Also erst kommunizieren, dann einrichten der kritischen Stellen und dann erst Proben. Danach kann man dem Redner Feedback geben und Anmerkungen der technischen Crew einfließen lassen (vielleicht wirft der Redner einen Schatten auf die Rückwand hinter ihm, könnte aber 1m weiter weg von der Rückprojektion stehen…).

 

 

Probenplan - Was nicht geprobt wird, findet nicht statt - Event Zitate

 

 

4. Content Check – verschafft Zeit!

 

Damit man am Probentag keine wertvolle Zeit verliert bietet es sich an, am Vorabend mit dem Kunden alle Inhalte zu überprüfen. So können Tippfehler in Charts entdeckt, Fehler eliminiert, Tonpegel von Filmen angeglichen und Lichtszenen sowie Übergänge definiert werden. Wichtig für die Operator ist dazu eine saubere Content-Übergabe. Am besten mit einer kompakten Liste, die Dateititel benennt und klärt, an welche Position diese im Veranstaltungsablauf gehören. Das spart viel unnötigen Ärger. Über Nacht können dann nötige Änderungen vorgenommen und noch vor Probenbeginn aktualisiert werden.

 

 

5. Geheimtipp – auf die Übergänge achten.

 

Zentral für das Gelingen einer reibungslosen Veranstaltung ist nicht nur die Einzelprobe. Idealerweise hat man dabei immer gleich auch schon den Übergang von der Situation davor und danach im Blick. In den Details und richtigem Timing liegt die Kunst. Wie lange ist beispielsweise der Auftrittsjingle für die Rednerin, wann geht sie genau los, damit sie perfekt getimt auf ihrer Position ankommt. Wie unterstützt das Licht diese Sequenz, aus welcher Stimmung kommt es, wie endet es? Wie verändern sich die Medieninhalte an dieser Stelle. Wie wirkt der Übergang im Gesamten? Oft wird nur die Rede an sich geprobt, aber sobald die Rednerin einmal steht, ändert sich ja nicht viel. Daher unbedingt das Vorher und Nachher im Blick haben und mitproben.

 

 

6. Generalprobe – sonst geht es schief…

 

Erst in der Generalprobe sieht man den gesamten „Flow“ der Show. Idealerweise läuft der Ablauf schon jetzt reibungslos über die Bühne. Vielleicht fallen hier aber noch Stolpersteine auf, die vorher so nicht auftauchten. Auf jeden Fall gibt die Generalprobe allen Beteiligten Sicherheit und Routine. Es gilt das alte Gesetz aus dem Theater: Lieber eine fehlerhafte Generalprobe als eine vermasselte Uraufführung. Leider sind viele Events einmalig, da muss es natürlich sitzen…

 

Event Prozesse Probenplan

 

 

7. Notfallplan – was, wenn es doch schief geht…

 

Wenn man beim Auftreten einer Störung erst anfängt zu überlegen, wie die Lösung sein könnte, ist es schon zu spät. Daher sollte vorher über einige denkbare Szenarien nachgedacht werden. Diese müssen zwischen den Entscheidern abgestimmt sein. Zentral ist, wie man als Verantwortlicher reagiert – möglichst schnell, souverän, klar. Anschreien bringt dabei übrigens gar nichts, wie ich es bereits bei den Prinzipien wirkungsvoller Teamkommunikation formuliert hab.

 

Hier ein paar Klassiker und der Lösungsansatz: Was geschieht, wenn

…das Mikrofon ausfällt? // Ein Ersatzmikrofon liegt in Bühnennähe bereit, dass gleich reingereicht wird.

…ein Video nicht spielt? // Es gibt eine kurze Information an den Moderator über die Bühnenassistenz in der ersten Reihe. Alternativ übernimmt der nächste Redner mit einem spontan-witzigen Kommentar und sorgt so noch für einen Publikumslacher.

…die Präsentation ausfällt? // Der Techniker schaltet sofort auf den Backup Rechner um. Sollte dieser auch nicht funktionieren, gibt es in der Mediensteuerung ein KeyVisual, auf das immer geschaltet werden kann. So fällt dem Publikum der Fehler vermutlich gar nicht groß auf.

…der Redner aus dem Licht läuft? // Die Lichtkollegen haben mehrere Szenen geleuchtet und erweitern den Lichtradius. Zur Not manuell nachleuchten.

…der Raum geräumt werden muss? // Die Moderatorin oder Regisseur machen eine ruhige, aber klare Ansage über die Beschallung. Aktiv formulieren: Was sollen die Gäste machen? Deskalieren, aber bestimmt sein. Bloß nicht für Panik sorgen.

…ein Auto auf der Bühne liegen bleibt? // Natürlich gibt es viele Sonderfälle, die nicht für jede Veranstaltung gelten. Aber da ich mich viel im Automobilbereich bewege, ist dies auch ein mögliches Szenario. Im schlimmsten Fall müssen Bühnenhelfer das Auto auf die gewünschte Stelle schieben. Auch hier gilt – bloß keine Hektik, aber bestimmt und souverän umsetzen. Eben den einen Schritt weiter gedacht haben…

 

Natürlich hilft es, wenn Redner nicht auf dem Fehler rumreiten und sagen: „Oh, hier hätte eigentlich jetzt ein Film kommen müssen.“ Einfach weitermachen.  Wenn was fürs Publikum offensichtlich schief läuft, dann eben locker kommentieren. Auch das ist etwas, was man in der Probe einfach mal proben kann…

 

 

Der Vorteil ist ja, dass das Publikum niemals weiß, wie es eigentlich hätte aussehen sollen.

Sie erleben nur ihr eigenes Echtzeit-Erlebnis. Das spielt uns in die Hände…

 

 

8. Arbeitszeiten – aus gutem Grund einzuhalten!

 

Abgesehen von den Proben gibt es klare gesetzliche Vorgaben zur Sicherheit, Fluchtplänen, Erste Hilfe. Diese gilt es zu beachten – das zahlt sich einfach aus. Genauso wie der Arbeitszeitenschutz. Es gilt als offenes Geheimnis, dass es hier in der Eventszene oft zu längeren Arbeitsstunden als den vorgeschriebenen maximalen 10h kommt. Aus meiner Sicht gibt es einen guten Grund, warum der Gesetzgeber sagt nach 10 Stunden am Tag ist Schluss. Als Freelancer sind wir in der nächsten Woche auf einer anderen Baustelle, auf der ebenso wieder volle Aufmerksamkeit gefordert wird. Die Konzentration geht einfach nach einer gewissen Zeit flöten. Leider musste ich in meinem Arbeitsleben schon einen Todesfall eines Riggers miterleben und einen Schwerstunfall bei einer Theater-Hebebühne. Ohne das dies konkret mit der Arbeitszeit zusammenhing, finde ich es unangebracht, wenn Auftraggeber die Arbeitszeiten ignorant wissentlich in Kauf nehmen. Hier gilt es in der Event-Szene noch besser zu werden. Es muss ja nicht gleich wie bei amerikanischen Gewerkschaften zugehen – aber 16h am Tag sind nicht hinnehmbar (leider aber immer wieder die Realität…). So wird eine Show definitiv nicht besser.

 

 

9. Fehler vermeiden – keine Last Minute Änderungen.

 

Oft fallen Kunden in letzter Minute noch Änderungspunkte ein. Egal ob dies nervöse Assistenten sind mit kleinen Chart-Änderungswünschen oder inhaltliche Ablaufumstellungen. Wenn in letzter Minute noch mal geändert wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass es schief geht. Entweder hat irgendjemand im Team das nicht mitbekommen und schon ist ein Lichtfehler drin oder das Mikro aus etc. Also klare Regel: Nach der Generalprobe wird nichts mehr geändert!

 

Außerdem ist eine Konstanz im Show Calling enorm wichtig. Das Team spielt sich automatisch auf die Art und Weise des Taktgebers ein. Wenn dann entweder ein Moderator sich auf der Bühne ganz anders verhält oder aber der Regisseur anstatt von „3, 2, 1, GO“ auf einmal zu „Redner, ähm, jetzt los“ wechselt führt das zu Unsicherheit bei Operatern in der Ausführung von CUEs. ‚Soll ich jetzt das Chart klicken oder nicht?‘ Also einfach vorhersehbar bleiben – alles so machen wie auch schon in den Proben der Fall war.

