Frauen in der Eventbranche: You have, what it takes. Go for it!

Frauen in der Eventbranche – ein unverstellter Blick auf den Status Quo // Photo: Priscilla Bucher

 

 

In meinem Sabbatical besuchte ich mit obiger liebenswürdig-verrückten Feministin die Pinakothek der Moderne in München. Ein herrlicher Streifzug durch die Epochen mit spannenden Gesprächen. Dabei stellte Priscilla mir eine Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht:

 

„Chris, stell dir vor du wachst morgen auf. Du bist noch genau derselbe Chris, der du bist. Einzig dein Körper ist der einer Frau.“

 

Soweit, so gut. Ehrlich gesagt: Ein aufregender Gedanke. 😉 Warum nicht. Tolles Gedankenspiel. Dann der Haken:

 

„Du sitzt bei deinem Chef zum Jahresgespräch. Es geht um deine Lohnverhandlung.“

 

Mir dämmerte es sofort. Scheiße. Das Äußere verändert sofort alles. Einfach, weil ich im Körper einer Frau stecke, schlagen mir Vorurteile ins Gesicht. Ich werde nicht das gleiche Gehalt bekommen, was meinem Kollegen gewährt wird. Ich werde nicht die Anerkennung durch eine Beförderung erhalten, wie sie mein Kollege erhält.

 

Männer – dranbleiben. Ja, es mag stereotyp klingen. Aber wenn wir ehrlich sind: Das ist so. Als Frau werde ich belächelt, muss mich beweisen. Der Weg als Mann ist vorprogrammiert: Die Beförderung samt Lohnerhöhung steht mir natürlich zu. Als Frau muss ich dafür kämpfen, was es nicht besser macht. Das ist unverkennbar: ungerecht.

 

 

Tragödie des Genders – Mann vs. Frau

 

Die Begegnung mit Priscilla und ihre Frage lässt mich seit einem halben Jahr nicht mehr los. Wenn ich den Gedanken weiterdenke, folgen eine Menge herausfordernder Situationen. Gerade für Frauen ist die Eventbranche kein leichtes Eisen. Natürlich ist bei weitem nicht alles stereotyp. Dennoch einige Erlebnisse aus den letzten Monaten:

 

1. Frauenquote in Unternehmen

 

Neulich erst redete sich wieder ein Chef auf einer Veranstaltung um Kopf und Kragen. Leider kann ich die Worte nicht zitieren, wären sie doch zu treffend gewesen. Aber jeder kann sich diese Situationen vorstellen. Alt-Herren-Mentalität par excellence – peinlich bis körperlich schmerzend. Puh. Wäre es nur ein Satz gewesen, hätte Mann wie Frau es vielleicht ertragen können. Aber mit jedem weiteren Satz verstrickte er sich und offenbarte, wie wenig er den Sinn hinter dieser wichtigen Maßnahme verstanden hat. Das offenbart, wie wenig das Thema im Herzen angekommen ist. So wird ein konstruktives, gleichberechtigtes, unvorbelastetes Miteinander sicher nicht gefördert. Es ist Zeit, dass sich daran etwas ändert!

 

Gleichzeitig stelle ich fest, dass aufgrund der Frauenquote in manchen Konzernen Männer mittlerweile das nachsehen haben. Ohne das Thema statistisch validieren zu können stosse ich in letzter Zeit immer wieder auf Kollegen, die einfach frustriert waren. Das als Wahrnehmung, ohne bewerten zu wollen.

 

2. Arbeit als Regisseurin…

 

In dem Gedankenspiel würde ich konsequenterweise als Regisseurin sowohl Vorstände auf der Bühne, aber auch ein zu 98% männliches Technikteam führen. Da muss Frau erstmal ihren Mann stehen. Welches Alphatier im Vorstand lässt sich schon gerne vor der ganzen Mannschaft von einer Frau korrigieren? Das Thema ist sowieso sensibel und bedarf Fingerspitzengefühl: Klar, solide, ruhig kommunizieren. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber folgendes Beispiel bestätigt die Regel:

 

Kürzlich habe ich ein Projekt konzeptionell beraten. Für die Durchführung habe ich einige Regie-Kolleginnen vorgeschlagen. Die Rückmeldung war, dass es definitiv keine Frau sein soll. „Der CEO lässt sich nicht von einer Frau führen.“ Das ist natürlich höchst pauschal und unfair. Julia Möller, Nadine ImbodenMonika Graf, Andreana Clemenz oder Konstanze Agatz machen einen hervorragenden Job als Regisseurin. Vielleicht sind Männer bei euch gerade wegen der Diskretion und Empathie in besten Händen. Mein Respekt, wie ihr eure Aufgabe täglich mit Bravour meistert (oder ist das eine der leichtesten Übungen? Bei der nächsten Begegnung werden wir drüber sprechen…)! Dieses hinterfragen Kundenseits gilt übrigens nicht nur für Regisseurinnen, sondern auch für ModeratorInnen aber auch ProjektleiterInnen, wie mir kürzlich eine Kollegin bestätigte.

 

3. Selbstbewusstsein

 

Ein anderes Phänomen ist für mich das Thema Selbstbewusstsein. Oder anders: Sich seiner selbst bewußt zu sein. Was kann ich, was nicht. Was davon teile ich mit, was nicht. Verbal wie nonverbal. Allein meine Körperhaltung verrät unfassbar viel darüber, was ich mir selbst zutraue. Eine Vorstandsdame erzählte kürzlich beiläufig diese Geschichte: Eine junge Porjektmanagerin entschuldigte sich vor ihrer Präsentation für ihr unperfektes Englisch. In den Köpfen der Zuhörer war sofort verankert: Jetzt kommt schlechtes Englisch. Dabei brillierte sie auf fachlicher wie sprachlicher Ebene. Nur waren die Zuhörer gedanklich gar nicht dabei… Danach kam ein älterer Mann, der sich hinstellte und im breiten Bayern-Kauderwelsch seine englischsprachige Präsentation hielt. Es lagen Welten dazwischen, aber der Mann hat es einfach gemacht. Die Leute haben zugehört. Die Moral: Einfach machen, nicht entschuldigen.

 

Ein Phänomen, welches mir auch im Gespräch mit meiner Frau aufgefallen ist. Als Mann neige ich bei Jobanfragen dazu einfach JA zu sagen – auch wenn ich das fachlich noch nie gemacht habe. Die Entscheidung ist wenig reflektiert, sie ist instinktiv. Traue ich mir zu, mache ich, klar. Meine Frau wägt die Fallstricke eher kritisch ab. Das ist keine Wertung, sondern nur eine Wahrnehmung: Männer sagen einfach Ja, Frauen denken oft (über)kritisch darüber nach. Da können wir uns durchaus etwas von der jeweils anderen Seite abschauen.

 

Frauen in der Eventbranche

„Gib mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Kraft

Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu trennen.“

 

 

Natürlich geht es dabei nicht darum sich selbst zu überschätzen, sondern zu spüren: Was könnte ich hin bekommen, auch wenn ich davor großen Respekt habe und was ist einfach nicht möglich. Heute weiß ich: Denken hilft. Ich habe gelernt einmal mehr nachzudenken, bevor ich handle. Das bewahrt mich vor mancher Peinlichkeit – ob offensichtlich oder nicht. Aber ohne Mut wäre ich nicht da, wo ich bin. Meine Frau konnte ich genau dazu ermutigen, sich öfter auf das Abenteuer einzulassen. Natürlich hat sie Job-Anfragen immer gekonnt umgesetzt – und war froh, dass sie JA gesagt hat. Manchmal merken wir ja erst beim Tun, was so alles in uns steckt…

 

Mein Punkt: Ich kenne so viele Projektmanagerin im Eventbereich, die einfach unfassbar gut, durchdacht, stringent, souverän und umsichtig agieren. Egal auf welchem Level (und ohne Ranking) – ich bin beeindruckt von Frauen wie Hanna Hasenbank, Alexa Küddelsmann, Weijie Yang, Barbara Zickler, Eva Heid, Stefanie Dieterich, Andrea Bergheim, Sabine Pollmann, Swantje Marquardt, Gabi Garmatz, Claudia Krause, Louise Amelie Leuchtenberger, Eugenie Jung, Julia Arnold, Silja Neumann, Britta Bahlow, Miriam Gundlach, Gaby Bartolomeo, Fran Koetter, Uta Brinksmeier, Antonia Eisert, Vivien Stamm, Stephanie Fottner, Grit Aßmuß, Grit Scholz, Nadja Pohle, Vera Viehöfer, Kerstin Riedmüller, Andela Riedel, Eva Pehle, Anne Reinhardt, Nadja Meister, Yvonne Katz, Kerstin Hoffmann-Wagner, Daniela Seemann, Nadja Bartels, Maren Neumeier und viele mehr, die ich jetzt vergessen habe. You have, what it takes. Go for it!

Update: Katharina Stein vom Eveos Blog reagiert auf diese Gedanken mit diesem Plädoyer zur Haltung.

 

4. Kinderwunsch

 

Als zweifacher Vater erlebe ich die Dramatik, die sich im Körper der Frau abspielt, besser mit. Ich wußte vorher nicht, wie intensiv zum Beispiel die Geburt ist. Viele Freunde hegen seit Jahren einen Kinderwunsch. Nicht die Norm – aber immer öfter bekomme ich mit, wie sich ein Paar auf eine Hormon-Therapien einlässt. Das hat krasse Auswirkungen auf den Körper, aber auch die Seele. Bei vielen anderen Freunden gab es Totgeburten. Ein unvorstellbares Leid. Nicht nur emotional, sondern auch physisch. Das hinterlässt Spuren.

 

Dies ist aber ja nur der erste Schritt. Was ist, wenn dann die Kinder größer werden. Wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt – beziehungsweise eben auch nicht – darüber haben vier Kolleginnen höchst ehrlich geschrieben. Gerade im Eventbereich ist das mit den krassen Arbeitszeiten fast unmöglich. Ok, man könnte meinen egal ob Mann oder Frau: Wer sich für die Eventbranche entscheidet braucht einen toleranten Partner und eine verlässliche Kinderbetreuung. Aber die Frage wer zu Hause bleibt, wenn das Kind krank ist, brauche ich gar nicht zu stellen. Natürlich der Mann. Äh…?

 

 

Frauen in der Eventbranche – ein Segen!

 

Vor einiger Zeit habe ich den grandiosen Dokumentarfilm „Where to invade next“ des US-Oscarpreisträgers Michael Moore gesehen. Am Ende des Films stellt er den Einfluss von Frauen in die Gesellschaft Island’s vor. Island wählte die erste Präsidentin weltweit. Die einzige Bank, die die Wirtschaftskrise überstand war eine von Frauen geführte Bank. Moore’s Aufforderung: Frauen an die Macht – denn sie sorgen sich um durchdachte, langfristige und für alle Seiten faire Entscheidungen. Das führt zu Fairness und Nachhaltigkeit. Ich kann ihm da nur beipflichten. Wir müssen Frauen faire Chancen geben.

 

Mein Frauenbild ist grundsätzlich sehr positiv durch meine Oma geprägt worden (hier ein filmisches Porträt). Meine Mutter ist eine sehr starke, mutmachende, lebensbejahende, stringente, verändernde Frau. Auch aufgrund dieser Prägung halte ich immer wieder Ausschau nach Möglichkeiten, wie ich Frauen bei Events fördern kann. Es macht Spaß zu entdecken, wie konsequent ich positiv überrascht werde. Frauen können es, sie brauchen nur öfters die unvoreingenommene Chance. Geben wir Ihnen, was Ihnen zusteht!

 

 

Mit diesen Gedanken möchte ich dazu inspirieren, das Geschlecht als Kriterium unseres (Vor)Urteils zu verbannen! Ein unverstellten Blick (wie Priscilla Bucher in diesem Video vorlebt) tut uns allen gut. Lasst uns offen und fair miteinander Chancen verwandeln. Für alle Männer, die es bis hierhin durchgehalten haben: Nur Mut, ihr werdet überrascht werden! Das gilt auch für euch Frauen – nur Mut, ihr werdet überrascht werden „was alles möglich ist“! Lasst uns das Gute vom anderen Geschlecht abschauen, voneinander lernen, besser im Umgang miteinander werden.

 

 

Frage: Männer wie Frauen: Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema in der Eventbranche gemacht?

 

 

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf.“ Axel Beyer

 

 

Wie weckt man Emotionen? Diese Frage treibt mich seit Jahren um. Warum erzeugt die Mona Lisa im Louvre eine magische Anziehung und andere Bilder nicht? Warum nimmt mich der eine Redner erfolgreich mit auf seine Gedanken-Reise und der andere nicht? Warum berühren mich einige Lieder und andere eben nicht?

 

Emotionen zu wecken ist die Kernaufgabe für die Konzeption von Events. Wer Emotionen weckt, bekommt auch eine Reaktion. So werden Beziehungen aufgebaut. Eine gute Währung für die Live-Kommunikation. Daher habe ich sieben Kreativdirektoren gebeten, ihre Gedanken und Erfahrungswerte zu schenken. Wie unmöglich es ist, das in eine paar Sätze zu packen, zeigt der Prolog von Helge Thomas auf…

 

 

Helge Thomas: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen?!

 

 

Diese Frage kann ich definitiv nicht beantworten. Das hat vielerlei Gründe. Lass mich vielleicht zwei davon kurz heraus greifen. Zum einen hat das Wort „Emotionen“ einen so riesigen semantischen Hof, dass man Russland darin parken könnte. Zweimal. Ach was rede ich. Viermal. Von den rein biologischen Partys, die da im limbischen System abgehen, ganz zu schweigen. Und dann dieser Volksmund mit seinem Angerlatein „Das geht zu Herzen“. Ja, eben nicht! „Da schüttet der Hippocampus mal wieder tonnenweise Endorphine in die Blutbahn,“ müsste das korrekt heißen. Egal. Wo war ich? Ach ja. Zum anderen: Gäste sind niemals gleich Gäste. Und meistens sind es nicht einmal meine Gäste, sondern die Gäste meines Kunden oder auch die seines Chefs oder seiner Frau. Im Falle öffentlicher Veranstaltungen sind es gar völlig fremde Menschen, die man der Einfachheit halber dann eben auch Gäste oder besser Besucher nennt. Was die Sache nicht einfacher macht. Was sagst du? Meine Reaktion auf deine Frage erscheint dir etwas zu emotional? Mitnichten, mein Lieber! Ich versuche dir lediglich zu erklären, warum ich dir kein „Rezept“ nennen kann, wie ich Emotionen bei Gästen wecke. Und überhaupt: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen. Vielleicht sind sie auch gerade ganz woanders. In Gedanken. Oder sie haben sich nur versteckt. Unter der Oberfläche. Siehst du. Das meine ich. Schon sind wir mitten drin, im Deutungslabyrinth der menschlichen Gefühle. Und wenn ich jetzt weiter schreibe, kommen wir da beide nicht mehr raus. Weißt du noch, was ich oben schrieb? Eben. Ich auch nicht. 🙂

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas, 1964 in Heidelberg geboren, Schauspieltalent vom Vater geerbt, schon viele künstlerische und wirtschaftliche Bühnen bespielt: Als Darsteller auf und Beleuchter hinter der Bühne von Theaterproduktionen, in Marketing- und Vertriebsverantwortung bei großen Unternehmen sowie neun Jahren als freiberuflicher Start-Up-Coach, SocialMedia-Experte und Filmemacher. Heute ist er Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei pro event.

