Bachelor vs. Master im Eventmanagement // Was die HR Manager sagen…

Bachelor vs. Master im Eventmanagement // Quo vadis?

Eventmanagement Berufseinstieg mit Bachelor oder Master Abschluss – quo vadis? // Foto: André Wirsig

 

 

Immer wieder wurde ich in letzter Zeit von Studenten gefragt, wie meine Meinung zum Studienabschluss im Eventmanagement ist. Folgende Kernfragen der aktuellen Studentengeneration habe ich zum Anlass genommen, einige Personalverantwortliche im Eventmanagement nach ihren Einstellungskriterien für den Nachwuchs zu fragen:

 

 

1. Inwiefern besteht in der Eventbranche ein Bedarf an Nachwuchs mit Masterabschluss? Worauf wird mehr Wert gelegt: Masterabschluss oder 2 Jahre Berufserfahrung?

 

2. Welche Masterstudiengänge erscheinen den Personalern am attraktivsten?

 

3. Ist ein Trend oder eine Entwicklung bei den Bewerbern in der Eventbranche hin zum Masterabschluss zu verzeichnen?

 

 

Matthias Holst, fischerAppelt:

Die Eventmanagement-Branche braucht vor allem Standards!

 

„Die Ausbildung in der Live-Kommunikation ist ein schwieriges Thema unserer Branche. Es existieren keine einheitliche Standards, wie es beispielsweise in der PR schon sehr früh geschah. Dort gibt es professionalisierte Ausbildungsmöglichkeiten, die begleitend durch starke Verbandsarbeit für den Markt etabliert wurden. In Vorstellungsgesprächen brauche ich regelmäßig Zeit, zu verstehen, wie die Schwerpunkte des Studiums der Bewerber lagen. Ob Medien, Tourismus bis zu Marketing – die Bandbreite von Bewerbern ist recht breit.

 

Grundsätzlich ist meiner Meinung nach ein direkter Einstieg von der Uni mit einem Bachelor in einer renommierten Event-Agentur ideal. Es ist wichtiger, Berufserfahrung bei einer möglichst guten Agentur mit konzeptionellem Ansatz und Volumen-Kunden zu sammeln, als einen Master zu machen. Was dann nach 2-3 Jahren Praxis kommt, ist schwer zu beurteilen. Wenn jemand auf Kundenseite wechseln will ist spätestens dann ein Master relevant. Wer als Projektmanager mit Kundenberatung in einer Agentur bleiben will, braucht ihn dann nicht mehr. Sofern aber der Bereich Konzeption ins Interessensfeld gerät, ist eine fundiertere Weiterbildung in Form eines Masters wieder hilfreich.

 

Fazit: Der Bachelor Eventmanagement kann nur zur Grundausbildung gehören und ist mit dem alten Diplom nicht vergleichbar. Als Berufseinstieg gibt er aber die nötige Basis. Wer weiter in der Hierarchie kommen will, besonders auf der Kundenseite, sollte einen Master in einem ergänzenden Kommunikations-Themenfeld hinzufügen. Einen Trend zu mehr Masterabschlüssen erkenne ich bisher nicht und sehe ihn auch als nicht notwendig. Vor allem aber braucht die Live-Kommunikation dringend einheitliche Standards in der Ausbildung.“

 

 

Wolfgang Altenstrasser, VOK DAMS:

Duale Studiengänge verknüpfen Theorie und Praxis ideal miteinander

 

„Die heute Berufsanfänger-Generation – kurz Generation Y genannt – steht vor besonderen Herausforderungen. Einerseits schwankt sie zwischen Nestbau und Selbstverwirklichung, andererseits zwischen Work-Life-Balance und Work-Life-Blend, also die Vermischung von Arbeit und Privatbereich.

 

Gerade die Event- und Live-Marketing Branche orientiert sich in Konzeption und Umsetzung von Events an immer neuen technischen, kulturellen und gesellschaftlichen Standards. Das methodische und strategische Wissen wird daher für Projektmanager immer wichtiger. Daher steigt auch in großen Agenturen der Bedarf an Studienabsolventen immer mehr. Wichtig ist für Berufseinsteiger auch die praktische Erfahrung im Eventgeschäft, die durch Praktika oder eine Ausbildung vor dem Studium erworben werden kann.

