Begegnung durch Bewegung: StuntWoman Cornelia Dworak aus Wien

Fühlen: Begegnung durch Bewegung – StuntWoman Cornelia Dworak aus Wien

 

 

Mich interessiert die Einzigartigkeit einer Begegnung.“

// Cornelia Dworak zum Thema Fühlen

 

Wir verfügen über fünf Sinne. Eins davon ist das Fühlen. Wie dieser Sinnesorgan unsere Begegnungen beeinflusst, das habe ich StuntWoman, Fight Coordinator, Stagecombat Teacher und Dance Instructor Cornelia Dworak gefragt:

 

 

1. Was macht für dich eine wirkungsvolle Begegnung aus?

 

Ich erinnere mich meist an Momente meines Lebens, die mich in irgendeiner Form bewegt haben. Das kann in positivem, aber auch im negativen Sinne sein. Ein Foto kann dieses Gefühl genauso auslösen, wie Musik oder ein Augenblick der Verbundenheit mit einem anderen Menschen.

 

Es geht dabei für mich um die Intensität und die „Echtheit“ des Erlebten.

 

Im Tanz ist Improvisation daher für mich das spannendste Ausdrucksmittel, da ich immer unmittelbar im Jetzt auf Input reagiere und jede Bewegung im Moment entsteht. Ein Tanzpartner löst durch seine Art sich zu bewegen, Beschaffenheit einer Berührung oder unsere Beziehung zueinander im Raum, immer eine Reaktion bei mir aus und verändert dadurch die Natur meiner Bewegung. Interaktionen dieser Art ermöglichen aus eigenen Mustern auszubrechen, sich neu zu entdecken und die Grenzen auszuloten.

 

Wer mit offenen Sinnen durchs Leben geht, kann das im Zusammentreffen mit anderen Menschen auch im Alltag erleben. Oft führt dies zu unglaublich spannenden und ehrlichen Begegnungen.

 

 

2. Fühlen: Worauf achtest du bei der Gestaltung einer Begegnung?

 

Für mich haben Begegnungen einen eigenartigen Beigeschmack, wenn sie nicht echt sind. Ich merke sehr schnell, wenn man versucht mir etwas vorzuspielen, den eigentlichen Grund der Begegnung verbirgt oder sich hinter einer Inszenierung versteckt. Der Körper spricht immer. Die meisten Menschen spüren, dass etwas nicht stimmig ist, können es aber oft nicht erklären. Was übrig bleibt ist ein Partner oder Kunde, der nicht überzeugt ist.

 

Ein Mensch kann mich dann bewegen, wenn ich seine wahre Natur erkenne und spüre wofür er steht, wenn er mir offen entgegenkommt und mir gleichzeitig Raum gibt, ich selbst zu bleiben. Das kann man für mich 1:1 auf ein Produkt umlegen.

 

Cornelia Dworak in Bewegung

 

Hier noch (m)ein Moment der Erinnerung: Dieses Foto entstand in Argentinien in Mar del Plata. Da war ich 2017, um mit einer Kollegin und argentinischen Musikern ein zeitgenössisches Tanzstück an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum zu zeigen. An diesem Tag des Fotos, hatte ich den ersten Nachmittag frei (sonst laufend Proben und choreographisches Arbeiten) und bin mit dem Rad gefahren. Ich habe mich so frei gefühlt und diesen Ort an der Küste entdeckt, an dem ich mich sofort wohl gefühlt und circa 90 Minuten für mich getanzt habe. Das hat mich mit dem Universum connected und mich in völlige Harmonie gebracht. Hinter mir war schon das Meer…

 

 

3. Was können wir bei der Planung von Begegnungen von dir lernen?

 

Als Bewegungsmensch trete ich oft bewusst in Berührung mit anderen Menschen, es ist Teil des Arbeitsprozesses als Stuntfrau, Tänzerin und Coach. Eine Berührung ist die direkteste Art mit jemandem in Kontakt zu treten und löst immer eine körperliche Reaktion aus. Sie definiert innerhalb eines Augenblicks sofort die Beziehung zueinander und kann als achtsam und einladend, aber auch als fordernd, einengend oder zu intim empfunden werden. Dabei ist nicht nur der berührte Körperteil ausschlaggebend, sondern auch, ob ich mit den Fingerspitzen, der Handfläche, dem Unterarm oder mit dem ganzen Körper berühre. Da jeder Mensch eine andere Geschichte und Energie mitbringt, wird keine Begegnung gleichartig ausfallen.

 

In Bezug auf eine Performance ist daher zu überlegen, welche Zielgruppe ich ansprechen möchte, da ich zum Beispiel auf Jugendliche anders zugehe, als auf Erwachsene. Möchte ich starke Reaktionen auslösen, gebe ich viel Spielraum für Interpretation und riskiere dabei sogar Unverständnis? Oder ist es mir ein Anliegen eine klare Botschaft unmissverständlich zu vermitteln? Möchte ich in direkten Kontakt mit dem Publikum treten, es womöglich gar einbeziehen? Oder wähle ich absichtlich eine Distanz zwischen Performer und Zuschauer?

 

Fazit: Wie auch immer das Setting gestaltet ist, es ist immer eine Bereicherung, sich auf Begegnung gerade durch den Sinn Fühlen einzulassen und sich selbst trotzdem treu zu bleiben.

 

 

Cornelia Dworak StuntWoman Cornelia Dvorak ist das Gegenteil von Stillstand. Genaugenommen hält sie Stillstand nicht aus. Sie liebt Herausforderungen und das Ungewisse. Sie vertraut ihrer Intuition und ist offen das Magische mancher Augenblicke zu erkennen und sich davon berühren zu lassen. Durch die vielseitigen Eindrücke und gewonnenen Erfahrungen ist ihr Leben immer in Bewegung. Als Performerin und Coach möchte sie andere Menschen berühren und ein Stück auf ihrer spannenden Reise mitnehmen. Infos rund ums Fühlen auf Website | YouTube | CrewUnited.

 

 

Andere Beiträge in der fünfteiligen Blogserie Fühlen zum Thema Begegnung:

Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs

Begegnung durch Sehen: Mercedes-Benz Exterior Designer Robert Lesnik

Begegnung gestalten – Event-Tipps rund ums Schmecken vom Chocolatier Max

 

Die 5-Finger-Formel // Tipps für dein Vortrag

Die 5-Finger-Formel // hilfreiche Tipps bei der Vorbereitung von Vorträgen

 

 

„Einer muss immer leiden – entweder das Publikum oder der Vortragende. 

Hoffentlich ist es der Zweite!“ // Papst Franziskus

 

 

Als Regisseur erlebe ich tagein, tagaus eine Vielzahl von Vorträgen bei Konferenzen und Veranstaltungen.

 

Die meisten sind leider irrelevant. Zeitverschwendung.

 

Das liegt daran, dass sie keinen Fokus haben. Oder Antworten auf Fragen geben, die keiner gestellt hat. Oder zu sehr aus der Brille des Vortragenden gedacht sind und damit das Publikum langweilt. Oder inhaltlich sogar gut sind, aber einfach nicht im Kopf bleiben wollen.

 

Fünf Fragen, die es in sich haben…

 

Genau da steigt ein kleines Bildband ein. Der Kreativschmiede Bär Tiger Wolf ist es gelungen eine sinnbildliche Geschichte im Kinderbuchstil zu erzählen (habe ich gleich meinen Kindern vorgelesen ;).

Im zweiten Teil werden die Prinzipien für wirkungsvollere Vorträge gekonnt auf den Punkt gebracht.

 

So, dass Kopfkino ausgelöst wird.

 

Diese fünf Fragen helfen ungemein in der Vorbereitung und sorgen dafür, dass die Botschaft erinnerbar bleibt:

 

die 5-Finger-Formel

 

Hier die fünf Fragen für das MEHR an Wirkung deines Vortrags:

 

1. Starker Fokus: Auf welche Frage fokussiere ich mich?

 

2. Relevanz zeigen: Wie betrifft es die Zuhörenden?

 

3. Was ist die herausragende Frage aus Sicht der Hörenden?

 

4. Gebe ich eine Antwort in Form eines Versprechens, einer Chance oder eines Angebots?

 

5. Greifbare Struktur: Lässt sich die Antwort mit einem Begriff oder Bild gliedern?

 

 

Wie das am Beispiel von Employer Branding konkret aussehen kann, erklärt Geschäftsführer Theo Eißler hier:

 

 

 

Fazit: Die 5-Finger-Formel ist ein Schätzchen!