 

 

10. Enjoy – let the show beginn…

 

Nach dem alles gut vorbereitet, geprobt und über Notfallszenarien nachgedacht wurde heißt es: Spaß haben! Natürlich setzt der Adrenalin Kick ein – aber man muss auch genießen, wenn alles auf den Punkt kommt. Und vielleicht ja durch die Reaktion des Publikums noch besser wird, ja buchstäblich zum Leben erweckt wird.

 

Ich habe mir angewöhnt nach der Show darauf anzustoßen. Unsere Arbeit im Eventzirkus ist so flüchtig, dass man die Ergebnisse feiern muss. In anderen Worten: Auf eine reibungslose Show in gelungener Teamarbeit, die Menschen informiert, emotionalisiert und inspiriert, kann man genauso Stolz sein, wie auf die Fertigstellung einer Stradivari.

 

 

FrageWelche Probleme tauchen dir bei Proben auf? Welche Fragen zum Probenplan bleiben?

Auf deinen Kommentar bin ich freudig gespannt! Wenn die Tipps geholfen haben – gerne weitersagen 🙂

 

 

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Event Konzept: Worauf ich bei der Konzeption von Veranstaltungen achte… // Photo: stocksnap

 

 

Die letzten Jahre über habe ich unzählige Shows im Bereich von Corporate Events realisiert. Aus dieser Praxis heraus möchte ich meine häufigsten Fragen an Event-Konzepte weitergeben. Nachdem ich bei diesen 7 Fragen für erfolgreiche Events eher auf die Basics eines Veranstaltungskonzepts eingehe, sind folgende 13 Fragen ganz praktischer Natur und für die Optimierung von Eventformaten gedacht:

 

 

13 Fragen an ein Event-Konzept, die ich immer stelle…

 

 

1. Was ist das Ziel der Veranstaltung? Nur wenn die Ziele klar definiert sind, kann man einen Plan entwickeln, um dort auch tatsächlich hinzukommen… Ein guter Anfang für die Zieldefinition ist die SMART Formel.

 

2. Wer genau ist die Zielgruppe? Umso besser ich die Besucher kenne, desto genauer kann ich mich in ihre Erfahrungswelt hineindenken und aus deren Sicht ein Event-Konzept gestalten, welches für die Zielgruppe relevante Erlebnisse kreiert.

 

3. Was soll nachher anders sein als vorher? Diese Frage definiert die erwünschte Wirkung. Simpel aber wirkungsvoll. Dennoch viel zu selten klar zu beantworten. Daher: Dranbleiben und nachfragen.

 

4. Was ist die Botschaft, wie lautet die Geschichte? Die Verdichtung auf Kernbotschaften ist harte Arbeit, lohnt sich aber immer. Wenn dies alles in eine gute Geschichte verpackt wird, kann man sich diese besser merken.

 

5. Welche Headline steht in der Zeitung und welches Bild wird dazu abgedruckt? Warum ist die Veranstaltung relevant? Sind die Inhalte kernig und klar formuliert, so dass sie am nächsten Tag noch zu erinnern sind? Gibt es einen Moment, auf den sich alles zuspitzt und als DAS Bild festgehalten werden kann, um die Botschaft visuell zu kommunizieren?

 

6. Ist das Event-Konzept abwechslungsreich, überraschend, unterhaltsam? Jedes gute Event-Konzept benötigt eine gute Dramaturgie mit Höhe- und Wendepunkten (Drei Akte: Einleitung, Hauptteil, Schluss). Gibt es eine Dynamik, die für Abwechslung sorgt (Kontraste sorgen für Spannung)? Ist der Anteil von Information und Emotion ausgewogen? Wie sehen die Szenen aus – gibt es aufeinander aufbauende Momente? Ist der Anteil von Reden, Medien, Show und Pausen ausgewogen? Gibt es Längen – egal ob real oder gefühlt?

 

7. Perspektivwechsel: Was kann ich als Außenstehender spiegeln, was die Unternehmensmitarbeiter in der Innenwahrnehmung übersehen? Als Berater kann und muss man manchmal das Bild gerade rücken. Nur Mut, ich lag selten mit meinem Empfinden falsch. Die Außenperspektive hilft oft Dinge auf den Punkt zu bringen.

 

8. Welches Team soll das Event umsetzen? Nur in eingespielten Teams mit den richtigen Stärken können Atmosphären gestaltet werden, die am Ende überzeugen. Daher schaue ich mir genau an, wer für das Licht, Ton, Mediensteuerung etc. verantwortlich sein wird. Welche Kompetenzen haben die Beteiligten Akteuere, wo könnten Engpässe vorliegen?

 

9. Gibt es ein Hightlight? Who is the star? Kann man eindeutig von einem Höhepunkt sprechen? Sofern es einen Star der Show gibt, wird auch klar auf wen sich alle Inszenierung ausrichten muss. Genau auf das Thema muss „alles einzahlen“. Ist der Gesamteindruck der gewollten Aussage bzw. der Inhalte angemessen und bleibt die Inszenierung authenttisch?

 

10. Sind die Übergänge klar und werden diese vor Ort geprobt? Die meisten Probleme tauchen in den Übergängen auf. Selbst wenn die Zeit knapp sein sollte, so bestehe ich immer auf einer Probe für die Übergänge. Auch die Übergänge der Medien sollten genau eingerichtet sein. Im Normalfall plant man aber genügend Zeit ein, um zunächst technisch-medial, dann mit allen Akteueren und abschließend einer Generalprobe zu proben. Auch ganz wichtig: Danach gibt es keine last-minute-Änderungen mehr!

 

11. Wie steht es um die Kommunikation? Nicht nur was die Botschaften an die Gäste betrifft, sondern auch intern im Team. Sind alle Inhalte bei den Leuten angekommen, wurden Probenzeiten kommuniziert? Kennt jeder im Team jeden, so dass auf kurzem Wege auch Leute miteinander Prombleme lösen… Sind bei der Veranstaltung die Kommunikationswege klar (Catering, Hostessen, Workshops etc.)?

 

12. Gibt es genügend Momente der Interaktion? Viel zu viele Event-Konzepte sind zu eindimensional und frontal geplant. Spannend wird es durch eine Partizipation. Im besten Falle gibt es auch am Ende klare Lernpunkte zum mitnehmen und Action Steps zum umsetzen.

 

13. Gibt es Feedback und eine Evaluation? Ich stelle fest, dass das Thema sich zwar viele Unternehmen wie Agenturen auf die Fahne schreiben, in der Praxis aber so gut wie nie statt findet. Persönlich habe ich mir angewöhnt die Fehler und Lernmöglichkeiten daraus jedes mal festzuhalten. So kann ich spätestens im nächsten Jahr daran anknüpfen und vermeiden, dass die selben Fehler passieren.

 

 

Frage: Welche Fragen stellst du an ein Event-Konzept? Ich freue mich über deinen Kommentar unterhalb!

 

 

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Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht!

Sound Design: Leute, vergesst den TON nicht! // Der Ton macht die Musik…

 

 

„Das Auge‬ führt den Menschen in die Welt.
Das ‪Ohr‬ führt die Welt in den Menschen.“
// Lorenz Oken, Deutscher Naturforscher und Arzt, 1779–1851

 

 

In der Live-Kommunikation schaffen wir Erlebnisse, die emotional berühren. Dabei wird viel Wert auf Lichtdesign und Filmeinspieler gelegt. Denn damit erzeugen wir Wirkung.   Richtig.

 

Hiermit möchte ich aber eine Lanze für den Ton brechen, denn:

 

Musik umgibt uns. Ständig. Dabei geht sie direkt ins Herz.

Sie weckt Emotionen. Ohne Umweg über den Kopf.

 

Das können wir gezielt einsetzen, um Menschen zu bewegen. Musik ist das Emotionalste überhaupt. Allerdings nutzen wir diese Disziplin noch viel zu unbewusst. Leider. Ich frage mich immer wieder, warum Sound Design eigentlich so vernachlässigt wird? Dabei ist doch die Musik der Schlüssel zu Gefühlen und somit starken Erlebnissen.

 

Aus meiner Erfahrung geht es bei Veranstaltungen immer zuerst um Licht und Bild. Ich gestehe, dass sich das auch in meiner Arbeit und Selbstverständnis oft so verhält. Frei nach dem Motto: Tja, dann ist da ja noch der Ton…

 

 

Sound Design – worum geht es?

