8 Praxis Tipps für die Event Locationsuche

8 Praxis Tipps für die Event Locationsuche // Gastbeitrag Sarita Lensch von Event Inc.

 

 

Wie finde ich die passende Location für mein Event? Worauf gilt es bei der Event Locationsuche zu achten, damit die Kosten nicht explodieren und die Botschaft des Events rüberkommt? Das habe ich die Expertin Sarita Lensch gefragt. Die Infografik bringt die wichtigsten Aspekte auf den Punkt:

 

8 EVENTLOCATIONS Tipps bei der Suche

 

 

Tipp 1: Art der Veranstaltung klären

 

Die Art der Veranstaltung ist ausschlaggebend für die Wahl der Eventfläche. Einen einfachen Leitfaden gibt es so nicht – die Wahl muss immer individuell getroffen werden. Wo Meetings und Tagungen vor ein paar Jahren in klassischen Hotel-Seminarräumen stattfanden, werden heutzutage zunehmend Off-Locations dafür in Betracht gezogen.

 

Als Off-Location bezeichnet man beispielsweise leerstehende Räumlichkeiten ohne Inneneinrichtung, oftmals im industriellen Stil. Interaktive Meetings oder Workshops finden zunehmend in Lofts, Fabrikgebäuden oder Outdoorlocations statt. Es gibt sogar Eventschiffe die Raum und Platz für solche Anlässe bieten. Das Ziel ist nun nicht mehr allein über genügend Platz oder die passende Ausstattung zu verfügen, sondern ebenfalls eine spannende und außergewöhnliche Atmosphäre für unvergessliche Augenblicke zu schaffen.

 

Dieser Trend hat sich auch bei Hochzeiten eingeschlichen. Viele Brautpaare suchen nicht mehr nach dem traumhaften Märchenschloss oder dem großzügigen Restaurant am See – loftartige Wohnungen oder alte Fabrikgebäude und Hallen werden zunehmend attraktiver. Doch so viele spannende und außergewöhnliche Locations es auch gibt, man sollte immer noch den Sinn und Zweck sowie die Umsetzbarkeit im Hinterkopf behalten. Nicht jede Location bietet die optimalen Vorraussetzungen für jedes Event.

 

 

 

Tipp 2: Die Größe der Location richtet sich nach der Teilnehmerzahl

 

Eine Faustregel für den Platz beziehungsweise die Quadratmeteranzahl die jeder Teilnehmer zur Verfügung haben sollte, gibt es so nicht. Das hängt in der Regel vom Konzept und den individuellen Ansprüchen der Veranstalter ab. Bei einem Empfang mit Stehtischen plant man pro Person einen Quadratmeter ein. So können sich die einzelnen Gäste noch sehr gut bewegen. Wenn es sich jedoch um eine Podiumsdiskussion oder einen Vortrag handelt bei denen die Gäste lediglich sitzen, kann auch weniger Platz eingeplant werden. Bei einer Gästeanzahl von 40 Personen bieten 100 Quadratmeter eine optimale Raumgröße.

 

Wenn es sich dann jedoch um eine Art Workshop handelt bei dem die Gäste in Interaktion treten sollen und beispielsweise ein großer Stuhlkreis oder eine Bühne aufgebaut werden soll, sollte man schon einmal 100 Quadratmeter mehr einplanen.

 

Bei der Frage nach der Größe der Location sollten Eventplaner sich an folgenden Fragen orientieren: Wie ist der Ablauf der Veranstaltung? Muss beispielsweise eine Bühne, Tanzfläche oder Buffet aufgebaut werden? Ist eine Außenfläche vorhanden die zusätzlich genutzt werden kann? Sind beispielsweise Kinder auf der Veranstaltung die eine extra Spielfläche benötigen?

 

eventlocation klassikstadt frankfurt

Meetingraum im Loft: © Klassikstadt über Event Inc // Event Locationsuche

 

 

Tipp 3: Eventportale nutzen

 

Die meisten Eventportale agieren wie Marktplätze auf denen man von der Location bis hin zum Catering, der Dekoration oder dem DJ alles für sein Event buchen kann. Dabei gibt es natürlich auch unterschiedliche Portale. Die einen legen mehr Wert auf Best-Price Angebote die anderen mehr auf Qualität der Anbieter. Bevor man sich für ein Portal entscheidet, sollte man sich vorab genau über die Leistungen, anstehende Kosten und Referenzen informieren.

 

In der Regel ist es sinnvoll den persönlichen Erstkontakt über das Telefon zu suchen. Hier kann man nicht nur schnell die Expertise und die Qualität der Beratung erkennen sondern erspart sich im besten Fall auch eine aufwendige Suche durch das gesamte Portfolio der Anbieter. Am anderen Ende des Telefons sitzen nämlich professionelle Eventberater die sich in ihrer Branche und ihrem Portfolio bestens auskennen.

 

Wichtig ist, dass Sie den Beratern einen groben Plan mit an die Hand geben: Was soll es für eine Veranstaltung werden und wo soll sie stattfinden? Zentral gelegen oder ländlich? Handelt es sich um ein Firmenevent oder eine private Veranstaltung? Ein Budgetrahmen sowie –ganz wichtig– mehrere potenzielle Daten. Seien Sie offen für Vorschläge und Inspiration. Versteifen Sie sich nicht auf eine spezielle Vorstellung oder Location. Die Eventberater eröffnen Ihnen meist ganz neue Ideen und Möglichkeiten an die Sie vorher gar nicht gedacht haben.

 

 

Tipp 4: Versteckte Kosten beachten

 

Eine realistische Budgetplanung ist das A und O! Die Preise die auf den meisten Internetseiten veröffentlicht werden sind oftmals “nackt” und zeigen gerade einmal die Netto-Raummiete pro Person. Informieren Sie sich also immer über die Gesamtkosten, auch über mögliche Aufschläge damit Sie die volle Kostenkontrolle haben. Sofern Sie sich von einer Location überzeugen konnten, sollten Sie sich über deren Kooperationspartner informieren. Oftmals verfügen die Locations über feste Partner auf deren Angebote Sie zu vergünstigten Preisen zurückgreifen können. Eventdienstleister separat zu buchen ist meistens viel teurer. Bevor man sein Budget plant sollten diese sechs Dinge unbedingt im Hinterkopf bleiben:

 

  • Raummieten werden meist “nackt” angegeben: Wenn Sie beispielsweise eine Off-Location oder ein Loft mieten, werden Sie in der Regel einen leeren Raum vorfinden. Hier muss also passendes Mobiliar, gegebenenfalls eine Bühne oder Bar dazu gemietet werden. Manchmal kann es auch dazu kommen, dass Heizkosten sowie Nacht- und Zeitzuschläge dazu kommen.

 

  • Ab einer Personenzahl von circa 50 Personen sollte, je nach Ausmaß der Veranstaltung, mindestens ein Sicherheitsbeauftragter vor Ort sein. Dieser wird nach Stunden vergütet. Auch hier kann es zu Nachtzuschlägen pro Person kommen.

 

  • Wenn es um Catering-Pauschalen geht variieren die Preise sowie die Qualität. Je nach Art der Verpflegung und Aufwand können durchschnittlich pro Person zwischen 50€ für einen Empfang mit Fingerfood bis 100€ für ein gesetztes Dinner anfallen.

 

  • Ebenfalls fallen Kosten für Servicepersonal an. Diese sind nicht in den Catering-Pauschalen enthalten. Das Servicepersonal wird pro Person für einen bestimmten Zeitraum gebucht und vergütet. Wird der Zeitraum überschritten fallen zusätzliche Kosten an.

 

  • Bei Getränkepauschalen ist besondere Vorsicht geboten – hier kann es schnell teuer werden. In den meisten Pauschalen sind lediglich Softdrinks, Kaffee und Tee enthalten. Für Wein und andere alkoholische Getränke werden Aufschläge berechnet. Wichtig ist auch vorab zu klären, was die einzelnen Getränke kosten wenn die Pauschale vorbei ist, die Veranstaltung jedoch länger geht als geplant. Hier lockt die größte Kostenfalle. Bei manchen Caterern kann man die Getränke auch nach “Verbrauch” abrechnen. Dies ist eine gängige und oft gewählte Alternative zur klassischen Pauschale. Diese Art eignet sich vor allem für größere Veranstaltungen wie Konzerte oder Messen. Die Pauschalen dagegen sind für Hochzeiten oder Firmenfeiern geeignet.

