Wertegemeinschaften: Lasst die Zielgruppen frei!

Zielgruppen vs. Wertegemeinschaften – eine Art Petition von Helge Thomas // Foto: Mercat de la Boqueria auf den Ramblas, Barcelona

 

 

Wenn ich diesen Artikel mit der Behauptung beginne, dass Kommunikation eine der entscheidenden Kompetenzen unserer Zeit ist, wird mir vermutlich niemand widersprechen. Und Bumms. Schon knallen wir gegen die erste Hürde. Niemand lehrt uns Menschen den richtigen Umgang mit Kommunikation. Wir kommunizieren einfach.

 

Alles beginnt mit dem ersten noch unbewussten Schrei, der uns Liebe und im besten Fall Essen beschert. Da hat sich Mutter Natur was tolles ausgedacht. Funktioniert bestens. Bis… – ja bis das mit der Sprache beginnt. „Dutzi dutzi“ hören wir ständig und gurren belustigt zurück. Um es kurz zu machen: Viel ändert sich daran nicht mehr im Verlauf unseres weiteren Lebens. Wir schreien und die Umwelt reagiert. Wir gurren und die Reaktion ist eine andere. Wir bemühen uns ja redlich aber es bleibt kompliziert. Oft genug endet unser Bemühen mit Frust, Streit und Mißverständnissen.

 

Der Oscar prämierte Dramatiker George Bernard Shaw beschrieb dieses Dilemma einst etwas poetischer:

Das größte Problem an der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte statt gefunden“.

 

 

Zielgruppen: „Frauen auf Partnersuche“ & „Männern über 60“

 

Machen wir nach dieser – zugegeben etwas launigen – Einleitung einen mutigen Sprung in die „professionelle“ Kommunikation zwischen Unternehmen und Märkten. Auch hier wird mir niemand widersprechen, wenn ich behaupte, dass Kommunikation ein Schlüsselfaktor wirtschaftlichen Erfolges ist. Das beste Produkt wird in den Lagern verrotten, wenn keiner davon erfährt. Also wird kommuniziert, was das Zeug hält. Doch ganz so einfach ist es nicht. Bestand zwischen dem Säugling und den Eltern noch eine klare Sender-Empfänger-Zuordnung, fehlt diese jetzt völlig. Ein Produkt trifft auf unendlich viele Empfänger.

 

Die Urväter der Werbung erkannten das schnell. Ihre Lösung erschien zunächst logisch. Sie sortierten den riesigen Klumpen „Gesamtbevölkerung“ einfach nach vordergründigen und leicht erkennbaren Merkmalen. Dann sperrten sie diese „Grüppchen“ in kleine Räume und nannten sie „Zielgruppen“. Und so saßen plötzlich alle „Frauen auf Partnersuche“, alle „Männer über 60“ und alle „Kinder aus Großstädten mit höherem Schulabschluss“ zusammen in je einem kleinen Raum und wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Doch es kam noch schlimmer.

 

Kaum hatten sich ihre verängstigten Augen an die flackernde Neonleuchte an der Decke gewöhnt, da ging das Geschrei auch schon los. Es kam aus dem einzigen Fernseher des Raumes. „Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Single über Parship“, „Weniger müssen müssen!“, „Günstige Hotels weltweit buchen, jetzt auf deinem Smartphone“ und immer wieder ultralaut „JETZT KAUFEN! NUR FÜR KURZE ZEIT!“. Den ganzen Tag ging das so. Und die ganze Nacht. Laut, eintönig und penetrant. Es gab kein Entkommen.

 

 

So blöd kann ja nun wirklich niemand sein…

 

Klingt nach Orwell? Stephen King? Dabei ist es nur das, was wir heute immer noch als „Werbung“ bezeichnen. Viel hat sich nicht geändert seit den ersten Anzeigen. Es wurde lediglich immer mehr. Waren es am Anfang nur Bilder, die „geschrien“ haben, kamen mit der Zeit das Radio, das Kino, der Fernseher, der Computer, das Internet und zuletzt noch perfide kleine Mobilgeräte dazu. Die Botschaften blieben immer dieselben. Geklont auf jede erdenkliche Art, auf allen erdenklichen Kanälen. Immer lauter einhämmernd auf die hilflos eingepferchte Zielgruppe.

 

Immer mal wieder wehrten sie sich. Nach Kräften. Doch kaum hatten sie ein Gerät blockiert, kam ein neues dazu. Denn auf seiten der Schreihälse gab es weder Erkenntnis noch Erbarmen. „Wir kennen doch diese verdammten Zielgruppen. Die lieben unsere Produkte. Man muss es ihnen nur oft genug sagen. Sie sehen doch, wie der Umsatz steigt!“ In der Tat geben die Verkaufszahlen und Klickraten den Schreihälsen oft Recht. Auch wenn sie natürlich verschweigen, dass sie an den völlig falschen Stellen messen. Aber das ist eine ganz andere – nicht minder grausame – Geschichte.

 

Schweißgebadet wache ich auf. Gott sei Dank, ich habe nur geträumt. Erleichtert wische ich mir über die Stirn. Wie albern, denke ich. Ich meine, so blöd kann ja nun wirklich niemand sein. Niemand, der die guten Schulen besucht, Kommunikation oder Marketing studiert hat und weiß, dass man Menschen nicht mit eintönigem Geschrei erreicht. Schon gar nicht, wenn man sie vorher eingesperrt hat. Das wäre ja Folter im Sinne der Genfer Konventionen und somit ein Fall für Den Haag. Das wäre ja so, als würden Ärzte den menschlichen Körper in Einzelteile trennen, jedes davon völlig isoliert betrachten und behandeln, wohl wissend, dass der Mensch ein Gesamtorganismus ist. Halt warte… schlechter Vergleich. Das tun die ja auch.

 

Könnt Ihr mir überhaupt folgen? Versteht Ihr, was ich sagen will?

 

OK, nochmal ganz einfach: Menschen sind sehr komplexe und individuell höchst unterschiedliche Wesen, die nur dann (re)agieren, wenn ihnen etwas wirklich wichtig und wertvoll ist. NUR dann. Fangt doch mal bei Euch selbst an. Was ist das wertvollste, dass Ihr besitzt? Lasst mich raten, es ist nicht Euer Auto. Mit welchen Menschen würdet Ihr gerne einen Abend verbringen? Doch wohl am ehesten – abgesehen von irgendwelchen Promis – mit Menschen, die Eure Werte und Interessen teilen. Also Menschen, die auch einen Hund haben, sich ebenfalls vegan ernähren, Ähnliches erlebt haben, dieselbe Musik lieben, dieselben Bücher lesen oder – etwas trauriger – die gleiche Krankheit haben wie Ihr. Richtig?

 

Wir haben vor drei Jahren einen Versuch gemacht und genau solche Fragen, willkürlich zusammegestellt, auf 14fragen.de veröffentlicht. Nach einiger Zeit haben wir die dort anonym gegebenen 804 Antworten in einem kleinen – von unserer Designerin schön gestalteten – Booklet zusammen gestellt. Wenn Ihr Lust habt, da mal rein zu schauen, schreibt mir einfach eine Mail mit Eurer Adresse und ich schicke Euch ein Exemplar zu.

 

Wie auch immer. Solltet Ihr – was ich nicht glaube – noch nie auf die Idee gekommen sein, Eure Kunden nach mehr als ihrer Mailadresse, ihrer Kleidergröße oder ihrer Position im Unternehmen zu befragen. Wenn Ihr sie stattdessen – was ich nicht glaube – jeden Tag auf allen Kanälen mit dumpfen „Wir haben den Längsten“-Botschaften bewerft, weil Ihr glaubt „alle in einen Sack und drauf, es wird schon die richtigen treffen“. Wenn… – aber Freunde, wirklich nur dann schaut Euch diesen Film an. Schaut ihn zuende.

 


Wertegemeinschaften vs. Zielgruppen Ansprache von TV2 Dänemark // (Quelle: TV2 youtube)

 

 

Herzwert kommunizieren!

 

Schaut ihn noch einmal. Schöner kann man nicht erklären, was ich meine. Und wenn ihr auch ein kleines bisschen Gänsehaut habt oder euch zumindest ein heimliches Tränchen aus dem Augenwinkel entweicht, dann ist es noch nicht zu spät. Dann lasst uns endlich anfangen, wieder WERTvoll mit Menschen zu kommunizieren. Lasst uns dabei an sich verändernde WERTEgemeinschaften denken, nicht an eingesperrte Zielgruppen. Und lasst uns vor allem nicht (nur) über Produkte sondern über echte WERTE reden. Zuallererst mal über unsere eigenen. Und dann lasst Euch überraschen, wieviele Herzen uns zufliegen.

 

Das Schönste daran: Ein gewonnenes Herz bleibt viel länger als ein erzwungener „Kunde“. Geld verdienen sollte die Folge dessen sein, was wir tun, niemals das Ziel. Klar soweit?

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas ist Creative Director bei pro event live-communication in Heidelberg und in dieser Rolle ebenso Gründer von SHIFT, einer Initiative für neues Denken und Handeln sowie Herausgeber und Redakteur des Online-Magazins HERZWERT. Aus seiner großen Liebe zum SC Freiburg und den vielen Freudentränen im dortigen Schwarzwaldstadion macht er ebenso wenig ein Geheimnis wie um seine große Leidenschaft für kreative Ideen und mutige Menschen, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen. Helge ist auf vielen sozialen Netzwerken zu finden und freut sich immer über Zuwachs in seiner Wertegemeinschaft.

TOP Event Blogposts 2016

TOP Event Blogposts 2016 – DANKE für das Interesse!

 

 

»ALLES WIRKLICHE LEBEN IST BEGEGNUNG.« Martin Buber

 

 

2016 war ein Jahr spannender Umbrüche. Gesellschaftlich, politisch und auch persönlich. Die zweite Jahreshälfte habe ich mir als Auszeit gegönnt. Was ich in meinem Sabbatical für Entdeckungen gemacht habe, darüber werde ich in zwei Wochen schreiben.

 

2016 mit Blick auf meinen Blog kann ich in einem Wort zusammenfassen: Danke. Danke für das Interesse (29.173 Nutzer mit 112.232 Seitenaufrufen), jeden Kommentar und das teilen der Beiträge! Der konstant wachsende Traffic auf meinem Blog zeigt, dass es großen Bedarf an Wissen über Showinszenierung, technologische Entwicklungen und Konzeption in der Live-Kommunikation gibt.

 

Immer wieder bekomme ich die Frage gestellt, worin die Motivation für meinen Blog besteht. Die kurze Antwort lautet, dass ich gerne Event-Gestaltern weiterhelfe. Ich arbeite dafür, dass mehr Events Sichtweisen und Einstellungen von Gästen verändern. Es steckt so viel Potential in unserem Handwerk – für uns persönlich, unsere Branche, aber vor allem Wirtschaft und Gesellschaft! Jetzt aber zu den zehn TOP Event Blogposts 2016.