 

Zugegeben, der Tonbereich ist nicht leicht zu umreißen: Film, Hörspiele, Hörfunk, Fernsehen, künstlerische Installationen, Multimedia-Anwendungen bis zu Computerspielen – ein weites Feld. Sound Design, also die kreative Arbeit mit Klängen und Geräuschen, unterscheidet sich von der Komposition eines Musikstücks oder den Audioaufnahmen im Studio. Sound Design kommt im Eventbereich vor allem im Beschallungskonzept vor Ort zum tragen. Besucher können so begeistert werden, ins Staunen geraten und durch spannende Effekte auch vom Ton gekitzelt werden!

 

Die Basis hierfür ist natürlich eine gute Planung. Angefangen vom Musikkonzept zur Komposition, Aufnahme und wie die Beschallung vor Ort eingemessen wird. Alles, um mit Ton clever und wirkungsvoll Emotionen zu übertragen. Spannend wird es dann, wenn kreative Toneffekte zum Einsatz kommen, um Inhalte zu transportieren. Die Klanginstallation O wie Omicron ist für mich ein beeindruckendes Beispiel dafür. Allerdings kann gutes Sound Design nur funktionieren, wenn man eben nicht erst vor Ort überlegt, sondern sich schon von Beginn an Gedanken zum Sound Design macht.

 

Das fehlt aber leider viel zu häufig bei Events.

 

 

Verbesserungspotential: Sprachverständlichkeit, Probenzeiten & Standards

 

Konkret: Wie oft habe ich schon Filme hören müssen, bei denen die Sprachverständlichkeit unter einer schlechten Mischung mit zu lauter Musik leidet. Warum die Tonspuren nicht voneinander getrennt auf unterschiedlichen Ebenen anliefern, um sie dann vor Ort passgenau zu mischen? Während das Lichtdesign vor Ort immer noch schnell und mit überschaubarem Aufwand angepasst werden kann, ist man beim Ton einfach auf das angewiesen, was angeliefert wird. „Shit in – shit out„, wie ein alter Spruch der Tonkollegen lautet.

 

Ein Mischpult ist eben kein Klärwerk.

 

Andererseits bedingt es aber auch Soundästheten hinter den Mischpulten, die sich dieser Feinheiten annehmen und daran arbeiten. Zu oft kommen leider aber mp3-Titel, die auf einer eingemessenen Anlage einfach nicht wie am heimischen Laptop klingen können. Wäre ja auch komisch. Oder: „Wir produzieren gerade noch was“ und dann kommt ein ungemastertes mp3, was unterschiedliche Pegel hat. Um ein qualitativ-lineares Klangergebnis zu erzeugen, ist das Mastering unabdingbar.

 

Ähnlich verhält es sich bei den Probenzeiten. Bild und Licht bekommen oft lange Slots eingeräumt, während der Ton als funktionierend vorausgesetzt wird. Ich kann mich in 15 Jahren nur an eine TV-Orchesterproduktion erinnern, in der es vorrangig um den Ton ging. Geschweige denn, dass den Tonkollegen in den Probezeiten extra Aufmerksamkeit gewidmet wurde. „Es muss halt einfach alles laufen“.

 

 

Entscheidungsfrage: Idealismus vs. Wirtschaftlichkeit?!

 

Sicher kommt es darauf an, was und ob der Kunde in Sachen Ton will. Sofern er eine Notwendigkeit sieht, dann wird es auch eine Priorität von Beginn an dafür geben. Es geht ja nicht darum den Ton über alles zu stellen, jedoch auch nicht kategorisch zu vernachlässigen. Spannend ist für mich darüber nachzudenken, warum der Ton so und so viel Stellenwert bekommt (Zeit, Geld, Gedanken). Oder anders gefragt: Was wäre wenn?

 

Was wäre, wenn…

• die Musikkomponente ganzheitlich von Beginn an gedacht wird.

 sauber produziert, eingemessen und geprobt wird.

 Menschen aufgrund des Tons emotional ergriffen und transformiert werden.

 wir unsere Haltung zum Ton überdenken und diesem mehr Priorität einräumen.

• dadurch wirkungsvollere Events geschaffen werden…

 

Die Kritiker werden mit der Wirtschaftlichkeit um die Ecke kommen. Ja, das ist ein Thema und nein, das ist kein Thema. Ideen kosten Erfahrung, Routine, Zeit und Gehirnschmalz. Und ja, manches lässt sich nur mit entsprechendem Budget umsetzen. Andersrum wäre legitim nachzufragen: Wenn ich 10.000 Euro reinstecke, erhalte ich 15.000 Euro Gegenleistung (in Form von inmateriellen Entscheidungen, realer Absatzerhöhung bei der Zielgruppe einer Messe etc.)? Wo funktioniert das, und wo nicht? Was ist Idealismus? Was ist Kunst? Und wofür mache ich das alles?

 

 

Sound Design ist echt harte Arbeit… 😉 // Video: youtube

 

 

Fazit: Musik setzt Emotionen frei wie kaum ein anderes Stilmittel. Gleichzeitig wird sie so unterschätzt wie kaum ein anderes Gewerk. Licht und Visuelles reizen unsere Sinne massiv – dabei macht wie in jedem Hitchcock-Film der Ton 50% des Erlebnisses. Das real spürbare Ungleichgewicht bei Events ist daher für mich unverständlich. Wir sollten die Möglichkeiten des Tons wieder gezielter nutzen und eine angemessene Priorität geben.

 

 

Hier Teil 2, in dem ich einige Sound Designer nach ihren Ansätzen, Meinungen und Ideen befrage. Interessieren könnte dich auch dieser Beitrag zur akustischen Markenführung: Audio Branding bei Events.

 

FrageWie nimmst du die Bedeutung vom Ton bei Events wahr? Was sollte sich ändern? Was ist angemessen?

 

Besser Präsentieren // Teil 2: Körpersprache

Besser Präsentieren // Teil 2 von Moderator Martin Kloss: Körpersprache

 

 

Hier der zweite Teil der Serie zum Thema “Besser Präsentieren” mit Analysen, Hintergründen und nützlichen Tipps um die eigene Präsentation vor Publikum zu verbessern.

 

 

Körpersprache: Worauf kommt es an?

 

Was genau ist Körpersprache und was hat das mit meiner Präsentation zu tun? Wie wichtig ist Körpersprache und wie steuere ich sie?

 

Hier zunächst zwei grundlegende Fakten zur Körpersprache:

  1. Körpersprache ist wichtiger als das gesprochene Wort.
  2. Die Wahrnehmung von Körpersprache ist nicht steuerbar.

 

Um diese beiden Aussagen zu verstehen, ist es wichtig den Begriff und die Rolle von Körpersprache in der Kommunikation zu definieren.

 

 

Was ist Körpersprache?

 

Unter Körpersprache versteht man die nonverbalen Anteile der Kommunikation, die über Form, Haltung und Bewegung des Körpers vermittelt werden. Dazu gehören auch Gestik und Mimik.

 

Tritt ein Mensch in unsere Wahrnehmung, aktiviert er eine neurobiologische Resonanz durch Blick, Stimme, Mimik, Körperbewegungen usw.

 

Das ist erstmal alles ziemlich einleuchtend. Der entscheidende Unterschied zur verbalen Kommunikation ist: die Wahrnehmung von Körpersprache ist im Gegensatz zur gehörten Sprache präreflexiv! Das bedeutet, die Wahrnehmung und Bewertung der Körpersprache eines Gegenüber ist abgeschlossen bevor wir uns ihrer bewusst werden und ist daher auch nicht filter- oder steuerbar.

 

Wir sind also nur Empfänger und können uns zwar diese Wahrnehmung nachträglich bewusst machen, sie aber nicht kontrollieren. Das führt dazu, dass unser Hirn keinen Filter für Körpersprache hat, da dieser Filter immer erst nach der Bewusstwerdung wirken könnte und dann ziemlich sinnlos wäre.

 

Dazu kommt, dass bei der über das Auge aufgenommenen Kommunikation 100 mal mehr Informationen in gleicher Zeit verarbeitet werden, als über den Hörsinn (siehe auch Teil 1).