 

 

Tipp 5: Kaufen Sie nicht die Katze im Sack

 

Um ein Gefühl für die Räumlichkeiten zu bekommen, ist es immer sinnvoll einen Veranstaltungsraum vorab zu besichtigen. Dies erleichtert nicht nur die Planung des Events sondern verrät Ihnen auch etwas über die Atmosphäre des Raumes. Dadurch bekommen Sie einen ganz neuen Blick auf die Location und die Möglichkeiten die zur Gestaltung bereit stehen. Machen Sie nicht den Fehler und mieten Sie blind eine Location die Sie vorab nicht gesehen haben – nur weil Sie schnell eine benötigen oder Sie in Zeitnot sind, weil Ihnen andere Locations abgesagt haben.

 

Vor allem bei der Planung von Hochzeiten sollte diese Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Bei größeren Veranstaltungen lohnt sich dies übrigens auch bei Caterern. Vereinbaren Sie ein Probeessen, denn – “Fotos sind geduldig” und oftmals wunderschön bearbeitet. Wenn Ihnen die Möglichkeit gegeben wird, nutzen Sie sie und überzeugen Sie sich vor Ort selbst über das Angebot und die Qualität.

 

 

Drei finale Tipps für die Event Locationsuche:

Event Locationsuche Checkliste

Danke an Sarita Lensch von Event Inc. für die Zusammenstellung!

 

 

Weitere hilfreiche Tipps finden Sie auch hier:

11 ultimative Tipps zur Wahl der perfekten Eventlocation
Eventmanagement: 10 wichtige Punkte für den Location Check
Verhandlungsgeschick bei der Locationsuche – 7 Tipps

Warum wir mehr Customer Centricity bei Events benötigen…

Customer Centricity bei Events // Perspektivwechsel am Beispiel der Ketchup Flasche von Heinz

 

 

Wer kennt sie nicht? Die gute alte Ketchup Flasche von Heinz. Zu welcher der beiden Verpackungen würdest du im Regal greifen? Da geht es schon los. Mit welcher Brille kaufst du ein: Welche ist schöner?

 

Natürlich die linke Design-Ikone. Warum hat sich jedoch Heinz dazu entschieden, die rechte Verpackung zu entwickeln? Genau, wenn die Glasfalsche umgedreht wird muss kräftig geschüttelt werden. Und dann? Platsch.

 

Ein großer Klecks breitet sich auf dem Teller und oft darüber hinaus aus. Genau das ist der Grund, warum Heinz die Squeeze-Technologie entwickelt hat. Der Ketchup ist perfekt dosierbar und da umgedreht, jederzeit an der Öffnung. Eltern würden für ihre Familie also definitiv zur rechten Verpackung greifen. So erfüllt die Verpackung den Nutzen für diesen Kunden besser. Das Bedürfnis des Kunden steht dabei im Mittelpunkt, nicht das Produkt (und für alle Design-Liebhaber gibt es ja die Sonderedition ;).

 

 

Was hat Customer Centricity mit Events zu tun?

 

Genau darum geht es auch bei Events. Nicht das Event an sich ins Zentrum der Bemühungen stellen, sondern das Erlebnis des Besuchers. Events sind Erlebnisse in besonders gestalteten Atmosphären. Menschen sind dabei offen für Neues. Das Ziel dabei ist oft Veränderung – im Denken und Handeln. Damit es aber besondere, erinnerbare Erlebnisse werden, müssen sie dem Gast gefallen. Hier klafft Innen- und Außenwahrnehmung oft auseinander.

 

Konsequente Kundenorientierung (oder eben Customer Centricity) setzt das Erleben der Gäste in den Mittelpunkt. Denn nur dann ist das Event auch wirksam. Es muss den Besuchern gefallen, sie ansprechen und mitnehmen. Hierzu ist ein Perspektivwechsel bei der Eventkonzeption nötig.

 

Als Gestalter von Events müssen wir uns von unseren persönlichen Vorlieben lösen. Von unserem Design-Geschmack, von unseren Musik-Vorlieben, von unserem Humor-Stil – kurzum der Projektion unserer Vorstellungen auf die der Gäste. Oft genug fällt mir in Hintergrundgesprächen auf, wie unterschiedlich die Meinungen und Erwartungen von Menschen sind. Das hat viele Gründe: andere Selbstverständnisse, Kontexte, Hintergründe, Lebenssituationen.

 

Hilfreich ist beispielsweise die Erstellung von Persona-Profilen. Damit kann aus konkreten Besucher-Perspektiven das Event auf den Nutzen überprüft werden. Wohlwissend, dass die Realität vielfältiger ist als ein paar ausgewählte Personas… Das bedeutet zwar Mehrarbeit – wird aber auch zu Mehrwert führen.

 

Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“

// Antoine de Saint-Exupéry

 

Auch eine „Empathiekarte“ kann durch folgende Fragen helfen mehr über die inneren Bedürfnisse des Kunden zu erhalten: In welchem Umfeld bewegt sich der Kunde? Was beeinflusst ihn? Wie informiert er sich? Was sind seine größten Herausforderungen? Daraus lassen sich Themen priorisieren und in den Programmablauf einbauen.

 

Kundennutzen Event - Empathy Map
Customer Centricity: Empathy Map // Quelle: DIM

 

 

Perspektivwechsel zum Besucher = Nutzenorientierung

 

Eine interessante Entdeckung habe ich in dem Buch „A Framework for Understanding Poverty“ gemacht. Ruby Payne hat darin eine Studie in Texas vorgestellt, die gemacht wurde da Lehrer oft keinen Zugang zu Schülern fanden. Die unterschiedlichen Selbstverständnisse und damit Differenzen der Lebenseinstellungen in den drei Schichten von Arm, Mittelklasse und Reich zeigen sich sehr deutlich in diesen Lebensbereichen:

 

Customer Centricity - A Framework for Understanding PovertyA Framework for Understanding Poverty by Ruby Payne // Quelle: Phil Ebersole

 

 

Für mich offenbart sich darin die Vielschichtigkeit von Menschen, was Aufschluss über die Bedürfnisse geben kann. Wenn man dies beispielsweise in den Kategorien Angestellter, Teamleiter und Geschäftsführer weiterdenkt, werden auch dabei das Selbstverständnis und die daraus abgeleiteten Anforderungen an die Machart des Events eindeutig. Richten wir das Event dementsprechend aus?

 

Ein weiterer Punkt der unbedingt im Blickfeld der Eventkonzeption stehen muss sind die „Touchpoints„. Wo liegen die Berühungspunkte des Gastes vor, während und nach dem Event? Also beginnend mit der Einladung oder Webseitenbesuch über Ankunft und Parken zu dem Raumerlebnis, Programmpunkten, Partizipation etc. bis zu der Nachberichterstattung. Welches sind die Interaktionspunkte auf der „Costumer Journey„?

 

Selten habe ich ein konsequentes Hineindenken in die Sichtweise des Gastlerbnisses bei Events erlebt. Vielleicht ist es manchmal nicht die fette Opening-Show, sondern die kleinen Details, die für Nutzen und Mehrwert auf Besucherseite sorgen. Das wird auch das innere Lächeln hervorzaubern – beim Gast wie Gastgeber und dem Eventgestalter.

 

 

Kernfrage: Wie hoch ist die Investitionsrendite?

 

Abschließend noch ein Gedankengang zum Return of Investment: Welches ist die größte Investition bei Events? Nicht die Finanzen in Form des Eintrittpreises. Es ist die Zeit die ein Besucher investiert, um bei der Veranstaltung dabei zu sein. Wie effektiv gehen wir mit dieser Ressource um? Deshalb spreche ich gerne von der Investitionsrendite. Die Investition von Zeit muss sich für Besucher lohnen.

 

Was heißt das für die Eventgestaltung? Vorträge zum Beispiel dahingehend überprüfen, ob das gleiche nicht auch in der Hälfte der Zeit gesagt werden kann? Was wollen die Besucher eigentlich auf der Konferenz? Ein „Greatest Challenge Workshop“ könnte sehr viel mehr Nutzen schaffen, indem in kleinen Runden über die größte Herausforderung diskutiert wird. Gleichzeitig wird das Wissen der Besucher so viel aktiver eingebunden. Vielleicht braucht es ein mehr an Zeit, damit sich die richtigen Personen austauschen können. Denn auf Fachmessen sind alle wichtigen Entscheider vor Ort.

 

Fazit: Wenn wir den Bedürfnissen der Besucher begegnen, erzeugen wir Mehrwert. Weil das Event sich um die Themen und Bedürfnisse des Gastes dreht – und nicht die eigene Agenda. So entsteht Nutzen und Sinn. Diese Kundenorientierung wird zu mehr Erfolg führen. Das wird sich rumsprechen – garantiert!

