Wertegemeinschaften: Lasst die Zielgruppen frei!

Zielgruppen vs. Wertegemeinschaften – eine Art Petition von Helge Thomas // Foto: Mercat de la Boqueria auf den Ramblas, Barcelona

 

 

Wenn ich diesen Artikel mit der Behauptung beginne, dass Kommunikation eine der entscheidenden Kompetenzen unserer Zeit ist, wird mir vermutlich niemand widersprechen. Und Bumms. Schon knallen wir gegen die erste Hürde. Niemand lehrt uns Menschen den richtigen Umgang mit Kommunikation. Wir kommunizieren einfach.

 

Alles beginnt mit dem ersten noch unbewussten Schrei, der uns Liebe und im besten Fall Essen beschert. Da hat sich Mutter Natur was tolles ausgedacht. Funktioniert bestens. Bis… – ja bis das mit der Sprache beginnt. „Dutzi dutzi“ hören wir ständig und gurren belustigt zurück. Um es kurz zu machen: Viel ändert sich daran nicht mehr im Verlauf unseres weiteren Lebens. Wir schreien und die Umwelt reagiert. Wir gurren und die Reaktion ist eine andere. Wir bemühen uns ja redlich aber es bleibt kompliziert. Oft genug endet unser Bemühen mit Frust, Streit und Mißverständnissen.

 

Der Oscar prämierte Dramatiker George Bernard Shaw beschrieb dieses Dilemma einst etwas poetischer:

Das größte Problem an der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte statt gefunden“.

 

 

Zielgruppen: „Frauen auf Partnersuche“ & „Männern über 60“

 

Machen wir nach dieser – zugegeben etwas launigen – Einleitung einen mutigen Sprung in die „professionelle“ Kommunikation zwischen Unternehmen und Märkten. Auch hier wird mir niemand widersprechen, wenn ich behaupte, dass Kommunikation ein Schlüsselfaktor wirtschaftlichen Erfolges ist. Das beste Produkt wird in den Lagern verrotten, wenn keiner davon erfährt. Also wird kommuniziert, was das Zeug hält. Doch ganz so einfach ist es nicht. Bestand zwischen dem Säugling und den Eltern noch eine klare Sender-Empfänger-Zuordnung, fehlt diese jetzt völlig. Ein Produkt trifft auf unendlich viele Empfänger.

 

Die Urväter der Werbung erkannten das schnell. Ihre Lösung erschien zunächst logisch. Sie sortierten den riesigen Klumpen „Gesamtbevölkerung“ einfach nach vordergründigen und leicht erkennbaren Merkmalen. Dann sperrten sie diese „Grüppchen“ in kleine Räume und nannten sie „Zielgruppen“. Und so saßen plötzlich alle „Frauen auf Partnersuche“, alle „Männer über 60“ und alle „Kinder aus Großstädten mit höherem Schulabschluss“ zusammen in je einem kleinen Raum und wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Doch es kam noch schlimmer.

 

Kaum hatten sich ihre verängstigten Augen an die flackernde Neonleuchte an der Decke gewöhnt, da ging das Geschrei auch schon los. Es kam aus dem einzigen Fernseher des Raumes. „Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Single über Parship“, „Weniger müssen müssen!“, „Günstige Hotels weltweit buchen, jetzt auf deinem Smartphone“ und immer wieder ultralaut „JETZT KAUFEN! NUR FÜR KURZE ZEIT!“. Den ganzen Tag ging das so. Und die ganze Nacht. Laut, eintönig und penetrant. Es gab kein Entkommen.

 

 

So blöd kann ja nun wirklich niemand sein…

 

Klingt nach Orwell? Stephen King? Dabei ist es nur das, was wir heute immer noch als „Werbung“ bezeichnen. Viel hat sich nicht geändert seit den ersten Anzeigen. Es wurde lediglich immer mehr. Waren es am Anfang nur Bilder, die „geschrien“ haben, kamen mit der Zeit das Radio, das Kino, der Fernseher, der Computer, das Internet und zuletzt noch perfide kleine Mobilgeräte dazu. Die Botschaften blieben immer dieselben. Geklont auf jede erdenkliche Art, auf allen erdenklichen Kanälen. Immer lauter einhämmernd auf die hilflos eingepferchte Zielgruppe.

 

Immer mal wieder wehrten sie sich. Nach Kräften. Doch kaum hatten sie ein Gerät blockiert, kam ein neues dazu. Denn auf seiten der Schreihälse gab es weder Erkenntnis noch Erbarmen. „Wir kennen doch diese verdammten Zielgruppen. Die lieben unsere Produkte. Man muss es ihnen nur oft genug sagen. Sie sehen doch, wie der Umsatz steigt!“ In der Tat geben die Verkaufszahlen und Klickraten den Schreihälsen oft Recht. Auch wenn sie natürlich verschweigen, dass sie an den völlig falschen Stellen messen. Aber das ist eine ganz andere – nicht minder grausame – Geschichte.

 

Schweißgebadet wache ich auf. Gott sei Dank, ich habe nur geträumt. Erleichtert wische ich mir über die Stirn. Wie albern, denke ich. Ich meine, so blöd kann ja nun wirklich niemand sein. Niemand, der die guten Schulen besucht, Kommunikation oder Marketing studiert hat und weiß, dass man Menschen nicht mit eintönigem Geschrei erreicht. Schon gar nicht, wenn man sie vorher eingesperrt hat. Das wäre ja Folter im Sinne der Genfer Konventionen und somit ein Fall für Den Haag. Das wäre ja so, als würden Ärzte den menschlichen Körper in Einzelteile trennen, jedes davon völlig isoliert betrachten und behandeln, wohl wissend, dass der Mensch ein Gesamtorganismus ist. Halt warte… schlechter Vergleich. Das tun die ja auch.

 

Könnt Ihr mir überhaupt folgen? Versteht Ihr, was ich sagen will?

 

OK, nochmal ganz einfach: Menschen sind sehr komplexe und individuell höchst unterschiedliche Wesen, die nur dann (re)agieren, wenn ihnen etwas wirklich wichtig und wertvoll ist. NUR dann. Fangt doch mal bei Euch selbst an. Was ist das wertvollste, dass Ihr besitzt? Lasst mich raten, es ist nicht Euer Auto. Mit welchen Menschen würdet Ihr gerne einen Abend verbringen? Doch wohl am ehesten – abgesehen von irgendwelchen Promis – mit Menschen, die Eure Werte und Interessen teilen. Also Menschen, die auch einen Hund haben, sich ebenfalls vegan ernähren, Ähnliches erlebt haben, dieselbe Musik lieben, dieselben Bücher lesen oder – etwas trauriger – die gleiche Krankheit haben wie Ihr. Richtig?

 

Wir haben vor drei Jahren einen Versuch gemacht und genau solche Fragen, willkürlich zusammegestellt, auf 14fragen.de veröffentlicht. Nach einiger Zeit haben wir die dort anonym gegebenen 804 Antworten in einem kleinen – von unserer Designerin schön gestalteten – Booklet zusammen gestellt. Wenn Ihr Lust habt, da mal rein zu schauen, schreibt mir einfach eine Mail mit Eurer Adresse und ich schicke Euch ein Exemplar zu.

 

Wie auch immer. Solltet Ihr – was ich nicht glaube – noch nie auf die Idee gekommen sein, Eure Kunden nach mehr als ihrer Mailadresse, ihrer Kleidergröße oder ihrer Position im Unternehmen zu befragen. Wenn Ihr sie stattdessen – was ich nicht glaube – jeden Tag auf allen Kanälen mit dumpfen „Wir haben den Längsten“-Botschaften bewerft, weil Ihr glaubt „alle in einen Sack und drauf, es wird schon die richtigen treffen“. Wenn… – aber Freunde, wirklich nur dann schaut Euch diesen Film an. Schaut ihn zuende.

 


Wertegemeinschaften vs. Zielgruppen Ansprache von TV2 Dänemark // (Quelle: TV2 youtube)

 

 

Herzwert kommunizieren!

 

Schaut ihn noch einmal. Schöner kann man nicht erklären, was ich meine. Und wenn ihr auch ein kleines bisschen Gänsehaut habt oder euch zumindest ein heimliches Tränchen aus dem Augenwinkel entweicht, dann ist es noch nicht zu spät. Dann lasst uns endlich anfangen, wieder WERTvoll mit Menschen zu kommunizieren. Lasst uns dabei an sich verändernde WERTEgemeinschaften denken, nicht an eingesperrte Zielgruppen. Und lasst uns vor allem nicht (nur) über Produkte sondern über echte WERTE reden. Zuallererst mal über unsere eigenen. Und dann lasst Euch überraschen, wieviele Herzen uns zufliegen.