 

Eine ideale Lösung stellen da duale Studiengänge dar, die Theorie und Praxis miteinander verknüpfen. Gerade vor dem Hintergrund der eigenen Karriereplanung ist ein Studium also sinnvoll. Ob es letztendlich ein Bachelor oder ein Master ist, hängt von meiner persönlichen Ausrichtung ab. Möchte ich eher in den konzeptionellen oder strategischen Bereich einer Agentur, ist ein Master sinnvoll. Geht es mir mehr um die logistische Steuerung und Umsetzung, würde ich eher einen Bachelor-Abschluss anstreben und in den 2 Jahren weitere Berufserfahrung sammeln.

 

Mein Fazit zu den konkreten Fragen:

 

zu 1.) Personaler in der Eventbranche machen in der Praxis keinen großen Unterschied zwischen Bachelor oder Master. Der persönliche Eindruck, die emotionale Kompetenz ist entscheidend und letztendlich auch die Berufserfahrung.

zu 2.) Marketing oder BWL, da diese Bewerber gelernt haben, auch über den Tellerrand zu schauen. Aber auch hier gilt – der persönliche Eindruck im Bewerbungsgespräch ist entscheidend.

zu 3.) Bis jetzt nicht, da Masterabsolventen ja in der Regel auch höhere Gehaltsvorstellungen haben, die Agentur beim Berufseinstieg nicht zahlen können.“

 

 

Wolf Rübner, Event Campus: Berufspraxis ist wichtiger als der Master

 

„Der Master wird schon lange diskutiert. Mit Ausnahme der TU Chemnitz wird er meines Wissens nirgendwo angeboten. Die Frage lautet wie immer: Gibt es einen Bedarf, gibt es die Nachfrage?

 

Für die Frage nach dem Bedarf lautet meine Antwort „3x Ja“. Die Einschränkung folgt auf dem Fuße – wir benötigen händeringend gut ausgebildete (Kommunikations-)Architekten, keine Handwerker, vulgo Eventmanager, mit Master-Abschluß. Die Anforderungen an ein effektives Event wachsen, die Komplexität nimmt zu, die Vernetzung mit anderen Kommunikationsinstrumenten ist eine pure Notwendigkeit. Damit steigen die Anforderungen an die Konzeption von Events (im englischen Sprachraum Event Design, Concept Design, Meeting Design). Eine Ausbildung in Kommunikationswissenschaften, Soziologie, Sozialpsychologie, Theaterwissenschaften, Marketing, Show Design, Dramaturgie + Inszenierung und Szenografie mit Master-Abschluß ist mehr als nur wünschenswert.

 

Der Wermutstropfen – die Nachfrage ist sehr klein, ich fürchte zu klein. Daher haben sich die privaten Hochschulen dafür noch nicht erwärmt. Staatliche Hochschulen sind dafür zu unflexibel, zu marktfern und zu Tourismus-lastig. Eine Chance könnte darin liegen, bestehende Angebote wie treibhaus 0.8, TU Chemnitz oder von Design-Hochschulen masterfähig zu gestalten. Und das am besten in Vollzeit wie berufsbegleitend.

 

Einen Master im Eventmanagement halte ich für nicht erstrebenswert, bestehende Curricula sollten reformiert werden und insbesondere in der Auswahl von Lehrbeauftragten deutlich mehr auf Qualität geachtet werden. Es gibt abenteuerliche Mängel in dieser Hinsicht.

 

Fazit: Personaler werden zwei Jahre Berufspraxis höher bewerten als einen Master. Einen ausgeprägten Wunsch nach einem Master-Angebot verspüre ich bei den Studierenden allerdings nicht.“

 

 

HR-Manager (Anonym):

Es zählt die Person und der passende Fit – nicht der Abschluss!