 

 

Frage: Oder habt ihr andere Erlebnisse rund um Customer Centricity  bei Events gemacht?

 

Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs

Begegnung durch Riechen gestalten – Tipps eines Parfumeurs // Teil 1 der fünfteiligen Serie Begegnung

 

 

Als Eventgestalter wollen wir unvergessliche Momente erzeugen. Mensch und Marke sollen sich begegnen – am besten mit WOW-Erlebnissen. Wie es zu wirkungsvollen Begegnungen kommt, dem möchte ich in einer fünfteiligen Serie nachspüren. Dabei werden wir uns dem Mysterium einer Begegnung über die fünf Sinne nähern. Fünf Experten bekommen die selben drei Fragen gestellt. Den Anfang macht der Geruchssinn. Dazu habe ich den Parfumeur Uwe L. Manasse befragt:

 

 

1. Was macht eine wirkungsvolle Begegnung aus?

 

Geruch ist der einzige Sinneskanal, den man nicht betrügen kann. Das unbewusste Fühlen des Gegenübers wird wie bei keinem anderen Sinn aktiviert. Daher ist die wirkungsvolle Begegnung auf dieser Ebene geprägt vom Zeigen und Erkennen des Wesens, der Stimmung und der Werte der Kommunizierenden.

 

Duft ist das erste Element der Begegnung. Bevor wir mit jeglichem anderen Sinn das Setting erfassen, hat das Riechen, allein durchs Atmen schon wichtige Weichen gestellt: Bin ich sicher? Ist das echt was ich sehe, höre oder fühle? Und vor allem: Woran erinnert es mich?!

 

Und Duft ist das letzte Element der Begegnung. Denn auch kein anderer Sinn verdrahtet im Kopf Erinnerungen so fest wie das Riechen. Diese beiden Faktoren aktiv bewusst zu leben, wird jede Begegnung verändern.

 

 

2. Worauf ist bei der Gestaltung einer Begegnung zu achten?

 

Riechen gehört fest mit in die Planung. Ist die Eventlocation für den Launch einer Nobel-Uhrenmarke beispielsweise neben einer Bio-Hühnerfarm? Passt nicht. Geht es um Outdoormode, dann ist der ländliche Geruch Teil der Inszenierung.

 

Wenn eine aktive Beduftung vorgesehen ist, muss diese den Werten der Unternehmung entsprechen. Eigenwillig gutes Beispiel: Abercrombie und Fitch. Die kommunizierten Firmenwerte sind laut, unverhohlen, auf Äußerlichkeiten bezogen. Genau so ist die Parfumierung der Geschäftsräume. Da wurde alles „richtig“ gemacht.

 

Weniger gutes Beispiel: Bäckerei, die mit „Frischem Backwerk“-Duft parfumiert wird und man am Abend 16 Stunden alte Brötchen bekommt.

 

Dies gilt auch für Menschenbegegnungen. Beispiel: Der Agenturchef kommt am Nachmittag zum Kunden, mit einer perfekten Präsentation. Gegessen hat er seit heut Morgen nichts. Er ging lieber noch zwei Mal alles durch. Sein Hunger-Mundgeruch wird den versammelten Säugetieren (Kunden) verraten, dass dieses gehetzte Tier da vorn noch nicht einmal in der Lage ist, für sich zu sorgen. Das Rudel (welches den Auftrag dann an einen anderen vergibt) also schwächen wird. Riechen ist hemmungslos ehrlich.

 

Begegnung Riechen Geruchsinn Event

 

 

3. Was können Eventgestalter bei der Planung von Begegnungen davon lernen?

 

Wer die Werte des Kunden, Produkts, Zeitpunkts kennt, wird nichts falsch machen. Also sind diese Werte Tagesordnungspunkt 1. Wer dazu dann auch noch die Trigger seines Publikums kennt, macht alles richtig. Also Tagungsordnungspunkt 2. Dann multiperspektivisch denkende Experten ins Boot holen und zur Interaktion miteinander ermutigen.

 

Perfekt schlechtes Beispiel: Die Waldlandschaft einer Streetware-Modemesse, bestehend aus Großformatdrucken und künstlichen Bäumen. Die Beduftung der Halle stellte „Wald“ authentisch dar. Der Lösungsmittelgeruch aus den Drucken und dem Chinaplastikgeruch der Bäume jedoch nicht. Besucher bekamen Kopfschmerzen. Die Verweildauer war zu kurz, die Umsätze der Aussteller schlecht. Diese blieben im nächsten Jahr aus. Der Veranstalter ging fast pleite. Keiner kam darauf, dass es am Geruch gelegen hat.

 

Perfekt gutes Beispiel: Eine Popcorn Maschine an einem Messestand für elektronische Whiteboards bei der Didakta. Die Whiteboards waren so einfach zu bedienen „wie Popcorn“. Das Image des Herstellers gut gelaunt. Man konnte auch Filme auf die Boards projizieren (Kino). Die Besucher hatten einen Duftleitfaden durch die ganze Messehalle. An dessen Ziel stand eine spannende neue Technologie, deren Kern unsichtbar ist. Sie kauten während der Präsentation (Hirndurchblutung 😉 ) und die Finger dufteten danach nach dem Whiteboard-Erlebnis.

 

 

Parfumeur Uwe L. ManasseParfumeur Manasse erschafft in seinem Duftwerk Atelier in Köln unsichtbare Signaturen für Räume, Situationen und Menschen. Persönlicher Lieblingsduft: Die Haut im Frühjahr, wenn zum ersten mal die Sonne darauf scheint.

 

 

 

Weiter geht es mit dem Sinnesorgan Schmecken – dazu hier das Interview mit Max Chocolatier.

Frauen in der Eventbranche: You have, what it takes. Go for it!

Frauen in der Eventbranche – ein unverstellter Blick auf den Status Quo // Photo: Priscilla Bucher

 

 

In meinem Sabbatical besuchte ich mit obiger liebenswürdig-verrückten Feministin die Pinakothek der Moderne in München. Ein herrlicher Streifzug durch die Epochen mit spannenden Gesprächen. Dabei stellte Priscilla mir eine Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht:

 

„Chris, stell dir vor du wachst morgen auf. Du bist noch genau derselbe Chris, der du bist. Einzig dein Körper ist der einer Frau.“

 

Soweit, so gut. Ehrlich gesagt: Ein aufregender Gedanke. 😉 Warum nicht. Tolles Gedankenspiel. Dann der Haken:

 

„Du sitzt bei deinem Chef zum Jahresgespräch. Es geht um deine Lohnverhandlung.“

 

Mir dämmerte es sofort. Scheiße. Das Äußere verändert sofort alles. Einfach, weil ich im Körper einer Frau stecke, schlagen mir Vorurteile ins Gesicht. Ich werde nicht das gleiche Gehalt bekommen, was meinem Kollegen gewährt wird. Ich werde nicht die Anerkennung durch eine Beförderung erhalten, wie sie mein Kollege erhält.

 

Männer – dranbleiben. Ja, es mag stereotyp klingen. Aber wenn wir ehrlich sind: Das ist so. Als Frau werde ich belächelt, muss mich beweisen. Der Weg als Mann ist vorprogrammiert: Die Beförderung samt Lohnerhöhung steht mir natürlich zu. Als Frau muss ich dafür kämpfen, was es nicht besser macht. Das ist unverkennbar: ungerecht.

 

 

Tragödie des Genders – Mann vs. Frau

 

Die Begegnung mit Priscilla und ihre Frage lässt mich seit einem halben Jahr nicht mehr los. Wenn ich den Gedanken weiterdenke, folgen eine Menge herausfordernder Situationen. Gerade für Frauen ist die Eventbranche kein leichtes Eisen. Natürlich ist bei weitem nicht alles stereotyp. Dennoch einige Erlebnisse aus den letzten Monaten:

 

1. Frauenquote in Unternehmen

 

Neulich erst redete sich wieder ein Chef auf einer Veranstaltung um Kopf und Kragen. Leider kann ich die Worte nicht zitieren, wären sie doch zu treffend gewesen. Aber jeder kann sich diese Situationen vorstellen. Alt-Herren-Mentalität par excellence – peinlich bis körperlich schmerzend. Puh. Wäre es nur ein Satz gewesen, hätte Mann wie Frau es vielleicht ertragen können. Aber mit jedem weiteren Satz verstrickte er sich und offenbarte, wie wenig er den Sinn hinter dieser wichtigen Maßnahme verstanden hat. Das offenbart, wie wenig das Thema im Herzen angekommen ist. So wird ein konstruktives, gleichberechtigtes, unvorbelastetes Miteinander sicher nicht gefördert. Es ist Zeit, dass sich daran etwas ändert!