 

 

 

Kai Janssen: Es ist wie bei einem Rendezvous…

 

 

Wenn man davon ausgeht, dass Emotionen mit dem Ziel erzeugt werden, beim Gast zu punkten und eine Beziehung aufzubauen, dann ist es wie bei einem Rendezvous:

 

Zunächst sorgt man mit dem passenden Ambiente für die gewünschte Stimmung. (Location, Licht, Musik, Essen)

 

Dann stellt man seinem Gegenüber Fragen – das signalisiert Interesse und ist die Basis für einen unterhaltsamen Austausch. (Einbeziehung des Gastes, Interaktion)

 

Ganz wichtig nun – der Überraschungsmoment! Plötzlich tritt etwas ein, womit mein Gegenüber nicht gerechnet hat, was anscheinend nur für ihn bestimmt ist, verbunden mit einer persönlichen Botschaft. (Setzt voraus, dass ich die Zielgruppe verstanden habe). Der Höhepunkt einer perfekt durchdachten Inszenierung. Trifft ins Herz und bleibt im Kopf. Meistens jedenfalls.

 

 

Kai Janssen Matt Circus Event KreativdirektorKai Janssen, seit 2012 Geschäftsführer und Creative Director der MATT CIRCUS GmbH in Köln, davor freier Creative Director und Konzeptioner in diversen Event- und PR-Agenturen, studierte bildende Künste, Fokus Raum und Medien, regelmäßiger Gastdozent zum Thema „Konzeption in der Live-Kommunikation“, 2. Präsident der FICA, Cross-Crocket-Spieler und -Weltmeister, in fester Beziehung.

 

 

 

Petra Lammers: Geschichten, Geschichten, Geschichten

 

 

Mit Geschichten!
… und einem genauen Blick auf alle „Figuren“, Raum/Situation, Handlungsstränge, Plotpoints und Inhalte.

 

(Auf die Bitte nach Beispielen sandte Petra folgendes): Die interaktive Bodenprojektion beim Energiesee oder das Storytelling mit Lampen, die als Figuren das Wiesbadener Kurhaus und die Welt von Fraunhofer erkunden:

 


Creative Director Petra Lammers onlivelinePetra Lammers, inszeniert seit über 15 Jahren Theater-, Public Space- und Eventproduktionen, gemeinsam mit Norwin Kandera Geschäftsführerin von onliveline, einem Büro für Konzeption und Inszenierung. Davor Creative Directorin / Konzeptionerin bei Panroyal in Wuppertal sowie freie Theaterregisseurin, studierte MBA und MFA in Dramaturgie und Regie.

 

 

 

Philipp Dorendorf: Man inszeniert oder inszeniert um

 

 

Heilig Abend im Kreise der Lieben. Deep house statt Last Christmas. Rot ist nicht rot, sondern pink. Der Baum ist aus Draht. Die Lichterketten geben Strobo-Blitze ab.

 

U5-Kindergeburtstag. Nicht Volker Rosin, nein, dafür Rammstein. Rammstein ist auch alt, aber düsterer und dazu schwarzes Konfetti statt bunten Luftballons.

 

Apropos Schwarz: Warum nicht mal für eine Grabrede die Kebekus einsetzen: Pussy Terror.

 

Nein? Okay, denn wir unterliegen Lernstrukturen, assoziativen Mustern und Neuro-Programmen. Und weil das so ist, sind Stimmungen und Emotionen künstlich auslösbar, zu verändern oder zu beeinflussen. Man inszeniert oder inszeniert um. Mit: Musik, Licht, Farben, Tageszeit, Temperatur, unter Umständen Gerüche, Appearance von Akteuren – räumlich und zeitlich verdichtet. Das ist eigentlich gar nicht so schwer.

 

 

Philipp Dorendorf CD facts and fiction EventagenturPhilipp Dorendorf, Ü37, aus Hamburg. Ausbildung zum Grafik Designer und Marketing-Kommunikationswirt, seit 2010 Creative Director bei facts and fiction für Köln und Berlin.
Kreatives auf: www.neopdo.com

 

 

 

Martin Klingler: Content is King

 

 

Am Anfang steht immer die Idee! Daraus wird dann die Storyline entwickelt. Und die muss im funktionalen Eventdesign und in einer multisensorischen zweckorientierten Inszenierung erzählt werden. Nur dann können Botschaften überhaupt ankommen, verstanden werden und gar hängen bleiben – und in anderen Kanälen weiter erzählt werden. Stichwort Storytelling und Wirkungspotenz durch Multisensorik.

 

Was wirklich zählt, ist schlicht das klassische Kommunikationshandwerk, beschrieben mit den bekannten und inflationär gebrauchten Marketingfloskeln… aber wahr bleiben sie trotzdem und genau deshalb: Content is King – und ist das neue Storytelling. Wenn die Story aber nicht spannend erzählt wird, so dass der Zuhörer mit mehreren Sinnen emotional berührt wird, wenn sie nicht auf anderen Kanälen vor und nach dem Event weiter erzählt wird – Stichwort Vernetzung, die wir früher integrierte Kommunikation nannten – dann darf sich keiner wundern, wenn die Botschaft entweder gar nicht ankommt oder schnell verloren geht. Und auf keinen Fall echte Emotionen weckt.

 

Was mache ich also, um Emotionen zu wecken?
Definitiv nichts weltbewegendes Neues: eine gute Story entwickeln, sie anregend, spannend und vielschichtig erzählen. Und dafür verwenden wir gerne neueste Technik und Methoden – immer dann wenn es Sinn macht. Hat!

 

 

Kreativdirektor Martin Klingler Creative DirectorMartin Klingler, Creative Director bei marbet in Künzelsau. (Und mit dieser Bemerkung: „kann mich für unfassbar viel begeistern, immer wenn es mich berührt…“ Ideengeber für diesen Blogpost.)

 

 

 

 

Miriam Wüstefeld: Bedürfnisse erkennen, überraschen, passender Rahmen

 

 

Wir leben heute in einer sehr beschleunigten Welt, in der das Überangebot regiert und in der kaum Zeit zum Innehalten bleibt. Aus meiner Perspektive bedarf es daher vor allem der Fähigkeit individuelle Bedürfnisse zu erkennen, um echte Emotionen wecken zu können.

 

Die Kunst und Herausforderung liegt dann darin zu überraschen und einen sehr persönlichen Nerv zu treffen.

 

Neben den wichtigsten Parametern, die nach meiner Auffassung inhaltlicher Anspruch und Respekt sind, ist der passende Rahmen relevant. Dazu zählt neben einer entsprechenden Räumlichkeit auch das Thema Ergonomie. Der Wohlfühlfaktor ist eng an Emotionen geknüpft – zumindest wenn diese positiv ausfallen sollen.

 

 

Miriam Wuestefeld freiberufliche Kreativdirektorin MünchenMiriam Wüstefeld, München, 32 Jahre, freiberufliche Kreativdirektorin, Schwerpunkt: Kommunikation im Raum, Markenwelten, Zusammenarbeit und Festanstellung in diversen Agenturen unter anderem Zibert + Friends, CE+Co, VOK DAMS, BBDO Live, Uniplan.

 

 

 

Stephan Schäfer-Mehdi: Erprobte Rituale nutzen und intuitiv vorgehen

 

 

Live-Kommunikation nutzt jahretausendealte erprobte Rituale, um Emotionen zu wecken. Religion mit ihren Kulten und das Theater mit seinen inszenatorischen Mitteln sind dafür die Grundlage. Ihr Studium und deren Anwendung ist hilfreich, aber der intuitive Umgang letztlich effektiver.

 

Was rational am Reisbrett entstand ist zwar oft richtig, aber nicht immer erfolgreich. Wer hört die Kammermusik des Computerkollegen Iamus, der nach allen Regeln der Kunst programmiert wurde wie Mozart zu schreiben? Wir gehen immer noch in die Zauberflöte, obwohl der Rechner alles richtig macht. Deshalb bedient sich auch die virtuelle Welt der gleichen Muster, der Überraschungen und Ansprache möglichst vieler Sinne.

 

Das wird vielleicht erst anders, wenn die Künstliche Intelligenz Kommunikation für ihresgleichen konzipiert. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

 

 

Creative Director Stephan Schaefer-Mehdi Eventmarketing CD CCO Live-KommunikationStephan Schäfer-Mehdi, freiberuflicher Creative Director und ¬Consultant, vorher Chief Creative Officer/CD von VOK DAMS und Quasar Communications, mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet, Mitglied im Art Directors Club für Deutschland, Autor des Standardwerkes „Event-Marketing„, 2014 den Kriminalroman „Tod in den Bergen“ veröffentlicht. Wuppertaler.

 

 

 

Creative Director – habt herzlichen Dank für eure Gedanken. Chapeau!

Frage: Wie weckst du Emotionen? Freue mich auf einen Kommentar oder Beispiele unterhalb.

Tipp: Weitere Hinweise darauf, wie Emotionen geweckt werden, geben 7 Inszenierungs-Experten in diesem Buch.

 

 

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Emotion & Reaktion – das Prinzip von TV-Unterhaltungs-Regisseur Carsten Seibt

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Technikbriefing: Worauf es in der Zusammenarbeit ankommt // Teil 2/3

Technikbriefing: Worauf kommt es bei der Technikbestellung an, damit sich das Event-Ergebnis sehen lässt?!

 

 

Events sind dann erfolgreich, wenn Logistik und Idee zusammen spielen.

Nach den Faktoren für ein gutes Agentur-Briefing hier Teil 2 in der Serie Briefingkultur.

 

Zusammenspiel ist auch das Stichwort wenn es um die notwendige Technik geht. Damit die passenden Elemente vor Ort ankommen, bedarf es eines guten Technikbriefings. Dabei sprechen Agentur, Technik-Dienstleister und Kunde oftmals in unterschiedlichen Sprachen. Wie das „perfekte“ Technikbriefing aussieht, das habe ich den technischen Planer Jens Labuschewski gefragt.

 

 

Technikbriefing: Auf das Zusammenspiel kommt es an…

 

Das Zusammenspiel zwischen Kreation, Konzept und Technik beginnt natürlich mit einem ersten Briefing, kann aber nur durch eine intensive, offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit perfekt werden. Ein gutes Ergebnis wächst aus dem Prozess und nicht aus dem Einzelereignis. Jeder Beteiligte kann und muss im Team Input aus seiner persönlichen und professionellen Sicht liefern. Jedes Detail kann wichtig sein oder es später werden.

 

Versucht man diesen Prozess wie einen Staffellauf getreu dem Motto: „Mein Teil ist erledigt, jetzt bist Du dran…“ durchzuführen, besteht die Gefahr, in kleinen Schritten immer weiter vom Kurs abzuweichen ohne es zu bemerken. Am Ende kommt dabei eine Veranstaltung heraus, die womöglich handwerklich solide umgesetzt ist, die es aber nicht schafft, eine nachvollziehbare Story zu liefern.

 

 

Crossed Disciplines – übergeordnete Betrachtung aller Bedürfnisse

 

Welchen Planer man zu welchem Zeitpunkt ins Team holt hängt sehr vom Projekt ab. Einen Setdesigner kann man durchaus in einer Pitchphase schon hinzuziehen um kreativen Input zu erhalten. Eine Fachplanung der Energieversorgung wäre zu diesem Zeitpunkt überzogen. Die Zusammenarbeit mit einem Technischen Leiter kann hingegen nicht früh genug beginnen.

 

Crossed Disciplines steht hierbei für eine übergeordnete Betrachtung von technischen und baulichen Bedürfnissen. Anders als bei der Fachplanung einzelner Gewerke gilt unser Augenmerk dem Construction Management, also der Schnittstellenkoordination, die das reibungslose Zusammenspiel komplexer Einzelplanungen erst ermöglicht.

 

 

Was für den Planer wichtig ist:

1) Erzählt uns alles, was Ihr euch denkt und vor allem alles, was Ihr dem Kunden erzählt habt.
2) Lasst uns gemeinsam Umsetzungsideen diskutieren, entwickeln und vervollständigen.
3) Seit konkret bei den Ideen, aber offen bei den Lösungsansätzen. Alternative Technikansätze können sinnvoll sein, sind aber schwer umsetzbar, wenn beim Kunden schon eine sehr konkrete Erwartungshaltung geweckt wurde.
4) Passt bei der Auswahl der Location auf, nicht nur eure Gäste brauchen Platz.

 

 

Neben den Schnittstellen im eigenen Team ist in einer frühen Phase die Wahl der Location von entscheidender Bedeutung. Wenn es hier aus technischer und logistischer Sicht schon Diskrepanzen zwischen dem Konzept und den Möglichkeiten vor Ort gibt steht man vor Herausforderungen, die vermeidbar sein können. Bei einer Umsetzung baulich nicht „mit“ sondern „gegen“ eine Location arbeiten zu müssen kann nur dann ein befriedigendes Ergebnis liefern, wenn man unverhältnismäßig viel Zeit, Energie und natürlich Geld investiert.

 

Die Auswahl der ausführenden Dienstleister geschieht häufig über eine Ausschreibung, die projektabhängig sehr unterschiedlichen Anforderungen unterliegt. Neben gesetzlichen Bestimmungen können hier beispielsweise auch Vorgaben der Einkaufsabteilung des jeweiligen Endkunden maßgeblich sein. Ausschreibungsunterlagen sollten auf einem weit fortgeschrittenen Planungsstand basieren und möglichst präzise alle notwendigen Informationen liefern, damit die Dienstleister ihr Angebot sauber kalkulieren können. Das bedeutet, dass wichtige Details nicht im Kleingedruckten verschwinden, aber auch, dass eine ausreichende Bearbeitungszeit gewährt wird.

 

 

Was für die Ausschreibung wichtig ist:

1) Prüft sehr genau, welche Ausschreibungsregeln für euch gelten. Sobald die VOB oder die VOL ins Spiel kommen werden die Formalitäten deutlich komplizierter. (Relevant sobald öffentliche Auftraggeber oder Fördergelder eine Rolle spielen.)
2) Stellt klare Regeln und Vorbemerkungen auf, aber überfrachtet sie nicht.
3) Schreibt erst aus, nachdem Ihr geplant habt und beschreibt, was Ihr wirklich braucht. Umfassende Änderungen sowie Mehrungen und Minderungen, insbesondere nach der Vergabe, sind nicht unbedingt ein Zeichen für stringente Planung.
4) Gebt den Dienstleistern Zeit zu kalkulieren. Geschätzte Zahlen helfen weder euerm Budget, noch dem Dienstleister und schon gar nicht dem Projekt. Der Satz „Scheiße, wir haben den Job bekommen…“ fällt öfter als man denkt und ist häufig genau so gemeint.

 

 

Bei der Auswertung der Angebote ist dann nicht zwingend der vermeintliche Gesamtpreis ausschlaggebend. Es muss sehr genau untersucht werden, ob die angebotenen Leistungen vollständig und qualitativ akzeptabel sind. Auch absehbare Änderungen am Konzept sollten vor einer Vergabe auf die Auswirkungen beim Preis untersucht werden.

 

In der Praxis erlebt man hier durchaus Überraschungen. Die im jeweiligen Projekt ausschlaggebenden Details können sehr unterschiedlich sein, allgemein gültig kann man aber sagen: Geht man fair mit den Dienstleistern um hat man eine gute Chance, ein hohes Maß an Service zu erfahren. Verhandelt man (zu) hart nach wird man hingegen für die Ungenauigkeiten in der Ausschreibung oder etwaige Änderungen teuer bezahlen müssen.