 

Das Schönste daran: Ein gewonnenes Herz bleibt viel länger als ein erzwungener „Kunde“. Geld verdienen sollte die Folge dessen sein, was wir tun, niemals das Ziel. Klar soweit?

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas ist Creative Director bei pro event live-communication in Heidelberg und in dieser Rolle ebenso Gründer von SHIFT, einer Initiative für neues Denken und Handeln sowie Herausgeber und Redakteur des Online-Magazins HERZWERT. Aus seiner großen Liebe zum SC Freiburg und den vielen Freudentränen im dortigen Schwarzwaldstadion macht er ebenso wenig ein Geheimnis wie um seine große Leidenschaft für kreative Ideen und mutige Menschen, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen. Helge ist auf vielen sozialen Netzwerken zu finden und freut sich immer über Zuwachs in seiner Wertegemeinschaft.

Wie geht es dir? // 378 Alternativen zum gut!

Wie geht es dir? // 378 Alternativen zum gut (Danke dran für den Impuls)

 

 

Diese Frage begegnet uns ständig auf Events – ob als Gast oder Gestalter:

 

Wie geht es dir?

 

 

Ob ernstgemeint oder floskelhaft – die Antwort lautet häufig reflexartig: gut.

Hier 378 alternative Gefühle für Menschen, denen es auf Nachfrage immer „gut“ geht:

 

 

abgelenkt | abgeschnitten | abgestumpft | abstoßend | abwesend | alarmiert | allein | am Boden zerstört | amüsiert | angeekelt | angegriffen | angeregt | angespannt | angewidert | angriffslustig | ängstlich | anmutig | anspruchslos | ansteckend | argwöhnisch | atemberaubend | auf der Höhe | aufbrausend | aufdringlich | aufgebracht | aufgeschlossen | aufgeweckt | aufgewühlt | aufrichtig | aus dem Gleichgewicht | ausgeglichen | ausgegrenzt | ausgelassen | ausgenutzt | ausgeruht | authentisch | bedroht | bedrückt | befreit | befremdet | begeistert | behaglich | behämmert | beharrlich | belastet | beleidigt | benachteiligt | beschämt | besinnlich | besitzergreifend | besorgt | bestürzt | beteiligt | betrübt | beunruhigt | blockiert | bösartig | böse | brutal | daneben | dankbar | deprimiert | desillusioniert | desolat | desorientiert | distanziert | dynamisch | echt | effizient | ehrlich | eifersüchtig | einfühlsam | eingefallen | eingeschüchtert | einsam | einzigartig | ekstatisch | elend | empfänglich | empfindlich | empört | energielos | enthusiastisch | entmutigt | ernstgenommen | entnervt | entsetzt | entspannt | enttäuscht | entrückt | entzückt | erfreut | erfüllt | erhaben | ermüdet | ermutigt | erschrocken | erstaunt | ertappt | erzürnt | exzellent | fasziniert | feige | feindlich | feindselig | feststeckend | frei | freudig erregt | froh | fröhlich | frustriert | galant | ganz bei mir | gebraucht | gedemütigt | geehrt | geerdet | gefangen | gefestigt | gehässig | gehemmt | gehypt | geistesabwesend | geistig | geistig gesund | gekränkt | gelähmt | gelangweilt | gelassen | geliebt | gellend | gemartert | gemein | gequält | geschnitten | gesegnet | gesellig | gestelzt | gestresst | gesund | getrennt | gewalttätig | gierig | giftig | glänzend | gleichgestellt | gleichgültig | glücklich | grantig | griesgrämig | grob | groovy | großartig | gut aufgelegt | halsstarrig | harmonisch | hart | hasserfüllt | heiter | herabgesetzt | herabgewürdigt | herrisch | heruntergekommen | hilflos | hinhaltend | hitzköpfig | hoffnungslos | höhnisch | hundsmiserabel | hungrig | im Fluss | im Himmel | indisponiert | inkompetent | in meiner Mitte | in Panik | inspiriert | intelligent | interessiert | intolerant | irritiert | jämmerlich | jammernd | jovial | jubilierend | jugendlich | kalt | kaltschnäuzig | kindlich | klagend | klammernd | klar | kochend vor Wut | konsterniert | kontrollierend | kräftig | kraftlos | krank | kritisch | kühn | künstlich | langsam | launisch | laut | lebendig | lebenslustig | lebhaft | leblos | leer | leicht | leidend | lustig | lustlos | manipulativ | masochistisch | mechanisch | mies | minderwertig | missmutig | misstrauisch | mitleiderregend | müde | mürrisch | mutig | mutlos | nachdenklich | neidisch | nervös | neugierig | niedergeschlagen | niederträchtig | nutzlos | oberflächlich | offen | okay | optimistisch | paranoid | peinlich berührt | perfide | perplex | pessimistisch | phobisch | privilegiert | rachgierig | rachsüchtig | rasend | reaktiv | rebellisch | rechthaberisch | reif | reserviert | respektlos | reumütig | rigide | ruhelos | ruhig | sadistisch | sanft | sarkastisch | sauer | scheußlich | schikaniert | schimpfend | schmerzerfüllt | schmollend | schrecklich | schreiend | schrill | schuldig | schwach | schwungvoll | sehnsüchtig | selbstsicher | selbstverachtend | sicher | sonnig | sorgenfrei | sorgenvoll | souverän | spontan | stabil | stark | steif | streitlustig | streitsüchtig | strikt | süß | taktlos | terrorisiert | todernst | tolerant | träge | traumatisiert | traurig | trübselig | tyrannisiert | überempfindlich | überglücklich | überheblich | überlegen | überrascht | überrumpelt | überwältigt | überzeugt | unabhängig | unangenehm | unbehaglich | unbeholfen | unbekümmert | unbelastet | unbeschwert | unbeugsam | unehrlich | unempfänglich | unentschieden | unentschlossen | unfähig | ungeduldig | ungehalten | ungerecht behandelt | ungewiss | ungezwungen | unglücklich | uninteressiert | unschuldig | unsensibel | unsicher | unterdrückt | unterstützend | unterstützt | unverblümt | unverstanden | unverwundbar | unwürdig | unzufrieden | verächtlich | verärgert | verbuttert | verdammt | versöhnlich | verständnisvoll | versteinert | verstört | vertieft | verwirrt | verwegen | verzagt | verzweifelt | vollkommen | vollwertig | vorsichtig | vorurteilsbehaftet | wagemutig | wahnsinnig | wahrhaft | wahrgenommen | weinerlich | wissbegierig | wunderbar | wütend | zappelig | zerbrechlich | zerrissen | zornig | zufrieden | zulassend | zurückgestoßen

 

 

Ich übe mich bei Begegnungen auf Produktionen darin, mein Wortschatz in der Beantwortung dieser Frage zu erweitern. Einfach weil es so viel mehr Möglichkeiten gibt als ein „gut“. 🙂

 

Frage: Wie geht es dir?

 

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf.“ Axel Beyer

 

 

Wie weckt man Emotionen? Diese Frage treibt mich seit Jahren um. Warum erzeugt die Mona Lisa im Louvre eine magische Anziehung und andere Bilder nicht? Warum nimmt mich der eine Redner erfolgreich mit auf seine Gedanken-Reise und der andere nicht? Warum berühren mich einige Lieder und andere eben nicht?

 

Emotionen zu wecken ist die Kernaufgabe für die Konzeption von Events. Wer Emotionen weckt, bekommt auch eine Reaktion. So werden Beziehungen aufgebaut. Eine gute Währung für die Live-Kommunikation. Daher habe ich sieben Kreativdirektoren gebeten, ihre Gedanken und Erfahrungswerte zu schenken. Wie unmöglich es ist, das in eine paar Sätze zu packen, zeigt der Prolog von Helge Thomas auf…

 

 

Helge Thomas: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen?!