 

Gleichzeitig stelle ich fest, dass aufgrund der Frauenquote in manchen Konzernen Männer mittlerweile das nachsehen haben. Ohne das Thema statistisch validieren zu können stosse ich in letzter Zeit immer wieder auf Kollegen, die einfach frustriert waren. Das als Wahrnehmung, ohne bewerten zu wollen.

 

2. Arbeit als Regisseurin…

 

In dem Gedankenspiel würde ich konsequenterweise als Regisseurin sowohl Vorstände auf der Bühne, aber auch ein zu 98% männliches Technikteam führen. Da muss Frau erstmal ihren Mann stehen. Welches Alphatier im Vorstand lässt sich schon gerne vor der ganzen Mannschaft von einer Frau korrigieren? Das Thema ist sowieso sensibel und bedarf Fingerspitzengefühl: Klar, solide, ruhig kommunizieren. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber folgendes Beispiel bestätigt die Regel:

 

Kürzlich habe ich ein Projekt konzeptionell beraten. Für die Durchführung habe ich einige Regie-Kolleginnen vorgeschlagen. Die Rückmeldung war, dass es definitiv keine Frau sein soll. „Der CEO lässt sich nicht von einer Frau führen.“ Das ist natürlich höchst pauschal und unfair. Julia Möller, Nadine ImbodenMonika Graf, Andreana Clemenz oder Konstanze Agatz machen einen hervorragenden Job als Regisseurin. Vielleicht sind Männer bei euch gerade wegen der Diskretion und Empathie in besten Händen. Mein Respekt, wie ihr eure Aufgabe täglich mit Bravour meistert (oder ist das eine der leichtesten Übungen? Bei der nächsten Begegnung werden wir drüber sprechen…)! Dieses hinterfragen Kundenseits gilt übrigens nicht nur für Regisseurinnen, sondern auch für ModeratorInnen aber auch ProjektleiterInnen, wie mir kürzlich eine Kollegin bestätigte.

 

3. Selbstbewusstsein

 

Ein anderes Phänomen ist für mich das Thema Selbstbewusstsein. Oder anders: Sich seiner selbst bewußt zu sein. Was kann ich, was nicht. Was davon teile ich mit, was nicht. Verbal wie nonverbal. Allein meine Körperhaltung verrät unfassbar viel darüber, was ich mir selbst zutraue. Eine Vorstandsdame erzählte kürzlich beiläufig diese Geschichte: Eine junge Porjektmanagerin entschuldigte sich vor ihrer Präsentation für ihr unperfektes Englisch. In den Köpfen der Zuhörer war sofort verankert: Jetzt kommt schlechtes Englisch. Dabei brillierte sie auf fachlicher wie sprachlicher Ebene. Nur waren die Zuhörer gedanklich gar nicht dabei… Danach kam ein älterer Mann, der sich hinstellte und im breiten Bayern-Kauderwelsch seine englischsprachige Präsentation hielt. Es lagen Welten dazwischen, aber der Mann hat es einfach gemacht. Die Leute haben zugehört. Die Moral: Einfach machen, nicht entschuldigen.

 

Ein Phänomen, welches mir auch im Gespräch mit meiner Frau aufgefallen ist. Als Mann neige ich bei Jobanfragen dazu einfach JA zu sagen – auch wenn ich das fachlich noch nie gemacht habe. Die Entscheidung ist wenig reflektiert, sie ist instinktiv. Traue ich mir zu, mache ich, klar. Meine Frau wägt die Fallstricke eher kritisch ab. Das ist keine Wertung, sondern nur eine Wahrnehmung: Männer sagen einfach Ja, Frauen denken oft (über)kritisch darüber nach. Da können wir uns durchaus etwas von der jeweils anderen Seite abschauen.

 

Frauen in der Eventbranche

„Gib mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Kraft

Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu trennen.“

 

 

Natürlich geht es dabei nicht darum sich selbst zu überschätzen, sondern zu spüren: Was könnte ich hin bekommen, auch wenn ich davor großen Respekt habe und was ist einfach nicht möglich. Heute weiß ich: Denken hilft. Ich habe gelernt einmal mehr nachzudenken, bevor ich handle. Das bewahrt mich vor mancher Peinlichkeit – ob offensichtlich oder nicht. Aber ohne Mut wäre ich nicht da, wo ich bin. Meine Frau konnte ich genau dazu ermutigen, sich öfter auf das Abenteuer einzulassen. Natürlich hat sie Job-Anfragen immer gekonnt umgesetzt – und war froh, dass sie JA gesagt hat. Manchmal merken wir ja erst beim Tun, was so alles in uns steckt…

 

Mein Punkt: Ich kenne so viele Projektmanagerin im Eventbereich, die einfach unfassbar gut, durchdacht, stringent, souverän und umsichtig agieren. Egal auf welchem Level (und ohne Ranking) – ich bin beeindruckt von Frauen wie Hanna Hasenbank, Alexa Küddelsmann, Weijie Yang, Barbara Zickler, Eva Heid, Stefanie Dieterich, Andrea Bergheim, Sabine Pollmann, Swantje Marquardt, Gabi Garmatz, Claudia Krause, Louise Amelie Leuchtenberger, Eugenie Jung, Julia Arnold, Silja Neumann, Britta Bahlow, Miriam Gundlach, Gaby Bartolomeo, Fran Koetter, Uta Brinksmeier, Antonia Eisert, Vivien Stamm, Stephanie Fottner, Grit Aßmuß, Grit Scholz, Nadja Pohle, Vera Viehöfer, Kerstin Riedmüller, Andela Riedel, Eva Pehle, Anne Reinhardt, Nadja Meister, Yvonne Katz, Kerstin Hoffmann-Wagner, Daniela Seemann, Nadja Bartels, Maren Neumeier und viele mehr, die ich jetzt vergessen habe. You have, what it takes. Go for it!

Update: Katharina Stein vom Eveos Blog reagiert auf diese Gedanken mit diesem Plädoyer zur Haltung.

 

4. Kinderwunsch

 

Als zweifacher Vater erlebe ich die Dramatik, die sich im Körper der Frau abspielt, besser mit. Ich wußte vorher nicht, wie intensiv zum Beispiel die Geburt ist. Viele Freunde hegen seit Jahren einen Kinderwunsch. Nicht die Norm – aber immer öfter bekomme ich mit, wie sich ein Paar auf eine Hormon-Therapien einlässt. Das hat krasse Auswirkungen auf den Körper, aber auch die Seele. Bei vielen anderen Freunden gab es Totgeburten. Ein unvorstellbares Leid. Nicht nur emotional, sondern auch physisch. Das hinterlässt Spuren.

 

Dies ist aber ja nur der erste Schritt. Was ist, wenn dann die Kinder größer werden. Wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt – beziehungsweise eben auch nicht – darüber haben vier Kolleginnen höchst ehrlich geschrieben. Gerade im Eventbereich ist das mit den krassen Arbeitszeiten fast unmöglich. Ok, man könnte meinen egal ob Mann oder Frau: Wer sich für die Eventbranche entscheidet braucht einen toleranten Partner und eine verlässliche Kinderbetreuung. Aber die Frage wer zu Hause bleibt, wenn das Kind krank ist, brauche ich gar nicht zu stellen. Natürlich der Mann. Äh…?

 

 

Frauen in der Eventbranche – ein Segen!

 

Vor einiger Zeit habe ich den grandiosen Dokumentarfilm „Where to invade next“ des US-Oscarpreisträgers Michael Moore gesehen. Am Ende des Films stellt er den Einfluss von Frauen in die Gesellschaft Island’s vor. Island wählte die erste Präsidentin weltweit. Die einzige Bank, die die Wirtschaftskrise überstand war eine von Frauen geführte Bank. Moore’s Aufforderung: Frauen an die Macht – denn sie sorgen sich um durchdachte, langfristige und für alle Seiten faire Entscheidungen. Das führt zu Fairness und Nachhaltigkeit. Ich kann ihm da nur beipflichten. Wir müssen Frauen faire Chancen geben.