 

Alle Signale der Körpersprache werden also direkt aufgenommen und im Hirn verarbeitet. Das führt beispielsweise dazu, dass wir unterbewusst einem Menschen glauben oder nicht, eine Person sympathisch finden oder nicht.

 

Ein Lügner wird immer sich über seine Körpersprache entlarven, ein Redner der nicht glaubt, versteht oder gut findet was er sagt, wird dieses immer seinen Zuschauern zeigen, ob er will oder nicht. Dabei gilt für Körpersprache die Faustregel: je weiter weg vom Gesicht eine Bewegung ausgeführt wird, um so schwieriger ist es, sie zu fälschen. Eine wichtige Information für eine Präsentation vor Publikum, insbesondere auf einer Bühne.

 

Eine Studie des US-amerikanischen Psychologieprofessors Albert Mehrabian kam zu dem Ergebnis, dass Worte nur zu 7% für den Gesamteindruck verantwortlich seien, den ein Mensch auf seinen Gesprächspartner mache. Zu 38% zähle der Tonfall der Stimme und zu 55% die Körpersprache.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Für eine gute Präsentation müssen alle 3 Kommunikationsformen miteinander übereinstimmen. 
 Egal wie viel Arbeit Sie in eine tolle Rede stecken, wenn das WIE nicht mit dem WAS übereinstimmt, wenn die Körpersprache nicht unterstreicht was die Stimme erzählt, wird der ZuSCHAUER auch als ZuHÖRER nicht überzeugt von Ihren Inhalten sein.

 

 

Fazit: Körpersprache ist wichtiger als das gesprochene Wort!

 

Merken Sie sich für Ihre Präsentation: Körpersprache ist wichtiger als das gesprochene Wort!

Achten Sie in Ihrer Vorbereitung und bei der Ausführung auf Ihre Körpersprache und arbeiten Sie beispielsweise mit einem Coach daran Ihre Körperhaltung, Gesten und Mimik bewusst wahrzunehmen und zu steuern.

 

Im nächsten Teil geht es um das Thema “Stimme” und was Parasprache und Prosodie mit Präsentieren zu tun haben.

 

 

Martin Kloss Besser PräsentierenMartin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zweisprachiger (Deutsch / Englisch) Schauspieler, Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Darüber hinaus hilft er Unternehmen als Schauspiel- und Business Coach, schult Redner und Vortragende und bietet Workshops zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com

TV-Unterhaltung: 6 Fragen an Regisseur Carsten Seibt

TV-Unterhaltung – worauf es ankommt erklärt TV-Regisseur Carsten Seibt

 

 

Carsten habe ich während meines Medienmanagement-Studiums in Mittweida (Sachsen) kennen und schätzen gelernt. Zwischenzeitlich ist er als TV-Regisseur für verschiedene Sender tätig. In Kürze startet er beispielsweise ein neues MDR-Format mit Ross Anthony. Was gute TV-Unterhaltung ausmacht, habe ich ihn gefragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an gute TV-Unterhaltung?

 

Wie bei jedem anderem Fernsehprogramm auch, muss es der Anspruch sein den Zuschauer sprichwörtlich vor dem TV zu „fesseln“ und ihm das Gefühl zu geben mitten im Geschehen zu sein. Kurzum: Zur richtigen Zeit die richtigen Bilder liefern, die zur Dramaturgie der Show passen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es sich um eine Musik-, Game- oder Talkshow handelt. Als Regisseur beginnt alles damit, dass man sich sehr gut auf das was passiert und noch wichtiger – auf dass was passieren könnte – vorbereitet, sich mit Redaktion und Autoren abstimmt und das ganze Team dabei mitnimmt. Auch wenn der Großteil der Shows durchgescriptet ist, bleiben immer noch genügend Dinge offen, auf die man vorbereitet sein muss. Gerade bei Live-Shows ist das spannend, weil die ungeplanten Momente oft die stärksten sind und die emotionalsten Bilder liefern.

 

 

2. Dein Prinzip lautet „Emotion & Reaktion“ – wie können Event’ler dieses für sich nutzbar machen?

 

In jeder Show passieren zahlreiche Dinge, auf die wiederum andere an der Show Beteiligte reagieren. Ein begeistertes Publikum, ein schadenfroher Quizshow-Partner, ein Talkshowgast der sein Gesicht verzieht oder ein raunendes Publikum. Diese Reaktionen sind immer mit Emotionen verbunden, welche bildlich eingefangen werden müssen. Die Herausforderungen, gerade bei Live-Shows, sind nicht nur das Offensichtliche zu zeigen, sondern zu schauen ob es vielleicht „Nebenschauplätze“ gibt, an denen Dinge passieren, die wir so nicht mitbekommen hätten und trotzdem interessant sind. Ein Beispiel: Eine Mutter trifft in einer Show ihren Sohn wieder, nachdem Sie 10 Jahre keinen Kontakt zu ihm hatte. Offensichtlich ist, dass beide zu Tränen gerührt sind, sich um den Hals fallen – die Emotionen werden durch die passende Musik noch verstärkt. Zunächst nicht offensichtlich ist, dass in der 3. Reihe im Publikum die Schwester der Mutter sitzt und mit den Tränen kämpft – das sollte auch gezeigt werden! Am Ende geht es immer darum den Zuschauer so lange wie möglich vor dem Schirm zu halten und dafür geben alle im Team ihr Bestes.

 

Für Off-Air Events gilt sicher das Gleiche, nur dass man das Hauptaugenmerk auf den Kunden bzw. Zuschauer im Saal legen muss. Eine der Fragen an den Kunden sollte sein, welche Emotionen beim Publikum geweckt werden sollen. Welche Reaktion sind vom Publikum darauf zu erwarten und wie kann man diese wieder in die Veranstaltungskonzeption mit einbinden, so dass das Publikum nicht nur Publikum ist, sondern ein Teil der Show.

 

 

3. Was war das herausforderndste bzw. bedeutsamste TV-Projekt, welches du als Regisseur realisiert hast?

 

Eines der größten Herausforderungen jedes Jahr ist der Semperopernball in Dresden (3sat/mdr). Ich bin dort als Regisseur für das On- und Off Air Programm auf dem Theaterplatz (Openairball) zuständig. Wir arbeiten dort mit zwei kompletten Teams (Theaterplatz/Semperoper) und sind dort aufgrund der großen Programmflächen (OffAir, Countdown, Show, Aftershow) fast sechs Stunden am Stück im Einsatz. Ziel der Veranstaltung ist es das „Ballgefühl“ aus der Oper zu den 10.000 Zuschauern auf dem Theaterplatz zu transportieren. Dazu gibt es einige Aktionen und Showeinlagen während des Balls. Diese müssen mit der Show in der Oper synchronisiert werden. Die Wetterlage im Januar stellt oftmals noch eine zusätzliche Herausforderung dar. Die Bilder von 5.000 Tanzpaaren sind dann immer wieder beeindruckend.

 

 

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als TV-Regisseur zu realisieren?

 

1. Das wichtigste ist dass das Team funktioniert, ich lege viel Wert auf eine harmonische Stimmung am Set.

2. Auf ein gutes Skript der Autoren bzw. Redaktion, ich versuche frühzeitige mit den Autoren ins Gespräch zu kommen und nicht erst wenn das Buch fertig ist.

 

 

5. Wo lässt du dich in Sachen (innovativer) TV-Unterhaltung inspirieren?

 

Es gibt eine große Bandbreite von Unterhaltungsformaten – innovativ, traditionell, im TV und im Netz. Auch gut konzipierte Off-Air Shows und Musicals haben oft einiges zu bieten. Diese schau ich mir gern an und entdecke manchmal auch Elemente, welche mich inspirieren – technischer oder konzeptioneller Art. Gern schau ich mir auch neue Technologien an die auf den Markt gebracht werden und überlege wie ich sie evtl. nutzen kann. Im Moment steckt viel Potential in der Symbiose von traditionellen Live-TV-Inhalten zusammen mit Echtzeit-Elementen des World Wide Web. Dort gab es in letzter Zeit schon einige Versuche, doch benötigen die Sender hier noch mehr Mut zum Experimentieren.