 

 

Diese Frage kann ich definitiv nicht beantworten. Das hat vielerlei Gründe. Lass mich vielleicht zwei davon kurz heraus greifen. Zum einen hat das Wort „Emotionen“ einen so riesigen semantischen Hof, dass man Russland darin parken könnte. Zweimal. Ach was rede ich. Viermal. Von den rein biologischen Partys, die da im limbischen System abgehen, ganz zu schweigen. Und dann dieser Volksmund mit seinem Angerlatein „Das geht zu Herzen“. Ja, eben nicht! „Da schüttet der Hippocampus mal wieder tonnenweise Endorphine in die Blutbahn,“ müsste das korrekt heißen. Egal. Wo war ich? Ach ja. Zum anderen: Gäste sind niemals gleich Gäste. Und meistens sind es nicht einmal meine Gäste, sondern die Gäste meines Kunden oder auch die seines Chefs oder seiner Frau. Im Falle öffentlicher Veranstaltungen sind es gar völlig fremde Menschen, die man der Einfachheit halber dann eben auch Gäste oder besser Besucher nennt. Was die Sache nicht einfacher macht. Was sagst du? Meine Reaktion auf deine Frage erscheint dir etwas zu emotional? Mitnichten, mein Lieber! Ich versuche dir lediglich zu erklären, warum ich dir kein „Rezept“ nennen kann, wie ich Emotionen bei Gästen wecke. Und überhaupt: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen. Vielleicht sind sie auch gerade ganz woanders. In Gedanken. Oder sie haben sich nur versteckt. Unter der Oberfläche. Siehst du. Das meine ich. Schon sind wir mitten drin, im Deutungslabyrinth der menschlichen Gefühle. Und wenn ich jetzt weiter schreibe, kommen wir da beide nicht mehr raus. Weißt du noch, was ich oben schrieb? Eben. Ich auch nicht. 🙂

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas, 1964 in Heidelberg geboren, Schauspieltalent vom Vater geerbt, schon viele künstlerische und wirtschaftliche Bühnen bespielt: Als Darsteller auf und Beleuchter hinter der Bühne von Theaterproduktionen, in Marketing- und Vertriebsverantwortung bei großen Unternehmen sowie neun Jahren als freiberuflicher Start-Up-Coach, SocialMedia-Experte und Filmemacher. Heute ist er Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei pro event.

 

 

 

Kai Janssen: Es ist wie bei einem Rendezvous…

 

 

Wenn man davon ausgeht, dass Emotionen mit dem Ziel erzeugt werden, beim Gast zu punkten und eine Beziehung aufzubauen, dann ist es wie bei einem Rendezvous:

 

Zunächst sorgt man mit dem passenden Ambiente für die gewünschte Stimmung. (Location, Licht, Musik, Essen)

 

Dann stellt man seinem Gegenüber Fragen – das signalisiert Interesse und ist die Basis für einen unterhaltsamen Austausch. (Einbeziehung des Gastes, Interaktion)

 

Ganz wichtig nun – der Überraschungsmoment! Plötzlich tritt etwas ein, womit mein Gegenüber nicht gerechnet hat, was anscheinend nur für ihn bestimmt ist, verbunden mit einer persönlichen Botschaft. (Setzt voraus, dass ich die Zielgruppe verstanden habe). Der Höhepunkt einer perfekt durchdachten Inszenierung. Trifft ins Herz und bleibt im Kopf. Meistens jedenfalls.

 

 

Kai Janssen Matt Circus Event KreativdirektorKai Janssen, seit 2012 Geschäftsführer und Creative Director der MATT CIRCUS GmbH in Köln, davor freier Creative Director und Konzeptioner in diversen Event- und PR-Agenturen, studierte bildende Künste, Fokus Raum und Medien, regelmäßiger Gastdozent zum Thema „Konzeption in der Live-Kommunikation“, 2. Präsident der FICA, Cross-Crocket-Spieler und -Weltmeister, in fester Beziehung.

 

 

 

Petra Lammers: Geschichten, Geschichten, Geschichten

 

 

Mit Geschichten!
… und einem genauen Blick auf alle „Figuren“, Raum/Situation, Handlungsstränge, Plotpoints und Inhalte.

 

(Auf die Bitte nach Beispielen sandte Petra folgendes): Die interaktive Bodenprojektion beim Energiesee oder das Storytelling mit Lampen, die als Figuren das Wiesbadener Kurhaus und die Welt von Fraunhofer erkunden:

 


Creative Director Petra Lammers onlivelinePetra Lammers, inszeniert seit über 15 Jahren Theater-, Public Space- und Eventproduktionen, gemeinsam mit Norwin Kandera Geschäftsführerin von onliveline, einem Büro für Konzeption und Inszenierung. Davor Creative Directorin / Konzeptionerin bei Panroyal in Wuppertal sowie freie Theaterregisseurin, studierte MBA und MFA in Dramaturgie und Regie.

 

 

 

Philipp Dorendorf: Man inszeniert oder inszeniert um

 

 

Heilig Abend im Kreise der Lieben. Deep house statt Last Christmas. Rot ist nicht rot, sondern pink. Der Baum ist aus Draht. Die Lichterketten geben Strobo-Blitze ab.

 

U5-Kindergeburtstag. Nicht Volker Rosin, nein, dafür Rammstein. Rammstein ist auch alt, aber düsterer und dazu schwarzes Konfetti statt bunten Luftballons.

 

Apropos Schwarz: Warum nicht mal für eine Grabrede die Kebekus einsetzen: Pussy Terror.

 

Nein? Okay, denn wir unterliegen Lernstrukturen, assoziativen Mustern und Neuro-Programmen. Und weil das so ist, sind Stimmungen und Emotionen künstlich auslösbar, zu verändern oder zu beeinflussen. Man inszeniert oder inszeniert um. Mit: Musik, Licht, Farben, Tageszeit, Temperatur, unter Umständen Gerüche, Appearance von Akteuren – räumlich und zeitlich verdichtet. Das ist eigentlich gar nicht so schwer.

 

 

Philipp Dorendorf CD facts and fiction EventagenturPhilipp Dorendorf, Ü37, aus Hamburg. Ausbildung zum Grafik Designer und Marketing-Kommunikationswirt, seit 2010 Creative Director bei facts and fiction für Köln und Berlin.
Kreatives auf: www.neopdo.com

 

 

 

Martin Klingler: Content is King

 

 

Am Anfang steht immer die Idee! Daraus wird dann die Storyline entwickelt. Und die muss im funktionalen Eventdesign und in einer multisensorischen zweckorientierten Inszenierung erzählt werden. Nur dann können Botschaften überhaupt ankommen, verstanden werden und gar hängen bleiben – und in anderen Kanälen weiter erzählt werden. Stichwort Storytelling und Wirkungspotenz durch Multisensorik.

 

Was wirklich zählt, ist schlicht das klassische Kommunikationshandwerk, beschrieben mit den bekannten und inflationär gebrauchten Marketingfloskeln… aber wahr bleiben sie trotzdem und genau deshalb: Content is King – und ist das neue Storytelling. Wenn die Story aber nicht spannend erzählt wird, so dass der Zuhörer mit mehreren Sinnen emotional berührt wird, wenn sie nicht auf anderen Kanälen vor und nach dem Event weiter erzählt wird – Stichwort Vernetzung, die wir früher integrierte Kommunikation nannten – dann darf sich keiner wundern, wenn die Botschaft entweder gar nicht ankommt oder schnell verloren geht. Und auf keinen Fall echte Emotionen weckt.

 

Was mache ich also, um Emotionen zu wecken?
Definitiv nichts weltbewegendes Neues: eine gute Story entwickeln, sie anregend, spannend und vielschichtig erzählen. Und dafür verwenden wir gerne neueste Technik und Methoden – immer dann wenn es Sinn macht. Hat!

 

 

Kreativdirektor Martin Klingler Creative DirectorMartin Klingler, Creative Director bei marbet in Künzelsau. (Und mit dieser Bemerkung: „kann mich für unfassbar viel begeistern, immer wenn es mich berührt…“ Ideengeber für diesen Blogpost.)

 

 

 

 

Miriam Wüstefeld: Bedürfnisse erkennen, überraschen, passender Rahmen

 

 

Wir leben heute in einer sehr beschleunigten Welt, in der das Überangebot regiert und in der kaum Zeit zum Innehalten bleibt. Aus meiner Perspektive bedarf es daher vor allem der Fähigkeit individuelle Bedürfnisse zu erkennen, um echte Emotionen wecken zu können.

 

Die Kunst und Herausforderung liegt dann darin zu überraschen und einen sehr persönlichen Nerv zu treffen.

 

Neben den wichtigsten Parametern, die nach meiner Auffassung inhaltlicher Anspruch und Respekt sind, ist der passende Rahmen relevant. Dazu zählt neben einer entsprechenden Räumlichkeit auch das Thema Ergonomie. Der Wohlfühlfaktor ist eng an Emotionen geknüpft – zumindest wenn diese positiv ausfallen sollen.