 

Clevere Tipps, die genau richtigen und wichtigen Hinweise, damit Vorträge Wirkung erzielen. Destilliert auf das Allerwichtigste und dabei klar, verständlich und lustmachend auf die Bühne zu gehen. Einfach empfehlenswert!

 

Als Praktiker würde ich noch hinzufügen, dass sich der Teufel in der Ausgestaltung versteckt. Die Fragen bringen extrem gutes Wissen hilfreich auf den Punkt. In der Umsetzung macht es aber Sinn sich nicht mit der erstbesten Antwort zufrieden zu geben, sondern mit einem Gegenüber die eigenen Antworten zu reflektieren und durch Perspektivwechsel auf eine noch tiefere, stringentere, ganzheitlichere Ebene zu gelangen. Dabei hilft mir die Idee von Costumer Centricity! Wer einen Sparring Partner sucht wird sicher bei Theo Eißler fündig – oder darf sich gerne auch an mich wenden 😉

 

Das Buch lässt sich bei Amazon bestellen. Hier gibt es auch eine Vorlage mit den fünf Fragen. Viel Spaß damit!

 

Weitere Leseempfehlungen zum Thema Präsentieren:

Präsentationstipps: Was Elon Musk goldrichtig macht & Sie davon lernen können!
5-teilige Serie Besser Präsentieren von Moderator und Coach Martin Kloss
AuftrittsCoaching: 12 Tipps für wirkungsvolle Vorträge
OnePager: Auf den Punkt kommen wie Ronald Reagan 

 

Wie Design Thinking dein Event revolutioniert!

Design Thinking als praktische Methodik für nutzerfreundlichere Events

 

 

Design Thinking ist in aller Munde. Wie die Methodik im Prozess der Eventgestaltung helfen kann, dass habe ich die Creative Directorin Elsa Wormeck gefragt. Fünf Fragen für einen guten Überblick – viel Spaß:

 

 

1. Wie lautet deine Definition der Design Thinking Methode?

 

Design Thinking ist ein Framework zur Problemlösung. Es bietet einen Denk- und Arbeitsansatz, mit dem wir Innovationen kreativ und experimentell entwickeln. Gleichzeitig ist das Vorgehen sehr systematisch. Wir stellen Fragen, beobachten Nutzer in ihrer Welt und lernen anhand von Prototypen. Sobald wir den Nutzer wirklich einbeziehen und verstehen, machen wir neue Erkenntnisse. Diese eröffnen uns einen erstaunlich neuen Blick auf das Thema. Mit diesen Einsichten kreieren Design Thinker Produkte und Services, die Nutzerbedürfnisse im Kern treffen oder sogar von Grund auf neu schaffen. Steve Jobs hat das in seiner Produktentwicklung auf famose Weise umgesetzt. Unternehmen wie Lego haben sich so komplett neu erfunden.

 

Design Thinking LEGO Serious Play

 

 

2. Welchen Vorteil liefert Design Thinking konkret im Eventkontext?

 

Nach dem Motto: die erste Idee ist die beste Idee neigen Teams unter Zeitdruck in der Ideenfindung dazu, sehr schnell zu den offensichtlichsten Lösungen zu springen. Im Design Thinking halten wir uns mindestens genauso lang im Problemraum auf, wie im Lösungsraum. Wir erarbeiten uns ein fundiertes Verständnis für das Thema und für die Nutzer von Events. Erst dann lässt sich sagen, wie eine Lösung überhaupt beschaffen sein müsste, um das Problem im Kern zu treffen. Und um ein innovatives Moment zu erzeugen.

 

Im Design Thinking schaffen wir Prototypen, um Teilaspekte einer Lösung zu testen, anstatt das ganze Projekt durchzuplanen, wie es oft in der Live-Kommunikation passiert. Das kann dann auch vom Event als Massnahme wegführen und ganz neue Beratungsfelder eröffnen.

 

In der aktuellen Arbeitswelt sind die Menschen gefordert, immer stärker selbst zu entscheiden und mitzugestalten. Da reicht es oft nicht mehr aus, sich als Agentur einfach ein buntes Event auszudenken. Es gilt viel mehr, alle Beteiligten von Anfang an in den Kreationsprozess zu involvieren. Das ist natürlich nicht für alle Menschen einfach… Eine Agentur kann ihre Kunden und Nutzer aktiv dabei unterstützen, diesen Weg mit Zuversicht zu beschreiten. So wird der Eventler vom Produzenten und Ideengeber zum Moderator für Live-Kommunikation. Design Thinking bietet einen Rahmen und vielfältige Arbeitsweisen, um solche kollaborativen Arbeitsprozesse strukturiert zu gestalten. Für die Agentur und ihren Auftraggeber birgt gemeinsames Design Thinking die Chance einer fruchtbareren Zusammenarbeit. Achtung, Spoiler: der Kunde ist nicht der Nutzer. Das gilt es auch dem Auftragggeber gegenüber zu verdeutlichen.

 

 

3. Welche Erfahrungen hast du bei der Konzeption von Eventformaten durch DT gesammelt?

 

Gemeinsam mit einem großen medizinischen Unternehmen habe ich vor einiger Zeit eine Design Thinking Lernkaskade für die Organisation entwickelt und durchgeführt. Es fand eine besonders intensive Zusammenarbeit mit dem Kunden statt, in die Befragungen und Beobachtung der Mitarbeiter eingeflossen sind. Von der Beratung des Managements über ein Teamlead-Training bis hin zu einem großen Mitarbeiter Event, ist die Vorbereitungsphase nahtlos in die Realisierung übergegangen. Das veranschaulicht das iterative Prinzip von Design Thinking: Jeder Schritt im Arbeitsprozess mündete in einen Prototypen, der dann durch das Feedback der Mitarbeiter weiter entwickelt wurde. Auf diese Weise haben sich die Beteiligten das Thema Design Thinking selbst zu eigen gemacht.

 

core create Design Thinking Bootcamp

 

Bei komplexen Projekten ist es eine riesige Erleichterung, alle vorhandenen Artefakte anhand von Haftnotizen, Fotos und Skizzen auf Wänden im Raum abzubilden. Das verschafft dem Team zu jedem Zeitpunkt Transparenz über den gemeinsamen Informationsschatz zum Projekt. So haben wir das auch für das 100-jährige Jubiläum von Fresenius gemacht, das ich für die Agentur Cb.e in Berlin betreut habe. Mit Hilfe von Affinity Maps, Timelines und Mind Maps nahm das Projekt über Monate hinweg auf den Wänden der Agentur eine immer klarere Gestalt an.

 

Von unterschiedlichen Geschäftsbereichen, über die Politik, bis hin zu den Gästen waren sehr viele Stakeholder mit unterschiedlichsten Bedürfnissen beteiligt. Wir haben uns intensiv und persönlich mit den Menschen auseinander gesetzt, um heraus zu finden, was das Konzept leisten muss, um sie zu berücksichtigen. Der Erfolg dieser Arbeitsweise zeigte sich nicht nur in den Standing Ovations der Gäste. Auch das Team hat bei aller Komplexität interdisziplinär und dabei sehr harmonisch zusammengearbeitet.

 

 

4. Wer sollte unbedingt die Finger von DT lassen?

 

Niemand sollte die Finger von Design Thinking lassen, ganz im Gegenteil. Erst durch das Ausprobieren und Machen erfährst du, ob das eine Denk- und Arbeitsweise ist, die Dich persönlich und Euch im Team weiter bringt. Wenn du komplexe Herausforderungen liebst, kann das ein Vorteil sein. Was allerdings niemanden weiter bringt, sind territoriale Rollenbesetzungen. Im Design Thinking ist jeder kreativ und denkt jeder über sein eigenes Arbeitsgebiet hinaus auch in die Bereiche der anderen mit hinein. Kreativdirektoren und kreative Geschäftsführer werden nur erfolgreich mit Design Thinking arbeiten, wenn sie ihrem Team Raum geben. Welche Führungshaltung dabei hilfreich ist? Aus meiner eigenen CD-Erfahrung kann ich sagen: versuche dich als Geschäftsführer im Projekt oder als Creative Lead überflüssig zu machen, dann bist du auf dem richtigen Weg.