 

 

Was für die Auswertung wichtig ist:

1) Unten rechts steht ein erstes Indiz, danach kommt viel Detailarbeit. Prüft genau und rechnet nach. Verbindlich sind in der Regel Einzelpreise. Berechnungsfehler in Tabellenblättern liegen dann im Risiko des Ausschreibenden.
2) Ist alles komplett? Habt Ihr das Gefühl, dass der Bieter die Ausschreibung konzentriert bearbeitet hat? Manchmal ist der Bieter, der viele und gute Rückfragen hatte auf dem besseren Weg als der vermeintlich günstigste.
3) Prüft sehr genau, ob und auf welcher Basis Ihr in der Nachverhandlung pauschalieren wollt (wenn rechtlich möglich), oder ob ein prozentualer oder absoluter Rabatt auf bestimmte Positionen mehr Sinn macht. Eine Pauschale ist verlockend für die Projektkalkulation, macht aber die transparente Abrechnung von Mehrleistungen oder Änderungen deutlich komplizierter. Und irgendwas ist bekanntlich immer…
4) Nehmt unter Betrachtung aller Aspekte das WIRTSCHAFTLICHSTE Angebot an – das ist nicht unbedingt das billigste.

 

 

Fazit: Fand die Veranstaltung statt oder hat sie eine Story erzählt?!

 

Natürlich kann es anstrengend sein, wenn Designer und Planer auf ihre mitunter kreative, nerdige oder penible Art schon frühzeitig jedes Detail hinterfragen und manches Mal Ideen äußern, die auf den ersten Blick überzogen oder unrealistisch wirken. Hier bedarf es dann einer guten Technischen Leitung, die alle Details koordiniert und zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Im Endergebnis kann aber nur die unnachgiebige Detailverliebtheit aller Beteiligten in der Konzeption und Planung die letzten fünf Prozent aus der Veranstaltung herauskitzeln. Und mehr ist es häufig nicht, was zwischen     „Die Veranstaltung fand statt.“     oder     „Die Veranstaltung hat eine Story erzählt.“     steht.

 

 

Jens Labuschewski technischer Planer Event Technikbriefing Jens Labuschewski ist seit 20 Jahren im Eventbereich tätig. Er leitet das Ingenieur Planungsbüro für Event Construction Management (Crossed Disciplines), ist als Dozent tätig und engagiert sich im Prüfungswesen. Neben der Weiterbildung zum Meister für Veranstaltungstechnik absolvierte er ein Studium zum Dipl.-Ing. an der TU Dortmund, Abschluss als Bauingenieur mit Schwerpunkt auf Prozessmanagement, Bauorganisation und Baurecht. In der Planung ist er penibel und detailverliebt, in der Umsetzung bekannt für Konzentration und Gelassenheit bei der Zusammenarbeit.

 

 

Hier geht es zum Teil 3: Bessere Agenturberatung im Eventmarketing

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Briefingkultur Agentur: Wie sieht ein gutes Briefing von Kunden aus? – ein Agentur’ler schreibt // Teil 1/3

Briefingkultur Agentur: Wie sieht ein gutes Briefing von Kunden aus? – ein Agentur’ler schreibt

 

 

Was zählt ist die Story. Simpel, sinnvoll, monumental.
// Matt Circus

 

Es gibt solche und solche Briefings.

Es gibt auch solche und solche Auftraggeber.

Und es gibt auch solche und solche Agenturen.

 

 

Matt Circus aus Köln ist eine Agentur für Live-Kommunikation, die nicht nur sympathisch ist und mit Leidenschaft Ihre Arbeit macht sondern auch eine Agentur, der es wichtig ist ihre Kunden zu beraten. Erst kürzlich konnte ich gemeinsam mit ihnen die Jubiläumsparty „100 Jahre Maybelline“ realisieren.

 

Nicht nur das durchdachte und kreative Konzept auch die tolle Umsetzung überzeugten. Der Senior und Namensgeber der Agentur hat seinen Gründern mit „Matt’s Maximen“ Werte mit auf den Weg gegeben. Eines der Maxime heißt „Briefingkultur“. Der Grund warum ich Matt Circus für den Auftakt einer dreiteiligen Serie zum Thema Briefingkultur ausgewählt habe.

 

 

Hier Matt’s Antwort auf meine Frage: Wie sieht ein gutes Briefing von Kunden aus?

 

 

I. Briefingkultur.

 

„Briefings kommen nicht einfach so vorbei. Und erfolgreiche Lösungen schon gar nicht. Wir nerven so lange, bis wir ein Briefing haben, das den Stempel Kultur verdient. Denn Kultur heißt nichts anderes als Arbeit.“ Matt Circus‘ erste Maxime.

 

 

Maximilian Schmidt, Geschäftsführer bei Matt Circus und der „MACHER“ genannt, ergänzt dazu:

 

Matt bringt es auf den Punkt, vielleicht etwas schroff formuliert… (schmunzelt). Wir bei MATT CIRCUS denken: Eine gute Story beginnt bereits weit vor dem Event – eine gute Zusammenarbeit ebenfalls. Nämlich zum Zeitpunkt des Briefings.

 

Nur wer es schafft, bereits in der Briefingphase in einen echten Dialog mit dem Kunden zu treten, wird eine gute, packende Story erzählen können. Und die ist aus unserer Sicht die Voraussetzung für die Kreation echter, monumentaler Erlebnisse!

 

Was Matt mit „nerven“ beschreibt, meint, dass das klassische Briefingpapier oftmals hierfür nicht ausreicht. Zumindest wir wollen häufig mehr wissen als „Wer/Wie/Was/Wieviel/Warum“…

 

Und gehen dazu dann bereits in dieser Phase in einen intensiveren, beratenden Austausch.

 

Bei Kunden kommt das übrigens gut an: Sie merken, dass wir nichts aus der Schublade ziehen, kein Standardrepertoire für sie abspulen, sondern wirklich individuell kreieren und auf sie eingehen.

 

 

Wer mehr zur Briefingkultur wissen will, der kontaktiert einfach direkt MATT CIRCUS.

Mein Credo ist die Frage nach der Wirkung: Was soll NACHHER anders sein als VORHER?

So kann man recht genau die Ziele definieren und daraus Maßnahmen ableiten

 

 

In den nächsten Wochen geht es mit diesen zwei Fragestellungen weiter:

Wie sieht gute Agentur-Beratung aus? – ein Konzern-Projektleiter schreibt

Wie sieht das perfekte Technikbriefing aus? – ein technischer Planer schreibt

 

Außerdem könnten diese fünf Briefingtipps und dazu diese sechs Meinungen von Interesse sein.

Weitergehende Gedanken zum Thema Pitch hält der FAMAB Verband hier bereit: 7 Regeln für einen fairen Pitch

 

 

FrageWie sieht aus deiner Sicht ein gutes Briefing von Kunden im Bereich Live-Kommunikation aus? Welche Rückfragen stellst du, wenn das Briefing noch unschlüssig ist? Was gehört unbedingt ins Briefing rein? Ich freue mich über Deine Antwort zur Briefingkultur Agentur auf FacebookTwitter oder LinkedIn!

 

Besser Präsentieren // Teil 4: Rhetorik

Nicht im Regen stehen, sondern mit Argumenten überzeugen… // Teil 4 von Martin Kloss: Rhetorik

 

 

Heute der vierte Teil der Serie “Besser Präsentieren” mit Analysen, Hintergründen und nützlichen Tipps um die eigene Präsentation vor Publikum zu verbessern (Teil 1: WIE vor WAS // 2: Körpersprache // 3: Atmung & Stimme).

 

 

Rhetorik: Mein Gegenüber durch Argumente überzeugen!

 

Wie kann ich mit rhetorischen Mitteln meine Inhalte besser vermitteln?
Welche Rolle spielt Rhetorik im Gesamtkontext meiner Präsentation?

 

1. Weniger ist mehr
2. Pausen machen den Rhythmus

 

 

Was ist Rhetorik?

 

Als “Kunst der Rede” stellt die Rhetorik die Mittel bereit Ihre Zuhörer verbal von Ihren Aussagen zu überzeugen. Sie wird auch die “Wissenschaft vom wirksamen Reden” genannt und stellt ein Transportmittel für die zu vermittelnden Inhalte dar.

 

Ob dieses Transportmittel ein schicker, schneller und effizienter Sportwagen oder ein alter, rostiger und stinkender Lastwagen ist, liegt an Ihnen und wie Sie die Werkzeuge der Rhetorik sinnvoll einsetzen.

 

Mit dem Thema Rhetorik kann man sich problemlos ein Leben lang beschäftigen, daher geht es in diesem Artikel nur um ein paar einfache grundlegende Dinge, die Ihnen bei Ihrer Präsentation helfen sollen das Transportmittel Rhetorik besser zu nutzen.

 

 

Weniger ist mehr

 

Im Englischen gibt es das sogenannte KISS-Prinzip: “Keep It Simple, Stupid”. Das ist ein einfacher und guter Merksatz, denn er beschreibt das Prinzip, das als oberste Regel für eine Rede oder Präsentation gelten sollte: “halte es so einfach wie möglich”.

 

Einige Menschen meinen, durch die Verwendung möglichst komplizierter Fremdworte oder Anglizismen würden sie ihr Wissen, ihre Kompetenz und ihren Status dem Zuhörer gegenüber deutlich machen. Das Gegenteil ist der Fall. Denn je weniger ich als Zuhörer verstehe, desto weniger höre ich zu. Positiv formuliert: je einfacher das Gesagte ist, desto aufmerksamer ist mein Zuhörer.

 

Selbstverständlich lassen sich nicht immer alle Fremdworte oder Anglizismen vermeiden, teilweise weil es keinen deutschen Ausdruck dafür gibt oder weil es ein feststehender Fachbegriff ist. Aber es reicht schon sich beim Schreiben einer Rede oder auch beim freien Sprechen darauf zu konzentrieren einfache Worte zu wählen.

 

“Unser Forecast setzt eine Benchmark im Segment der Channel Distribution” ist ein beispielsweise Satz über den ein Zuhörer so lange nachdenken muss, dass die darauffolgenden Sätze gar nicht gehört werden.

 

Das gleiche gilt für die Satzlänge. Schriftdeutsch zu sprechen, ist sehr schwierig für den Sprecher und noch schwieriger für den Zuhörer. Versuchen Sie Ihre Sätze mit maximal 12-15 Worten zu bilden, ohne Nebensätze und gesprochene Klammern. Das macht es Ihnen beim Sprechen und Ihren Zuhörern beim Verarbeiten der Inhalte leichter.

 

 

Positiv bleiben


In vielen Fällen verwenden wir unbewusst eine Negation um etwas Positives auszudrücken. Zum Beispiel “meine Präsentation wird nicht lange dauern”, anstatt positiv “meine Präsentation wird kurz sein”.

 

Das Problem dabei ist, unser Hirn kennt keine Negation. Wenn ich das klassische Beispiel nenne “bitte denken Sie jetzt NICHT an einen rosa Elefanten”, können Sie nichts dagegen tun, dass Sie vor Ihrem geistigen Auge einen rosa Elefanten sehen.

 

Das liegt daran wie unser Hirn Sprache verarbeitet. Die Worte werden alle wahrgenommen und erst im Nachhinein in den Gesamtkontext und damit ihre Bedeutung eingeordnet. Dazu kommen Dinge wie Prosodie und Parasprache (vgl. Teil 3: Atmung & Stimme), die dann im Zusammenspiel die Bedeutung des Gehörten ergeben.

 

Eine Aufforderung etwas NICHT zu tun, hat deswegen zur Folge, dass gerade das Bild dessen was NICHT getan werden soll im Kopf entsteht.

 

Dieses Prinzip kann auch umgekehrt werden um schlechte Nachrichten zu schönen. Wenn bei Aktiengesellschaften von einer “Gewinnwarnung” gesprochen wird, bleibt im Hirn der positive Begriff “Gewinn” hängen, während die eigentliche Nachricht einen Verlust meint.

 

Achten Sie mal darauf wie oft Sie im Alltag die Negativ-Form verwenden und versuchen Sie das gleiche noch einmal positiv auszudrücken. Wählen Sie bewusst die Worte und vor allem Bilder, die bei Ihren Zuhörern hängen bleiben sollen.

 

 

Pausen machen den Rhythmus

 

Jeder Musiker weiß, Pausen machen den Rhythmus. Der Rhythmus entsteht nicht durch den Moment in dem eine Saite gezupft oder eine Trommel geschlagen wird, sondern die genau gesetzte Pause zwischen den Tönen macht den Groove.

 

Das liegt daran, dass wir in einer Pause das gerade gehörte erstmal verarbeiten müssen und dann im besten Fall gespannt auf den nächsten Ton bzw. das nächste Wort warten. Einen Witz ohne die akzentuierte Pause vor der Pointe zu erzählen, ruiniert den ganzen Witz.

 

Machen Sie daher Pausen beim Sprechen, lieber mehrere als wenige. Mit Pausen erhöhen Sie den Spannungsbogen, setzten gezielt einen Punkt oder ein Ausrufezeichen hinter das gerade gesagte und ermöglichen dem Zuhörer darüber nachzudenken.

 

Die gefühlte Länge einer Pause ist dabei immer sehr viel kürzer als die tatsächliche. Probieren Sie es am besten einmal aus, indem Sie sich aufnehmen und die subjektiv wahrgenommene Pausenzeit beim Sprechen mit der beim Hören vergleichen.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Achten Sie schon beim Schreiben bei Ihrer Rede oder Präsentation darauf einfache und positive Formulierungen zu verwenden. Üben Sie Ihre Präsentation langsam, mit bewusst gesetzten Pausen zu sprechen. Nehmen Sie sich gegebenenfalls beim Üben auf Audio oder Video auf, um ein Gespür für das Tempo und die Pausenlänge zu bekommen.

 

 

Fazit: Rhetorik hilft jeder Präsentation

 

Einfache Mittel der Rhetorik können die Vorbereitung und Ausführung Ihrer Präsentation maßgeblich verbessern.
Merken Sie sich: Weniger ist mehr. Einfache und positive Worte, kurze Sätze. Langsames Sprechen und Mut zur Pause. Dann macht es Ihnen und auch Ihren Zuhörern mehr Spaß und die Inhalte kommen an.

 

 

Im fünften und vorerst letzten Teil dieser Serie geht es um das Thema Spiegelung und was Hirnforschung mit dem Thema Präsentieren zu tun hat.

 

 

Martin Kloss Besser PräsentierenMartin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zweisprachiger (Deutsch / Englisch) Schauspieler, Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Darüber hinaus hilft er Unternehmen als Schauspiel- und Business Coach, schult Redner und Vortragende und bietet Workshops zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com

 

Ein Loblied auf die Eventbranche & warum ich meinen Job liebe…

Eventbranche: warum ich meinen Job liebe… // Eventregisseur Chris Cuhls   (Foto: Helge Thomas)

 

 

Nach meiner Kritik an der Eventbranche möchte ich es nicht missen, ein Loblied auf dieselbe zu texten. Denn:

 

 

Die Eventbranche hat es wirklich verdient!

Wir sind keine besseren Kindergeburtstagsmanager.

 

 

Anders als von Spiegel Online in dem Artikel „Viel Stress, wenig Geld“ suggeriert, sind die Macher von Events eben keine gelernten Abiball- oder Gartenfest-Organisatoren (um ehrlich zu sein, der Artikel riecht nach Native Advertising einiger privater Hochschulen).