 

 

Miriam Wuestefeld freiberufliche Kreativdirektorin MünchenMiriam Wüstefeld, München, 32 Jahre, freiberufliche Kreativdirektorin, Schwerpunkt: Kommunikation im Raum, Markenwelten, Zusammenarbeit und Festanstellung in diversen Agenturen unter anderem Zibert + Friends, CE+Co, VOK DAMS, BBDO Live, Uniplan.

 

 

 

Stephan Schäfer-Mehdi: Erprobte Rituale nutzen und intuitiv vorgehen

 

 

Live-Kommunikation nutzt jahretausendealte erprobte Rituale, um Emotionen zu wecken. Religion mit ihren Kulten und das Theater mit seinen inszenatorischen Mitteln sind dafür die Grundlage. Ihr Studium und deren Anwendung ist hilfreich, aber der intuitive Umgang letztlich effektiver.

 

Was rational am Reisbrett entstand ist zwar oft richtig, aber nicht immer erfolgreich. Wer hört die Kammermusik des Computerkollegen Iamus, der nach allen Regeln der Kunst programmiert wurde wie Mozart zu schreiben? Wir gehen immer noch in die Zauberflöte, obwohl der Rechner alles richtig macht. Deshalb bedient sich auch die virtuelle Welt der gleichen Muster, der Überraschungen und Ansprache möglichst vieler Sinne.

 

Das wird vielleicht erst anders, wenn die Künstliche Intelligenz Kommunikation für ihresgleichen konzipiert. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

 

 

Creative Director Stephan Schaefer-Mehdi Eventmarketing CD CCO Live-KommunikationStephan Schäfer-Mehdi, freiberuflicher Creative Director und ¬Consultant, vorher Chief Creative Officer/CD von VOK DAMS und Quasar Communications, mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet, Mitglied im Art Directors Club für Deutschland, Autor des Standardwerkes „Event-Marketing„, 2014 den Kriminalroman „Tod in den Bergen“ veröffentlicht. Wuppertaler.

 

 

 

Creative Director – habt herzlichen Dank für eure Gedanken. Chapeau!

Frage: Wie weckst du Emotionen? Freue mich auf einen Kommentar oder Beispiele unterhalb.

Tipp: Weitere Hinweise darauf, wie Emotionen geweckt werden, geben 7 Inszenierungs-Experten in diesem Buch.

 

 

Was dich noch zum Thema interessieren könnte:

Theaterregisseur Axel Beyer: EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit!

Emotion & Reaktion – das Prinzip von TV-Unterhaltungs-Regisseur Carsten Seibt

18 Things Great Creative Directors Do Every Day

 

Beruf und Familie im Eventbereich: Wie klappt das?

Beruf und Familie im Eventbereich: „Ständige Verfügbarkeit wird mit Leistung gleichgesetzt.“

 

 

Letzte Woche las ich bei EventPartner den Artikel Selbstständigkeit in der Eventbranche. Klasse Gedanken, die ich alle unterschreiben kann. Ein Satz hat mich aber besonders getroffen: „KINDER sind bei Frauen in Agenturen ein RiesenThema.“ Genau das möchte ich zum Thema nehmen: Beruf und Familie im Eventbereich.

 

Meine Tochter Charlotte April ist jetzt zwei Jahre alt. Mit zunehmendem Alter wird die Erziehung immer wichtiger. Meine Frau ist ebenfalls als Kommunikationsberaterin selbstständig. Mein Job ist es als Regisseur unterwegs zu sein. Dabei versuchen wir die Termine so zu legen, dass immer einer von uns beiden zu Hause ist.

 

Der Konflikt ist aber vorprogrammiert. Alles geht nicht: Karriere, Kind, Beziehung. Wie machen das andere Kollegen? Fünf Kollegen/innen aus dem Eventbereich haben geantwortet. Vielen Dank für eure Offenheit!

 

 

1) Carola X. Knoll aus Köln, Architektin:

Architektin Carola Knoll Arbeit und Familie
Steckbrief: Schwerpunkt Messe-und Ausstellungsarchitektur, 6 Jahre Agenturerfahrung, 6 Jahre Selbständigkeit, 2 Jahre Messegesellschaft, Mutter seit 2011

 

 

Wie organisierst du dich, damit Job und Erziehung klappt?

Ich bin im Büro früh am Start und wir profitieren von den kurzen Wegen zwischen Wohnung, Kita und Job. Nach 16.00 Uhr gehört die Zeit unserer Tochter – geschäftliche Mails und Telefonate müssen dann warten. Meist sitze ich Abends wieder am Rechner, bearbeite meine freien Projekte und regle den Familienalltag.

Wichtig: Digitaler Familienkalender, klar geregelte Abläufe – mein Mann und ich teilen uns die Aufgaben, ein gutes Netzwerk aus Großeltern, Babysittern und Kindergarteneltern, die aushelfen, wenn’s brennt. (An dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN! an die Genannten.)

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

Nahezu perfekt: Meine Zeiten kann ich sehr flexibel und eigenverantwortlich planen.

Homeoffice ist ein wichtiges Thema. Ein weiteres Thema sind flexiblere Betreuungszeiten – vor allem in den 2-3 Wochen vor den Messen. Die städtischen Kindergärten können den erweiterten Zeitrahmen nicht abdecken, aber es gibt einige Einrichtungen, die eine Back-up-Betreuung für Ihre Schützlinge anbieten.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann? Was muss sich ändern?

Als Teilzeitkraft mit 35 Wochenstunden habe ich meinen verantwortungsvollen und abwechslungsreichen Job lange suchen müssen. Was sich ändern muss?

Das Vertrauen in die Kompetenz und Belastbarkeit von Müttern im Job fehlt in unserer Branche.

Ständige Verfügbarkeit wird mit Leistung gleichgesetzt.

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Vor 10 Jahren war meine Arbeit Alles für mich.
Seit 5 Jahren ist meine Tochter Alles für mich.

 

 

2) Iliana Jonkova aus Heidelberg, Texterin & Konzeptionerin:

 

Event Beruf und Familie Iliana JonkovaSteckbrief: Ich bin ab August 35 Jahre, single und kinderlos. Aktuell an drei Tagen mit 22,5h bei einer Marketing und PR Firma. So habe ich vier Tage Zeit. Zeit in der ich an der inneren Ruhe arbeite. Zeit um für zwei Familien zu babysitten. Zeit für Projekte des Herzens. Das sind eine Yogalehrer-Ausbildung, Text & Konzept Freelance und ein kleines Comedy Programm.

 

 

Wie organisierst du dich zwischen Arbeit und Babysitter-Kindern?

Wäre ich Mutter, wäre die Selbstständigkeit der einzige Weg für mich, weiter kreativ zu arbeiten. Aktuell mache ich ein Projekt mit einer Frau, die 3-fache Mama ist. Egal wie gut man organisiert ist, am Ende geht es um kleine Menschen, die weinen, wenn die Mutter nicht da ist. Deadlines und cholerische Chefs oder notorisch überarbeitete Kollegen würde ich mir versuchen zu sparen. Interessanter Weise hängen immer noch viele Agenturen an der Präsenzarbeitszeit im Office statt Flexibilität und Homeoffice zu ermöglichen, auch wenn Leistung erbracht wird. In meinen Augen hängt das stark an zähen Prozessen, zeitraubender Meeting-Kultur und wenig Vertrauen in Mitarbeiter.

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

In einer idealen Welt sind Arbeit und Kind nicht zwei Welten. Wenn eine Frau sich nicht entscheiden muss zwischen Kind und Karriere, dann ist das ideal. In der aktuellen Welt versuchen Frauen oft (oder es wird stark von ihnen erwartet) ihren Mann zu stehen. Frauen sind aber Frauen und haben andere Zugänge oder Methoden, die dabei völlig weggedrückt werden. Damit meine ich nicht, dass Frauen die kleinen Hände haben um in den Ecken zu putzen :). Ich meine eher, dass Frauen monatlich an Ihre Gebärfähigkeit erinnert werden und hormonell einem anderen Rhythmus folgen. Eine ideale Arbeitswelt nimmt darauf Rücksicht. Eine ideale Arbeitnehmerin nützte das nicht aus.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

Sich kennen mit seinen Stärken und Schwächen, das kann sehr viel helfen. Jedoch ist das gerade für Berufseinsteiger sehr schwer. Klar kommunizieren, was man braucht, statt auf der Agentur-Toilette zu weinen, weil man sich missverstanden fühlt. Die eigenen Grenzen kennenlernen ist sehr wichtig und dann gegenüber Chefs vertreten. Gerade als Mutter, die beide Seiten „bedienen“ muss ist das schwer. Das schlechte Gewissen begleitet einen täglich. Ich glaube, dass mehr Menschlichkeit am Arbeitsplatz gefragt ist. Statt ein Arbeitsgesicht und ein privates Gesicht zu pflegen (oder eben pflegen zu müssen).