 

Design Thinking Event Bootcamp

 

 

5. Wo kann ich mehr erfahren, um Design Thinking anzuwenden?

 

Sehr empfehlenswert ist das Online Training von +Acumen, einer Plattform für die Anwendung von Design Thinking im Social Business und im humanitären Kontext. Das mehrwöchige Training ist kostenlos und fundiert. Alles Gelernte lässt sich nach dem Training auf den eigenen Arbeitsbereich übertragen. Man lernt dabei auch tolle Leute kennen, denn der Kurs findet im Rahmen einer globalen Design Thinking Community statt.

 

Ich selbst biete in regelmäßigen Abständen ein zweitägiges Design Thinking Bootcamp an. Hier lernst du in einem intensiven Deep Dive das Mindset und die wichtigsten Prinzipien kennen. Anhand einer exemplarischen Design Challenge machst du den Prozess in einem Team einmal komplett mit. Die nächsten beiden Bootcamps finden am 22./23. März und am 24./25. Mai 2018 in Berlin statt. Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung findest du hier: Design Thinking Boot Camp.

 

 

Elsa WormeckElsa Wormeck arbeitet als Design Thinking und LEGO® Serious Play® Facilitator, Trainerin und Coach. Mit Ihrem Unternehmen corecreate | communications begleitet sie Organisationen bei der Entwicklung von Potentialen und Skills für eine agile und innovative Arbeitskultur.
Sie hat viele Jahre als interdisziplinäre Designerin und Creative Director in der Kommunikationsbranche gearbeitet.

 

8 Praxis Tipps für die Event Locationsuche

8 Praxis Tipps für die Event Locationsuche // Gastbeitrag Sarita Lensch von Event Inc.

 

 

Wie finde ich die passende Location für mein Event? Worauf gilt es bei der Event Locationsuche zu achten, damit die Kosten nicht explodieren und die Botschaft des Events rüberkommt? Das habe ich die Expertin Sarita Lensch gefragt. Die Infografik bringt die wichtigsten Aspekte auf den Punkt:

 

8 EVENTLOCATIONS Tipps bei der Suche

 

 

Tipp 1: Art der Veranstaltung klären

 

Die Art der Veranstaltung ist ausschlaggebend für die Wahl der Eventfläche. Einen einfachen Leitfaden gibt es so nicht – die Wahl muss immer individuell getroffen werden. Wo Meetings und Tagungen vor ein paar Jahren in klassischen Hotel-Seminarräumen stattfanden, werden heutzutage zunehmend Off-Locations dafür in Betracht gezogen.

 

Als Off-Location bezeichnet man beispielsweise leerstehende Räumlichkeiten ohne Inneneinrichtung, oftmals im industriellen Stil. Interaktive Meetings oder Workshops finden zunehmend in Lofts, Fabrikgebäuden oder Outdoorlocations statt. Es gibt sogar Eventschiffe die Raum und Platz für solche Anlässe bieten. Das Ziel ist nun nicht mehr allein über genügend Platz oder die passende Ausstattung zu verfügen, sondern ebenfalls eine spannende und außergewöhnliche Atmosphäre für unvergessliche Augenblicke zu schaffen.

 

Dieser Trend hat sich auch bei Hochzeiten eingeschlichen. Viele Brautpaare suchen nicht mehr nach dem traumhaften Märchenschloss oder dem großzügigen Restaurant am See – loftartige Wohnungen oder alte Fabrikgebäude und Hallen werden zunehmend attraktiver. Doch so viele spannende und außergewöhnliche Locations es auch gibt, man sollte immer noch den Sinn und Zweck sowie die Umsetzbarkeit im Hinterkopf behalten. Nicht jede Location bietet die optimalen Vorraussetzungen für jedes Event.

 

 

 

Tipp 2: Die Größe der Location richtet sich nach der Teilnehmerzahl

 

Eine Faustregel für den Platz beziehungsweise die Quadratmeteranzahl die jeder Teilnehmer zur Verfügung haben sollte, gibt es so nicht. Das hängt in der Regel vom Konzept und den individuellen Ansprüchen der Veranstalter ab. Bei einem Empfang mit Stehtischen plant man pro Person einen Quadratmeter ein. So können sich die einzelnen Gäste noch sehr gut bewegen. Wenn es sich jedoch um eine Podiumsdiskussion oder einen Vortrag handelt bei denen die Gäste lediglich sitzen, kann auch weniger Platz eingeplant werden. Bei einer Gästeanzahl von 40 Personen bieten 100 Quadratmeter eine optimale Raumgröße.

 

Wenn es sich dann jedoch um eine Art Workshop handelt bei dem die Gäste in Interaktion treten sollen und beispielsweise ein großer Stuhlkreis oder eine Bühne aufgebaut werden soll, sollte man schon einmal 100 Quadratmeter mehr einplanen.

 

Bei der Frage nach der Größe der Location sollten Eventplaner sich an folgenden Fragen orientieren: Wie ist der Ablauf der Veranstaltung? Muss beispielsweise eine Bühne, Tanzfläche oder Buffet aufgebaut werden? Ist eine Außenfläche vorhanden die zusätzlich genutzt werden kann? Sind beispielsweise Kinder auf der Veranstaltung die eine extra Spielfläche benötigen?

 

eventlocation klassikstadt frankfurt

Meetingraum im Loft: © Klassikstadt über Event Inc // Event Locationsuche

 

 

Tipp 3: Eventportale nutzen

 

Die meisten Eventportale agieren wie Marktplätze auf denen man von der Location bis hin zum Catering, der Dekoration oder dem DJ alles für sein Event buchen kann. Dabei gibt es natürlich auch unterschiedliche Portale. Die einen legen mehr Wert auf Best-Price Angebote die anderen mehr auf Qualität der Anbieter. Bevor man sich für ein Portal entscheidet, sollte man sich vorab genau über die Leistungen, anstehende Kosten und Referenzen informieren.

 

In der Regel ist es sinnvoll den persönlichen Erstkontakt über das Telefon zu suchen. Hier kann man nicht nur schnell die Expertise und die Qualität der Beratung erkennen sondern erspart sich im besten Fall auch eine aufwendige Suche durch das gesamte Portfolio der Anbieter. Am anderen Ende des Telefons sitzen nämlich professionelle Eventberater die sich in ihrer Branche und ihrem Portfolio bestens auskennen.

 

Wichtig ist, dass Sie den Beratern einen groben Plan mit an die Hand geben: Was soll es für eine Veranstaltung werden und wo soll sie stattfinden? Zentral gelegen oder ländlich? Handelt es sich um ein Firmenevent oder eine private Veranstaltung? Ein Budgetrahmen sowie –ganz wichtig– mehrere potenzielle Daten. Seien Sie offen für Vorschläge und Inspiration. Versteifen Sie sich nicht auf eine spezielle Vorstellung oder Location. Die Eventberater eröffnen Ihnen meist ganz neue Ideen und Möglichkeiten an die Sie vorher gar nicht gedacht haben.

 

 

Tipp 4: Versteckte Kosten beachten

 

Eine realistische Budgetplanung ist das A und O! Die Preise die auf den meisten Internetseiten veröffentlicht werden sind oftmals “nackt” und zeigen gerade einmal die Netto-Raummiete pro Person. Informieren Sie sich also immer über die Gesamtkosten, auch über mögliche Aufschläge damit Sie die volle Kostenkontrolle haben. Sofern Sie sich von einer Location überzeugen konnten, sollten Sie sich über deren Kooperationspartner informieren. Oftmals verfügen die Locations über feste Partner auf deren Angebote Sie zu vergünstigten Preisen zurückgreifen können. Eventdienstleister separat zu buchen ist meistens viel teurer. Bevor man sein Budget plant sollten diese sechs Dinge unbedingt im Hinterkopf bleiben:

 

  • Raummieten werden meist “nackt” angegeben: Wenn Sie beispielsweise eine Off-Location oder ein Loft mieten, werden Sie in der Regel einen leeren Raum vorfinden. Hier muss also passendes Mobiliar, gegebenenfalls eine Bühne oder Bar dazu gemietet werden. Manchmal kann es auch dazu kommen, dass Heizkosten sowie Nacht- und Zeitzuschläge dazu kommen.