 

Mein Frauenbild ist grundsätzlich sehr positiv durch meine Oma geprägt worden (hier ein filmisches Porträt). Meine Mutter ist eine sehr starke, mutmachende, lebensbejahende, stringente, verändernde Frau. Auch aufgrund dieser Prägung halte ich immer wieder Ausschau nach Möglichkeiten, wie ich Frauen bei Events fördern kann. Es macht Spaß zu entdecken, wie konsequent ich positiv überrascht werde. Frauen können es, sie brauchen nur öfters die unvoreingenommene Chance. Geben wir Ihnen, was Ihnen zusteht!

 

 

Mit diesen Gedanken möchte ich dazu inspirieren, das Geschlecht als Kriterium unseres (Vor)Urteils zu verbannen! Ein unverstellten Blick (wie Priscilla Bucher in diesem Video vorlebt) tut uns allen gut. Lasst uns offen und fair miteinander Chancen verwandeln. Für alle Männer, die es bis hierhin durchgehalten haben: Nur Mut, ihr werdet überrascht werden! Das gilt auch für euch Frauen – nur Mut, ihr werdet überrascht werden „was alles möglich ist“! Lasst uns das Gute vom anderen Geschlecht abschauen, voneinander lernen, besser im Umgang miteinander werden.

 

 

Frage: Männer wie Frauen: Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema in der Eventbranche gemacht?

 

 

Wertegemeinschaften: Lasst die Zielgruppen frei!

Zielgruppen vs. Wertegemeinschaften – eine Art Petition von Helge Thomas // Foto: Mercat de la Boqueria auf den Ramblas, Barcelona

 

 

Wenn ich diesen Artikel mit der Behauptung beginne, dass Kommunikation eine der entscheidenden Kompetenzen unserer Zeit ist, wird mir vermutlich niemand widersprechen. Und Bumms. Schon knallen wir gegen die erste Hürde. Niemand lehrt uns Menschen den richtigen Umgang mit Kommunikation. Wir kommunizieren einfach.

 

Alles beginnt mit dem ersten noch unbewussten Schrei, der uns Liebe und im besten Fall Essen beschert. Da hat sich Mutter Natur was tolles ausgedacht. Funktioniert bestens. Bis… – ja bis das mit der Sprache beginnt. „Dutzi dutzi“ hören wir ständig und gurren belustigt zurück. Um es kurz zu machen: Viel ändert sich daran nicht mehr im Verlauf unseres weiteren Lebens. Wir schreien und die Umwelt reagiert. Wir gurren und die Reaktion ist eine andere. Wir bemühen uns ja redlich aber es bleibt kompliziert. Oft genug endet unser Bemühen mit Frust, Streit und Mißverständnissen.

 

Der Oscar prämierte Dramatiker George Bernard Shaw beschrieb dieses Dilemma einst etwas poetischer:

Das größte Problem an der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte statt gefunden“.

 

 

Zielgruppen: „Frauen auf Partnersuche“ & „Männern über 60“

 

Machen wir nach dieser – zugegeben etwas launigen – Einleitung einen mutigen Sprung in die „professionelle“ Kommunikation zwischen Unternehmen und Märkten. Auch hier wird mir niemand widersprechen, wenn ich behaupte, dass Kommunikation ein Schlüsselfaktor wirtschaftlichen Erfolges ist. Das beste Produkt wird in den Lagern verrotten, wenn keiner davon erfährt. Also wird kommuniziert, was das Zeug hält. Doch ganz so einfach ist es nicht. Bestand zwischen dem Säugling und den Eltern noch eine klare Sender-Empfänger-Zuordnung, fehlt diese jetzt völlig. Ein Produkt trifft auf unendlich viele Empfänger.

 

Die Urväter der Werbung erkannten das schnell. Ihre Lösung erschien zunächst logisch. Sie sortierten den riesigen Klumpen „Gesamtbevölkerung“ einfach nach vordergründigen und leicht erkennbaren Merkmalen. Dann sperrten sie diese „Grüppchen“ in kleine Räume und nannten sie „Zielgruppen“. Und so saßen plötzlich alle „Frauen auf Partnersuche“, alle „Männer über 60“ und alle „Kinder aus Großstädten mit höherem Schulabschluss“ zusammen in je einem kleinen Raum und wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Doch es kam noch schlimmer.

 

Kaum hatten sich ihre verängstigten Augen an die flackernde Neonleuchte an der Decke gewöhnt, da ging das Geschrei auch schon los. Es kam aus dem einzigen Fernseher des Raumes. „Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Single über Parship“, „Weniger müssen müssen!“, „Günstige Hotels weltweit buchen, jetzt auf deinem Smartphone“ und immer wieder ultralaut „JETZT KAUFEN! NUR FÜR KURZE ZEIT!“. Den ganzen Tag ging das so. Und die ganze Nacht. Laut, eintönig und penetrant. Es gab kein Entkommen.

 

 

So blöd kann ja nun wirklich niemand sein…

 

Klingt nach Orwell? Stephen King? Dabei ist es nur das, was wir heute immer noch als „Werbung“ bezeichnen. Viel hat sich nicht geändert seit den ersten Anzeigen. Es wurde lediglich immer mehr. Waren es am Anfang nur Bilder, die „geschrien“ haben, kamen mit der Zeit das Radio, das Kino, der Fernseher, der Computer, das Internet und zuletzt noch perfide kleine Mobilgeräte dazu. Die Botschaften blieben immer dieselben. Geklont auf jede erdenkliche Art, auf allen erdenklichen Kanälen. Immer lauter einhämmernd auf die hilflos eingepferchte Zielgruppe.

 

Immer mal wieder wehrten sie sich. Nach Kräften. Doch kaum hatten sie ein Gerät blockiert, kam ein neues dazu. Denn auf seiten der Schreihälse gab es weder Erkenntnis noch Erbarmen. „Wir kennen doch diese verdammten Zielgruppen. Die lieben unsere Produkte. Man muss es ihnen nur oft genug sagen. Sie sehen doch, wie der Umsatz steigt!“ In der Tat geben die Verkaufszahlen und Klickraten den Schreihälsen oft Recht. Auch wenn sie natürlich verschweigen, dass sie an den völlig falschen Stellen messen. Aber das ist eine ganz andere – nicht minder grausame – Geschichte.

 

Schweißgebadet wache ich auf. Gott sei Dank, ich habe nur geträumt. Erleichtert wische ich mir über die Stirn. Wie albern, denke ich. Ich meine, so blöd kann ja nun wirklich niemand sein. Niemand, der die guten Schulen besucht, Kommunikation oder Marketing studiert hat und weiß, dass man Menschen nicht mit eintönigem Geschrei erreicht. Schon gar nicht, wenn man sie vorher eingesperrt hat. Das wäre ja Folter im Sinne der Genfer Konventionen und somit ein Fall für Den Haag. Das wäre ja so, als würden Ärzte den menschlichen Körper in Einzelteile trennen, jedes davon völlig isoliert betrachten und behandeln, wohl wissend, dass der Mensch ein Gesamtorganismus ist. Halt warte… schlechter Vergleich. Das tun die ja auch.

 

Könnt Ihr mir überhaupt folgen? Versteht Ihr, was ich sagen will?

 

OK, nochmal ganz einfach: Menschen sind sehr komplexe und individuell höchst unterschiedliche Wesen, die nur dann (re)agieren, wenn ihnen etwas wirklich wichtig und wertvoll ist. NUR dann. Fangt doch mal bei Euch selbst an. Was ist das wertvollste, dass Ihr besitzt? Lasst mich raten, es ist nicht Euer Auto. Mit welchen Menschen würdet Ihr gerne einen Abend verbringen? Doch wohl am ehesten – abgesehen von irgendwelchen Promis – mit Menschen, die Eure Werte und Interessen teilen. Also Menschen, die auch einen Hund haben, sich ebenfalls vegan ernähren, Ähnliches erlebt haben, dieselbe Musik lieben, dieselben Bücher lesen oder – etwas trauriger – die gleiche Krankheit haben wie Ihr. Richtig?

 

Wir haben vor drei Jahren einen Versuch gemacht und genau solche Fragen, willkürlich zusammegestellt, auf 14fragen.de veröffentlicht. Nach einiger Zeit haben wir die dort anonym gegebenen 804 Antworten in einem kleinen – von unserer Designerin schön gestalteten – Booklet zusammen gestellt. Wenn Ihr Lust habt, da mal rein zu schauen, schreibt mir einfach eine Mail mit Eurer Adresse und ich schicke Euch ein Exemplar zu.