 

 

TOP Event Blogposts 2016 – das habt ihr gelesen:

 

1. Wie schreibe ich einen Regieplan? // Eine Muster-Vorlage gibt es hier!

2. Seminare & Workshops: 7 Meeting Design Tipps, um Vorträge spannender zu gestalten…

3. Event Zitate: Die besten Event Sprüche

4. Event-Konzept: Mit diesen 13 Fragen wird jede Veranstaltung besser…

5. Veranstaltungskonzeption // 7 Kernfragen für erfolgreiche Events

6. Ich bin dann mal OFF: Warum ich ein Sabbatical als Freelancer mache…

7. Medienserver: Welchen benötige ich für mein Event?

8. Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

9. PR Kampagnen, die überzeugt haben…

10. Cristián Gálvez: Argumentationstechniken // Tunen Sie Ihren Fünfsatz

 

 

2017 – was steht an? Mehr Begegnung!

 

Ich freue mich in 2017 weitere Impulse über diesen Blog zu geben – den Auftakt machen 21 Expertenmeinungen zum Event Trend 2017. Noch mehr freue ich mich auf Live-Begegnungen und gemeinsam transformative Momente zu inszenieren. Neben der Eventregie und Konzeption werde ich mich verstärkt in die inhaltliche Beratung von Events investieren. In diesem Sinne: Frohes Neues – ich freue mich auf Begegnung!

 

PS: Wer mein Buch Events wirkungsvoll inszenieren noch nicht kennt: Schaut doch mal rein, da steckt das geballte Wissen rund um Inszenierung mit praktischen Handlungstips drin.

 

Event Trend 2017: Experten zur Live-Kommunikation

Event Trend 2017 // Foto: iPhone Kalender © Apple

 

 

In guter Tradition frage ich Eventgestalter zum Jahreswechsel ein und die selbe Frage: Welchen eine/n Trend, Herausforderung oder Möglichkeit siehst du für 2017, der den stärksten Einfluss auf die Live Kommunikation haben wird?

 

Zunächst noch ein kurzer Rückblick auf die Trendschau 2016. In der Essenz wurde der Fokus auf gutes Storytelling, eine stärkere Vernetzung von Digitalem und Realem sowie innovativer Umsetzung der uns bereits bekannten Möglichkeiten vorhergesagt. Inwiefern das eingetroffen ist, kann der Blick auf die Zusammenstellung der FAMAB Gewinner 2016 des Eveosblog liefern. Jetzt zum Event Trend 2017:

 

 

1. Annette Beyer, GF und Studienleitung treibhaus 0.8:

 

Content. Content. Content. Nicht nur bei den Inhalten am PoE (Point of Erlebnis ;), sondern auch in jedem Selfie, das die Teilnehmer in ihr soziales Netzwerk zwitschern. Gleichzeitig wollen die Leute vor Ort WIRKLICH Spaß haben, sonst bleiben sie lieber, wo sie grad sind – im Büro, in Küche und Kinderzimmer, im Park beim Joggen – und infotainen sich schön praktisch im Netz. Ergo: Inszenierung ist alles!

 

 

2. Martin Kloss, Moderator und Coach:

 

2016 war für mich ein Jahr, das vollgestopft war mit High-Tech Präsentationen und dem alles dominierenden Thema „Digitale Transformation“. Die besondere Herausforderung im nächsten Jahr liegt darin den Menschen wieder zu entdecken. Das stetig gesteigerte Schneller, Höher, Weiter erreicht die Menschen nicht mehr, die digitale Desensibilisierung ist in vollem Gang. Was wir brauchen ist ein Zurück zum Menschen, mit Inhalten und Inszenierungen die wieder echte Kommunikation im Fokus haben, von Mensch zu Mensch.

 

 

3. Christoph Bovenkerk, Unternehmenskommunikation Party Rent Group:

 

Die Chancen stehen gut, dass Events ab 2017 nachhaltiger werden. Jetzt alle erstmal so: Nicht das Thema schon wieder. Mit dem FAMAB Sustainability Summit und der Green Meetings Conference gibt’s am Jahresanfang aber zwei wirklich anständige Formate, die die Kraft besitzen, da mal ein bisschen Schwung reinzubringen. Dazu kommt die Berichtspflicht für große Unternehmen und das ohnehin gestiegene Nachhaltigkeitsbewusstsein. Die Nachfrage nach nachhaltigen Konzepten wird steigen – und Anbietern wird gar nichts anderes mehr übrig bleiben, als sich endlich Gedanken dazu zu machen.

 

 

4. Cristián Gálvez, Keynote-Speaker:

 

Die spürbare Dynamik durch disruptive Kräfte wird sich noch stärker auf die Konzeption der Live-Kommunikation auswirken. Die wachsende Agilität innerhalb der Unternehmensstruktur führt noch mehr zu agilen und dezentralen Eventkonzepten mit höherem Interaktionscharakter.

 

 

5. Linus Eidenbenz, GF askjeff Zürich:

 

Mixed Reality oder breiter gesagt „digital“ wird 2017 das Live-Komm-Erlebnis noch stärker beeinflussen und die alten Definitionen von „Events“ und „Live-Kommunikation“ in vielen Bereichen challengen. Hier brechen Grenzen auf, die bisher als starr galten.

 

 

6. Michael Hosang, GF Studieninstitut für Kommunikation:

 

Die Trends also bzw. den Trend? Oder doch die Lottozahlen? Vielleicht das Live Video Streaming – dynamisch wachsender Markt. Hochinteressant für (interaktive) Veranstaltungsformate.

 

 

7. Vincent Rohlfing, Management Strategie & Konzeption EXPLIZIT:

 

In den nächsten Jahren wird die konsequente Implementierung sinnvoller, digitaler Aktivierung von Gästen zu einer der größten Herausforderungen in der Event Branche. Hier geht es vor allem darum, digitale Angebote nutzbringend einzusetzen und nicht nur, weil es sie gibt.

 

 

8. Pat Kalt, GF tisch13:

 

Aus meiner Sicht wird sich die Live-Kommunikation in Zukunft noch stärker mit Virtual und Digital Space verknüpfen. Die Präsentationen von Seat auf der Pariser Motorshow und Jaguar auf der L.A. Autoshow sind da zwei gute Beispiele dafür. Dabei entsteht die Herausforderung, die spezifischen Qualitäten der Live-Kommunikation nicht zu vernachlässigen, sondern das Beste aus den verschiedenen Welten zu verbinden und zu potenzieren.

 

 

9. Jan Kalbfleisch, GF FAMAB:

 

Nach unserer brandaktuellen, repräsentativen Studie „Die Zukunft des Marketings“ werden sich die Budgets in den nächsten Jahren erheblich von der „klassischen Werbung“ in „Digital“ und „Live Kommunikation“ verschieben. Erstmalig sind sogar deutlich Rückgänge in der klassischen Werbung zu verzeichnen.

 

Deshalb muss die Branche sehr klar auf die herausragende Stärke unserer Gattung setzen. Das ist die persönliche Begegnung von Menschen auf Messen, Events und anderen Gelegenheiten. Emotionen und Erlebnisse schlagen „Big Data“.

 

 

10. Konstanze Agatz, Regisseurin:

 

Ich erlebe, dass der Trend bei großen Showproduktionen weltweit für 2017 stark in Richtung „Connectivity/Vernetzung“ geht; Zielgruppe, Markenbotschaften und Showelemente werden geschickt verwoben und verbunden. Das Erlebnis des Individuums tritt in Interaktion mit dem Präsentierten. Auch für kleinere Events und Konferenzen birgt die „Vernetzung der Teilnehmer“ ein großes Potential, insbesondere auch für die Nachnutzung der so gewonnenen Daten (Stichwort Digital Footprint). Zudem bietet ein zunehmend selbstverständlicher Umgang mit ‚Nachhaltigkeit‘ neue Möglichkeiten.

 

 

11. Florian Oberforcher, GF inszemo – Büro für Erlebnisgeschichten:

 

Erlebnisse, wie sie in der Live-Kommunkation geschaffen werden, machen in einem unternehmerischen Kontext keinen Sinn, wenn sie einmal im Jahr wie ein großer Luftballon beliebig und willkürlich losgelassen werden. Erlebnisse erzielen nur dann ihr volle Wirkung, wenn Menschen sie mit gestalten können, sie echt sind und damit Verbundenheit erzeugen. Für mich besteht daher die Herausforderung darin, die gemeinsame Zeit als sinnvolle Erlebnisse zu gestalten, wie viele kleine Luftballons, die im Alltagswind am Handgelenk der Menschen tanzen. Sie erzählen von unseren Erlebnissen und lassen uns gerne an sie zurück erinnern.

 

 

12. René Elberfeld, Idee & Konzept:

 

Weniger Hype mehr Miteinander.

 

 

13. Beke Fahrenbach, Konzeptionerin:

 

Mit Bedacht auf Relevanz, Partizipation und Nachhaltigkeit geht es viel mehr um zielgerichtete integrierte räumliche Kommunikation als um Effekt haschende Events. Unsere Herausforderung wird es sein, Erlebnisse im „HIER & JETZT“ zu schaffen. Erlebnisse, welche neugierig machen, die Menschen mitnehmen und wegziehen von ihren Smartphones – um zu mindestens für einen Moment ihre eigenen digitalen Blasen platzen zu lassen.

 

 

14. Philipp Dorendorf, Creative Director facts and fiction:

 

Ich glaube nicht, dass sich in Bezug auf Live-Komm Formate aktuell so wahnsinnig viel ändert. Live und Digital nähern sich nach wie vor an, probieren aus, experimentieren, erfinden sich neu, also alles gut.

 

Aber was Trends angeht: Wenn ein Trend einmal alle erreicht hat, dann ist ja kein Trend mehr. Was ich tatsächlich und für mich neu beobachte, ist, dass die Kunden selbst stark aufrüsten und Spass an Live bekommen. Die ersten machen richtig mit. Sie konsumieren nicht nur die Konzepte, sie gestalten mit. Alle wollen Partizipation? Die fängt zwischen Agentur und Kunde an. Die ersten haben das verstanden! Ich rede von richtig grossen Unternehmen.

 

 

15. Miriam Wüstefeld, Konzeptionerin:

 

2017 – bloß nicht den Anschluss verpassen! Technologie und Wirtschaft geben klare Signale und eine vierte industrielle Revolution steht ins Haus. Gerade die Live Kommunikation sollte die Augen davor nicht verschließen und klug mit dieser Herausforderung und Chance umgehen. Inhalte werden komplexer, Erlebnisse virtueller – eine tolle Möglichkeit phantastische Welten zu kreieren. Neue Dimensionen des kreativen Denkens und bislang ungewohnte Wege der Umsetzung werden Einzug halten.

 

 

16. David Korte, Director Planning OSK:

 

2017 wird meiner Meinung neben dem WAS auch das WIE immer entscheidender für Kreations- und Operationalisierungsprozesse. Zum einen wird alles leaner, agiler und rapider. Das macht auch Sinn – zumindest häufig. Aber sicher nicht immer. Denn zum anderen muss hierzu auch die Kultur bei allen Beteiligten entsprechend sein – sonst springt man wie ein Tiger und landet wie ein Bettvorleger.

 

 

17. David Delassus, GF a-blok:

 

2017 will confirm that digital is not just a special meal anymore. Our clients have tasted it and now know what the good ingredients are: interaction, contributions, gamification, emotions, storytelling… What is now interesting is to open up the cooking experience to others, online, and invite them to be part of it, before, during and after the event.