 

Was muss sich ändern?

Oft fehlt es an weiblichen Führungspersönlichkeiten in vielen Agenturen. Der Mensch lernt durch Nachahmung. Für mich war es sehr schwer meine Stärke zu finden und sie zu stehen, weil um mich nur Männer waren, die meine Vorgesetzten waren. Es gab Situationen, in denen mir im Meeting gesagt wurde: „Wenn ich spreche, schweigst Du!“ oder „Wenn Du 10% weniger lachen könntest, wäre das gut!“ Das ist verstörend. Es ist bekannt, dass Kreative oft sehr sensible Menschen sind, die feinfühlig und empfindsam sind. Sobald der Kreative in einer Angst lebt zu scheitern oder ausgelacht zu werden, ist es auch mit der Kreativität nicht gut bestellt. Dann gibt es noch das Arbeitspensum, dass von einem in der Agentur abverlangt wird, das Familie sehr schwer möglich macht. Als Freelancer ist das einfacher zu gestallten – mit Partner. Ist man Alleinerziehend, geht wieder die Schuld-Schere auf: Bin ich genug Mutter, bin ich genug Karriere?!

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Bei vielen Müttern sehe ich den Wunsch nach „Selbstverwirklichung“ wenn das Kind oder das jüngste Kind das 2-te Lebensjahr erreicht. Ich denke, das ist ein Alter in dem das Kind immer mehr: „selber“ und „alleine“ sagt und Frau spürt, dass neben Muttersein auch Frau- und Menschsein eine große Rolle spielen.

Persönlich glaube ich, dass beides, Kinder und Arbeit, Prozesse sind, die das Neue in die Welt bringen. Deshalb lässt sich ja auch oft genug das eine mit dem anderen ersetzen.

Wenn ich meine Zeit mit Kindern verbringe, renne, klettere, fangen spiele, male, baue und zerstöre, dann versuche ich die Welt durch die Augen und Fähigkeiten des Kindes zu erleben. Natürlich bringe ich Ideen und Einflüsse mit, aber im Spiel wird dadurch etwas völlig Neues. So entstehen Beziehungen zwischen zwei Menschen.

Wenn ich arbeite haben wir oft eine Idee davon was richtig ist. Und oft streiten wir dann mit Kunden und Projektleitern um die „Wahrheit“. Ich würde mir mehr Spiel und weniger Ego in Arbeitsprozessen wünschen, dann würden daraus sehr schöne Verbindungen entstehen – zwischen Marke und Mensch.

 

 

Frauen im Beruf und Familie Event

 

 

3) Martin Kloss aus München, Schauspieler und Moderator:

Moderator Job und Kinder Martin Kloss
Steckbrief: Vater zweier Kinder, seit bald 20 Jahren als zweisprachiger Schauspieler (Deutsch / Englisch), Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, Schauspiel- & Business Coach, bietet Workshops zum Thema Selbst- & Fremdwahrnehmung an

 

 

Wie organisierst du dich als Selbstständiger im Eventbereich, damit Job und Erziehung passen?

Für mich war es eine Frage wo ich die Prioritäten setze. Als meine Frau schwanger wurde, wusste ich für mich ganz klar, dass ich die Zeit mit meinem Kind bewusst erleben und da sein will. Ich habe dann einige Zeit vor der Geburt unseres ersten Kindes vor 3 Jahren meine Jobs reduziert und grundsätzlich nichts mehr angenommen bei dem ich länger als 2-3 Tage von Zuhause weg sein würde, so dass ich 70-80% der Tage im Monat zuhause bin. Da meine Frau auch freiberuflich ist, sind wir beide die meiste Zeit zuhause und bei den Kindern. Vor einem Jahr wurde unser zweiter Sohn geboren und so werde ich diese Einteilung auch noch ein paar Jahre weiter machen. Natürlich bedeutet das finanzielle Einschränkungen und auch, dass ich derzeit nicht an meiner Karriere arbeite. Aber dafür sehe ich meine Kinder aufwachsen, muss sie nicht in die Krippe geben und bin bei den ersten Schritten, den ersten Worten und allen anderen ersten Dingen dabei.

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

Ein gerechtes Elterngeld Gesetz bei dem nicht das Datum des Geldeingangs sondern der Leistungserbringung zählt. Elternzeit als Freiberufler ist sehr schwierig, da ich ständig versuchen musste Kunden zu überreden meine Rechnungen früher oder später zu begleichen, weil es Gelder aus Jobs von vor 6 oder 8 Monaten waren (faire Zahlungsfristen würden hier natürlich auch helfen). Und gleichzeitig musste ich in der Elternzeit arbeiten, damit ich Geld für die Zeit nach der Elternzeit habe. Das macht so keinen Sinn.
Aber ich glaube auch nicht, dass das Ziel ist „alles unter einen Hut“ zu bekommen. Der Tag hat nur 24 Std. und entweder will ich mit meinem Kind Zeit verbringen oder arbeiten gehen. Beides geht nicht. Das finde ich falsche Herangehensweise der Diskussion. Ich muss mich entscheiden wie viel Zeit meiner Tage den Kindern gehören und wie viel meiner Arbeit. Und wenn der bedeutet finanzielle Einschränkungen oder eine Karrierepause hinzunehmen, dann sollte man sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden, aber nicht versuchen beides zu schaffen, ich glaube sowas endet im Burn-Out.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

Ich habe Jobs abgesagt, weil ich für die Geburt meiner Kinder da sein oder auch danach einfach Zeit mit ihnen verbringen wollte. Darauf habe ich, auch gerade als Mann, nur positive Rückmeldungen von Kunden bekommen. Ich habe es immer klar kommuniziert, dass ihr Projekt eben gerade nicht so wichtig für mich ist, wie meine Kinder und dafür immer Verständnis bekommen. Ich glaube Klarheit und Ehrlichkeit vor sich selbst und dem Kunden zahlt sich aus.

 

Was muss sich ändern?

Die Diskussion läuft für mich oft in eine falsche Richtung. Ich glaube es geht um das Miteinander von Beruf, Karriere und Familie und darum wie wir für uns diese Lebensinhalte bewerten und uns als Eltern, egal ob Mann oder Frau, damit auseinandersetzen. Was ist mir wie wichtig und wo setze ich Prioritäten bzw. bin ich bereit Kompromisse einzugehen. Wir haben in Deutschland traumhafte Zustände mit Dingen wie Elternzeit, Elterngeld, Mutterschutz usw. die es in kaum einem anderen Land der Welt gibt. Natürlich können Unternehmen mehr für Festangestellte mit Kindern tun, Freiräume schaffen durch flexible Arbeitszeiten, Home Office usw. aber als Selbständiger muss ich zuerst mich selbst in die Pflicht nehmen, zu entscheiden was mir wirklich wichtig ist und das zu leben was mich glücklich macht.

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Ich liebe meine Arbeit, die ich nie als Arbeit gesehen habe, da ich das Privileg habe mit meinen Leidenschaften Schauspiel und Moderation Geld zu verdienen. Ich liebe meine Kinder, die ein Teil von mir sind, wie ein Arm oder Bein, ohne die ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen kann und will. Einen Sinn gibt mir die Arbeit nur für mich selbst in dem Moment der Ausübung insofern als das sie mir viel Spaß macht, aber sie erfüllt keinen höheren Sinn. Meine Kinder hingegen geben meinem ganzen Leben einen Sinn wie ich es nie gedacht hätte, das geht weit über meine egoistische Selbstverwirklichung hinaus und bedeutet mir daher auch viel mehr.

 

 

4) Marissa Franke aus Köln, Projektleiterin:

Projektleiterin Marissa Franke Beruf und Kinder
Steckbrief: Mutter zweier Kinder, aktuell in einer digitalen Performance Agentur tätig

 

 

Wie organisierst du dich im Eventbereich, damit Job und Erziehung funktioniert?

Ob selbstständig oder nicht…eiserne Disziplin, gesunde Ernährung – krank sein können wir uns nicht erlauben.
Man muss den Alltag als eingespieltes Team, vergleichbar mit einem Schweizer Uhrwerk, bestehen.
Von wegen – Leben mit Kindern ist eben auch Event und erfordert neben Organisation auch noch etwas Improvisationstalent.