 

 

6. Was war dein größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Einen „größten Fehler“ kann ich so gar nicht benennen. Aber natürlich – nur wer nichts macht, macht keine Fehler. Es gibt immer wieder mal Dinge die nicht so laufen wie sie sollten. Im Idealfall kann man sie vorher abbiegen, oder sie ziehen keine größeren Folgen nach sich. Wichtig ist nur daraus zu lernen, sofort die Konsequenzen zu ziehen und mit dem Team darüber zu sprechen, so dass die gleichen Fehler nicht zweimal passieren.

 

 

TV-Unterhaltung Carsten Seibt: Emotion & ReaktionCarsten Seibt arbeitet seit 2006 als freier Regisseur für Fernsehproduktionen (u.a. ARD, MDR, 3sat, SRF) und lebt in Leipzig. Schwerpunkt bilden dabei Live-, Show- und Eventproduktionen. Vor seiner Tätigkeit als Regisseur war er in unterschiedlichen Funktionen innerhalb des Produktionsprozesses tätig. Außerdem ist er Dozent für Fernsehproduktion an der Hochschule Mittweida – University Of Applied Sciences. Weitere Infos: www.carstenseibt.de

 

Eventregie – worauf kommt es an?

Nach unzähligen Shows und erfolgreicher Corporate Events möchte ich gerne meine Erfahrung in der Eventregie weiter geben. Aus meiner Sicht kommt es dabei auf drei Prinzipien an:

 

 

1) Kommunikation – und zwar ständig: zwischen der Agentur und den Projektverantwortlichen im Vorfeld, den Akteuren und Rednern auf der Bühne, sowie in der Umsetzung mit dem Technikteam und allen weiteren Beteiligten. Dies auf der Produktion vor Ort alles möglichst gleichzeitig, freundlich, bestimmt und schnell. Dann kommt auch alles wie gewünscht auf den Punkt.

 

2) Präzision – eine genaue Vorstellung von dem zu haben, wie alles am Ende aussehen soll. Natürlich mit aller Kreativität – aber diese muss ja nicht erst vor Ort entwickelt werden. So können die einzelnen Programmpunkte zügig eingerichtet werden, wohl wissend was dies für die einzelnen Gewerke bedeutet und mit maximalem Nutzenfaktor der verfügbaren Ressourcen. Präzision ist dann ebenso das Stichwort beim eigentlichen show calling – dies sorgt für Verlässlichkeit, Klarheit und damit Sicherheit.

 

3) Ruhe bewahren – Veranstaltungen sind immer aufregend – aber mit mir in der Eventregie nicht stressig, zumindest nicht für Sie. Von Anfang an war es schon als Aufnahmeleiter bei TV Shows meine Maxime, gut organisiert und mit einem kühlen Kopf zu leiten. Das hat sich bewährt und ist zentral für die Eventregie.

 

 

Eventregie – ohne Teamwork geht gar nichts

 

Letztlich kaufen Event-Agenturen meine Fähigkeit als Regisseur ein, um Sicherheit zu gewinnen. Mit mir können Sie sich sicher sein, dass die Veranstaltung so läuft, wie geplant: reibungslos. Meine Regieleistung kommt dabei immer auch mit einer Vision und Zielrichtung einher. Es ist für mich essenziell, zu erfassen, was Sie mit der Show inhaltlich erreichen wollen und gemeinsam können wir dann ein präzises Bild entwickeln, das mit meiner  umgesetzt werden kann. Meinen Führungsstil würde ich als kooperativ beschreiben – weitergehende Gedanken dazu hier.

 

Kurzum: Gerne begleite ich die Eventregie Ihrer Veranstaltung routiniert und innovativ zugleich. Als Experte für Corporate Events habe ich große Freude dabei, all diese Aspekte in immer wieder neuen Konstellationen zu realisieren. Mit meinem Interesse magische Momente zu kreieren und starke Ideen zu katalysieren, bin ich mir bewusst, dass gut geleitetes Teamwork zentral für den Erfolg ist und immer gewinnt.

 

 

Haben Sie Fragen oder wünschen Unterstützung für wirkungsvolle Live-Events? Kontaktieren sie mich einfach. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen! Erfahrungswerte und praktische Beispiele meiner Eventregie Expertise finden sich beim IAA 2011 Projekt sowie der IAA 2013.

 

 

Weiteres Lese-Interesse? Dazu folgende drei Linktipps:

Wie schreibe ich einen Regieplan? // Eine Muster-Vorlage gibt es hier!

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

Meine Top 20 Beiträge auf diesem Event Blog

 

 

Eventregie Chris Cuhls - Teamfoto Atelier Markgraph @ Daimler IAA 2013

Team Atelier Markgraph auf der IAA 2013 für Daimler // Danke Helge Thomas für das Aufmacher-Bild!

 

 

Um regelmäßig Inspirationen für die Arbeit in der Live-Kommunikation zu erhalten, tragen Sie sich in meinen Newsletter ein oder besuchen Sie mein Facebook Profil

 

Digitales Konzerterlebnis: 6 Fragen an Robert Gummlich

Digitales Konzerterlebnis: Robert Gummlich zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker

 

 

Den Bildregisseur Robert Gummlich habe ich bereits vor zehn Jahren in Köln kennen gelernt. Uns verbindet neben gemeinsam umgesetzten Medienproduktionen auch die Begeisterung für Live-Musik und ein ähnlicher Anspruch an Arbeitsweisen – fachlich wie menschlich. In den letzten Jahren hat Robert maßgeblich die Live-Übertragung von Konzertmitschnitten der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Digital Concert Hall mitentwickelt (Hintergründe und Informationen zur DCH unterhalb). Zu seinen Erfahrungen und Selbstverständnis als Bildregisseur habe ich ihn befragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an eine gelungenes digitales Konzerterlebnis?

 

Klar ist: Ein persönliches Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Es ist wie beim Kochen: Es selbst zu tun, die Dinge zu berühren und fühlen, zu riechen und schmecken und die gesamte Atmosphäre synästhetisch zu empfinden kann einfach niemals das Gleiche sein wie den gleichen Prozess im Fernsehen zu sehen und zu hören. Die Live-Übertragung, egal ob im Fernsehen oder im Internet, ist dennoch die zweitbeste Möglichkeit, an einem Live-Event teilzuhaben, wenn ich nicht selbst vor Ort sein kann (z.B. weil es zu teuer oder ausverkauft ist, meine Mobilität aus Altersgründen vielleicht eingeschränkt ist oder das Event auf einem anderen Kontinent stattfindet). Mein Ziel für ein digitales Konzerterlebnis ist also, dieses Erleben aus der Beobachter*innenperspektive mit den mir verfügbaren fernsehtechnischen Mitteln so intensiv wie möglich zu gestalten. Und dabei die Inhalte, sprich meine Künstler*innen und die sie umgebenden Räume, möglichst optimal zu präsentieren.

 

Als Beispiel möchte ich kurz beschreiben, wie meine liebste Kritik nach einer Übertragung klingen könnte: „Der Dirigent ist ja unglaublich intensiv gewesen heute, aber als der Hornist sich verspielt hat, hat er kurz ganz schön böse geschaut. Und die junge Sopranistin hat ja sogar in den höchsten Tönen noch ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, als sei da nichts dabei. Ich hatte echte Gänsehaut. Und als sie sich dann verbeugt hat und gelacht hat zum Orchester, da war sie wieder so wunderbar natürlich und gelöst, wie ein junges Mädchen. Vorher wirkte sie so ernsthaft und ganz erwachsen.“
Kein Wort davon beschreibt unsere Kamera- oder Regiearbeit, die Einstellungsgrößen, Schnittfrequenzen, Kranfahrten oder sonstige technische Hintergründe unserer Arbeit. Die Zuschauenden waren im Flow des Events, gefesselt von der Intensität der künstlerischen Leistung auf der Bühne, sogar vor dem Bildschirm. Fast so, als säßen sie selbst im Saal. Das ist das erklärte Ziel meiner Arbeit: Meine Künstler*innen und ihre Leistungen so gut aussehen zu lassen, wie es mir möglich ist. Die Basis dafür ist mein tiefer Respekt vor ihrer Leistung und den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für unsere Arbeit.