 

 

18. Andreas Roos, Regisseur & Konzeptioner:

 

Storytelling, human stories, narrative advertising, alles das Gleiche, nur immer wieder im neuen Gewand? Schon Shakespeare hat richtig gute Geschichten erzählt, authentisch, spannend, nah an der Realität und wenn sie dann noch gut inszeniert werden, wiederum authentisch, spannend und mit perfektionistischem Anspruch, dann wird es am Ende gefallen, ob das jetzt ein Trend ist, weiß ich nicht, ich weiß aber, dass es funktioniert… immer wieder!

 

 

19. Jörg Sellerbeck, Art Director Konzeption:

 

Die Aussicht, dass Menschen wie Helge Thomas (pro event live-communication) zu Beginn des Jahres 2017 auf dem Sustainability Summit in Dortmund zum Mikrofon greifen, um das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich zu betrachten, wird meiner Hoffnung nach die Umsetzung von Live-Kommunikations-Ereignissen bereichern. Mögen die Impulse des Summits so monumental sein, dass auch der Begriff der „Gastrosophie“ die Köpfe der Live-Kommunikateure erreicht.
Zudem wünsche ich mir für 2017 eine stärkere inhaltliche Fokussierung auf das Thema „Ankunft“, anstelle der ständigen Suche nach dem nächsten „Dingsbums der Zukunft“.

 

 

20. Kai Janssen, GF und Kreativdirektor MATT CIRCUS:

 

Die Tendenz setzt sich fort: Je globaler und virtueller die Welt, desto heimeliger der Stil und sinnlicher das Angebot. Selbstverständlich total regional. Im Vintage-Look daherkommender Minimalismus ist sexy. Lieber das selbst Gestaltete statt des austauschbar Eingekauften. Direkte, persönliche Ansprache, mehr Gäste-Einbindung und DIY! Individualität kennt keine Grenzen, Partizipation ist das Ziel. Und die Digitalisierungswelle gibt uns dazu immer neue Tools an die Hand.

 

 

21. Bruno Meissner, GF MEISSNER EXPO:

 

o Digitale Transformation & Face-to-face Bedürfnis nimmt parallel zu
o Einsatz von Kanban-Wand im Büro um das gesamte Team zu befähigen, kritisch zu denken (Thema „Digital Disruption“ – „anstößig“ sein), zu verhandeln und zu moderieren – das werden die gesuchten Fähigkeiten der Zukunft sein!
o Storytelling (authentische Geschichten) bleibt heißes Thema v.a. in den sozialen Medien und damit auch im Marketing
-> Motto: Je üppiger die Pläne blühn, desto verzwickter wird die Tat

 

 

Event Trend 2017: Sowohl DIGITAL als auch ANALOG…

 

Persönlich entnehme ich aus diesen Statements den Kontrast von DIGITAL und ANALOG wahr. Die digitale Revolution nimmt unaufhaltsam auch in der Live Kommunikation ihren Lauf – bei gleichzeitigem Wunsch nach Echtheit, Begegnung, achtsam im Moment zu sein. Bei der Gestaltung dieser Momente geht es nicht um das „entweder – oder“, sondern das geschickte „sowohl – als auch„.

 

Gerade nach meinem halbjährigen Sabbatical (welches am 15.1.2017 endet) bin ich freudig gespannt auf all das, was uns 2017 bringen wird. Bis dahin freue ich mich auf die Geburt meines zweiten Kindes und wünsche frohe Weihnachten und kommt gut rüber ins neue Jahr!

 

 

Frage: Welcher Trend fehlt oder ist unterbelichtet? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unterhalb.

 

 

Wie es sonst um den Event Trend 2017 steht:

A) Eventmanager Blog: Event Industry Trends Report 2017
B) Lesenswerte Analyse der Kunde-Agentur-Beziehung mit drei Empfehlungen: Klare Positionierung, Beratungskompetenz steigern, Prozesse verbessern. Schlechte Kreation wird auch zukünftig für Frustrationen und Probleme sorgen. Aber exzellente Kreation ist morgen kein Garant mehr für eine erfolgreiche Agentur-Kunden-Beziehung.
C) Top Eventblog Posts in 2016 auf meinem Blog

 

Wie geht es dir? // 378 Alternativen zum gut!

Wie geht es dir? // 378 Alternativen zum gut (Danke dran für den Impuls)

 

 

Diese Frage begegnet uns ständig auf Events – ob als Gast oder Gestalter:

 

Wie geht es dir?

 

 

Ob ernstgemeint oder floskelhaft – die Antwort lautet häufig reflexartig: gut.

Hier 378 alternative Gefühle für Menschen, denen es auf Nachfrage immer „gut“ geht:

 

 

abgelenkt | abgeschnitten | abgestumpft | abstoßend | abwesend | alarmiert | allein | am Boden zerstört | amüsiert | angeekelt | angegriffen | angeregt | angespannt | angewidert | angriffslustig | ängstlich | anmutig | anspruchslos | ansteckend | argwöhnisch | atemberaubend | auf der Höhe | aufbrausend | aufdringlich | aufgebracht | aufgeschlossen | aufgeweckt | aufgewühlt | aufrichtig | aus dem Gleichgewicht | ausgeglichen | ausgegrenzt | ausgelassen | ausgenutzt | ausgeruht | authentisch | bedroht | bedrückt | befreit | befremdet | begeistert | behaglich | behämmert | beharrlich | belastet | beleidigt | benachteiligt | beschämt | besinnlich | besitzergreifend | besorgt | bestürzt | beteiligt | betrübt | beunruhigt | blockiert | bösartig | böse | brutal | daneben | dankbar | deprimiert | desillusioniert | desolat | desorientiert | distanziert | dynamisch | echt | effizient | ehrlich | eifersüchtig | einfühlsam | eingefallen | eingeschüchtert | einsam | einzigartig | ekstatisch | elend | empfänglich | empfindlich | empört | energielos | enthusiastisch | entmutigt | ernstgenommen | entnervt | entsetzt | entspannt | enttäuscht | entrückt | entzückt | erfreut | erfüllt | erhaben | ermüdet | ermutigt | erschrocken | erstaunt | ertappt | erzürnt | exzellent | fasziniert | feige | feindlich | feindselig | feststeckend | frei | freudig erregt | froh | fröhlich | frustriert | galant | ganz bei mir | gebraucht | gedemütigt | geehrt | geerdet | gefangen | gefestigt | gehässig | gehemmt | gehypt | geistesabwesend | geistig | geistig gesund | gekränkt | gelähmt | gelangweilt | gelassen | geliebt | gellend | gemartert | gemein | gequält | geschnitten | gesegnet | gesellig | gestelzt | gestresst | gesund | getrennt | gewalttätig | gierig | giftig | glänzend | gleichgestellt | gleichgültig | glücklich | grantig | griesgrämig | grob | groovy | großartig | gut aufgelegt | halsstarrig | harmonisch | hart | hasserfüllt | heiter | herabgesetzt | herabgewürdigt | herrisch | heruntergekommen | hilflos | hinhaltend | hitzköpfig | hoffnungslos | höhnisch | hundsmiserabel | hungrig | im Fluss | im Himmel | indisponiert | inkompetent | in meiner Mitte | in Panik | inspiriert | intelligent | interessiert | intolerant | irritiert | jämmerlich | jammernd | jovial | jubilierend | jugendlich | kalt | kaltschnäuzig | kindlich | klagend | klammernd | klar | kochend vor Wut | konsterniert | kontrollierend | kräftig | kraftlos | krank | kritisch | kühn | künstlich | langsam | launisch | laut | lebendig | lebenslustig | lebhaft | leblos | leer | leicht | leidend | lustig | lustlos | manipulativ | masochistisch | mechanisch | mies | minderwertig | missmutig | misstrauisch | mitleiderregend | müde | mürrisch | mutig | mutlos | nachdenklich | neidisch | nervös | neugierig | niedergeschlagen | niederträchtig | nutzlos | oberflächlich | offen | okay | optimistisch | paranoid | peinlich berührt | perfide | perplex | pessimistisch | phobisch | privilegiert | rachgierig | rachsüchtig | rasend | reaktiv | rebellisch | rechthaberisch | reif | reserviert | respektlos | reumütig | rigide | ruhelos | ruhig | sadistisch | sanft | sarkastisch | sauer | scheußlich | schikaniert | schimpfend | schmerzerfüllt | schmollend | schrecklich | schreiend | schrill | schuldig | schwach | schwungvoll | sehnsüchtig | selbstsicher | selbstverachtend | sicher | sonnig | sorgenfrei | sorgenvoll | souverän | spontan | stabil | stark | steif | streitlustig | streitsüchtig | strikt | süß | taktlos | terrorisiert | todernst | tolerant | träge | traumatisiert | traurig | trübselig | tyrannisiert | überempfindlich | überglücklich | überheblich | überlegen | überrascht | überrumpelt | überwältigt | überzeugt | unabhängig | unangenehm | unbehaglich | unbeholfen | unbekümmert | unbelastet | unbeschwert | unbeugsam | unehrlich | unempfänglich | unentschieden | unentschlossen | unfähig | ungeduldig | ungehalten | ungerecht behandelt | ungewiss | ungezwungen | unglücklich | uninteressiert | unschuldig | unsensibel | unsicher | unterdrückt | unterstützend | unterstützt | unverblümt | unverstanden | unverwundbar | unwürdig | unzufrieden | verächtlich | verärgert | verbuttert | verdammt | versöhnlich | verständnisvoll | versteinert | verstört | vertieft | verwirrt | verwegen | verzagt | verzweifelt | vollkommen | vollwertig | vorsichtig | vorurteilsbehaftet | wagemutig | wahnsinnig | wahrhaft | wahrgenommen | weinerlich | wissbegierig | wunderbar | wütend | zappelig | zerbrechlich | zerrissen | zornig | zufrieden | zulassend | zurückgestoßen

 

 

Ich übe mich bei Begegnungen auf Produktionen darin, mein Wortschatz in der Beantwortung dieser Frage zu erweitern. Einfach weil es so viel mehr Möglichkeiten gibt als ein „gut“. 🙂

 

Frage: Wie geht es dir?

 

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

 

 

Emotionen sind der Schlüssel zum Herzen der Menschen – und damit auch zu ihrem Kopf.“ Axel Beyer

 

 

Wie weckt man Emotionen? Diese Frage treibt mich seit Jahren um. Warum erzeugt die Mona Lisa im Louvre eine magische Anziehung und andere Bilder nicht? Warum nimmt mich der eine Redner erfolgreich mit auf seine Gedanken-Reise und der andere nicht? Warum berühren mich einige Lieder und andere eben nicht?

 

Emotionen zu wecken ist die Kernaufgabe für die Konzeption von Events. Wer Emotionen weckt, bekommt auch eine Reaktion. So werden Beziehungen aufgebaut. Eine gute Währung für die Live-Kommunikation. Daher habe ich sieben Kreativdirektoren gebeten, ihre Gedanken und Erfahrungswerte zu schenken. Wie unmöglich es ist, das in eine paar Sätze zu packen, zeigt der Prolog von Helge Thomas auf…

 

 

Helge Thomas: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen?!