 

Wie auch immer. Solltet Ihr – was ich nicht glaube – noch nie auf die Idee gekommen sein, Eure Kunden nach mehr als ihrer Mailadresse, ihrer Kleidergröße oder ihrer Position im Unternehmen zu befragen. Wenn Ihr sie stattdessen – was ich nicht glaube – jeden Tag auf allen Kanälen mit dumpfen „Wir haben den Längsten“-Botschaften bewerft, weil Ihr glaubt „alle in einen Sack und drauf, es wird schon die richtigen treffen“. Wenn… – aber Freunde, wirklich nur dann schaut Euch diesen Film an. Schaut ihn zuende.

 


Wertegemeinschaften vs. Zielgruppen Ansprache von TV2 Dänemark // (Quelle: TV2 youtube)

 

 

Herzwert kommunizieren!

 

Schaut ihn noch einmal. Schöner kann man nicht erklären, was ich meine. Und wenn ihr auch ein kleines bisschen Gänsehaut habt oder euch zumindest ein heimliches Tränchen aus dem Augenwinkel entweicht, dann ist es noch nicht zu spät. Dann lasst uns endlich anfangen, wieder WERTvoll mit Menschen zu kommunizieren. Lasst uns dabei an sich verändernde WERTEgemeinschaften denken, nicht an eingesperrte Zielgruppen. Und lasst uns vor allem nicht (nur) über Produkte sondern über echte WERTE reden. Zuallererst mal über unsere eigenen. Und dann lasst Euch überraschen, wieviele Herzen uns zufliegen.

 

Das Schönste daran: Ein gewonnenes Herz bleibt viel länger als ein erzwungener „Kunde“. Geld verdienen sollte die Folge dessen sein, was wir tun, niemals das Ziel. Klar soweit?

 

 

Helge Thomas pro event live-communication creative director Helge Thomas ist Creative Director bei pro event live-communication in Heidelberg und in dieser Rolle ebenso Gründer von SHIFT, einer Initiative für neues Denken und Handeln sowie Herausgeber und Redakteur des Online-Magazins HERZWERT. Aus seiner großen Liebe zum SC Freiburg und den vielen Freudentränen im dortigen Schwarzwaldstadion macht er ebenso wenig ein Geheimnis wie um seine große Leidenschaft für kreative Ideen und mutige Menschen, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen. Helge ist auf vielen sozialen Netzwerken zu finden und freut sich immer über Zuwachs in seiner Wertegemeinschaft.

TOP Event Blogposts 2016

TOP Event Blogposts 2016 – DANKE für das Interesse!

 

 

»ALLES WIRKLICHE LEBEN IST BEGEGNUNG.« Martin Buber

 

 

2016 war ein Jahr spannender Umbrüche. Gesellschaftlich, politisch und auch persönlich. Die zweite Jahreshälfte habe ich mir als Auszeit gegönnt. Was ich in meinem Sabbatical für Entdeckungen gemacht habe, darüber werde ich in zwei Wochen schreiben.

 

2016 mit Blick auf meinen Blog kann ich in einem Wort zusammenfassen: Danke. Danke für das Interesse (29.173 Nutzer mit 112.232 Seitenaufrufen), jeden Kommentar und das teilen der Beiträge! Der konstant wachsende Traffic auf meinem Blog zeigt, dass es großen Bedarf an Wissen über Showinszenierung, technologische Entwicklungen und Konzeption in der Live-Kommunikation gibt.

 

Immer wieder bekomme ich die Frage gestellt, worin die Motivation für meinen Blog besteht. Die kurze Antwort lautet, dass ich gerne Event-Gestaltern weiterhelfe. Ich arbeite dafür, dass mehr Events Sichtweisen und Einstellungen von Gästen verändern. Es steckt so viel Potential in unserem Handwerk – für uns persönlich, unsere Branche, aber vor allem Wirtschaft und Gesellschaft! Jetzt aber zu den zehn TOP Event Blogposts 2016.

 

 

TOP Event Blogposts 2016 – das habt ihr gelesen:

 

1. Wie schreibe ich einen Regieplan? // Eine Muster-Vorlage gibt es hier!

2. Seminare & Workshops: 7 Meeting Design Tipps, um Vorträge spannender zu gestalten…

3. Event Zitate: Die besten Event Sprüche

4. Event-Konzept: Mit diesen 13 Fragen wird jede Veranstaltung besser…

5. Veranstaltungskonzeption // 7 Kernfragen für erfolgreiche Events

6. Ich bin dann mal OFF: Warum ich ein Sabbatical als Freelancer mache…

7. Medienserver: Welchen benötige ich für mein Event?

8. Creative Director: Wie weckt ihr Emotionen? // 7 Kreativdirektoren geben Hinweise

9. PR Kampagnen, die überzeugt haben…

10. Cristián Gálvez: Argumentationstechniken // Tunen Sie Ihren Fünfsatz

 

 

2017 – was steht an? Mehr Begegnung!

 

Ich freue mich in 2017 weitere Impulse über diesen Blog zu geben – den Auftakt machen 21 Expertenmeinungen zum Event Trend 2017. Noch mehr freue ich mich auf Live-Begegnungen und gemeinsam transformative Momente zu inszenieren. Neben der Eventregie und Konzeption werde ich mich verstärkt in die inhaltliche Beratung von Events investieren. In diesem Sinne: Frohes Neues – ich freue mich auf Begegnung!

 

PS: Wer mein Buch Events wirkungsvoll inszenieren noch nicht kennt: Schaut doch mal rein, da steckt das geballte Wissen rund um Inszenierung mit praktischen Handlungstips drin.

 

Event Trend 2017: Experten zur Live-Kommunikation

Event Trend 2017 // Foto: iPhone Kalender © Apple

 

 

In guter Tradition frage ich Eventgestalter zum Jahreswechsel ein und die selbe Frage: Welchen eine/n Trend, Herausforderung oder Möglichkeit siehst du für 2017, der den stärksten Einfluss auf die Live Kommunikation haben wird?

 

Zunächst noch ein kurzer Rückblick auf die Trendschau 2016. In der Essenz wurde der Fokus auf gutes Storytelling, eine stärkere Vernetzung von Digitalem und Realem sowie innovativer Umsetzung der uns bereits bekannten Möglichkeiten vorhergesagt. Inwiefern das eingetroffen ist, kann der Blick auf die Zusammenstellung der FAMAB Gewinner 2016 des Eveosblog liefern. Jetzt zum Event Trend 2017:

 

 

1. Annette Beyer, GF und Studienleitung treibhaus 0.8:

 

Content. Content. Content. Nicht nur bei den Inhalten am PoE (Point of Erlebnis ;), sondern auch in jedem Selfie, das die Teilnehmer in ihr soziales Netzwerk zwitschern. Gleichzeitig wollen die Leute vor Ort WIRKLICH Spaß haben, sonst bleiben sie lieber, wo sie grad sind – im Büro, in Küche und Kinderzimmer, im Park beim Joggen – und infotainen sich schön praktisch im Netz. Ergo: Inszenierung ist alles!

 

 

2. Martin Kloss, Moderator und Coach:

 

2016 war für mich ein Jahr, das vollgestopft war mit High-Tech Präsentationen und dem alles dominierenden Thema „Digitale Transformation“. Die besondere Herausforderung im nächsten Jahr liegt darin den Menschen wieder zu entdecken. Das stetig gesteigerte Schneller, Höher, Weiter erreicht die Menschen nicht mehr, die digitale Desensibilisierung ist in vollem Gang. Was wir brauchen ist ein Zurück zum Menschen, mit Inhalten und Inszenierungen die wieder echte Kommunikation im Fokus haben, von Mensch zu Mensch.

 

 

3. Christoph Bovenkerk, Unternehmenskommunikation Party Rent Group:

 

Die Chancen stehen gut, dass Events ab 2017 nachhaltiger werden. Jetzt alle erstmal so: Nicht das Thema schon wieder. Mit dem FAMAB Sustainability Summit und der Green Meetings Conference gibt’s am Jahresanfang aber zwei wirklich anständige Formate, die die Kraft besitzen, da mal ein bisschen Schwung reinzubringen. Dazu kommt die Berichtspflicht für große Unternehmen und das ohnehin gestiegene Nachhaltigkeitsbewusstsein. Die Nachfrage nach nachhaltigen Konzepten wird steigen – und Anbietern wird gar nichts anderes mehr übrig bleiben, als sich endlich Gedanken dazu zu machen.

 

 

4. Cristián Gálvez, Keynote-Speaker:

 

Die spürbare Dynamik durch disruptive Kräfte wird sich noch stärker auf die Konzeption der Live-Kommunikation auswirken. Die wachsende Agilität innerhalb der Unternehmensstruktur führt noch mehr zu agilen und dezentralen Eventkonzepten mit höherem Interaktionscharakter.