 

Noch eine kurze Anekdote zu Zuschauenden, wie ich sie mir wünsche: Bei meiner Arbeit an der Wiener Staatsoper, wo ich im vergangenen Jahr das Streaming-Team aufbauen durfte, ist uns ein ganz besonderer Zuschauer begegnet. Dieser Herr sieht sich nicht nur im Rahmen seines Jahres-Abonnements regelmäßig Opern in der Wiener Staatsoper an (in der Mitte des Parketts auf einem wirklich ausgezeichneten Platz). Er schaut sich regelmäßig ein paar Tage später die gleichen Opern noch einmal im Live-Stream an (wir übertragen dort in der Regel die 3. Vorstellung einer Serie), weil er die Qualität der Tonmischung und die Naheinstellungen und Bildführung der Regie genießt. Offensichtlich gelingt es uns, sein Erleben der Oper mit unseren Übertragungen noch zu intensivieren! Und dieser Herr ist bereit, für dieses Erleben seinen Beitrag zu bezahlen, weil er etwas erhält, was ihm das Fernsehen nie bieten kann.

 

 

2. Worin liegt die Herausforderung am Live-Stream?

 

Die meisten Livestreamings haben kleine Budgets, die nicht mit Fernsehbudgets vergleichbar sind. Dennoch werden die Ergebnisse unserer Übertragung mit professionellen Fernsehproduktionen verglichen. Denn diese haben die Seherfahrung unsere Zuschauenden über Jahrzehnte geprägt. Die Herausforderung besteht also darin, mit einem vergleichsweise kleinen Kernteam (5 – 8 Personen beim Streaming im Vergleich zu 30 – 45 Personen bei der Fernsehübertragung) und reduziertem technischen Aufwand ein vergleichbar intensives Erlebnis zu gestalten. Das erfordert natürlich eine Anpassung unseres gelernten Fernsehhandwerks.

 

Was uns dabei hilft ist die Einbettung der Streaming-Abteilung in die entsprechenden Häuser: Wir sind in Berlin ebenso wie in Wien eine eigene Abteilung und kommen nicht als Fremde zu den Musiker*innen. Weil wir die Abläufe besser verstehen als Menschen, die nur einmal im Jahr in einem Konzertsaal arbeiten, können wir besser Rücksicht nehmen auf die Notwendigkeiten der künstlerischen Abläufe. Und wir werden als Verbündete der Musiker*innen wahrgenommen, wir haben im besten Fall ihr Vertrauen. Denn eines muss man sich klar machen: Jede*r weiß im 21. Jahrhundert aus ungezählten Youtube-Clips, wie schnell man vor der Kamera schlecht aussehen kann, wie gnadenlos genau die Kameras heute hinschauen und hinhören. Das schafft große Unsicherheiten, auch wenn sie nur unterschwellig sind und selten eingestanden werden. Und da wir es mit Künstler*innen der absoluten Weltspitze in einer intensiven Konkurrenzsituation zu tun haben, reichen manchmal schon kleine Nuancen oder Ablenkungen, um die Einmaligkeit und damit schlimmstenfalls auch den Marktwert zu gefährden.

 

Umgekehrt, also positiv formuliert: Unsere Künstler*innen vertrauen uns, dass wir sie bestmöglich aussehen lassen, verstehen und schützen. Daher können sie ein klein wenig entspannter und konzentrierter ihre Leistung bringen als bei einer typischen Fernsehübertragung, die breitschultriger auftritt, die Abläufe stört und nicht im Kontakt mit den Künstler*innen und ihren Bedürfnissen steht. Und damit meine ich nicht nur die Bedürfnisse der großen Solist*innen, sondern auch die einer Tutti-Violine am 8. Pult hinten links. Ich glaube also, bei uns spielen die Künstler*innen ungestörter und daher ist das Geschehen vor der Kamera ein wenig intensiver. Da macht es nicht viel aus, wenn unsere Übertragungswerkzeuge sich den Budgets anpassen müssen. Und das schätzen auch unsere Zuschauenden, denn die bezahlen den Abo-Preis nicht für die Vorführung von neuester Showtechnik oder Kameratypen, sondern für das Erleben einer einmaligen künstlerischen Leistung.

 

 


Digital Concert Hall // Video: Berliner Philharmoniker

 

 

3. Worin liegt der Unterschied zwischen Live-Stream und Fernsehen?

 

Internetstreamings sind in meinen Augen ein Schritt hin zur Demokratisierung von medialen Inhalten, wie man sie schon länger im Journalismus (Stichwort: Blogger) wahrnehmen kann: Die gleichen Menschen, die die (künstlerischen) Inhalte herstellen, können darüber entscheiden, sie weltweit ihrem Publikum anzubieten und den Preis dafür zu bestimmen.

 

Und sie verfügen persönlich über die Verbreitungswege und -mechanismen. Sie sind nicht mehr auf die Beurteilung durch Redakteur*innen oder Produzent*innen angewiesen, die eine riesige, extrem teure Mechanik zur Verbreitung verwalten und Einfluss nehmen auf die inhaltliche Auswahl. Die Entscheidungsstrukturen der Internetstreamings sind wesentlich schlanker und schneller als bei Rundfunkanstalten. Auch werden völlig andere Zuschauerzahlen angestrebt: Das Fernsehen zielt auf ein Millionenpublikum in einem regionalen Raum, für Weltmarken wie die Berliner Philharmoniker ist schon eine Zahl um die 4000 Zuschauer weltweit bei einem Live-Event ein großer Erfolg, denn damit hat sich die Zuschauerzahl an diesem Abend verdreifacht im Verhältnis zum Saalpublikum! Und sie erreichen ein weltweites, geneigtes Publikum wesentlich leichter als der Rundfunk, für den schon ein einziges Projekt, das weltweit gesendet wird (wie eine Fußball-WM oder Olympiade) mit einem Vorlauf von mehreren Jahren Organisationsaufwand und immensen Kosten verbunden ist.

 

Möglich wird dies durch die vorhandene Infrastruktur des Internets, die eine demokratische Distribution möglich macht. Deswegen ist auch für die Verbreitung von Kultur im Internet die Netzneutralität ein höchst wertvolles Gut. Und außerdem werden Internetstreamings möglich durch schlankere, spezialisiertere Produktionsverfahren, die wir nach und nach entwickeln. Wobei hier ein bisschen die Gefahr besteht, dass die Honorare für unsere Arbeit verringert werden, weil es sich „nur“ um ein Internetstreaming handelt und im Moment sehr oft um Pilotprojekte. Das ist aber zum Glück bei meinen Auftraggebern nicht mehr der Fall, die wissen die Qualität der Bildregie auch finanziell zu schätzen. An dieser Stelle einen großen Dank dafür!

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Live-Regisseur zu realisieren?

 

Bevor ich die Frage beantworte, möchte ich gerne mein Verständnis meines Jobs beschreiben. Es gibt Live-Regisseur*innen, die ihre kreative Bedeutung und künstlerische Leistung innerhalb der Produktion sehr hoch bewerten und sich selbst als große Künstler*innen präsentieren und verkaufen. Das führt dann häufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen der Künstler*innen auf der Bühne. Dem möchte ich meine Auffassung meines Berufs gegenüberstellen: Ich glaube, wir üben ein hochintelligentes Handwerk aus (eine Haltung, die ich nicht selbst erfunden, sondern während meiner Assistenz-Zeit von einem in meinen Augen sehr guten Regisseur übernommen habe). Die Künstler*innen stehen bei uns VOR der Kamera, unsere Aufgabe hinter der Kamera ist es, ihre Leistung so gut wie möglich zu verstehen. Wir stehen also im Dienste unserer Künstler*innen. Als Bild dafür verwende ich in Seminaren gerne die Vorstellung von einem Übersetzer, der ein Shakespeare-Sonett ins Deutsche übersetzen soll: Reine Technik (Google-Translator) führt zu überhaupt nichts. Der Übersetzer muss zwei Sprachen in ihrer sprachlichen Tiefe und Schönheit verstehen und einsetzen können und dazu noch Shakespeares Intentionen und Witz! Dennoch ist und bleibt das Gedicht, egal ob in Deutsch oder Englisch, zu jedem Zeitpunkt ein Werk Shakespeares. Die Leistung des Übersetzers für den künstlerischen Genuss wird dadurch aber nicht abgewertet, sondern ist für die deutschsprachigen Lesenden absolut wesentlich und unersetzbar.