 

Um wirkungsvolle Events auf die Bühne zu bringen, braucht es hochspezialisierte Profis. Diese sind nach außen nur oft nicht sichtbar. Das Märchen vom alles könnenden Eventmanager existiert nicht in der Realität. Die Eventbranche ist längst wesentlich komplexer. Folgend ein subjektiver Überblick, wer alles bei Events mitwirkt und was die Eventmacher dabei leisten.

 

 

Was Gestalter in der Eventbranche alles leisten…

 

Senior-Projektmanager wie Norbert Gaffron (OSK) sorgen für timinggenaue Taktung von hochkomplexen Projektabläufen sowie für gutes Teamwork einer Armada von Dienstleistern und Spezialisten…
Eventkonzeptioner wie Jörg Sellerbeck kreieren Konzepte, die Inhalte wie Botschaften verständlich und wirkungsvoll auf den Punkt bringen…
Show-Inszenierer wie Medienkünstler Andree Verleger entwickeln bombastische Shows für Marken und deren Produkte…
Architekten wie Mirco Schwung und Szenografen wie Eno Henze verwandeln Räume für kurze Zeit in komplett neue Erlebniswelten…
 Planungsbüros wie Guido Leiting & Team (adhoc4acp) planen die technische Umsetzung und Technikverleiher kümmern sich um eine exzellente Realisation vor Ort…
Lichtdesigner wie Nik Evers verzaubern kalte, unschöne Räume in Wohlfühl-Oasen mit Ambiente und setzen Shows effektvoll in Szene…
Musikproduzenten wie Marvin Glöckner komponieren eigens Musiken, die die gewünschten Emotionen transportieren…
Content-Produktionsfirmen wie elberfeld kreation erstellen Medien, die visuell Botschaften vermitteln – ob Filme oder PPT’s…
App-Entwickler wie Thorben Grosser (eventmobi) vereinfachen die Vor-Ort Kommunikation mit Teilnehmern und sorgen für Interaktion…
Cateringfirmen wie Kirberg sorgen nicht nur für das leibliche Wohl, sondern können weitere Sinne für das Thema des Events sensibilisieren…
Live-Übertragungen wie von Orange Media sorgen für gute Live-Videobilder und können das Geschehen für die Nachkommunikation dokumentieren…
Choreografen wie Nadine Imboden und Kostümdesigner wie André Buch setzen Akteuren und Performer auf der Bühne in das richtige Outfit und inszenieren Bewegungsabläufe…
• …und dann gibt es natürlich noch viele weitere Spezialisten in den Bereichen Teilnehmermanagement, Ton, Video, Beamer etc., Logistiker, Hostessen und und und!

 

Für jeden genannten Spezialisten gibt es weitere TOP-Kollegen, die ich nennen könnte. Nicht zu vergessen die Vielzahl von professionellen Eventagenturen. Diese helfen Unternehmen Ziele für ihre Live-kommunikation zu definieren, Botschaften wirkungsvoll zu transportieren, Shows zu entwickeln und neben erinnerbaren Momenten auch die gesamte Logistik für Events zu stammen. Chapeau!

 

Es wird ersichtlich, wie komplex, vielschichtig und diversifiziert Events mittlerweile funktionieren. Natürlich gibt es ein breites Spektrum von Anbietern mit sehr unterschiedlichem Qualitätsanspruch, Kompetenzen und Erfahrungshorizonten. Aber: viele der Berufsgruppen in der Eventbranche können gar nicht klassisch erlernt werden, sondern entstehen aus bunten Lebensentwürfen von Menschen, die über mehrere Stationen nach und nach die notwendigen Qualifikation sammeln.

 

Eventbranche

Die Eventbranche lebt von Spezialisten und Teamarbeit // Teamfoto: Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, IMG

 

 

 

Warum ich meinen Job als Eventregisseur und Konzeptioner liebe

 

 

Love what you do and do what you love. Don’t listen to anyone else who tells you not to do it. You do what you want, what you love. Imagination should be the center of your life.” ― Ray Bradbury

 

 

Um es persönlich zu machen: ich liebe meine Aufgabe als Regisseur und Konzeptioner in der Eventbranche. Gemeinsam in großartiger Teamarbeit fügen sich die Einzelrädchen bei Events zusammen und ergeben diese großartigen Momente, in denen Mensch und Marke aufeinander treffen und bleibende Eindrücke erlebt werden.

 

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind enorm. Die Vielfalt der Locations und die damit verbundenen Reisen an unterschiedlichste Orte erlauben immer wieder den Blick über den Tellerrand. Der hohe fachliche Anspruch in allen Bereichen in Deutschland ist exzeptionell (im Vergleich zu anderen Ländern) und erlaubt exzellente Arbeitsergebnisse.

 

Im Vergleich zu der Fernsehbranche, in der ich ursprünglich gelernt habe, empfinde ich Events als ehrlicher und direkter. Es geht nämlich wirklich um das Publikum vor Ort und nicht um ein manipulatives Mittel zum Zweck (Animateur: jetzt klatschen!). Besonders begeisternd wird es, wenn:

 

• …Eventmacher eine Extrameile mit dem Kunden gehen, um großartige Ideen mutig auf den Punkt zu bringen.
• …es gelingt diese Botschaften durch gekonnte Inszenierung und spannende Perspektivwechsel zu kommunizieren.
• …dadurch echte Begegnungen ermöglicht werden, in angenehmer Atmosphäre, in denen Gäste sich wohlfühlen, netzwerken und austauschen.
• …Neues entdeckt wird, tiefere Weisheiten weitergegeben und an Wissen partizipiert werden kann (ich denke da an TED).
• …die Kreuzung von Ideen & Innovation stattfindet, die Arbeit vereinfacht und Wirtschaft bzw. Gesellschaft erneuert.
• …Menschen vielleicht sogar Erlebnisse machen, die ihr Leben transformieren.
• …Interaktion mit dem Publikum, überraschende Unterhaltung und ehrliches Miteinander gelingt.

 

 

Letztlich muss ich auch sagen, dass die Kommunikations- und Problemlösungswilligkeit in Eventteams aus meiner Sicht höher ist, als innerhalb von Konzernen. So wird effizient ein Mehrwert geschaffen. Ok, das bedeutet oft viele Arbeitsstunden – aber wenn dann alles auf den Punkt kommt… Einfach herrlich!

 

 

Frage: Was macht die Eventbranche für dich aus? Was liebst du, was würdest du sofort abschaffen?

 

Kostümdesign: 5 Fragen an André Buch

Warum Kostümdesign zu wirkungsvollen Events verhilft… // Foto & Video: André Buch

 

 

1. André, was macht gutes Kostümdesign aus?

 

Mir kommt es primär auf die ausgewogene Mischung an: Erkennbarkeit der Marke im Design, Funktionalität für den Künstler, harmonisches und doch signifikantes Gesamtbild. Ich mag Klarheit in Farbe und Aussage. Klare Bilder, sind starke Bilder. Meine Stärke ist es Briefingaussagen in Entwürfe zu verpacken. Wenn es mir darüber hinaus gelingt, dass der Akteur sich in seiner Bühnenhaut wohlfühlt, bin ich zufrieden.

 

 

2. Was war das herausforderndste Event, welches du mittels Kostüm ‚verzaubert‘ hast?

 

Ein Highlight war sicherlich die Daimler-Pressekonferenz zur IAA im Jahr 2011. Eine riesige Produktion mit enorm großem Aufwand und einigen Dutzend Akteuren auf der Bühne. Spätestens seit diesem Projekt liebe ich das Einbauen von sensibler Technik im Kostüm, was mir früher oft ein rotes Tuch war. Andree Verleger führte Regie – ein wirklich brillanter Geist, wenn es um das Verschmelzen von Screen und Akteur geht. Und ein wirklich wunderbares Team. Der Zeitvorlauf und die Probenintensität waren großartig. Ich wünsche mir häufiger Produktionen, bei denen im Vorfeld mehr Zeit ist, Dinge ausführlicher zu planen und zu kreieren! Klar, Zeit ist Geld – wissen wir alle. Aber genauso wissen wir, dass mit etwas mehr Zeit in der Vorbereitung auch ein deutlich erfolgreicheres Produkt entwickelt werden kann.

 

 

 

 

3. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Kostümbildner zu realisieren?

 

Möglichst umfangreiche Informationen. Je mehr ich von einem Produkt/einer Inszenierungsidee/einer Vision weiß, desto besser kann ich Ideen dazu entwickeln. Und natürlich auf ein gutes Team, das mit Spaß & Engagement bei der Sache ist.

 

 

4. Wo lässt du dich in Sachen innovativer Mode inspirieren?

 

Also ganz ehrlich, wirklich innovative Mode ist rar. Ausnahmetalente, wie zum Beispiel Iris van Herpen, die frisch von der Hochschule im Vorbeigehen mal gerade die Branche revolutionieren, gibt’s nicht alle Tage. Ich tummle mich zwischendurch recht gerne auf Blog-Plattformen, wie tumblr und finde dort einigen Input. Schnell – international – ungefiltert. Das gefällt mir 10x besser als irgendwelche peusdo-zeitgeistigen Magazine.

 

 

5. Was war dein größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Wow – dramatische Frage; zu der mir spontan zum Glück kein Ereignis einfällt. Was hoffentlich nicht heißt, dass mir ’mein größter Fehler’ noch bevor steht. (Sie können das jetzt nicht sehen, aber ich zünde sicherheitshalber mal n Teelicht an…).

 

Ich habe bislang immer auf meine Intuition vertraut – die war mir stets ein sicherer Lotse. Egal ob personell oder inhaltlich. Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch – vielleicht hat mich das bislang vor wirklich großen Fehlern bewahrt. Ich artikuliere lieber zu früh als zu spät, wenn ich eine Sackgasse oder ein Problem sehe. Das hilft in anspruchsvolleren Situationen recht gut. Ich denke, das ist ein wichtiger Lernschritt in den ersten Berufsjahren: Wir alle wollen gute Dienstleister sein. Aber dazu gehört auch, die Agentur/den Kunden ehrlich zu beraten, welche Umsetzung Sinn macht und welche eher wenig Aussicht auf Erfolg hat.

 

 

André Buch KostümdesignAndré Buch lebt und arbeitet als freischaffender Kostümbildner in Köln. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Entwurf & Anfertigung von Kostümausstattungen für Eventshows, Automobilpräsentationen, Messeauftritte & Galas, sowie Erstellung von Kostümen aus Produkten.

 

TV-Unterhaltung: 6 Fragen an Regisseur Carsten Seibt

TV-Unterhaltung – worauf es ankommt erklärt TV-Regisseur Carsten Seibt

 

 

Carsten habe ich während meines Medienmanagement-Studiums in Mittweida (Sachsen) kennen und schätzen gelernt. Zwischenzeitlich ist er als TV-Regisseur für verschiedene Sender tätig. In Kürze startet er beispielsweise ein neues MDR-Format mit Ross Anthony. Was gute TV-Unterhaltung ausmacht, habe ich ihn gefragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an gute TV-Unterhaltung?

 

Wie bei jedem anderem Fernsehprogramm auch, muss es der Anspruch sein den Zuschauer sprichwörtlich vor dem TV zu „fesseln“ und ihm das Gefühl zu geben mitten im Geschehen zu sein. Kurzum: Zur richtigen Zeit die richtigen Bilder liefern, die zur Dramaturgie der Show passen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es sich um eine Musik-, Game- oder Talkshow handelt. Als Regisseur beginnt alles damit, dass man sich sehr gut auf das was passiert und noch wichtiger – auf dass was passieren könnte – vorbereitet, sich mit Redaktion und Autoren abstimmt und das ganze Team dabei mitnimmt. Auch wenn der Großteil der Shows durchgescriptet ist, bleiben immer noch genügend Dinge offen, auf die man vorbereitet sein muss. Gerade bei Live-Shows ist das spannend, weil die ungeplanten Momente oft die stärksten sind und die emotionalsten Bilder liefern.

 

 

2. Dein Prinzip lautet „Emotion & Reaktion“ – wie können Event’ler dieses für sich nutzbar machen?

 

In jeder Show passieren zahlreiche Dinge, auf die wiederum andere an der Show Beteiligte reagieren. Ein begeistertes Publikum, ein schadenfroher Quizshow-Partner, ein Talkshowgast der sein Gesicht verzieht oder ein raunendes Publikum. Diese Reaktionen sind immer mit Emotionen verbunden, welche bildlich eingefangen werden müssen. Die Herausforderungen, gerade bei Live-Shows, sind nicht nur das Offensichtliche zu zeigen, sondern zu schauen ob es vielleicht „Nebenschauplätze“ gibt, an denen Dinge passieren, die wir so nicht mitbekommen hätten und trotzdem interessant sind. Ein Beispiel: Eine Mutter trifft in einer Show ihren Sohn wieder, nachdem Sie 10 Jahre keinen Kontakt zu ihm hatte. Offensichtlich ist, dass beide zu Tränen gerührt sind, sich um den Hals fallen – die Emotionen werden durch die passende Musik noch verstärkt. Zunächst nicht offensichtlich ist, dass in der 3. Reihe im Publikum die Schwester der Mutter sitzt und mit den Tränen kämpft – das sollte auch gezeigt werden! Am Ende geht es immer darum den Zuschauer so lange wie möglich vor dem Schirm zu halten und dafür geben alle im Team ihr Bestes.

 

Für Off-Air Events gilt sicher das Gleiche, nur dass man das Hauptaugenmerk auf den Kunden bzw. Zuschauer im Saal legen muss. Eine der Fragen an den Kunden sollte sein, welche Emotionen beim Publikum geweckt werden sollen. Welche Reaktion sind vom Publikum darauf zu erwarten und wie kann man diese wieder in die Veranstaltungskonzeption mit einbinden, so dass das Publikum nicht nur Publikum ist, sondern ein Teil der Show.

 

 

3. Was war das herausforderndste bzw. bedeutsamste TV-Projekt, welches du als Regisseur realisiert hast?

 

Eines der größten Herausforderungen jedes Jahr ist der Semperopernball in Dresden (3sat/mdr). Ich bin dort als Regisseur für das On- und Off Air Programm auf dem Theaterplatz (Openairball) zuständig. Wir arbeiten dort mit zwei kompletten Teams (Theaterplatz/Semperoper) und sind dort aufgrund der großen Programmflächen (OffAir, Countdown, Show, Aftershow) fast sechs Stunden am Stück im Einsatz. Ziel der Veranstaltung ist es das „Ballgefühl“ aus der Oper zu den 10.000 Zuschauern auf dem Theaterplatz zu transportieren. Dazu gibt es einige Aktionen und Showeinlagen während des Balls. Diese müssen mit der Show in der Oper synchronisiert werden. Die Wetterlage im Januar stellt oftmals noch eine zusätzliche Herausforderung dar. Die Bilder von 5.000 Tanzpaaren sind dann immer wieder beeindruckend.

 

 

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als TV-Regisseur zu realisieren?

 

1. Das wichtigste ist dass das Team funktioniert, ich lege viel Wert auf eine harmonische Stimmung am Set.

2. Auf ein gutes Skript der Autoren bzw. Redaktion, ich versuche frühzeitige mit den Autoren ins Gespräch zu kommen und nicht erst wenn das Buch fertig ist.

 

 

5. Wo lässt du dich in Sachen (innovativer) TV-Unterhaltung inspirieren?

 

Es gibt eine große Bandbreite von Unterhaltungsformaten – innovativ, traditionell, im TV und im Netz. Auch gut konzipierte Off-Air Shows und Musicals haben oft einiges zu bieten. Diese schau ich mir gern an und entdecke manchmal auch Elemente, welche mich inspirieren – technischer oder konzeptioneller Art. Gern schau ich mir auch neue Technologien an die auf den Markt gebracht werden und überlege wie ich sie evtl. nutzen kann. Im Moment steckt viel Potential in der Symbiose von traditionellen Live-TV-Inhalten zusammen mit Echtzeit-Elementen des World Wide Web. Dort gab es in letzter Zeit schon einige Versuche, doch benötigen die Sender hier noch mehr Mut zum Experimentieren.