 

 

5. Linus Eidenbenz, GF askjeff Zürich:

 

Mixed Reality oder breiter gesagt „digital“ wird 2017 das Live-Komm-Erlebnis noch stärker beeinflussen und die alten Definitionen von „Events“ und „Live-Kommunikation“ in vielen Bereichen challengen. Hier brechen Grenzen auf, die bisher als starr galten.

 

 

6. Michael Hosang, GF Studieninstitut für Kommunikation:

 

Die Trends also bzw. den Trend? Oder doch die Lottozahlen? Vielleicht das Live Video Streaming – dynamisch wachsender Markt. Hochinteressant für (interaktive) Veranstaltungsformate.

 

 

7. Vincent Rohlfing, Management Strategie & Konzeption EXPLIZIT:

 

In den nächsten Jahren wird die konsequente Implementierung sinnvoller, digitaler Aktivierung von Gästen zu einer der größten Herausforderungen in der Event Branche. Hier geht es vor allem darum, digitale Angebote nutzbringend einzusetzen und nicht nur, weil es sie gibt.

 

 

8. Pat Kalt, GF tisch13:

 

Aus meiner Sicht wird sich die Live-Kommunikation in Zukunft noch stärker mit Virtual und Digital Space verknüpfen. Die Präsentationen von Seat auf der Pariser Motorshow und Jaguar auf der L.A. Autoshow sind da zwei gute Beispiele dafür. Dabei entsteht die Herausforderung, die spezifischen Qualitäten der Live-Kommunikation nicht zu vernachlässigen, sondern das Beste aus den verschiedenen Welten zu verbinden und zu potenzieren.

 

 

9. Jan Kalbfleisch, GF FAMAB:

 

Nach unserer brandaktuellen, repräsentativen Studie „Die Zukunft des Marketings“ werden sich die Budgets in den nächsten Jahren erheblich von der „klassischen Werbung“ in „Digital“ und „Live Kommunikation“ verschieben. Erstmalig sind sogar deutlich Rückgänge in der klassischen Werbung zu verzeichnen.

 

Deshalb muss die Branche sehr klar auf die herausragende Stärke unserer Gattung setzen. Das ist die persönliche Begegnung von Menschen auf Messen, Events und anderen Gelegenheiten. Emotionen und Erlebnisse schlagen „Big Data“.

 

 

10. Konstanze Agatz, Regisseurin:

 

Ich erlebe, dass der Trend bei großen Showproduktionen weltweit für 2017 stark in Richtung „Connectivity/Vernetzung“ geht; Zielgruppe, Markenbotschaften und Showelemente werden geschickt verwoben und verbunden. Das Erlebnis des Individuums tritt in Interaktion mit dem Präsentierten. Auch für kleinere Events und Konferenzen birgt die „Vernetzung der Teilnehmer“ ein großes Potential, insbesondere auch für die Nachnutzung der so gewonnenen Daten (Stichwort Digital Footprint). Zudem bietet ein zunehmend selbstverständlicher Umgang mit ‚Nachhaltigkeit‘ neue Möglichkeiten.

 

 

11. Florian Oberforcher, GF inszemo – Büro für Erlebnisgeschichten:

 

Erlebnisse, wie sie in der Live-Kommunkation geschaffen werden, machen in einem unternehmerischen Kontext keinen Sinn, wenn sie einmal im Jahr wie ein großer Luftballon beliebig und willkürlich losgelassen werden. Erlebnisse erzielen nur dann ihr volle Wirkung, wenn Menschen sie mit gestalten können, sie echt sind und damit Verbundenheit erzeugen. Für mich besteht daher die Herausforderung darin, die gemeinsame Zeit als sinnvolle Erlebnisse zu gestalten, wie viele kleine Luftballons, die im Alltagswind am Handgelenk der Menschen tanzen. Sie erzählen von unseren Erlebnissen und lassen uns gerne an sie zurück erinnern.

 

 

12. René Elberfeld, Idee & Konzept:

 

Weniger Hype mehr Miteinander.

 

 

13. Beke Fahrenbach, Konzeptionerin:

 

Mit Bedacht auf Relevanz, Partizipation und Nachhaltigkeit geht es viel mehr um zielgerichtete integrierte räumliche Kommunikation als um Effekt haschende Events. Unsere Herausforderung wird es sein, Erlebnisse im „HIER & JETZT“ zu schaffen. Erlebnisse, welche neugierig machen, die Menschen mitnehmen und wegziehen von ihren Smartphones – um zu mindestens für einen Moment ihre eigenen digitalen Blasen platzen zu lassen.

 

 

14. Philipp Dorendorf, Creative Director facts and fiction:

 

Ich glaube nicht, dass sich in Bezug auf Live-Komm Formate aktuell so wahnsinnig viel ändert. Live und Digital nähern sich nach wie vor an, probieren aus, experimentieren, erfinden sich neu, also alles gut.

 

Aber was Trends angeht: Wenn ein Trend einmal alle erreicht hat, dann ist ja kein Trend mehr. Was ich tatsächlich und für mich neu beobachte, ist, dass die Kunden selbst stark aufrüsten und Spass an Live bekommen. Die ersten machen richtig mit. Sie konsumieren nicht nur die Konzepte, sie gestalten mit. Alle wollen Partizipation? Die fängt zwischen Agentur und Kunde an. Die ersten haben das verstanden! Ich rede von richtig grossen Unternehmen.

 

 

15. Miriam Wüstefeld, Konzeptionerin:

 

2017 – bloß nicht den Anschluss verpassen! Technologie und Wirtschaft geben klare Signale und eine vierte industrielle Revolution steht ins Haus. Gerade die Live Kommunikation sollte die Augen davor nicht verschließen und klug mit dieser Herausforderung und Chance umgehen. Inhalte werden komplexer, Erlebnisse virtueller – eine tolle Möglichkeit phantastische Welten zu kreieren. Neue Dimensionen des kreativen Denkens und bislang ungewohnte Wege der Umsetzung werden Einzug halten.

 

 

16. David Korte, Director Planning OSK:

 

2017 wird meiner Meinung neben dem WAS auch das WIE immer entscheidender für Kreations- und Operationalisierungsprozesse. Zum einen wird alles leaner, agiler und rapider. Das macht auch Sinn – zumindest häufig. Aber sicher nicht immer. Denn zum anderen muss hierzu auch die Kultur bei allen Beteiligten entsprechend sein – sonst springt man wie ein Tiger und landet wie ein Bettvorleger.

 

 

17. David Delassus, GF a-blok:

 

2017 will confirm that digital is not just a special meal anymore. Our clients have tasted it and now know what the good ingredients are: interaction, contributions, gamification, emotions, storytelling… What is now interesting is to open up the cooking experience to others, online, and invite them to be part of it, before, during and after the event.

 

 

18. Andreas Roos, Regisseur & Konzeptioner:

 

Storytelling, human stories, narrative advertising, alles das Gleiche, nur immer wieder im neuen Gewand? Schon Shakespeare hat richtig gute Geschichten erzählt, authentisch, spannend, nah an der Realität und wenn sie dann noch gut inszeniert werden, wiederum authentisch, spannend und mit perfektionistischem Anspruch, dann wird es am Ende gefallen, ob das jetzt ein Trend ist, weiß ich nicht, ich weiß aber, dass es funktioniert… immer wieder!

 

 

19. Jörg Sellerbeck, Art Director Konzeption:

 

Die Aussicht, dass Menschen wie Helge Thomas (pro event live-communication) zu Beginn des Jahres 2017 auf dem Sustainability Summit in Dortmund zum Mikrofon greifen, um das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich zu betrachten, wird meiner Hoffnung nach die Umsetzung von Live-Kommunikations-Ereignissen bereichern. Mögen die Impulse des Summits so monumental sein, dass auch der Begriff der „Gastrosophie“ die Köpfe der Live-Kommunikateure erreicht.
Zudem wünsche ich mir für 2017 eine stärkere inhaltliche Fokussierung auf das Thema „Ankunft“, anstelle der ständigen Suche nach dem nächsten „Dingsbums der Zukunft“.

 

 

20. Kai Janssen, GF und Kreativdirektor MATT CIRCUS:

 

Die Tendenz setzt sich fort: Je globaler und virtueller die Welt, desto heimeliger der Stil und sinnlicher das Angebot. Selbstverständlich total regional. Im Vintage-Look daherkommender Minimalismus ist sexy. Lieber das selbst Gestaltete statt des austauschbar Eingekauften. Direkte, persönliche Ansprache, mehr Gäste-Einbindung und DIY! Individualität kennt keine Grenzen, Partizipation ist das Ziel. Und die Digitalisierungswelle gibt uns dazu immer neue Tools an die Hand.