 

 

Diese Frage kann ich definitiv nicht beantworten. Das hat vielerlei Gründe. Lass mich vielleicht zwei davon kurz heraus greifen. Zum einen hat das Wort „Emotionen“ einen so riesigen semantischen Hof, dass man Russland darin parken könnte. Zweimal. Ach was rede ich. Viermal. Von den rein biologischen Partys, die da im limbischen System abgehen, ganz zu schweigen. Und dann dieser Volksmund mit seinem Angerlatein „Das geht zu Herzen“. Ja, eben nicht! „Da schüttet der Hippocampus mal wieder tonnenweise Endorphine in die Blutbahn,“ müsste das korrekt heißen. Egal. Wo war ich? Ach ja. Zum anderen: Gäste sind niemals gleich Gäste. Und meistens sind es nicht einmal meine Gäste, sondern die Gäste meines Kunden oder auch die seines Chefs oder seiner Frau. Im Falle öffentlicher Veranstaltungen sind es gar völlig fremde Menschen, die man der Einfachheit halber dann eben auch Gäste oder besser Besucher nennt. Was die Sache nicht einfacher macht. Was sagst du? Meine Reaktion auf deine Frage erscheint dir etwas zu emotional? Mitnichten, mein Lieber! Ich versuche dir lediglich zu erklären, warum ich dir kein „Rezept“ nennen kann, wie ich Emotionen bei Gästen wecke. Und überhaupt: Wer weiß, ob Emotionen überhaupt schlafen. Vielleicht sind sie auch gerade ganz woanders. In Gedanken. Oder sie haben sich nur versteckt. Unter der Oberfläche. Siehst du. Das meine ich. Schon sind wir mitten drin, im Deutungslabyrinth der menschlichen Gefühle. Und wenn ich jetzt weiter schreibe, kommen wir da beide nicht mehr raus. Weißt du noch, was ich oben schrieb? Eben. Ich auch nicht. 🙂

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas, 1964 in Heidelberg geboren, Schauspieltalent vom Vater geerbt, schon viele künstlerische und wirtschaftliche Bühnen bespielt: Als Darsteller auf und Beleuchter hinter der Bühne von Theaterproduktionen, in Marketing- und Vertriebsverantwortung bei großen Unternehmen sowie neun Jahren als freiberuflicher Start-Up-Coach, SocialMedia-Experte und Filmemacher. Heute ist er Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei pro event.

 

 

 

Kai Janssen: Es ist wie bei einem Rendezvous…

 

 

Wenn man davon ausgeht, dass Emotionen mit dem Ziel erzeugt werden, beim Gast zu punkten und eine Beziehung aufzubauen, dann ist es wie bei einem Rendezvous:

 

Zunächst sorgt man mit dem passenden Ambiente für die gewünschte Stimmung. (Location, Licht, Musik, Essen)

 

Dann stellt man seinem Gegenüber Fragen – das signalisiert Interesse und ist die Basis für einen unterhaltsamen Austausch. (Einbeziehung des Gastes, Interaktion)

 

Ganz wichtig nun – der Überraschungsmoment! Plötzlich tritt etwas ein, womit mein Gegenüber nicht gerechnet hat, was anscheinend nur für ihn bestimmt ist, verbunden mit einer persönlichen Botschaft. (Setzt voraus, dass ich die Zielgruppe verstanden habe). Der Höhepunkt einer perfekt durchdachten Inszenierung. Trifft ins Herz und bleibt im Kopf. Meistens jedenfalls.

 

 

Kai Janssen Matt Circus Event KreativdirektorKai Janssen, seit 2012 Geschäftsführer und Creative Director der MATT CIRCUS GmbH in Köln, davor freier Creative Director und Konzeptioner in diversen Event- und PR-Agenturen, studierte bildende Künste, Fokus Raum und Medien, regelmäßiger Gastdozent zum Thema „Konzeption in der Live-Kommunikation“, 2. Präsident der FICA, Cross-Crocket-Spieler und -Weltmeister, in fester Beziehung.

 

 

 

Petra Lammers: Geschichten, Geschichten, Geschichten

 

 

Mit Geschichten!
… und einem genauen Blick auf alle „Figuren“, Raum/Situation, Handlungsstränge, Plotpoints und Inhalte.

 

(Auf die Bitte nach Beispielen sandte Petra folgendes): Die interaktive Bodenprojektion beim Energiesee oder das Storytelling mit Lampen, die als Figuren das Wiesbadener Kurhaus und die Welt von Fraunhofer erkunden:

 


Creative Director Petra Lammers onlivelinePetra Lammers, inszeniert seit über 15 Jahren Theater-, Public Space- und Eventproduktionen, gemeinsam mit Norwin Kandera Geschäftsführerin von onliveline, einem Büro für Konzeption und Inszenierung. Davor Creative Directorin / Konzeptionerin bei Panroyal in Wuppertal sowie freie Theaterregisseurin, studierte MBA und MFA in Dramaturgie und Regie.

 

 

 

Philipp Dorendorf: Man inszeniert oder inszeniert um

 

 

Heilig Abend im Kreise der Lieben. Deep house statt Last Christmas. Rot ist nicht rot, sondern pink. Der Baum ist aus Draht. Die Lichterketten geben Strobo-Blitze ab.

 

U5-Kindergeburtstag. Nicht Volker Rosin, nein, dafür Rammstein. Rammstein ist auch alt, aber düsterer und dazu schwarzes Konfetti statt bunten Luftballons.

 

Apropos Schwarz: Warum nicht mal für eine Grabrede die Kebekus einsetzen: Pussy Terror.

 

Nein? Okay, denn wir unterliegen Lernstrukturen, assoziativen Mustern und Neuro-Programmen. Und weil das so ist, sind Stimmungen und Emotionen künstlich auslösbar, zu verändern oder zu beeinflussen. Man inszeniert oder inszeniert um. Mit: Musik, Licht, Farben, Tageszeit, Temperatur, unter Umständen Gerüche, Appearance von Akteuren – räumlich und zeitlich verdichtet. Das ist eigentlich gar nicht so schwer.

 

 

Philipp Dorendorf CD facts and fiction EventagenturPhilipp Dorendorf, Ü37, aus Hamburg. Ausbildung zum Grafik Designer und Marketing-Kommunikationswirt, seit 2010 Creative Director bei facts and fiction für Köln und Berlin.
Kreatives auf: www.neopdo.com

 

 

 

Martin Klingler: Content is King

 

 

Am Anfang steht immer die Idee! Daraus wird dann die Storyline entwickelt. Und die muss im funktionalen Eventdesign und in einer multisensorischen zweckorientierten Inszenierung erzählt werden. Nur dann können Botschaften überhaupt ankommen, verstanden werden und gar hängen bleiben – und in anderen Kanälen weiter erzählt werden. Stichwort Storytelling und Wirkungspotenz durch Multisensorik.

 

Was wirklich zählt, ist schlicht das klassische Kommunikationshandwerk, beschrieben mit den bekannten und inflationär gebrauchten Marketingfloskeln… aber wahr bleiben sie trotzdem und genau deshalb: Content is King – und ist das neue Storytelling. Wenn die Story aber nicht spannend erzählt wird, so dass der Zuhörer mit mehreren Sinnen emotional berührt wird, wenn sie nicht auf anderen Kanälen vor und nach dem Event weiter erzählt wird – Stichwort Vernetzung, die wir früher integrierte Kommunikation nannten – dann darf sich keiner wundern, wenn die Botschaft entweder gar nicht ankommt oder schnell verloren geht. Und auf keinen Fall echte Emotionen weckt.

 

Was mache ich also, um Emotionen zu wecken?
Definitiv nichts weltbewegendes Neues: eine gute Story entwickeln, sie anregend, spannend und vielschichtig erzählen. Und dafür verwenden wir gerne neueste Technik und Methoden – immer dann wenn es Sinn macht. Hat!

 

 

Kreativdirektor Martin Klingler Creative DirectorMartin Klingler, Creative Director bei marbet in Künzelsau. (Und mit dieser Bemerkung: „kann mich für unfassbar viel begeistern, immer wenn es mich berührt…“ Ideengeber für diesen Blogpost.)

 

 

 

 

Miriam Wüstefeld: Bedürfnisse erkennen, überraschen, passender Rahmen

 

 

Wir leben heute in einer sehr beschleunigten Welt, in der das Überangebot regiert und in der kaum Zeit zum Innehalten bleibt. Aus meiner Perspektive bedarf es daher vor allem der Fähigkeit individuelle Bedürfnisse zu erkennen, um echte Emotionen wecken zu können.

 

Die Kunst und Herausforderung liegt dann darin zu überraschen und einen sehr persönlichen Nerv zu treffen.

 

Neben den wichtigsten Parametern, die nach meiner Auffassung inhaltlicher Anspruch und Respekt sind, ist der passende Rahmen relevant. Dazu zählt neben einer entsprechenden Räumlichkeit auch das Thema Ergonomie. Der Wohlfühlfaktor ist eng an Emotionen geknüpft – zumindest wenn diese positiv ausfallen sollen.

 

 

Miriam Wuestefeld freiberufliche Kreativdirektorin MünchenMiriam Wüstefeld, München, 32 Jahre, freiberufliche Kreativdirektorin, Schwerpunkt: Kommunikation im Raum, Markenwelten, Zusammenarbeit und Festanstellung in diversen Agenturen unter anderem Zibert + Friends, CE+Co, VOK DAMS, BBDO Live, Uniplan.

 

 

 

Stephan Schäfer-Mehdi: Erprobte Rituale nutzen und intuitiv vorgehen

 

 

Live-Kommunikation nutzt jahretausendealte erprobte Rituale, um Emotionen zu wecken. Religion mit ihren Kulten und das Theater mit seinen inszenatorischen Mitteln sind dafür die Grundlage. Ihr Studium und deren Anwendung ist hilfreich, aber der intuitive Umgang letztlich effektiver.

 

Was rational am Reisbrett entstand ist zwar oft richtig, aber nicht immer erfolgreich. Wer hört die Kammermusik des Computerkollegen Iamus, der nach allen Regeln der Kunst programmiert wurde wie Mozart zu schreiben? Wir gehen immer noch in die Zauberflöte, obwohl der Rechner alles richtig macht. Deshalb bedient sich auch die virtuelle Welt der gleichen Muster, der Überraschungen und Ansprache möglichst vieler Sinne.

 

Das wird vielleicht erst anders, wenn die Künstliche Intelligenz Kommunikation für ihresgleichen konzipiert. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

 

 

Creative Director Stephan Schaefer-Mehdi Eventmarketing CD CCO Live-KommunikationStephan Schäfer-Mehdi, freiberuflicher Creative Director und ¬Consultant, vorher Chief Creative Officer/CD von VOK DAMS und Quasar Communications, mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet, Mitglied im Art Directors Club für Deutschland, Autor des Standardwerkes „Event-Marketing„, 2014 den Kriminalroman „Tod in den Bergen“ veröffentlicht. Wuppertaler.

 

 

 

Creative Director – habt herzlichen Dank für eure Gedanken. Chapeau!