 

 

6. Was war dein größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Einen „größten Fehler“ kann ich so gar nicht benennen. Aber natürlich – nur wer nichts macht, macht keine Fehler. Es gibt immer wieder mal Dinge die nicht so laufen wie sie sollten. Im Idealfall kann man sie vorher abbiegen, oder sie ziehen keine größeren Folgen nach sich. Wichtig ist nur daraus zu lernen, sofort die Konsequenzen zu ziehen und mit dem Team darüber zu sprechen, so dass die gleichen Fehler nicht zweimal passieren.

 

 

TV-Unterhaltung Carsten Seibt: Emotion & ReaktionCarsten Seibt arbeitet seit 2006 als freier Regisseur für Fernsehproduktionen (u.a. ARD, MDR, 3sat, SRF) und lebt in Leipzig. Schwerpunkt bilden dabei Live-, Show- und Eventproduktionen. Vor seiner Tätigkeit als Regisseur war er in unterschiedlichen Funktionen innerhalb des Produktionsprozesses tätig. Außerdem ist er Dozent für Fernsehproduktion an der Hochschule Mittweida – University Of Applied Sciences. Weitere Infos: www.carstenseibt.de

 

Digitales Konzerterlebnis: 6 Fragen an Robert Gummlich

Digitales Konzerterlebnis: Robert Gummlich zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker

 

 

Den Bildregisseur Robert Gummlich habe ich bereits vor zehn Jahren in Köln kennen gelernt. Uns verbindet neben gemeinsam umgesetzten Medienproduktionen auch die Begeisterung für Live-Musik und ein ähnlicher Anspruch an Arbeitsweisen – fachlich wie menschlich. In den letzten Jahren hat Robert maßgeblich die Live-Übertragung von Konzertmitschnitten der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Digital Concert Hall mitentwickelt (Hintergründe und Informationen zur DCH unterhalb). Zu seinen Erfahrungen und Selbstverständnis als Bildregisseur habe ich ihn befragt:

 

 

1. Was ist dein Anspruch an eine gelungenes digitales Konzerterlebnis?

 

Klar ist: Ein persönliches Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Es ist wie beim Kochen: Es selbst zu tun, die Dinge zu berühren und fühlen, zu riechen und schmecken und die gesamte Atmosphäre synästhetisch zu empfinden kann einfach niemals das Gleiche sein wie den gleichen Prozess im Fernsehen zu sehen und zu hören. Die Live-Übertragung, egal ob im Fernsehen oder im Internet, ist dennoch die zweitbeste Möglichkeit, an einem Live-Event teilzuhaben, wenn ich nicht selbst vor Ort sein kann (z.B. weil es zu teuer oder ausverkauft ist, meine Mobilität aus Altersgründen vielleicht eingeschränkt ist oder das Event auf einem anderen Kontinent stattfindet). Mein Ziel für ein digitales Konzerterlebnis ist also, dieses Erleben aus der Beobachter*innenperspektive mit den mir verfügbaren fernsehtechnischen Mitteln so intensiv wie möglich zu gestalten. Und dabei die Inhalte, sprich meine Künstler*innen und die sie umgebenden Räume, möglichst optimal zu präsentieren.

 

Als Beispiel möchte ich kurz beschreiben, wie meine liebste Kritik nach einer Übertragung klingen könnte: „Der Dirigent ist ja unglaublich intensiv gewesen heute, aber als der Hornist sich verspielt hat, hat er kurz ganz schön böse geschaut. Und die junge Sopranistin hat ja sogar in den höchsten Tönen noch ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, als sei da nichts dabei. Ich hatte echte Gänsehaut. Und als sie sich dann verbeugt hat und gelacht hat zum Orchester, da war sie wieder so wunderbar natürlich und gelöst, wie ein junges Mädchen. Vorher wirkte sie so ernsthaft und ganz erwachsen.“
Kein Wort davon beschreibt unsere Kamera- oder Regiearbeit, die Einstellungsgrößen, Schnittfrequenzen, Kranfahrten oder sonstige technische Hintergründe unserer Arbeit. Die Zuschauenden waren im Flow des Events, gefesselt von der Intensität der künstlerischen Leistung auf der Bühne, sogar vor dem Bildschirm. Fast so, als säßen sie selbst im Saal. Das ist das erklärte Ziel meiner Arbeit: Meine Künstler*innen und ihre Leistungen so gut aussehen zu lassen, wie es mir möglich ist. Die Basis dafür ist mein tiefer Respekt vor ihrer Leistung und den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für unsere Arbeit.

 

Noch eine kurze Anekdote zu Zuschauenden, wie ich sie mir wünsche: Bei meiner Arbeit an der Wiener Staatsoper, wo ich im vergangenen Jahr das Streaming-Team aufbauen durfte, ist uns ein ganz besonderer Zuschauer begegnet. Dieser Herr sieht sich nicht nur im Rahmen seines Jahres-Abonnements regelmäßig Opern in der Wiener Staatsoper an (in der Mitte des Parketts auf einem wirklich ausgezeichneten Platz). Er schaut sich regelmäßig ein paar Tage später die gleichen Opern noch einmal im Live-Stream an (wir übertragen dort in der Regel die 3. Vorstellung einer Serie), weil er die Qualität der Tonmischung und die Naheinstellungen und Bildführung der Regie genießt. Offensichtlich gelingt es uns, sein Erleben der Oper mit unseren Übertragungen noch zu intensivieren! Und dieser Herr ist bereit, für dieses Erleben seinen Beitrag zu bezahlen, weil er etwas erhält, was ihm das Fernsehen nie bieten kann.

 

 

2. Worin liegt die Herausforderung am Live-Stream?

 

Die meisten Livestreamings haben kleine Budgets, die nicht mit Fernsehbudgets vergleichbar sind. Dennoch werden die Ergebnisse unserer Übertragung mit professionellen Fernsehproduktionen verglichen. Denn diese haben die Seherfahrung unsere Zuschauenden über Jahrzehnte geprägt. Die Herausforderung besteht also darin, mit einem vergleichsweise kleinen Kernteam (5 – 8 Personen beim Streaming im Vergleich zu 30 – 45 Personen bei der Fernsehübertragung) und reduziertem technischen Aufwand ein vergleichbar intensives Erlebnis zu gestalten. Das erfordert natürlich eine Anpassung unseres gelernten Fernsehhandwerks.

 

Was uns dabei hilft ist die Einbettung der Streaming-Abteilung in die entsprechenden Häuser: Wir sind in Berlin ebenso wie in Wien eine eigene Abteilung und kommen nicht als Fremde zu den Musiker*innen. Weil wir die Abläufe besser verstehen als Menschen, die nur einmal im Jahr in einem Konzertsaal arbeiten, können wir besser Rücksicht nehmen auf die Notwendigkeiten der künstlerischen Abläufe. Und wir werden als Verbündete der Musiker*innen wahrgenommen, wir haben im besten Fall ihr Vertrauen. Denn eines muss man sich klar machen: Jede*r weiß im 21. Jahrhundert aus ungezählten Youtube-Clips, wie schnell man vor der Kamera schlecht aussehen kann, wie gnadenlos genau die Kameras heute hinschauen und hinhören. Das schafft große Unsicherheiten, auch wenn sie nur unterschwellig sind und selten eingestanden werden. Und da wir es mit Künstler*innen der absoluten Weltspitze in einer intensiven Konkurrenzsituation zu tun haben, reichen manchmal schon kleine Nuancen oder Ablenkungen, um die Einmaligkeit und damit schlimmstenfalls auch den Marktwert zu gefährden.

 

Umgekehrt, also positiv formuliert: Unsere Künstler*innen vertrauen uns, dass wir sie bestmöglich aussehen lassen, verstehen und schützen. Daher können sie ein klein wenig entspannter und konzentrierter ihre Leistung bringen als bei einer typischen Fernsehübertragung, die breitschultriger auftritt, die Abläufe stört und nicht im Kontakt mit den Künstler*innen und ihren Bedürfnissen steht. Und damit meine ich nicht nur die Bedürfnisse der großen Solist*innen, sondern auch die einer Tutti-Violine am 8. Pult hinten links. Ich glaube also, bei uns spielen die Künstler*innen ungestörter und daher ist das Geschehen vor der Kamera ein wenig intensiver. Da macht es nicht viel aus, wenn unsere Übertragungswerkzeuge sich den Budgets anpassen müssen. Und das schätzen auch unsere Zuschauenden, denn die bezahlen den Abo-Preis nicht für die Vorführung von neuester Showtechnik oder Kameratypen, sondern für das Erleben einer einmaligen künstlerischen Leistung.

 

 


Digital Concert Hall // Video: Berliner Philharmoniker

 

 

3. Worin liegt der Unterschied zwischen Live-Stream und Fernsehen?

 

Internetstreamings sind in meinen Augen ein Schritt hin zur Demokratisierung von medialen Inhalten, wie man sie schon länger im Journalismus (Stichwort: Blogger) wahrnehmen kann: Die gleichen Menschen, die die (künstlerischen) Inhalte herstellen, können darüber entscheiden, sie weltweit ihrem Publikum anzubieten und den Preis dafür zu bestimmen.

 

Und sie verfügen persönlich über die Verbreitungswege und -mechanismen. Sie sind nicht mehr auf die Beurteilung durch Redakteur*innen oder Produzent*innen angewiesen, die eine riesige, extrem teure Mechanik zur Verbreitung verwalten und Einfluss nehmen auf die inhaltliche Auswahl. Die Entscheidungsstrukturen der Internetstreamings sind wesentlich schlanker und schneller als bei Rundfunkanstalten. Auch werden völlig andere Zuschauerzahlen angestrebt: Das Fernsehen zielt auf ein Millionenpublikum in einem regionalen Raum, für Weltmarken wie die Berliner Philharmoniker ist schon eine Zahl um die 4000 Zuschauer weltweit bei einem Live-Event ein großer Erfolg, denn damit hat sich die Zuschauerzahl an diesem Abend verdreifacht im Verhältnis zum Saalpublikum! Und sie erreichen ein weltweites, geneigtes Publikum wesentlich leichter als der Rundfunk, für den schon ein einziges Projekt, das weltweit gesendet wird (wie eine Fußball-WM oder Olympiade) mit einem Vorlauf von mehreren Jahren Organisationsaufwand und immensen Kosten verbunden ist.

 

Möglich wird dies durch die vorhandene Infrastruktur des Internets, die eine demokratische Distribution möglich macht. Deswegen ist auch für die Verbreitung von Kultur im Internet die Netzneutralität ein höchst wertvolles Gut. Und außerdem werden Internetstreamings möglich durch schlankere, spezialisiertere Produktionsverfahren, die wir nach und nach entwickeln. Wobei hier ein bisschen die Gefahr besteht, dass die Honorare für unsere Arbeit verringert werden, weil es sich „nur“ um ein Internetstreaming handelt und im Moment sehr oft um Pilotprojekte. Das ist aber zum Glück bei meinen Auftraggebern nicht mehr der Fall, die wissen die Qualität der Bildregie auch finanziell zu schätzen. An dieser Stelle einen großen Dank dafür!

 

 

4. Worauf bist du angewiesen, um einen guten Job als Live-Regisseur zu realisieren?

 

Bevor ich die Frage beantworte, möchte ich gerne mein Verständnis meines Jobs beschreiben. Es gibt Live-Regisseur*innen, die ihre kreative Bedeutung und künstlerische Leistung innerhalb der Produktion sehr hoch bewerten und sich selbst als große Künstler*innen präsentieren und verkaufen. Das führt dann häufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen der Künstler*innen auf der Bühne. Dem möchte ich meine Auffassung meines Berufs gegenüberstellen: Ich glaube, wir üben ein hochintelligentes Handwerk aus (eine Haltung, die ich nicht selbst erfunden, sondern während meiner Assistenz-Zeit von einem in meinen Augen sehr guten Regisseur übernommen habe). Die Künstler*innen stehen bei uns VOR der Kamera, unsere Aufgabe hinter der Kamera ist es, ihre Leistung so gut wie möglich zu verstehen. Wir stehen also im Dienste unserer Künstler*innen. Als Bild dafür verwende ich in Seminaren gerne die Vorstellung von einem Übersetzer, der ein Shakespeare-Sonett ins Deutsche übersetzen soll: Reine Technik (Google-Translator) führt zu überhaupt nichts. Der Übersetzer muss zwei Sprachen in ihrer sprachlichen Tiefe und Schönheit verstehen und einsetzen können und dazu noch Shakespeares Intentionen und Witz! Dennoch ist und bleibt das Gedicht, egal ob in Deutsch oder Englisch, zu jedem Zeitpunkt ein Werk Shakespeares. Die Leistung des Übersetzers für den künstlerischen Genuss wird dadurch aber nicht abgewertet, sondern ist für die deutschsprachigen Lesenden absolut wesentlich und unersetzbar.

 

Jetzt zur Antwort, worauf ich angewiesen bin bei meinem Job. Kurz und knapp: Auf mein Team! Eigentlich gibt es dazu fast nichts mehr hinzuzufügen, so selbstverständlich sollte diese Erkenntnis sein. Denn keine*r macht eine Live-Übertragung alleine! No way, never ever! Ich beiss mir immer auf die Lippe, wenn sich jemand vor mich stellt und sagt: „ICH hab letzte Woche eine Oper übertragen / MEINEN Film auf dem Festival präsentiert“ und denke mir: Tatsächlich? Du hast alle Kabel gezogen, bist die LKWs gefahren, hast alle Kameras aufgebaut, das Licht angeschlossen, das Mikro gehalten, die Listen getippt, die Hotels gebucht, die Künstler*innen betreut, das Catering gekocht undundund…???? Respekt, Kollege, ehrlich…

 

Und gerade während einer Live-Übertragung, bei der nichts „in der Postproduktion gefixt“ wird, sondern alles auf Anhieb sitzen muss, bin ich zu 100% darauf angewiesen, dass jede*r im Team mit voller Konzentration, Leistungsbereitschaft und Begeisterung von Anfang bis Ende dabei ist. In unseren reduzierten Stream-Teams, bei denen jede*r mehrere Aufgaben übernimmt, darf es keine menschlichen oder fachlichen Fragezeichen geben, da bin ich unglaublich sensibel. Und wenn man sich in der Regieposition diese 100%ige Abhängigkeit von seinem Team bewusst macht, relativiert sich die sogenannte Machtposition der Regie sehr angenehm. Ich betrachte sie ohnehin eher als eine – zugegebenerweise zentrale – Rolle innerhalb eines notwendigen Hierarchiegefüges für einen klar begrenzten Zeitraums. Dieses Bewusstsein schützt ganz gut vor Überheblichkeit. Leider keine seltene Erscheinung in unserem Beruf…

 

Und worauf wir natürlich immer angewiesen sind: Auf die Leistung unserer Künstler*innen! Denn wenn diese nicht ihr Potenzial optimal abrufen können, können wir den besten Job der Welt gemacht haben und dennoch bleibt das Gesamtergebnis in der Mittelmäßigkeit. Egal ob wir UHD, HD, 4K, 5.1-Surround, Cinemascope oder sonstige Superlative außen drauf schreiben.