 

Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

In einer idealen Welt hat man viele Hüte, die alle riesengroß sind, damit alles drunter passt. In einer idealen Welt wüsste unser Schul- und Erziehungssystem, was praktisches Arbeiten, auch zu unkonventionellen Arbeits- und Einsatzzeiten, ist. Die Eventbranche ist da oft besser, denn in der passen Konzeption und Realisation tatsächlich auch mal zusammen.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

Es ist okay Hilfe anzunehmen oder auch mal selbst danach zu fragen. Mal Danke an dieser Stelle; liebe Freunde – ich mach das wieder gut, wenn ich reich und berühmt bin.

 

Was muss sich ändern?

Mein Konflikt ist, dass ich am liebsten so viel Zeit wie möglich mit meinen Kindern verbringen möchte – aber ich arbeite auch sehr gerne. Beides zusammen zu bringen geht erst dann, wenn typische Arbeitsstrukturen der Lebensqualität mit Kindern nicht länger widersprechen. Ich fände es klasse, wenn Kinder mehr im beruflichen Alltag eingebunden werden können und unser gesellschaftliches System das akzeptiert oder sogar befürwortet. Glücklicherweise habe ich da bisher bei meinen Arbeitgebern sehr gute Erfahrungen gemacht, sind aber auch alles selber Eltern.

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Ich finde den Spaß in der Arbeit und mit den Kindern wichtiger als den Sinn. Aber das ändert sich vielleicht im Alter, dann sollte es ja eigentlich neben all dem Spaß auch sinnvoll sein, Kinder zu haben.

 

 

5) Christine Mack aus Köln, Showkonzept + Text:

Beruf und Familie im Eventbereich Konzeptionerin Christine Mack Eventjob und Kids
Steckbrief: 37, 1 Tochter 17 Monate, Freiberufliche Konzeptionerin mit Agenturerfahrung seit 15 Jahren, selbstständige Yogalehrerin, lebe 50% in Deutschland und 50% in Portugal

 

 

Wie organisierst du dich im Eventbereich, damit Beruf und Familie klappen?

_ Strukturiertes Timing (Arbeit vs. Kind vs. Betreuung).
_ Home Office (als Konzeptionerin möglich, sehe ehrlich gesagt keine Möglichkeit als Mutter gleichzeitig in den Agenturen zu arbeiten bzw. mit auf dem Job vor Ort zu sein)
_ Realistische Deadlines für Konzeptabgabe mit den Agenturen im Vorfeld klären
_ ½ Tage + abends und am WE arbeiten, genügend Off Tage einplanen

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

_ Realistische Deadlines
_ Flexible Teamarbeit
_ Rücksicht auf das Dasein und den damit verbundenen ‚Problemen‘ einer Mutter (> Kind krank, etc.)

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

_ Home Office Arbeit top
_ Babysitter Betreuung macht flexibles Arbeiten möglich
_ Kosten für Betreuung auch bei Kalkulation der Tagessätze einbeziehen

 

Was muss sich ändern für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ändern?

_ Eigenverantwortung übernehmen, nicht zu allem JA sagen (> Grundproblem bei Dienstleistungsjobs…)
_ genügend Off Tage zur Regeneration einplanen bzw. realistische Einschätzung Mama vs. arbeitende Mama 😉

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Familie hat für mich die oberste Priorität. Diese Erfahrung habe ich gemacht, seit meine Tochter geboren wurde.
Meine Arbeit ist mir trotzdem sehr wichtig, da ich das große Glück habe, mich in beiden Berufen verwirklichen zu können. Ich versuche aus beidem Kraft zu schöpfen, denn nur so lässt sich Familie und Beruf meiner Ansicht nach vereinen.

 

 

Event Job und Kinder Eventbranche Danke Thank you

 

 

Beruf und Familie im Eventbereich:

Wie gehst du mit dem Spagat von Beruf und Familie um? Welche Lösung oder Kompromiss hast du gefunden?

Über deinen Kommentar unterhalb freue sicher nicht nur ich mich… 😉

 

Probenplan: 10 Tipps für reibungslose Events & worauf es beim Proben ankommt!

10 Tipps für reibungslose Events & worauf es beim Probenplan ankommt!

 

 

Mit weit über 1.000 Shows im TV- und Eventbereich habe ich alles erlebt, was eine Show reibungslos auf die Bühne bringt – dabei aber auch alles schief laufen kann. Aus diesem Erfahrungsschatz teile ich 10 Tipps für einen effektiven Eventablauf. Diese Ratschläge werden 100% zu besseren Events verhelfen:

 

 

1. Probenplan – schafft Orientierung!

 

Wie schon in dem Wort Probenplan drin steckt: Es gilt einen Plan für die Proben zu haben. Sowohl im Kopf, aber auch auf Papier. Dieser unterscheidet sich von einem Aufbauplan oder einem Regieplan (eine Vorlage gibt es übrigens hier). Vor allem muss er aber im Vorfeld mit allen Gewerken und mitwirkenden Akteuren abgestimmt sein. Kommt jedes Gewerk mit der geplanten Zeit und der inhaltlichen Reihenfolge vor Ort so aus? Jeder weiß mit einem Probenplan, was er für wann wie vorzubereiten hat. So schafft der Probeplan Orientierung.

 

 

2. Teammeetings – für bessere Kommunikation.

 

Das Regiemeeting zu Beginn eines jedes Events ist die Basis für das weitere Vorgehen. In diesem lasse ich jeden im Team kurz mit Name und Funktion vorstellen. Dann kommuniziere ich als Regisseur zunächst die „Big Idea“ sowie das Ziel der Veranstaltung. Dieses hilft allen Mitwirkenden im späteren Verlauf hilfreiche Ideen einzubringen oder auch zu hinterfragen, ob das was wir machen die gewünschte Wirkung erzielt. Gemeinsam besprechen wir den Regieplan und schauen uns den Probeplan an. Hier können unkompliziert Rückfragen gestellt und schnell interdisziplinäre Lösungen erarbeitet werden.

 

Darüber hinaus installiere ich ein regelmäßiges Statusmeeting im weiteren Probeverlauf. Egal ob Morgens vor oder Abends nach den Proben – dies sorgt für die nötige Grundkommunikation, die unbedingt notwendig ist.

 

 

Es muss eine Vision der Dinge geben – diese gilt es hemmungslos durchsetzen. So werden Dinge exzellent!

 

 

3. Probenablauf – eine Vision haben und diese umsetzen.

 

Für das Gelingen der Show sind Proben unumgänglich. Was nicht geprobt wird, findet nicht statt. Dazu muss es einen klaren inhaltlichen Probenplan geben. Dieser sollte vor der Probe von einzelnen Programmpunkten zunächst an alle beteiligten Gewerke klar kommuniziert werden. Dann kann dies technisch eingerichtet werden. Am Beispiel der Rednerposition: Man kann den Redner nicht einfach auf die Bühne schicken und los geht’s. An welcher Stelle kommt dieser auf der Bühne gut rüber? Das liegt am Bühnenbild, wo er sauber im Licht steht, die Kamera ihn gut einfangen kann (gerade auch der Hintergrund ist dabei wichtig) und es kein Ton-Feedback gibt. Neben den technischen Aspekten sollte auch der Redner wissen, von wo er wann auftritt und wo genau er stehen soll (eine Markierung auf dem Boden hilft immer). Außerdem sollte er vor der Probe wissen, wo sich zum Beispiel der Teleprompter und Kameras befinden etc.

 

Also erst kommunizieren, dann einrichten der kritischen Stellen und dann erst Proben. Danach kann man dem Redner Feedback geben und Anmerkungen der technischen Crew einfließen lassen (vielleicht wirft der Redner einen Schatten auf die Rückwand hinter ihm, könnte aber 1m weiter weg von der Rückprojektion stehen…).

 

 

Probenplan - Was nicht geprobt wird, findet nicht statt - Event Zitate

 

 

4. Content Check – verschafft Zeit!

 

Damit man am Probentag keine wertvolle Zeit verliert bietet es sich an, am Vorabend mit dem Kunden alle Inhalte zu überprüfen. So können Tippfehler in Charts entdeckt, Fehler eliminiert, Tonpegel von Filmen angeglichen und Lichtszenen sowie Übergänge definiert werden. Wichtig für die Operator ist dazu eine saubere Content-Übergabe. Am besten mit einer kompakten Liste, die Dateititel benennt und klärt, an welche Position diese im Veranstaltungsablauf gehören. Das spart viel unnötigen Ärger. Über Nacht können dann nötige Änderungen vorgenommen und noch vor Probenbeginn aktualisiert werden.