 

  • Ab einer Personenzahl von circa 50 Personen sollte, je nach Ausmaß der Veranstaltung, mindestens ein Sicherheitsbeauftragter vor Ort sein. Dieser wird nach Stunden vergütet. Auch hier kann es zu Nachtzuschlägen pro Person kommen.

 

  • Wenn es um Catering-Pauschalen geht variieren die Preise sowie die Qualität. Je nach Art der Verpflegung und Aufwand können durchschnittlich pro Person zwischen 50€ für einen Empfang mit Fingerfood bis 100€ für ein gesetztes Dinner anfallen.

 

  • Ebenfalls fallen Kosten für Servicepersonal an. Diese sind nicht in den Catering-Pauschalen enthalten. Das Servicepersonal wird pro Person für einen bestimmten Zeitraum gebucht und vergütet. Wird der Zeitraum überschritten fallen zusätzliche Kosten an.

 

  • Bei Getränkepauschalen ist besondere Vorsicht geboten – hier kann es schnell teuer werden. In den meisten Pauschalen sind lediglich Softdrinks, Kaffee und Tee enthalten. Für Wein und andere alkoholische Getränke werden Aufschläge berechnet. Wichtig ist auch vorab zu klären, was die einzelnen Getränke kosten wenn die Pauschale vorbei ist, die Veranstaltung jedoch länger geht als geplant. Hier lockt die größte Kostenfalle. Bei manchen Caterern kann man die Getränke auch nach “Verbrauch” abrechnen. Dies ist eine gängige und oft gewählte Alternative zur klassischen Pauschale. Diese Art eignet sich vor allem für größere Veranstaltungen wie Konzerte oder Messen. Die Pauschalen dagegen sind für Hochzeiten oder Firmenfeiern geeignet.

 

 

Tipp 5: Kaufen Sie nicht die Katze im Sack

 

Um ein Gefühl für die Räumlichkeiten zu bekommen, ist es immer sinnvoll einen Veranstaltungsraum vorab zu besichtigen. Dies erleichtert nicht nur die Planung des Events sondern verrät Ihnen auch etwas über die Atmosphäre des Raumes. Dadurch bekommen Sie einen ganz neuen Blick auf die Location und die Möglichkeiten die zur Gestaltung bereit stehen. Machen Sie nicht den Fehler und mieten Sie blind eine Location die Sie vorab nicht gesehen haben – nur weil Sie schnell eine benötigen oder Sie in Zeitnot sind, weil Ihnen andere Locations abgesagt haben.

 

Vor allem bei der Planung von Hochzeiten sollte diese Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Bei größeren Veranstaltungen lohnt sich dies übrigens auch bei Caterern. Vereinbaren Sie ein Probeessen, denn – “Fotos sind geduldig” und oftmals wunderschön bearbeitet. Wenn Ihnen die Möglichkeit gegeben wird, nutzen Sie sie und überzeugen Sie sich vor Ort selbst über das Angebot und die Qualität.

 

 

Drei finale Tipps für die Event Locationsuche:

Event Locationsuche Checkliste

Danke an Sarita Lensch von Event Inc. für die Zusammenstellung!

 

 

Weitere hilfreiche Tipps finden Sie auch hier:

11 ultimative Tipps zur Wahl der perfekten Eventlocation
Eventmanagement: 10 wichtige Punkte für den Location Check
Verhandlungsgeschick bei der Locationsuche – 7 Tipps

Warum wir mehr Customer Centricity bei Events benötigen…

Customer Centricity bei Events // Perspektivwechsel am Beispiel der Ketchup Flasche von Heinz

 

 

Wer kennt sie nicht? Die gute alte Ketchup Flasche von Heinz. Zu welcher der beiden Verpackungen würdest du im Regal greifen? Da geht es schon los. Mit welcher Brille kaufst du ein: Welche ist schöner?

 

Natürlich die linke Design-Ikone. Warum hat sich jedoch Heinz dazu entschieden, die rechte Verpackung zu entwickeln? Genau, wenn die Glasfalsche umgedreht wird muss kräftig geschüttelt werden. Und dann? Platsch.

 

Ein großer Klecks breitet sich auf dem Teller und oft darüber hinaus aus. Genau das ist der Grund, warum Heinz die Squeeze-Technologie entwickelt hat. Der Ketchup ist perfekt dosierbar und da umgedreht, jederzeit an der Öffnung. Eltern würden für ihre Familie also definitiv zur rechten Verpackung greifen. So erfüllt die Verpackung den Nutzen für diesen Kunden besser. Das Bedürfnis des Kunden steht dabei im Mittelpunkt, nicht das Produkt (und für alle Design-Liebhaber gibt es ja die Sonderedition ;).

 

 

Was hat Customer Centricity mit Events zu tun?

 

Genau darum geht es auch bei Events. Nicht das Event an sich ins Zentrum der Bemühungen stellen, sondern das Erlebnis des Besuchers. Events sind Erlebnisse in besonders gestalteten Atmosphären. Menschen sind dabei offen für Neues. Das Ziel dabei ist oft Veränderung – im Denken und Handeln. Damit es aber besondere, erinnerbare Erlebnisse werden, müssen sie dem Gast gefallen. Hier klafft Innen- und Außenwahrnehmung oft auseinander.

 

Konsequente Kundenorientierung (oder eben Customer Centricity) setzt das Erleben der Gäste in den Mittelpunkt. Denn nur dann ist das Event auch wirksam. Es muss den Besuchern gefallen, sie ansprechen und mitnehmen. Hierzu ist ein Perspektivwechsel bei der Eventkonzeption nötig.

 

Als Gestalter von Events müssen wir uns von unseren persönlichen Vorlieben lösen. Von unserem Design-Geschmack, von unseren Musik-Vorlieben, von unserem Humor-Stil – kurzum der Projektion unserer Vorstellungen auf die der Gäste. Oft genug fällt mir in Hintergrundgesprächen auf, wie unterschiedlich die Meinungen und Erwartungen von Menschen sind. Das hat viele Gründe: andere Selbstverständnisse, Kontexte, Hintergründe, Lebenssituationen.

 

Hilfreich ist beispielsweise die Erstellung von Persona-Profilen. Damit kann aus konkreten Besucher-Perspektiven das Event auf den Nutzen überprüft werden. Wohlwissend, dass die Realität vielfältiger ist als ein paar ausgewählte Personas… Das bedeutet zwar Mehrarbeit – wird aber auch zu Mehrwert führen.

 

Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“

// Antoine de Saint-Exupéry

 

Auch eine „Empathiekarte“ kann durch folgende Fragen helfen mehr über die inneren Bedürfnisse des Kunden zu erhalten: In welchem Umfeld bewegt sich der Kunde? Was beeinflusst ihn? Wie informiert er sich? Was sind seine größten Herausforderungen? Daraus lassen sich Themen priorisieren und in den Programmablauf einbauen.

 

Kundennutzen Event - Empathy Map
Customer Centricity: Empathy Map // Quelle: DIM

 

 

Perspektivwechsel zum Besucher = Nutzenorientierung

 

Eine interessante Entdeckung habe ich in dem Buch „A Framework for Understanding Poverty“ gemacht. Ruby Payne hat darin eine Studie in Texas vorgestellt, die gemacht wurde da Lehrer oft keinen Zugang zu Schülern fanden. Die unterschiedlichen Selbstverständnisse und damit Differenzen der Lebenseinstellungen in den drei Schichten von Arm, Mittelklasse und Reich zeigen sich sehr deutlich in diesen Lebensbereichen:

 

Customer Centricity - A Framework for Understanding PovertyA Framework for Understanding Poverty by Ruby Payne // Quelle: Phil Ebersole

 

 

Für mich offenbart sich darin die Vielschichtigkeit von Menschen, was Aufschluss über die Bedürfnisse geben kann. Wenn man dies beispielsweise in den Kategorien Angestellter, Teamleiter und Geschäftsführer weiterdenkt, werden auch dabei das Selbstverständnis und die daraus abgeleiteten Anforderungen an die Machart des Events eindeutig. Richten wir das Event dementsprechend aus?