 

Jetzt zur Antwort, worauf ich angewiesen bin bei meinem Job. Kurz und knapp: Auf mein Team! Eigentlich gibt es dazu fast nichts mehr hinzuzufügen, so selbstverständlich sollte diese Erkenntnis sein. Denn keine*r macht eine Live-Übertragung alleine! No way, never ever! Ich beiss mir immer auf die Lippe, wenn sich jemand vor mich stellt und sagt: „ICH hab letzte Woche eine Oper übertragen / MEINEN Film auf dem Festival präsentiert“ und denke mir: Tatsächlich? Du hast alle Kabel gezogen, bist die LKWs gefahren, hast alle Kameras aufgebaut, das Licht angeschlossen, das Mikro gehalten, die Listen getippt, die Hotels gebucht, die Künstler*innen betreut, das Catering gekocht undundund…???? Respekt, Kollege, ehrlich…

 

Und gerade während einer Live-Übertragung, bei der nichts „in der Postproduktion gefixt“ wird, sondern alles auf Anhieb sitzen muss, bin ich zu 100% darauf angewiesen, dass jede*r im Team mit voller Konzentration, Leistungsbereitschaft und Begeisterung von Anfang bis Ende dabei ist. In unseren reduzierten Stream-Teams, bei denen jede*r mehrere Aufgaben übernimmt, darf es keine menschlichen oder fachlichen Fragezeichen geben, da bin ich unglaublich sensibel. Und wenn man sich in der Regieposition diese 100%ige Abhängigkeit von seinem Team bewusst macht, relativiert sich die sogenannte Machtposition der Regie sehr angenehm. Ich betrachte sie ohnehin eher als eine – zugegebenerweise zentrale – Rolle innerhalb eines notwendigen Hierarchiegefüges für einen klar begrenzten Zeitraums. Dieses Bewusstsein schützt ganz gut vor Überheblichkeit. Leider keine seltene Erscheinung in unserem Beruf…

 

Und worauf wir natürlich immer angewiesen sind: Auf die Leistung unserer Künstler*innen! Denn wenn diese nicht ihr Potenzial optimal abrufen können, können wir den besten Job der Welt gemacht haben und dennoch bleibt das Gesamtergebnis in der Mittelmäßigkeit. Egal ob wir UHD, HD, 4K, 5.1-Surround, Cinemascope oder sonstige Superlative außen drauf schreiben.

 

 

Digital Concert Hall

 

 

5. Wie hast du dich für dieses neue, einmalige Kamera-Übertragungssystem inspirieren lassen – wie kam das zu Stande?

 

Genau genommen gab es für dieses Kamera-System keine Inspiration, weil es weltweit das erste war, das so eingesetzt werden sollte. Da der Bau des ersten Studios der DCH relativ schnell erfolgen musste (aus Gründen des Sponsorings), waren wir als Regieführende in der Planung auch noch nicht involviert. Und vielleicht war das auch gut so, denn sonst hätten wir wahrscheinlich versucht, an unserem Handwerk festzuhalten. So waren wir schlicht gezwungen, umzudenken oder zu verschwinden: Wir standen vor einem fertigen System, das niemand kannte, mit dem noch niemand Erfahrungen hatte und das eine deutliche Veränderung (und auch Verabschiedung mancher Teile) unserer Arbeitsweise erforderte. Wir waren gefordert, unsere Arbeitsweise neu zu erfinden. Und zu forschen, wo die Möglichkeiten, Vorteile und Grenzen dieses Systems liegen. Immer mit den ästhetischen und qualitativen Kriterien, die wir von unseren Fernsehjobs im Kopf hatten.

 

Da hat mir der Satz meines Klavierlehrers, ein wichtiger Mentor in meinem Leben, geholfen: „Schwimmen lernt man nur im Wasser!“ Damit hat er uns immer auf die Bühne geschickt, wenn wir beim Klassen-Vorspiel Lampenfieber hatten.
Also: Augen zu, oder besser: auf! und reingesprungen. Wir hatten allerdings auch eine Vorlaufphase von einem halben Jahr vor der ersten Liveübertragung, so konnten wir alles Mögliche ausprobieren. Das war ein großer Luxus.
Gleichzeitig kommt uns die Situation auf der Bühne entgegen bei der Verschlankung von Strukturen: Letztlich wiederholen sich bei Konzertübertragungen die Einstellungen immer wieder (das ist übrigens, wenn man ehrlich ist, nicht nur im Konzertsaal so). Denn der musikalische Apparat sitzt in dieser Form schon seit Jahrhunderten auf der Bühne und spielt mit den gleichen Instrumenten die gleiche Musik. Das Faszinierende für die Liebhaber*innen dieser Musik kommt über die einzigartige, immer wieder neue und andersartige Interpretation der Musik, damit haben wir aber in unserer Arbeit weniger zu tun. Wir können also in unserem System während der Proben für jede Kamera beliebig viele unterschiedliche Einstellungen der Instrumentengruppen als Snapshots speichern und dann punktgenau (während der Livesendung im Sekundentakt) abrufen. Denn die 1. Flöte sitzt immer am gleichen Platz. Dennoch muss jede Vorstellung neu programmiert werden, denn die Orchesteraufbauten wechseln, eine Mozart-Sinfonie ist keine Wagner-Ouvertüre und verwendet andere Instrumentierungen. Und für besondere Situationen wie Solo-Konzerte oder Chöre können wir inzwischen im Ausnahmefall auch ein bis zwei Zusatzkameras mit Kameramensch im Saal positionieren, das erweitert das System sehr positiv.

 

Bei den Streamings der Opern an der Wiener Staatsoper, die seit Herbst 2013 laufen, sieht es dagegen ganz anders aus: Auf einer Opernbühne werden selbst die besten und präzisesten Akteur*innen niemals an der gleichen Stelle singen. Daher arbeiten wird dort mit zwei Operator*innen, die abwechselnd immer für die nächste Einstellung zuständig sind und beide Zugriff auf alle Kameras haben. Genau genommen haben mich die Verantwortlichen der Wiener Staatsoper nach einem Besuch in Berlin gefragt, ob ich in der Lage bin, unser Berliner Modell auf die Anforderungen der Wiener Staatsoper anzupassen und die Teams dort auszubilden. Wieder ein Sprung in tiefes, kaltes Wasser!

 

Jetzt, nach mehr als 20 Übertragungen in den letzten 12 Monaten kann ich mit Gewissheit sagen: Wir können auch Opern mit Remote-Systemen und kleinem Team anspruchsvoll übertragen, überhaupt kein Problem! Wobei sich die Gestaltung von den typischen Fernsehaufzeichnungen unterscheidet, wir haben den Schnittrhythmus beruhigt und lassen den Akteur*innen mehr Raum auf der Bühne und für ihr Spiel. Das halte ich auch für angemessener: Eine hohe Schnittfrequenz von extremen Naheinstellungen, typisch fürs Fernsehen des 21. Jahrhunderts, wie sie z.B. die Metropolitan Opera in New York weltweit auf die Kinoleinwände bringt, halte ich für ästhetisch problematisch: Eine Opernsängerin, deren Kopf auf einer Kinoleinwand mehrere Meter vergrößert singt, empfinde ich in den meisten Fällen als grotesk entstellt. Dabei geht es nicht um die Frage von richtig oder falsch, sondern immer nur darum: Was ist dem Inhalt und dem Charakter angemessen? Diese kluge und feine Unterscheidung verdanke ich einem hervorragenden Lichtsetzenden Kameramann und gutem Freund, Alexander Törzs (BVFK), der mich bei meinen Projekten regelmäßig berät und unterstützt.

 

 

6. Was war dein bisher größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Das wird jetzt eine sehr persönliche Antwort: In einer hohen Belastungssituation habe ich meine Selbstbeherrschung verloren und mich absolut im Ton gegenüber einer Produktionsleiterin vergriffen. Klar und ehrlich gesagt: Wir haben uns angeschrien.

 

Ich war der Meinung, meine Notwendigkeiten finden zu wenig Beachtung, ich empfand höchsten Druck, fühlte mich erschöpft und überfordert und ich betrachtete eine spezielle, zusätzliche Belastung als bösartige Missachtung meiner Bedürfnisse und Ignoranz meiner Arbeit gegenüber.
Ein Satz mit sehr vielen „Ichs„. Ein sehr großer Fehler. Oder gleich mehrere: Das wertvolle Verhältnis zu einer Kollegin zu belasten für eine im Nachhinein belanglose Arbeitssituation; meine Bedürfnisse in den Mittelpunkt einer Produktion zu stellen; überlastet und unüberlegt zu handeln; die Liste kann jede*r für sich vervollständigen. Ich möchte zu meiner Verteidigung sagen, dass mir so eine Situation nie wieder vorgekommen ist.