Frage: Wie weckst du Emotionen? Freue mich auf einen Kommentar oder Beispiele unterhalb.

Tipp: Weitere Hinweise darauf, wie Emotionen geweckt werden, geben 7 Inszenierungs-Experten in diesem Buch.

 

 

Was dich noch zum Thema interessieren könnte:

Theaterregisseur Axel Beyer: EMOTION – der Schlüssel zur Aufmerksamkeit!

Emotion & Reaktion – das Prinzip von TV-Unterhaltungs-Regisseur Carsten Seibt

18 Things Great Creative Directors Do Every Day

 

Beruf und Familie im Eventbereich: Wie klappt das?

Beruf und Familie im Eventbereich: „Ständige Verfügbarkeit wird mit Leistung gleichgesetzt.“

 

 

Letzte Woche las ich bei EventPartner den Artikel Selbstständigkeit in der Eventbranche. Klasse Gedanken, die ich alle unterschreiben kann. Ein Satz hat mich aber besonders getroffen: „KINDER sind bei Frauen in Agenturen ein RiesenThema.“ Genau das möchte ich zum Thema nehmen: Beruf und Familie im Eventbereich.

 

Meine Tochter Charlotte April ist jetzt zwei Jahre alt. Mit zunehmendem Alter wird die Erziehung immer wichtiger. Meine Frau ist ebenfalls als Kommunikationsberaterin selbstständig. Mein Job ist es als Regisseur unterwegs zu sein. Dabei versuchen wir die Termine so zu legen, dass immer einer von uns beiden zu Hause ist.

 

Der Konflikt ist aber vorprogrammiert. Alles geht nicht: Karriere, Kind, Beziehung. Wie machen das andere Kollegen? Fünf Kollegen/innen aus dem Eventbereich haben geantwortet. Vielen Dank für eure Offenheit!

 

 

1) Carola X. Knoll aus Köln, Architektin:

Architektin Carola Knoll Arbeit und Familie
Steckbrief: Schwerpunkt Messe-und Ausstellungsarchitektur, 6 Jahre Agenturerfahrung, 6 Jahre Selbständigkeit, 2 Jahre Messegesellschaft, Mutter seit 2011

 

 

Wie organisierst du dich, damit Job und Erziehung klappt?

Ich bin im Büro früh am Start und wir profitieren von den kurzen Wegen zwischen Wohnung, Kita und Job. Nach 16.00 Uhr gehört die Zeit unserer Tochter – geschäftliche Mails und Telefonate müssen dann warten. Meist sitze ich Abends wieder am Rechner, bearbeite meine freien Projekte und regle den Familienalltag.

Wichtig: Digitaler Familienkalender, klar geregelte Abläufe – mein Mann und ich teilen uns die Aufgaben, ein gutes Netzwerk aus Großeltern, Babysittern und Kindergarteneltern, die aushelfen, wenn’s brennt. (An dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN! an die Genannten.)

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

Nahezu perfekt: Meine Zeiten kann ich sehr flexibel und eigenverantwortlich planen.

Homeoffice ist ein wichtiges Thema. Ein weiteres Thema sind flexiblere Betreuungszeiten – vor allem in den 2-3 Wochen vor den Messen. Die städtischen Kindergärten können den erweiterten Zeitrahmen nicht abdecken, aber es gibt einige Einrichtungen, die eine Back-up-Betreuung für Ihre Schützlinge anbieten.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann? Was muss sich ändern?

Als Teilzeitkraft mit 35 Wochenstunden habe ich meinen verantwortungsvollen und abwechslungsreichen Job lange suchen müssen. Was sich ändern muss?

Das Vertrauen in die Kompetenz und Belastbarkeit von Müttern im Job fehlt in unserer Branche.

Ständige Verfügbarkeit wird mit Leistung gleichgesetzt.

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Vor 10 Jahren war meine Arbeit Alles für mich.
Seit 5 Jahren ist meine Tochter Alles für mich.

 

 

2) Iliana Jonkova aus Heidelberg, Texterin & Konzeptionerin:

 

Event Beruf und Familie Iliana JonkovaSteckbrief: Ich bin ab August 35 Jahre, single und kinderlos. Aktuell an drei Tagen mit 22,5h bei einer Marketing und PR Firma. So habe ich vier Tage Zeit. Zeit in der ich an der inneren Ruhe arbeite. Zeit um für zwei Familien zu babysitten. Zeit für Projekte des Herzens. Das sind eine Yogalehrer-Ausbildung, Text & Konzept Freelance und ein kleines Comedy Programm.

 

 

Wie organisierst du dich zwischen Arbeit und Babysitter-Kindern?

Wäre ich Mutter, wäre die Selbstständigkeit der einzige Weg für mich, weiter kreativ zu arbeiten. Aktuell mache ich ein Projekt mit einer Frau, die 3-fache Mama ist. Egal wie gut man organisiert ist, am Ende geht es um kleine Menschen, die weinen, wenn die Mutter nicht da ist. Deadlines und cholerische Chefs oder notorisch überarbeitete Kollegen würde ich mir versuchen zu sparen. Interessanter Weise hängen immer noch viele Agenturen an der Präsenzarbeitszeit im Office statt Flexibilität und Homeoffice zu ermöglichen, auch wenn Leistung erbracht wird. In meinen Augen hängt das stark an zähen Prozessen, zeitraubender Meeting-Kultur und wenig Vertrauen in Mitarbeiter.

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

In einer idealen Welt sind Arbeit und Kind nicht zwei Welten. Wenn eine Frau sich nicht entscheiden muss zwischen Kind und Karriere, dann ist das ideal. In der aktuellen Welt versuchen Frauen oft (oder es wird stark von ihnen erwartet) ihren Mann zu stehen. Frauen sind aber Frauen und haben andere Zugänge oder Methoden, die dabei völlig weggedrückt werden. Damit meine ich nicht, dass Frauen die kleinen Hände haben um in den Ecken zu putzen :). Ich meine eher, dass Frauen monatlich an Ihre Gebärfähigkeit erinnert werden und hormonell einem anderen Rhythmus folgen. Eine ideale Arbeitswelt nimmt darauf Rücksicht. Eine ideale Arbeitnehmerin nützte das nicht aus.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

Sich kennen mit seinen Stärken und Schwächen, das kann sehr viel helfen. Jedoch ist das gerade für Berufseinsteiger sehr schwer. Klar kommunizieren, was man braucht, statt auf der Agentur-Toilette zu weinen, weil man sich missverstanden fühlt. Die eigenen Grenzen kennenlernen ist sehr wichtig und dann gegenüber Chefs vertreten. Gerade als Mutter, die beide Seiten „bedienen“ muss ist das schwer. Das schlechte Gewissen begleitet einen täglich. Ich glaube, dass mehr Menschlichkeit am Arbeitsplatz gefragt ist. Statt ein Arbeitsgesicht und ein privates Gesicht zu pflegen (oder eben pflegen zu müssen).

 

Was muss sich ändern?

Oft fehlt es an weiblichen Führungspersönlichkeiten in vielen Agenturen. Der Mensch lernt durch Nachahmung. Für mich war es sehr schwer meine Stärke zu finden und sie zu stehen, weil um mich nur Männer waren, die meine Vorgesetzten waren. Es gab Situationen, in denen mir im Meeting gesagt wurde: „Wenn ich spreche, schweigst Du!“ oder „Wenn Du 10% weniger lachen könntest, wäre das gut!“ Das ist verstörend. Es ist bekannt, dass Kreative oft sehr sensible Menschen sind, die feinfühlig und empfindsam sind. Sobald der Kreative in einer Angst lebt zu scheitern oder ausgelacht zu werden, ist es auch mit der Kreativität nicht gut bestellt. Dann gibt es noch das Arbeitspensum, dass von einem in der Agentur abverlangt wird, das Familie sehr schwer möglich macht. Als Freelancer ist das einfacher zu gestallten – mit Partner. Ist man Alleinerziehend, geht wieder die Schuld-Schere auf: Bin ich genug Mutter, bin ich genug Karriere?!

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Bei vielen Müttern sehe ich den Wunsch nach „Selbstverwirklichung“ wenn das Kind oder das jüngste Kind das 2-te Lebensjahr erreicht. Ich denke, das ist ein Alter in dem das Kind immer mehr: „selber“ und „alleine“ sagt und Frau spürt, dass neben Muttersein auch Frau- und Menschsein eine große Rolle spielen.

Persönlich glaube ich, dass beides, Kinder und Arbeit, Prozesse sind, die das Neue in die Welt bringen. Deshalb lässt sich ja auch oft genug das eine mit dem anderen ersetzen.

Wenn ich meine Zeit mit Kindern verbringe, renne, klettere, fangen spiele, male, baue und zerstöre, dann versuche ich die Welt durch die Augen und Fähigkeiten des Kindes zu erleben. Natürlich bringe ich Ideen und Einflüsse mit, aber im Spiel wird dadurch etwas völlig Neues. So entstehen Beziehungen zwischen zwei Menschen.

Wenn ich arbeite haben wir oft eine Idee davon was richtig ist. Und oft streiten wir dann mit Kunden und Projektleitern um die „Wahrheit“. Ich würde mir mehr Spiel und weniger Ego in Arbeitsprozessen wünschen, dann würden daraus sehr schöne Verbindungen entstehen – zwischen Marke und Mensch.

 

 

Frauen im Beruf und Familie Event

 

 

3) Martin Kloss aus München, Schauspieler und Moderator:

Moderator Job und Kinder Martin Kloss
Steckbrief: Vater zweier Kinder, seit bald 20 Jahren als zweisprachiger Schauspieler (Deutsch / Englisch), Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, Schauspiel- & Business Coach, bietet Workshops zum Thema Selbst- & Fremdwahrnehmung an

 

 

Wie organisierst du dich als Selbstständiger im Eventbereich, damit Job und Erziehung passen?

Für mich war es eine Frage wo ich die Prioritäten setze. Als meine Frau schwanger wurde, wusste ich für mich ganz klar, dass ich die Zeit mit meinem Kind bewusst erleben und da sein will. Ich habe dann einige Zeit vor der Geburt unseres ersten Kindes vor 3 Jahren meine Jobs reduziert und grundsätzlich nichts mehr angenommen bei dem ich länger als 2-3 Tage von Zuhause weg sein würde, so dass ich 70-80% der Tage im Monat zuhause bin. Da meine Frau auch freiberuflich ist, sind wir beide die meiste Zeit zuhause und bei den Kindern. Vor einem Jahr wurde unser zweiter Sohn geboren und so werde ich diese Einteilung auch noch ein paar Jahre weiter machen. Natürlich bedeutet das finanzielle Einschränkungen und auch, dass ich derzeit nicht an meiner Karriere arbeite. Aber dafür sehe ich meine Kinder aufwachsen, muss sie nicht in die Krippe geben und bin bei den ersten Schritten, den ersten Worten und allen anderen ersten Dingen dabei.

