Authentisch Präsentieren // Teil 5: Spiegelung

Authentisch präsentieren Spiegelung

Authentisch präsentieren: Spiegelung der Selbst- und Außenwahrnehmung // Teil 5 von Martin Kloss

 

 

Hier der fünfte Teil der Serie “Besser Präsentieren” mit Analysen, Hintergründen und nützlichen Tipps um die eigene Präsentation vor Publikum zu verbessern (Teil 1: WIE vor WAS // 2: Körpersprache // 3: Atmung & Stimme // Teil 4: Rhetorik).

 

 

Authentisch Präsentieren: Spiegelung der Selbst- und Fremdwahrnehmung

 

In diesem vorerst letztem Teil der Serie, geht es darum einmal hinter die Kulissen der Wahrnehmung zu schauen und zu verstehen, was eigentlich in unserem Kopf und dem unseres Zuschauers passiert während wir präsentieren.

 

1. Selbst- und Fremdwahrnehmung ist immer subjektiv
2. Authentizität ist eine Illusion

 

 

Authentizität ist eine Illusion

 

Eigentlich bin ich ja ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu”, sagte der österreichische Schriftsteller Ödön von Horváth und beschrieb damit sehr pointiert das Gefühl, dass viele während oder nach der Präsentation haben. Warum habe ich dies oder jenes getan oder gesagt, warum war ich nicht einfach ich selbst?

 

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir zunächst einen Schritt zurück machen und uns noch einmal mit dem Thema Wahrnehmung auseinandersetzen. Denn Präsentieren vor Publikum bedeutet immer eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wahrnehmungen:

 

1. der Eigenwahrnehmung als Präsentierender und
2. der Fremdwahrnehmung des Publikums.

 

Wir nehmen uns als individuelle Persönlichkeit erst durch unsere Sinne wahr (siehe auch Teil 1). Diese Eigenwahrnehmung ist ein wichtiger Feedback Mechanismus, eine Art Spiegel.

 

Die Fremdwahrnehmung dagegen entsteht in Relation und Abhängigkeit zur Eigenwahrnehmung, wie attraktiv finde ich beispielsweise meinen Gegenüber, ist er/sie mir sympathisch, habe ich Angst ihm/ihr etc. und ist wie die Eigenwahrnehmung ein rein subjektives Empfinden.

 

 

Spiegelneurone

 

Betrachten wir die Vorgänge im Hirn, die für uns bei der Wahrnehmung im Alltag eine maßgebliche Rolle spielen, dann ist da zunächst das Feuern der Handlungsneurone, der “Intelligenz” in der prämotorischen Hirnrinde. Hier wird das Kommando (bewusst oder unbewusst) gegeben eine Bewegung auszuführen, zum Beispiel über die Bühne zu gehen oder eine Geste bei einer Präsentation zu machen, die das gesagte unterstreichen soll.

 

Dies führt dazu, dass die Bewegungsneurone in der benachbarten motorischen Hirnrinde feuern und die Bewegung vom Muskelapparat ausgeführt wird. Man spricht hier auch vom Asterix & Obelix Prinzip. Der eine ist “schlau” und plant die Bewegung, der andere ist “dumm”, besteht nur aus Muskeln und führt die Befehle aus.

 

Oft wissen wir aber gar nicht warum dieses Asterix & Obelix Paar in Aktion getreten ist, also warum wir beispielsweise eine bestimmte Geste gemacht haben. Der Grund dafür sind sogenannte spontane Resonanzphänomene, wenn wir ganz unbewusst und “automatisch” ein Lächeln erwidern, die Sitzhaltung unseres Gegenüber einnehmen, Gähnen wenn jemand anders gähnt, dem Blick anderer folgen usw. (siehe auch Teil 2 – Körpersprache).

 

Die sogenannten Spiegelneurone nehmen dabei eine besondere Stellung ein, denn dabei handelt es sich um Handlungsneurone die feuern können, ohne dass dabei Bewegungsneurone tätig werden. Also ein Asterix, der auch ohne Obelix aktiv sein kann, wie bei der Vorstellung einer Tätigkeit oder wenn ein anderer Mensch eine Handlung ausführt und wir sie nur beobachten!

 

Untersuchungen haben gezeigt, dass beim reinen Betrachten eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster im Hirn entsteht wie bei dessen eigener Ausführung. Leistungssportler nutzen beispielsweise dieses Phänomen um zusätzlich zum eigentlichen Training auch kognitiv zu trainieren, also ihre Bewegungen nur in der Vorstellung zu trainieren und so nachher im Wettkampf tatsächlich besser zu sein.

 

Aber nicht nur bei eigenen Handlungen werden diese Spiegelneuronen aktiv. Beim Beobachten anderer Menschen nehmen wir oft eine Innenperspektive ein, die uns hilft die Handlungen anderer intuitiv zu verstehen und mitzufühlen.

 

Ein einfaches Beispiel ist ein Film bei dem wir mit der Hauptfigur Freud und Leid erleben und ein emotionales Verstehen der Handlungen der Figur stattfindet. Dieses “Nachempfinden” für andere nennen wir Empathie. Der gleiche Prozess sorgt auch dafür, dass wir Sympathie oder Antipathie für einen anderen Menschen empfinden.

