BurnOut: Wie schaffe ich es in der Medien- und Event-Branche zu arbeiten, OHNE auszubrennen…

BurnOut Medien Event - Wie schaffe ich es zu arbeiten, ohne auszubrennen?

BurnOut – und jetzt? Ein Schleier der Ohnmacht deckt sich über alles… // Foto: Chris Cuhls

 

 

In der Event-Branche arbeiten wir von einem Höhepunkt zum nächsten – besondere Momente zu erschaffen, ist unser Tagesgeschäft. Was aber, wenn wir plötzlich nicht mehr die Energie aufbringen können? Mit 15 Jahren Berufspraxis in der Medien-Branche würde ich behaupten, dass unsere Branche eindeutig BurnOut förderlich ist. Wie also können wir uns wappnen?

 

Einen BurnOut zu erleben ist das Heftigste, was mir bis jetzt in meinem Leben passiert ist. Die siebenmonatige Lebensphase 2010/2011 war buchstäblich die Hölle auf Erden. So hart es auch war: Erst dadurch habe ich ungesunde Denkstrukturen in Frage gestellt und lerne bis heute konstant neue Verhaltensmuster dazu. Wie gelingt es ausbalanciert im Event- und Mediengeschäft zu arbeiten und einen BurnOut vielleicht sogar präventiv zu verhindern? Folgend möchte ich euch einen persönlichen Einblick in meine BurnOut Erfahrung geben und euch an meinen Lernfeldern teilhaben lassen:

 

 

Wie geht es dir eigentlich?

 

Heute weiß ich, warum ich diese Frage oft mit einem „ganz OK“ abgetan habe. Ich konnte sie gar nicht mehr beantworten. Ich hatte es verlernt, mich selbst zu spüren. Das hielt ich auch gar nicht für nötig, denn alles lief soweit rund. Doch dann folgte einem Beziehungsaus und einem neuen Beziehungstart ein beinahe tödlicher Fahrradunfall mit mehrfachen Brüchen und künstlichem Koma, der plötzliche Tod meines Papas, Umzug sowie die Gründung in die Selbstständigkeit – das alles in nur wenigen Monaten. In der Vorweihnachtszeit dann eine TV-Produktion, bei der ich als Aufnahmeleiter grob-fahrlässige Fehler der Redaktion am Set ausmerzen musste. Ich spürte ohnmächtig: Ich kann nicht mehr.

 

Weihnachten stand vor der Tür und ich dachte, OK, trete ich etwas kürzer. Neujahr verging und der Januar kam – und ich lag erschöpft auf meiner Couch, ohne Kraft für irgend etwas anderes, als drei Mal am Tag zu essen. Ach ja, Sudoko hat mich über den Tag gebracht. Meine persönliche Haltung war schleichend: Rückzug, Flucht, Einsamkeit, Ängste, Isolierungstendenzen. Erst mein Eingeständnis, dass ich professionelle Hilfe von außen benötige, zeichnete sich im Nachhinein als Talsohle ab. Ich fand Hilfe bei einem geistlichen Rückzugsort in der Schweiz und den Gesprächen mit einem Verhaltenstherapeuten. Besserung kam, aber langsam. Die ganze Geschichte erzähle ich dir bei Interesse gerne beim nächsten Produktionsbier. Fast forward: Was hat mir aus dieser Zeit heraus geholfen?

 

 

Welche Überzeugungen treiben dich an?

 

Die Heldenreise aus dem Storytelling zeigt: Der Held muss seiner tiefsten Angst ins Auge schauen. Ich war gezwungen, ehrlich zu sein und herauszufinden: Was treibt mich eigentlich an? Was lässt mich nicht zur Ruhe finden? Als perfektionistisch veranlagter Mensch habe ich über Jahre hinweg einen extrem hohen Anspruch an mich und meine Leistung entwickelt. Die Ursachen für das BurnOut sind meist sehr tief in der eigenen Persönlichkeit und Geschichte verwurzelt – hier fünf typische innere Antreiber:

 

BurnOut Innere Antreiber
BurnOut: Innere Antreiber // Quelle: select-gmbh.de

 

 

Welche Stärken bringen dich zu Fall? In meiner Familie galt der Ausspruch: ‚Gerne, gleich, gut!‘ Für mich wurde daraus irgendwann: ‚Immer, sofort, perfekt.‘ Darüber freuen sich Auftraggeber, aber diesen Über-Anspruch kann auf Dauer kein Mensch halten. Was sind deine vermeintlich positiv-gelernten Überzeugungen, die du gar nicht mehr in Frage stellst? Lerne deine inneren Antreiber kritisch zu hinterfragen und wo nötig loszulassen.

 

 

Das Frühwarnsystem: Achtsamkeit und Grenzen

 

Auch wenn in unserer Branche immer gilt: Ende gut, alles gut! – Die goldene Frage lautet: Wie geht es dir? Wie geht es dir während der Produktion? Wie geht es dir danach? Was braucht dein Körper, deine Seele, dein Geist? Wie voll ist dein Kraft-Haushalt?