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

Ein gerechtes Elterngeld Gesetz bei dem nicht das Datum des Geldeingangs sondern der Leistungserbringung zählt. Elternzeit als Freiberufler ist sehr schwierig, da ich ständig versuchen musste Kunden zu überreden meine Rechnungen früher oder später zu begleichen, weil es Gelder aus Jobs von vor 6 oder 8 Monaten waren (faire Zahlungsfristen würden hier natürlich auch helfen). Und gleichzeitig musste ich in der Elternzeit arbeiten, damit ich Geld für die Zeit nach der Elternzeit habe. Das macht so keinen Sinn.
Aber ich glaube auch nicht, dass das Ziel ist „alles unter einen Hut“ zu bekommen. Der Tag hat nur 24 Std. und entweder will ich mit meinem Kind Zeit verbringen oder arbeiten gehen. Beides geht nicht. Das finde ich falsche Herangehensweise der Diskussion. Ich muss mich entscheiden wie viel Zeit meiner Tage den Kindern gehören und wie viel meiner Arbeit. Und wenn der bedeutet finanzielle Einschränkungen oder eine Karrierepause hinzunehmen, dann sollte man sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden, aber nicht versuchen beides zu schaffen, ich glaube sowas endet im Burn-Out.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

Ich habe Jobs abgesagt, weil ich für die Geburt meiner Kinder da sein oder auch danach einfach Zeit mit ihnen verbringen wollte. Darauf habe ich, auch gerade als Mann, nur positive Rückmeldungen von Kunden bekommen. Ich habe es immer klar kommuniziert, dass ihr Projekt eben gerade nicht so wichtig für mich ist, wie meine Kinder und dafür immer Verständnis bekommen. Ich glaube Klarheit und Ehrlichkeit vor sich selbst und dem Kunden zahlt sich aus.

 

Was muss sich ändern?

Die Diskussion läuft für mich oft in eine falsche Richtung. Ich glaube es geht um das Miteinander von Beruf, Karriere und Familie und darum wie wir für uns diese Lebensinhalte bewerten und uns als Eltern, egal ob Mann oder Frau, damit auseinandersetzen. Was ist mir wie wichtig und wo setze ich Prioritäten bzw. bin ich bereit Kompromisse einzugehen. Wir haben in Deutschland traumhafte Zustände mit Dingen wie Elternzeit, Elterngeld, Mutterschutz usw. die es in kaum einem anderen Land der Welt gibt. Natürlich können Unternehmen mehr für Festangestellte mit Kindern tun, Freiräume schaffen durch flexible Arbeitszeiten, Home Office usw. aber als Selbständiger muss ich zuerst mich selbst in die Pflicht nehmen, zu entscheiden was mir wirklich wichtig ist und das zu leben was mich glücklich macht.

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Ich liebe meine Arbeit, die ich nie als Arbeit gesehen habe, da ich das Privileg habe mit meinen Leidenschaften Schauspiel und Moderation Geld zu verdienen. Ich liebe meine Kinder, die ein Teil von mir sind, wie ein Arm oder Bein, ohne die ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen kann und will. Einen Sinn gibt mir die Arbeit nur für mich selbst in dem Moment der Ausübung insofern als das sie mir viel Spaß macht, aber sie erfüllt keinen höheren Sinn. Meine Kinder hingegen geben meinem ganzen Leben einen Sinn wie ich es nie gedacht hätte, das geht weit über meine egoistische Selbstverwirklichung hinaus und bedeutet mir daher auch viel mehr.

 

 

4) Marissa Franke aus Köln, Projektleiterin:

Projektleiterin Marissa Franke Beruf und Kinder
Steckbrief: Mutter zweier Kinder, aktuell in einer digitalen Performance Agentur tätig

 

 

Wie organisierst du dich im Eventbereich, damit Job und Erziehung funktioniert?

Ob selbstständig oder nicht…eiserne Disziplin, gesunde Ernährung – krank sein können wir uns nicht erlauben.
Man muss den Alltag als eingespieltes Team, vergleichbar mit einem Schweizer Uhrwerk, bestehen.
Von wegen – Leben mit Kindern ist eben auch Event und erfordert neben Organisation auch noch etwas Improvisationstalent.

 

Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

In einer idealen Welt hat man viele Hüte, die alle riesengroß sind, damit alles drunter passt. In einer idealen Welt wüsste unser Schul- und Erziehungssystem, was praktisches Arbeiten, auch zu unkonventionellen Arbeits- und Einsatzzeiten, ist. Die Eventbranche ist da oft besser, denn in der passen Konzeption und Realisation tatsächlich auch mal zusammen.

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

Es ist okay Hilfe anzunehmen oder auch mal selbst danach zu fragen. Mal Danke an dieser Stelle; liebe Freunde – ich mach das wieder gut, wenn ich reich und berühmt bin.

 

Was muss sich ändern?

Mein Konflikt ist, dass ich am liebsten so viel Zeit wie möglich mit meinen Kindern verbringen möchte – aber ich arbeite auch sehr gerne. Beides zusammen zu bringen geht erst dann, wenn typische Arbeitsstrukturen der Lebensqualität mit Kindern nicht länger widersprechen. Ich fände es klasse, wenn Kinder mehr im beruflichen Alltag eingebunden werden können und unser gesellschaftliches System das akzeptiert oder sogar befürwortet. Glücklicherweise habe ich da bisher bei meinen Arbeitgebern sehr gute Erfahrungen gemacht, sind aber auch alles selber Eltern.

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Ich finde den Spaß in der Arbeit und mit den Kindern wichtiger als den Sinn. Aber das ändert sich vielleicht im Alter, dann sollte es ja eigentlich neben all dem Spaß auch sinnvoll sein, Kinder zu haben.

 

 

5) Christine Mack aus Köln, Showkonzept + Text:

Beruf und Familie im Eventbereich Konzeptionerin Christine Mack Eventjob und Kids
Steckbrief: 37, 1 Tochter 17 Monate, Freiberufliche Konzeptionerin mit Agenturerfahrung seit 15 Jahren, selbstständige Yogalehrerin, lebe 50% in Deutschland und 50% in Portugal

 

 

Wie organisierst du dich im Eventbereich, damit Beruf und Familie klappen?

_ Strukturiertes Timing (Arbeit vs. Kind vs. Betreuung).
_ Home Office (als Konzeptionerin möglich, sehe ehrlich gesagt keine Möglichkeit als Mutter gleichzeitig in den Agenturen zu arbeiten bzw. mit auf dem Job vor Ort zu sein)
_ Realistische Deadlines für Konzeptabgabe mit den Agenturen im Vorfeld klären
_ ½ Tage + abends und am WE arbeiten, genügend Off Tage einplanen

 

In einer idealen Welt: Was würde dir helfen, besser alles unter einen Hut zu bekommen?

_ Realistische Deadlines
_ Flexible Teamarbeit
_ Rücksicht auf das Dasein und den damit verbundenen ‚Problemen‘ einer Mutter (> Kind krank, etc.)

 

Welche Erfahrung hast du gemacht, die anderen weiterhelfen kann?

_ Home Office Arbeit top
_ Babysitter Betreuung macht flexibles Arbeiten möglich
_ Kosten für Betreuung auch bei Kalkulation der Tagessätze einbeziehen

 

Was muss sich ändern für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ändern?

_ Eigenverantwortung übernehmen, nicht zu allem JA sagen (> Grundproblem bei Dienstleistungsjobs…)
_ genügend Off Tage zur Regeneration einplanen bzw. realistische Einschätzung Mama vs. arbeitende Mama 😉

 

Welchen Sinn gibt dir Arbeit und welchen Sinn geben dir Kinder?

Familie hat für mich die oberste Priorität. Diese Erfahrung habe ich gemacht, seit meine Tochter geboren wurde.
Meine Arbeit ist mir trotzdem sehr wichtig, da ich das große Glück habe, mich in beiden Berufen verwirklichen zu können. Ich versuche aus beidem Kraft zu schöpfen, denn nur so lässt sich Familie und Beruf meiner Ansicht nach vereinen.

 

 

Event Job und Kinder Eventbranche Danke Thank you

 

 

Beruf und Familie im Eventbereich:

Wie gehst du mit dem Spagat von Beruf und Familie um? Welche Lösung oder Kompromiss hast du gefunden?

Über deinen Kommentar unterhalb freue sicher nicht nur ich mich… 😉

 

Probenplan: 10 Tipps für reibungslose Events & worauf es beim Proben ankommt!

10 Tipps für reibungslose Events & worauf es beim Probenplan ankommt!

 

 

Mit weit über 1.000 Shows im TV- und Eventbereich habe ich alles erlebt, was eine Show reibungslos auf die Bühne bringt – dabei aber auch alles schief laufen kann. Aus diesem Erfahrungsschatz teile ich 10 Tipps für einen effektiven Eventablauf. Diese Ratschläge werden 100% zu besseren Events verhelfen:

 

 

1. Probenplan – schafft Orientierung!

 

Wie schon in dem Wort Probenplan drin steckt: Es gilt einen Plan für die Proben zu haben. Sowohl im Kopf, aber auch auf Papier. Dieser unterscheidet sich von einem Aufbauplan oder einem Regieplan (eine Vorlage gibt es übrigens hier). Vor allem muss er aber im Vorfeld mit allen Gewerken und mitwirkenden Akteuren abgestimmt sein. Kommt jedes Gewerk mit der geplanten Zeit und der inhaltlichen Reihenfolge vor Ort so aus? Jeder weiß mit einem Probenplan, was er für wann wie vorzubereiten hat. So schafft der Probeplan Orientierung.

 

 

2. Teammeetings – für bessere Kommunikation.

 

Das Regiemeeting zu Beginn eines jedes Events ist die Basis für das weitere Vorgehen. In diesem lasse ich jeden im Team kurz mit Name und Funktion vorstellen. Dann kommuniziere ich als Regisseur zunächst die „Big Idea“ sowie das Ziel der Veranstaltung. Dieses hilft allen Mitwirkenden im späteren Verlauf hilfreiche Ideen einzubringen oder auch zu hinterfragen, ob das was wir machen die gewünschte Wirkung erzielt. Gemeinsam besprechen wir den Regieplan und schauen uns den Probeplan an. Hier können unkompliziert Rückfragen gestellt und schnell interdisziplinäre Lösungen erarbeitet werden.

 

Darüber hinaus installiere ich ein regelmäßiges Statusmeeting im weiteren Probeverlauf. Egal ob Morgens vor oder Abends nach den Proben – dies sorgt für die nötige Grundkommunikation, die unbedingt notwendig ist.

 

 

Es muss eine Vision der Dinge geben – diese gilt es hemmungslos durchsetzen. So werden Dinge exzellent!

 

 

3. Probenablauf – eine Vision haben und diese umsetzen.

 

Für das Gelingen der Show sind Proben unumgänglich. Was nicht geprobt wird, findet nicht statt. Dazu muss es einen klaren inhaltlichen Probenplan geben. Dieser sollte vor der Probe von einzelnen Programmpunkten zunächst an alle beteiligten Gewerke klar kommuniziert werden. Dann kann dies technisch eingerichtet werden. Am Beispiel der Rednerposition: Man kann den Redner nicht einfach auf die Bühne schicken und los geht’s. An welcher Stelle kommt dieser auf der Bühne gut rüber? Das liegt am Bühnenbild, wo er sauber im Licht steht, die Kamera ihn gut einfangen kann (gerade auch der Hintergrund ist dabei wichtig) und es kein Ton-Feedback gibt. Neben den technischen Aspekten sollte auch der Redner wissen, von wo er wann auftritt und wo genau er stehen soll (eine Markierung auf dem Boden hilft immer). Außerdem sollte er vor der Probe wissen, wo sich zum Beispiel der Teleprompter und Kameras befinden etc.