 

 

Digital Concert Hall

 

 

5. Wie hast du dich für dieses neue, einmalige Kamera-Übertragungssystem inspirieren lassen – wie kam das zu Stande?

 

Genau genommen gab es für dieses Kamera-System keine Inspiration, weil es weltweit das erste war, das so eingesetzt werden sollte. Da der Bau des ersten Studios der DCH relativ schnell erfolgen musste (aus Gründen des Sponsorings), waren wir als Regieführende in der Planung auch noch nicht involviert. Und vielleicht war das auch gut so, denn sonst hätten wir wahrscheinlich versucht, an unserem Handwerk festzuhalten. So waren wir schlicht gezwungen, umzudenken oder zu verschwinden: Wir standen vor einem fertigen System, das niemand kannte, mit dem noch niemand Erfahrungen hatte und das eine deutliche Veränderung (und auch Verabschiedung mancher Teile) unserer Arbeitsweise erforderte. Wir waren gefordert, unsere Arbeitsweise neu zu erfinden. Und zu forschen, wo die Möglichkeiten, Vorteile und Grenzen dieses Systems liegen. Immer mit den ästhetischen und qualitativen Kriterien, die wir von unseren Fernsehjobs im Kopf hatten.

 

Da hat mir der Satz meines Klavierlehrers, ein wichtiger Mentor in meinem Leben, geholfen: „Schwimmen lernt man nur im Wasser!“ Damit hat er uns immer auf die Bühne geschickt, wenn wir beim Klassen-Vorspiel Lampenfieber hatten.
Also: Augen zu, oder besser: auf! und reingesprungen. Wir hatten allerdings auch eine Vorlaufphase von einem halben Jahr vor der ersten Liveübertragung, so konnten wir alles Mögliche ausprobieren. Das war ein großer Luxus.
Gleichzeitig kommt uns die Situation auf der Bühne entgegen bei der Verschlankung von Strukturen: Letztlich wiederholen sich bei Konzertübertragungen die Einstellungen immer wieder (das ist übrigens, wenn man ehrlich ist, nicht nur im Konzertsaal so). Denn der musikalische Apparat sitzt in dieser Form schon seit Jahrhunderten auf der Bühne und spielt mit den gleichen Instrumenten die gleiche Musik. Das Faszinierende für die Liebhaber*innen dieser Musik kommt über die einzigartige, immer wieder neue und andersartige Interpretation der Musik, damit haben wir aber in unserer Arbeit weniger zu tun. Wir können also in unserem System während der Proben für jede Kamera beliebig viele unterschiedliche Einstellungen der Instrumentengruppen als Snapshots speichern und dann punktgenau (während der Livesendung im Sekundentakt) abrufen. Denn die 1. Flöte sitzt immer am gleichen Platz. Dennoch muss jede Vorstellung neu programmiert werden, denn die Orchesteraufbauten wechseln, eine Mozart-Sinfonie ist keine Wagner-Ouvertüre und verwendet andere Instrumentierungen. Und für besondere Situationen wie Solo-Konzerte oder Chöre können wir inzwischen im Ausnahmefall auch ein bis zwei Zusatzkameras mit Kameramensch im Saal positionieren, das erweitert das System sehr positiv.

 

Bei den Streamings der Opern an der Wiener Staatsoper, die seit Herbst 2013 laufen, sieht es dagegen ganz anders aus: Auf einer Opernbühne werden selbst die besten und präzisesten Akteur*innen niemals an der gleichen Stelle singen. Daher arbeiten wird dort mit zwei Operator*innen, die abwechselnd immer für die nächste Einstellung zuständig sind und beide Zugriff auf alle Kameras haben. Genau genommen haben mich die Verantwortlichen der Wiener Staatsoper nach einem Besuch in Berlin gefragt, ob ich in der Lage bin, unser Berliner Modell auf die Anforderungen der Wiener Staatsoper anzupassen und die Teams dort auszubilden. Wieder ein Sprung in tiefes, kaltes Wasser!

 

Jetzt, nach mehr als 20 Übertragungen in den letzten 12 Monaten kann ich mit Gewissheit sagen: Wir können auch Opern mit Remote-Systemen und kleinem Team anspruchsvoll übertragen, überhaupt kein Problem! Wobei sich die Gestaltung von den typischen Fernsehaufzeichnungen unterscheidet, wir haben den Schnittrhythmus beruhigt und lassen den Akteur*innen mehr Raum auf der Bühne und für ihr Spiel. Das halte ich auch für angemessener: Eine hohe Schnittfrequenz von extremen Naheinstellungen, typisch fürs Fernsehen des 21. Jahrhunderts, wie sie z.B. die Metropolitan Opera in New York weltweit auf die Kinoleinwände bringt, halte ich für ästhetisch problematisch: Eine Opernsängerin, deren Kopf auf einer Kinoleinwand mehrere Meter vergrößert singt, empfinde ich in den meisten Fällen als grotesk entstellt. Dabei geht es nicht um die Frage von richtig oder falsch, sondern immer nur darum: Was ist dem Inhalt und dem Charakter angemessen? Diese kluge und feine Unterscheidung verdanke ich einem hervorragenden Lichtsetzenden Kameramann und gutem Freund, Alexander Törzs (BVFK), der mich bei meinen Projekten regelmäßig berät und unterstützt.

 

 

6. Was war dein bisher größter Fehler und was hast du daraus gelernt?

 

Das wird jetzt eine sehr persönliche Antwort: In einer hohen Belastungssituation habe ich meine Selbstbeherrschung verloren und mich absolut im Ton gegenüber einer Produktionsleiterin vergriffen. Klar und ehrlich gesagt: Wir haben uns angeschrien.

 

Ich war der Meinung, meine Notwendigkeiten finden zu wenig Beachtung, ich empfand höchsten Druck, fühlte mich erschöpft und überfordert und ich betrachtete eine spezielle, zusätzliche Belastung als bösartige Missachtung meiner Bedürfnisse und Ignoranz meiner Arbeit gegenüber.
Ein Satz mit sehr vielen „Ichs„. Ein sehr großer Fehler. Oder gleich mehrere: Das wertvolle Verhältnis zu einer Kollegin zu belasten für eine im Nachhinein belanglose Arbeitssituation; meine Bedürfnisse in den Mittelpunkt einer Produktion zu stellen; überlastet und unüberlegt zu handeln; die Liste kann jede*r für sich vervollständigen. Ich möchte zu meiner Verteidigung sagen, dass mir so eine Situation nie wieder vorgekommen ist.

 

Am nächsten Tag habe ich mich entschuldigt. Seither versuche ich durch regelmäßige, besonders aufmerksame Kommunikation, inzwischen über 5 Jahre, das erschütterte Vertrauen wieder aufzubauen. Ich bin mir allerdings darüber im Klaren: So etwas vergisst niemand, ich auch nicht! Wir kommen heute dennoch sehr gut klar miteinander.

 

Ich habe mich später vor allem aus persönlichen Gründen mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinander gesetzt, weil die vielen Konflikte in unserem Leben so häufig durch misslingende Kommunikation entstehen. Und ich mich so oft gefragt habe, wieso Menschen, die sogar im Prinzip ähnliche Ziele und Wünsche haben, sich nicht so darüber austauschen können, dass eine Win-Win-Situation für alle entsteht. Die wertschätzend-liebevolle Gedankenwelt von Marshall Rosenberg, die eher eine Weltanschauung und weit mehr ist als eine Kommunikationsmethode, möchte ich hier unbedingt für unser Berufsfeld empfehlen. Unser Berufsalltag ist geprägt von hoher Konzentration, Anspannung und manchmal negativem Stress sowie umfangreichen, verschiedenartigen Bedürfnissen, die häufig widersprüchlich sind. Es wird viel Kritik geübt und noch viel mehr vermeintlich falsche Kritik übel genommen. In diesem Umfeld ist die wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation das Schweizer Taschenmesser der Konfliktlösung, gerade für die Regieposition. Denn mindestens die Hälfte unserer Arbeit ist Kommunikation, wenn nicht mehr.

 

 

Digitales Konzerterlebnis Bildregisseur Robert GummlichRobert Gummlich lebt in Berlin und ist als Bildregisseur für die Übertragung von klassischer Musik, Oper und Theater europaweit unterwegs. Er betreut drei von vier der wichtigsten Streamingprojekte im deutschsprachigen Raum: Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, die WienerStaatoperLive der Wiener Staatsoper, sowie Philharmonie.TV der Kölner Philharmonie. Und neuerdings auch das Nachwuchsprojekt HomeSymphony der Mannheimer Philharmoniker. Basis seiner Tätigkeit ist die eigene künstlerische Ausbildung (Gitarre, Klavier, Querflöte, Chorgesang und Tanz) sowie das auf dieser Ausbildung basierende Studium der Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, das neben den gestalterischen Kompetenzen auch umfangreiche technische Grundlagen vermittelt. Vor dem Schritt zur Regie arbeitete er als Regieassistent für fast alle Kultursender Deutschlands bei den maßgeblichen Klassikübertragungen des deutschen Fernsehens.
Außerdem unterrichtet er sein Handwerk an verschiedenen Institutionen (Düsseldorf, Hannover, Wien). Und profitiert täglich bei seiner Arbeit davon, dass er auch schon als Küchenjunge, Fahrradkurier, Fabrikpacker und LKW-Fahrer gearbeitet hat.

 

 

Hintergrund: Was ist die Digital Concert Hall?

 

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur ein weltweit führendes Orchester, sondern legen schon immer größten Wert darauf, technische Neuerungen nutzbringend für das Orchester einzusetzen und auch in diesem Bereich eine Spitzenposition einzunehmen. So war Herbert von Karajan Ende der 1970er an der Entwicklung der CD beteiligt. Und Karajan war es auch, der bereits in den 1950ern, beim Bau der Berliner Philharmonie, weltweit bekannt für ihre ausgewogene Akustik, Kamerapositionen im ersten architektonischen Konzept der Philharmonie vorbereiten ließ, weil er ahnte, dass die Bildübertragung für Konzerte wichtig werden würde. Außerdem hat er mit dem ZDF berühmte Konzertadaptionen im Studio verfilmt, die für unseren Berufszweig noch immer ästhetisch maßgeblich sind.
Durch die starke Veränderung der Medienlandschaft und den Rückzug der Fernsehsender und Musikproduktionsfirmen aus den klassischen Konzertsälen entstand um die Jahrtausendwende eine Lücke, die es zu füllen galt. Denn die Berliner Philharmoniker haben nicht nur ein treues Publikum in Berlin, das für einen regelmäßig ausverkauften Konzertsaal sorgt, sondern auch eine weltweite Fangemeinde, die sich um die wenigen Plätzen bei den Tourneen durch Asien oder Amerika drängelt. Es lag also nahe, mit dem Aufkommen von Internetstreamings, diese im Sinne des Orchesters zu nutzen und die Internetplattform Digital Concert Hall (DCH) zu entwickeln.

 

Die DCH ist die weltweit erste Internetplattform, auf der registrierte Nutzer*innen seit der Saison 2008/2009 im Rahmen eines Bezahl-Abonnements Zugang erhalten zu den HD-Live-Übertragungen aller Konzerte, die die Philharmoniker in der Berliner Philharmonie spielen. Im Anschluss an die Liveübertragungen können diese Konzerte unbegrenzt im Archiv angesehen und angehört werden. Abgerundet wird das Angebot durch Künstler*innengespräche, Hintergrundberichte, kostenfreie Streamings von Education-Projekten (auch bei den Zuhörenden muss es Nachwuchsförderung geben!) und durch ausgewähltes historisches Material. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Aufzeichnung des Konzerts, das die Berliner Philharmoniker unter Barenboim 1989 zum Mauerfall spontan organisierten. Nach inzwischen sechs Spielzeiten enthält das Archiv mehr als 180 Konzertmitschnitte in HD auf musikalisch höchstem Niveau, ein Archiv, das so weltweit einzigartig ist. Es ist das digitale Vermächtnis der Berliner Philharmoniker.

 

Auch bei der verwendeten Technik ist die DCH einzigartig: Es kommt ein System von 7 Remote-Kameras zum Einsatz, die über ein speichergestütztes System von einem einzigen Kamera-Operator geführt werden. Der wichtigste Grund dafür war, dass auf der Bühne kein Kamerapersonal arbeiten sollte, das die Aufmerksamkeit der Musiker*innen durch ihre Anwesenheit beeinträchtigt oder die Audioqualität durch unabsichtliche Geräusch stört. Gleiches gilt für das Saalpublikum, dessen musikalisches Erlebnis absolut nicht beeinträchtigt werden darf durch unsere Arbeit.

 

Die DCH wendet sich an ein weltweites Publikum im reiferen Alter (im Vergleich zu Fernsehsendern mit der typischen „19 – 49“ Zielgruppe) und hohem kulturellem Bildungsstand. Denn dieses Publikum, das auch bereit ist, für eine einzelne Konzertkarte 100 € und mehr zu investieren, hat ein Bewusstsein für die angebotene Qualität. Und die Bereitschaft und Wertschätzung, für ein Jahresabonnement mit unbegrenztem Zugang zum Archiv 150 € zu bezahlen. Außerdem ist es nicht das typische Publikum, das sich Inhalte kostenfrei und halblegal aus dem Internet „saugt“. Wir haben es also mit Liebhaber*innen klassischer Musik zu tun, außerdem mit Profimusiker*innen weltweit, die sich durch die Arbeit der Dirigent*innen und Musiker*innen auf der Bühne inspirieren und weiterbilden lassen. Und nicht zuletzt – wichtig für die Akzeptanz unserer Arbeit innerhalb des Orchesters – mit den Freund*innen und Familien der Orchestermusiker*innen, denn dieses Orchester vereint mehr als 50 Nationen auf der Bühne und hat seine Wurzeln in der ganzen Welt.

 

Es ist noch anzumerken, dass die DCH im Jahr 2008 die erste Plattform weltweit war (auch vor allen Fernsehsendern!), die regelmäßig hochwertige Inhalte in HD zur Verfügung stellte, lange bevor HD Standard wurde. Und heute diskutieren viele Orchester, die von der DCH angeregt wurden, „The Berlin Model“, das weltweit Maßstäbe gesetzt hat im Sinne der medialen Selbstvermarktung von künstlerischen Inhalten.

 

Event-Konzeption: 5 Fragen an Jens Heinrich

Event-Konzeption: Speaking Cars beim Autosalon Genf // Quelle: Concept Pilots

 

 

1) Warum ist die Konzeption von Events bedeutsam? Was ist Dein Anspruch an gute Event-Konzeption?

 

Ein Event ohne Konzeption ist nur eine Ansammlung von Maßnahmen. Zum „Konzept“ wird dann ein Motto erklärt wie „Together to the top“, die Teilnehmer haben auf der Party auch Mordsspaß, aber keiner empfindet zwei Wochen später etwas als anders oder hat eine Botschaft verstanden. Ich unterstelle, dass es in diesen Fällen keine klare Meinung oder kein echtes Interesse des Auftraggebers hinsichtlich Marke, Produkt, Botschaft und Teilnehmern gibt. Oder eine Konzeption wird Zeitdruck, mangelndem Budget, schlechter Kundenkommunikation – oder schlicht der Bequemlichkeit geopfert.

 

Konzeptideen sind idealerweise immer einfach. Sie könnten z.B. „Connect!“ heißen, oder „Individualität“. Die Arbeit der Konzeption und des Kunden ist dann, das zu beleben und auf allen Ebenen durchzudeklinieren: Wie erlebe ich das in Motto, Bühnenbild, Licht, Musik, Geschichte, Essen, Party? Und was bietet auch der Auftraggeber selbst an, um die Idee mit Leben zu füllen? Was fällt den Teilnehmern zwei Jahre später noch dazu ein?