 

Ein weiterer Punkt der unbedingt im Blickfeld der Eventkonzeption stehen muss sind die „Touchpoints„. Wo liegen die Berühungspunkte des Gastes vor, während und nach dem Event? Also beginnend mit der Einladung oder Webseitenbesuch über Ankunft und Parken zu dem Raumerlebnis, Programmpunkten, Partizipation etc. bis zu der Nachberichterstattung. Welches sind die Interaktionspunkte auf der „Costumer Journey„?

 

Selten habe ich ein konsequentes Hineindenken in die Sichtweise des Gastlerbnisses bei Events erlebt. Vielleicht ist es manchmal nicht die fette Opening-Show, sondern die kleinen Details, die für Nutzen und Mehrwert auf Besucherseite sorgen. Das wird auch das innere Lächeln hervorzaubern – beim Gast wie Gastgeber und dem Eventgestalter.

 

 

Kernfrage: Wie hoch ist die Investitionsrendite?

 

Abschließend noch ein Gedankengang zum Return of Investment: Welches ist die größte Investition bei Events? Nicht die Finanzen in Form des Eintrittpreises. Es ist die Zeit die ein Besucher investiert, um bei der Veranstaltung dabei zu sein. Wie effektiv gehen wir mit dieser Ressource um? Deshalb spreche ich gerne von der Investitionsrendite. Die Investition von Zeit muss sich für Besucher lohnen.

 

Was heißt das für die Eventgestaltung? Vorträge zum Beispiel dahingehend überprüfen, ob das gleiche nicht auch in der Hälfte der Zeit gesagt werden kann? Was wollen die Besucher eigentlich auf der Konferenz? Ein „Greatest Challenge Workshop“ könnte sehr viel mehr Nutzen schaffen, indem in kleinen Runden über die größte Herausforderung diskutiert wird. Gleichzeitig wird das Wissen der Besucher so viel aktiver eingebunden. Vielleicht braucht es ein mehr an Zeit, damit sich die richtigen Personen austauschen können. Denn auf Fachmessen sind alle wichtigen Entscheider vor Ort.

 

Fazit: Wenn wir den Bedürfnissen der Besucher begegnen, erzeugen wir Mehrwert. Weil das Event sich um die Themen und Bedürfnisse des Gastes dreht – und nicht die eigene Agenda. So entsteht Nutzen und Sinn. Diese Kundenorientierung wird zu mehr Erfolg führen. Das wird sich rumsprechen – garantiert!

 

 

Frage: Oder habt ihr andere Erlebnisse rund um Customer Centricity  bei Events gemacht?

 

Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs

Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs // Teil 1 der fünfteiligen Serie Begegnung

 

 

Als Eventgestalter wollen wir unvergessliche Momente erzeugen. Mensch und Marke sollen sich begegnen – am besten mit WOW-Erlebnissen. Wie es zu wirkungsvollen Begegnungen kommt, dem möchte ich in einer fünfteiligen Serie nachspüren. Dabei werden wir uns dem Mysterium einer Begegnung über die fünf Sinne nähern. Fünf Experten bekommen die selben drei Fragen gestellt. Den Anfang macht der Geruchssinn. Dazu habe ich den Parfumeur Uwe L. Manasse befragt:

 

 

1. Was macht eine wirkungsvolle Begegnung aus?

 

Geruch ist der einzige Sinneskanal, den man nicht betrügen kann. Das unbewusste Fühlen des Gegenübers wird wie bei keinem anderen Sinn aktiviert. Daher ist die wirkungsvolle Begegnung auf dieser Ebene geprägt vom Zeigen und Erkennen des Wesens, der Stimmung und der Werte der Kommunizierenden.

 

Duft ist das erste Element der Begegnung. Bevor wir mit jeglichem anderen Sinn das Setting erfassen, hat das Riechen, allein durchs Atmen schon wichtige Weichen gestellt: Bin ich sicher? Ist das echt was ich sehe, höre oder fühle? Und vor allem: Woran erinnert es mich?!

 

Und Duft ist das letzte Element der Begegnung. Denn auch kein anderer Sinn verdrahtet im Kopf Erinnerungen so fest wie das Riechen. Diese beiden Faktoren aktiv bewusst zu leben, wird jede Begegnung verändern.

 

 

2. Worauf ist bei der Gestaltung einer Begegnung zu achten?

 

Riechen gehört fest mit in die Planung. Ist die Eventlocation für den Launch einer Nobel-Uhrenmarke beispielsweise neben einer Bio-Hühnerfarm? Passt nicht. Geht es um Outdoormode, dann ist der ländliche Geruch Teil der Inszenierung.

 

Wenn eine aktive Beduftung vorgesehen ist, muss diese den Werten der Unternehmung entsprechen. Eigenwillig gutes Beispiel: Abercrombie und Fitch. Die kommunizierten Firmenwerte sind laut, unverhohlen, auf Äußerlichkeiten bezogen. Genau so ist die Parfumierung der Geschäftsräume. Da wurde alles „richtig“ gemacht.

 

Weniger gutes Beispiel: Bäckerei, die mit „Frischem Backwerk“-Duft parfumiert wird und man am Abend 16 Stunden alte Brötchen bekommt.

 

Dies gilt auch für Menschenbegegnungen. Beispiel: Der Agenturchef kommt am Nachmittag zum Kunden, mit einer perfekten Präsentation. Gegessen hat er seit heut Morgen nichts. Er ging lieber noch zwei Mal alles durch. Sein Hunger-Mundgeruch wird den versammelten Säugetieren (Kunden) verraten, dass dieses gehetzte Tier da vorn noch nicht einmal in der Lage ist, für sich zu sorgen. Das Rudel (welches den Auftrag dann an einen anderen vergibt) also schwächen wird. Riechen ist hemmungslos ehrlich.

 

Begegnung Riechen Geruchsinn Event

 

 

3. Was können Eventgestalter bei der Planung von Begegnungen davon lernen?

 

Wer die Werte des Kunden, Produkts, Zeitpunkts kennt, wird nichts falsch machen. Also sind diese Werte Tagesordnungspunkt 1. Wer dazu dann auch noch die Trigger seines Publikums kennt, macht alles richtig. Also Tagungsordnungspunkt 2. Dann multiperspektivisch denkende Experten ins Boot holen und zur Interaktion miteinander ermutigen.

 

Perfekt schlechtes Beispiel: Die Waldlandschaft einer Streetware-Modemesse, bestehend aus Großformatdrucken und künstlichen Bäumen. Die Beduftung der Halle stellte „Wald“ authentisch dar. Der Lösungsmittelgeruch aus den Drucken und dem Chinaplastikgeruch der Bäume jedoch nicht. Besucher bekamen Kopfschmerzen. Die Verweildauer war zu kurz, die Umsätze der Aussteller schlecht. Diese blieben im nächsten Jahr aus. Der Veranstalter ging fast pleite. Keiner kam darauf, dass es am Geruch gelegen hat.

 

Perfekt gutes Beispiel: Eine Popcorn Maschine an einem Messestand für elektronische Whiteboards bei der Didakta. Die Whiteboards waren so einfach zu bedienen „wie Popcorn“. Das Image des Herstellers gut gelaunt. Man konnte auch Filme auf die Boards projizieren (Kino). Die Besucher hatten einen Duftleitfaden durch die ganze Messehalle. An dessen Ziel stand eine spannende neue Technologie, deren Kern unsichtbar ist. Sie kauten während der Präsentation (Hirndurchblutung 😉 ) und die Finger dufteten danach nach dem Whiteboard-Erlebnis.

 

 

Parfumeur Uwe L. ManasseParfumeur Manasse erschafft in seinem Duftwerk Atelier in Köln unsichtbare Signaturen für Räume, Situationen und Menschen. Persönlicher Lieblingsduft: Die Haut im Frühjahr, wenn zum ersten mal die Sonne darauf scheint.

 

 

 

Weiter geht es mit dem Sinnesorgan Schmecken – dazu hier das Interview mit Max Chocolatier.

Frauen in der Eventbranche: You have, what it takes. Go for it!