 

Also erst kommunizieren, dann einrichten der kritischen Stellen und dann erst Proben. Danach kann man dem Redner Feedback geben und Anmerkungen der technischen Crew einfließen lassen (vielleicht wirft der Redner einen Schatten auf die Rückwand hinter ihm, könnte aber 1m weiter weg von der Rückprojektion stehen…).

 

 

Probenplan - Was nicht geprobt wird, findet nicht statt - Event Zitate

 

 

4. Content Check – verschafft Zeit!

 

Damit man am Probentag keine wertvolle Zeit verliert bietet es sich an, am Vorabend mit dem Kunden alle Inhalte zu überprüfen. So können Tippfehler in Charts entdeckt, Fehler eliminiert, Tonpegel von Filmen angeglichen und Lichtszenen sowie Übergänge definiert werden. Wichtig für die Operator ist dazu eine saubere Content-Übergabe. Am besten mit einer kompakten Liste, die Dateititel benennt und klärt, an welche Position diese im Veranstaltungsablauf gehören. Das spart viel unnötigen Ärger. Über Nacht können dann nötige Änderungen vorgenommen und noch vor Probenbeginn aktualisiert werden.

 

 

5. Geheimtipp – auf die Übergänge achten.

 

Zentral für das Gelingen einer reibungslosen Veranstaltung ist nicht nur die Einzelprobe. Idealerweise hat man dabei immer gleich auch schon den Übergang von der Situation davor und danach im Blick. In den Details und richtigem Timing liegt die Kunst. Wie lange ist beispielsweise der Auftrittsjingle für die Rednerin, wann geht sie genau los, damit sie perfekt getimt auf ihrer Position ankommt. Wie unterstützt das Licht diese Sequenz, aus welcher Stimmung kommt es, wie endet es? Wie verändern sich die Medieninhalte an dieser Stelle. Wie wirkt der Übergang im Gesamten? Oft wird nur die Rede an sich geprobt, aber sobald die Rednerin einmal steht, ändert sich ja nicht viel. Daher unbedingt das Vorher und Nachher im Blick haben und mitproben.

 

 

6. Generalprobe – sonst geht es schief…

 

Erst in der Generalprobe sieht man den gesamten „Flow“ der Show. Idealerweise läuft der Ablauf schon jetzt reibungslos über die Bühne. Vielleicht fallen hier aber noch Stolpersteine auf, die vorher so nicht auftauchten. Auf jeden Fall gibt die Generalprobe allen Beteiligten Sicherheit und Routine. Es gilt das alte Gesetz aus dem Theater: Lieber eine fehlerhafte Generalprobe als eine vermasselte Uraufführung. Leider sind viele Events einmalig, da muss es natürlich sitzen…

 

Event Prozesse Probenplan

 

 

7. Notfallplan – was, wenn es doch schief geht…

 

Wenn man beim Auftreten einer Störung erst anfängt zu überlegen, wie die Lösung sein könnte, ist es schon zu spät. Daher sollte vorher über einige denkbare Szenarien nachgedacht werden. Diese müssen zwischen den Entscheidern abgestimmt sein. Zentral ist, wie man als Verantwortlicher reagiert – möglichst schnell, souverän, klar. Anschreien bringt dabei übrigens gar nichts, wie ich es bereits bei den Prinzipien wirkungsvoller Teamkommunikation formuliert hab.

 

Hier ein paar Klassiker und der Lösungsansatz: Was geschieht, wenn

…das Mikrofon ausfällt? // Ein Ersatzmikrofon liegt in Bühnennähe bereit, dass gleich reingereicht wird.

…ein Video nicht spielt? // Es gibt eine kurze Information an den Moderator über die Bühnenassistenz in der ersten Reihe. Alternativ übernimmt der nächste Redner mit einem spontan-witzigen Kommentar und sorgt so noch für einen Publikumslacher.

…die Präsentation ausfällt? // Der Techniker schaltet sofort auf den Backup Rechner um. Sollte dieser auch nicht funktionieren, gibt es in der Mediensteuerung ein KeyVisual, auf das immer geschaltet werden kann. So fällt dem Publikum der Fehler vermutlich gar nicht groß auf.

…der Redner aus dem Licht läuft? // Die Lichtkollegen haben mehrere Szenen geleuchtet und erweitern den Lichtradius. Zur Not manuell nachleuchten.

…der Raum geräumt werden muss? // Die Moderatorin oder Regisseur machen eine ruhige, aber klare Ansage über die Beschallung. Aktiv formulieren: Was sollen die Gäste machen? Deskalieren, aber bestimmt sein. Bloß nicht für Panik sorgen.

…ein Auto auf der Bühne liegen bleibt? // Natürlich gibt es viele Sonderfälle, die nicht für jede Veranstaltung gelten. Aber da ich mich viel im Automobilbereich bewege, ist dies auch ein mögliches Szenario. Im schlimmsten Fall müssen Bühnenhelfer das Auto auf die gewünschte Stelle schieben. Auch hier gilt – bloß keine Hektik, aber bestimmt und souverän umsetzen. Eben den einen Schritt weiter gedacht haben…

 

Natürlich hilft es, wenn Redner nicht auf dem Fehler rumreiten und sagen: „Oh, hier hätte eigentlich jetzt ein Film kommen müssen.“ Einfach weitermachen.  Wenn was fürs Publikum offensichtlich schief läuft, dann eben locker kommentieren. Auch das ist etwas, was man in der Probe einfach mal proben kann…

 

 

Der Vorteil ist ja, dass das Publikum niemals weiß, wie es eigentlich hätte aussehen sollen.

Sie erleben nur ihr eigenes Echtzeit-Erlebnis. Das spielt uns in die Hände…

 

 

8. Arbeitszeiten – aus gutem Grund einzuhalten!

 

Abgesehen von den Proben gibt es klare gesetzliche Vorgaben zur Sicherheit, Fluchtplänen, Erste Hilfe. Diese gilt es zu beachten – das zahlt sich einfach aus. Genauso wie der Arbeitszeitenschutz. Es gilt als offenes Geheimnis, dass es hier in der Eventszene oft zu längeren Arbeitsstunden als den vorgeschriebenen maximalen 10h kommt. Aus meiner Sicht gibt es einen guten Grund, warum der Gesetzgeber sagt nach 10 Stunden am Tag ist Schluss. Als Freelancer sind wir in der nächsten Woche auf einer anderen Baustelle, auf der ebenso wieder volle Aufmerksamkeit gefordert wird. Die Konzentration geht einfach nach einer gewissen Zeit flöten. Leider musste ich in meinem Arbeitsleben schon einen Todesfall eines Riggers miterleben und einen Schwerstunfall bei einer Theater-Hebebühne. Ohne das dies konkret mit der Arbeitszeit zusammenhing, finde ich es unangebracht, wenn Auftraggeber die Arbeitszeiten ignorant wissentlich in Kauf nehmen. Hier gilt es in der Event-Szene noch besser zu werden. Es muss ja nicht gleich wie bei amerikanischen Gewerkschaften zugehen – aber 16h am Tag sind nicht hinnehmbar (leider aber immer wieder die Realität…). So wird eine Show definitiv nicht besser.

 

 

9. Fehler vermeiden – keine Last Minute Änderungen.

 

Oft fallen Kunden in letzter Minute noch Änderungspunkte ein. Egal ob dies nervöse Assistenten sind mit kleinen Chart-Änderungswünschen oder inhaltliche Ablaufumstellungen. Wenn in letzter Minute noch mal geändert wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass es schief geht. Entweder hat irgendjemand im Team das nicht mitbekommen und schon ist ein Lichtfehler drin oder das Mikro aus etc. Also klare Regel: Nach der Generalprobe wird nichts mehr geändert!

 

Außerdem ist eine Konstanz im Show Calling enorm wichtig. Das Team spielt sich automatisch auf die Art und Weise des Taktgebers ein. Wenn dann entweder ein Moderator sich auf der Bühne ganz anders verhält oder aber der Regisseur anstatt von „3, 2, 1, GO“ auf einmal zu „Redner, ähm, jetzt los“ wechselt führt das zu Unsicherheit bei Operatern in der Ausführung von CUEs. ‚Soll ich jetzt das Chart klicken oder nicht?‘ Also einfach vorhersehbar bleiben – alles so machen wie auch schon in den Proben der Fall war.

 

 

10. Enjoy – let the show beginn…

 

Nach dem alles gut vorbereitet, geprobt und über Notfallszenarien nachgedacht wurde heißt es: Spaß haben! Natürlich setzt der Adrenalin Kick ein – aber man muss auch genießen, wenn alles auf den Punkt kommt. Und vielleicht ja durch die Reaktion des Publikums noch besser wird, ja buchstäblich zum Leben erweckt wird.

 

Ich habe mir angewöhnt nach der Show darauf anzustoßen. Unsere Arbeit im Eventzirkus ist so flüchtig, dass man die Ergebnisse feiern muss. In anderen Worten: Auf eine reibungslose Show in gelungener Teamarbeit, die Menschen informiert, emotionalisiert und inspiriert, kann man genauso Stolz sein, wie auf die Fertigstellung einer Stradivari.

 

 

FrageWelche Probleme tauchen dir bei Proben auf? Welche Fragen zum Probenplan bleiben?

Auf deinen Kommentar bin ich freudig gespannt! Wenn die Tipps geholfen haben – gerne weitersagen 🙂

 

 

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Ideen brauchen Zeit!

Briefing: Idee gesucht. Ablieferung: bis gestern. Ach ja, revolutionär soll es auch sein… Leute, Ideen brauchen Zeit! Ein Diskurs zur Kreativität.

Auftrittscoaching: Wirkungsvoll Präsentieren

Auftrittscoaching Wirkungsvoll Präsentieren am 20.-21. Mai 2016 in Köln mit Martin Kloss und Chris Cuhls

 

 

Sie möchten…

Entspannt und sicher vor Publikum auftreten?
Inhalte wirkungsvoll und nachhaltig kommunizieren?
Geschichten erzählen, die faszinieren und im Kopf bleiben?

 

 

Seit Jahren bin ich als Regisseur für Unternehmen-Events tätig und habe dabei unzählige Vorträge erlebt. Von mitreißenden bis zu sehr langweiligen Präsentationen war alles dabei. Leider bleibt vor Ort selten die Zeit, um an einem Vortrag zu feilen, um größtmögliche Resonanz zu erzeugen. Zumal die Wirkung einer Präsentation von vielen Bausteinen abhängt. Genau aus diesem Grund biete ich mit dem Moderator und Schauspieler Martin Kloss das Auftrittscoaching „Wirkungsvoll Präsentieren“ an.

 

 

Worum geht es beim Auftrittscoaching Wirkungsvoll Präsentieren?