 

Es wird meist vom roten Faden gesprochen. Ich meine, es geht vor allem um intelligente Wege einer Dramaturgie; um das Gespür, den Einzelnen mit seinen Wünschen, Vorbehalten, Gefühlen, Fragen und Skepsis abzuholen; es geht um das Brechen von Konventionen – im Film spricht man gerne von „Twists“ – darum, die Erwartungen zu brechen, das Erleben zu verstärken. Damit beginnt für mich das anspruchsvolle Konzept, die Live-Kommunikation.

 

Oft münden Konzeptionen in eine Buzzword-Kaskade: Key-Visual, Setdesign, Guestspeaker, Keynotes, Storytelling, Votings, Reveals, Commitments, Showacts, Flying Buffets, Social-Media-Anbindung, Event-Apps, Follow-up, ganz viel „außergewöhnliche…“ – am Ende sind es dann Vertical Pole Artists in fahrdynamischen Reveals auf Drehscheiben unter 3D-gemappten Watchout-Ventuz-360°-Panoramen mit Twitterwall – einfach weil das alles geht, weil der CEO so etwas schon mal woanders gesehen hat oder weil es im Pitch knallen muss. Das wird auch wirken, aber oft ist es das „Höher, schneller, weiter“, sind es nur immer weiter gesteigerte Technologien. Toll finde ich es dann, wenn dadurch eine echte zugrunde liegende Idee „dramatisiert“, also dramaturgisch verstärkt wird. Eventuell ist das aber ein gar nicht so technischer Effekt.

 

Manchmal, in bestimmten Momenten, spüren dann alle Beteiligten: Wow, DAS wird ein Konzept! Das Konzept macht aus den alten Einzelnummern einer Manege die Story eines Cirque du soleil. Das gelingt nicht immer und oft nur in einer idealen Konstellation von Verantwortlichen und Partnern. Aber dann macht es Events bedeutsam.

 

 

2) Was war das herausforderndste bzw. bedeutsamste Event, welches Du als Konzeptioner realisiert hast?

 

Auch wenn es 14 Jahre her ist – der damalige Volkswagen-Auftritt auf dem Automobilsalon Genf (Agentur: Vok Dams) bleibt meine persönliche „Benchmark“. Obwohl man in Genf nur wenig Möglichkeiten hat, sollten wir eine sehr emotionale Inszenierung aller Produkte entwickeln – ohne große Bauten und Platzbedarf, ohne laute Aktionen, ohne Tänzer und Akteure. Ergebnis waren die „Speaking cars“: Außerhalb der Messehalle waren Schauspieler in Studiocontainern platziert und sprachen in der Rolle des Fahrzeugs die völlig verblüfften Besucher über die Soundanlage in den äußerlich unveränderten Autos an. Über versteckt angebrachte Mikrofone und Kameras verfolgten sie die Reaktion der Besucher, spielten individuelle Lieblingsmusiken und Geräuschwelten ein und traten mit den Besuchern in den Dialog über ihre Features und Vorteile. Überall stiegen lachend Leute aus und wieder ein, alle waren happy und begeistert. Das war so einfach, so wirkungsvoll, so erinnerbar – das ist für mich bis heute mein Beispiel für ideale Live-Kommunikation aus dem Herzen einer Marke heraus.

 

 

3) Worauf bist Du angewiesen, um einen guten Job als Konzeptioner zu realisieren?

 

Ich wünsche mir immer eine möglichst ideale Konstellation von Menschen. So entsteht bei mir am schnellsten der Mut, Dinge zu riskieren und 100 Prozent zu wollen. Wenn alle am Tisch Idee und Botschaft gleich verstehen und jeder sich bemüht, interdisziplinär zu denken, dann ist sogar ein schwaches Briefing zweitrangig.

 

 

4) Wo lässt Du Dich in Sachen innovativer Konzepte und Formate inspirieren?

 

Gerne in Berichten über Projekte aus anderen oder verwandten Disziplinen (Theater, Film, Making of‘s, Grafik und Design). Und – Achtung: Klischee – komischerweise habe ich wirklich oft unter der Dusche sehr klare Momente, in denen sich einfache und klare Ideen entfalten. Häufig ist es bei mir auch erste spontane und intuitive Idee auf der Rückfahrt vom Briefing, die sich nachher als richtig erweist.

 

 

5) Was war Dein bisher größter Fehler und was hast Du daraus gelernt?

 

Ich neige dazu, mir jeden Schuh erst mal selbst anzuziehen. Man tappt unter dem Leitbild von „Engagement und Verantwortung“ in Fallen, die Stress, schlechte Gefühle, Mehrarbeit verursachen. Ich bin ein guter Teamplayer, aber damit frustriert man Kollegen, weil sie nicht wissen, wo und wie sie entlasten sollen, und andere nutzen es aus, indem sie selbst weniger leisten.

 

Am Anfang meiner Selbständigkeit hat mich ein Kunde zusammengeschrien, weil die Generalprobe zum Chaos geriet. Als Konzeptioner hatte ich damit nichts zu tun, war aber komplett geknickt.

 

Auf einer Messe vor vielen Jahren lag ich schwer grippekrank im Hotelbett, meinte aber trotzdem alles weitersteuern zu müssen. Nach erfolgreichem Projekt erklärte mir der Kunde, dass das der einzige Augenblick war, bei dem er mich nicht als professionell empfand.

 

Es ist gut, die Grenzen der eigenen Rolle zu kennen, sich ergänzen lassen zu können und sich nicht für alles persönlich aufzuopfern. Ich arbeite daran…

 

 

Event-Konzeption Jens Heinrich Concept PilotsJens Heinrich (*1970) bezeichnet sich selbst als „interdisziplinär geprägter Kreativberater mit einer Ahnung von Vielem und Interesse an allem“. Fotografenausbildung, freier Theaterarbeit und Medientechnik-Studium folgten kreative, organisierende und produzierende Positionen bei Agenturen und als Freelancer – mit dem Anspruch, immer wieder Schwerpunkte zu verlagern. Aktuell arbeitet er unter dem eigenen Label concept pilots.

 

 

David Korte: Event-Konzeption & das Spiel mit den Regeln

Konzeption: BASTR Methode, Gastbeitrag von David Korte // Bild: Chris Cuhls

 

 

Was wir an unserem Job lieben:

 

Konzeption – das ist immer ein Zusammenspiel von Planung und Kreation. Unterschiedliche Köpfe und Bäuche denken und fühlen sich an die Aufgabenstellung heran.

 

Die Synapsen springen von Kopf zu Kopf und geben immer neue Impulse – bis sie dann am Ende da ist: die Idee.

 

Die eine große Idee, an die man gemeinsam glaubt. Die das Destillat dessen ist, was man gemeinsam gedacht, gefühlt und geschwitzt hat.

 

 

Der Alltag(Wahnsinn):

 

Höher, schneller weiter – weil die Herausforderung der stetigen Neuerung unsere Branche besonders betrifft, hat die Literatur zu Planungs- und Kreativitätstechniken kein Problem mit Masse.

 

Die unzähligen Ansätze und Tools, von den neueren Formen wie Neuroscans bis hin zu Klassikern, wie dem morphologischen Würfel, haben sicher alle ihre Berechtigung.

 

Doch fehlt vielen ein wesentlicher Aspekt – ein Leistungsversprechen, was das Ergebnis einer Konzeption leisten können soll.

 

Eine Haltung.

 

Die Briefings der Kunden lesen sich (fast) alle gleich: meist soll es etwas Neues sein, das man erdenkt, etwas Bahnbrechendes.

 

Etwas, das wirklich mal wach rüttelt und irgendwie radikal ist.

 

 

Ein Konzeption Ansatz – BASTR:

 

Genau an diesem Punkt kommt BASTR ins Spiel. BASTR steht für „Breaking And Setting The Rules“ und dient als Leistungsversprechen.

 

Jede Form der Kommunikation gehorcht hiernach gewissen Regeln. Wie im Sport: anderes Spiel, andere Regeln.

 

Jede Industrie, jedes Format, jeder Playground – kurz alles unterliegt gewissen Regeln und Vorgaben. Sie regeln unser gesellschaftliches Leben, den Umgang im Arbeitsalltag und prägen die Art und Weise, wie wir denken.

 

BASTR löst uns hiervon und macht so Raum für Neues, es ermöglicht ein Spiel mit den Regeln:

 

 

  1. BREAKING THE RULES

 

Wenn man etwas ändern möchte ist es mittels BASTR zunächst die Aufgabe des Konzeptioners (Konzeptionsteams) die Regeln, die die Aufgabe betreffen (Branche, Unternehmen, Marke, Produkt, Zielgruppe, Kanäle, …) zu hinterfragen und mittels einer „Rule-Map“ festzuhalten.

 

Anschließend wird dann analysiert, welche der Regeln potentiell gut und zielfördernd zu brechen ist.

 

Grundsätzlich ist jeder Bereich hierfür geeignet. Die Hauptsache ist er erzeugt ein disruptives Moment.

 

 

  1. SETTING THE RULES

 

Ziel des BASTR-Ansatzes ist es neue Standards zu definieren.

 

Wie beim Dreiklang „Unfreeze“, „Move“ „Freeze“ in der Changekommunikation soll so gezielt etwas geändert werden – durch das Stilmittel des Regelbruchs.

 

Die neuen Regeln werden dann in der Kommunikation etabliert und bieten die Möglichkeit für eine Marke völlig neue Regeln zu besetzen und damit die Branche / Produktkategorie zu bewegen – definitiv aber sich zu profilieren.

 

 

BASTR konkret, die Erste:

 

Ein Supersportwagen wird in Las Vegas gelauncht.

Die Veranstaltung hat einen klassischen Ablauf: von der Einladung bis zur Fahrt auf der Rennstrecke.

Sie gehorcht den Regeln eines Automobillaunches.

Doch beinhaltet das Konzept auch ein Disruptives Moment: einen Tisch.

Dieser ändert das Spiel für alle Beteiligten: vom Besucher bis zum CEO.

 


Quelle: VOKDAMS via Kanal von MrSpangenberger

 

 

 

BASTR konkret, die Zweite:

 

Zürich Hauptbahnhof vor den Olympischen Spielen in Vancouver.
Die Swisscom will die Schweiz zum Start der Spiele emotional berühren und bricht bewusst eine Regel:
Die Passanten im Bahnhof werden gefeiert – ohne auf die Regel der dem Menschen inne wohnende Distanzzone von 50cm Rücksicht zu nehmen.

 

Event Konzeption BASTR
Quelle: FAMAB

 

 

 

David Korte VOK DAMS Konzeption BASTRDER AUTOR: David Korte ist Director Strategy & Concept bei VOK DAMS.

Er arbeitet seit über 10 Jahren in Kommunikation und Marketing und liebt neben herausfordernden Aufgaben besonders den inspirierenden Dialog mit Strategen und Kreativen.
Dabei zeichnen Emotionalität und der Einsatz neuer Technologien und Kanäle seine Projekte aus.

 

 

 

 

Welchem Werkzeug für die Konzeption von Events bedienst du dich? Freue mich auf Anregungen und Meinung unterhalb! Wer informiert bleiben will trägt sich in meinen Newsletter ein und like doch gleich mein Facebook Profil für regelmäßige Inspiration rund um die Live-Kommunikation.

 

Axel Beyer: EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit!

EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit! // Foto: Axel Beyer

 

 

Der Mensch scheint ständig auf der Suche nach „Sinn“ zu sein und den findet er, wenn sich etwas für ihn „erschlossen“ hat. „Kinder brauchen Märchen“ hieß ein pädagogisches Standardwerk. Also ist offensichtlich selbst in der Unterhaltung nur dass gut und richtig, was Sinn macht. Alles andere ist nämlich Un-Sinn. Basta!?

 

Von „Schlüsselbildern“ redet die Kommunikationswissenschaft, wenn man sich an etwas erinnern soll – von „Schlüsselszenen“ der Dramaturg, wenn man etwas verstehen soll – von „Schlüsselerlebnissen“ der Psychologe, wenn man eine Erfahrung macht. Das muss doch irgendwie zu entschlüsseln sein?

 

Ist das so? Warum lachen wir dann so gerne? Warum lieben wir die Clowns im Zirkus? Warum genießen wir einen herrlich albernen Kneipenabend? Warum weinen junge Mädchen „Bis(s) zum Abendrot“? Und wollen wir in den Medien und den verwandten Gebieten nicht auch, dass man sich an unsere Angebote erinnert, dass man sie versteht und hoffentlich durch sie eine positive Erfahrung macht?

 

„Lebenslanges Lernen“, „Informationsgesellschaft“, „Wissenstransfer“ – unsere Gesellschaft redet uns permanent ein, dass wir alle kopfgesteuert seien. Deshalb geben die Befragten bei Umfragen stets an, dass sie im TV am liebsten „Nachrichten“ sehen würden, wo doch tatsächlich seit Jahren das „Dschungelcamp“ die Nummer 1 ist. Deshalb gehen wir ja angeblich nur aus Informationsgründen auf Messen und schleppen bergeweise Papier mit uns nach Hause – das gab es schließlich umsonst. Deshalb hören wir nur wegen des Verkehrsfunks im Auto Radio – und summen und wippen mit der Musik mit.

 

Nein – gestehen wir es uns doch endlich ein: Wir alle, auch wir „Macher“, sind Emotionsbolzen! Wir wollen emotional berührt werden, wir wollen, dass man uns zum Lachen oder zum Weinen bringt (denn bei beidem fließen Tränen). Wir wollen Spaß haben! Und auch zum Spaß der Anderen beitragen! Und wer uns das bietet, den lieben und unterstützen wir.

 

Über 9 Mio. Menschen haben Herrn Liechtenstein und seinen EDEKA-Spot gesehen und waren sich einig – das ist #supergeil. Dabei waren da nur ein Supermarkt und ein nicht mehr ganz schlanker und nicht mehr ganz junger Mann zu sehen – aber wie! Welche Lebenslust sprang einem aus diesem Filmchen entgegen. So wollten wir auch sein. Und ab zu Edeka….

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf

 

Wir denken mit dem Kopf, aber wir fühlen mit dem Herzen und gute Gefühle führen allemal in der Folge zu guten Gedanken, guten Erinnerungen und gutem Verständnis. Als die ARD im Abendprogramm das erste Mal die Sendungen von „Mr. Bean“ ausstrahlte, da war das kein Erfolg. Was sollte das denn? – Dann zeigte die LTU diese Filme auf ihren Flügen von und aus dem Urlaub, die Kinder johlten vor Vergnügen und diese Erinnerungen führten dazu, dass sich fortan mit jeder Wiederholung der gleichen Folgen von „Mr. Bean“ die Einschaltquoten steigerten. Wir erinnerten uns an fröhliche Kinder und entspannte Urlaubszeiten. Und sie verstanden: Das war positive Emotion pur!

 

Fazit: Und wenn wir heute von „Events“ reden, dann reden wir von „Erleben“ und damit von „Leben“, nicht von „Wissen“. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, sagte einst Adorno. Wir haben heute dafür zu sorgen, dass es kein falsches Leben im richtigen gibt. Meine Generation hat noch gelernt, dass man Emotionen nicht zeigen darf. Was für ein Un-Sinn! Erst Gefühle machen uns zum Menschen und wie unmenschlich ist es, diese Gefühle nicht zeigen zu dürfen. Wir als Medienmanager können dabei helfen, indem unsere Produkte dazu beitragen, ja geradezu dazu herausfordern, die Emotionen zuzulassen und auszuleben – so dass wir letztlich die Menschen damit aufschließen – für ein befreiendes Lachen, für ein kindliches Staunen, für eine überwältigende Rührung. Und wenn das dann klappt, dann empfinde ich das als das schönste Geschenk.