Frauen in der Eventbranche – ein unverstellter Blick auf den Status Quo // Photo: Priscilla Bucher

 

 

In meinem Sabbatical besuchte ich mit obiger liebenswürdig-verrückten Feministin die Pinakothek der Moderne in München. Ein herrlicher Streifzug durch die Epochen mit spannenden Gesprächen. Dabei stellte Priscilla mir eine Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht:

 

„Chris, stell dir vor du wachst morgen auf. Du bist noch genau derselbe Chris, der du bist. Einzig dein Körper ist der einer Frau.“

 

Soweit, so gut. Ehrlich gesagt: Ein aufregender Gedanke. 😉 Warum nicht. Tolles Gedankenspiel. Dann der Haken:

 

„Du sitzt bei deinem Chef zum Jahresgespräch. Es geht um deine Lohnverhandlung.“

 

Mir dämmerte es sofort. Scheiße. Das Äußere verändert sofort alles. Einfach, weil ich im Körper einer Frau stecke, schlagen mir Vorurteile ins Gesicht. Ich werde nicht das gleiche Gehalt bekommen, was meinem Kollegen gewährt wird. Ich werde nicht die Anerkennung durch eine Beförderung erhalten, wie sie mein Kollege erhält.

 

Männer – dranbleiben. Ja, es mag stereotyp klingen. Aber wenn wir ehrlich sind: Das ist so. Als Frau werde ich belächelt, muss mich beweisen. Der Weg als Mann ist vorprogrammiert: Die Beförderung samt Lohnerhöhung steht mir natürlich zu. Als Frau muss ich dafür kämpfen, was es nicht besser macht. Das ist unverkennbar: ungerecht.

 

 

Tragödie des Genders – Mann vs. Frau

 

Die Begegnung mit Priscilla und ihre Frage lässt mich seit einem halben Jahr nicht mehr los. Wenn ich den Gedanken weiterdenke, folgen eine Menge herausfordernder Situationen. Gerade für Frauen ist die Eventbranche kein leichtes Eisen. Natürlich ist bei weitem nicht alles stereotyp. Dennoch einige Erlebnisse aus den letzten Monaten:

 

1. Frauenquote in Unternehmen

 

Neulich erst redete sich wieder ein Chef auf einer Veranstaltung um Kopf und Kragen. Leider kann ich die Worte nicht zitieren, wären sie doch zu treffend gewesen. Aber jeder kann sich diese Situationen vorstellen. Alt-Herren-Mentalität par excellence – peinlich bis körperlich schmerzend. Puh. Wäre es nur ein Satz gewesen, hätte Mann wie Frau es vielleicht ertragen können. Aber mit jedem weiteren Satz verstrickte er sich und offenbarte, wie wenig er den Sinn hinter dieser wichtigen Maßnahme verstanden hat. Das offenbart, wie wenig das Thema im Herzen angekommen ist. So wird ein konstruktives, gleichberechtigtes, unvorbelastetes Miteinander sicher nicht gefördert. Es ist Zeit, dass sich daran etwas ändert!

 

Gleichzeitig stelle ich fest, dass aufgrund der Frauenquote in manchen Konzernen Männer mittlerweile das nachsehen haben. Ohne das Thema statistisch validieren zu können stosse ich in letzter Zeit immer wieder auf Kollegen, die einfach frustriert waren. Das als Wahrnehmung, ohne bewerten zu wollen.

 

2. Arbeit als Regisseurin…

 

In dem Gedankenspiel würde ich konsequenterweise als Regisseurin sowohl Vorstände auf der Bühne, aber auch ein zu 98% männliches Technikteam führen. Da muss Frau erstmal ihren Mann stehen. Welches Alphatier im Vorstand lässt sich schon gerne vor der ganzen Mannschaft von einer Frau korrigieren? Das Thema ist sowieso sensibel und bedarf Fingerspitzengefühl: Klar, solide, ruhig kommunizieren. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber folgendes Beispiel bestätigt die Regel:

 

Kürzlich habe ich ein Projekt konzeptionell beraten. Für die Durchführung habe ich einige Regie-Kolleginnen vorgeschlagen. Die Rückmeldung war, dass es definitiv keine Frau sein soll. „Der CEO lässt sich nicht von einer Frau führen.“ Das ist natürlich höchst pauschal und unfair. Julia Möller, Nadine ImbodenMonika Graf, Andreana Clemenz oder Konstanze Agatz machen einen hervorragenden Job als Regisseurin. Vielleicht sind Männer bei euch gerade wegen der Diskretion und Empathie in besten Händen. Mein Respekt, wie ihr eure Aufgabe täglich mit Bravour meistert (oder ist das eine der leichtesten Übungen? Bei der nächsten Begegnung werden wir drüber sprechen…)! Dieses hinterfragen Kundenseits gilt übrigens nicht nur für Regisseurinnen, sondern auch für ModeratorInnen aber auch ProjektleiterInnen, wie mir kürzlich eine Kollegin bestätigte.

 

3. Selbstbewusstsein

 

Ein anderes Phänomen ist für mich das Thema Selbstbewusstsein. Oder anders: Sich seiner selbst bewußt zu sein. Was kann ich, was nicht. Was davon teile ich mit, was nicht. Verbal wie nonverbal. Allein meine Körperhaltung verrät unfassbar viel darüber, was ich mir selbst zutraue. Eine Vorstandsdame erzählte kürzlich beiläufig diese Geschichte: Eine junge Porjektmanagerin entschuldigte sich vor ihrer Präsentation für ihr unperfektes Englisch. In den Köpfen der Zuhörer war sofort verankert: Jetzt kommt schlechtes Englisch. Dabei brillierte sie auf fachlicher wie sprachlicher Ebene. Nur waren die Zuhörer gedanklich gar nicht dabei… Danach kam ein älterer Mann, der sich hinstellte und im breiten Bayern-Kauderwelsch seine englischsprachige Präsentation hielt. Es lagen Welten dazwischen, aber der Mann hat es einfach gemacht. Die Leute haben zugehört. Die Moral: Einfach machen, nicht entschuldigen.

 

Ein Phänomen, welches mir auch im Gespräch mit meiner Frau aufgefallen ist. Als Mann neige ich bei Jobanfragen dazu einfach JA zu sagen – auch wenn ich das fachlich noch nie gemacht habe. Die Entscheidung ist wenig reflektiert, sie ist instinktiv. Traue ich mir zu, mache ich, klar. Meine Frau wägt die Fallstricke eher kritisch ab. Das ist keine Wertung, sondern nur eine Wahrnehmung: Männer sagen einfach Ja, Frauen denken oft (über)kritisch darüber nach. Da können wir uns durchaus etwas von der jeweils anderen Seite abschauen.

 

Frauen in der Eventbranche

„Gib mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Kraft

Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu trennen.“

 

 

Natürlich geht es dabei nicht darum sich selbst zu überschätzen, sondern zu spüren: Was könnte ich hin bekommen, auch wenn ich davor großen Respekt habe und was ist einfach nicht möglich. Heute weiß ich: Denken hilft. Ich habe gelernt einmal mehr nachzudenken, bevor ich handle. Das bewahrt mich vor mancher Peinlichkeit – ob offensichtlich oder nicht. Aber ohne Mut wäre ich nicht da, wo ich bin. Meine Frau konnte ich genau dazu ermutigen, sich öfter auf das Abenteuer einzulassen. Natürlich hat sie Job-Anfragen immer gekonnt umgesetzt – und war froh, dass sie JA gesagt hat. Manchmal merken wir ja erst beim Tun, was so alles in uns steckt…

 

Mein Punkt: Ich kenne so viele Projektmanagerin im Eventbereich, die einfach unfassbar gut, durchdacht, stringent, souverän und umsichtig agieren. Egal auf welchem Level (und ohne Ranking) – ich bin beeindruckt von Frauen wie Hanna Hasenbank, Alexa Küddelsmann, Weijie Yang, Barbara Zickler, Eva Heid, Stefanie Dieterich, Andrea Bergheim, Sabine Pollmann, Swantje Marquardt, Gabi Garmatz, Claudia Krause, Louise Amelie Leuchtenberger, Eugenie Jung, Julia Arnold, Silja Neumann, Britta Bahlow, Miriam Gundlach, Gaby Bartolomeo, Fran Koetter, Uta Brinksmeier, Antonia Eisert, Vivien Stamm, Stephanie Fottner, Grit Aßmuß, Grit Scholz, Nadja Pohle, Vera Viehöfer, Kerstin Riedmüller, Andela Riedel, Eva Pehle, Anne Reinhardt, Nadja Meister, Yvonne Katz, Kerstin Hoffmann-Wagner, Daniela Seemann, Nadja Bartels, Maren Neumeier und viele mehr, die ich jetzt vergessen habe. You have, what it takes. Go for it!