 

Der HR-Manager einer großen Eventagentur schrieb mir: „Ich bin generell keiner, der überhaupt darauf achtet, was für einen Abschluss die Leute haben und das hat bei uns auch keinerlei Konsequenzen. Ich habe Leute mit einer Ausbildung eingestellt, die weiter waren als Leute mit einem Master und Leute mit einem Master, die sehr viel gelernt haben.

 

Bei uns kommt es ausschließlich auf die Person und den Fit an und wir haben auch keine präferierten Abschlüsse geschweige denn Hochschulen oder Institutionen. Die jungen Leute sollen anständige Praktika machen, und zwar länger als 8 Wochen… Das ist aus meiner Sicht immer wichtiger als ein Master.

 

Fazit: Wie gesagt, wir achten da nicht drauf und verfolgen das auch nicht in irgendeiner Form – die individuelle Leistung zählt…“

 

 

Bachelor vs. Master im Eventmanagement – was denn jetzt?

 

Die Meinungen gingen für mich recht eindeutig in die selbe Richtung: Ein Bachelor reicht für den Berufseinstieg, um damit Erfahrung im Eventmanagement zu sammeln. Wer auf Kundenseite längerfristige Kommunikationsmaßnahmen entwickeln will oder in der Eventkonzeption arbeiten möchte, sollte sich im Rahmen eines Masters interdisziplinäres Fachwissen aneignen. Vielleicht helfen auch folgende grundsätzliche Fragen bei der Entscheidungsfindung:

 

  • Welche Ziele habe ich im (Arbeits-)Leben? Was macht mir Spaß?
  • Will ich langfristig eher in der Konzeption oder in der Organisation von Events arbeiten?
  • Wenn ich gerne einen Master machen möchte: Welches Fach, außer Eventmanagement, interessiert mich und eröffnet mir noch andere Chancen? Wie kann ich mich von anderen Mitbewerbern unterscheiden?
  • Welche Arbeitserfahrung bringe ich neben dem Studium bereits mit?
  • Welches Einkommen will ich in 10, 20, 30 Jahren erzielen?

 

Zu guter Letzt ein Vergleich, welcher unsere Berufsrealität auf den Punkt bringt: Unsere Eltern-Generation war noch wie ein Zug auf dem selben Gleis mit den drei Waggons zum Lebensabend unterwegs – 1) Ausbildung, 2) Arbeit, 3) Spielen. Das alles bei einem Arbeitgeber. Die Generation Y findet sich eher an einem Busbahnhof wieder: ständig wechseln sich die Bereiche Ausbildung, Arbeit und Spielen ab. Nach dem Abi ein Jahr im Ausland, dann den Bachelor, etwas Arbeitserfahrung bevor man wieder eine längere Reise antritt. Dann ggf. der Master, wieder einige Jahre Arbeit bevor ein Sabbatical ansteht. Also ständiger Wechsel der Busse bei diversen Arbeitgebern und immer wechselhaften Lebensabschnitten. Es ist also nicht ungewöhnlich im Laufe des Berufslebens bis zu sieben unterschiedliche Jobprofile auszuüben und eher non-linear zu arbeiten. Also, macht euch keinen Stress – hakuna matata!

 

 

Wie denkst du zum Thema Bachelor vs. Master im Eventmanagement? Was sind deine Fragen oder Beobachtungen, wohin die Reise geht? Freue mich auf Kommentare unterhalb und like doch gleich mein Facebook Profil für regelmäßige Inspiration rund um die Live-Kommunikation.

 

Ein guter Startpunkt für deine Karriere im Eventbereich könnte mein Buch EVENTS WIRKUNGSVOLL INSZENIEREN sein!

 

Weiterführende Linktipps:

Super Tipps für die Karriere, Job und Bewerbung finden sich in der Karrierebibel

Nachwuchswettbewerbe der Branche – INA Award und DAVID Award

Christian Schmachtenberg: Wir haben kein Generation Y Problem, wir haben ein Ausbildungsproblem in der Live-Kommunikation

Elfie Adler: Nachwuchsförderung in der Eventbranche: Welche Initiativen gibt es und was müssen wir noch tun?

 

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