 

Oftmals stellt man sich diese Fragen gar nicht, weil sich alles ganz gut und in Ordnung anfühlt. Okay, ein wenig überarbeitet ist man in unserer Branche ja schnell – das machen ja schließlich alle um mich herum und das ist ja auch ein bisschen Status. Der Übergang ist aber schleichend: höher, schneller, weiter. Hier noch, das noch, muss bis dann fertig sein – so lange, bis es hoffnungslos zu spät ist. Die Reißleine ziehen – warum? Das schaffe ich doch oder es befriedigt mich doch… Aber diese Fragen ehrlich zu beantworten, hilft uns, GANZ zu bleiben, uns zu spüren und zu erkennen, wo wir kürzer treten müssen. Und dann gilt es zu sagen: Halt, STOPP! Grenzen setzen, zunächst für dich, aber vielleicht auch für dein Team: Das machen wir morgen, nicht mehr heute. Oder: Unter den Umständen brauchen wir einen Tag länger. Punkt. Auch wenn Grenzen-setzen extrem unsexy klingt: Nur so hält dein Atem auch über diese Produktion, dieses Projekt hinaus.

 

Zur Stärkung der eigenen Achtsamkeit helfen Rituale. Diese sind zwar eher unpopulär, weil monoton und dadurch manchmal langweilig. Sie retten dir aber in den Krisenzeiten den Allerwertesten! Daher versuche dir Fixpunkte im Alltag zu setzen, die du regelmäßig wiederholst und dich in Stress-Momenten zur Ruhe führen. Ein Konzeptioner hat mir kürzlich von seinem Zen-Bürogarten erzählt. Das kann aber auch die Runde Bürogolf nach dem Mittagessen sein oder das Feierabendbier am Veedelsbütchen.

 

Einen wichtigen Vorsatz habe ich erst durch die Krise getroffen: Ich will wichtige Momente erleben und mich eben nicht immer nur im Stress-Level bewegen, wodurch ich keine Kraft und Aufmerksamkeit mehr für mein Umfeld habe. So schön Projekte und die Befriedigung über deren Ergebnisse auch sein mögen: Ich will dabei alles eigentlich Wichtige um mich herum nicht verpassen! So habe ich mir zur Geburt meiner Tochter fünf Monate freie Zeit gegönnt. Das Erlebnis der Geburt und die ersten Wochen hautnah mitzuerleben war sowas von aufregend und ich würde es mit nichts tauschen wollen! Im siebten Jahr nach meiner Gründung plane ich ein halbjähriges Sabbatical – einfach um langfristig gesund zu bleiben.

 

 

Fazit: BALANCE – die BurnOut Prävention

 

Die beste Prophylaxe gegen BurnOut ist es, in Balance zu leben. – Balanciert in allen Lebensbereichen: Beziehungen, Arbeit, Gesundheit (emotional, physisch, geistlich), Freizeit. Dabei ist es völlig in Ordnung auch einmal 100% zu geben – darauf muss dann aber eine Phasen der Erholung folgen. Diese Balance kannst nur du selbst spüren und für die Einhaltung genau dieser sorgen! Mir helfen Zeiten der Reflexion: Wo stehe ich, wo will ich hin, wie erreiche ich mein Ziel effizient und wo lauern Gefahren für ein BurnOut? Bei Jobanfragen auch mal ein Re-framing: Sorry, die Anfrage kann ich so nicht annehmen – ABER: so und so kann ich es mir vorstellen… Also aktiv eigene Bedingungen verknüpfen und so anpassen, dass es auch meinen Bedürfnissen entspricht, ohne mich zu überfordern. Auch ein NEIN ist immer wieder angebracht, auch wenn es kurzfristig weh tut (langfristig lohnt es sich eigentlich immer)!

 

Lass Gefühle zu – ob Trauer, Verlust, Schmerz, Wut, Ärger oder Angst. Wenn sie weggedrängt werden, wirst du gefühlsleer. Letztes Jahr bin ich über das Buch des Psychologen Björn Süfke gestossen: Männerseelen: Ein psychologischer Reiseführer – unbedingter Lesetipp! Denn wenn du deine Gefühle spürst und benennen kannst, wirst du nicht nur gesünder leben, sondern auch mit deinem Umfeld (Partner, Team) besser kommunizieren.

 

 

Ich hoffe, diese Gedanken helfen dir in deiner jetzigen Lebenssituation weiter! Was hat dir aus dem BurnOut geholfen? Wie schützt du dich präventiv? Ich würde mich sehr über Meinungen und ergänzende Kommentare freuen. Leite den Beitrag doch auch einfach an Freunde weiter, die sich in einer solchen Krisenphase befinden!

 

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