Update: Katharina Stein vom Eveos Blog reagiert auf diese Gedanken mit diesem Plädoyer zur Haltung.

 

4. Kinderwunsch

 

Als zweifacher Vater erlebe ich die Dramatik, die sich im Körper der Frau abspielt, besser mit. Ich wußte vorher nicht, wie intensiv zum Beispiel die Geburt ist. Viele Freunde hegen seit Jahren einen Kinderwunsch. Nicht die Norm – aber immer öfter bekomme ich mit, wie sich ein Paar auf eine Hormon-Therapien einlässt. Das hat krasse Auswirkungen auf den Körper, aber auch die Seele. Bei vielen anderen Freunden gab es Totgeburten. Ein unvorstellbares Leid. Nicht nur emotional, sondern auch physisch. Das hinterlässt Spuren.

 

Dies ist aber ja nur der erste Schritt. Was ist, wenn dann die Kinder größer werden. Wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt – beziehungsweise eben auch nicht – darüber haben vier Kolleginnen höchst ehrlich geschrieben. Gerade im Eventbereich ist das mit den krassen Arbeitszeiten fast unmöglich. Ok, man könnte meinen egal ob Mann oder Frau: Wer sich für die Eventbranche entscheidet braucht einen toleranten Partner und eine verlässliche Kinderbetreuung. Aber die Frage wer zu Hause bleibt, wenn das Kind krank ist, brauche ich gar nicht zu stellen. Natürlich der Mann. Äh…?

 

 

Frauen in der Eventbranche – ein Segen!

 

Vor einiger Zeit habe ich den grandiosen Dokumentarfilm „Where to invade next“ des US-Oscarpreisträgers Michael Moore gesehen. Am Ende des Films stellt er den Einfluss von Frauen in die Gesellschaft Island’s vor. Island wählte die erste Präsidentin weltweit. Die einzige Bank, die die Wirtschaftskrise überstand war eine von Frauen geführte Bank. Moore’s Aufforderung: Frauen an die Macht – denn sie sorgen sich um durchdachte, langfristige und für alle Seiten faire Entscheidungen. Das führt zu Fairness und Nachhaltigkeit. Ich kann ihm da nur beipflichten. Wir müssen Frauen faire Chancen geben.

 

Mein Frauenbild ist grundsätzlich sehr positiv durch meine Oma geprägt worden (hier ein filmisches Porträt). Meine Mutter ist eine sehr starke, mutmachende, lebensbejahende, stringente, verändernde Frau. Auch aufgrund dieser Prägung halte ich immer wieder Ausschau nach Möglichkeiten, wie ich Frauen bei Events fördern kann. Es macht Spaß zu entdecken, wie konsequent ich positiv überrascht werde. Frauen können es, sie brauchen nur öfters die unvoreingenommene Chance. Geben wir Ihnen, was Ihnen zusteht!

 

 

Mit diesen Gedanken möchte ich dazu inspirieren, das Geschlecht als Kriterium unseres (Vor)Urteils zu verbannen! Ein unverstellten Blick (wie Priscilla Bucher in diesem Video vorlebt) tut uns allen gut. Lasst uns offen und fair miteinander Chancen verwandeln. Für alle Männer, die es bis hierhin durchgehalten haben: Nur Mut, ihr werdet überrascht werden! Das gilt auch für euch Frauen – nur Mut, ihr werdet überrascht werden „was alles möglich ist“! Lasst uns das Gute vom anderen Geschlecht abschauen, voneinander lernen, besser im Umgang miteinander werden.

 

 

Frage: Männer wie Frauen: Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema in der Eventbranche gemacht?

 

 

Wertegemeinschaften: Lasst die Zielgruppen frei!

Zielgruppen vs. Wertegemeinschaften – eine Art Petition von Helge Thomas // Foto: Mercat de la Boqueria auf den Ramblas, Barcelona

 

 

Wenn ich diesen Artikel mit der Behauptung beginne, dass Kommunikation eine der entscheidenden Kompetenzen unserer Zeit ist, wird mir vermutlich niemand widersprechen. Und Bumms. Schon knallen wir gegen die erste Hürde. Niemand lehrt uns Menschen den richtigen Umgang mit Kommunikation. Wir kommunizieren einfach.

 

Alles beginnt mit dem ersten noch unbewussten Schrei, der uns Liebe und im besten Fall Essen beschert. Da hat sich Mutter Natur was tolles ausgedacht. Funktioniert bestens. Bis… – ja bis das mit der Sprache beginnt. „Dutzi dutzi“ hören wir ständig und gurren belustigt zurück. Um es kurz zu machen: Viel ändert sich daran nicht mehr im Verlauf unseres weiteren Lebens. Wir schreien und die Umwelt reagiert. Wir gurren und die Reaktion ist eine andere. Wir bemühen uns ja redlich aber es bleibt kompliziert. Oft genug endet unser Bemühen mit Frust, Streit und Mißverständnissen.

 

Der Oscar prämierte Dramatiker George Bernard Shaw beschrieb dieses Dilemma einst etwas poetischer:

Das größte Problem an der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte statt gefunden“.

 

 

Zielgruppen: „Frauen auf Partnersuche“ & „Männern über 60“

 

Machen wir nach dieser – zugegeben etwas launigen – Einleitung einen mutigen Sprung in die „professionelle“ Kommunikation zwischen Unternehmen und Märkten. Auch hier wird mir niemand widersprechen, wenn ich behaupte, dass Kommunikation ein Schlüsselfaktor wirtschaftlichen Erfolges ist. Das beste Produkt wird in den Lagern verrotten, wenn keiner davon erfährt. Also wird kommuniziert, was das Zeug hält. Doch ganz so einfach ist es nicht. Bestand zwischen dem Säugling und den Eltern noch eine klare Sender-Empfänger-Zuordnung, fehlt diese jetzt völlig. Ein Produkt trifft auf unendlich viele Empfänger.

 

Die Urväter der Werbung erkannten das schnell. Ihre Lösung erschien zunächst logisch. Sie sortierten den riesigen Klumpen „Gesamtbevölkerung“ einfach nach vordergründigen und leicht erkennbaren Merkmalen. Dann sperrten sie diese „Grüppchen“ in kleine Räume und nannten sie „Zielgruppen“. Und so saßen plötzlich alle „Frauen auf Partnersuche“, alle „Männer über 60“ und alle „Kinder aus Großstädten mit höherem Schulabschluss“ zusammen in je einem kleinen Raum und wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Doch es kam noch schlimmer.

 

Kaum hatten sich ihre verängstigten Augen an die flackernde Neonleuchte an der Decke gewöhnt, da ging das Geschrei auch schon los. Es kam aus dem einzigen Fernseher des Raumes. „Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Single über Parship“, „Weniger müssen müssen!“, „Günstige Hotels weltweit buchen, jetzt auf deinem Smartphone“ und immer wieder ultralaut „JETZT KAUFEN! NUR FÜR KURZE ZEIT!“. Den ganzen Tag ging das so. Und die ganze Nacht. Laut, eintönig und penetrant. Es gab kein Entkommen.

 

 

So blöd kann ja nun wirklich niemand sein…

 

Klingt nach Orwell? Stephen King? Dabei ist es nur das, was wir heute immer noch als „Werbung“ bezeichnen. Viel hat sich nicht geändert seit den ersten Anzeigen. Es wurde lediglich immer mehr. Waren es am Anfang nur Bilder, die „geschrien“ haben, kamen mit der Zeit das Radio, das Kino, der Fernseher, der Computer, das Internet und zuletzt noch perfide kleine Mobilgeräte dazu. Die Botschaften blieben immer dieselben. Geklont auf jede erdenkliche Art, auf allen erdenklichen Kanälen. Immer lauter einhämmernd auf die hilflos eingepferchte Zielgruppe.