 

Am nächsten Tag habe ich mich entschuldigt. Seither versuche ich durch regelmäßige, besonders aufmerksame Kommunikation, inzwischen über 5 Jahre, das erschütterte Vertrauen wieder aufzubauen. Ich bin mir allerdings darüber im Klaren: So etwas vergisst niemand, ich auch nicht! Wir kommen heute dennoch sehr gut klar miteinander.

 

Ich habe mich später vor allem aus persönlichen Gründen mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinander gesetzt, weil die vielen Konflikte in unserem Leben so häufig durch misslingende Kommunikation entstehen. Und ich mich so oft gefragt habe, wieso Menschen, die sogar im Prinzip ähnliche Ziele und Wünsche haben, sich nicht so darüber austauschen können, dass eine Win-Win-Situation für alle entsteht. Die wertschätzend-liebevolle Gedankenwelt von Marshall Rosenberg, die eher eine Weltanschauung und weit mehr ist als eine Kommunikationsmethode, möchte ich hier unbedingt für unser Berufsfeld empfehlen. Unser Berufsalltag ist geprägt von hoher Konzentration, Anspannung und manchmal negativem Stress sowie umfangreichen, verschiedenartigen Bedürfnissen, die häufig widersprüchlich sind. Es wird viel Kritik geübt und noch viel mehr vermeintlich falsche Kritik übel genommen. In diesem Umfeld ist die wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation das Schweizer Taschenmesser der Konfliktlösung, gerade für die Regieposition. Denn mindestens die Hälfte unserer Arbeit ist Kommunikation, wenn nicht mehr.

 

 

Digitales Konzerterlebnis Bildregisseur Robert GummlichRobert Gummlich lebt in Berlin und ist als Bildregisseur für die Übertragung von klassischer Musik, Oper und Theater europaweit unterwegs. Er betreut drei von vier der wichtigsten Streamingprojekte im deutschsprachigen Raum: Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, die WienerStaatoperLive der Wiener Staatsoper, sowie Philharmonie.TV der Kölner Philharmonie. Und neuerdings auch das Nachwuchsprojekt HomeSymphony der Mannheimer Philharmoniker. Basis seiner Tätigkeit ist die eigene künstlerische Ausbildung (Gitarre, Klavier, Querflöte, Chorgesang und Tanz) sowie das auf dieser Ausbildung basierende Studium der Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, das neben den gestalterischen Kompetenzen auch umfangreiche technische Grundlagen vermittelt. Vor dem Schritt zur Regie arbeitete er als Regieassistent für fast alle Kultursender Deutschlands bei den maßgeblichen Klassikübertragungen des deutschen Fernsehens.
Außerdem unterrichtet er sein Handwerk an verschiedenen Institutionen (Düsseldorf, Hannover, Wien). Und profitiert täglich bei seiner Arbeit davon, dass er auch schon als Küchenjunge, Fahrradkurier, Fabrikpacker und LKW-Fahrer gearbeitet hat.

 

 

Hintergrund: Was ist die Digital Concert Hall?

 

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur ein weltweit führendes Orchester, sondern legen schon immer größten Wert darauf, technische Neuerungen nutzbringend für das Orchester einzusetzen und auch in diesem Bereich eine Spitzenposition einzunehmen. So war Herbert von Karajan Ende der 1970er an der Entwicklung der CD beteiligt. Und Karajan war es auch, der bereits in den 1950ern, beim Bau der Berliner Philharmonie, weltweit bekannt für ihre ausgewogene Akustik, Kamerapositionen im ersten architektonischen Konzept der Philharmonie vorbereiten ließ, weil er ahnte, dass die Bildübertragung für Konzerte wichtig werden würde. Außerdem hat er mit dem ZDF berühmte Konzertadaptionen im Studio verfilmt, die für unseren Berufszweig noch immer ästhetisch maßgeblich sind.
Durch die starke Veränderung der Medienlandschaft und den Rückzug der Fernsehsender und Musikproduktionsfirmen aus den klassischen Konzertsälen entstand um die Jahrtausendwende eine Lücke, die es zu füllen galt. Denn die Berliner Philharmoniker haben nicht nur ein treues Publikum in Berlin, das für einen regelmäßig ausverkauften Konzertsaal sorgt, sondern auch eine weltweite Fangemeinde, die sich um die wenigen Plätzen bei den Tourneen durch Asien oder Amerika drängelt. Es lag also nahe, mit dem Aufkommen von Internetstreamings, diese im Sinne des Orchesters zu nutzen und die Internetplattform Digital Concert Hall (DCH) zu entwickeln.

 

Die DCH ist die weltweit erste Internetplattform, auf der registrierte Nutzer*innen seit der Saison 2008/2009 im Rahmen eines Bezahl-Abonnements Zugang erhalten zu den HD-Live-Übertragungen aller Konzerte, die die Philharmoniker in der Berliner Philharmonie spielen. Im Anschluss an die Liveübertragungen können diese Konzerte unbegrenzt im Archiv angesehen und angehört werden. Abgerundet wird das Angebot durch Künstler*innengespräche, Hintergrundberichte, kostenfreie Streamings von Education-Projekten (auch bei den Zuhörenden muss es Nachwuchsförderung geben!) und durch ausgewähltes historisches Material. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Aufzeichnung des Konzerts, das die Berliner Philharmoniker unter Barenboim 1989 zum Mauerfall spontan organisierten. Nach inzwischen sechs Spielzeiten enthält das Archiv mehr als 180 Konzertmitschnitte in HD auf musikalisch höchstem Niveau, ein Archiv, das so weltweit einzigartig ist. Es ist das digitale Vermächtnis der Berliner Philharmoniker.

 

Auch bei der verwendeten Technik ist die DCH einzigartig: Es kommt ein System von 7 Remote-Kameras zum Einsatz, die über ein speichergestütztes System von einem einzigen Kamera-Operator geführt werden. Der wichtigste Grund dafür war, dass auf der Bühne kein Kamerapersonal arbeiten sollte, das die Aufmerksamkeit der Musiker*innen durch ihre Anwesenheit beeinträchtigt oder die Audioqualität durch unabsichtliche Geräusch stört. Gleiches gilt für das Saalpublikum, dessen musikalisches Erlebnis absolut nicht beeinträchtigt werden darf durch unsere Arbeit.

 

Die DCH wendet sich an ein weltweites Publikum im reiferen Alter (im Vergleich zu Fernsehsendern mit der typischen „19 – 49“ Zielgruppe) und hohem kulturellem Bildungsstand. Denn dieses Publikum, das auch bereit ist, für eine einzelne Konzertkarte 100 € und mehr zu investieren, hat ein Bewusstsein für die angebotene Qualität. Und die Bereitschaft und Wertschätzung, für ein Jahresabonnement mit unbegrenztem Zugang zum Archiv 150 € zu bezahlen. Außerdem ist es nicht das typische Publikum, das sich Inhalte kostenfrei und halblegal aus dem Internet „saugt“. Wir haben es also mit Liebhaber*innen klassischer Musik zu tun, außerdem mit Profimusiker*innen weltweit, die sich durch die Arbeit der Dirigent*innen und Musiker*innen auf der Bühne inspirieren und weiterbilden lassen. Und nicht zuletzt – wichtig für die Akzeptanz unserer Arbeit innerhalb des Orchesters – mit den Freund*innen und Familien der Orchestermusiker*innen, denn dieses Orchester vereint mehr als 50 Nationen auf der Bühne und hat seine Wurzeln in der ganzen Welt.

 

Es ist noch anzumerken, dass die DCH im Jahr 2008 die erste Plattform weltweit war (auch vor allen Fernsehsendern!), die regelmäßig hochwertige Inhalte in HD zur Verfügung stellte, lange bevor HD Standard wurde. Und heute diskutieren viele Orchester, die von der DCH angeregt wurden, „The Berlin Model“, das weltweit Maßstäbe gesetzt hat im Sinne der medialen Selbstvermarktung von künstlerischen Inhalten.

 

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