 

 

5. Geheimtipp – auf die Übergänge achten.

 

Zentral für das Gelingen einer reibungslosen Veranstaltung ist nicht nur die Einzelprobe. Idealerweise hat man dabei immer gleich auch schon den Übergang von der Situation davor und danach im Blick. In den Details und richtigem Timing liegt die Kunst. Wie lange ist beispielsweise der Auftrittsjingle für die Rednerin, wann geht sie genau los, damit sie perfekt getimt auf ihrer Position ankommt. Wie unterstützt das Licht diese Sequenz, aus welcher Stimmung kommt es, wie endet es? Wie verändern sich die Medieninhalte an dieser Stelle. Wie wirkt der Übergang im Gesamten? Oft wird nur die Rede an sich geprobt, aber sobald die Rednerin einmal steht, ändert sich ja nicht viel. Daher unbedingt das Vorher und Nachher im Blick haben und mitproben.

 

 

6. Generalprobe – sonst geht es schief…

 

Erst in der Generalprobe sieht man den gesamten „Flow“ der Show. Idealerweise läuft der Ablauf schon jetzt reibungslos über die Bühne. Vielleicht fallen hier aber noch Stolpersteine auf, die vorher so nicht auftauchten. Auf jeden Fall gibt die Generalprobe allen Beteiligten Sicherheit und Routine. Es gilt das alte Gesetz aus dem Theater: Lieber eine fehlerhafte Generalprobe als eine vermasselte Uraufführung. Leider sind viele Events einmalig, da muss es natürlich sitzen…

 

Event Prozesse Probenplan

 

 

7. Notfallplan – was, wenn es doch schief geht…

 

Wenn man beim Auftreten einer Störung erst anfängt zu überlegen, wie die Lösung sein könnte, ist es schon zu spät. Daher sollte vorher über einige denkbare Szenarien nachgedacht werden. Diese müssen zwischen den Entscheidern abgestimmt sein. Zentral ist, wie man als Verantwortlicher reagiert – möglichst schnell, souverän, klar. Anschreien bringt dabei übrigens gar nichts, wie ich es bereits bei den Prinzipien wirkungsvoller Teamkommunikation formuliert hab.

 

Hier ein paar Klassiker und der Lösungsansatz: Was geschieht, wenn

…das Mikrofon ausfällt? // Ein Ersatzmikrofon liegt in Bühnennähe bereit, dass gleich reingereicht wird.

…ein Video nicht spielt? // Es gibt eine kurze Information an den Moderator über die Bühnenassistenz in der ersten Reihe. Alternativ übernimmt der nächste Redner mit einem spontan-witzigen Kommentar und sorgt so noch für einen Publikumslacher.

…die Präsentation ausfällt? // Der Techniker schaltet sofort auf den Backup Rechner um. Sollte dieser auch nicht funktionieren, gibt es in der Mediensteuerung ein KeyVisual, auf das immer geschaltet werden kann. So fällt dem Publikum der Fehler vermutlich gar nicht groß auf.

…der Redner aus dem Licht läuft? // Die Lichtkollegen haben mehrere Szenen geleuchtet und erweitern den Lichtradius. Zur Not manuell nachleuchten.

…der Raum geräumt werden muss? // Die Moderatorin oder Regisseur machen eine ruhige, aber klare Ansage über die Beschallung. Aktiv formulieren: Was sollen die Gäste machen? Deskalieren, aber bestimmt sein. Bloß nicht für Panik sorgen.

…ein Auto auf der Bühne liegen bleibt? // Natürlich gibt es viele Sonderfälle, die nicht für jede Veranstaltung gelten. Aber da ich mich viel im Automobilbereich bewege, ist dies auch ein mögliches Szenario. Im schlimmsten Fall müssen Bühnenhelfer das Auto auf die gewünschte Stelle schieben. Auch hier gilt – bloß keine Hektik, aber bestimmt und souverän umsetzen. Eben den einen Schritt weiter gedacht haben…

 

Natürlich hilft es, wenn Redner nicht auf dem Fehler rumreiten und sagen: „Oh, hier hätte eigentlich jetzt ein Film kommen müssen.“ Einfach weitermachen.  Wenn was fürs Publikum offensichtlich schief läuft, dann eben locker kommentieren. Auch das ist etwas, was man in der Probe einfach mal proben kann…

 

 

Der Vorteil ist ja, dass das Publikum niemals weiß, wie es eigentlich hätte aussehen sollen.

Sie erleben nur ihr eigenes Echtzeit-Erlebnis. Das spielt uns in die Hände…

 

 

8. Arbeitszeiten – aus gutem Grund einzuhalten!

 

Abgesehen von den Proben gibt es klare gesetzliche Vorgaben zur Sicherheit, Fluchtplänen, Erste Hilfe. Diese gilt es zu beachten – das zahlt sich einfach aus. Genauso wie der Arbeitszeitenschutz. Es gilt als offenes Geheimnis, dass es hier in der Eventszene oft zu längeren Arbeitsstunden als den vorgeschriebenen maximalen 10h kommt. Aus meiner Sicht gibt es einen guten Grund, warum der Gesetzgeber sagt nach 10 Stunden am Tag ist Schluss. Als Freelancer sind wir in der nächsten Woche auf einer anderen Baustelle, auf der ebenso wieder volle Aufmerksamkeit gefordert wird. Die Konzentration geht einfach nach einer gewissen Zeit flöten. Leider musste ich in meinem Arbeitsleben schon einen Todesfall eines Riggers miterleben und einen Schwerstunfall bei einer Theater-Hebebühne. Ohne das dies konkret mit der Arbeitszeit zusammenhing, finde ich es unangebracht, wenn Auftraggeber die Arbeitszeiten ignorant wissentlich in Kauf nehmen. Hier gilt es in der Event-Szene noch besser zu werden. Es muss ja nicht gleich wie bei amerikanischen Gewerkschaften zugehen – aber 16h am Tag sind nicht hinnehmbar (leider aber immer wieder die Realität…). So wird eine Show definitiv nicht besser.

 

 

9. Fehler vermeiden – keine Last Minute Änderungen.

 

Oft fallen Kunden in letzter Minute noch Änderungspunkte ein. Egal ob dies nervöse Assistenten sind mit kleinen Chart-Änderungswünschen oder inhaltliche Ablaufumstellungen. Wenn in letzter Minute noch mal geändert wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass es schief geht. Entweder hat irgendjemand im Team das nicht mitbekommen und schon ist ein Lichtfehler drin oder das Mikro aus etc. Also klare Regel: Nach der Generalprobe wird nichts mehr geändert!

 

Außerdem ist eine Konstanz im Show Calling enorm wichtig. Das Team spielt sich automatisch auf die Art und Weise des Taktgebers ein. Wenn dann entweder ein Moderator sich auf der Bühne ganz anders verhält oder aber der Regisseur anstatt von „3, 2, 1, GO“ auf einmal zu „Redner, ähm, jetzt los“ wechselt führt das zu Unsicherheit bei Operatern in der Ausführung von CUEs. ‚Soll ich jetzt das Chart klicken oder nicht?‘ Also einfach vorhersehbar bleiben – alles so machen wie auch schon in den Proben der Fall war.

 

 

10. Enjoy – let the show beginn…

 

Nach dem alles gut vorbereitet, geprobt und über Notfallszenarien nachgedacht wurde heißt es: Spaß haben! Natürlich setzt der Adrenalin Kick ein – aber man muss auch genießen, wenn alles auf den Punkt kommt. Und vielleicht ja durch die Reaktion des Publikums noch besser wird, ja buchstäblich zum Leben erweckt wird.

 

Ich habe mir angewöhnt nach der Show darauf anzustoßen. Unsere Arbeit im Eventzirkus ist so flüchtig, dass man die Ergebnisse feiern muss. In anderen Worten: Auf eine reibungslose Show in gelungener Teamarbeit, die Menschen informiert, emotionalisiert und inspiriert, kann man genauso Stolz sein, wie auf die Fertigstellung einer Stradivari.

 

 

FrageWelche Probleme tauchen dir bei Proben auf? Welche Fragen zum Probenplan bleiben?

Auf deinen Kommentar bin ich freudig gespannt! Wenn die Tipps geholfen haben – gerne weitersagen 🙂

 

 

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Als Regisseur plane ich nicht nur Events, sondern gebe auch als Show Caller den Ton hinter den Kulissen an.