 

 

21. Bruno Meissner, GF MEISSNER EXPO:

 

o Digitale Transformation & Face-to-face Bedürfnis nimmt parallel zu
o Einsatz von Kanban-Wand im Büro um das gesamte Team zu befähigen, kritisch zu denken (Thema „Digital Disruption“ – „anstößig“ sein), zu verhandeln und zu moderieren – das werden die gesuchten Fähigkeiten der Zukunft sein!
o Storytelling (authentische Geschichten) bleibt heißes Thema v.a. in den sozialen Medien und damit auch im Marketing
-> Motto: Je üppiger die Pläne blühn, desto verzwickter wird die Tat

 

 

Event Trend 2017: Sowohl DIGITAL als auch ANALOG…

 

Persönlich entnehme ich aus diesen Statements den Kontrast von DIGITAL und ANALOG wahr. Die digitale Revolution nimmt unaufhaltsam auch in der Live Kommunikation ihren Lauf – bei gleichzeitigem Wunsch nach Echtheit, Begegnung, achtsam im Moment zu sein. Bei der Gestaltung dieser Momente geht es nicht um das „entweder – oder“, sondern das geschickte „sowohl – als auch„.

 

Gerade nach meinem halbjährigen Sabbatical (welches am 15.1.2017 endet) bin ich freudig gespannt auf all das, was uns 2017 bringen wird. Bis dahin freue ich mich auf die Geburt meines zweiten Kindes und wünsche frohe Weihnachten und kommt gut rüber ins neue Jahr!

 

 

Frage: Welcher Trend fehlt oder ist unterbelichtet? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unterhalb.

 

 

Wie es sonst um den Event Trend 2017 steht:

A) Eventmanager Blog: Event Industry Trends Report 2017
B) Lesenswerte Analyse der Kunde-Agentur-Beziehung mit drei Empfehlungen: Klare Positionierung, Beratungskompetenz steigern, Prozesse verbessern. Schlechte Kreation wird auch zukünftig für Frustrationen und Probleme sorgen. Aber exzellente Kreation ist morgen kein Garant mehr für eine erfolgreiche Agentur-Kunden-Beziehung.
C) Top Eventblog Posts in 2016 auf meinem Blog

 

Wie geht es dir? // 378 Alternativen zum gut!

Wie geht es dir? // 378 Alternativen zum gut (Danke dran für den Impuls)

 

 

Diese Frage begegnet uns ständig auf Events – ob als Gast oder Gestalter:

 

Wie geht es dir?

 

 

Ob ernstgemeint oder floskelhaft – die Antwort lautet häufig reflexartig: gut.

Hier 378 alternative Gefühle für Menschen, denen es auf Nachfrage immer „gut“ geht:

 

 

abgelenkt | abgeschnitten | abgestumpft | abstoßend | abwesend | alarmiert | allein | am Boden zerstört | amüsiert | angeekelt | angegriffen | angeregt | angespannt | angewidert | angriffslustig | ängstlich | anmutig | anspruchslos | ansteckend | argwöhnisch | atemberaubend | auf der Höhe | aufbrausend | aufdringlich | aufgebracht | aufgeschlossen | aufgeweckt | aufgewühlt | aufrichtig | aus dem Gleichgewicht | ausgeglichen | ausgegrenzt | ausgelassen | ausgenutzt | ausgeruht | authentisch | bedroht | bedrückt | befreit | befremdet | begeistert | behaglich | behämmert | beharrlich | belastet | beleidigt | benachteiligt | beschämt | besinnlich | besitzergreifend | besorgt | bestürzt | beteiligt | betrübt | beunruhigt | blockiert | bösartig | böse | brutal | daneben | dankbar | deprimiert | desillusioniert | desolat | desorientiert | distanziert | dynamisch | echt | effizient | ehrlich | eifersüchtig | einfühlsam | eingefallen | eingeschüchtert | einsam | einzigartig | ekstatisch | elend | empfänglich | empfindlich | empört | energielos | enthusiastisch | entmutigt | ernstgenommen | entnervt | entsetzt | entspannt | enttäuscht | entrückt | entzückt | erfreut | erfüllt | erhaben | ermüdet | ermutigt | erschrocken | erstaunt | ertappt | erzürnt | exzellent | fasziniert | feige | feindlich | feindselig | feststeckend | frei | freudig erregt | froh | fröhlich | frustriert | galant | ganz bei mir | gebraucht | gedemütigt | geehrt | geerdet | gefangen | gefestigt | gehässig | gehemmt | gehypt | geistesabwesend | geistig | geistig gesund | gekränkt | gelähmt | gelangweilt | gelassen | geliebt | gellend | gemartert | gemein | gequält | geschnitten | gesegnet | gesellig | gestelzt | gestresst | gesund | getrennt | gewalttätig | gierig | giftig | glänzend | gleichgestellt | gleichgültig | glücklich | grantig | griesgrämig | grob | groovy | großartig | gut aufgelegt | halsstarrig | harmonisch | hart | hasserfüllt | heiter | herabgesetzt | herabgewürdigt | herrisch | heruntergekommen | hilflos | hinhaltend | hitzköpfig | hoffnungslos | höhnisch | hundsmiserabel | hungrig | im Fluss | im Himmel | indisponiert | inkompetent | in meiner Mitte | in Panik | inspiriert | intelligent | interessiert | intolerant | irritiert | jämmerlich | jammernd | jovial | jubilierend | jugendlich | kalt | kaltschnäuzig | kindlich | klagend | klammernd | klar | kochend vor Wut | konsterniert | kontrollierend | kräftig | kraftlos | krank | kritisch | kühn | künstlich | langsam | launisch | laut | lebendig | lebenslustig | lebhaft | leblos | leer | leicht | leidend | lustig | lustlos | manipulativ | masochistisch | mechanisch | mies | minderwertig | missmutig | misstrauisch | mitleiderregend | müde | mürrisch | mutig | mutlos | nachdenklich | neidisch | nervös | neugierig | niedergeschlagen | niederträchtig | nutzlos | oberflächlich | offen | okay | optimistisch | paranoid | peinlich berührt | perfide | perplex | pessimistisch | phobisch | privilegiert | rachgierig | rachsüchtig | rasend | reaktiv | rebellisch | rechthaberisch | reif | reserviert | respektlos | reumütig | rigide | ruhelos | ruhig | sadistisch | sanft | sarkastisch | sauer | scheußlich | schikaniert | schimpfend | schmerzerfüllt | schmollend | schrecklich | schreiend | schrill | schuldig | schwach | schwungvoll | sehnsüchtig | selbstsicher | selbstverachtend | sicher | sonnig | sorgenfrei | sorgenvoll | souverän | spontan | stabil | stark | steif | streitlustig | streitsüchtig | strikt | süß | taktlos | terrorisiert | todernst | tolerant | träge | traumatisiert | traurig | trübselig | tyrannisiert | überempfindlich | überglücklich | überheblich | überlegen | überrascht | überrumpelt | überwältigt | überzeugt | unabhängig | unangenehm | unbehaglich | unbeholfen | unbekümmert | unbelastet | unbeschwert | unbeugsam | unehrlich | unempfänglich | unentschieden | unentschlossen | unfähig | ungeduldig | ungehalten | ungerecht behandelt | ungewiss | ungezwungen | unglücklich | uninteressiert | unschuldig | unsensibel | unsicher | unterdrückt | unterstützend | unterstützt | unverblümt | unverstanden | unverwundbar | unwürdig | unzufrieden | verächtlich | verärgert | verbuttert | verdammt | versöhnlich | verständnisvoll | versteinert | verstört | vertieft | verwirrt | verwegen | verzagt | verzweifelt | vollkommen | vollwertig | vorsichtig | vorurteilsbehaftet | wagemutig | wahnsinnig | wahrhaft | wahrgenommen | weinerlich | wissbegierig | wunderbar | wütend | zappelig | zerbrechlich | zerrissen | zornig | zufrieden | zulassend | zurückgestoßen

 

 

Ich übe mich bei Begegnungen auf Produktionen darin, mein Wortschatz in der Beantwortung dieser Frage zu erweitern. Einfach weil es so viel mehr Möglichkeiten gibt als ein „gut“. 🙂

 

Frage: Wie geht es dir?