 

In der zweitägigen Masterclass beschäftigen wir uns mit den Themenbereichen Mensch (Körpersprache, Rhetorik, Stimme, Atmung) sowie den zu vermittelnden Inhalten (Storytelling, Technik, Bühne, Themen), um die richtigen Werkzeuge für einen wirkungsvollen Auftritt an die Hand zu geben. Mit unser 360° Perspektive als Moderator und Regisseur vermitteln wir relevantes Wissen aus der Praxis und werden Redner durch konstruktiv-ehrliches Feedback auf ein neues Level bringen.

 

 

Zielgruppe: Für wen ist das Auftrittscoaching gedacht?

 

Das Angebot ist für Führungskräfte konzipiert, die ihre Präsentationsfähigkeiten vor Publikum verbessern möchten. Unser Anspruch ist es, den Auftritt und die Präsentation vor Menschen zu einem Dialog zu machen, der dem Vortragenden wie dem Publikum Spaß bereitet. Dabei werden wir aufzeigen, wie jeder entspannt und sicher vor Publikum auftreten kann, um Inhalte wirkungsvoll und nachhaltig zu kommunizieren. Im interaktiven Rahmen der Kleingruppe vermitteln wir das passende Know-How und Handwerkszeug. Anhand von vielen praktischen Situationen gewinnen wir neue Perspektiven und damit Sicherheit.

 

Lernfelder des Auftrittcoaching Wirkungsvoll Präsentieren:

• Spaß am Präsentieren, weil Sie entspannt und sicher vor Publikum auftreten
• Ihren Körper, Atmung und Stimme bewusst und wirkungsvoll einzusetzen
• Ihre Inhalte als spannende und emotionale Geschichte zu erzählen
• Ihre Zuhörer mitzunehmen und Botschaften nachhaltig zu vermitteln
• Praktische Werkzeuge und Visualisierungsmöglichkeiten

 

Wann & Wo:

• Termin: Freitag 20. Mai von 10-18 Uhr & Samstag, 21. Mai 2016 von 9-16 Uhr
• Location: Stuntwerk Köln-Mülheim
• Teilnehmerzahl: maximal 8 Personen
• Gebühr: 1.420,- EUR netto

 

Masterclass Auftrittscoaching Wirkungsvoll Präsentieren

 

 

JETZT zum Auftrittscoaching am 20.-21. Mai 2016 in Köln anmelden:

 

Da wir die Gruppengröße auf acht Teilnehmer reduzieren: Melden Sie sich schnell über die Website Wirkungsvoll Präsentieren an. Interesse an weiteren Tipps zur Inszenierung? Dann könnte mein Buch EVENTS WIRKUNGSVOLL INSZENIEREN genau das Richtige sein!

 

 

Lesetipps für „Wirkungsvolle Präsentation“:

Authentisch Präsentieren // 5-teilige Serie von Moderator Martin Kloss
5 Regeln der Business Präsentation // Wie man erfolgreicher präsentiert!
AuftrittsCoaching: 12 Tipps für wirkungsvolle Vorträge

 

Event Zitate: Die besten Event Sprüche

Event Zitate – die besten Sprüche in der Live-Kommunikation

 

 

Als Regisseur plane ich nicht nur Events, sondern gebe auch als Show Caller den Ton hinter den Kulissen an.

Am häufigsten geht dabei über die Lippen: „Stand by für …“ und „3, 2, 1, GO.“

 

Je nach Wiederholungsfrequenz von Shows (eine habe ich 188 mal hintereinander gecallt, die letzte auch im „ON“ – hier zu sehen), kennt sowohl das Team als auch ich die Inhalte in- und auswendig. Dabei kommen immer wieder sehr lustige Sprüche zustande, die einen eigenen Blogpost wert wären. Da mich kürzlich mal jemand nach meinen Standard-Sprüchen gefragt hat, dachte ich mir, ich mache einen Blogpost daraus. Wie die Amerikaner sagen:

 

 

Without further ado – here they are…:   Die besten Event Zitate

 

Wer mitdenkt ist klar im Vorteil - Event Zitate

…und mitdenkende Kollegen braucht man bei zeitkritischen Events immer! Mehr davon.

 

Was nicht geprobt wird, findet nicht statt - Event Zitate

Man kann zwar CEO sein und denken, man braucht keine Proben – damit aber dennoch daneben liegen…

 

Vorbereitung ist das halbe Leben - Event Tipps

Leider wahr – pain in the ass und dennoch immer wieder bestätigt 😉

Glück ist übrigens, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft…

 

Stumpf ist Trumpf - Event Weisheiten

Mein Standardspruch für die Penetration von einzelnen Elementen – wie einem Auftrittsjingle. Weniger ist mehr!

 

No risk, no fun! - Mut zur Lücke im Event

Zum Beispiel kürzlich vor der Essensauswahl bei einem Job in Indien – mit gutem Ausgang… Yummy, lecker 🙂

 

No one said it will be easy - Eventsprüche

Manchmal heißt es einfach: Augen zu und durch. Aber als Trostpflaster folgendes Event Zitat:

 

Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. Oscar Wilde

Aufgeschnappt aus dem herrlich unterhaltsamen Film „Best Exotic Marigold Hotel

 

 

Event ZitateWelchen begegnest du immer wieder? Was kommt dir oft über die Lippen?

Zum weiterlesen28 coole Sprüche aus der Werbung und Marketing Zitate.

Klassiker: Das kannste schon so machen, aber dann issses halt Kacke… 😉

 

Event-Konzept: Mit diesen 13 Fragen wird jede Veranstaltung besser…

Event Konzept: Worauf ich bei der Konzeption von Veranstaltungen achte… // Photo: stocksnap

 

 

Die letzten Jahre über habe ich unzählige Shows im Bereich von Corporate Events realisiert. Aus dieser Praxis heraus möchte ich meine häufigsten Fragen an Event-Konzepte weitergeben. Nachdem ich bei diesen 7 Fragen für erfolgreiche Events eher auf die Basics eines Veranstaltungskonzepts eingehe, sind folgende 13 Fragen ganz praktischer Natur und für die Optimierung von Eventformaten gedacht:

 

 

13 Fragen an ein Event-Konzept, die ich immer stelle…

 

 

1. Was ist das Ziel der Veranstaltung? Nur wenn die Ziele klar definiert sind, kann man einen Plan entwickeln, um dort auch tatsächlich hinzukommen… Ein guter Anfang für die Zieldefinition ist die SMART Formel.

 

2. Wer genau ist die Zielgruppe? Umso besser ich die Besucher kenne, desto genauer kann ich mich in ihre Erfahrungswelt hineindenken und aus deren Sicht ein Event-Konzept gestalten, welches für die Zielgruppe relevante Erlebnisse kreiert.

 

3. Was soll nachher anders sein als vorher? Diese Frage definiert die erwünschte Wirkung. Simpel aber wirkungsvoll. Dennoch viel zu selten klar zu beantworten. Daher: Dranbleiben und nachfragen.

 

4. Was ist die Botschaft, wie lautet die Geschichte? Die Verdichtung auf Kernbotschaften ist harte Arbeit, lohnt sich aber immer. Wenn dies alles in eine gute Geschichte verpackt wird, kann man sich diese besser merken.

 

5. Welche Headline steht in der Zeitung und welches Bild wird dazu abgedruckt? Warum ist die Veranstaltung relevant? Sind die Inhalte kernig und klar formuliert, so dass sie am nächsten Tag noch zu erinnern sind? Gibt es einen Moment, auf den sich alles zuspitzt und als DAS Bild festgehalten werden kann, um die Botschaft visuell zu kommunizieren?

 

6. Ist das Event-Konzept abwechslungsreich, überraschend, unterhaltsam? Jedes gute Event-Konzept benötigt eine gute Dramaturgie mit Höhe- und Wendepunkten (Drei Akte: Einleitung, Hauptteil, Schluss). Gibt es eine Dynamik, die für Abwechslung sorgt (Kontraste sorgen für Spannung)? Ist der Anteil von Information und Emotion ausgewogen? Wie sehen die Szenen aus – gibt es aufeinander aufbauende Momente? Ist der Anteil von Reden, Medien, Show und Pausen ausgewogen? Gibt es Längen – egal ob real oder gefühlt?

 

7. Perspektivwechsel: Was kann ich als Außenstehender spiegeln, was die Unternehmensmitarbeiter in der Innenwahrnehmung übersehen? Als Berater kann und muss man manchmal das Bild gerade rücken. Nur Mut, ich lag selten mit meinem Empfinden falsch. Die Außenperspektive hilft oft Dinge auf den Punkt zu bringen.

 

8. Welches Team soll das Event umsetzen? Nur in eingespielten Teams mit den richtigen Stärken können Atmosphären gestaltet werden, die am Ende überzeugen. Daher schaue ich mir genau an, wer für das Licht, Ton, Mediensteuerung etc. verantwortlich sein wird. Welche Kompetenzen haben die Beteiligten Akteuere, wo könnten Engpässe vorliegen?

 

9. Gibt es ein Hightlight? Who is the star? Kann man eindeutig von einem Höhepunkt sprechen? Sofern es einen Star der Show gibt, wird auch klar auf wen sich alle Inszenierung ausrichten muss. Genau auf das Thema muss „alles einzahlen“. Ist der Gesamteindruck der gewollten Aussage bzw. der Inhalte angemessen und bleibt die Inszenierung authenttisch?

 

10. Sind die Übergänge klar und werden diese vor Ort geprobt? Die meisten Probleme tauchen in den Übergängen auf. Selbst wenn die Zeit knapp sein sollte, so bestehe ich immer auf einer Probe für die Übergänge. Auch die Übergänge der Medien sollten genau eingerichtet sein. Im Normalfall plant man aber genügend Zeit ein, um zunächst technisch-medial, dann mit allen Akteueren und abschließend einer Generalprobe zu proben. Auch ganz wichtig: Danach gibt es keine last-minute-Änderungen mehr!

 

11. Wie steht es um die Kommunikation? Nicht nur was die Botschaften an die Gäste betrifft, sondern auch intern im Team. Sind alle Inhalte bei den Leuten angekommen, wurden Probenzeiten kommuniziert? Kennt jeder im Team jeden, so dass auf kurzem Wege auch Leute miteinander Prombleme lösen… Sind bei der Veranstaltung die Kommunikationswege klar (Catering, Hostessen, Workshops etc.)?

 

12. Gibt es genügend Momente der Interaktion? Viel zu viele Event-Konzepte sind zu eindimensional und frontal geplant. Spannend wird es durch eine Partizipation. Im besten Falle gibt es auch am Ende klare Lernpunkte zum mitnehmen und Action Steps zum umsetzen.

 

13. Gibt es Feedback und eine Evaluation? Ich stelle fest, dass das Thema sich zwar viele Unternehmen wie Agenturen auf die Fahne schreiben, in der Praxis aber so gut wie nie statt findet. Persönlich habe ich mir angewöhnt die Fehler und Lernmöglichkeiten daraus jedes mal festzuhalten. So kann ich spätestens im nächsten Jahr daran anknüpfen und vermeiden, dass die selben Fehler passieren.

 

 

Frage: Welche Fragen stellst du an ein Event-Konzept? Ich freue mich über deinen Kommentar unterhalb!

 

 

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