Am häufigsten geht dabei über die Lippen: „Stand by für …“ und „3, 2, 1, GO.“

 

Je nach Wiederholungsfrequenz von Shows (eine habe ich 188 mal hintereinander gecallt, die letzte auch im „ON“ – hier zu sehen), kennt sowohl das Team als auch ich die Inhalte in- und auswendig. Dabei kommen immer wieder sehr lustige Sprüche zustande, die einen eigenen Blogpost wert wären. Da mich kürzlich mal jemand nach meinen Standard-Sprüchen gefragt hat, dachte ich mir, ich mache einen Blogpost daraus. Wie die Amerikaner sagen:

 

 

Without further ado – here they are…:   Die besten Event Zitate

 

Wer mitdenkt ist klar im Vorteil - Event Zitate

…und mitdenkende Kollegen braucht man bei zeitkritischen Events immer! Mehr davon.

 

Was nicht geprobt wird, findet nicht statt - Event Zitate

Man kann zwar CEO sein und denken, man braucht keine Proben – damit aber dennoch daneben liegen…

 

Vorbereitung ist das halbe Leben - Event Tipps

Leider wahr – pain in the ass und dennoch immer wieder bestätigt 😉

Glück ist übrigens, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft…

 

Stumpf ist Trumpf - Event Weisheiten

Mein Standardspruch für die Penetration von einzelnen Elementen – wie einem Auftrittsjingle. Weniger ist mehr!

 

No risk, no fun! - Mut zur Lücke im Event

Zum Beispiel kürzlich vor der Essensauswahl bei einem Job in Indien – mit gutem Ausgang… Yummy, lecker 🙂

 

No one said it will be easy - Eventsprüche

Manchmal heißt es einfach: Augen zu und durch. Aber als Trostpflaster folgendes Event Zitat:

 

Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. Oscar Wilde

Aufgeschnappt aus dem herrlich unterhaltsamen Film „Best Exotic Marigold Hotel

 

 

Event ZitateWelchen begegnest du immer wieder? Was kommt dir oft über die Lippen?

Zum weiterlesen28 coole Sprüche aus der Werbung und Marketing Zitate.

Klassiker: Das kannste schon so machen, aber dann issses halt Kacke… 😉

 

Events wirkungsvoll inszenieren // Geheimnisse der Inszenierung

Events wirkungsvoll inszenieren – damit Botschaften auf der Bühne wirken und Events gelingen // Chris Cuhls

 

 

„Viele Menschen finden Firmen-Veranstaltungen langweilig.

Das muss sich ändern.“

 

 

Als Eventregisseur und mit 15 Jahren Berufserfahrung stelle ich tagtäglich Events auf die Beine. Dank meines Blogs weiß ich, dass sich viele Menschen für das Thema „gelungene Inszenierung“ interessieren. Das Wissen, welches ich mir über die Jahre angeeignet habe, zeigt sich für viele Menschen in und außerhalb der Branche als äußerst hilfreich.

 

Was macht den Unterschied zwischen einer guten und einer beeindruckenden Inszenierung aus? Ist es das Budget, sind es die Durchführenden, das Zusammenspiel, die Idee? Was muss von Anfang an beachtet werden, damit mein Event das erreicht, was ich mir wünsche? Was soll Nachher anders sein als Vorher?

 

Genau diesen Fragen gehe ich in meinen Buch „Events wirkungsvoll inszenieren“ nach. Im ersten Teil gebe ich mit den 7 Geboten einen Überblick zu den Prinzipien und Wirkungsmechanismen. Mit 7 Experten-Interviews vertiefe ich im zweiten Teil das Wissen um wirkungsvolle Inszenierung.

 

 

Wie du Events wirkungsvoll inszenieren kannst – ein Blick ins Buch:

 

Events wirkungsvoll inszenieren - 7 Gebote 7 Interviews

Events wirkungsvoll inszenieren - 7 Gebote der Inszenierung

Events wirkungsvoll inszenieren - Corporate Events inszenieren - Ideen Konzept Dramaturgie

Chris Cuhls: Events wirkungsvoll inszenieren // Fotos: André Wirsig, Gestaltung: Ann-Marie Falk

 

 

Buch hier über Amazon bestellen

 

Events sind besondere Ereignisse. Oft werden Veranstaltungen aber immer noch als Logistik-Aufgabe verstanden, die es gilt, perfekt umzusetzen. Doch damit sich Gäste bei den – eigens für sie gestalteten – Inszenierungen wohl fühlen, braucht es nicht nur leckeres Essen oder beeindruckende Akrobatik. Viel mehr geht es um das gelungene Zusammenspiel zwischen starken konzeptionell-kommunikativen Ideen und der Logistik.

 

Dieses Buch zeigt in 100 Seiten über die Organisation hinaus auf, wie Inszenierung gelingt. Mit dem Wissen aus diesem Buch werden Leser, die bereits im Eventgeschäft arbeiten, einen neuen Wirkungsgrad erzielen.

 

 

7 Gebote & 7 Experten-Interviews – Inszenierung auf den Punkt gebracht

 

Die 7 Gebote der Inszenierung sind anwendungsorientiert formuliert – Inspiration und Rahmengebung statt der klassischen Event-Checkliste. Leser in allen Branchen und Anwendungsgebieten bekommen mit diesem Buch ein Gefühl dafür, was gelungene Veranstaltungen wirklich ausmacht und können es direkt umsetzen – sei es für das große Firmenjubliäum, eine Werbeveranstaltung oder ein internes Mitarbeiter-Event. Gerade durch die beispielstarke Erklärung der Gebote, die Lust auf Umsetzung machen, ist das Buch eine klare Hilfestellung in der Planung und Durchführung einer gelungenen Veranstaltung.

 

Die sieben ergänzenden Interviews mit den ganz Großen aus der Branche vermitteln zusätzliche Kenntnisse und Inspiration. Sie geben Einblick in Insiderwissen zu spannender Inszenierung. Mit dabei sind Ex-Unterhaltungschef Prof. Axel Beyer, TV-Regisseur Frank Hof, aus der katholischen Kirche Pater Manfred Kollig & Dr. Bernward Konermann, Karnevals-Forscher Wolfgang Oelsner, PR-Eventexperte Oliver Schrott, Lichtdesigner Jojo Tillmann sowie Medienkünstler Andree Verleger. Dank der Erfahrung dieser Experten erfährt man bei der Lektüre des Buchs, worauf es wirklich ankommt, um andere mit der eigenen Show zu inspirieren und unterhalten.

 

 

Events wirkungsvoll inszenieren - 7 Interviews Axel Beyer Unterhaltung

TV Regisseur Frank Hof - Events wirkungsvoll inszenierenTheaterregisseur Axel Beyer und TV-Regisseur Frank Hof im Experten-Interview zur Inszenierung

 

 

Das Buch zeigt in seiner Kombination aus Theorie zur Rahmengebung und Statements mitten aus der Veranstaltungsbranche auf, wie bei realistischer Budget-Planung die größtmögliche Wirkung erzielt werden kann.

 

 

Eventplanung: Für wen lohnt sich das Buch?

 

Events wirkungsvoll inszenieren“ richtet sich an all jene Eventgestalter, die logistische Grundkenntnisse haben, aber nicht wissen, wie sie Botschaften und Inhalte wirkungsvoll an ihre Zuschauer vermitteln können. Das Wissen ist entscheidend für Verantwortliche in Agenturen, Projektmanager großer Veranstaltungen genauso wie Eventverantwortliche auf Unternehmensseite. Inspirativ ist es sicherlich auch für Fachleute der MICE-Branche, Manager jeglicher Marketingdisziplin und einfach interessierte Innovatoren.

 

 

Chris Cuhls:
EVENTS WIRKUNGSVOLL INSZENIEREN
7 Gebote und 7 Interviews – mit Prof. Axel Beyer, Frank Hof, Pater Manfred Kollig, Dr. Bernward Konermann, Wolfgang Oelsner, Oliver Schrott, Jojo Tillmann und Andrée Verleger

100 Seiten, farbiges Bildband im Magazin-Charakter, Softcover, 1. Auflage, ISBN 978-3-00-052198-0

 

 

Bestellbar für 22,95 EUR per formloser Email (zzgl. 2 EUR Versandgebühr im EU-Ausland) oder über Amazon.

Event-Urgestein Wolf Rübner hat das Buch hier rezensiert. Weitere Rezensionen bei eveos und FAMAB-Blog.