 

 

Zum Autor: Axel Beyer ist Medienberater und Professor an der Hochschule Fresenius im Fachbereich „Wirtschaft & Medien“, war Regisseur an unterschiedlichen Theatern und ist seit über drei Jahrzehnten im Medium TV als Programmmacher (und mehrfach als Unterhaltungschef) für öffentlich-rechtliche und kommerzielle Sender tätig.

 

 

Welche Schlüssel nutzt du zur Steigerung der Aufmerksamkeit? Welche Emotionen verbindest du mit den Gedanken dieses Artikels? Wir freuen uns über Kommentare unterhalb.

 

Hier geht es zu meinem Facebook Profil mit täglichen Inspirationen rund um Events // weitere Leseempfehlungen:

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

Simon Schneider: Wie kreiere ich Erlebnisse im Eventmarketing?!

Storytelling // Wie die Heldenreise dir bei der Kreation von Erlebnissen helfen kann

 

Gastbeitrag Susanne Schmelcher // Regie am Theater: Worauf ich bei der Inszenierung acht gebe…

Theaterregie // Foto: André Wirsig

 

 

Als ich vor einigen Tagen auf einem Amt meinen Beruf angeben musste  – Regisseurin – strahlte mir ein freudiges Lächeln entgegen: „Welche Filme drehen Sie denn so?“ Schnelle Verneinung, nein, ich drehe keine Filme, ich arbeite am Theater. Sofort verwandelt sich das Lächeln in Unsicherheit – was mache denn ein Regisseur am Theater? Ich beginne von der Arbeit mit Schauspielern zu reden und dem Theater an sich und kurz darauf fällt mir auf, dass die Frage gar nicht so leicht zu beantworten ist. Was genau tue ich da jede Produktion wieder und wie kommt dabei eine gelungene Inszenierung raus?

 

Jeder Regisseur arbeitet anders und sicher würde auch jeder bei der Frage worauf man denn bei einer Theaterinszenierung acht geben muss etwas anderes antworten. Als Nachwuchsregisseurin kann ich zwar nicht auf Jahrzehnte von Erfahrung zurückblicken, aber dafür auf einige wertvolle Beobachtungen – bei meinen eigenen Arbeiten und in den fünf Jahren meiner Regieassistenz. Hier stelle ich vier Rahmenbedingungen vor, die in meinen Augen für eine gelungene Theaterinszenierung essentiell sind.

 

 

1) Von der großen Idee und den vielen kleinen Ideen

 

Vor jeder Produktion steht die Vorbereitung, das Erstellen eines Konzepts. Was interessiert mich an dem Stück, wie kann ich Themen hervorheben und zuspitzen? Unter Umständen muss ein Stück überhaupt erst entwickelt werden. Zusammen mit dem Dramaturgen entsteht eine (Strich)Fassung, indem Unnötiges gestrichen wird und ggf. Texte hinzugefügt werden. Ausstatter und Regisseur arbeiten Bühnenraum und Kostüme aus, um das theoretische Konzept zu unterstützen. Und dann beginnt die eigentliche Arbeit: Bei den Proben mit den Schauspielern hilft das sorgfältig ausgearbeitete Konzept nicht immer weiter, das müssen oft gerade junge Regisseure schmerzlich erfahren. Im Arbeitsalltag sollte der Regisseur in der Lage sein spontan neue Ideen zu entwickeln, auf die Schauspieler und deren Bedürfnisse einzugehen und mit deren Können über sein Konzept hinauszuwachsen, ohne jedoch das Große und Ganze aus den Augen zu verlieren.

 

 

2) Der Schauspieler und das Team

 

Für mich als Regisseurin sind die ersten Proben unglaublich wichtig, denn hier entscheidet sich in der Regel ob die Schauspieler mir vertrauen. Wann genau Vertrauen und positive Arbeitsatmosphäre in einem Team entstehen, ist in einer Theaterproduktion mit ihren unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten fast unmöglich vorauszusagen. Aber oft hat es damit zu tun, dass der Regisseur gut vorbereitet ist, jeden Schauspieler als Gegenüber ernst nimmt, Ruhe ausstrahlt und zugleich inspirieren kann. Meine Herausforderung besteht auch darin, alle (inklusive mir selbst) immer ein wenig über ihre Grenzen hinaus zu fordern. Im besten Falle entsteht so eine Inszenierung, bei der alle Beteiligten dem Können der anderen vertrauen, so ihr Bestes geben können und miteinander zu einer großartigen Leitung befähigt sind.
Theaterregie Schauspieler

Theaterregie mit Schauspielern bei „Yukonstyle“ am Tiroler Landestheater // Foto: Rupert Larl

 

 

3) Eine runde Sache: die letzte Woche

 

Am Theater gibt es die sogenannte Endprobenphase, das ist die Woche mit den Haupt- und Generalproben. Alle bisher geprobten Szenen werden auf der Bühne zusammengefügt. Originalbühnenbild, Kostüme, Beleuchtung, Musik- und Videoeinspielungen kommen hinzu. Jetzt entscheidet sich ob die Ideen, die es zuvor nur auf dem Papier gab, funktionieren. Der Regisseur muss die Schauspieler und den Raum zu einem Ganzen verknüpfen. Nach meiner Erfahrung ist es hier wichtig sich trennen zu können: Wird das Bett auf Rollen nur einmal benutzt – raus damit! Sicher ist es ohnehin zu aufwändig es überhaupt rauszufahren und wirkt als hätte man da was zu sagen wo gar nichts ist. Funktioniert der Anfang des Stücks auf der Originalbühne nicht mehr? Dann hilft nur ehrlich das Problem zu benennen und am nächsten Morgen eine Extraprobe einzulegen und solange zu ändern, bis es passt. Sieht eines der Kostüme nicht gut aus? Ändern! Stück zu lang? Kürzen! In dieser anstrengenden letzten Woche brauche ich als Regisseurin nochmal allen Mut, um mein Konzept nicht zu verlieren, aber auch um mir einzugestehen, wenn etwas wirklich nicht funktioniert.

 

 

4) Der Geniegedanke

 

Und dann ist sie da, die Premiere. An diesem Tag entscheidet es sich, ob meine Inszenierung ‚gut‘ ist. Im deutschen Stadttheatersystem ist alles an diesem einen Tag festgemacht. Das Fachpublikum hat die hohe Erwartung etwas Außergewöhnliches zu sehen. Im Regietheater muss der Regisseur ein Genie sein, dann schafft er es auch in die Charts von Nachtkritik & Co. Die gelungene Inszenierung gibt es aber meiner Meinung nach auch ohne Genie. Hat man ein spannendes Konzept, eine gute Probenzeit mit den Schauspielern und genug Mut für das Gesamtkunstwerk am Schluss, dann klatscht auch das Premierenpublikum enthusiastisch, die Zeitung schreibt was Schönes und der Intendant freut sich über die entscheidenden guten Zuschauerzahlen.

 

 

Fazit für die Theaterregie:

 

  1. Viel wollen beim Konzept, aber Platz lassen für kleine spontane Ideen.
  2. Den Schauspieler immer wieder neu motivieren, aber ihm auch vertrauen.
  3. In den Endproben Mut haben, alles noch einmal mit offenen Augen überprüfen.
  4. Bei der Premiere trotz der Kritiker entspannen, die Arbeit ist getan.

 

 

Theaterregie Susanne SchmelcherDIE AUTORIN: Susanne Schmelcher

 

Susanne Schmelcher ist seit 2013 freiberufliche Theaterregisseurin, sie arbeitete bisher an Stadttheatern wie dem Theater Heidelberg, dem Tiroler Landestheater Innsbruck und dem Pfalztheater Kaiserslautern sowie in der freien Szene. Zur Zeit hat sie einen Lehrauftrag für das Szenische Projekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

 

Lichtdesigner // Was man über Lichtgestaltung wissen sollte…

Lichtdesigner Florian Schreiter im Gespräch mit Chris Cuhls und Hartmut Wolf

 

 

Licht schafft auf der Bühne neue Realität.

Max Keller

 

Lichtgestaltung ist ein seit den 1960er Jahren wichtiger Bereich in Theater, Oper und Architektur. Aus dem TV-Bereich kommend, bin ich als Regisseur im Eventbereich tätig, wo die Lichtgestaltung ein ebenso wichtiger Bestandteil einer wirkungsvollen Inszenierung ist. Der kreative Einsatz der Lichttechnik unterstützt ganz praktisch die künstlerische Aussageabsicht der zu vermittelnden Botschaft. Grund genug ausgewählte Lichtdesigner mit ihren Prinzipien vorzustellen, die im Bereich Event, TV und Musik zu Hause sind.

 

 

Florian Schreiter: Lichtgestaltung ist Bildgestaltung

 

„Lichtgestaltung ist Bildgestaltung im dreidimensionalen Raum. Daher ist ein Lichtbild immer abhängig vom Betrachter (Kamera bzw. Zuschauerposition), Raum (Bühne, Studio, Stadion, Gelände, Architektur) und dramaturgischem Inhalt (einer Geschichte, einer Idee, einer Emotion) und der Funktion. Meine Arbeit als Lichtgestalter ist es, auf die vielfältigen sich daraus ableitenden Fragen richtige, funktionierende und inspirierte Antworten zu finden, die begeistern”, sagte mir Florian Schreiter auf die Frage, was denn die Essenz seines Jobs ist. Kennengelernt haben wir uns während meiner Wetten, dass..?! Tätigkeit als TV-Aufnahmeleiter. Der Hamburger legt seinen Schwerpunkt auf Lichtgestaltung, visuelle Raumgestaltung sowie die Planung, Durchführung und das Operating von internationalen Shows und Events. Extreme Sportevents von Red Bull fordern ihn dabei immer wieder heraus, wie aber auch die Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin. Für den EventElevator habe ich mit ihm dieses Interview über Lichtgestaltung geführt – lesenswert!

 

Lichtdesigner Lichtgestaltung HTB Leadership Conference Royal Albert Hall London
Lichtgestaltung der HTB leadership conference in der Royal Albert Hall, London

 

 

Nik Evers: Lichtdesign transportiert Botschaften

 

„Erfolgreiche Veranstaltungen, die wirken und die Eindruck hinterlassen, sind das Ergebnis einer Inszenierungsleistung“, sagt Nik Evers. Als Regisseur kann ich nur sagen: Recht hat er! Diese kann aber ohne eine optimal abgestimmte Lichtgestaltung einfach nicht entstehen. Denn Licht setzt Akzente oder verbirgt, transportiert Botschaften und verstärkt Stimmungen. Moderne Eventformate, wie Produktpräsentationen, Ausstellungen oder TV-Shows werden durch die gelungene lichtgestalterische Begleitung erst richtig zum Leben erweckt. Gutes Lichtdesign benötigt aus Niks Sicht, neben dem geschulten und sensiblen Blick für individuelle Bedürfnisse, insbesondere Kreativität und technische Kompetenz. Auch wir haben uns bei TV-Shows wie The Dome (RTL2) kennen gelernt. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung ist er von Konzeption über die Simulation, Berechnung und Visualisierung der Licht und Multimedia-Gestaltung wärmstens zu empfehlen. Arbeiten macht mit ihm einfach Spaß – persönlich wie fachlich!

 

 

Lichtdesigner für besondere Momente: Werner Kokott

 

Mit dem Leistungsspektrum im Spannungsfeld von kreativer Gestaltung, planerischer Umsetzung und tatsächlicher Realisierung bietet auch Werner Kokott die relevanten Aspekte der Lichtgestaltung an. Werner ist ein hochkreativer Kopf, der mich oft mit recht unkonventionellen Elementen bei der Inszenierung ganz besonderer Momente überrascht hat. Sein Erfahrungshorizont reicht von Musiktourneen, Champions League TV-Übertragungen bis zu Auto-Industrieshows. An der Schnittstelle von Licht und Multimedia eine ebenso empfehlenswerte Person!

 

Lichtdesigner Lichtgestaltung Foto: Manfred Vogel

 Lichtgestaltung Romeo und Julia // Foto: Manfred Vogel

 

 

einstein & sons – das Lichtdesigner Duo aus München

 

Michael Kuehbandner und Roland Greil von einstein & sons habe ich beide auf Automobil Events kennengelernt. Sie sind aber auch im Bereich TV, Musik und Theater unterwegs. Obiges Bild zeigt Tanzshow „Romeo and Juliet“ der New Yorker Dance Company Bad Boys of Dance, welche in Hamburg letztes Jahr uraufgeführt wurde. Roland war als Associate Designer für Patrick Woodroffe tätig, Michael hat die Show programmiert. Ich habe die beiden gefragt, was ihre Prinzipien der Lichtgestaltung sind:

 

„Am Anfang steht immer die Aufgabe sich mit dem Künstler, der Show, dem Thema oder auch dem Produkt oder Unternehmen auseinanderzusetzen. Das hilft das richtige Verständnis für die Themen zu entwickeln. Dies ist wichtig, um dann ein passendes stimmiges Konzept zu kreieren. Im zweiten Schritt der Entstehung wollen wir der jeweiligen Produktion einen eigenen Look verpassen. Dabei suchen wir innovative Ansätze, wie beispielsweise den Einsatz von Videomapping, unkonventionellen Herangehensweisen und auch in gewisser Form einer „Thinking out of the box“ Denkweise. Dabei gilt oft: weniger ist mehr – wenn es denn sinnvoll eingesetzt wird. Während dieses Prozesses ist für uns auch der Dialog mit dem Kunden wichtig. Gerade innerhalb eines solchen können sehr spannende neue Ideen entstehen. Bei der Umsetzung im realen Leben geht es darum den Workflow bestmöglich zu gestalten, um eine effektive Nutzung des Designs zu gewährleisten.“

 

 


Unfassbar geniales Lichtdesign der aktuellen U2 Single Invisible – alle Hintergründe hier // Quelle: U2

 

 

Lichtdesigner – Gurus

 

Zu dem absoluten godfather der Lichtgestaltung zählt sicherlich der Brite Patrick Woodroffe. Er hat das Lichtdesign seit den 80er Jahren massgeblich gestaltet – ob auf Musiktourneen bis zu der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in London. Weitere interessante Lichtdesigner sind LeRoy Bennett, Al Gurdon, Willie Williams, Bob Barnhart oder auch Es Devlin und Rob Bissinger im Bereich Production Design.

 

In Deutschland haben Branchengrößen wie Ollie Olma (mo2 design), Jerry Appelt, Manfred Voss und Manuel da Costa feste Plätze bei TV-Shows. Im Eventbereich kommt man gerade bei dem Automobilsegment nicht um rgb und die TLD Planungsgruppe. Im Touringbereich zählen Günter JäckleGunther HeckerJojo Tillmann, Bertil Mark sowie Stephan Aue zur ersten Riege der Lichtgestalter. Der deutsche Set Designer ist sicherlich Florian Wieder.

 

Interessiert mehr Prinzipien zu entdecken – dann hier weiterlesen:

Die 7 Gebote der Inszenierung // Wie gute Shows gelingen…

Medienserver: Welchen benötige ich für mein Event?

Lichtmalerei 2.0 // Wie man mit Licht malen kann…

 

 

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