 

 

Was ist Sympathie?

 

Studien zeigen, dass wir Sympathie für die Menschen empfinden, die gut spiegeln können. Also Emotionen und Handlungen so auszudrücken, dass wir sie als angemessen empfinden.

 

Erzählt uns jemand lachend von einem tragischen Unfall, widerspricht diese Wahrnehmung unserer eigenen und der Erwartung davon wie die Wahrnehmung des anderen sein sollte. Die Folge ist, dass wir unser Gegenüber unsympathisch finden. Genauso kann eine schöne Geschichte oder ein guter Witz, den wir selbst auch lustig finden dazu führen, dass uns die Person sympathisch ist.

 

Die Sympathie entsteht aber NUR wenn die Person spontan und authentisch ist, die Emotion und Handlung also Ausdruck ihrer tatsächlichen Stimmung ist. Und dafür haben wir sehr feine Antennen, die hauptsächlich auf die Körpersprache unseres Gegenüber eingestellt sind (siehe Teil 2).

 

 

Wann bin ich “authentisch”?

 

Sei authentisch – ob in den Medien oder auch im persönlichen Gespräch, das ist gerade eine Art gesellschaftlicher Imperativ. Authentizität ist die Währung für das echte, unverfälschte Leben wie wir es uns für uns wünschen und auch gerne bei anderen sehen möchten.

 

Aber Authentizität ist eine Illusion. Wir alle sind Rollenspieler, die je nach Situation eine Rolle einnehmen. Selbst wenn wir nur für uns allein sind, versuchen wir bewusst und unbewusst die Erwartungen an uns selbst zu erfüllen. Anders ausgedrückt, wir sind immer in einer Rolle.

 

Die Hamburger Soziologin Gabriele Klein drückt es folgendermaßen aus: “Authentifizierung findet durch das Publikum statt… das Authentische ist für mich eine Inszenierungskategorie, damit immer theatral und eine Kategorie, die insofern performativ ist, als dass sie über Beglaubigung durch das Publikum, durch den Anderen funktioniert.” (Quelle: DLF, “Authentizität ist nur eine Illusion”)

 

Der Beobachter, ist also derjenige, der das Erlebte als authentisch ratifiziert und beglaubigt. Authentizität gibt es daher nicht an sich, sondern immer nur für den Zuschauer im Moment des Betrachtens.

 

 

Was bedeutet das für meine Präsentation?

 

Zur Wahrnehmung und inneren Abbildung anderer Menschen setzt das Gehirn dieselben Programme ein, mit denen es sich auch ein Bild von sich selbst modelliert.

Das System der Spiegelneurone fungiert dabei als ein soziales Orientierungssystem, das uns hilft die Menschen auszuwählen, mit denen wir gut umgehen können. Freund und Feind zu unterscheiden oder auch den Partner für die Familiengründung zu finden.

 

Wir haben als Menschen den permanenten Wunsch uns zu spiegeln, wir sind süchtig nach anderen Menschen. Wir wollen das gut finden, was andere gut finden. So entstehen Trends und Massenphänomene. Die Medien- und Werbeindustrie macht sich das gezielt zu nutze und steuert so unser Konsumverhalten. Und wir können es nutzen, um in einer Präsentation das Publikum für uns zu gewinnen.

 

 

Fazit: Authentisch präsentieren um Wirkung zu erzielen

 

Wenn ich mich auf der Bühne, in der Situation, mit mir und vor dem Publikum wohl fühle, meine Selbstwahrnehmung, meine Spiegelung mir ein gutes Gefühl gibt, wird die Fremdwahrnehmung des Betrachters dieses als authentisch und sympathisch bewerten. In der Folge werden meine Inhalte besser transportiert und nachhaltig wirken.

 

Um dies zu erreichen, sollte ich mir bewusst sein über die Wirkung von Körpersprache, Atmung, Stimme und Rhetorik und sie gezielt einsetzen um sowohl die Selbst- als auch die Fremdwahrnehmung positiv zu beeinflussen.

 

 

Der Weg dahin geht nur über die Erfahrung. Machen, machen, machen. Trainieren Sie Ihre Körper-, Stimm-, Atmungs- und Rhetorikmuskeln. Arbeiten Sie daran mit einem Coach. Lassen Sie sich von schlechten Erfahrungen bei Präsentationen nicht entmutigen, sondern nehmen Sie jedes Erlebnis als eine positive Erfahrung auf ihrem Weg mit und lernen Sie daraus.

 

Und vor allen anderen Dingen: Haben Sie Spass!

 

 

 

Martin Kloss Besser PräsentierenMartin Kloss ist seit bald 20 Jahren als zweisprachiger (Deutsch / Englisch) Schauspieler, Moderator und Musiker vor der Kamera und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Darüber hinaus hilft er Unternehmen als Schauspiel- und Business Coach, schult Redner und Vortragende und bietet Workshops zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung an. Weitere Infos: www.martinkloss.com

 

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