 

Immer mal wieder wehrten sie sich. Nach Kräften. Doch kaum hatten sie ein Gerät blockiert, kam ein neues dazu. Denn auf seiten der Schreihälse gab es weder Erkenntnis noch Erbarmen. „Wir kennen doch diese verdammten Zielgruppen. Die lieben unsere Produkte. Man muss es ihnen nur oft genug sagen. Sie sehen doch, wie der Umsatz steigt!“ In der Tat geben die Verkaufszahlen und Klickraten den Schreihälsen oft Recht. Auch wenn sie natürlich verschweigen, dass sie an den völlig falschen Stellen messen. Aber das ist eine ganz andere – nicht minder grausame – Geschichte.

 

Schweißgebadet wache ich auf. Gott sei Dank, ich habe nur geträumt. Erleichtert wische ich mir über die Stirn. Wie albern, denke ich. Ich meine, so blöd kann ja nun wirklich niemand sein. Niemand, der die guten Schulen besucht, Kommunikation oder Marketing studiert hat und weiß, dass man Menschen nicht mit eintönigem Geschrei erreicht. Schon gar nicht, wenn man sie vorher eingesperrt hat. Das wäre ja Folter im Sinne der Genfer Konventionen und somit ein Fall für Den Haag. Das wäre ja so, als würden Ärzte den menschlichen Körper in Einzelteile trennen, jedes davon völlig isoliert betrachten und behandeln, wohl wissend, dass der Mensch ein Gesamtorganismus ist. Halt warte… schlechter Vergleich. Das tun die ja auch.

 

Könnt Ihr mir überhaupt folgen? Versteht Ihr, was ich sagen will?

 

OK, nochmal ganz einfach: Menschen sind sehr komplexe und individuell höchst unterschiedliche Wesen, die nur dann (re)agieren, wenn ihnen etwas wirklich wichtig und wertvoll ist. NUR dann. Fangt doch mal bei Euch selbst an. Was ist das wertvollste, dass Ihr besitzt? Lasst mich raten, es ist nicht Euer Auto. Mit welchen Menschen würdet Ihr gerne einen Abend verbringen? Doch wohl am ehesten – abgesehen von irgendwelchen Promis – mit Menschen, die Eure Werte und Interessen teilen. Also Menschen, die auch einen Hund haben, sich ebenfalls vegan ernähren, Ähnliches erlebt haben, dieselbe Musik lieben, dieselben Bücher lesen oder – etwas trauriger – die gleiche Krankheit haben wie Ihr. Richtig?

 

Wir haben vor drei Jahren einen Versuch gemacht und genau solche Fragen, willkürlich zusammegestellt, auf 14fragen.de veröffentlicht. Nach einiger Zeit haben wir die dort anonym gegebenen 804 Antworten in einem kleinen – von unserer Designerin schön gestalteten – Booklet zusammen gestellt. Wenn Ihr Lust habt, da mal rein zu schauen, schreibt mir einfach eine Mail mit Eurer Adresse und ich schicke Euch ein Exemplar zu.

 

Wie auch immer. Solltet Ihr – was ich nicht glaube – noch nie auf die Idee gekommen sein, Eure Kunden nach mehr als ihrer Mailadresse, ihrer Kleidergröße oder ihrer Position im Unternehmen zu befragen. Wenn Ihr sie stattdessen – was ich nicht glaube – jeden Tag auf allen Kanälen mit dumpfen „Wir haben den Längsten“-Botschaften bewerft, weil Ihr glaubt „alle in einen Sack und drauf, es wird schon die richtigen treffen“. Wenn… – aber Freunde, wirklich nur dann schaut Euch diesen Film an. Schaut ihn zuende.

 


Wertegemeinschaften vs. Zielgruppen Ansprache von TV2 Dänemark // (Quelle: TV2 youtube)

 

 

Herzwert kommunizieren!

 

Schaut ihn noch einmal. Schöner kann man nicht erklären, was ich meine. Und wenn ihr auch ein kleines bisschen Gänsehaut habt oder euch zumindest ein heimliches Tränchen aus dem Augenwinkel entweicht, dann ist es noch nicht zu spät. Dann lasst uns endlich anfangen, wieder WERTvoll mit Menschen zu kommunizieren. Lasst uns dabei an sich verändernde WERTEgemeinschaften denken, nicht an eingesperrte Zielgruppen. Und lasst uns vor allem nicht (nur) über Produkte sondern über echte WERTE reden. Zuallererst mal über unsere eigenen. Und dann lasst Euch überraschen, wieviele Herzen uns zufliegen.

 

Das Schönste daran: Ein gewonnenes Herz bleibt viel länger als ein erzwungener „Kunde“. Geld verdienen sollte die Folge dessen sein, was wir tun, niemals das Ziel. Klar soweit?

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas ist Creative Director bei pro event live-communication in Heidelberg und in dieser Rolle ebenso Gründer von SHIFT, einer Initiative für neues Denken und Handeln sowie Herausgeber und Redakteur des Online-Magazins HERZWERT. Aus seiner großen Liebe zum SC Freiburg und den vielen Freudentränen im dortigen Schwarzwaldstadion macht er ebenso wenig ein Geheimnis wie um seine große Leidenschaft für kreative Ideen und mutige Menschen, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen. Helge ist auf vielen sozialen Netzwerken zu finden und freut sich immer über Zuwachs in seiner Wertegemeinschaft.

TOP Event Blogposts 2016

TOP Event Blogposts 2016 – DANKE für das Interesse!

 

 

»ALLES WIRKLICHE LEBEN IST BEGEGNUNG.« Martin Buber

 

 

2016 war ein Jahr spannender Umbrüche. Gesellschaftlich, politisch und auch persönlich. Die zweite Jahreshälfte habe ich mir als Auszeit gegönnt. Was ich in meinem Sabbatical für Entdeckungen gemacht habe, darüber werde ich in zwei Wochen schreiben.

 

2016 mit Blick auf meinen Blog kann ich in einem Wort zusammenfassen: Danke. Danke für das Interesse (29.173 Nutzer mit 112.232 Seitenaufrufen), jeden Kommentar und das teilen der Beiträge! Der konstant wachsende Traffic auf meinem Blog zeigt, dass es großen Bedarf an Wissen über Showinszenierung, technologische Entwicklungen und Konzeption in der Live-Kommunikation gibt.

 

Immer wieder bekomme ich die Frage gestellt, worin die Motivation für meinen Blog besteht. Die kurze Antwort lautet, dass ich gerne Event-Gestaltern weiterhelfe. Ich arbeite dafür, dass mehr Events Sichtweisen und Einstellungen von Gästen verändern. Es steckt so viel Potential in unserem Handwerk – für uns persönlich, unsere Branche, aber vor allem Wirtschaft und Gesellschaft! Jetzt aber zu den zehn TOP Event Blogposts 2016.

 

 

TOP Event Blogposts 2016 – das habt ihr gelesen:

 

1. Wie schreibe ich einen Regieplan? // Eine Muster-Vorlage gibt es hier!

2. Seminare & Workshops: 7 Meeting Design Tipps, um Vorträge spannender zu gestalten…

3. Event Zitate: Die besten Event Sprüche

4. Event-Konzept: Mit diesen 13 Fragen wird jede Veranstaltung besser…

5. Veranstaltungskonzeption // 7 Kernfragen für erfolgreiche Events

6. Ich bin dann mal OFF: Warum ich ein Sabbatical als Freelancer mache…

7. Medienserver: Welchen benötige ich für mein Event?

8. Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

9. PR Kampagnen, die überzeugt haben…

10. Cristián Gálvez: Argumentationstechniken // Tunen Sie Ihren Fünfsatz

 

 

2017 – was steht an? Mehr Begegnung!

 

Ich freue mich in 2017 weitere Impulse über diesen Blog zu geben – den Auftakt machen 21 Expertenmeinungen zum Event Trend 2017. Noch mehr freue ich mich auf Live-Begegnungen und gemeinsam transformative Momente zu inszenieren. Neben der Eventregie und Konzeption werde ich mich verstärkt in die inhaltliche Beratung von Events investieren. In diesem Sinne: Frohes Neues – ich freue mich auf Begegnung!

 

PS: Wer mein Buch Events wirkungsvoll inszenieren noch nicht kennt: Schaut doch mal rein, da steckt das geballte Wissen rund um Inszenierung mit praktischen Handlungstips drin.